Hallo und danke für eure Reviews :)

InaBauer: Hier ist das nächste :) Schön, dass es dir weiterhin gefällt.

Ale74: Da ist es ;) Viel Spaß beim Lesen.

Clubs

Mit offenem Mund sah Harry zu, wie vier Schüler auf ihren Besen auf das Stadion zurasten. Dann rissen alle gleichzeitig ihre Besen hoch und flogen senkrecht nach oben, und danach schraubenförmig wieder nach unten. Es sah aus wie ein Tanz, wie sie durch die Luft jagten. Einer machte einen geschraubten Salto, dass Harry nur von Zusehen schon schwindlig wurde. Er drehte sich zu Cheyenne um.

„Ähm, bist du sicher, dass ich gut genug bin? Das, was die da gerade gemacht haben, beherrsche ich nämlich auch nicht."

Die beiden Mädchen grinsten sich an. „Deshalb ja", sagte Hayley zu ihm. „Da kannst selbst du noch was lernen." Sie zeigte auf einen dunkelhäutigen Mann mittleren Alters, der mit vier weiteren Schülern das Stadion betrat. „Komm, da vorne ist der Trainer, Coach Williams, er macht auch den Quodpotclub. Wir empfehlen dich ihm."

Die drei gingen zum Coach und Harry stellte sich vor. Er wurde ganz rot, als Cheyenne Williams seine Flugmanöver beschrieb. Dann musste er ihn ein paar „einfachere" Flugmanöver vorführen, einen Salto zum Beispiel. Der Coach war begeistert.

„Du passt super zu uns. Natürlich kann man noch einige Techniken verbessern und dein Repertoire erweitern, aber du hast sehr viel Talent. Herzlich willkommen im Besenflugclub", rief er entzückt. Harry überkam – mal wieder – ein Gefühl der Zugehörigkeit, das er in Hogwarts nur selten gefühlt hatte, hier jedoch schon zum wiederholten Mal.

Die beiden Mädchen verabschiedeten sich. Der Coach pfiff einmal laut und die vier Schüler, die schon in der Luft gewesen waren, kamen runter. Alle umringten den Coach, der erstmal eine Begrüßungsansprache hielt.

„Herzlich willkommen zum neuen Schuljahr. Wie ihr seht, sind wir stark geschrumpft, mehr als die Hälfte hat letztes Jahr die Schule beendet. Auch dieses Jahr wird für viele von euch das letzte sein. Dafür haben wir aber auch drei Neue, die uns zum Glück wohl noch lange erhalten bleiben werden, weil sie alle in der vierten Klasse sind. Mögt ihr euch kurz vorstellen?"

Ein Junge trat vor. Er kam Harry vage bekannt vor, er meinte ihn in seinem Schlafsaal gesehen zu haben. Gut möglich, schließlich hatte er noch lang nicht jeden aus seinem Jahrgang kennengelernt.

„Hi zusammen, ich heiße David und fliege schon seit ich drei Jahre alt war. Deshalb bin ich der beste Flieger im Quodpot-Team von Donnervogel."

Harry zog die Augenbrauen hoch ob dieser Prahlerei. Außerdem waren die Quodpot-Auswahlspiele doch erst am morgigen Sonntag.

„Du warst es letztes Jahr", korrigierte ihn Williams auch sofort. David verdrehte die Augen und in diesem Moment entschied Harry, dass er ihn nicht mochte. Er war ihm zu hochnäsig. „Ja, aber ich bin sicher, dass ich es dieses Jahr wieder ins Team schaffe", gab David stolz zurück.

Nun sahen alle das Mädchen neben Harry an. „Ich heiße Ava, ich bin auch in Donnervogel, spiele aber kein Quidditch oder Quodpot. Ich fliege einfach gerne und mein Dad hat es mir auch schon früh beigebracht."

Ava war das erste Mädchen neben Leah und Hayley, das er kennenlernte und das mit ihm im Unterricht sitzen würde. Sie sah recht unscheinbar aus mit ihren hellbrauen Haaren und Augen und wirkte ziemlich schüchtern, war ihm aber sofort sympathisch.

