So, mal wieder ein neues Kapitel. Danke für die Reviews :)
InaBauer: Das kommt noch :) Aber ein Werwolf ist er nicht, das kann ich ja schon mal verraten ^^
Melodea: Dankeschön :) Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat bis zum nächsten O.o
Ein neuer Anfang
Sirius landete pünktlich um 9 Uhr im MACUSA und meldete sich in der Aurorenzentrale. Er hatte eine Woche zuvor den Arbeitsvertrag geeult bekommen mit der Bitte, wenn alles passte diesen zu unterschreiben und am 2. September mitzubringen. Die Konditionen waren sehr gut. Er beinhaltete natürlich auch Feiertags- und Wochenendarbeit, aber an den Wochenenden, an denen die Ilvermorny-Schüler zuhause waren, hatten alle Angestellten des MACUSA, die Kinder in Ilvermorny hatten, frei, so auch Sirius. Ansonsten hatte man oft auch mal unter der Woche frei, was praktisch war. Es gab Früh-, Spät- und Nachtschichten, wobei letztere viel seltener waren.
Dimitri Petrov, der Leiter der Aurorenzentrale, führte Sirius in sein Büro.
„Herzlich willkommen", sagte er in seiner forschen Art. „Ich bin Dimitri – wir duzen uns hier alle."
„Sirius", sagte Sirius grinsend. Das war ein Chef nach seinem Geschmack.
Zuerst ging Dimitri mit ihm die einzelnen Punkte im Arbeitsvertrag durch. Dann zeigte er ihm die Aurorenzentrale und stellte ihn allen neuen Kollegen vor. Entgegen seinen Erwartungen hatte keiner Vorbehalte gegen Sirius.
„Es ist hier so", erklärte er, während sie einen Rundgang machten, „alle Auroren werden in Dreiergruppen eingeteilt, die sind dann immer zu dritt zusammen unterwegs. Es sind immer beide Geschlechter in der Gruppe vertreten, damit es keine Probleme gibt, wenn jemand durchsucht werden muss. Einer ist zwar der Gruppenleiter, aber es sollten alle Entscheidungen, wenn möglich, gemeinsam getroffen werden. Fünf dieser Dreiergruppen bilden jeweils eine Einheit von fünfzehn Leuten, einer der Gruppenleiter ist also gleichzeitig auch der Leiter einer Einheit. Wir haben zwanzig von diesen Einheiten. Wenn es irgendein Problem geben sollte, dann sprecht mit dem Einheitsleiter darüber. Wenn es ein Problem mit dem Einheitsleiter geben sollte, dann sprecht mit mir darüber, klar?"
Sirius beeilte sich zu nicken und unterdrückte ein Grinsen. Wie sehr ihn Dimitri doch an Moody erinnerte! Aber 300 Auroren waren schon viel. England hatte nur einen Bruchteil davon – allerdings, wie ihm in den Sinn kam, war England auch kein Paradebeispiel und außerdem viel kleiner als Amerika.
„Bei uns dauert die Aurorenanwartschaft drei Jahre. Für Wiedereinsteiger ist es aber sehr individuell – je nachdem wann sie aufgehört haben und was sie noch können. Wir werden deine Fähigkeiten erst einmal auf Herz und Nieren prüfen, danach machen wir einen Trainingsplan. Wir haben aktuell noch zwei weitere Wiedereinsteiger, die wie du schon etwas länger weg waren, aber beide im Juli angefangen haben. Übrigens müssen auch fertige Auroren jeden Tag zwei Stunden trainieren – eine in der Früh und eine vor Feierabend. Wenn wir es am Stück machen würden, wäre es zu gefährlich, falls ein Einsatz kommt und man dann zu ausgepowert ist."
Damit betraten sie den Trainingsraum. Er war ziemlich riesig und an den Wänden standen überall Regale mit Büchern über Duelltaktiken, Flüche, Schwarze Magie und ähnliches. Petrov zog den Zauberstab und stellte sich gegenüber von Sirius auf, der plötzlich nervös wurde. Er war zwar früher ein hervorragender Duellant gewesen, aber er war doch sicher durch die lange Auszeit ziemlich eingerostet. Hoffentlich machte er sich nicht lächerlich, doch jetzt gab es keinen Weg zurück.
