Weiter geht es. Und keine Sorge, das Ende der Geschichte ist vorgeplant. Ich muss nur bis dorthin kommen und es schreiben. Und ich mag lange Kapitel. Leider dauert das dann immer etwas länger. Ich versuche das Ende vor dem Ende des Jahres zu erreichen. Falls es überhaupt jemanden interessiert ;D.
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„Dad!"
„Sabrina!"
„Was?" fragte Worth verwirrt und sah von einem zum anderen.
„Was machst du denn hier?" Bri lächelte ihren Vater sanft an und sie umarmten sich vorsichtig, um ihre Getränke nicht zu verschütten.
„Ihr zwei .. seid zusammen?" fragte der Colonel dann verwundert.
„Wir?" Bri lachte auf und schüttelte den Kopf. „Nein, Dad. Die Townsend Agentur schützt ihn. Ich bin, uhm, seine Cover-Freundin." Sie nippte an ihrem Champagner.
„Aber, aber, du bist Colonel Blaylock und du Sabrina Duncan," stammelte Worth stirnrunzelnd.
Vater und Tochter grinsten sich an. „Ich dachte, du hast dich über uns alle informiert, Worth." Bri tippte mit dem Zeigefinger gegen ihr Glas. „Ich bin geschieden. Duncan ist der Name meines Ex-Mannes."
„Oh. Das muss ich wohl überlesen haben," murmelte er.
Colonel Blaylock schüttelte ungläubig den Kopf. „Nach all den Jahren kommt ihr nun doch zusammen."
„Wir sind nicht zusammen!" stellte Sabrina nochmals klar.
Ihr Vater lächelt sacht und trank einen Schluck. „Weißt du noch, dein erstes Thanksgiving bei Bills Familie?"
„Oh ja, sehr genau. Seine Mutter machte in der ersten Minute klar, dass sie mich nicht mochte." Sabrina verzog bei dieser Erinnerung das Gesicht.
„Ich hatte Tommy damals zu uns eingeladen, weil ich nicht wusste, dass du nicht kommen konntest, Sabrina. Ich dachte, vielleicht mögt ihr euch," erklärte der Colonel leichthin.
„Du .. wolltest uns verkuppeln?" fragte Worth verwundert, lachte auf.
„Dahad!"
Ihr Vater hob eine Hand. „Es gab da diese zwei Sommer. Du warst, uhm, ich glaube 6 und Tommy 12 Jahre alt. Er kam mehrere Wochen auf den Stützpunkt zu seiner Tante und seinem Onkel zu Besuch. Ben und Rob haben mit ihm gespielt und sie mussten dich auch ab und zu mitspielen lassen. Aber Tommy mochte dich zuerst nicht und du ihn auch nicht."
„Das stimmt nicht ganz," seufzte Worth in sein Champagnerglas.
Colonel Blaylock gestikulierte mit einem Zeigefinger. „Sie war zwar jünger als du, Tommy, aber sie war auch furchtloser. Sie konnte einen Baum höher hochklettern als du oder ihre Brüder. Und einmal, während eines Barbecue, hattet ihr euch laut gestritten. Ben und Rob waren schon bei ihrem ersten Burger, da standet ihr zwei in einer Ecke des Gartens und brülltet euch an." Er lachte bei dem Gedanken daran. „Du wolltest sie heiraten, wenn ihr älter seid, und Sabrina war der Meinung, dass sie niemals in ihrem Leben heiraten würde und dich schon gar nicht! Ich glaube, es ist klar, dass deine Tante und Sabrinas Mutter daraufhin bereits eure Hochzeit planten. Den ganzen langen Sommer lang. Und den Sommer danach."
„Oh Junge," flüsterte Bri und rollte mit den Augen. „Ich kann mich nicht daran erinnern."
„Als ich ihn dann wieder traf, dachte ich, ich versuche etwas, was deine Mutter nicht mehr konnte."
Sabrina nahm die Hand ihres Vaters in ihre und drückte sie sanft.
„Diese alten Geschichten haben wir uns während des Thanksgiving Essens erzählt. Ich wusste nicht, dass .. uhm, Sabrina Sabrina ist," meinte Worth und betrachtete sie genauer.
Colonel Blaylock begann zu lachen. „Sabrina, ich habe dir doch von dem jungen Mann erzählt, den Pauly während eines Thanksgivings mal angepinkelt hatte!"
„Nein! Bitte!" Erschrocken hob Worth flehend seine Hand.
„Ja .. ja natürlich. Das war er? Und du hast ihm deine Army Jogginghose geliehen." Bris Augen wanderten zu Worths Beinen. „Er ist so viel größer als du, Dad."
Ihr Vater nickte belustigt. „Ich habe Fotos davon," raunte er ihr zu.
„Oh bitte!" Der Waffenmogul hielt sich peinlich berührt eine Hand vor die Augen.
Sabrina lachte und trank einen Schluck. „Sieh nur, wie er sich windet!"
„Pauly hat mich nicht angepinkelt," widersprach Worth nun energisch. „Ben und Sandra hatten keine Ahnung wie man ein Baby wickelt! Er .. er lief aus. Wer überlässt einem fast Fremden auch sein Baby? Ich wusste nicht einmal, wie ich ihn halten muss!"
„Und er windet sich weiter," kommentierte Bri diesen Ausbruch amüsiert.
Thomas stellte sein Glas auf das leere Tablet eines vorbeieilenden Kellners. „Möchtest du tanzen?"
„Nein, ich möchte mehr Geschichten von diesem Thanksgiving hören," erwiderte Sabrina grinsend. Dann runzelte sie plötzlich die Stirn und deute mit ihrem Glas auf Worth. „Er ist aber nicht der Froschjunge, oder?" fragte sie ihren Vater.
„Uhm, doch," erwiderte der Colonel widerwillig und warf Worth einen entschuldigenden Blick zu.
„Oh." Sabrinas Gesicht verschloss sich abrupt. „Ich denke, ich hole mir noch etwas zu trinken." Damit wandte sie sich ab und bahnte sich ihren Weg zurück zur Bar.
Thomas sah ihr hinterher, doch die Hand des Colonels auf seinem Unterarm hielt ihn davon ab, Bri zu folgen. „Das ist schnell eskaliert," brummte der Ältere. „Lass ihr ein paar Minuten, Tommy!"
„Colonel!" Kelly und Peter erreichten die beiden Männer. Kelly umarmte ihn.
„Kelly!" freute sich Bris Vater aufrichtig.
„Er ist Sabrinas Vater!" raunte Peter währenddessen Worth zu.
„Ich weiß," murmelte dieser tonlos.