Er wurde verlegen, als nun alle anderen acht Teilnehmer ihn erwartungsvoll ansahen. „Ich bin Harry, auch in Donnervogel und seit heute auch im Quidditchteam."

David schnaubte verächtlich, doch Williams wies ihn zurecht. „Nur weil Quidditch hierzulande nicht so gehypt wird wie Quodpot, ist es noch lange nicht weniger bedeutend. Harry, magst du uns erzählen, wann du mit dem Fliegen angefangen hast?"

„Naja, ich hab von meinem Paten zum ersten Geburtstag einen Kinderbesen bekommen… aber richtig angefangen hab ich erst mit 11 Jahren, als ich in die Schule kam", fügte er hinzu, als David anfing zu lachen.

Der Coach nickte anerkennend und dann ging das Training los. Am Anfang machten sie Dehnübungen auf dem Boden ohne Besen, vor allem für Oberkörper und Hals, danach ein paar Aufwärmübungen für die Muskeln wie Situps. Harry fühlte sich danach schon völlig erschöpft, solche Übungen hatte nicht einmal Wood mit ihnen gemacht. Dann gab es noch ein paar Aufwärmübungen auf dem Besen. Zum Beispiel schwebten sie alle nebeneinander in der Luft und auf den Pfiff des Coachs hin gaben alle gleichzeitig Gas und beschleunigten so schnell sie konnten, bis zum anderen Ende des Quidditchfelds. Harry war nicht der einzige, der einen Feuerblitz hatte, so war ein Schüler, der anscheinend schon in der sechsten oder siebten Klasse war, noch schneller als er. Eine andere Aufwärmübung war das Drehen mit dem Besen um sich selbst, das hatte er auch noch nie gemacht, bekam es aber ganz gut hin.

Als sie damit fertig waren, gingen sie dazu über, ein bestimmtes Manöver zu lernen und zu üben. Sie fingen heute mit etwas an, was anscheinend eine Basisfähigkeit in der Profigruppe war, ansonsten aber niemals jemand brauchte – rückwärts fliegen. Das wurde in der Fortgeschrittenengruppe des Besenflugclubs natürlich nicht gemacht, dort wurden nur alltagstaugliche Dinge gelehrt. Die, die das schon beherrschten, übten trotzdem mit, sie versuchten, die Technik zu perfektionieren oder sie übten Varianten. Harry war noch nie auf die Idee gekommen, rückwärts zu fliegen. Am Anfang tat er sich deshalb schwer, aber da war er nicht der einzige. Selbst David hatte Probleme.

Der Coach flog um sie herum und gab ihnen Tipps. Man musste sich zurücklehnen, dabei aber unbedingt den Besen weiterhin gerade halten. Harry grinste, als er es zum ersten Mal schaffte, zwar noch sehr langsam und wackelig, aber er flog tatsächlich rückwärts. Das war ziemlich schwierig, weil man sich ja auch umsehen musste, damit man sah, wohin man flog, und dabei passierte es schnell, dass man aus Versehen eine Kurve flog, weil man den Besen beim Umdrehen des Oberkörpers zur Seite drehen konnte, wenn man nicht aufpasste. Neidisch beobachtete er die anderen Schüler, die schon länger dabei waren, wie sie mit hohen Geschwindigkeiten rückwärts flogen, auch Kurven und rauf und runter und ein Mädchen machte sogar eine Schraube dabei. Harry traf zum ersten Mal Zauberer, die Tricks auf dem Besen beherrschten, die er nicht konnte. Das war ein ganz neues Gefühl für ihn, und es spornte ihn an. Hier würde er auf jeden Fall bleiben!