Auch Sirius zog also den Zauberstab und stellte sich gegenüber von Dimitri auf. Dieser nickte ihm zu.
„Also, erlaubt sind nur Flüche Stufe 1 und 2."
Sirius nickte. Stufe 1 waren sehr harmlose Flüche wie etwa der Wabbelbein- oder Kitzelfluch, Stufe 2 wirkungsvollere wie der Stupor. Stufe 3 waren jedoch Flüche, die den Gegner entweder sehr schwer verletzten oder töteten, etwa der Amputeus oder der Sectumsempra. Auch die Unverzeihlichen zählten dazu. Das wollten sie natürlich nicht riskieren.
Blitzschnell schoss Dimitri einen ungesagten Fluch los. Sirius blieb nur das Ausweichen, für alles andere war keine Zeit mehr. Dann schoss er zurück. Schnell entstand ein Feuer aus Lichtblitzen, als die beiden Kontrahenten immer erbitterter duellierten. Sirius hatte Glück, dass er seinen Gegner nicht unterschätzt hatte, denn Petrov war ein überragender Duellant. Doch Sirius hatte sich durch seine Flucht aus Askaban und die darauf folgende Zeit des Gejagtwerdens dadurch, dass er ständig auf der Hut sein musste, hervorragende Reflexe antrainiert. Das war auch der einzige Grund, warum ihn nicht gleich der erste Fluch seines Gegners zur Strecke gebracht hatte. Wieder einmal hechtete er aus dem Weg eines roten Strahles und rollte sich auf dem Boden ab, während er einen Stupor auf Dimitri schoss und direkt hinterher einen Lähmfluch und einen Expelliarmus rechts und links des Aurors. Der Plan ging auf – in seinem Versuch, auszuweichen, trat der Chefauror direkt in den Entwaffnungszauber. Sein Zauberstab wurde ihm aus der Hand gerissen und er flog einige Meter weit nach hinten. Zum Glück war der Boden weich, extra für solche Fälle.
Sirius fing den Zauberstab auf und wollte schon triumphierend grinsen, aber Petrov streckte nur die Hand nach ihm aus und schon wurde Sirius durch eine Magiewelle zu Boden geworfen. Etwas drückte auf seine Brust, sodass er nicht mehr aufstehen konnte. Die Zauberstäbe hatte er instinktiv fest umklammert, sodass er sie nicht verloren hatte. Er wollte sie auf Petrov richten, konnte jedoch seinen Arm nicht mehr bewegen, er wurde einfach festgehalten. Dann war Petrov auch schon zur Stelle, packte seinen Arm mit einer Hand und entwand ihm so mühelos mit der anderen die Zauberstäbe. Grinsend hielt er beide seinem neuesten Auror an den Hals. Sirius hob leicht das Kinn.
„Das war Wakanda, oder?"
Petrov nickte grinsend. „Natürlich. Du bist wirklich gut, sehr gut sogar, aber das ist etwas, was du unbedingt so schnell wie möglich lernen musst. Bei uns ist die Beherrschung des Totemtiers eine Einstellungsvoraussetzung, ich hatte ganz vergessen, dass du das wahrscheinlich nie gelernt hast. Aber das ist für dich sicher kein Problem. Du hast dich sehr gut geschlagen."
Damit verschwand der Druck auf Sirius' Brust und er kam sofort wieder auf die Füße, erfreut, dass er sich nicht lächerlich gemacht hatte. Dimitri ging zu einem Regal, nahm ein Buch heraus und gab es Sirius.
„Dieses Buch ist extra für Erwachsene geschrieben worden, die ihr Totem suchen. Es beschreibt verschiedene Meditationstechniken und Wege, sich selbst zu erforschen, um herauszufinden, welches Tier das eigene Totem ist. Ich denke, du wirst damit etwas anfangen können."
Sirius nahm das Buch dankend entgegen.
„Außerdem muss jeder Aurorenanwärter des MACUSA am Animagustraining teilnehmen. Das ist verpflichtend", erklärte Petrov.
