Diese Geschichte wurde ursprünglich in englischer Sprache veröffentlicht und nach Rücksprache mit der Autorin von mir übersetzt, um sie einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Obwohl ich nur als Übersetzerin fungiere, sind Reviews natürlich trotzdem mehr als willkommen. Alexandra, die Autorin, schreibt unter dem Namen madame. alexandra und ist hauptsächlich hier auf fanfiction. net unterwegs.
Autorin: madame. alexandra
Originaltitel: Scrambled
Durcheinander
Han hatte einen widerkehrenden Gedanken, während er ausdruckslos auf das schimmernde Netz des Hyperraums um sich herum starrte. Ein wiederkehrender, konstanter Refrain eines Gedankens –
WaszurHöllewaszurHöllewaszurHölle –
Es war schon eine ganze Weile her, seit ein Erlebnis seinen Kopf so gründlich durcheinandergebracht hatte, und er hatte eine Menge durcheinanderbringender Erlebnisse gehabt – vielleicht war das der Grund, warum Chewbacca das Bedürnis verspürte, Han einen leichten Schlag auf den Hinterkopf zu geben und ihm etwas Vernunft einzubläuen.
Es kam ihm vor, als wäre er erst vor wenigen Stunden berauscht von der Idee gewesen, so viel Geld dafür zu bekommen, einen dummen Jungen und seinen seltsamen Großvater nach Alderaan zu transportieren, und jetzt war die Hälfte der zahlenden Partei tot – ersetzt durch ein wenig großväterliches Mädchen – ein Planet war ausgelöscht, und Han stank immer noch nach Sturmtruppen-Schweiß und Blasterfeuer.
[Sie hat Recht], grollte Chewie. [Sie verfolgen uns.]
Han blinzelte. Ruckartig drehte er sich um.
„Ich weiß", entgegnete er.
Er mochte dem Mädchen – der Frau? – widersprochen haben, aber das war nur Geschwätz gewesen, und er war nicht dumm.
[Ich kann versuchen, herauszufinden, welcher Mechanismus dahintersteckt, aber – ]
„Keine Ahnung, wie viel Zeit wir haben", murmelte Han und brachte Chewies Gedankengang damit zum Ende.
Der Plan war zur Hölle gefahren. Es gab kein Alderaan mehr, also technisch gesehen auch keine Möglichkeit, den Job für Skywalker zu erledigen. Hans Kopf pochte bei der Aussicht auf noch mehr Ärger, aber der Gedanke an eine gesamte ausgelöschte Welt überschattete alles; es war schwierig, sogar für ihn, im Angesicht von so etwas über finanzielle Entbehrungen nachzudenken.
Er schwang ziemlich heftig mit seinem Sitz herum.
„Zurück nach Tatooine?", brummte er.
Chewie schnaufte. Han warf die Hände nach oben.
„Na ja, ich weiß nicht", sagte er angespannt. „Da lebt Luke, also – "
„Ich lebe dort nicht mehr."
Chewie trat zur Seite, und der Junge stand in der Tür. Er sah in angemessenem Maße erschüttert aus, nicht mehr so ungestüm und mit leuchtenden Augen, wie er in Mos Eisley aufgetreten war. Han wollte etwas erwidern, aber Luke zuckte mit den Schultern.
„Meine Tante und mein Onkel haben dort gelebt, und sie sind beide tot", meinte er. „Ich wollte immer schon von dort weg, also", er brach ab. Das Licht in den Augen des Jungen war nun gedämpft, und anstatt zufrieden darüber zu sein, dass er endlich ein wenig erwachsen geworden war, entschied Han plötzlich, dass er es hasste. Luke sah geschlagen aus, und auch wenn Han ihm gerade erst begegnet war, gefiel es ihm verdammt noch mal nicht.
Die drei verfielen in Schweigen. Han fuhr mit der Hand über seinen Oberschenkel und ballte sie dann langsam zur Faust, während seine Augen zwischen ihnen hin und her huschten. Das Schiff summte um sie herum, das Wissen, dass sie verfolgt wurden, hing dick und schwer in der Luft. Bevor er loswettern konnte, begann Luke erneut zu sprechen.
„Ich denke, wir sollten Leia fragen, was wir tun sollen."
Das Durcheinander in Hans Kopf war noch nicht ganz entwirrt. Verblüfft warf er Luke einen genervten Blick zu.
„Wer zum Teufel ist Leia?", fragte er.
Luke sah überrascht aus. Chewie hob eine pelzige Augenbraue, seine Pfote zuckte leicht – brauchte er einen weiteren Schlag gegen den Hinterkopf?
„Ähm", sagte Luke. „Die Prinzessin?"
