Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.

Autorin: madame. alexandra

Originaltitel: Parenthood

Elternschaft

Als sie Han Solo geheiratet hatte, einen Corellianer mit zweifelhafter Vergangenheit, weit unter ihrem Stand – in den Augen der meisten – war Leia Organa mit Seitenblicken, Zungenschnalzen und ungewollter hochmütiger Kritik bedacht worden, also waren ihr die harten Kämpfe nicht fremd, die eine sogenannte sozial unpassende Beziehung ausfechten musste.

Weil sie so versiert darin war, den gewaltigen Unterschieden zwischen ihr und Han zu trotzen – eine Fähigkeit, die dadurch geschärft wurde, dass sie immer auf seiner Seite war und sich ihnen immer mit ihm gemeinsam stellte – traf sie die Tatsache, dass ihre Elternschaft das einzige war, das ihre soziale Gegensätzlichkeit bis zu dem Punkt deutlich machte, dass es eine frustrierende Menge an Zwietracht zwischen ihnen säte, komplett unvorbereitet. Zum ersten Mal standen sie scheinbar unüberbrückbaren Differenzen gegenüber, die ihre Ausgeglichenheit bedrohten.

Die absurdesten Streitigkeiten schienen aufzukommen – beide schöpften aus ihrer eigenen Kindheitserfahrung, hielten gewisse Dinge für selbstverständlich und gingen dann davon aus, dass ihre Sichtweise die richtige sei – Leia wollte, dass Ben richtiges Basic verwendete und zu Erwachsenen höflich und mit den angemessenen Titeln sprach; Han war unbeeindruckt, wenn er Schimpfwörter in jeder Sprache wiederholte, in der er sie jemals von seinem Vater gehört hatte.

Es gab auch andere Dinge – und sie versuchten, ihr Gezänk auf ein Minimum zu beschränken, mit gesenkten Stimmen und hinter geschlossenen Türen, damit ihr Sohn sie nicht hören würde, aber die jüngste Schlacht wurde immer wieder direkt vor dem Dreijährigen ausgetragen – es ging ausgerechnet um Bens Essgewohnheiten.

Seit Wochen war Leia wegen des völlig durcheinandergeratenen Essensplans des Kleinkindes mit ihrer Weisheit am Ende gewesen; wenn sie nach Hause kam, lehnte er meistens das Abendessen ab, nur um sich später zu weigern, ins Bett zu gehen, weil er hungrig war – oder schlimmer, er wachte in der Nacht auf und weinte und schrie nach Abendessen, obwohl er darauf bestanden hatte, es nicht zu wollen.

Leia war niemand, der sein Kind zum Essen zwingen würde, wenn es nicht hungrig war, aber sie bekam keinen Schlaf und verlor fast den Verstand, und sie hatte angefangen, zu glauben, dass körperlich mit ihm etwas nicht stimmte, bis sie entdeckte, dass Han Ben den ganzen Tag über wahllos naschen ließ – jede Leckerei, die er wollte, ob es Obst, Süßigkeiten oder Kekse waren –

Zwei Konfrontationen deswegen hatten sich bereits in erbitterte, angespannte, kleine Streitigkeiten verwandelt – Ben war klein, er musste gute Essgewohnheiten lernen; das bedeutete Frühstück, Mittagessen und Abendessen, und gelegentlich einen Snack am Nachmittag – Han verwöhnte ihn und ruinierte seinen Appetit, indem er ihn zu jeder Stunde des Tages fütterte –

Und natürlich war Han der Meinung, dass sie völlig verrückt klang, und an diesem Abend war es nur schlimmer gewesen, als Ben – wieder einmal – in seinem Abendessen herumgestochert hatte, jammernd und unruhig, und auch Leias Versuche, ihn zu füttern, zurückwies, weil Han ihm früher schon etwas gegeben hatte, obwohl Leia zu einer gewöhnlichen Zeit nach Hause gekommen war und es ihr so, so wichtig war, dass sie zusammen zu Abend aßen –

Sie hatte Ben mit dem scharfen Versprechen zu Bett gebracht, dass er nichts bekommen würde, wenn er später hungrig aufwachte, und Han hatte ganz unerwartet die Beherrschung mit ihr verloren, war hinausgestürmt und hatte die Tür laut genug zugeknallt, um die Toten zu wecken.

