Dumbledores Allianz
Die schwarz verschleierte Hexe ließ Tonks keinen Moment aus den Augen. Wie eine unheilverkündende Krähe hockte sie am anderen Ende des Tropfenden Kessels und taxierte sie mit einer Intensität, die Tonks beinahe körperlich fühlen konnte. Sie hatte in der Winkelgasse ein paar Besorgungen gemacht, den Kopf stets gesenkt, aus Angst jemandem zu begegnen, den sie kannte. Weil Bill heute den ganzen Tag arbeiten würde, hatte sie sich entschieden, im Tropfenden Kessel Mittag zu essen. Sie wollte nicht riskieren im Flitterby, das ihr eigentlich lieber gewesen wäre, auf Proudfoot zu stoßen. Allerdings schien sie auch hier von bekannten Gesichtern nicht verschont zu bleiben.
Seufzend nahm sie ihre bereits halbleere Suppenschale und durchmaß den stickigen Schankraum, um sich ungefragt an den Tisch der verschleierten Hexe zu setzen. „Hat Remus dich etwa auf mich angesetzt? Oder vielleicht Kingsley?"
Die Hexe fuhr gehörig zusammen, als Tonks sie ansprach. Mit krächzender Stimme stammelte sie: „Ich bin nur ein armes Weib mit einem kleinen aber ehrbaren Unternehmen, ich möchte niemandem Böses."
„Ja ja, Mundungus, dass du ein ‚Weib' sein sollst, hat glaub ich jeder hier begriffen.", gab Tonks trocken zurück. Sie konnte förmlich sehen wie dem Gauner unter dem Schleier die Kinnlade herunterklappte.
Beleidigt zog er sich das Tuch vom Kopf. Wie erwartet, war das Gesicht darunter alles andere als weiblich: Der rötliche Bart stand in alle Richtungen ab und wucherte bis hinunter zu Dungs nervös zuckendem Adamsapfel. „Wie hast du mich erkannt?", fragte er mit gesenkter Stimme.
Tonks ignorierte seinen Flüsterton. Laut lachend erwiderte sie: „Na hör mal, das ist mein Beruf. Außerdem hast du dich für einen Beschatter ziemlich schlecht geschlagen. ‚Unauffällig beobachten' heißt nicht, die Zielperson offen anzustarren. An deiner Tarnung könntest du auch noch etwas arbeiten. Man kann drei Meter gegen den Wind riechen, dass du keine Frau bist."
Mundungus grummelte noch eine Weile eingeschnappt vor sich hin, während Tonks den Rest ihrer Suppe schlürfte. Sie tupfte sich den Mund auf betont damenhafte Weise ab und fragte dann erneut: „Also, wer schickt dich?"
Dung verdrehte die Augen. „Bin nicht deinetwegen hier … Komm vom Wachdienst, wichtige Geschäfte …" Er nuschelte noch ein bisschen in seinen Bart, bevor er zugab: „War mir nicht sicher, ob dus bist … Musste genauer hinschaun."
Wieder musste Tonks lachen. „Dung, ich hab nur meine Haarfarbe verändert! Du bist derjenige mit einem Sack über dem Kopf!" Mundungus zuckte nur die Schultern und fuhr fort, Tonks kritisch zu mustern.
Insgeheim konnte sie sich denken, wieso er sie nicht gleich erkannt haben könnte. An diesem Morgen war Tonks nicht nur mit pochenden Kopfschmerzen, sondern auch einer meterlangen schwarzen Haarmatte und eingesunkenen Zügen aufgewacht. Sie hatte ganz vergessen, wie ihr Katergesicht aussehen konnte und musste bestimmt zehn Minuten vor dem Spiegel investieren, um wieder halbwegs gesellschaftsfähig auszusehen. Was ihr chaotisches Gefühlsleben anging, so hatte sie sich entschieden, Remus und allen anderen kompromittierenden Situationen bis auf Weiteres erstmal aus dem Weg zu gehen. Das schien sich aber offenbar schwieriger als gedacht zu gestalten.
Naserümpfend wechselte sie das Thema: „Von welchem Wachdienst redest du? Ich dachte, Kingsley ist heute im Ministerium eingeteilt …" Mundungus drückte ungehalten einen schmutzigen Finger an die Lippen. „Hab den jungen Potter im Auge behalten. Die Blagen durften gestern vom Schulgelände runter nach Hogsmeade. Dumbledore hat mich gebeten, ein bisschen aufzupassen."
Tonks nickte ernst. Sie hatte gar nicht daran gedacht, dass Harry sich selbst während des Schuljahres nicht permanent unter Dumbledores direkter Aufsicht befand. Interessiert beugte sie sich vor, um Dungs Worte besser zu verstehen. „Und was haben sie getrieben? Stinkbomben bei Zonko's gekauft, um der Inquisitorin eins auszuwischen?"