Han hob die Hand und zog an seinem Kragen, sein Hals fühlte sich heiß an. Oh. Sie. Das. Ja, nun gut –
„Oh, sie hat einen Namen", murmelte er und versuchte, seine Verlegenheit zu überspielen – niemand hatte es zuvor erwähnt; zumindest glaubte er das nicht. Leichte Verärgerung flammte in seiner Brust auf – na ja, Leia war auf jeden Fall ein großspuriges kleines Ding, wenn man bedachte, wie selbstbewusst sie ihre Meinung kundgetan hatte, ohne sich auch nur die Mühe zu machen, sich vorzustellen.
[Das ist wahrscheinlich die beste Option.]
Han blinzelte Chewie ungläubig an. Sein Puls raste.
„Sie hat hier nicht das Sagen, nur weil sie eine Prinzessin ist", fauchte er.
„Sie ist die einzige Person hier, die einen richtigen Auftrag zu erledigen hat", verteidigte Luke sie, wobei er sich zu seiner vollen Größe aufrichtete – nicht gerade eine große Leistung angesichts der naturgegebenen Vorteile von Han und Chewie.
„Und wie sieht ihr Auftrag aus?", erkundigte sich Han höhnisch. „Das Imperium ist nämlich hinter uns her, und sie wollen sie haben – wir können nicht für immer im Hyperraum bleiben, und es gibt kein Alderaan, auf dem sie sich verstecken kann – "
„Sie kennt vielleicht andere Orte – "
„Das Imperium verfolgt uns!"
Knurrend erhob Chewbacca seine Stimme. Han und Luke verstummten, und Chewbacca seufzte schwer. Er neigte Han den Kopf zu.
[Sie werden uns verfolgen, egal, wohin wir gehen. Wir], er deutete auf sich selbst, Luke und Han, [sind jetzt Kollateralschäden. Das ist das Ende der Geschichte. Sie wollen sie. Sie werden uns töten, um an sie heranzukommen. Wir landen irgendwo; sie überwältigen uns und nehmen sie mit. Wenn du], er funkelte Han demonstrativ an, [am Leben bleiben willst, wäre es wahrscheinlich am besten, sie zu fragen, wo sie am besten geschützt wäre.]
„Die Rebellenbasis", schlug Luke eifrig vor. „Ich bin mir sicher, sie weiß, wo sie ist. Wir können sie hinbringen und uns mit den Rebellen verbünden – ich wette, sie haben Schiffe und Bunker und Verteidigungsanlagen", angesichts des mitleidigen Ausdrucks auf Hans Gesicht zögerte er ein wenig.
Han ignorierte ihn, lehnte sich zurück und schaute zu Chewbacca.
„Denkst du auch, dass wir ein mit einem Aufspürer ausgestattetes Schiff zur geheimen Basis der meistgesuchten Bande herzerweichender Narren in der Galaxis fliegen sollen?", fragte er.
Luke errötete und verengte die Augen. So ausgedrückt klang es unendlich dumm – aber er versuchte, zu helfen, und er war diesem…diesem ätzenden Söldner und einem weisen, aber vorsichtigen alten Wookiee ausgeliefert, und er hatte gerade erst seinen Mentor verloren, und das hier hätte ein großes Abenteuer sein sollen, und er wusste nicht, was er tun sollte.
„Wenn du einen besseren Vorschlag hast, dann sag es", fuhr Luke ihn an. „Wahrscheinlich wissen sie sowieso, wo die Basis ist, nicht?", wollte er wissen. „Ich meine, sie war eine Gefangene", bemerkte er, „also, ich mag vielleicht ein dummer Bauernjunge ohne deine Erfahrung sein", seine Verachtung war ziemlich deutlich und ziemlich schneidend, wenn man bedachte, dass er vor ungefähr zehn Sekunden noch unsicher gewirkt hatte, „aber sie können sie nicht einfach nett gefragt und dann aufgegeben haben."
Er funkelte Han an.
„Richtig?"
Han drehte leicht den Kopf und sah weg. Lukes Heftigkeit beunruhigte ihn kaum, aber die Erinnerung schon.
Seine Brauen zogen sich zusammen; der Junge war noch nicht fertig:
„Also führen wir sie zu nichts, was sie nicht schon wissen. Und in ihrer Nachricht an Ben hat sie gesagt, dass R2 wichtige Informationen für sie hat, damit sie kämpfen können – es geht also eigentlich darum, zuerst dort anzukommen und sie abzusetzen!"