„Das wird nicht nötig sein", murmelte Sirius verlegen. „Ich bin bereits einer."
Nun sah ihn der oberste Auror erstaunt an. „Welche Form?"
Sirius verwandelte sich in den riesigen schwarzen Hund. Petrov blieb der Mund offen stehen.
„Dieses kleine Detail haben sie uns aber verschwiegen, als sie dich zur internationalen Fahndung ausschrieben."
Sirius hustete verlegen. „Ja… das liegt daran, dass sie es nicht wussten. Ich bin in meiner Schulzeit ein Animagus geworden, meine Freunde und ich wollten unserem Freund, der ein Werwolf war, die Verwandlungen erleichtern."
Petrovs Augen weiteten sich. „Das ist beeindruckend, soweit ich weiß, wird das auf Hogwarts nicht gelehrt. Ihr habt es ganz allein geschafft?"
Sirius nickte bescheiden.
„Gut, dann hast du ja mehr Zeit, dein Totem zu suchen", sagte Dimitri grinsend. „Am besten, du fängst gleich an, wenn du Fragen hast, komm zu mir." Er deutete auf eine Tür neben ihnen. „Dort ist der Meditationsraum, er ist extra dafür da."
Sirius nickte und begab sich in den Raum. Das Buch nahm er mit.
# # #
Harry wachte früh auf. Kein Wunder, er war gestern todmüde gewesen und sehr zeitig eingeschlafen. Die anderen schliefen alle noch, also ging er schon mal duschen und nahm dann, weil immer noch keiner seiner neuen Freunde wach war, seinen Besen, um eine Runde auf dem Quidditchfeld zu fliegen, bevor er nachher an den Auswahlspielen teilnehmen würde.
Doch das Quidditchfeld war schon besetzt. Einige Schüler, die ungefähr in der zweiten oder dritten Klasse sein mussten, spielten dort Quidditch, aber er sah, dass sie nicht besonders gut waren. Er vermutete, dass sie keiner Mannschaft angehörten, sondern einfach zum Spaß spielten. Harry setzte sich auf seinen Besen und flog stattdessen einige Runden um die Schule. Am Hippogreifgehege hielt er an und beobachtete die Tiere. Morgen würde er zum ersten Mal richtigen Reitunterricht auf einem Hippogreif haben. Da fiel Harry etwas auf, was er noch nie an einem Hippogreif bemerkt hatte.
Nicht alle, aber viele der Hippogreife hatten einen Kamm aus Federn auf Kopf und Hals, ähnlich einer Pferdemähne, nur hingen die Federn nicht auf der Seite des Halses herab, sondern fielen nur leicht nach hinten und zur Seite. Seidenschnabel hatte das nicht, bei ihm waren nur zwei etwas größere Federn an der Stelle, wo man die Ohrlöcher vermuten würde. Dafür hatte Harry sie zumindest immer gehalten, doch diesen Hippogreifen mit dem Kamm fehlten die Ohrfedern. Andere hatten diese Federn, aber keinen Kamm. Ob das wohl eine andere Rasse war? Harry beschloss, diese Frage morgen zu stellen. Hogwarts hatte keine Exemplare mit Federkamm, deshalb hatte Hagrid ihnen nichts darüber erzählt. Allerdings, dachte er wütend, war Hagrid dank Malfoys Stunt kaum dazu gekommen, ihnen überhaupt etwas über Hippogreife zu erzählen.
Eine halbe Stunde später saß er mit Seth, der wohl generell ein Frühaufsteher war, beim Frühstück und ging die Liste mit den Clubs durch, die es in Ilvermorny gab. Er hatte neben dem Hippogreifclub auf jeden Fall vor, das Animagustraining besuchen, das war zum Glück ab der vierten Klasse möglich. Dann wollte er noch Okklumentik lernen und Quidditch spielen. Quodpot war ihm suspekt, für den Apparierkurs war er noch zu jung, Koboldstein war nicht seins und Zauberschach hatte er zwar immer mit Ron gespielt, aber er hatte sich schon jetzt eigentlich genug vorgenommen. Aus dem gleichen Grund ließ er Koboldogack erst einmal beiseite. Besenfliegen konnte er schon, das brauchte er also auch nicht.