Konsterniert schüttelte Dung den Kopf. „Ich hab ihn gut zwei Stunden im Aberforths altem Schuppen belauscht." „Im Eberkopf?" Tonks glaubte sich dunkel an die zwielichtige Kneipe zu erinnern. Sie erinnerte sich allerdings auch, dass Hogwartsschüler dort nicht gerade unerwünscht aber doch nicht gern gesehen waren.
„Was wollte er da?" Dung zuckte die Schultern. „Er hatte bestimmt noch zehn andere Bälger dabei und es wurden immer mehr. Die kleine mit den Locken hat sowas wie ne Rede gehalten."
Tonks hatte eine Eingebung. „Ging es um Elfenrechte?", riet sie amüsiert.
„Ne, ich glaube, die gründen mehr sowas wie ne Bande, n Club. Obwohl man das unter dieser pinken Schnepfe gar nicht mehr darf …"
Tonks nickte besorgt. Sie hatte von den vermaledeiten Ausbildungserlässen, die Umbridge ständig erfand, gehört. „Und … was genau ist ihr Plan? Wollen sie Umbridge etwa stürzen? Klingt ein bisschen ambitioniert für ein paar Teenager." Dung zuckte wieder mit den Achseln und leerte sein Butterbier mit einem Zug. „Dung!" Tonks stieß ihm in die Rippen. „Warst du jetzt dabei oder nicht? Was plant Harry? Etwas Gefährliches?" Sie wollte sich nicht ausmalen, wie Remus und vor allem Sirius auf diese Neuigkeiten reagieren würden.
Mundungus schüttelte den Kopf. „Es ging gar nicht so viel um diese alte Sabberhexe. Eher um Unterricht. Diese verrückten Kinder wollen tatsächlich außerhalb der Schule noch sowas wie eine Nachhilfegruppe für Verteidigung gegen die dunklen Künste starten …"
„Wow, das klingt ja toll! Und wer soll sie leiten? Einer der Älteren? Die Zwillinge vielleicht?"
„So viel ich mitbekommen habe, soll der junge Potter ihnen den Kram beibringen. Das Ganze heißt Dumbledores Allianz oder so ähnlich …"
Tonks stutzte. „Warte, Dumbledore weiß davon? War er dabei?"
Dung grunzte ungehalten. „Natürlich nicht, sonst hätte ich ja nicht den Babysitter spielen müssen. Wäre mir aber neu, dass in Hogwarts irgendwas passiert, ohne dass Dumbledore Wind davon bekommt."
Während Tonks noch nachdenklich einige Brotkrümel in ihrem Teller umherschob, richtete Mundungus sich ächzend auf und warf ein paar Knuts auf die schartige Tischplatte. „Muss jetzt zum Orden, Bericht erstatten. Kommste mit? Dann kannst du Dumbledore selbst fragen."
Tonks überlegte. Zum einen brannte sie drauf, mehr über diese geheimnisvolle Gruppe und die Rolle, die Dumbledore bei all dem spielte, zu erfahren. Andererseits würde sich bei dieser Gelegenheit eine Begegnung mit Remus kaum vermeiden lassen. Unschlüssig verzog sie das Gesicht.
„Liegt bei dir, ich könnte uns hin apparieren. Hab gehört, du bist in letzter Zeit … nicht sehr mobil." Auf Mundungus' Gesicht lag etwas wie feixendes Mitgefühl. Tonks wusste, dass er recht hatte. Abgesehen davon war es sowieso unmöglich, Remus ewig zu meiden, also konnte sie genauso gut direkt damit anfangen, sich an seine abweisende Haltung zu gewöhnen. Auf ihr zögerliches Nicken hin, raffte Mundungus die Röcke und führte sie entschlossen Richtung Tür.
Es war eine Premiere für Tonks, die Küche des Grimmauldplatzes Nr.12 zu betreten und nicht von einer Kreachers kreativen Beleidigungen getroffen zu werden. Grund dafür war, dass die gesamte hasserfüllte Aufmerksamkeit des Hauselfen sich gerade auf einen großes pelzigen Berg am anderen Ende des Raumes zu richten schien. Ein laut jammernder Berg.
Tonks brauchte bestimmt fünf Sekunden, um den Wildhüter von Hogwarts, Rubeus Hagrid, in den Tiefen eines riesenhaften pelzbesetzten Reiseumhangs zu erkennen. Zu seiner rechten saß ein besorgt dreinblickender Dumbledore. Sirius war damit beschäftigt, Tee zu kochen und Remus drückte sich nervös an der Küchenzeile herum. Seine Irritation war nur zu gut verständlich. Selbst für seine Verhältnisse war Hagrid übel zugerichtet: Beide Augen waren zugeschwollen und blutunterlaufen, er trug einen Arm in der Schlinge und der sichtbare Teil seines Gesichts wies zahlreiche eitrige Blutergüsse auf. Tonks wollte sich nicht ausmalen, wie es unter seinem buschigen Bart aussah. Der Wildhüter war gerade grollend und wild gestikulierend in eine Art Berichterstattung vertieft. „Es lief hervorragend, das hat Olympe auch gesagt. Bis diese dreckigen Todesser uns die ganze Tour vermasselt haben!" Seine große Pranke knallte mit solchem Nachdruck auf die Tischplatte, dass die bereitstehenden Teetassen klirrend zu Boden sprangen.