Leia war müde und sie war frustriert – und es lag nur daran, dass diese unbedeutenden kleinen Auseinandersetzungen sich häuften, sie fertigmachten und an ihrer gesamten Beziehung zweifeln ließen, dass sie sich letztendlich Luke anvertraute, als er sich erkundigte, ob alles in Ordnung war.

Sie legte Wert darauf, ihre Streitigkeiten mit Han privat zu halten – zumindest in diesen Tagen – aber überwältigt davon, wie verrückt sie so ein seltsamer, dummer Streitpunkt machen konnte, hatte sie ihm alles erzählt, während sie die Reste des Abendessens wegräumte und Luke sie ruhig anschaute.

„ – er muss damit aufhören, Luke", knurrte sie und knallte eine Tasse auf die Anrichte. „Bens Zähne werden faulen und er wird seinen Stoffwechsel durcheinanderbringen – "

Luke lächelte nachsichtig.

„Er ist noch ein Baby, Leia", beruhigte er sie.

„Er ist kein Baby; er läuft, er spricht, er ist ziemlich clever – er ist kein Säugling, er muss nicht die ganze Zeit essen, und Han ist so…er kümmert sich um ihn, als wäre er ein kleiner König, und Kleinkinder brauchen Struktur und Disziplin – "

„Hattest du eine Menge davon?", fragte Luke.

Leia bespritzte ihn mit Wasser.

„In der Tat hatte ich das", erwiderte sie knapp. „Spätnachts zu essen, ist schlechte Ernährung", meinte sie und hielt ihre Finger nach oben, „wenn Ben zu viel Zucker bekommt, ruiniert das den Zeitplan für seinen Mittagsschlaf und macht ihn launisch", zählte sie auf und nahm jedes Mal einen Finger herunter, „Han zwingt ihn nie dazu, Gemüse zu essen, er gibt ihm Essen, wann immer er danach verlangt – ich habe versucht, Ben deutlich zu machen, dass er den Haushalt nicht auf diese Art bestimmt, und Han", Leia streckte die Hand in Richtung Tür aus, „tut so, als würde ich ihn quälen."

Luke beugte sich vor, legte den Kopf in die Handfläche und schaute sie nachdenklich an.

„Hmm", murmelte er gedankenverloren. „Leia – hat all das nicht angefangen, als Ben begonnen hat, mehr zu reden?"

Sie zuckte gereizt mit den Schultern.

„Ja, schätze ich."

Luke hob die Brauen.

„Also kann Ben Han sagen, dass er hungrig ist?", überlegte er langsam.

Leia schaute ihn genervt an. Wieder zuckte sie die Achseln und nickte – das schien genau das zu sein, was der kleine Charmeur tat, einen niedlichen, flehenden Gesichtsausdruck aufzulegen und mit allem durchzukommen, bis Mama nach Hause kam, um sich aufzuregen und die Böse zu sein.

Luke lachte kopfschüttelnd und sie funkelte ihn an.

Was?", fauchte sie.

Luke hielt seine Hand nach oben.

„Du siehst, warum Han das tut, oder?", fragte er, als ob es offensichtlich wäre.

Leia seufzte, stemmte die Hände in die Hüften und warf ihrem Bruder einen Blick zu – sein sachlicher Ton reizte sie nur noch mehr, und sie wartete kopfschüttelnd und mit gespanntem Kiefer ab. Sie hatte keine Ahnung, warum Han zu glauben schien, Ben müsse wie ein Spanferkel gestopft werden –

„Leia, Han ist mit Hunger aufgewachsen!"