Am Nachmittag im Okklumentikkurs, der von der Schulleiterin höchstselbst durchgeführt wurde, hatte er ein ganz anderes Gefühl. Er wusste zwar, dass es sehr nützlich war, was sie da lernten, aber es machte ihm einfach überhaupt keinen Spaß. Es ging darum, den Geist zu leeren, damit niemand Zugriff auf die Erinnerungen hatte. Abwehren konnte man jemanden, indem man sich mit aller Kraft darauf konzentrierte, an nichts zu denken oder ganz fest an eine bestimmte Sache, sodass der Eindringling nichts anderes würde sehen können. Gaho machte ihnen klar, dass bei der Okklumentik Übung das A und O war.

Zuerst hatten sie die Möglichkeit, private Erinnerungen in einem bereitgestellten Denkarium zu deponieren. Dann meditierten sie und übten, den Geist zu leeren, was Harry als unmöglich empfand. Dann versuchte Professor Gaho, nacheinander in ihren Geist einzudringen und gab demjenigen Tipps, während die anderen sich weiterhin darauf konzentrierten, an nichts zu denken und den Geist leer zu halten. Natürlich klappte es noch lange nicht, und auch bei Harry hatte sie Erfolg – er hatte überhaupt keine Chance, die Lehrerin abzuwehren.

„Versuche, dich zu konzentrieren", sagte sie zu ihm. „Ich weiß, das ist schwer, wenn eine Bilderflut auf dich einstürzt, aber halte deinen Geist vollkommen leer. Schieb die Bilder von dir weg. Du kannst für den Anfang auch versuchen, dich auf etwas unverfängliches zu konzentrieren."

Harry sah auf seine Hände und konzentrierte sich auf ein Muttermal auf seinem Daumen. Er starrte es an und nahm die Farbe wahr, die Form und die Größe. Dann spürte er, wie wieder etwas in seinen Geist eindringen wollte. Er konzentrierte sich noch fester auf das Muttermal, doch der Druck auf seinem Kopf störte diese Konzentration, worauf eine neue Bilderflut auf ihn einstürzte.

„Das war schon sehr gut", lobte Professor Gaho ihn. „Es hat einen Moment gedauert, bis ich etwas gesehen habe."

„Es ist viel einfacher, sich auf ein Muttermal zu konzentrieren, als auf gar nichts", erwiderte Harry. „Warum sollte man versuchen, sich auf das Nichts zu fixieren?"

Gaho erklärte es ihm. „Es ist zwar in der Tat am einfachsten, wenn man etwas bestimmtes anschauen kann, so wie du gerade, aber geh nicht davon aus, dass das immer möglich ist. Was ist, wenn es stockdunkel um dich herum ist? Wenn du dann in so einem Fall versuchst, statt an gar nichts an eine bestimmte Sache zu denken, wie unverfänglich sie auch sein mag, ist das Risiko hoch, dass der eine Gedanke dich auf einen anderen bringt, und schon wars das. Deshalb, ich weiß, es ist am Anfang viel schwieriger, aber am Ende ist es am effektivsten, einfach alles von sich wegzuschieben," sie machte mit den Händen eine entsprechende Bewegung, „und den Eindringling ins Leere laufen zu lassen. Dennoch ist es für Anfänger eine gute Konzentrationsübung, also mach es ruhig einstweilen so. Den Geist leeren ist aber das Wichtigste."

Harry ächzte und sie lächelte ihm aufmunternd zu, bevor sie zum nächsten Schüler ging. Harry schloss die Augen und überließ sich der Leere – das heißt, er versuchte es. Er bevorzugte lieber praktische Magie, bei der man etwas mit dem Körper machte, und so kam er mit dieser Art von Magie nur schwer zurecht. Doch er wusste, dass es er es brauchte, also beschloss er, in diesem Kurs zu bleiben, auch wenn es ihm keinen Spaß machte. Immerhin war er nicht so zeitintensiv, da er nur einmal pro Woche stattfand.

Dummerweise stellte sich das als Irrtum heraus. Gaho gab ihnen nämlich als Hausaufgabe auf, sich einmal am Tag hinzusetzen und zu versuchen, ihren Geist zu leeren. Die Schüler stöhnten, was sie zum Lächeln veranlasste.