„Wie sahen sie aus? Woran habt ihr sie erkannt?", fragte Dumbledore, während er die Porzellanscherben mit einem nebensächlichen Wink seines Zauberstabs wieder zusammenfügte.
Hagrid zuckte die Achseln. „Ziemlich normal, schwarze Umhänge, aber keiner von denen hatte n Dunkles Mal." Stöhnend drückte er sich einen Eisbeutel gegen die geschwollene Stirn. „Schätze, die müssen es sich erst verdienen. Die haben ihre Aktion wirklich verdammt ernst genommen."
Tonks wechselte einen Blick mit Mundungus, der ebenso wenig wie sie den Kontext des Gespräches zu erfassen schien. „Hallo Hagrid, Professor Dumbledore … Was ist denn passiert?" Die Köpfe am Raumende wandten sich ihr zu. Sie konnte nicht sagen, ob Remus' grüne Gesichtsfarbe ihrem Erscheinen oder Hagrids Bericht geschuldet war.
„Er war bei den Riesen.", erklärte Sirius düster.
Da fiel es Tonks schlagartig wieder ein. Errötend ob ihrer Ich-Bezogenheit dachte sie an das erste große Ordenstreffen zurück, als Remus ihr von Hagrids Mission erzählt hatte. Seitdem hatte sie keinen Gedanken an das Ordensmitglied im Dauereinsatz verschwendet. Dennoch beantwortete Sirius' Bemerkung ihre Frage doch nur teilweise. „Haben die Todesser dich so zugerichtet?", wollte sie zaghaft wissen.
„Wenn es doch so wäre!" Unerwartet hatte Molly Weasley die Szenerie betreten. Schwer bepackt wankte sie aus der Speisekammer und versetzte dem leise vor sich hin schimpfenden Kreacher mit der zufallenden Tür einen Stoß. „Wirst du wohl still sein?"
„Kein Blutsverräter sagt Kreacher, was er zu tun hat … Ekelhafter Abschaum von einem Halbriesen. Wenn das nur die Herrin wüsste!", krächzte der Elf unbeeindruckt weiter.
Molly indessen setzte einen Topf Kartoffeln aufs Feuer und widmete sich mit der ihr ureigenen mütterlichen Art Hagrids Schwellungen und Blutergüssen. Geschäftig an ihm herum tupfend fuhr sie fort: „Nein, das waren unsere reizenden Rekruten – halt doch still, Rubeus! Die haben ihn dermaßen vermöbelt. Es war richtig, dass ihr die Aktion abgebrochen habt. Weiß Merlin, was da noch alles hätte passieren können."
In Hagrids kleinen schwarzen Augen bildeten sich unverkennbar Tränen. „Aber wir haben doch nichts erreicht!", schluchzte er. „Die Todesser haben uns alles kaputt gemacht, verdammte Gauner. Dabei lief es am Anfang so gut!"
Dumbledore tätschelte mitfühlend Hagrids Arm. „Wir wissen, dass du alles in deiner Macht stehende getan hast, um dem Orden zu dienen, Hagrid. Wir sind dir und Olympe zu großem Dank verpflichtet." Tonks brannte darauf zu wissen, wer diese ominöse Olympe eigentlich war. „Aber noch ist nicht alles verloren. Wir haben immer noch den Plan, unseren Gesandten zu den Werwölfen und den Zentauren loszuschicken. Ich habe Anfang der Woche mit Firenze gesprochen und er war sehr entgegenkommend."
Hagrid schniefte. „Danke, Professor …"
„Ja wirklich, Hagrid, du hast deinen Teil getan. Ich hoffe nur, dass die anderen Missionen nicht ganz so … gefährlich sein werden. Oder zumindest, dass die Teilnehmenden nicht so großen körperlichen Schaden nehmen.", fügte Molly mit einem strengen Blick, der eindeutig für Dumbledore bestimmt war, hinzu. Der nickte nur ernst und respektvoll.
Tonks und Mundungus, die nach wie vor ein wenig verloren in der Küche herumstanden, gesellten sich gerade zu den anderen, als Hagrid sich bebend erhob. „Ihr habt recht, ich darf mich nicht immer so selbst fertigmachen." Wie zur Bekräftigung des eben gesagten, schnäuzte er sich ein letztes Mal in sein tischtuchgroßes Taschentuch und steckte es dann entschieden weg. „Ich muss mich zusammenreißen. Schließlich werde ich wieder an der Schule gebraucht. Unterricht …", setzte er mit stolzgeschwellter Brust hinzu.
Molly sprang einen Schritt zurück, um nicht von seinem riesigen Ellenbogen umgemäht zu werden. „Du gehst schon? Ich dachte wir essen noch nett miteinander. Dumbledore, sagen Sie was!"