Luke klang triumphierend – er hätte genauso gut seine Arme verschränken und siegessicher mit dem Kopf nicken können – aber auf seine Worte folgte Totenstille, und Han schaute ihn nicht an. Stattdessen drehte er sich um, um Chewbacca anzusehen, eine dumpfe Furcht setzte sich in seinen Eingeweiden fest.
Der Wookiee erwiderte seinen Blick, seine dunklen Augen waren voller Kummer, überschattet von Erinnerungen an seine eigene Behandlung als imperialer Gefangener. Han beugte sich vor und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht – er hatte nicht nachgedacht – nun ja, keiner von ihnen hatte viel Zeit für kritisches Denken gehabt – aber sie mussten bald einen genaueren planetaren Kurs bestimmen, und sie hatten keine Zeit, und –
„Was?", fragte Luke aufgebracht.
Han setzte sich abrupt auf.
„Wo ist sie?", wollte er wissen.
[Sie ist in deiner Kabine], antwortete Chewbacca. [Ich habe ihr gesagt, dass sie dort Privatsphäre hat.]
„Wie steht es um unsere medizinische Kapazität?", fragte Han.
Chewbacca zuckte leicht mit den Schultern. Sie waren anständig ausgestattet. Han stand auf.
„Übernimm das Steuer", murmelte er. Er schob sich an Luke vorbei. „Du hilfst ihm", befahl er.
„Meine Idee ist nicht so schlecht, hm?", fragte Luke und seine Brust schwoll an. Han widerstand dem Drang, ihm gegen den Kopf zu schnippen, und fragte sich, ob er genauso klang, wenn er sich eingebildet verhielt.
„Setz dich nicht auf meinen Platz, Junge", rief Han über seine Schulter hinweg, voller Überzeugung, dass Luke sich sofort in den Pilotensitz hatte fallen lassen.
Er runzelte die Stirn, aber Lukes Naivität war nicht mehr das, an was er hauptsächlich dachte. Er war wieder im Nebel seines chaotischen Verstandes gefangen, ein verschwommenes Durcheinander zerstörter Planeten, totaler Unsicherheit, wohin es von hier aus gehen sollte, und dem Gedanken, dass eine Frau an Bord war, die wahrscheinlich einen Medi-Droiden, wenn nicht sogar eine psychiatrische Klinik brauchte.
Han schloss seine Kabinentür auf, trat ein und blieb erst stehen, nachdem er die Schwelle überschritten hatte. Es war ihm nicht in den Sinn gekommen, an seine eigene Kabinentür zu klopfen – vielleicht hätte er das tun sollen? – aber die Debatte war unsinnig; sie war nicht hier. Oder zumindest sah er sie nicht. Er stand seiner üblichen Unordnung gegenüber, aber keiner Prinzessin, nein…
Er richtete den Blick auf die Tür des Badezimmers. Geschlossen. Er ging nicht direkt hinein, sondern zu einem großen, geräumigen Schrank voller Schubladen, wo er eine Sammlung von Erste-Hilfe-Ausrüstungen aufbewahrte. Er fing an, darin zu stöbern und fand alles ziemlich gut bestückt vor. Er legte Schmerzmittel, Muskelrelaxanzien, einen Balsam gegen Blutergüsse, ein Antibiotikum, ein Schlafmittel, und eine willkürliche Auswahl anderer Dinge beiseite – soweit er sich erinnerte, hatte sie nicht verletzt ausgesehen, aber das bedeutete nicht unbedingt, dass es auch so war.
Er trat zur Seite, ging in die Hocke, öffnete eine weitere, kleinere Schublade, und kramte durch einige persönliche Gegenstände, durchwühlte eine Handvoll Kondome, bis er –
Die Badezimmertür öffnete sich und Han hielt inne. Er sah auf, und sie blickte auf ihn hinunter. Er schloss seine Hand um das, wonach er gesucht hatte, stand auf und warf es lässig zu den anderen Medikamenten auf den Schrank. Sie sah nicht hin – ihre Augen fixierten ihn scharf, und er verspürte einen sofortigen Impuls, den Rücken durchzudrücken.
Imposant und wachsam starrte sie ihn an, wartete darauf, dass er sprach. Die Worte gingen ihm aus. Sie sah so, so…so jung aus. Sie war mit Dreck und Schmutz überzogen, ihre Haare lösten sich, ihre Augen waren mit tagealtem Make-Up verschmiert, ihr Kleid war zerrissen…aber ihre Schultern waren gestrafft, ihr Kinn erhoben, und obwohl sie in ihrem jugendlichen runden Gesicht saßen, waren ihre Augen so alt, dass er eine Last auf seinen Schultern spürte, wenn er sie nur anschaute.
Er räusperte sich und es hallte laut in der Stille des Raumes wider. Vage deutete er vor sich.