Seth wandte sich ihm kauend zu und schluckte sein Rührei runter. „Und, hast du dich entschieden, was du machen willst? Ich mach nur Koboldstein, dann hab ich genug Zeit für meine Kräutersammlung."
Harry nickte. „Ich dachte an Animagustraining, Okklumentik, Quidditch und den Hippogreifclub."
„Oh, da hast du dir aber was vorgenommen. Vier Clubs, und wolltest du nicht auch noch in die Quidditch-Hausmannschaft?"
Harry sah ihn verdutzt an. „Ich dachte, der Quidditchclub ist die Hausmannschaft?"
Seth lachte und schüttelte den Kopf. „Um Himmels Willen, nein. Im Quidditchclub sind alle, die Lust haben, Quidditch zu spielen. Das ist häuserübergreifend. Die Hausmannschaften sind extra und trainieren separat, auch wenn es oft vorkommt, dass im Quidditchclub gute Spieler für die Hausmannschaften entdeckt werden. Da sind aber auch viele, bei denen es für die Hausmannschaft eben nicht gereicht hat, die sich aber trotzdem verbessern wollen. Aber im Club wird halt einfach aus Spaß gespielt, da sind auch Leute dabei, die nicht so gut spielen. Es gibt zwei Gruppen, Anfänger und Fortgeschrittene. In den Hausmannschaften sind natürlich nur die besten und die trainieren auch mehrmals pro Woche. Wenn du so gut bist, dass du in die Hausmannschaft kommst, bringt der Club dich eigentlich gar nicht mehr weiter, weil selbst die Fortgeschrittenengruppe spielt nicht so wirklich…"
Seth rang um Worte und Harry musste lachen, er konnte sich schon ungefähr vorstellen, was sein neuer Freund sagen wollte. Wenn man wirklich sportliche Ambitionen hatte, war man in der Hausmannschaft besser aufgehoben. „Dann probiere ich es mit der Hausmannschaft, und wenn es nicht klappt, kann ich ja immer noch in den Club gehen."
Auf seiner Liste standen nun Hippogreifclub, Okklumentikclub und Animaguskurs, außerdem die Quidditch-Hausmannschaft. Seth hob die Augenbrauen.
„Ich will dir wirklich nicht zu nahe treten, aber das klingt nach einer Menge Arbeit."
Harry nickte. „Ich würde alles davon sehr gerne machen und kann mich nicht entscheiden, was ich weglassen soll. Ich schau mir alles mal an und wenn mir etwas nicht so gefällt kann ich es ja immer noch lassen."
Inzwischen waren auch die anderen zum Frühstück gekommen und setzten sich an ihren und den Nebentisch. „Bereit für die Auswahlspiele?", fragte Hayley ihn grinsend. Harry nickte, er freute sich schon darauf. Die Quidditch-Auswahlspiele für die Donnervogel-Hausmannschaft waren um zehn Uhr, und am Nachmittag traf sich der Okklumentikclub im Wakandaklassenzimmer. Er nahm seinen Plan von der Schule, den ihm Professor Gaho gegeben hatte, und studierte ihn genau. Das Klassenzimmer befand sich im dritten Stock. Er würde es schon finden. Doch zuerst waren die Auswahlspiele für die Hausmannschaft.
Eine Stunde später standen Harry und Hayley auf dem Quidditchfeld. Harry, der noch keinen Quidditchumhang von Ilvermorny besaß, trug ein T-Shirt, eine Sporthose und einen normalen Schulumhang darüber. Hayley war schon letztes Jahr im Team gewesen und hatte eine blaue Quidditchrobe und einen ebenso blauen Umhang an. Eigentlich hatten die Ilvermorny-Häuser, anders als die Häuser in Hogwarts, keine eigenen Farben, aber für sportliche Ereignisse musste es ja zur Unterscheidung verschiedene Farben geben. Wampus hatte rote Quidditchumhänge, Gehörnte Schlange grüne und Pukwudgie spielte in schwarz.