Doch auch Dumbledore war bereits aufgestanden. „Ich danke dir für die Einladung, Molly. Aber ich fürchte, ich muss Hagird sofort zurück ins Schloss begleiten. Unaufschiebbare Angelegenheiten verlangen nach meiner Aufmerksamkeit."
Hagrid nickte eifrig. „Genau, wichtige Angelegenheiten. Ich werde erwartet … von Fang und … Ja von Fang.", schloss er etwas ungeschickt, während er seinen Reiseumhang zuknöpfte.
Bevor die beiden sich auf den Weg machen konnten, huschte Mundungus zu Dumbledore hinüber und erstattete im Flüsterton seinen Bericht. Gespannt auf Dumbledores Reaktion, beobachtete Tonks, wie der Schulleiter sich aufrichtete und die Stirn runzelte. Ein kleines Lächeln um seine Mundwinkel verriet Überraschung und Stolz, doch seine Augen blickten noch ernster als zuvor. Er nickte Mundungus dankbar zu und küsste Molly die Hand, bevor er sich zusammen mit dem lärmenden Hagrid auf den Weg machte.
Kaum war die Haustür hinter ihnen geräuschvoll ins Schloss gefallen, begann Mrs. Black in der Eingangshalle fürchterlich zu kreischen. Sirius verdrehte die Augen und lief ihnen nach, die Treppe hinauf. Mundungus, der sich in der Küche ziemlich unwohl zu fühlen schien, folgte ihm auf dem Fuß.
„Tonks, wie schön dich mal wieder zu sehen!" Molly kam auf sie zu und schloss sie in die Arme. Sie sah besorgt aus, rang sich aber ein mühsames Lächeln ab. „Aber du bleibst doch zum Essen, nicht wahr? Ich hab so viel vorbereitet und Bill und Arthur wollten auch noch kommen." Eigentlich hatte Tonks wenig Lust, sich mit der ewig ernsten Männerrunde über den Kampf gegen Du-weißt-schon-wen zu unterhalten, zumal Remus Teil dieser Runde war. Doch es war ihr unmöglich, Mollys liebevoll blinzelnden Augen etwas abzuschlagen. „Natürlich." Sie schluckte voll dunkler Vorahnung. „Ist es nicht noch ein wenig früh?"
Molly strahlte über ihre Zusage. „Aber nein, wir müssen ja noch so viel kochen. Die Jungs sind immer ganz ausgehungert, wenn sie den ganzen Tag rackern mussten."
Etwas wehmütig dachte Tonks darüber nach, dass Andromeda sich auch dann weigern würde, etwas Besonderes zu kochen, wenn Tonks einen Monat lang die Nächte durchgeackert hätte. Sie behauptete immer, Arbeit bringe einen schließlich nicht um und sei – überhaupt – das halbe Leben. Gegen ihre oft kühle und verschlossene Mutter war Molly Weasley Tonks immer wie der reinste Engel erschienen. Weshalb sie es ihr auch nicht übel nahm, mit der einfachsten und stumpfsinnigsten Aufgabe unter der Sonne abgespeist zu werden, die keine scharfen oder fehleranfälligen Gerätschaften beinhaltete: Salat putzen. Neidisch sah sie zu Remus hinüber, den Mrs. Weasley mit der viel spannenderen Aufgabe des Rübenschälens betraut hatte. Mit düsterer Miene dirigierte er die gelben Stücke mithilfe seines Zauberstabs in einen Topf siedender Brühe.
Mrs. Weasley schwatzte die folgende halbe Stunde geschäftig vor sich hin, die gedrückte Stimmung in der Küche gekonnt ignorierend. „Immer auf Achse, der Gute. Frag mich nur, wie der Mann nebenher noch eine Schule leiten will. Besonders eine Schule wie Hogwarts … Ich hoffe nur, dass Fred und George ihm nicht zu viel Ärger machen. Jetzt wo ihre UTZs vor der Tür stehen sind die beiden völlig außer Rand und Band. Anstatt zu lernen und mir einmal keinen Kummer zu bereiten, tragen sie immer noch diese Pläne vom eigenen Scherzartikelladen mit sich herum. Woher sie das Geld dafür nehmen wollen, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt … Wenn ich nur dran denke, wie viele UTZs Bill damals hatte oder wie lang Percy dafür gelernt hat –" Sie unterbrach ihren Monolog, um sich die triefende Nase abzuwischen.
Tonks fühlte sich verpflichtet, etwas zu sagen: „Na na, Molly, das wird schon mit den Zwillingen. Fred und George sind doch schlau und kriegen das bestimmt alles irgendwie hin. Und Percy …" Händeringend suchte sie nach aufmunternden Worten, den dritten Weasley-Bruder betreffend.