„Medikamente", bemerkte er lahm. „Schmerzmittel", er zeigte darauf, „äh, ein paar Sachen gegen Abschürfungen", stirnrunzelnd stockte er, „aber sie haben Ihnen wahrscheinlich Serum verabreicht", fügte er kaum hörbar hinzu. „Das hinterlässt keine Spuren."
Sie zuckte vielleicht zusammen, aber es war so subtil, dass er sich fragte, ob er es sich nicht eingebildet hatte. Ihr Blick zuckte nur kurz zu der Sammlung von Gegenständen, dann neigte sie fast unmerklich den Kopf. Ihre Bewegungen waren so winzig, so kontrolliert, so –
„Wie ist Ihr Name?", fragte sie.
Ihre Stimme war ein wenig tiefer als zuvor; weniger schrill, weniger fordernd – hoheitsvoller. Unfähig, sich davon abzuhalten, grinste Han sie an, und dachte an seine eigenen Worte – wer zum Teufel ist Leia? Nun ja – sie schienen alle ein wenig durcheinander zu sein.
„Wenn Sie es mir gesagt haben, erinnere ich mich nicht daran", fügte sie gnädig hinzu.
„Han", antwortete er.
Sie öffnete die Lippen ein wenig und atmete durch die Nase ein. Sie schien sich sein Gesicht einzuprägen, absolvierte einen mentalen Prozess, der seinen Verstand überstieg.
„Han", wiederholte sie. Einen Moment lang sagte sie nichts weiter, dann hob sie die Arme, sodass die langen, schmutzigen Ärmel flatterten, und berührte den hohen Kragen ihres weißen Kleides. „Das Kleid verdeckt viele Male."
Bei den Göttern, er dachte fast, sie klang ironisch – und sie lag nicht falsch. Das formlose Ding war bodenlang, als konservativ zu bezeichnen, und wogend, Han war sich sicher, es verbarg eine dünne Figur, die in ein dickes Fell gehüllt war, das ein zähes, gebrochenes Herz beschützte.
Er nickte und deutete erneut auf die Medikamente.
„Nun, äh, Sie können alles davon haben", meinte er. „Chewie hat wahrscheinlich auch ein paar Sachen", er hob die Hand, um sich im Nacken zu kratzen, „und Sie können hierbleiben und sich um alles kümmern, das…verdeckt ist", schloss er. „Wenn Sie Hilfe brauchen, ich kenne mich mit Verbänden aus", fügte er hinzu und schenkte ihr ein, wie er hoffte, selbstsicheres Lächeln – unbewusst berührte er sein vernarbtes Kinn, und ihre Augen folgten der Bewegung.
Sie antwortete allerdings nicht. Stattdessen fragte sie –
„Wohin gehen wir?"
Ihre Stimme klang zwar fest, hatte aber einen dumpfen Unterton, und Han fragte sich, was in ihrem Kopf vorging. Waren ihre Gedanken ein Durcheinander wiederkehrender Schreie, gefluchter Forderungen? Oder war sie im Käfig des Schweigens gefangen, den einige Traumata hervorbrachten, so wie an dem Tag, an dem seine Mutter gestorben war, und das einzige Ding in seinem Kopf eine gebrochene Gedankenlosigkeit gewesen war, so still, dass es ohrenbetäubend geklungen hatte.
Es musste schlimmer sein, ihr Kopf – so viel schlimmer. Der Tod seiner Mutter…Menschen verloren Mütter, aber einen gesamten Planeten zu verlieren –
Han schüttelte sich. Nicht sein Planet. Es stand ihm nicht zu, den Verlust zu spüren. Aber er fühlte sich von allem losgelöst. Traumata brachten Traumata zum Vorschein, und hier gab es eine Menge Traumata – Traumata, auf die er nicht vorbereitet war.
„Nun ja", bemerkte er und wandte sich ihr zu. Er verschränkte die Arme. „Das hängt ein bisschen von Ihnen ab", teilte er ihr mit und seine Stimme wurde ein wenig härter. „Sie sind diejenige, die gesagt hat, dass sie uns verfolgen", betonte er. „Sie haben uns gehenlassen. Also, wohin?"
Leia runzelte leicht die Stirn. Sie schien sich nicht daran zu erinnern, es gesagt zu haben. Zur Hölle, er war sich nicht einmal sicher, dass sie wusste, wo sie war. Plötzlich hatte er Angst, sie würde ihm sagen, dass sie nach Hause wollte, und er entschied, dass er sich lieber in den Weltraum schießen würde, als derjenige zu sein, der sie daran erinnerte, dass Alderaan verloren war.