Gerade als Luke zu einer Erklärung ansetzte, verstand Leia –

„Er hört Ben sagen, dass er hungrig ist, und folgt einem Instinkt, sicherzustellen, dass er es nicht ist", erläuterte Luke aufgebracht. „Das ist sein Kind, und er will nicht, dass er Hunger leidet – und dass du Ben heute ohne Abendessen ins Bett geschickt hast, muss ihn wirklich auf die Palme gebracht haben."

Leia stand da und starrte Luke an, ihre Haltung entspannte sich ein wenig – und sie erinnerte sich, wie aufmerksam Luke die Menschen um sich herum immer beobachtete, und tadelte sich selbst dafür, so dumm gewesen zu sein, so unfassbar dumm –

Es gab so viele Dinge, die Han in Bezug auf Ben tat, die sich direkt aus seiner eigenen Kindheit ableiteten, und das hier war nur eine weitere Sache, die sie übersehen hatte –

Sie seufzte und ihre Hand glitt von ihrer Hüfte. Sie hob die Hand, rieb sich über die Stirn und schaute in Richtung Flur, an dessen Ende Ben schlief. Sie runzelte die Stirn.

Sie blinzelte und ihre Augen füllten sich plötzlich mit Tränen. Sie schaute zu Luke und er lehnte sich mit weit aufgerissenen Augen zurück und schüttelte den Kopf.

„Leia – was – warum…weinst du?", stotterte er, einen schmerzerfüllten Ausdruck auf dem Gesicht – Leia war seit Bens Geburt viel anfälliger für Tränen geworden und es traf Luke für gewöhnlich immer noch völlig unvorbereitet – weil sie meistens wegen sehr seltsamer Dinge in Tränen ausbrach –

„Das ist so süß", sagte sie und biss sich mitfühlend auf die Lippe.

Luke hob seine Augenbraue angesichts dieser Wendung und schüttelte dann den Kopf. Er seufzte – nun ja, zumindest war sie nicht mehr direkt sauer auf Han.

Leia lehnte sich gegen die Anrichte und legte nachdenklich eine Hand an den Hals – sie war die Sache eindeutig falsch angegangen – und sie erkannte, dass Bens Fähigkeit, viele seiner Bedürfnisse jetzt auszusprechen, Han anders handeln lassen würde, besonders in dieser Hinsicht; bevor er so gut sprechen konnte, hatte Leia festgelegt, was er wollte, indem sie eine Mischung aus mütterlicher Identifikation der unterschiedlichen Arten des Weinens und der Macht benutzt hatte – jetzt war Han häufiger mit ihm zuhause als sie, und er versuchte, sicherzustellen, dass er alles richtig machte –

Sie presste die Lippen zusammen – das konnte sie in Ordnung bringen, sie konnte mit Han darüber reden, was ihm so zusetzte – und sie konnte zumindest dafür sorgen, dass sie zu diesem Thema ihren letzten Streit gehabt hatten.


Han kehrte sehr spät in die Wohnung zurück; wahrscheinlich hatte er damit gerechnet, dass sie zu dieser Zeit bereits schlief. Das tat sie nicht – aber sie sprach ihn bewusst nicht direkt darauf an; sie ließ ihn zappeln, während er sich mit einem argwöhnischen Gesichtsausdruck bettfertig machte, als wartete er darauf, dass sie sich auf ihn stürzte.

Sie wartete einfach ab, bis er sich die Zähne geputzt und das Badezimmerlicht ausgeschaltet hatte, sie saß auf der Bettdecke und schaute nachdenklich zu, wie er seinen Platz im Bett einnahm und sich hinlegte, offensichtlich mit der Absicht, immer noch wütend auf sie schlafen zu gehen.

Einen Moment lang blickte sie auf ihre Hände herunter, dann drehte sie sich um, legte sich auf die Seite und streckte die Hand nach seiner Schulter aus.

„Han?", fragte sie leise, wobei sie ihre Stimme ruhig und bewusst nicht streitlustig hielt.