Zu ihrer Überraschung meldete Remus sich zu Wort: „Ich kenne Percy zwar nicht gut, wie man sich eben nach einem Jahr Unterricht kennt, aber mir schien sein Herz immer am rechten Fleck. Natürlich überaus ehrgeizig, bestrebt immer alles richtig zu machen, aber im Grunde …"
Molly schniefte erneut und nuschelte durch ihre zitternde Hand: „Danke … danke Remus. Ich weiß gar nicht, was ich ohne den Orden und all das hier tun würde. Es kann so einsam werden ohne die Kinder." Tonks tätschelte ihr unbeholfen aber mitfühlend den Rücken.
In diesem Augenblick kamen Sirius und Mundungus zurück in die Küche geschlendert, beide eine Flasche Butterbier in der Hand und offenbar in Hochstimmung. „Das ist mein Patensohn!", trällerte Sirius entzückt. „Geht hin und bietet dieser alten Sabberhexe die Stirn wie sich das gehört." Er nahm einen weiteren Zug Bier und setzte sich dann grinsend zu Tonks und Remus an den Tisch. Molly rieb sich verstohlen die Augen und fragte in betont beiläufigem Tonfall: „Was hat er denn angestellt? Ron hat doch hoffentlich nichts damit zu tun?" Sirius erwiderte mit einem bellenden Lachen und Mundungus erzählte erneut, was er am vergangenen Abend im Eberkopf beobachtet hatte.
Mrs. Weasley und Remus verkniffen sich für die Dauer von Mundungus' Bericht zwar jeden Kommentar, gingen ihren Aufgaben aber mit immer verdrießlicheren Mienen nach. „Wie stellt er sich das denn vor? Eine Mannschaft von Schülern unterschiedlicher Häuser irgendwo Verteidigungszauber beizubringen? Sie haben nicht die Räume.", wandte Remus schließlich als erster ein. „Sind die denn übergeschnappt? Wenn die Großinquisitorin sie erwischt, droht ihnen der Schulverweis! Mal wieder! Dass die bei ihren Aktionen nie an mich und meine geschundenen Nerven denken …", fiel Mrs. Weasley mit zunehmend schriller werdender Stimme ein.
„Du darfst es Ron auf keinen Fall verbieten!", insistierte Sirius.
„Ach und weshalb darf ich meinem eigenen Sohn nicht verbieten, was ich für fahrlässig und risikoreich halte, Sirius?", giftete Molly zurück.
Der hob ungläubig die Augenbrauen, als sei das offensichtlich. „Weil Harry dann weiß, dass er beschattet wird."
„Das kann ja nicht schaden, vielleicht benimmt er sich dann zur Abwechslung mal.", keifte Molly über den Lärm der im Spülbecken scheppernden Töpfe hinweg.
Sirius erhob sich angriffslustig. „Sich einem absolut bescheuerten System zu Wehr setzen und dabei seinen Mitschülern helfen, sich zu verteidigen, das nennst du schlechtes Benehmen?"
„Meiner Meinung nach bringt er sie eher in Gefahr als ihnen Gutes zu tun. Sie sind doch noch Kinder, gegen wen sollten sie sich in Hogwarts denn verteidigen müssen?"
„Äh hallo?", nun musste Tonks entschieden protestieren. „Letztes Jahr hat es ein Todesser direkt unter Dumbledores Nase aufs Schulgelände geschafft und blieb dort unentdeckt bis er sich selbst zu Erkennen gab. Bis er Harry beinahe um die Ecke gebracht hat, um genau zu sein. Und denkt nur mal vor zwei Jahren: Solange die Kammer des Schreckens geöffnet war, zählte Hogwarts zu den gefährlichsten Orten überhaupt. Also ich denke Verteidigung ist auch für Schüler durchaus ein Thema. Wäre ich Dumbledore, hätte ich schon längst so eine Defensiv AG gründen lassen." Das gab ihnen allen zu denken.
„Hat Albus denn etwas mit dieser Gruppe zu tun? Hat er so etwas gesagt?", wandte Remus sich gefasst an Mundungus.
Schulterzuckend kam die Antwort: „Hat er nich gesagt. Gar nich. Schien aber nich so sehr überrascht zu sein." Sie verfielen erneut in nachdenkliches Schweigen. Tonks wechselte einen scheuen Blick mit Remus, den er ebenso zurückhaltend erwiderte. Ihn zu sehen tat nicht so weh wie befürchtet, aber ihr fehlte der vertraute Umgang mit ihm. Wenn er sie früher angesehen hatte, meinte sie manchmal sogar die Gedanken hinter seinem ausdruckslosen Gesicht zu erraten.
In die Stille hinein betraten Arthur und Bill Weasley die Küche. Etwas ratlos ob der bedrückten, streitgeladenen Atmosphäre warfen sie sich vielsagende Blicke zu. „Molly? Liebes?" Mr. Weasley küsste seine rotfleckige Frau zaghaft auf die Wange. „Ist etwas passiert?" Sie zog sich beleidigt in die Umarmung ihres Gatten zurück, während Bill strahlend die Deckel von den dampfenden Töpfen hob. „Mhm, Suppe, das ist ja mein Leibgericht. Schön dich zu sehen, Remus, Sirius. Hey Dung! Tonks, du bist ja auch hier!", heiter drehte er eine Runde und umarmte sie alle.