Sie schaute weg.
„Ich…sollte nicht hier sein", wisperte sie.
Ihre Nase zuckte. Bevor Han darauf reagieren konnte, schaute sie ihn ruckartig an.
„Die R2-Einheit muss zur Rebellenallianz gebracht werden", sagte sie lauter.
Es klang wie ein Wahlspruch, und er nickte.
„Ja", stimmte er trocken zu. „Aber wohin?"
Sie schluckte schwer. Ihre Augen blieben ruhig.
„Ich glaube nicht, dass ich eine andere Wahl habe, als sie nach Yavin zu führen", bemerkte sie. „Das war der springende Punkt", sie brach ab, dann biss sie die Zähne zusammen. „Ich habe ihnen nichts gesagt, aber wenn sie uns folgen", sie hielt wieder inne. „Wir müssen einfach kämpfen. Mit den Plänen ist es vielleicht nicht…hoffnungslos."
Han hatte Schwierigkeiten, ihren Gedanken zu folgen. Er verstand – sie war im Konflikt darüber, sie direkt zu ihren Kollegen zu führen, aber sein ursprünglicher Instinkt, das zu vermeiden, war durch Lukes Argumente und die Tatsache, dass Chewie Recht hatte, gedämpft worden – an diesem Punkt waren sie ohnehin des Todes.
Dann konnten sie auch genauso gut dorthin gehen, wo die Feuerkraft war.
„Yavin, okay", erwiderte Han und machte sich eine geistige Notiz. „Das ist einfach. Sie, äh", setzte er rau an. „Sehen Sie, ich weiß, das ist nicht beruhigend", meinte er trocken, „aber wenn sie den Ort aus Ihnen herausgefoltert haben, gehen sie sowieso dorthin."
In dieser Hinsicht war Lukes Logik irgendwie richtig. Han zuckte jedoch zusammen – er hatte das Wort Folter nicht wirklich aussprechen wollen. Es schien…grob. Die Sache war…ihm fiel kein anderes Wort dafür ein, und er war sich nicht sicher, ob Euphemismen einen Dreck wert waren, weil sie die Aussage milderten.
„Das haben sie nicht", fuhr Leia ihn an.
Es kam so plötzlich, so laut und so schroff, dass Han einen ganzen Schritt zurücktrat. Bestürzt runzelte er die Stirn.
„Was haben sie nicht? Sie gefoltert?", fragte er. Er lachte spöttisch auf, und biss sich dann auf die Innenseite seiner Wange, um sich dafür zu bestrafen, so leichtfertig geklungen zu haben – aber der Gedanke war lächerlich. Keine Folter? Er hatte bleibende Narben auf seinem Rücken, die von den Methoden des Imperiums zeugten, und er bezweifelte, dass ihr Status ihr irgendeinen sinnvollen Vorteil verschafft hatte.
„Es aus mir herausgefoltert", korrigierte sie kalt.
Sie hob die Hand, pflückte steif ein Schmerzmittel und ein Schlafmittel vom Schrank, und entfernte sich von ihm. Für einen Moment wie erstarrt, drehte Han sich erst um, um ihr zu folgen, als sie bereits den kleinen Raum durchquert hatte und Anstalten machte, sich auf die Koje zu setzen. Ihre Bewegungen waren steif, wund und unnatürlich.
Sie wollte sich hinsetzen, hielt dann aber inne. Sie drehte sich zur Koje um, hob ein Knie, stützte sanft ihr Gewicht darauf ab und ließ sich auf die anmutigste Weise, die er sich für ein so ungeschicktes Manöver vorstellen konnte, schwer auf die Seite fallen. Es war eine ungewöhnliche, sogar vage komische Art, sich auf ein Bett zu legen, aber es erschütterte Han bis ins Mark, die Art, wie sie – sich nicht setzen wollte.
Vorsichtig drehte sie sich flach auf den Rücken.
„Ich habe ihnen nicht gesagt, wo die Basis ist", bemerkte sie. „Nicht mit dem Serum, nicht als der Schockdroide zu mir kam, nicht auf der Brücke, mit Alderaan im Fadenkreuz", sie klang fast beiläufig, als sie über ihren Widerstand nachdachte. „Ich habe ihnen nichts gesagt."
Sie hielt sich die Blisterpackung mit den Schmerzmitteln vors Gesicht und starrte ausdruckslos darauf.
„Und jetzt werde ich sie dorthin führen."
Han ging neben den Medikamenten in die Hocke und fand das Päckchen, nach dem er gesucht hatte, als sie aus dem Badezimmer gekommen war. Er stand auf, mit dem Rücken zu ihr.