Er reagierte einen Augenblick lang nicht, bis sie seine Schulter berührte und ein wenig an ihm zog. Mit reserviertem Gesichtsausdruck drehte er sich um. Er schien sich innerlich zu wappnen.

„Ist alles in Ordnung?", fragte er.

Sie blinzelte ihn an und erkannte, dass er ihre plötzliche Sanftheit nicht als weiße Fahne interpretiert hatte, sondern als Zeichen von Kummer, und es beeindruckte sie, wie wundervoll es von ihm war, seine Wut beiseitezuschieben, wenn er dachte, dass sie ihn brauchte.

Es – in der Tat hatte es genau die Wirkung auf sie, die Luke zuvor beunruhigt hatte –

„Leia?", fragte er und hob den Kopf. Er streckte seine Hand aus und legte sie beschützend auf ihre Hüfte.

„Was ist?"

Sie legte eine Hand über den Mund und schüttelte entschuldigend den Kopf.

„Nichts", erwiderte sie ehrlich.

„Warum weinst du?"

„Ich – die Tränen sind immer noch in meinen Augen, Han, es ist kein Weinen, wenn – "

Er strich genau in dem Augenblick mit dem Daumen über ihre Wange, als die erste fiel, und hielt die einzelne Träne demonstrativ hoch, und sie atmete ein und schüttelte trotzig den Kopf – er schlang den Arm um sie, seufzte schwer und zog sie näher zu sich heran.

„Komm her, Verehrteste", murmelte er und legte sein Kinn auf ihren Kopf.

„Was ist los mit dir?", erkundigte er sich erneut.

Sie fuhr einen Moment lang schweigend mit der Hand über seine Brust.

„Dieses, ah – dieses Problem mit Ben und seiner Ernährung", begann sie.

Sie spürte sofort, wie Han sich anspannte und seine Umarmung ein wenig lockerte. Er zog sich zurück und schaute sie an, als hätte sie ihn in eine Falle gelockt, und sie stützte sich auf ihren Ellenbogen und versuchte, ihm einen beruhigenden Blick zuzuwerfen.

„Han, ich bin nicht wütend", sagte sie schnell.

Sie legte ihm die Hand auf den Bauch und hielt sie dort, um ihm schweigend zu vermitteln, dass sie reden wollte.

„Han", setzte sie erneut an, „gibst du ihm Essen, wenn er darum bittet, weil es dich an die Zeiten erinnert, in denen du Hunger leiden musstest?"

Han sah sie wortlos an, drehte dann den Kopf und schaute stattdessen zur Decke. Leia strich mit der Hand über seine Brust und ließ sie über seinem Herzen ruhen.

„Ich verstehe, warum du das tust", begann sie sanft.

Er schnitt ihr sofort das Wort ab, sein Blick schoss zurück zu ihr.

„Nein, das tust du nicht", erwiderte er tonlos. „Du musstest nie hungern."

Sein Tonfall war scharf, fast anklagend, aber sie ließ es trotzdem über sich ergehen. Sie wollte nicht wieder streiten.

„Ich weiß", stimmte sie leise zu. „Ich meine nur…ich dachte, du würdest ihn füttern, weil, na ja", sie seufzte, „weil es dir nicht gefällt, wenn er sauer auf dich ist, oder weil er still ist, wenn er isst", erklärte sie. „Oder damit er dich mag", gab sie zu.

Han warf ihr einen verärgerten Blick zu.

„Du dachtest, ich würde ihn bestechen?", forderte er und sein Blick wurde noch ärgerlicher – „Warte – du denkst, er mag mich nicht?" Der letzte Teil klang spielerisch, aber er wirkte trotzdem noch ein wenig gereizt.

Leia schüttelte den Kopf und lachte ein wenig –

„Han, um Himmels Willen, du machst dir zu viele Sorgen", bemerkte sie ehrlich, während sie beruhigend mit der Hand über seine Brust fuhr. „Wenn Ben mich zur Arbeit begleitet, fragt er die ganze Zeit, wo Papa ist."