„Peter! Schön dich zu sehen," begrüßte der Colonel nun auch Worths Stellvertreter mit einem Handschlag.
„Du weißt, dass Sabrina Sabsi ist? Oder Susi, wie du sie nach mehreren Whiskys genannt hast?" fragte Peter nun verwirrt.
„Sabsi." Worth und der Colonel lachten amüsiert.
„Sie hat es gehasst," sagte Letzterer dann mit schuldbewusster Mine.
Kelly sah stirnrunzelnd von einem zum anderen. „Er ist nicht der Froschjunge, oder?" fragte sie den Colonel.
„Doch, das ist er," bestätigte dieser ein zweites Mal.
„Verdammt." Kelly sah sich suchend um.
„Peter, in Charlies Berichten stand nicht Blaylock, oder? Oder, dass sie geschieden ist?" fragte Worth. Peter schüttelte den Kopf. „Dieser verdammte Mistkerl!"
„Was meinte Ihr Freund damit, dass Sie hier arbeiten, Amanda?" fragte John sie, während er sie gekonnt über das Parkett führte.
Amanda hob ihre Augen zu seinen, dann scheu wieder zu seiner Brust, an der seine Orden hingen. „Wir, uhm, sind für die Sicherheit hier zuständig."
„Sie arbeiten für die Agency?" fragte er überrascht.
„Teilzeit," erwiderte sie mit einem weiteren kurzen Blick in stahlblaue Augen.
„Und den Rest der Zeit?" Seine Frage wirkte ehrlich interessiert.
„Da kümmere ich mich um meine zwei Söhne," antwortete Amanda mit einem kleinen Lächeln.
„Oh, Sie sind verheiratet," stellte John enttäuscht fest.
„Geschieden, aber trotzdem vergeben," lachte sie nun mutiger und sah wieder auf.
„Mit ihrem .. Freund von der Agency?"
„Lee? Nein." Und dann nachdrücklicher: „Nein." Sein durchdringender Blick war ihr unangenehm und so konzentrierte sie sich lieber auf seine gerade Nase. Von dort war der Weg zu seinen Lippen nicht weit. Verwirrt fixierte Amanda erneut seine Orden.
„Und es ist etwas Ernstes mit diesem Mann?" fragte er in die entstandene Stille hinein.
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich mag ihn sehr, aber .." Das Lied endete und mit ihm auch ihr angefangener Satz. „Ich denke, ich sollte wieder .. Sie wissen schon. Danke für den Tanz, John."
„Es war mir ein Vergnügen, Amanda," antwortete er, ließ sie nur zögerlich los und sah ihr tief in die Augen. Dann blickte er ihr nach, als sie sich ihren Weg durch die Partygäste bahnte. Den Kopf leicht gesenkt umspielte ein Grinsen seine Lippen.
Sabrina nahm den Whisky entgegen, betrachtete das Glas kritisch und trank einen kleinen Schluck. Waren sie wirklich erst gestern hier angekommen? Die Ereignisse wirkten, als wären sie bereits eine ganze Woche hier. Sie trank erneut einen Schluck, als die Erinnerungen an einen schlaksigen, arroganten Zwölfjährigen zurückkehrten. Einen Zwölfjährigen, der später nur der Froschjunge in ihrer Familie genannt wurde und mit dem ihre Brüder sie danach noch jahrelang aufzogen.
Jemand neben ihr bestellte Wodka und trommelte unruhig mit den Fingern auf der Bar herum. „Ist das nicht zu stark für Sie?" fragte der Fremde sie, nur um kurz darauf zurückzuschrecken, als sie ihn ansah. „A .. Amanda? Nein, oder?"
Sie grinste amüsiert über den gutaussehenden Blonden und seine heftige Reaktion. „Nein, nicht Amanda. Mein Name ist Sabrina," stellte sie sich vor. „Amanda ist meine Zwillingsschwester." Warum nicht? Fremden war es so viel leichter zu erklären.
„Wirklich?" fragte er und lachte dann verwirrt. „Natürlich, dumme Frage. Entschuldigung Sie, Sabrina. Ich bin Major John Bower und ich habe vor fünf Minuten noch mit Ihrer Schwester getanzt. Die Ähnlichkeit ist erstaunlich. Arbeiten Sie auch hier für die Sicherheit?"
Sabrina schüttelte den Kopf. „Ich bin Stewardess." Sie bemerkte seinen immer noch fragenden Blick. „Und eine Stewardess kommt normalerweise nicht in so eine Veranstaltung, aber mein Begleiter schon."
„Oh," seufzte er und leerte sein Glas. „Da treffe ich an einem Abend zwei identische, wunderschöne Frauen und beide sind vergeben."
„Vergeben, aber es ist nichts Ernstes," sagte Bri augenzwinkernd und trank ihren Whisky nun auch aus. „Bei Amanda auch nicht. Warum versuchen Sie Ihr Glück nicht noch einmal bei ihr?"
„Weil sie arbeiten muss. Also," John wandte sich ihr nun komplett zu und streckte ihr seine Hand entgegen. „Tanzen Sie vielleicht auch mit mir, Sabrina?"
Sie grinste ihn an. Er gefiel ihr. Amanda hatte einen guten Geschmack. Und er trug eine Uniform, die an ihm ausgesprochen gut aussah. Doch als sie ihre Hand hob und seine ergreifen wollte, schnellte eine andere Männerhand hervor und packte ihre.
„Da bist du ja, Liebling," sagte Worth, drängte ich etwas zwischen sie und den Major und beugte sich Bri zu einem Kuss entgegen. Sie drehte den Kopf und seine Lippen landeten auf ihrer Wange.
„Thomas Worth?" krächzte John. „Sie sind mit Thomas Worth hier? Das ist definitiv nicht mein Glückstag!"
Toms Blick begegnete ihren bösen Augen, dann wandte er sich um. „Und Sie sind?"
„Major John Bower, Sir," stellte sich der jüngere Mann vor und sie schüttelten sich die Hände. „Und ich schätze, Sie lassen mich nicht mit Ihrer Begleitung tanzen, oder?"
„Da sie heute noch nicht einmal mit mir getanzt hat, nein," erwiderte Worth mit einem unüberhörbaren feindseligen Unterton.
Sabrina trat zurück und sah wütend von einem Mann zum anderen. „Zum einen, brauche ich Worths Einverständnis nicht, um mit jemandem zu tanzen," belehrte sie, den verdutzt dreinblickenden Major. „Und zum anderen," Bris Augen loderten. „Hast du mir nicht vorzuschreiben mit wem ich tanze, Liebling." Sie wirbelte herum und kräftige Hände hielten sie fest, als sie gegen einen weiteren Mann stieß.
„Nicht so schnell," sagte eine allzu bekannte Stimme.