„Ich kann Sie woandershin bringen", bot er an.
„Es gibt keinen anderen Ort, an den ich gehen kann", erwiderte sie geradeheraus.
Er verzog das Gesicht. Sie…hatte Recht. Das galt für sie alle. Ihm gingen die Ideen und die Pläne aus, und sogar er konnte spüren, wie sinnlos es wäre, sich zu verstecken, zu riskieren, dass sie sie zurücknahmen, dass diese wichtige Information ihren Weg zurück zum Imperium fand, und dass alles doppelt so nutzlos gewesen war.
Er drehte sich um und kehrte zur Koje zurück. Kurz davor schnappte er sich eine schwarze Kiste voller Medienchips und Geräte, die er umdrehte, damit er sich setzen konnte. Zögernd drehte er das Päckchen ein paar Mal in seiner Hand. Er hatte gewusst, dass er etwas davon dahatte – das tat er immer; aus egoistischen Gründen, für den Fall, dass es jemand vergessen hatte, oder für den Fall, dass er dumm war. Er wusste einfach nicht, wie er das Thema bei einer Frau wie ihr ansprechen sollte, außerhalb eines erotischeren Kontextes.
Das Knistern der Blisterpackung klang laut. Sie öffnete das Schmerzmittel und schluckte es trocken herunter, wobei sie den Kopf drehte. Sie schaute auf seine Hände, wollte sich aufsetzen, machte dabei aber ein leises, ersticktes Geräusch in ihrer Kehle, und drehte sich stattdessen auf die Seite, die Hüfte in die Koje gedrückt. Er fragte sich, welche Art von Schmerzen sie erlitt, was sie ihr angetan hatten, obwohl er eine der wahrscheinlichsten Antworten kannte. Es war krankhafte Neugier, aber das war das Besondere daran, in einer ähnlichen Situation gewesen zu sein – man verspürte einen rührseligen Drang, Kriegswunden zu vergleichen.
„Danke", sagte sie, berührte ihren Mund und spielte dann mit dem Schlafmittel, das sie noch nehmen musste. Sie nickte in Richtung seiner Hände. „Was ist das?"
Han legte es auf seine ausgestreckte Handfläche und hielt es ihr hin. Das Päckchen war klein, schimmernd und dunkelrosa. Als sie es nicht sofort erkannte, musterte Han sie ein wenig genauer. Eine Falte erschien zwischen ihren Augenbrauen, die Verwirrung andeutete – die ihm verriet, dass sie es noch nie zuvor benutzt hatte. Nicht wirklich schockierend. Er räusperte sich und nannte ihr den Namen des Medikaments.
Durch ihre Wimpern hindurch warf sie ihm einen berechnenden Blick zu. Für ihn sah es so aus, als hätte sie davon gehört, aber konnte sich nicht mehr daran erinnern, was –
„Es ist eine Pille danach", erklärte Han rau und benutzte den umgangssprachlichen Begriff dafür.
Als sie nichts erwiderte, als sie ihm lediglich einen eisigen Blick durch erstarrte Wimpern zuwarf, streckte er seine Hand etwas weiter aus.
„Bis zu einem Standardtag später funktioniert sie wirklich gut", erklärte er ihr, wobei er hoffte, dass seine Erinnerung ihn nicht trog. „Bis zu drei noch ziemlich anständig, aber danach", er zuckte die Achseln und ließ den Satz in der Luft hängen.
Er nahm sie zwischen Daumen und Zeigefinger und bot sie ihr an.
„Ich dachte, Sie brauchen sie vielleicht", sagte er unverblümt.
Der Blick, den sie ihm plötzlich zuwarf, war so grausam, dass er halb damit rechnete, dass sie ihn gleich beißen würde. Sie stürzte sich jedoch nicht auf ihn; sie bewegte sich nicht einmal.
„Warum haben Sie überhaupt so etwas?", fragte sie.
Ihre Stimme hatte einen seltsamen, schockierten Ton angenommen, in ihren Augen lag ein Glitzern, das so weit vom Hier und Jetzt entfernt war, dass er sich nicht sicher war, ob sie fragte, um ihn abzulenken, oder ob sie wirklich so weltfremd war. Ihm fielen eine Handvoll Scherze ein, die er erwidern könnte, aber er wusste es besser. Er hob lediglich eine Augenbraue und dachte: Weil Kondome kaputtgehen.
Sie schob seine Hand weg, drückte seine Finger in die Handfläche und zwang die Tablette somit in seine Faust.
„Ich brauche sie nicht", antwortete sie.