„Es wird mit der Zeit leichter, versprochen. Ich werde den Unterricht zweimal pro Woche anbieten, einmal Montagabend und einmal Freitagabend, jeweils direkt nach dem Abendessen, also um 19:00. Wenn ihr beide Male kommt, lernt ihr natürlich schneller, aber ich weiß, dass das zeitlich nicht jedem möglich sein wird. Schaut, dass ihr es wenigstens einmal pro Woche schafft. Also, schönen Abend euch."

Damit entließ sie die Schüler und Harry, der geistig völlig erschöpft war, schleppte sich zum Abendessen. Dort saß er diesmal mit Liam, Tariq, Ari, Hayley und Leah an einem Tisch. Hayley fragte ihn nach dem Besenflugclub aus und Liam erzählte von Koboldogackkurs, wo er schon seit mehreren Jahren drin war. Der Lehrer war ein Kobold, der mehrmals pro Woche nach Ilvermorny kam, denn es gab vier verschiedene Kurse, je nach Sprachniveau. Harry dachte sich, dass es sehr nützlich war, eine Sprache wie Koboldogack zu beherrschen, aber er hatte sich schon genug aufgehalst. Ari war in der Theatergruppe, auch das war etwas, was Harry unter anderen Umständen ganz interessant gefunden hätte.

Nach dem Abendessen ging er die Liste an Kursen durch, die er sich morgen noch anschauen wollte. Er war nun fest im Quidditchteam, im Profibesenflugteam und im Okklumentikkurs. Am morgigen Sonntag war nach dem Mittagessen das Probetreffen des Hippogreifclubs und später am Nachmittag noch das des Animaguskurses. Harry beschloss, am Morgen ein bisschen fliegen zu üben.

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Als er mit Hayley, die auch ein wenig fliegen wollte, nach dem Frühstück zum Quidditchfeld kam, sahen sie, dass Ava schon da war und genau das tat, was auch Harry vorhatte. Sie war schon ziemlich gut und flog sogar bereits einige Kurven. Hayley stand der Mund offen.

„Ich wusste gar nicht, dass Ava so gut fliegen kann! Ich hatte zwar nie viel mit ihr zu tun, aber gute Flieger spielen ja normalerweise auch Quidditch oder Quodpot."

„Ich hab das Gefühl, sie mag keine Mannschaftssportarten", überlegte Harry. „Sie hat wohl nie eine der Besensportarten gespielt."

Hayley sah nachdenklich aus. „Hmm, ja, das würde zu ihr passen. Sie ist eine ziemliche Einzelgängerin."

„Meinst du, sie hat was dagegen, wenn wir auch hier sind?"

„Ich denke nicht. Das Stadion ist ja groß genug", sagte Hayley vergnügt. Sie schwang sich auf ihren Besen und schoss davon. Harry folgte ihr und tobte sich ein wenig auf seinem Besen aus, bevor er einige der Aufwärmübungen von gestern machte. Danach tat er das, weswegen er eigentlich hier war. Es passierte ihm noch oft, dass er aus Versehen einen Schlenker machte, wenn er sich umdrehte. Er merkte gut, wofür die gestrige Aufwärmübung am Boden gewesen war, wo man mit dem Oberkörper herumgeschwungen war, aber die Hüfte möglichst stillhalten musste.

Harry sah, dass Ava zu ihnen hinübersah, aber sie kam nicht zu ihnen geflogen. Er überlegte, ob sie keine Lust auf Gesellschaft hatte, oder ob sie einfach nur zu schüchtern war. Da kam plötzlich David herangerast.

„Was tut ihr denn hier? Hier wird gleich Quodpot trainiert", sagte er wichtigtuerisch.

„Du meinst wohl die Auswahlspiele", schoss Hayley zurück. Sie und Harry flogen ein Stück weg und beobachteten die Mannschaft bei der Auswahl. Hier ging es vor allem darum, dass man schnell war und gut werfen konnte. Die Auswahlspiele gingen schneller als bei Quidditch, waren aber lustig anzusehen, weil ständig der Quod explodierte und die Spieler mit angebrannten Lederresten vollspritzte.