Sabrina sah hoch und zuerst wollte sie auch ihn ihren Zorn spüren lassen, doch dann besann sie sich eines Besseren. „Tanzt du mit mir, Lee?"
Scarecrow sah von ihr zu Worth und bemerkte die Spannung. „Mit Vergnügen," stimmte er zu und grinste den anderen Mann über ihre Schulter zufrieden an.
Thomas sah den beiden mit einem finsteren Blick hinterher. „Das ist Ihre Schuld!" grummelte er zu John. „Und meine," seufzte er dann. „Ich bin ein Idiot." Damit ließ er den Major stehen.
„Amanda, ist die Ablösung für Trenton schon gekommen?" Worth sah zu der Stimme in seiner Nähe.
„Oh ja, Sir. Sean Pratt hat vorhin seinen Platz eingenommen," erwiderte Mrs. King mit einem Lächeln. „Beaman hat Trenton zum Krankenhaus gefahren."
„Wenn es heute noch kommt und ein Mädchen wird, gewinne ich den Pot," sagte Francine schmunzelnd.
„Eine Geburt kann Stunden dauern, Francine. Sehr wahrscheinlich kommt es erst morgen auf die Welt," ertönte nun eine dritte weibliche Stimme.
Worth erreichte die vier Leute. „Entschuldigung, aber würden Sie vielleicht mit mir tanzen, Mrs. King?" fragte er Amanda geradeheraus. So würde ihm Sabrina wenigstens einen Gefallen schulden.
„Ich nehme dein Glas," bot sich Mrs. Melrose an und nahm Amanda auch schon ihr Getränk ab.
„Uhm, gern, Mr. Worth," log die Hausfrau und ließ sich von ihm dann widerstrebend auf die Tanzfläche führen.
„Du siehst wunderschön in diesem Kleid aus, Sabrina," flüsterte Lee ihr ins Ohr, als sie die Tanzfläche betraten.
Sie sah zu ihm hoch und erschauerte, als seine Hand sich auf ihren nackten Rücken legte. Amanda hatte recht, er sah umwerfend in einem Smoking aus. Ihre Wangen glühten vom Alkohol, als sie ihn angrinste. „Dein Smoking steht dir auch," erwiderte sie schließlich ehrlich.
Er lachte auf. „Der Tanz hier zählt aber nicht zu deinem Versprechen," stellte er klar und wirbelte sie herum.
Sabrina runzelte die Stirn. „Ich finde schon, dass er zählen sollte."
Lee sah ihr kurz in die großen dunklen Augen, die ihn so sehr an Amanda erinnerten. Dann drückte er sie fester an sich, um wieder an ihr Ohr zu kommen. „Du wolltest von Worth weg. Er zählt also nicht."
Seufzend schloss sie die Augen und brummte: „Also gut. Aber nur, weil du recht hast und .. weil du dich freust, mich zu sehen. Oder ist das deine Waffe?"
Lee lachte ein weiteres Mal amüsiert auf und ließ seinen Griff etwas lockerer werden. Sabrina schmunzelte, als sie sich wieder ansahen. „Beides," antwortete er mit einem Augenzwinkern. Jetzt lachte sie ebenfalls.
Am Rand der Tanzfläche beobachtete Thomas das Paar, das offensichtlich viel Spaß miteinander zu haben schien. Amanda folgte seinem Blick, sah wieder zu Worth und der unverkennbaren Sehnsucht in seinem Gesicht, bevor sie erneut zu Lee und Sabrina sah.
„Offenbar haben wir mehr gemeinsam, als ich dachte, Mrs. King," sagte Worth plötzlich verwundert. Amanda blinzelte und stellte fest, dass er sie beim Starren erwischt hatte. Sie errötete und senkte den Kopf. Er grinste schief und zog sie dann aufs Parkett, um mit ihr zu tanzen.
Eine Weile herrschte Stille zwischen ihnen. Jeder von ihnen war mit den Gedanken bei dem anderen Paar, das ab und zu in ihrem Gesichtsfeld erschien.
„Sie mögen sie sehr," stellte Amanda schließlich fest.
Seine grünen Augen fokussierten sich auf ihre braunen. „Ich, uhm .. Hatten Sie schon einmal das Gefühl, dass Sie gegenüber einer bestimmten Person immer die falschen Worte benutzen oder immer falsch handeln egal wie sehr Sie sich auch bemühen, das Richtige zu tun?"
Sie lächelte und ihre Gesichtszüge entspannten sich etwas. Sieh mal an, der mächtige Herr, der sie vor nicht allzu langer Zeit noch durch das Telefon angebrüllt hatte, war auch nur ein Mensch. „Ja."
„Mit .. ihm?" fragte er interessiert.
Sie zögerte, zog die Unterlippe einen Moment lang zwischen ihre Zähne. „Ja," sagte sie dann leise. „Er mochte mich am Anfang nicht, wollte nicht mit .. einer zivilen Teilzeitkraft zusammenarbeiten." Worth verzog getroffen das Gesicht. „Ich fühle mich immer wie eine Bürde, als wäre ich ihm nur im Weg anstatt .. gute Arbeit zu leisten."
Er musterte sie genau. Erstaunlich wie sehr sie Sabrina glich und doch wieder nicht. Dann holte er tief Luft. „Zum Glück sehen Ihre Vorgesetzten das anders." Amanda erwiderte seinen ernsten Blick. Sie sah ihm an, wie schwer ihm die nächsten Worte fielen. „Es tut mir leid, dass ich mich Ihnen gegenüber, um, wie ein Idiot verhalten habe. Meine, um, Unterstellungen waren unangebracht und ich hätte nicht so viele, um, Worte benutzen dürfen, die ich Ihnen definitiv nicht ins Gesicht gesagt hätte. Verzeihen Sie bitte."
Amanda lächelte ihn an und nickte. „Entschuldigung akzeptiert, Mr. Worth."
„Thomas," sagte er erleichtert und drehte sich mit ihr in einer schnellen Bewegung.
„Amanda," erwiderte sie grinsend.
„Also," sagte Worth langsam, als er sie weiter zur Musik durch die anderen Paare dirigierte. „Was läuft da zwischen dir und Lee, Amanda? Hat das etwas mit diesem Plan zu tun, den Sabrina erwähnte?"
Sie seufzte und zuckte mit den Schultern. „Da läuft .. nichts. Was genau hat Sabrina denn über den Plan erzählt?"
Worth dachte kurz daran, zu lügen und zu behaupten, alles zu wissen. „Sie hat nur gesagt, dass sie Lee loswerden möchte und du ihr dabei hilfst."
Amanda nickte. „Dann gibt es nicht mehr dazu zu sagen."