„Ja, weil Politik langweilig ist", brummte Han.

Er schaute hinunter auf ihre Hand und legte dann seine darüber, um ihre Bewegung zu stoppen. Er seufzte. Einen Moment lang waren sie beide still, dann räusperte Leia sich und legte den Kopf schief. Sie trommelte leicht mit den Fingern auf seine Brust.

„Ben muss nicht hungern", stellte sie ruhig fest.

Han schloss fest die Augen und machte tief in seiner Kehle ein frustriertes Geräusch.

„Ich weiß", gab er schließlich zu, ein wenig rau – er schien…verlegen, unbeholfen. Mit erhobener Braue schaute er sie an. „Das ist das Wort, das er verwendet, weißt du das? Ich habe keine Ahnung, wo er es gelernt hat. Er sagt Papa, ich verhungere."

Leia runzelte leicht die Stirn – sie war sich ebenfalls nicht sicher, wo er es gelernt haben sollte, es sei denn, er hatte es von einem Kameraden auf dem Spielplatz gehört.

„Genauso wie ich", betonte Leia, „weiß Ben nicht, wie es ist, Hunger zu leiden", bemerkte sie.

Hans Augenbrauen zogen sich zusammen und er hob die Hand, um sich heftig über die Stirn zu reiben. Er nickte.

„Es – geht mir einfach nahe, Leia", gab er schließlich mit rauer Stimme zu. „Weißt du, er ist klein, und er denkt, fünf Minuten fühlen sich an wie zehn Jahre, und wenn – wenn er sagt, dass er hungrig ist, ist er hungrig", meinte Han knapp, „und er sollte etwas zu essen bekommen."

Leia legte den Kopf hin und drapierte ihren Arm über Hans Brust, teilte still sein Kissen und dachte über seine Worte nach – sie konnte hören, wie dumm ihre Regeln bezüglich des Essens für ihn klingen mussten, wenn er nie gewusst hatte, woher er die nächste Mahlzeit bekommen würde, und sein gesamtes Leben einst daraus bestanden hatte, verdammt noch mal sicherzustellen, dass er aß, wann immer er die Chance dazu hatte, nur für den Fall.

Sie küsste Hans Arm und bewegte den Kopf.

„Du hast Recht; er sollte essen, wenn er hungrig ist", stimmte sie zu, „und ich versuche, ihn nicht zum Essen zu zwingen, wenn er das nicht ist – aber das Problem ist, jetzt weiß er, dass du ihm gibst, was auch immer er will", machte sie deutlich.

Han gab ein unverbindliches Geräusch von sich und Leia bewegte erneut den Kopf.

„Seine Wahrnehmung von fünf Minuten passt auch zu seiner Aufmerksamkeitsspanne", murmelte sie. „Vielleicht ist er hungrig, oder vielleicht langweilt er sich, oder vielleicht möchte er nur eine Leckerei, weil er ein Kleinkind ist und es Spaß macht. Wenn du nein sagst und ihn ablenkst, vergisst er es – und isst Abendessen, und weckt uns nicht morgens um zwei, weil er Kräcker möchte."

Han zuckte die Achseln.

„Ich kann ihn nicht spüren wie du", bemerkte er ein wenig gereizt. „Wie soll ich wissen, ob er wirklich hungrig ist oder ob er sich nur langweilt?"

Sie seufzte, stützte den Kopf auf und schaute ihn genervt an.

„Nun ja, zuallererst, biete ihm Sellerie an, und wenn er es ablehnt, ist er nicht hungrig", meinte sie nachdrücklich und warf Han einen Blick zu. „Zweitens – Nerf Junior wohnt bei extrem gut bezahlten Eltern in einem Penthouse mit einer voll bestückten Vorratskammer", stellte sie trocken fest. „Hungrig ist nicht dasselbe wie am Verhungern, und sogar wenn er wirklich hungrig ist, hat er keine Hungerattacken und kann warten."