„Wie kann man nur freiwillig das hier Quidditch vorziehen?", fragte Harry kopfschüttelnd. Quidditch war ein hochkomplexes Spiel, Quodpot erinnerte ihn ein bisschen an eine Dorfprügelei, bei der vorher Alkohol geflossen war.

Hayley lachte. „Ich weiß es auch nicht. Der Rest der Welt spielt Quidditch, aber wir müssen ja unbedingt unsere eigene Nationalsportart haben. Die Quodpotmeisterschaften werden in Amerika viel mehr gehypt als die vom Quidditch, aber international interessiert sich kaum einer für Quodpot. Also wenn du international berühmt werden willst, bleib lieber beim Quidditch."

Harry lachte auch. Er war berühmter als jeder internationale Quidditchspieler, aber zum Glück wusste das keiner. Als die Auswahl vorbei war – leider hatte David es wieder ins Team geschafft – trainierten sie noch ein bisschen.

Beim Mittagessen – es gab Burger – stellte Harry erfreut fest, dass auch Leah am Hippogreifclub teilnehmen würde. Wie sich herausstellte, war sie schon seit der ersten Klasse dabei gewesen.

„Zuerst lernt man die Grundlagen über Hippogreife und wie man sie pflegt, die Mitglieder des Hippogreifclubs wechseln sich nämlich täglich damit ab. Außerdem lernt man natürlich, wie man sie reitet, und das ist gar nicht so einfach. Unser Glück ist, dass im Hippogreifclub meistens nicht so viele Schüler sind, bei den Pegasi sind es viel mehr. Bei uns kann die Lehrerin viel besser auf jeden Einzelnen eingehen. Im Frühling schlüpfen die Fohlen, um die kümmern wir uns dann natürlich auch. Das finde ich immer das Beste", schwärmte sie.

Harry sah sie grinsend von der Seite an. Er hoffte, dass auch er mit so viel Begeisterung bei der Sache sein konnte. Als sie zum Hippogreifgehege kamen, sahen sie, dass etwa 20 weitere Schüler da waren. Sie waren von allen Häusern und Jahrgängen. Zu seiner Überraschung entdeckte Harry auch Elijah unter ihnen. Er stand abseits am Zaun und sah gedankenverloren den Hippogreifen beim Fressen zu.

Eine Frau mittleren Alters kam auf die Schüler zu. Sie sah indianisch aus und hatte ein freundliches Lächeln. „Ich bin Dakotah Lahote, ich mache den Hippogreif- und den Pegasus-Club", stellte sie sich vor und musterte die Schüler. „Hippogreife waren zu früheren Zeiten in Europa und dann auch Amerika sehr beliebt, aber seit sich die Geflügelten Pferde als Haustiere eingebürgert haben, sind sie ein wenig untergegangen. Seit einigen Jahren erleben sie aber ein Comeback, manche Menschen haben eine Vorliebe für extravagante Haustiere entdeckt. Aber man muss mit ihnen umgehen können, Pegasi sind wesentlich leichter zu reiten. Auch in Ilvermorny sind die Pegasi beliebter, die meisten wollen immer in die Pegasus-AG", sagte sie und nickte in Richtung der anderen Weide, wo die Geflügelten Pferde grasten. „Aber Hippogreife sind meiner Meinung nach viel faszinierender. Pegasi sind so pflegeleicht, das ist überhaupt keine Herausforderung. Ich bin immer froh, wenn sich auch welche für die Hippogreife entscheiden.