Wieder entstand eine Stille, bis er grinste. „Du magst ihn. Wie kann man jemanden wie ihn mögen? Er ist so unglaublich von sich selbst überzeugt!"
Ihre rechte Augenbraue schnellte nach oben. „Ich glaube, ihr beide habt einiges gemeinsam."
„Ach ja?" fragte er sarkastisch. „Wir mögen offensichtlich denselben Typ Frau. Schon klar."
„Bin ich denn wie Sabrina?" Amanda schmunzelte amüsiert.
„Uhm, für mich nicht. Nichts für ungut," murmelte er schüchtern.
„Dann mögt ihr beide nicht denselben Typ Frau," stellte sie mit einem Lachen fest. „Ihr habt beide eine innere Unsicherheit, die ihr mit eurem öffentlichen Auftreten überspielt."
Worth runzelte die Stirn. „Wow, Sabrina schlägt mir vor, zu einem Psychologen zu gehen und du beurteilst mich nach wenigen Stunden in einem Satz? Was ist das mit euch beiden?!"
„Wir haben eine gute Menschenkenntnis," meinte Amanda und sah ihn offen an.
„Ja, nun, ein bisschen beängstigend," grinste er und schwang sie kräftig herum, um sie wieder zum Lachen zu bringen.
„Also, was sagst du?" fragte Lee auf der anderen Seite der Tanzfläche seine Partnerin.
„Du möchtest, dass ich am Dienstag mit in dein Apartment komme? Du kochst und wir trinken Wein, während Worth in der Zwischenzeit eine Art Marathon-Besprechung von mindestens vier Stunden am Abend hat?" wiederholte sie sein Vorhaben mit einem unguten Gefühl im Magen.
„Genau. Sag ja!" Seine Augen brannten sich in ihre und er lächelte charmant.
„Ich, uhm, ich denke darüber nach, ok?" murmelte Sabrina leise. Dieser Mann war ein verdammter Überredungskünstler. Es wurde Zeit, dass Amanda ihn übernahm und sie selbst aus seiner Nähe kam. War das seine Hand? Ihre Augen schielten zu ihrer Wange, auf der plötzlich seine Finger lagen. Erschrocken sah sie sein Gesicht näherkommen. Sabrina zog ihren Kopf zurück und entwand sich aus seinem Griff. „Ich muss, ich muss nach Jill sehen." Sie ließ ihn stehen und verließ das Parkett.
Fünfzehn Minuten später hatte sich Sabrina auf dem großen Balkon erholt. Es dämmerte bereits und die Farben des Lichts spielten ein faszinierendes Spiel auf den Pflanzen und Gebäuden vor ihr. Von den geöffneten Flügeltüren erklangen das Lachen und die Gespräche des Ballsaals.
„Bist du noch wütend auf mich?" fragte Worth, als er neben ihr auftauchte und den Balkon hinuntersah.
„Nein," erwiderte sie knapp.
„Bist du noch wegen dem Frosch wütend auf mich?"
Sabrinas Mundwinkel hob sich. „Nein."
„Ich habe mich damals auch dafür entschuldigt, glaube ich."
Sie wandte sich ihm zu. „Das hast du, nachdem dir meine Eltern den Kopf gewaschen haben."
Schuldbewusst warf er einen kurzen Blick in ihre Augen. „Das war es wert."
„Ich weiß nicht. Meine Brüder haben dich schön verprügelt danach."
„Oh ja, das war es wert." Er grinste zufrieden. „Obwohl ich immer dachte, du wärst älter gewesen."
Sie lachte auf. „Ich hatte keine Ahnung, weswegen du das gemacht hast, Worth. Meine Mutter musste es mir erklären."
„Mein junges Ich fand das eine gute Idee. Du hältst die Hände auf für das Geschenk, den Frosch, schließt die Augen für die Überraschung und ich küsse dich. Einer meiner besseren Pläne."
Sabrina schüttelte missbilligend den Kopf. „Ein gestohlenen Kuss und ein armer Frosch. Aber ich habe mir mehr Gedanken, um den Frosch gemacht."
Worth brummte, griff nach ihrer Hand. „Wer hätte gedacht, dass wir eine Vergangenheit haben? Um, Charlie womöglich, ich habe den Bastard gefragt, ob du Blaylock heißt."
„Nein, Worth," widersprach Sabrina ihm, als er sie an sich zog. Schützend drückte sie ihm ihre andere Hand auf die Brust. „Wir waren nur Kinder. Da gibt es keine Vergangenheit!"
Erneut drehte sie den Kopf zur Seite und seine Lippen streiften ihre Wange. Er seufzte an ihrem Ohr, verharrte einen Moment. „Dein Neffe," murmelte er. Sabrina grinste ungewollt. „Hat mich angepinkelt." Sie lachte heiser. „Natürlich haben wir eine Vergangenheit!"
„Ich dachte, er ist ausgelaufen?" fragte sie amüsiert. Worth zog den Kopf zurück und sah ihr in die lachenden Augen. „Pauly heißt jetzt Paul und er ist, um, so groß wie du, nur um einiges .. kräftiger."
„Ich wünschte, du wärst damals da gewesen. Bei dem Thanksgiving. Vielleicht wäre einiges anders gelaufen," sinnierte er.
Sie schüttelte den Kopf und fingerte an seiner Fliege herum. „Ich wusste, du wirst jetzt sentimental. Hör auf damit!"
Jemand räusperte sich in ihrer Nähe. „General Thompson ist da, Tom. Du solltest mit ihm sprechen," sagte Peter und kam näher. Worth sah ihn widerstrebend an. „Er hat nach dir gefragt."
Der Waffenproduzent nickte schließlich und lockerte seinen Griff um Bri. „Wir haben noch nicht miteinander getanzt," sagte er stirnrunzelnd. „Ich, um, beeile mich." Sie nickte nur und atmete auf, als er wieder hinein ging.
Peter kratzte sich am Kinn und grinste schief. „Kann ich dich etwas fragen?"
„Sicher, warum nicht?"
„Würdest du ihn jetzt immer noch schützen, wo du weißt, wie er dich früher behandelt hat?"
Bri fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Ja, sicher. Er war nur ein dummer, hormongesteuerter Junge. Er hat auch irgendwann aufgehört, mir an den Haaren zu ziehen oder mich zu schubsen. Direkt nach dem Frosch sogar, glaube ich."
Er lächelte schwach. „Weil dein Vater der erste Erwachsene in seinem Leben war, der ihm den Kopf zurechtgerückt hatte. Und weil deine Mutter ihn mochte, aber ihm sagte, sie wäre enttäuscht von ihm." Sie sah fragend drein. „Er hat mir vor Jahren mal davon erzählt. Tom sagte, ihr wäret für ihn die perfekte Familie gewesen und er war auf jeden von euch neidisch."