„Ich hab beunruhigende Nachrichten aus dem Ministerium." Tonks wechselte einen beklommenen Blick mit Bill. Sich die müden Augen reibend, fuhr Arthur fort: „Die Dementoren … es hat weitere Zwischenfälle gegeben. Zwei Muggel wurden angegriffen.
„Wie bitte?" Sirius fuhr wie von der Tarantel gestochen hoch.
„Geht es ihnen gut?", fragte Remus.
Arthur lies traurig die Schultern hängen. „Ich … nein, sie sind in schlimmster Verfassung. Man hat sie ins St. Mungo gebracht. Ich glaube, die Frau … wird sich nicht mehr erholen."
„Oh, Arthur!" Mrs. Weasley zog ihn fester an sich.
Der Gedanke an ein paar Amok laufende Dementoren, die wahllos Muggel überfielen, schickte auch Tonks kalte Schauer über den Rücken.
„Gab es auch Übergriffe auf Zauberer?" Remus las Sirius, der bewegungslos und aschfahl dastand, die brennende Frage von den Augen ab.
Mr. Weasley schüttelte den Kopf, nur um gleich darauf die Schultern zu zucken. „Wer weiß, ich hab von diesem Angriff auch nur erfahren, weil Perkins und ich mit den Vergessenszaubern betraut wurden. Ich war den ganzen Tag im Krankenhaus …" Molly drückte ihren Mann mit sanfter Führsorge auf einen Stuhl und schob ihm eine dampfende Tasse Tee zu. Arthur raufte sich die schütteren Haare. „Vielleicht gab es noch mehr Angriffe, ich weiß es nicht. Könnte mir vorstellen, dass Amelia Bones oder der Minister nicht scharf darauf sind, so etwas an die große Glocke zu hängen. Man fragt sich, was für Konsequenzen das nach sich zieht. Wie will man einen Dementor denn bestrafen?"
„Das läuft alles aus dem Ruder.", knurrte Sirius, der sich offenbar wieder gefangen hatte. „Erst Harry und dann das. Voldemort holt sie sich alle: Erst die Riesen, jetzt die Dementoren und bald vermutlich auch noch die Werwölfe!"
Bei der Erwähnung von Voldemorts Namen fuhr Mrs. Weasley heftig zusammen. Mit zitternder Stimmer fragte sie: „Aber wie können wir ihn aufhalten?"
Remus, dessen Gesicht sich über Sirius' Werwolfkommentar merklich verdüstert hatte, antwortete: „Endlich die Todesser enttarnen, die das Ministerium seit Jahren unterwandern die Schuldigen solcher Aktionen mit ihrem Geld und ihrem Blutstatus decken. Diese Taten dürfen nicht ungesühnt bleiben. Man muss damit an die Öffentlichkeit!"
„Und wie?", warf Tonks skeptisch ein. „Seht euch doch mal an, wie Harry und Dumbledore dastehn seit sie angefangen haben, die Wahrheit zu sagen. Niemand wird uns glauben!"
Remus schien ihren Einwand nur zu gern mit einer seiner abgedroschenen Floskeln entkräften zu wollen, rang aber merklich um aufmunternde Worte. Er wusste, dass sie recht hatte.
„Wenn die Dementoren ab jetzt auf eigene Faust handeln oder – noch schlimmer – von Du-weißt-schon-wem gelenkt werden … ist Askaban nicht mehr ausbruchsicher." Bill wurde bei dieser Überlegung ganz grün im Gesicht. Eine eisige angsterfüllte Stille folgte auf seine Worte.
Tonks konnte sich eine Welt, in der es die durch Askaban gewährleistete Sicherheit nicht gab, kaum vorstellen. Wie jedes Mitglied der magischen Welt hegte sie gemischte Gefühle im Bezug auf die uneinnehmbare Gefängnisburg. Nur die Sicherheit, dass die verrückte Bellatrix Lestrange ihr hinter den meterdicken Mauern nichts anhaben konnte, ließ Tonks nachts ruhig schlafen. Andererseits teilte sie natürlich die allgemeine Abneigung gegen die dunklen glücksaugenden Zellenwärter, noch mehr jetzt da sie Sirius kannte, den lebenden Beweis für Bartemius Crouches willkürliche Rechtsprechung. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, fand sie die ständige Überwachung von Dementoren sogar für rechtmäßig verurteilte Verbrecher zu hart. Schaudernd dachte sie an Sturgis, der noch beinahe sechs Monate in Askaban abzusitzen hatte. An Hagrid, dem die gesichtslosen Monster vor zwei Jahren schwer zugesetzt hatten. Die Dementoren machten keinen Unterschied zwischen Verbrechern und guten Menschen. Und wenn sie unter Voldemorts Führung waren, würden sie ohne zu zögern die gefährlichsten seiner Anhänger frei lassen, ohne irgendwelche Skrupel oder moralische Bedenken.