Um sie herum waren noch etwa 30 andere Interessenten. „Bei Quodpot sind es mehr", erklärte Hayley ihm. „Quidditch ist in Amerika leider nicht die Hauptsportart, so wie Fußball in der Welt der No-Majs. Darum haben wir nicht so viele Leute bei den Auswahlspielen wie die Quodpotmannschaften. Das da ist Cheyenne", zeigte sie auf eine hochgewachsene Indianerin, die aussah, als wäre sie in der siebten Klasse. „Sie ist für ihr letztes Schuljahr Kapitänin geworden. Ich bin zwar letztes Jahr schon im Team gewesen, aber Cheyenne wird auch die bestehenden Mitglieder mit den Bewerbern vergleichen. Deshalb hättest du auch dann eine Chance auf die Sucherposition, wenn der letzte Sucher nicht vergangenes Schuljahr die Schule beendet hätte. Jeder muss sich immer wieder bewähren."
Harry nickte verstehend. In Hogwarts war man, wenn man einmal im Team drin war, eigentlich solange dabei, bis man von der Schule abging. Dadurch hatten aber eventuell bessere Nachwuchsspieler gar keine Chance.
Die Kapitänin des Donnervogelteams trat vor. „Herzlich willkommen zu den Auswahlspielen für das Donnervogelteam. Wir fangen mit den Jägern an. Da ich auch als Jägerin spiele, brauchen wir nur zwei. Alle, die es versuchen wollen, bitte einmal vortreten."
Sie ließ die Bewerber in Dreiergruppen spielen und Tore schießen. Schließlich wurden ein Sechstklässler, der letztes Jahr schon im Team gewesen war, und eine Erstklässlerin ausgewählt. Sie hießen Jacob und Aria. Harry fiel Arias Nachname wieder ein. Aria Punjabi, gestern bei der Auswahl wollten sie ganze drei Häuser. Sie war noch recht klein und unglaublich flink. Niemand bekam sie zu fassen.
Danach ging es an die Auswahl des Hüters. Jeder der ca. zehn Bewerber wurde von den neuen Jägern in jeder erdenklichen Situation getestet. Am Ende wurde es die Hüterin vom Vorjahr, eine Fünftklässlerin namens Jules. Sie hatte kurze blonde Haare und wirkte sehr agil.
Nach der Auswahl der Treiber – neben Hayley, die ihren Platz im Team verteidigte, kam ein Sechstklässler namens Ian neu ins Team – war endlich der Sucher dran. Die restlichen elf Bewerber inklusive Harry kamen zu Cheyenne, die ihnen erklärte, wie die Auswahl ablief.
„Ich werde jetzt elf Schnatze freilassen, also genau eure Anzahl. Ihr geht sie fangen. Derjenige von euch, der die meisten Schnatze gefangen hat, wird der neue Sucher. Damit Chancengleichheit besteht und auch wirklich der Beste gewinnt und nicht einfach der mit dem schnellsten Besen, fliegt ihr mit den Schulbesen. Es sind ausnahmslos Nimbus 2001. Alles klar?"
Alle nickten. Jeder nahm sich einen der Schulbesen und Cheyenne ließ die Schnatze frei. Harry stieß sich in die Luft ab und machte sich auf die Suche. Schnell hatte er den ersten eingefangen und in die Umhangtasche gesteckt. Es machte ihm, auch wenn er nicht seinen Feuerblitz flog, irrsinnig Spaß, durch das Stadion zu rasen und er musste sich in Erinnerung rufen, dass er eine Aufgabe hatte. Und der zweite, direkt am mittleren Torring. Er fing ihn kopfüber, weil er sonst gegen den Ring geflogen wäre. Einen kurzen Blick wagte er zu den anderen und sah, wie eine Konkurrentin einen der Schnatze fing. Schnell suchte Harry weiter und fing noch einen, den er erwischte, indem er direkt vor Cheyennes Nase eine Rolle machte, ähnlich wie vor McGonagalls Fenster im ersten Schuljahr. Dass die Kapitänin ihm mit offenem Mund hinterher sah, bemerkte er nicht mehr. Er war in einem Rausch, schon drei Schnatze hatte er gefangen!