„Oh," meinte Sabrina überrascht. „Aber wir waren .. sind alles andere als perfekt." Sie sah durch die Türen wie Worth, ganz Geschäftsmann, wild gestikulierend eine Horde Männer und auch ein paar Frauen unterhielt. „Darf ich dich auch etwas fragen?" Peter lächelte nur und nickte. „Es macht ihn sentimental, oder? Er sagte, wir hätten eine Vergangenheit." Bri rollte mit den Augen.
Peter seufzte. „Ich habe einmal, zuerst im Scherz, festgestellt, dass er es nur ernst mit Brünetten meint. Nein, wirklich, es stimmt. Du hast praktisch in frühester Jugend seinen Frauengeschmack geprägt."
„Oh Junge! Ich war erst sechs, ich wiederhole, sechs Jahre alt!"
„Wirklich? In seiner Erinnerung warst du höchstens zwei Jahre jünger," erwiderte er. „Wie auch immer. Er hat dich sein Leben lang auf ein Podest gestellt. Und zwar so weit oben, dass er lieber nicht wissen wollte, was aus dir geworden ist."
„In meinem Leben war er immer nur der nervige, arrogante Froschjunge, mit dem mich meine Brüder aufzogen," sagte sie schulterzuckend. „Gott, ich wünschte, wir hätten meinen Vater hier nie getroffen. Das Ganze ist so absurd."
„Irgendwie ist es das, oder?" Sie lachten. „Wie eine schlechte Seifenoper."
Bri hob die Augenbrauen und grinste gemein. „Ich habe es heute mit der Twilight Zone verglichen, aber Seifenoper passt auch. Weiß Kelly, dass du Seifenopern schaust?"
Er wurde verlegen und kratzte sich im Nacken. „Uhm-"
„Wer ist das?"
Peter folgte ihrem Blick. Eine junge, gutaussehende Blondine hatte sich bei Worth untergehakt und himmelte ihn an. „Oh," er lachte amüsiert auf. „Das ist Kimberly, die Tochter vom General."
Worth neigte der jungen Frau seinen Kopf entgegen und sie lachten zusammen, während sie an seinem Smoking spielte wie zuvor Sabrina auf dem Balkon.
„Sie ist tabu und sie weiß das," sprach Peter weiter. „Aber das interessiert sie so wenig wie die Tatsache als Tom verheiratet war. Sie versucht es immer wieder bei ihm. Und das … ist Lisa. Sie waren mal ein Jahr zusammen." Auf Worths anderer Seite war eine dunkelhaarige Schönheit mit blauen Augen aufgetaucht. Sie wirkte um einige Jahre älter als die junge Blondine.
Sabrina grinste belustigt. „An jedem Arm eine Frau. Ich schätze, die Trauerphase ist vorbei."
Peter schnaubte, wich ihrem erneuten fragenden Blick jedoch aus. Stattdessen sah er wieder zu seinem Freund. „Er ist genervt und will da weg," stellte er fest.
„Woran erkennst du das?"
„Er flirtet mit beiden," erwiderte Peter schmunzelnd.
„Das sehe ich," kam es fast etwas schnippisch von ihr.
„Sehr offensiv. Sie werden gleich versuchen, ihn von der jeweils anderen Frau wegzuzerren. Er wird mit Kimberly gehen, vielleicht etwas mit ihr trinken und sich dann entschuldigen," prophezeite er.
„So?" fragte Bri mit einem Lachen.
„Ich kenne ihn schon sehr lange." Peter zog die Augenbrauen hoch. „Ist das nicht offensichtlich? Sie ist unter allen Umständen tabu, die Tochter eines Kunden. Sie ist das geringe Übel und er wird sie schnell los. Ich dachte, du wärst Privatdetektivin," zog er sie auf.
Es dauerte nicht lange und Worth folgte Lisa auf die Tanzfläche. Bri betrachtete das Paar stirnrunzelnd. „Das geringe Übel, eh?"
„Zum Glück habe ich nicht gewettet," murmelte Peter. „Wie wäre es mit einem Tanz?"
„Solltest du nicht nach Kelly sehen?" fragte Bri und ging vor, wieder in den Saal hinein. Peter folgte ihr.
„Sie amüsiert sich gerade mit Jill und ihren Verehrern," erklärte er.
„Da bist du ja! Wie wäre es jetzt mit einem Tanz, Sabrina?" Der Major erreichte sie beide und lächelte Bri an.
„Wir wollten gerade tanzen," mischte sich Fenton freundlich aber bestimmt ein.
„Wollten wir?" Sie sah stirnrunzelnd von einem zum anderen. „Ich würde viel lieber mit ihm tanzen," sagte sie dann mit einem Kopfnicken gen John zu Peter. Die blauen Augen des Majors leuchteten triumphal auf.
„Hier ist sie," ertönte plötzlich Worths Stimme. „Meine Verlobte Sabrina!"
Wie bitte? Bri drehte den Kopf zu ihm und Lisa an seinem Arm. Sie lächelten sich beide falsch an.
„Sabrina, das ist Lisa, um, eine alte Freundin von mir."
„Sie trägt gar keinen Verlobungsring, Tom," stellte Lisa zuckersüß fest. Sabrina unterdrückte ein Grinsen und hob die Augenbrauen. Dann lass dir mal was einfallen, Worth!
„Er ist gerade beim Juwelier, muss etwas angepasst werden." Tom schien auf alles eine Antwort zu haben.
Der Major sah ziemlich enttäuscht drein. „Ich dachte, zwischen euch ist es nicht ernst?" fragte er leise.
Bri lachte auf. „Ernst wäre es erst mit einem Ehering, John. Wir, um, führen eine offene Beziehung. Sehr offen. Nicht wahr, Schatz?" Es bereitete ihr große Freude Worths gequälten Gesichtsausdruck zu sehen.
„Oh!" kam es gleichzeitig aus Bowers und Lisas Mund.
Worths Ex-Freundin tätschelte ihm den Unterarm. „Das hast du mir gar nicht erzählt, Tom!"
„Muss ich vergessen haben, ha ha," murmelte Worth mit einem anklagenden Blick zur amüsierten Bri.
„Sabrina!" Amanda berührte sie am Arm. „Ich weiß, wo Nummer drei ist!"
„Oh wie nett, Zwillinge!" Lisa klang begeistert und irgendwie dümmlich.