Wir lernen am Anfang das Grundlegende über diese stolzen Tiere. Ihr werdet lernen, sie zu pflegen und sie zu reiten – weshalb wohl die meisten hier sein dürften." Viele Schüler lachten. „Im Frühling legen viele der Stuten ein Ei. Ihr gebt den Fohlen ihre Namen und füttert sie und die Eltern und zieht sie auf. Wer Lust hat, kann auch mithelfen, sie an einen Reiter zu gewöhnen. Wir haben eine richtige Zucht hier, und die Hippogreife aus Ilvermorny sind begehrt in der Zaubererwelt Amerikas", sagte sie stolz. „Da Ilvermorny niemals alle Fohlen behalten könnte, die wir jedes Jahr bekommen, werden sie im Sommer immer verkauft, weil sie dann alt genug sind. Aber es kommen ja jedes Jahr neue."

Sie fing an, ihnen Wissen über Hippogreife zu vermitteln. Sie lernten, was die Tierwesen fraßen und wie sie lebten. Auch Harrys Frage mit dem Federkamm löste sich – es stellte sich heraus, dass es bei Hippogreifen Geschlechtsdimorphismus gab. Den Federkamm hatten nur Stuten. Hengste hatten dafür die beiden Federn seitlich am Kopf bei den Ohrlöchern, wie Harry es auch von Seidenschnabel kannte. Es sollte sie wohl grimmiger und gefährlicher aussehen lassen, denn so wie alle männlichen Tiere waren auch Hippogreifhengste auf Konkurrenz und Kampf gepolt. So erkannte man sofort das Geschlecht eines Hippogreifs.

Madam Lahote ließ nun die Schüler an die Tierwesen heran. Wie in Hagrids Unterricht damals sollten sie sich erst einmal nur verbeugen und sehen, wie die Hippogreife darauf reagierten. Harry und Leah nahmen sich eine weiße und eine palominofarbene Stute vor. Sie verbeugten sich und die Hippogreife erwiderten die Geste. Erstere trat an Harry heran und legte ihren Kopf an seine Schulter. Alles an ihr war weiß, auch die Hufe und Krallen. Harry hätte sie beinahe für einen Albino gehalten, allerdings waren ihre Augen blau, also konnte das nicht sein. Er erinnerte sich dunkel an den Biologieunterricht in der Muggelschule. Leuzismus war das richtige Wort dafür.

Die Palomino-Stute sah auch gut aus. Ihr goldenes Fell und Federn glänzten in der Sonne, die hellen Federn am Hals und der helle Schweif blendeten ihn fast. Die weiße Stute stieß ihn mit dem Kopf an und er lachte. "Wie ist dein Name?"

„Sie heißt Schneefeder", klärte ihn Leah auf. „Und das hier ist Venus", ergänzte sie, auf die palominofarbene Stute zeigend.

„Als Venus zu uns kam, dauerte es ein halbes Jahr, bis ich in ihre Nähe durfte", erklärte Madam Lahote, die sich ihnen genähert hatte. „Inzwischen lässt sie sich auch reiten, aber nur von fortgeschrittenen Schülern. Schneefeder dagegen ist viel besser für Anfänger geeignet, und sie gehört zu den Stuten, die jeden Frühling ein Ei legen. Venus legt auch manchmal eins, aber dieses Jahr leider nicht."

Harry grinste vorfreudig bei der Vorstellung, einen Hippogreif schlüpfen zu sehen. Aber jetzt war erst einmal Herbst und es ging nun ans Reiten lernen.

„Ihr müsst wissen", erklärte Madam Lahote an alle gewandt, „Hippogreife sind stolze Geschöpfe und wenn sie einen reiten lassen, ist es immer ein Privileg und freiwillig – man kann einen Hippogreif nicht zu etwas zwingen. Das funktioniert nicht. Seid immer geduldig. So, wie sage ich dem Hippogreif nun, was er machen soll? Es gibt Wege, einen Hippogreif zu signalisieren, was man von ihm will. Man benutzt vor allem Gewichtsverlagerung, um ihm zu sagen, geh nach links oder rechts, halt an, schneller. Ich werde euch jetzt zeigen, wie. Es ist ganz ähnlich wie beim Fliegen mit Besen, da benutzt man auch Gewichtsverlagerung, um ihn zu steuern. Ihr könnt den Hippogreifen auch sagen, was ihr von ihnen wollt, denn als magische Tierwesen verstehen sie euch, aber das ist etwas umständlicher. Ich führe es euch mal mit Nachtschatten vor."