Die Ränder der Packung gruben sich in seine Haut und Han drückte so fest zu, dass seine Knöchel weiß wurden. Er runzelte die Stirn, diskutierte aber nicht – großartig; sie brauchte sie nicht. Das war gut, richtig? Nur dass ein Teil von ihm sich fragte, ob sie seine Andeutung überhaupt verstand – aber dann sagte ihm ein genauso großer Teil, dass er ein Idiot war, wenn er wirklich dachte, dass sie es nicht verstanden hatte.
Er hatte vor langer Zeit gelernt – dass Frauen es verstanden. Sie verstanden es immer.
Das Schiff schlingerte. Die Sprechanlage summte. Chewbaccas leises Knurren hallte fragend durch den Falken, er erkundigte sich nach genauen Koordinaten; sie brauchten ein Ziel. Wie auf Kommando fragte Leia intuitiv –
„Kennen Sie die Koordinaten von Yavin?"
„Ja", brummte Han.
Sie nickte.
„Danke", sagte sie noch einmal.
Damit entließ sie ihn, aber Han fühlte sich desorientiert. Er saß noch einen Moment länger da und starrte sie an; die Hand zur Faust geballt, wollte er irgendetwas sagen. Das Durcheinander war immer noch in seinem Kopf, es pochte. Er war kaum in der Lage, zu begreifen, was zum Teufel ihn auf Yavin erwarten würde, und es brachte ihn aus dem Gleichgewicht, dass er Befehle von diesem Mädchen entgegennahm, das aufgewühlter war als er.
Sie senkte den Kopf, und er stand auf. Er ließ die Hand in seine Tasche gleiten, steckte die Tablette hinein. Ohne Gewissheit, was er sagen konnte, blieb er stumm und desorientiert, schob die Kiste beiseite, und wandte sich zum Gehen.
Mos Eisley, dann der Flug zu den Überresten von Alderaan, alles unter dem Versprechen einer lebensverändernden Geldsumme, und jetzt war eine imperiale Zielscheibe auf seinem Rücken, und er befand sich inmitten von etwas…Größerem; gefährlicher als der Gewürzschmuggel für die Hutten, aber irgendwie edler, das wusste er. Und sie war der Kern davon, und es ergab keinen Sinn. Sie war ein Kind, und ihre Welt war gerade zerbombt worden, und gegen seinen Willen erinnerte er sich, wie sich das anfühlte.
Er war bereits an der Tür, als er hörte, wie sie tief einatmete.
„Han?"
Er hielt inne.
„Ich brauche die Pille."
Seine Brust zog sich zusammen. Er drehte sich sofort um, zog sie aus der Tasche und reichte sie ihr in dem Moment, in dem er an der Koje ankam. Sie lehnte sich nach vorne, ihr Gesicht war gespenstisch blass und mit roten Flecken übersät. Sanft nahm sie ihm die Packung aus der Hand.
„Sie sollten sie mit Wasser einnehmen", riet er und schaut sich um.
„Geben Sie mir eine Minute", er ging ins Badezimmer.
Er untersuchte einen Becher, der auf dem Waschbecken stand – er schien sauber genug zu sein. Er nahm an, dass sie nicht allzu genau hinsehen würde. Die Momente zwischen dem Hass, den sie ihm gegenüber empfunden zu haben schien, weil er ihr die Tablette angeboten hatte, und dem Eingeständnis, dass sie sie einnehmen musste, setzten sich in seinem Kopf fest; fing sie gerade erst an, zu begreifen, was geschehen war, als der Adrenalinspiegel sich senkte, als die Welt sich verlangsamte?
Unter allen Frauen in der Galaxis war sie für ihn nichts Besonders, aber die gottverdammte Grausamkeit der Geschehnisse war ihm zuwider.
Er stellte sicher, dass das Wasser kalt war, und warf seinem Spiegelbild einen Blick zu, während er den Becher füllte. Natürlich endete es für ihn in einem Schlamassel wie diesem – und irgendetwas sagte ihm, dass er jetzt für immer darin feststeckte. Er könnte dagegen ankämpfen, wenn er wollte, aber das würde er wahrscheinlich nicht tun – und irgendetwas an diesem alten, schmutzigen Becher Wasser in seiner Hand erweckte in ihm das Bedürfnis, wieder hineinzugehen und sanft zu ihr zu sein, weil er die Gewalt leid war, die die schlechten Karten, die das Leben ihm gegeben hatte, mit sich brachten, die Gewalt, mit der er leben musste, nur um zu überleben.
Es fühlte sich alles so viel ermüdender an, reflektiert in den Augen dieses Mädchens, auf ihren Körper geschrieben.