Was konnten sie dagegen tun? Das Ministerium war dem Orden sicher keine Hilfe. Unter Fudges unkritischer Leitung, gepaart mit dem Einfluss reicher Reinblüter, würden die Abteilungen ihre Scheuklappen so schnell nicht ablegen. Und was Dumbledore anging, so hatte der im Augenblick allein schon damit alle Hände voll zu tun, seine eigene Schule vor dem Einfluss des Ministers zu schützen. Kein Wunder, dass Harry und seine Freunde ihre Ausbildung nun selbst in die Hand nahmen … „Eigentlich nicht dumm … Ja, das ist unsere einzige Chance", dachte Tonks laut über diesen Einfall nach. „Was?" Sirius schaffte es irgendwie, gleichzeitig gereizt und hoffnungsvoll zu klingen. „Was?"
Tonks warf einen ernsten Blick in die Runde. „Das sollten wir mit dem ganzen Orden besprechen."
„Das ist doch Irrsinn!", kreischte Dädalus Diggel empört. „Dafür ist keiner von uns ausgebildet." Nach Zuspruch suchend ließ er seine geweiteten Augen über die Versammelten wandern.
Hestia Jones hob die Schultern. „Eigentlich sind wir mit drei Auroren, einem studierten Verteidigungslehrer und zwei Ex-Häftlingen doch ganz gut aufgestellt." „Nicht zu vergessen, dem mächtigsten Zauberer der Welt", fügte Remus mit Blick auf Dumbledore hinzu.
Tonks hätte fast die Augen verdreht. Dennoch stimmte sie um des lieben Friedens willen zu: „Genau und Bill ist Fluchbrecher. Er hat schon mehr Monster besiegt als im Verbotenen Wald leben." Bevor Bill sie ob dieses leicht übertriebenen Vergleichs korrigieren konnte, fuhr sie fort: „Viele von euch haben schon einmal gegen die Todesser gekämpft. Was ist hieran anders?"
Mrs. Weasley stand ungläubig auf. „Anders ist, dass etliche von uns im Krieg ihr Leben geben mussten. Anders ist, dass Ihr-wisst-schon-wer damals rechtzeitig als gestoppt wurde, bevor er zu mächtig werden konnte. Anders ist, dass er dieses Mal viel koordinierter vorgeht und seine Gefolgsleute besser getarnt sind."
Kopfschüttelnd entgegnete Remus: „Auch wir sind heute besser vorbereitet. Wir können Voldemorts Stärke jetzt viel besser einschätzen als noch vor fünfzehn Jahren …"
Molly fiel ihm mit tränenerstickter Stimme ins Wort: „Ich habe zwei Brüder verloren. Mein Mann ist im Orden, meine Söhne sind im Orden. Egal wie gut wir vorbeireitet sind, ich will keine Risiken mehr eingehen." Mit einer energischen Bewegung schob sie ihren Stuhl zurück und stürmte aus der Küche. „Molly, Liebes!" Mr. Weasley entschuldigte sich hastig, um ihr nachzulaufen.
Betretene Stille kehrte ein. Tonks war sich bewusst, dass die meisten der Anwesenden sie ansahen, in der Erwartung sie würde ihren Vorschlag verteidigen oder einsichtig davon zurücktreten.
Doch stattdessen ergriff Emmeline Vance, eine hochgewachsene, streng wirkende Hexe das Wort: „Wir alle haben geliebte Menschen verloren. Wir alle haben Verluste erlitten. Um so wichtiger ist es, heute effektiver vorzugehen als vor fünfzehn Jahren. Schwerwiegende Fehler wurden begangen, das Vertrauen in die falschen Leute gesetzt. Aber wenn wir uns davon abschrecken lassen, jedes Risiko und jeden Kampf vermeiden, dann wird Ihr-wisst-schon-wer leichtes Spiel haben." Mit gelassener Autorität ließ sie ihren Zauberstab über ihre langen dünnen Finger tanzen. „Die meisten von uns haben Kampferfahrung. Ich selbst habe Mulciber und Dolohov besiegt und ihre Deportation nach Askaban überwacht. Nichts wäre mir lieber als dafür zu sorgen, dass sie dort auch bleiben." Professor McGonagall trat hinter die Hexe und legte ihr bekräftigend eine Hand auf die Schulter. Auf ihrem Gesicht lag Sorge aber auch kompromisslose Entschlossenheit. „Du hast recht, Emmeline."
„Danke, Minerva."
„Wir müssen diese Aufgabe übernehmen. Es ist unsere Pflicht, den gefallenen Hexen und Zauberern und uns selbst gegenüber, Ihr-wisst-schon-wen aufzuhalten. Wenn wir jedoch schon vor seinen Anhängern versagen, können wir genau so gut hier aufgeben."