„Nummer drei?" Sabrina runzelte die Stirn, dann erhellte sich ihr Gesicht. „Wirklich?" Amanda nickte lachend. „Entschuldigt uns bitte!" Aufgeregt folgte sie Amanda durch die Menschen. Zwischendurch begegnete sie Kelly und nickte ihr bedeutungsvoll zu.
Minuten später erreichten sie die Damentoilette und traten ein.
„Ach du meine Güte!" wurden sie von Jill Danko begrüßt, die sich erschrocken die Hände vor den Mund hielt. Sie trug ein bodenlanges weißes Kleid.
„Twilight Zone," flüsterte Sabrina mit aufgerissenen Augen.
Amanda lachte. „Jill Danko, das ist Sabrina Duncan. Sabrina, das ist Jill!"
„Eine meiner besten Freundinnen heißt Jill," fiel Bri als erstes dazu ein. Dann sah sie von Jill zu Amanda, danach zurück und zuletzt in die Spiegel neben ihnen. „Wie verrückt ist das? Ich meine, was glaubt ihr, wie stehen die Chancen, das so etwas hier passiert?" Sie gestikulierte zum Raum. „Eins zu einer Million? Zehn Millionen? Trilliarden? Wir sehen aus, als wären wir Drillinge! Nach der Geburt getrennt. Wir sind doch nicht wirklich Schwestern, oder? Wann habt ihr Geburtstag?"
Die anderen beiden kicherten. „Ich bin auch erfreut, dich kennenzulernen, Sabrina," sagte Jill mit einem Augenzwinkern.
„Um, Entschuldigung," murmelte diese, verlegen über ihren Ausbruch und sie schüttelten sich die Hände.
Fünf Minuten später kamen Kelly und Jill herein und erwischten die drei gleich aussehenden Frauen dabei, wie sie vor den Schminkspiegeln saßen und sich gegenseitig betrachteten.
Bri sah auf. „Um, Jill, Kelly, das ist, um, Jill .. also noch eine Jill."
„Mein Gott!"
Jill kicherte ausgelassen. „Hallo Jill, ich bin Jill." Kelly und Bri rollten mit den Augen.
„Seid ihr sicher, dass ihr keine Drillinge seid?" fragte Kelly.
„Das haben wir geklärt," erwiderte Bri. „Wie es aussieht, ist Jill die Älteste, Amanda die Jüngste und ich mittendrin. Wir sind definitiv nicht am selben Tag geboren und haben andere Eltern."
„Ich muss zurück, Mike sucht bestimmt schon nach mir. Vielleicht sehen wir uns noch?" fragte Jill nun und stand auf.
„Auf jeden Fall!"
„Das wäre schön!"
Nachdem Nummer drei draußen war, stand Sabrina auf. „Lass uns jetzt die Kleider und den Schmuck tauschen, Amanda!"
„Jetzt schon?" Die Hausfrau sah unglücklich aus. „Ich weiß nicht .."
„Amanda," sagte Bri mit Nachdruck. „Er hat vorhin versucht mich mitten auf der Tanzfläche zu küssen! Er will, dass ich am Dienstag in seinem Apartment mit ihm zu Abend esse. Wenn ich ihm noch länger ausgesetzt bin, breche ich ein! Er ist Testosteron verpackt in weißer Schokolade!" Jill und Kelly lachten bei den Worten.
„Was hast du ihm gesagt?"
„Das ich es mir überlege. Sag ihm einfach ab, okay? Bitte!"
Amanda seufzte und betrachtete sich im Spiegel. „Er wird es merken oder Tom wird es merken."
„Tom? Worth?" fragte Bri überrascht.
„Ja, er hat mit mir getanzt, als du mit Lee getanzt hast. Du schuldest ihm wohl jetzt einen Gefallen," erwiderte Amanda und wandte sich ihr zu. „Er mag dich sehr."
Jill leerte ihre Handtasche. „Macht schon, ihr zwei, da draußen warten drei gutaussehende Männer auf mich!"
„Nur drei?" lachte Sabrina und verschwand in einer Toilette, um sich Kleid und Pumps auszuziehen. Amanda tat dasselbe direkt neben ihr und sie tauschten.
„Zum Glück passen sie, wir haben offenbar die gleiche Schuhgröße," kam Amandas Stimme von nebenan.
„Amanda, das Kleid ist wunderschön! Wo hast du es her?" Sabrina war bereits herausgekommen und betrachtete sich im Spiegel.
„Ich habe es selbst gemacht," erklärte sie und trat ebenfalls heraus. „Dein Kleid ist, um, sehr gewagt." Stirnrunzelnd zupfte sie an dem langen Schlitz.
„Worth hat es mir gekauft," erklärte Bri. Sie legte ihren Schmuck ab. „Er hat uns allen Kleider gekauft. Mist! Jetzt muss ich ihn Tom nennen, oder?"
Amanda lachte. „Ich nenne ihn jedenfalls nicht Worth. Wie nennst du Lee?"
„Dummkopf," beantwortete Kelly die Frage grinsend.
„Agent Dummkopf," ergänzte Jill. Sie nahm sich Sabrinas Haare vor und wenige Minuten später steckte sie sie mit Amandas Haarspangen hoch.
„Lee, ich sage Lee zu ihm." Kritisch betrachtete sich Bri im Spiegel, legte Amandas Schmuck an und sah dann zu wie aus Amanda sie selbst wurde. „Jill, das ist großartig!"
„Danke!" Jill verbeugte sich leicht. Stolz sah sie von einer zur anderen.
Amanda sah immer noch unglücklich aus. Kelly räusperte sich. „Ihr zwei seht zwar gleich aus, aber ihr kennt euch zu wenig, als das ihr denen da draußen lange etwas vorspielen könntet. Ich rate euch, es so schnell wie möglich durchzuziehen und dann wieder die Kleider zurück zu tauschen."
„Ich kenne Sabrinas Akte," meinte Amanda und berührte Sabrinas Namenskette an ihrem Hals.
Bri grinste. „Das reicht. Lee kennt mich auch nicht und Worth kennt dich nicht. Ich glaube, das dürfte kein Problem sein. Wir dürfen nur nicht wir selbst sein."
Das klang irgendwie unlogisch logisch. Amanda legte den Kopf schief. „Ich habe immer noch das Gefühl, dass das ein Fehler ist."
Bri schüttelte den Kopf. „Das ist eine gute Idee. Du weißt, wie du Lee abwehrst. Du tust es doch schon seit fast zwei Jahren."
Jill seufzte. „Zwei Jahre sind ein Sakrileg," murmelte sie.
Kelly sah erstaunt drein. „Sakrileg, Jill? Wirklich?"