Er kehrte zur Koje zurück, sie saß immer noch dort; klein und gebeugt. Wortlos nahm sie den Becher entgegen, mit zitternden Händen, und schluckte die Tablette. Sie gab ihm den Becher zurück, und als sie zu ihm aufschaute, standen Tränen in ihren Augen – richtige Tränen; ein wässriger Film, der einfach dort verweilte, ihre Augen rot werden ließ, und sich weigerte, hinabzufließen.
Sie atmete tief und zittrig ein.
„Ich würde gerne duschen", gestand sie. „Heiß", stellte sie klar. „Mit richtigem Wasser; keine Sonic-Dusche."
Han nickte; es schien angemessen, so etwas zu brauchen. Impulsiv streckte er die Hand aus. Sie starrte lange darauf, dann griff sie vorsichtig danach, und er half ihr, aufzustehen. Sie schwankte unsicher auf ihren Füßen, während sie ihn wachsam musterte.
„Mein ganzer Körper tut weh", wisperte sie mit glasigen Augen.
„Das Schmerzmittel wirkt bald", beruhigte Han sie.
Sie nickte.
„Ja", sagte sie. „Aber es wird nicht helfen."
Sie hielt den Atem an.
„Ich", setzte sie an, ihre Wangen erbleichten. Sie sah kurz wütend aus, ihre Stimme bebte vor Tränen; wütend, vermutete er, dass sie kaum das Weinen unterdrücken konnte. „Ich", begann sie erneut, schärfer, und fester – sie sah ihn direkt an, gestählt: „Ich will nicht, dass jemand davon erfährt."
Sie schlüpfte an ihm vorbei und entriss ihm beinahe gewaltsam ihre Hand, als hätte sie gerade erst festgestellt, dass er sie berührte und dass sie es nicht ertragen konnte; als wäre ihr gerade erst wieder eingefallen, dass er ein fremder Mann war. Er war ein fremder Mann, und ihr Herz klopfte ihr plötzlich bis zum Hals. Sie fühlte sich, als müsse sie sich übergeben, aber dann verschwand das Gefühl – wenn sie duschen könnte, alles mit heißem Wasser von ihrer Haut brennen, wenn diese Tablette ihre Wirkung entfaltete und das tat, was sie tun musste, für den Fall, dass sich Gift in ihrem Körper befand, könnte sie all das vergessen, und alles, was sie zu ihm gesagt hatte, spielte keine Rolle, weil sie ihn nicht kannte, und er nicht wusste, wer sie gewesen war, also spielte dieses Gespräch keine Rolle. Es war eine durcheinandergebrachte Realität, und jetzt würde sie immerhin, dank ihm, keinem Arzt der Allianz oder alten Männern, die für ihren Vater arbeiteten, sagen müssen, dass sie vielleicht eine Abtreibung brauchte, weil sie auf dem Todesstern –
Ihre Gedanken ausblendend, drehte sie sich um und drückte ihre Hände schwer gegen die Tür.
„Mein Name ist Leia", sagte sie benommen, halbherzig, dann hörte er die Badezimmertür hinter ihr ins Schloss fallen; hörte, wie sie verschlossen wurde.
Er blickte auf den Boden des Bechers, von der Vorstellung aus der Fassung gebracht. Sie hatte nichts von ihrem Titel gesagt, ihrem Vermächtnis, nicht einmal den Namen ihres Hauses; nur Leia – und es spielte keine Rolle, dass Luke ihm ihren Namen bereits mitgeteilt hatte, ihre Vorstellung war die, auf die es ankam. Er vermutete, dass es ihr nicht gefiel, was er gesehen hatte, dass er genug gewusst hatte, um anzunehmen, dass sie ein Notfallverhütungsmittel brauchte, und dass er ihre Seele offengelegt hatte, ohne ihren Namen zu kennen.
Er schüttelte den Kopf. Seine Ohren klingelten. Sein Kopf war durcheinander.
Er verließ den Schlafraum und presste die Zähne aufeinander.
„Yavin", bellte er, als er ins Cockpit stürmte – je lauter er sprach, desto eher gewann er seine Fassung zurück, und wenn er irgendeinen Streit mit Chewie oder dem Jungen anfing, nun ja, umso besser, um seine Gedanken von dem abzulenken, was vor ihnen lag, was auf sie zukam. Aus dem Sichtfenster in den Hyperraum zu blicken, ließ seine Sicht verschwimmen, und er fuhr sich mit der Hand durch die Haare – Pläne änderten sich, Verträge änderten sich, die Dinge veränderten sich die ganze Zeit, und sein Leben war immer unvorhersehbar gewesen – aber es fühlte sich an, als wäre er gerade mit etwas Bleibendem zusammengestoßen.