Tonks nickte den beiden älteren Hexen dankbar zu. Sie wusste selbst, dass ihr Vorschlag, einen weiteren Wachdienst einzurichten, eine extreme zeitliche, emotionale Belastung für alle hier bedeutete. Aber die Vorstellung, Askabans Tore einfach unbeaufsichtigt zu lassen während die Dementoren im Alleingang agierten, war so bedrohlich, dass sie keine andere Möglichkeit sah. Das Ministerium weigerte sich, zu handeln also mussten sie selbst die Initiative ergreifen. Dafür war der Orden da. Sie verspürte ein unangenehmes kribbeln in den Fingerspitzen, wenn sie daran dachte, wie wenig sie bisher unternommen hatten, wie wenig Erfolge sie im Kampf gegen … Voldemort verzeichnen konnten. Unglaublich, dass sie sogar Angst hatte, seinen Namen auch nur in Gedanken zu benutzen. Wie die anderen Ordensmitglieder zitterten ihr vor einer direkten Konfrontation mit dem mächtigen Zauberer die Knie. Seine jahrelange Abwesenheit hatte dem Dunklen Lord nicht seines Schreckens beraubt, sie hatte ihn zur Legende gemacht. Ein schwarzer unberechenbarer Mythos, den man von spärlichen Erzählungen aus Kriegstagen kannte. Es war wichtig, dass der Orden sich über diese Furcht nicht entzweite. Trotz Emmelines und Professor McGonagalls Einwänden, schien vor allem Dädalus Diggel noch nicht restlos überzeugt.
Endlich tat Dumbledore, der bisher nur ruhig zugehört und die Reaktion der Ordensmitglieder beobachtet hatte, auch seine Meinung kund: „Ich scheue mich, irgendjemanden gegen seinen oder ihren Willen auf Askaban zu stationieren. Dädalus hat recht, dafür sind nur wenige von uns ausgebildet. Allerdings halte ich es für notwendig, die gegenwärtige Lage zu überprüfen und einzuschätzen. Wer würde sich für einen solchen Einsatz bereit erklären?" Tonks Hand schnellte nach oben, noch bevor Dumbledore hinzu setzte: „Es könnte gefährlich werden."
Dennoch hoben sich mehr Hände als Tonks erwartet hätte: Bill und Remus natürlich, dann noch Emmeline und Professor McGonagall, Alastor und auch Dumbledore. Auch Sirius wollte für einen Moment den Arm recken, ließ ihn dann jedoch wieder sinken. Von seiner verständlichen Angst vor Dementoren abgesehen, war Askaban vermutlich noch der wahrscheinlichste Ort, an dem er erkannt werden würde. Der letzte Platz, an dem er sicher wäre.
Dumbledore quittierte Sirius' Geste mit einem traurigen Lächeln und richtete den Blick dann auffordernd auf Tonks. Offenbar erwartete er, dass sie diese Mission koordinierte. Leicht errötend nickte sie in die Runde. „Sehr gut … ich danke euch … für eure Bereitschaft." Sie fühlte sich äußerst unwohl in ihrer neuen Führungsposition, fühlte sich aber bekräftigt durch Bills aufmunterndes Grinsen. „Ich denke, es ist am besten, die Gruppe möglichst klein zu halten, um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Höchstens vier Leute, mehr nicht." Entsetzt stellte sie fest, dass ihr nun die Aufgabe zufiel, die passenden Ordensmitglieder auszuwählen. Unsicher musterte sie die Gesichter der Freiwilligen. Wen sollte sie mitnehmen?
„Emmeline", es schien ihr nur gerecht, ihre erste Fürsprecherin mit Totessererfahrung einzubeziehen. „Mad-Eye", seit ihrer letzten gemeinsamen Aktion wusste Tonks umso mehr, dass sie sich auf den alten Auror verlassen konnte. Fehlte nur noch eine Person, wenn Tonks ein klassisches Kämpfer Quartett aufstellen sollte. Unentschlossen flog ihr Blick zwischen Bill und Remus hin und her. Bill war ihr bester Freund, sie hatten schon etliche Male zusammen gekämpft und waren einander vertraut wie Bruder und Schwester. Auf der anderen Seite wusste sie, dass Dementoren zu Remus' Spezialgebiet zählten und er ganz persönliche Gründe hatte, die Mission zu begleiten. Doch sie konnte nicht vergessen, wie er damals in Harbwr Hudol im Angesicht der Todesser alle Vorsicht hatte fahren lassen. Wie er unfähig gewesen war, seine Angst vor Greyback zu verbergen oder Phillenew gegenüber ihre Tarnung aufrecht zu erhalten. Und wenn sie ehrlich zu sich war, hatte sie im Moment einfach nicht die Nerven, sich auf die Zusammenarbeit mit ihm einzulassen. Zögernd deutete sie auf Bill, der sofort verstand und zufrieden nickte. Remus ließ die Hand sinken. Wie so oft war seine Miene undurchdringlich. Tonks rieb sich die schwitzenden Hände an der Jeans ab und fuhr fort: „Also, folgender Plan."
