Kapitel 31

John wachte am Morgen des 16. März etwas später auf als gewöhnlich. Er tastete neben sich sein Bett ab, doch da war niemand. In seinem Traum hatte dort ein Mädchen gelegen. Sie hatte lange braune Haare gehabt und sie war nackt gewesen. Er schloss seine Augen, um sich an den Anblick zu erinnere, doch zu verschwommen war bereits der Traum.

Ein wenig enttäuscht richtete er sich auf und schob dann seine Vorhänge beiseite. Dann als er sich gerade anziehen wollte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Er musste von Lira geträumt haben, immerhin hatte er vor knapp einer Woche hier mit ihr geschlafen. Er sah auf sein Bett und erneut strömten tausende von Fragen in ihm hoch. Warum hatte er sie gefragt ob sie mit in seinen Schlafsaal kommen wolle? Warum hatte sie ‚Ja' gesagt? Warum hatte er sich, wie als ob es selbstverständlich wäre, sofort angefangen auszuziehen? Hatte sie überhaupt mit ihm Sex haben wollen? Hatte er sie durch sein schnelles Handeln dazu genötigt? Hatte ihr des Sex gefallen? Wenn ja, warum hatte sie ihn dann seit dem ignoriert? Wenn nein, warum hatte sie dann, als er angefangen hatte sie auszuziehen, ihre Hüfte angehoben? Hatte er ihr versehentlich wehgetan? Warum war sie nach dem Sex direkt ohne ein Wort zu sagen verschwunden? Und die allerwichtigste Frage war natürlich: War sie auch in ihn verliebt?

Das waren vielleicht keine tausend Fragen, doch trotzdem hätte er gerne Antworten. Über einige würde er selbst in Ruhe nachdenken müssen, andere würde er am liebsten Lira stellen, doch die behandelte ihn seit jenem Ereignis wie Luft. Er hatte mehrmals versucht mit ihr zu sprechen, doch erfolglos, sie beachtete ihn nicht. Sie musste doch auch etliche Fragen haben, oder?

Er rieb sich den Kopf und dachte sich: Das ist schon alles merkwürdig, aber was soll ich machen, wenn sie nicht mit mir darüber reden will …

Kapitel 32

Nachdem er sich angezogen hatte verließ John den Schlafsaal und ging runter in den Gemeinschaftsraum. Der Gedanke Lira eventuell wehgetan zu haben versetzte ihn in eine traurige Stimmung. Natürlich wusste er es nicht sicher, aber irgendwie schien es ihm bei genauerer Betrachtung mehr und mehr vorstellbar. Immerhin hatte er was Sex anging nicht die geringste Erfahrung.

Er sah beim Kamin Charlie sitzen. Seit der zweiten Klasse waren sie gut befreundet. Er ging zu ihm und lies sich gegenüber von ihm in einen Sessel nieder. „Du siehst echt nicht gut aus, was ist denn mit dir passiert?", fragte sein Freund ihn. John erzählte ihm von seinen Sorgen und fragte dann: „Kann es sein, dass sie noch Jungfrau war und ich ihr Schmerzen bereitet habe?" Charlie legte den Kopf schief und dachte nach. „Vielleicht war es auch ihr erstes Mal, aber ich glaube nicht, dass selbst wenn, es ihr Schmerzen bereitet hat." John war erleichtert: „Danke Kumpel, ich habe mir deshalb eben wirklich große Sorgen gemacht." Charlie winkte ab: „Kein Problem, ich helfe dir gerne, aber lass mich dich warnen, sie ist nicht das nette sympathische Mädchen was du in ihr siehst." John wollte etwas einwerfen, doch Charlie fuhr schon fort: „Ich kann mich nicht erinnern, ob sie schon mal zu irgendeinen Menschen mit Muggleeltern nett gewesen war. Klar kann sich das geändert haben, aber …" John meinte energisch: „Ich bin in sie verliebt, bitte hör auf schlecht von ihr zu sprechen!" Charlie sah weiterhin besorgt aus, doch nach einigen Sekunden nickte er und fragte John dann, ob sie jetzt zum Frühstück gehen wollten.

Damit war John einverstanden, also brachen sie auf.

Kapitel 33: Verzweiflungsakt

Auf halben Weg zum Frühstück stießen Charlie und John auf Lira. Letztere sah John kurz direkt an und ging dann weiter ohne ein Wort des Grußes von sich zu geben. John konnte es nicht fassen, sie hatte ihn angesehen, das war mehr als in der gesamten letzten Woche. Er wandte den Kopf in die Richtung in welche sie verschwunden war und lief los. „Warte …", kam es von seinem Freund, doch er musste jetzt mit ihr sprechen, er wollte wenigstens einige Antworten.

Er erreichte sie am Treppengelände zur Eingangshalle. „Lira, können wir re…", weiter kam er nicht, denn Lira drehte sich ruckartig um und nutzte seinen Sprint aus und schleuderte ihn mit einen Judowurf über das Treppengelände.

Er fiel und sah den Boden in rasender Geschwindigkeit auf sich zu kommen. „Warum …?", fragte er sich in Gedanken. Jeden Moment würde er aufprallen und würde wäre höchst wahrscheinlich augenblicklich tot. Er schloss die Augen und formte einen letzten Gedanken.

Ich liebe dich Lira!