Han wandte ihr den Kopf zu und verzog das Gesicht.

„Ja, in Ordnung", stimmte er zu.

Er zuckte mit den Schultern, drehte sich auf die Seite und schwieg – Han war nie besonders gut darin gewesen, über seine Kindheit zu sprechen oder der Ursache auf den Grund zu gehen, warum er manche Dinge tat, und sie spürte, dass es ihm unangenehm war – Vater zu werden, hatte ihn unbeabsichtigt etwas von seinem angeborenen Selbstvertrauen einbüßen lassen; sein Mangel an Erziehung gab ihm nichts, worauf er zurückgreifen konnte, und er war hauptsächlich besorgt, nichts richtig machen zu können.

Vielleicht wäre alles einfacher gewesen, wenn sie vorher Zeit gehabt hätten, darüber zu reden, zu planen; aber sie hatten kaum Zeit als Paar verbracht, bevor Ben angekommen war.

„Ich liebe dich", erinnerte sie ihn sachlich und kuschelte sich enger an ihn. „Auch wenn du anscheinend gedacht hast, dass ich das Baby verhungern lasse."

Endlich grinste Han ein wenig und schüttelte den Kopf.

„Nein, das habe ich nicht gedacht", korrigierte er sie amüsiert – obwohl er sich vorstellen konnte, dass es so ausgesehen haben mochte. Er zuckte die Achseln. „Ich habe es nur aus einer anderen Perspektive betrachtet."

Leia nickte und biss sich auf die Lippe – das war in diesen Tagen immer der Fall, wenn es um Ben und ihre stolpernden ersten Schritte im Elternsein ging. Sie betrachteten es aus unterschiedlichen Blickwinkeln, kamen aus unterschiedlichen Familien und griffen auf völlig unterschiedliche Erfahrungen zurück.

„Nerf Junior", knurrte Han mit einem leicht spöttischen Unterton in der Stimme, als er den niedlichen Spitznamen wiederholte, den Leia zuvor ersonnen hatte, „wird wirklich etwas zu hören bekommen, wenn ich deinen Sellerie-Trick versuche und herausfinde, dass er mich reingelegt hat."

Leia kicherte leise. Sie zog sich zurück und legte die Hände unter den Kopf. Sie lächelte ihn an – sie hatte es ihm in letzter Zeit so schwer gemacht, und jetzt zu verstehen, dass er nur auf sein eigenes tief verwurzeltes Kindheitstrauma reagiert hatte –

Sie presste die Lippen zusammen und Han hob den Blick zur Decke.

„Verdammt, Schätzchen", murmelte er und streckte die Hand aus, um wieder einige Tränen wegzuwischen – sie funkelte ihn böse an und schnappte demonstrativ mit den Zähnen nach seinen Fingern – sie wusste, dass Han sich nie über sie lustig machen würde, wenn sie wirklich verzweifelt wäre, wirklich weinen würde – aber diese tränenreiche Angewohnheit, die sich nach Ben eingeschlichen hatte, amüsierte ihn ein wenig –

Die Art, bei der sie ihn mit tränenverschleierten, großen braunen Augen ansah und ihm mitteilte, dass Ben ein Lied für sie gesungen hatte und es das Süßeste war, was sie jemals gesehen hatte, und er irgendwie verblüfft war, dass Leia wegen so etwas weinte, wenn man bedachte, wie selten sie früher geweint hatte.

Ich konnte nicht wirklich viel weinen. Irgendetwas war kaputt, hatte sie einmal gesagt. Er hat es wieder zusammengesetzt.

Versöhnlich drückte sie ihre Lippen auf seine.

„Ich weiß nicht, mit wem du dich als Vater vergleichst", murmelte sie und fuhr mit den Fingern durch sein Haar. „Ich hoffe nicht mit deinem eigenen", bemerkte sie aufrichtig. „Du bist da, Han, das ist das, worauf es ankommt – und alles andere, was du tust, ist auch gut."