„Ich weiß, was ein Sakrileg ist. Jemanden wie Lee sollte man keine zwei Jahre zappeln lassen! Was für eine Verschwendung! Was ist bloß mit euch los hier in Washington? Habt ihr die 70er verschlafen?" Alle Augen waren auf Jill gerichtet. „Was? Was?"
„Hör nicht auf sie!" Sabrina wandte sich Amanda zu und nahm ihre Hände in ihre. „Zwei Jahre sind zwar wirklich verdammt lang, aber du hast zwei Söhne und, um, diese Geheimdienstsache ist sicher nicht einfach zu managen. Und Lee ist ein Dummkopf." Amanda lächelte sie dankbar an. „Und dafür schulde ich dir einen noch größeren Gefallen, als ich Worth einen schulde. Ich bin dir wirklich dankbar, Amanda."
Sie standen auf, Kelly räusperte sich ein weiteres Mal. „Eure Handtaschen, Mädels!"
„Oh!" Schnell wurden die Taschen geleert und getauscht.
„Fertig?" fragte Bri.
„Nein," sagte Amanda unsicher.
Kelly grinste, legte Amanda einen Arm um die Schultern und führte sie zur Tür. „Ich sage dir mal was über Bri: Sie sagt fast immer, was sie denkt, sie ist sehr selbstbewusst und sie übertreibt es manchmal mit beidem."
„He!"
„Irgendjemand muss sie doch coachen, wenn du es nicht tust," lachte Kelly über ihre Schulter hinweg zu Sabrina. Gemeinsam verließen sie die Damentoilette und gingen zurück in den Saal.
"Froschjunge, eh?" raunte Kelly im Vorbeigehen Sabrina zu.
"Ah, halt den Mund!" knurrte diese zurück.
„Sabrina! Tanzt du jetzt endlich mit mir?" Worth packte Amanda am Ellenbogen. „Du hast mich da eben mit Lisa ganz schön sitzen gelassen!"
Sagen, was ich denke, selbstbewusst, übertrieben. Was würde sie antworten? „Ich muss mit Lee tanzen, um, Worth. Und das andere war sicher nicht meine Schuld!" Amanda schob das Kinn nach vorn und funkelte Tom an.
Dieser kratzte sich im Nacken. „Ich habe nicht gemeint, dass du Schuld hast." Er wirkte eingeschüchtert, was Amanda verwundert und zufrieden feststellte.
Bri grinste und griff nach Worths Hand. „Lassen wir sie mit Lee tanzen, Tom. Oder hast du vorhin nicht gern mit mir getanzt?"
Worth sah verwundert von einer zur anderen. „Nein, natürlich nicht, Amanda, aber-"
„Dann los!" Sie zog ihn hinter sich her zu den tanzenden Paaren.
„Sabrina!" Amanda schloss kurz die Augen und drehte sich dann mit einem knappen Lächeln zu Lee um. „Hey." Er trat vor sie und nahm ihre Hände in seine. „Hast du Lust etwas frische Luft zu schnappen?"
„Ja, sicher," murmelte Amanda und sah auf ihre Hände hinunter. Sie räusperte sich. „Wenn es nicht zu lange dauert," fügte sie schroffer an, in der Hoffnung, Sabrina würde das sagen.
Lee beugte sich vor. „Zehn Minuten," raunte er ihr ins Ohr. „Wie abgemacht."
Amanda nickte nur und ging an seinem Arm mit hinaus auf den Balkon. Vielleicht würde ihr die Abendluft wirklich gut tun.
„Sie tanzen nicht. Sie gehen raus," kommentierte Worth das Tun des anderen Paares und drehte sich mit Bri. „Was für einen Plan habt ihr, Amanda? Ich hoffe, er ist gut."
„Er ist gut, um, Tom. Entspann dich," erwiderte sie. Würde Amanda so etwas sagen? Eher nicht. „Ich meine, kein Grund sich Sorgen zu machen. Wirklich." Sie lächelte freundlich. Hoffentlich war es ein freundliches Lächeln. Ein Amanda-Lächeln. Bri senkte scheu den Kopf und den Blick etwas.
Doch Worth runzelte nur die Stirn und sah weiterhin ab und zu in die Richtung der Flügeltüren. „Du vertraust Lee?" fragte er dann unsicher.
Sabrina seufzte innerlich. „Mit meinem Leben." So viel wusste sie immerhin inzwischen.
„Auch bei so etwas? Einer anderen Frau? Gott, Amanda, die beiden sollten mit uns tanzen und nicht miteinander, um, was auch immer! Ich meine, Sabrina sollte es. Mit mir. Du bist viel zu gut für ihn. Du solltest deine Wahl wirklich überdenken. Er hat sich in all den Jahren, die ich ihn kenne, kein bisschen verändert!"
Sie sah auf. „Ich vertraue Sabrina und ihrem Plan," sagte sie und unterdrückte ein Grinsen.
Er legte den Kopf schief, als er einen ihrer Mundwinkel kurz zucken sah. „Du findest das lustig?"
„Du nicht?" fragte sie prompt zurück. Uh-oh. Falsch. „Hör zu, Tom, Lee ist ein Gentleman." Worth schnaubte ungläubig. „Und Sabrina kann sich wehren, oder etwa nicht? Denkst du, sie fällt auf ein charmantes Lächeln herein, wenn es so, um, durchschaubar ist?"
„Nein," gab er mürrisch zu. „Aber du hast sie doch vorhin auch zusammen tanzen gesehen, Amanda! Sie haben sich amüsiert!"
„Du klingst .. eifersüchtig," sagte sie mit einer Falte zwischen den Augenbrauen.
„Ich sagte doch, wir scheinen etwas gemeinsam zu haben," brummte er mit einem weiteren Blick zum Balkon.
„Es ist schön hier," meinte Amanda, hob ihre Hand und spielte mit der Kette, an der nicht ihr Name stand. Sie sah in die Dunkelheit hinaus in den Garten und atmete den Duft der Rosen ein.
„Hast du dir schon überlegt, ob du mich am Dienstag besuchen kommst, Sabrina?" Sie wandte sich ihm zu und Lee nahm ihre Hand, küsste jeden einzelnen Finger. „Wein, Hühnchen, ich kann uns einen Film besorgen, wenn du magst."
Amanda grinste dümmlich. Es war merkwürdig auf der Empfängerseite von Scarecrows Charme zu sein. Ohne ein Cover, ohne so zu tun, als ob er sie mehr als mögen würde.
„Sabrina?"
„Oh, um, hör zu, Lee," begann sie mit einem seitlichen Kopfnicken, nachdem er sie aus ihren Gedanken geholt hatte. „Worth, um, wird wütend werden. Und ich muss noch, uhm, eine Woche für ihn arbeiten. Ich kann das nicht. Wirklich." Das lief doch gut.