Madam Lahote ging zu einem schwarzen Hippogreifhengst, setzte einen Fuß auf seinen Flügel und schwang sich auf ihn. Sie saß ganz ruhig auf seinem Rücken. Sie rührte sich nicht und der Hippogreif auch nicht. Harry beobachtete sie genau, eine Hand auf dem schlanken Hals von Schneefeder.

Jetzt richtete die Lehrerin sich auf und stieß Nachtschatten mit den Fersen sanft in die Seiten. Da setzte der Hippogreif sich plötzlich in Bewegung.

Sie streckte die Arme zur Seite aus, um für die Schüler die Position ihres Oberkörpers sichtbarer zu machen. Nun drehte sie ihren Oberkörper nach links. Dabei lag ihr rechtes Bein automatisch enger an Nachtschattens Seite an als das linke, was Harry nicht entging. Der Hippogreif wandte sich nach links und ging im Kreis. Nun drehte seine Reiterin ihren Oberkörper nach rechts. Sofort wandte sich auch Nachtschatten nach rechts.

Dann machte sie die Beine so lang, wie es ging. Dadurch erhob sie sich automatisch etwas von Nachtschattens Rücken und stieß ihm wieder leicht mit den Fersen in die Seite. Der Hippogreif breitete die Flügel aus und hob sofort ab.

Nachdem sie noch geflogen war und auch da die Gewichtshilfen demonstriert hatte, kam sie zu den Schülern. „Jetzt seid ihr dran."

So ging es los. Harry hatte zwar schon auf Seidenschnabel gesessen, aber beim ersten Mal in der Stunde mit Hagrid hatte er ihn nicht gelenkt, beim zweiten Mal, als sie Sirius befreit hatten, hatte er den komischen Lederkragen benutzt, den Seidenschnabel umgehabt hatte, aber so einen hatte er hier nicht, und die anderen Male hatte er auch nicht wirklich versucht, den Hippogreif zu lenken. In die heiße Quelle war er auf Zuruf geflogen. Zuerst lernten sie, überhaupt richtig aufzusteigen, und das war schon nicht einfach. Der Trick war, sich mithilfe des Flügels hinaufzuschwingen, aber man musste vorsichtig sein, damit man dem Tierwesen nicht weh tat. Harry schaffte es jedoch ohne Probleme auf Schneefeder, während Leah auf Venus stieg. Dann ritten sie erst einmal im Kreis im Schritt, und das war schon eine Herausforderung für manche. Nun sollten sie auf dem großen Platz umherreiten und die Hippogreife so mit dem Körper lenken wie die Lehrerin es getan hatte. Sie stand dabei und gab Tipps, die fortgeschrittenen Schüler flogen derweil um die Schule.

Harry hatte mit Schneefeder überhaupt keine Probleme. Die Anfänger ritten die ganze Stunde nur auf dem Boden und im Schritt, weil sie lernen sollten, das Gleichgewicht überhaupt zu halten, denn festhalten konnte man sich bei einem Hippogreif nicht besonders gut. Also musste man stattdessen einen hervorragenden Gleichgewichtssinn entwickeln, damit man das nicht brauchte.

Als die Stunde um war, teilte die Lehrerin diejenigen Schüler, die den Club weiter besuchen wollten, in sieben Gruppen ein, von denen jede einmal in der Woche für die Fütterung und Pflege der Tierwesen zuständig war. Harry wurde mit Leah und Elijah in eine Gruppe eingeteilt und ihr Tag war der Dienstag. Sie mussten am Morgen und am Abend füttern und am Abend war auch Ausmisten nötig.

Zufrieden ging Harry ins Schloss zurück. Leah war noch ein wenig bei den Hippogreifen geblieben, Harry jedoch stand nun das erste Treffen des Animaguskurses bevor.