Er schüttelte den Kopf und verzog das Gesicht.

„Nicht mein Vater", erwiderte er, für einen Moment eine bittere Note in seinem Ton. „Deiner."

Leia hielt inne und runzelte die Stirn. Sie sah ein wenig blass aus und er schüttelte schnell den Kopf.

„Nicht Vader, Leia", versicherte er, unsicher, warum sie überhaupt daran gedacht hatte – sie wirkte beschämt und nickte.

„Ich – weiß, aber es ist einfach – du hast meinen Vater nie getroffen", murmelte sie – wegen dieser Tatsache war sie nur einen Moment lang unsicher gewesen –

„Nein, aber du sprichst über ihn", entgegnete Han rau. „Du – ah. Es scheint, als wäre dein Vater aus dem richtigen Holz geschnitzt gewesen", brachte er unbeholfen hervor. „Also muss ich mindestens…halb so gut zu Ben sein."

Leia schaute ihn einen Augenblick lang hilflos an.

„Han, ich bin mir nicht sicher, wie zur Hölle du von mir erwarten kannst, nicht zu weinen, wenn du so etwas sagst", stellte sie fest – sie mussten beide lachen, und sie berührte sein Kinn und blinzelte die Tränen weg. „Ben hält große Stücke auf dich", murmelte sie.

Han lächelte ein wenig. Ben war allerdings nur ein Kleinkind – er hielt auch große Stücke auf Lukes Jedi-Umhang und Carlist Rieekans glänzenden Schlüsselbund.

Leia, die seine Zweifel spürte, berührte erneut sein Gesicht.

Ich halte große Stücke auf dich", versicherte sie ihm, und er lächelte ein wenig breiter und beugte sich vor, um sie zu küssen.

Er hatte das gebraucht – und sie erkannte, als er sie mit spürbarer Erleichterung in seinem Kuss näher zu sich heranzog, dass jeder Streit, den sie wegen Bens Erziehung hatten, ihm mehr als alles andere das Gefühl gab, etwas falsch zu machen, und es war überhaupt nicht ihre Absicht, ihm dieses Gefühl zu geben – sie hatten nur unterschiedliche Ansichten.

Han war – sie konnte sich nicht vorstellen, das hier mit jemand anderem zu tun.

Sie wurden – erwartungsgemäß – von einem gedämpften, kleinen Schrei von Ben unterbrochen – er war wach, munter, und –

Mama? Papa! Hunggggg-errrr!"

Han sah Leia aus zusammengekniffenen Augen an und sie setzte sich auf und lächelte schief. Mit einem Kopfnicken deutete sie zur Tür.

„Geh und füttere deinen Sohn", meinte sie dramatisch. Han hob eine Braue und Leia antwortete ihm mit leiser Stimme, sie fühlte sich ein wenig zurechtgewiesen. „Ich meine es ernst – ohne Abendessen ins Bett zu gehen, ist grausam", reflektierte sie und bereute die Entscheidung.

Han beugte sich vor, um ihr noch einen Kuss zu geben, dann stand er auf, um Bens melodramatischen Rufen nachzukommen – wobei er eine Hand hochhielt und sie ernst anschaute.

„Morgen sind wir auf einer Seite", versprach er.

Leia legte die Arme über ihre Knie und lächelte, als sie ihm dabei zusah, wie er die Tür aufriss und um die Ecke verschwand. Sie legte sich hin und lauschte auf die gedämpften Geräusche, als er mit Ben sprach und dann in der Küche herumhantierte, und sie legte sich auf die Seite und schloss leicht die Augen – sie war sich sicher, dass diese Art von Missverständnis und Meinungsverschiedenheit wieder vorkommen würde, aber es war in Ordnung; sie würde sich einfach daran erinnern, dass sie im Kern der Sache Ben liebten, und sie liebten einander, und mit ihnen würde alles gut werden.