Lee drehte ihre Hand und küsste ihr Handgelenk. „Er wird es nicht erfahren. Er ist vier Stunden lang in einem Meeting. Und dort wird er gut von uns bewacht. Bitte!" Seine haselnussbraunen Augen bohrten sich in ihre. „Du wirst dich doch sonst nur langweilen. Ich kann dir, um, etwas Abwechslung bieten hier in D.C."
Amanda blinzelte verwirrt. Er war nähergetreten und legte ihre Hand auf seine Brust, die eigene darüber. Langweilen? Wirklich? Das war seine Masche? Sie lachte, um ihre Unsicherheit zu überspielen. Selbstbewusst, Amanda, schalt sie sich sofort innerlich. „Das, um, ist sehr nett von dir. Das du dir solche Sorgen um mich machst. Aber da gibt es noch Jill, Kelly und John. Mir wird bestimmt nicht langweilig mit meinen Freunden."
„John Bosley ist ebenfalls in dieser Konferenz. Schließlich ist er ein Sekretär," grinste Lee zufrieden. „Und Jill und Kelly halten sich, laut eurem Plan, im Nebenraum mit einem Agenten der Agency auf." Er beugte sich vor zu ihrem Ohr. „Bitte!"
Amanda schloss die Augen. Verdammt nochmal! „Du hast auf alles eine Antwort," murmelte sie. Zum Geruch der Rosen gesellte sich Lees Aftershave dazu. Sie kannte es, sie liebte es und sie wusste eigentlich auch, wie sie sich dagegen wehren konnte. Gegen seine berauschende Nähe. Aber heute war sie nicht Amanda. Oder doch? Was macht er da? Sie seufzte, als sie seine Lippen an ihrem Hals spürte. „Lee."
„Du hast es doch selbst gesagt, ich kann dir deine Fantasien über Geheimagenten erfüllen, Sabrina," flüsterte er ihr wieder ins Ohr. „Und ich soll mich anstrengen. Ich gebe mir Mühe." Dann hob er den Kopf. Gott, heute riecht sie sogar wie Amanda, dachte er betört.
Sie sahen sich in die Augen. Amandas Hand wanderte wie von selbst über seine Brust nach oben und legte sich zärtlich auf seine Wange. Sie sollte etwas sagen, irgendetwas. Er redete die ganze Zeit dummes Zeug. Sabrina würde ihn darauf ansprechen. Es ist alles falsch, dachte sie betrübt. Aber ich bin nicht ich, ich kann gar nichts falsch machen, oder?
Lee erwiderte die Geste und beugte sich vor. Seine Hand war warm auf ihrer Haut, sein Daumen berührte sie knapp unter der Unterlippe. Ein, zwei Sekunden verstrichen, zu kurz für einen klaren Gedanken. Dann küsste er sie und es war alles nochmal wie in San Angelo. Gefühle, Verwirrung, Verlangen durchströmte sie beide.
Widerstrebend löste Lee den Kuss und führte ihn auf ihrer Wange weiter „Oh, Amanda.", ihrem Kinn, auf ihrem Hals. Sie erstarrte, die Augen geöffnet. „Amanda," murmelte er erneut, dann hielt auch Lee inne.
Amandas weit aufgerissene Augen schlossen sich wieder. „Amanda?" hörte sie ihn ein drittes Mal sagen. Es klang anklagend, irritiert. Sie wollte ihn nicht ansehen und doch öffnete sie ihre Augen wieder, die sich bereits ungewollt mit Tränen füllten.
„Amanda!"
„Ist Eifersucht nicht vollkommen unangebracht? Ich meine, du bist kein Privatdetektiv oder Geheimagent, aber ein Cover ist ein Cover. Gefühle sollten da keine Rolle spielen."
Tom warf Sabrina einen überraschten Blick zu.
„Ich meine, Gefühle sind, um, ein bisschen nur, im Weg?" Verdammt nochmal, Amanda! Bri lächelte. Lächeln ist immer eine gute Idee, dachte sie.
Doch seine Augen verengten sich misstrauisch, dann seufzte er geschlagen. „Ja, vielleicht," gab er schließlich zu. „Aber wir kennen uns schon so lange."
Sabrina nickte. Nichts sagen würde den Schein womöglich länger aufrechterhalten. Auch wenn alles in ihr schrie, dass er sie kein bisschen kannte.
„Wir haben als Kinder zusammengespielt, waren auf derselben High-School," sprach er weiter.
Jetzt verengten sich Bris Augen. Log er mit Absicht? „Wirklich?" ließ sie sich hinreißen zu fragen.
„Uh-hu. Aber was solls, du siehst aus wie sie. Wenn die beiden uns nicht wollen, dann, um, könnten wir uns doch zusammentun."
Sabrina studierte krampfhaft Worths Gesicht. Was redete er da? Ihr Kopf zuckte zur Seite und sie lachte auf. „Ja, sicher," kam es ungewollt sarkastisch von ihren Lippen.
Tom beugte sich vor, Sabrina zog den Kopf zurück. Doch er hielt sie so fest, dass sie ihm nicht entkommen konnte. Seine Nasenspitze streifte ihren Hals. „Komm schon, Amanda! Wieso nicht?"
„Tom! Hör auf!" Bri drückte zornig ihre Hände auf seine Brust.
„Mhm, ahhh, ich mag dein Parfum immer noch." Grinsend drückte er ihr wieder seine Nase ans Ohr.
Sie hörte auf sich zu wehren und erstarrte einige Sekunden lang. „Du … Arsch!" tobte sie schließlich leise, damit sie niemand anderes hören konnte. Sie waren längst am Rande der Tanzfläche stehen geblieben.
„Nenn mich lieber weiter Tom. Ich mag das," lachte er ihr ins Gesicht. Seine grünen Augen funkelten vor Freude und Selbstzufriedenheit.
Bri rollte mit den Augen. „Ans Parfum habe ich nicht gedacht," grummelte sie.
„Bekomme ich etwas dafür, dass ich es herausgefunden habe?"
Sie schüttelte den Kopf, schlug ihre Faust auf seine Brust, was er mit einem „Autsch." kommentierte.
Vor Bris Augen kämpfte sich eine aufgelöste Amanda durch die Menschen. Sabrina sah ihr erschrocken hinterher. Dann schob sie Worth kräftig von sich. „Ich muss .. bleib hier! Ich bin gleich wieder zurück."
Der Waffenproduzent runzelte die Stirn, als sie Amanda hinterhereilte. Eine Minute später folgte Stetson den beiden Frauen hinaus aus dem Saal. Die Furche zwischen Worths Augenbrauen wurde tiefer.
Fortsetzung folgt.