Er blickte auf und sah einen seiner Mitbewerber hinter einem Schnatz herjagen. Schnell gab er seinem Besen die Sporen. Er verstand gut, warum jeder den gleichen Besen bekommen hatte. Es hing auch von der Flugtechnik ab, wie schnell jemand flog, und das war es, was Cheyenne sehen wollte. Er schaffte es, seinen Konkurrenten einzuholen und ihm den Schnatz vor der Nase wegzuschnappen. Nun wusste er, dass seine Chancen sehr gut standen, bereits im Team zu sein, er hatte vier von elf Schnatzen bei zehn Mitbewerbern. Doch der Ehrgeiz trieb ihn weiter an. Er ließ seinen Besen aufsteigen, um das Feld besser überblicken zu können. Mit den Augen suchte er das Stadion ab.
„Einer fehlt noch", rief die Kapitänin durch das Stadion. Ebenso wie Harry suchten auch seine Mitbewerber fieberhaft nach dem letzten Schnatz. Da sah Harry ihn knapp über dem Boden.
Er stürzte sich mit seinem Besen in die Tiefe. Der Flugwind pfiff ihm um die Ohren und ein unbeschreibliches Glücksgefühl überkam ihn. Er raste auf den Schnatz zu, der das Weite suchte. Doch er hatte keine Chance, Harry fing ihn knapp über dem Boden, während er seinen Besen nach oben riss, um nicht ungebremst in den Boden zu knallen. Zwar war der Rasen mitArresto Momentumverzaubert, aber der wirkte nur wenn man die Kontrolle über seinen Besen verloren hatte – oder den Besen selbst. Beides war bei Harry nicht der Fall.
Harry flog zum Rest seines neuen Teams, landete sanft und übergab Cheyenne die fünf Schnatze. Ein Mädchen hatte drei gefangen und die restlichen drei Schnatze waren einzeln von anderen gefangen worden.
„Schätze, wir haben unseren Sucher", sagte Cheyenne triumphierend. „Herzlich willkommen im Team."
Harry konnte nicht anders, er musste grinsen. Hayley lief zu ihm und klopfte ihn auf die Schulter. „Das war unglaublich, Harry. Wo hast du gelernt, so zu fliegen?"
Harry überlegte einen Moment. „Gar nicht. Ich konnte es einfach, von Anfang an", sagte er verlegen.
Cheyenne trat hinzu. „Du bist ein Naturtalent. Du solltest neben Quidditch unbedingt den Besenflugclub besuchen."
Harry stutzte. „Ich dachte, da lernt man das Besenfliegen?"
Hayley und Cheyenne wechselten einen Blick und lachten. „Ja. Tut man. In der Anfängergruppe", stimmte Hayley zu. Harry hob eine Augenbraue. Cheyenne erklärte es ihm.
„Der Besenflugclub besteht aus drei Gruppen. Die Anfängergruppe lernt natürlich die Grundlagen. Irgendwann kommt man dann in die Fortgeschrittenengruppe. Da lernen sie sowas wie freihändig fliegen oder Rollen oder so, was man halt so braucht, wenn man Quidditch spielen oder einfach mal einem Vogel ausweichen will. Vieles davon wird auch im Quidditchclub gemacht, aber da liegt der Fokus ja mehr auf dem Spiel selbst.
Aber für dich ging es mir um die Profigruppe, was die lernen ist unglaublich. Da bin selbst ich nicht gut genug für. Es gibt regelmäßig Aufführungen im Quidditchstadion, wo sie Kostproben von ihren Flugkünsten zeigen. Deren Stuntflüge sind der Wahnsinn. Ich wünschte, ich könnte so fliegen...", sagte sie verträumt.
Harry wurde hellhörig. „Stuntflüge?"
„Ja, ich glaube, das wäre für dich ein tolles Zusatztraining", bekräftigte Cheyenne und Hayley nickte zustimmend. „Du bist ein hervorragender Flieger, die Stuntfluggruppe ist das einzige, wo selbst du vielleicht noch was lernen könntest."
„Wann findet das erste Training statt?", fragte Harry aufgeregt.
Cheyenne lächelte und sah auf eine Gruppe Schüler, die mit ihren Besen auf das Stadion zurasten.
„Jetzt."