Kapitel 34

Knapp eine halbe Stunde später kauerte Lira mit dem Rücken zur Wand in einen kleinen fensterlosen Raum. Es befanden sich kaum Möbel hier, nur einige Stühle und ein Regal mit zwei Kartons. Sie hörte etwas weiter weg viele Stimmen die miteinander sprachen. Die meisten klangen besorgt einige wütend und manche gar verzweifelt. Doch sie verstand keine Worte, überhaupt fühlte sie sich seltsam leer.

Sie hatte jemanden getötet. Manche würden sie sicherlich als Mörderin bezeichnen. Sie öffnete ihre Augen einen winzigen Schlitz breit und sah auf ihre Hände. Durch sie war ein Muggle gestorben. Eigentlich müsste ihr das egal sein. Vielleicht würde ihre Mutter ihr jetzt sogar verzeihen. Vielleicht hatte sie es unbewusst auch darum getan, um die Ehre ihrer Familie und ihres Blutes wiederherzustellen. Doch sie empfand keinen Stolz sondern nur … (Sie fühlte tief in sich hinein, was empfand sie gerade?) … Angst.

Sie öffnete ihre Augen nun ganz und sah zur Tür, dann kreuz und quer durch den Raum. Was bin ich nur für ein Mensch? Wäre ich an Johns Stelle und jemand würde mich so unvermittelt aus dem Nichts heraus töten, alles wäre vorbei … Ich würde niemals wieder mein Lieblingsgericht essen können, niemals wieder den frischen Duft nach einem Regenfall riechen können, niemals wieder die Glocken der Weihnacht hören können.Sie fasste sich ans Herz und fühlte überlaut das Klopfen, was ihr bewies, dass sie immer noch lebte. Ich habe willkürlich einen Menschen aus dem Leben gerissen und ihm aller potentieller guten und schlechten Erfahrungen beraubt, die er hätte machen können, wenn ich nicht gewesen wäre. Sie hatte Angst vor sich selbst, wie konnte jemand nur so etwas tun? Sie selbst hatte immer so viele Pläne für ihre Zukunft geschmiedet, hatte sich überlegt wie es wohl wäre zu heiraten und Kinder zu haben. Sie hatte von der großen wahren Liebe geträumt. All das hatte sie ihm genommen.

Sie wünschte sich inzwischen sie wäre niemals geboren. Was für eine schreckliche Kreatur musste sie sein, da sie einen Menschen den sie angeblich ‚liebte' (Es fiel ihr schwer das Wort ‚lieben' auszusprechen, etwas so schönes aus ihrem Mund …) getötet hatte. Sie begann nun leise zu schluchzen und weinen.

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Nach einer halben Stunde versiegten ihre Tränen, sie konnte einfach nicht mehr … Sie hoffte einfach leise und ohne still aus dem leben zu scheiden, sie wollte nicht mehr … Die Reue, die Trauer und die Angst lasteten erdrückend auf ihrer Brust.

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Eine weitere Stunde später öffnete sich die Tür und ihr Schulleiter trat in den kleinen Raum. „Sie haben Glück gehabt, John lebt noch! Trotzdem kommen Sie bitte mit mir, ich muss mit Ihnen sprechen."

Kapitel 35

Lira hob schwach den Kopf, in der Tür stand ihr Schulleiter. Sie würde wahrscheinlich jetzt gleich von der Schule fliegen, die Verbannung aus der Gemeinschaft der Zauberer würde dann sehr bald folgen. Sie würde eine Ausgestoßene werden, ohne Ausbildung und Perspektive für die Zukunft. Voldemort könnte sie sicherlich aufnehmen, durch ihn könnte sie wieder an einen Zauberstab kommen, doch wollte sie das? Konnte sie das tun?

„Stehen Sie auf und folgen Sie mir, jetzt!", befahl Professor Dumbledore jetzt mehr streng als kühl. Sie rappelte sich auf und stützte sich halt suchend an der Wand hinter ihr ab. Der ältere Mann drehte sich um und ging los, ohne sich zu vergewissern, ob sie ihm folgen würde. Vielleicht könnte sie in die andere Richtung laufen und ihrer Strafe so entkommen. Sie machte ein paar vorsichtige Schritte in Richtung Tür, doch ihre Beine taten noch höllisch weh, sie hatte wirklich in einer unbequemen Position gesessen. So würde sie niemals weit kommen, außerdem sagte eine leise innere Stimme: „Du musst dich dem stellen, was dich jetzt erwartet. Das ist der Weg den du für deine Zukunft gewählt hast." Sie stolperte also hinter ihrem Schulleiter her, achtete dabei aber gar nicht, wohin er sie führte.

Schließlich blieb Professor Dumbledore stehen und legte die Hand an eine weiß gestrichene Tür. Nachdem sie neben ihm ankam, verlangte er: „Ich möchte das du hinein gehst und dir anschaust, was du angerichtet hast!" Seine Worte waren streng und duldeten keinen Widerspruch. Lira sah besorgt auf das Schild neben der Tür: Krankenstation Warum waren sie hier? Sie hatte erwartet ins Büro von Dumbledore zu gehen oder gleich in die Eingangshalle um sie nach Haue zu schicken. „Was …", fing sie an, doch Dumbledore schnitt ihr sofort das Wort ab: „Nein, ich will jetzt nichts von Ihnen hören! Gehen Sie einfach rein und dann zum letzten Bett auf der linken Seite." Lira hielt dem strengen Blick nicht lange stand, dann senkte sie den Kopf und nickte. Vorsichtig schob sie die bereits geöffnete Tür ganz auf und betrat die Krankenstation. Mit zitternden Schritten ging sie zwischen den betten entlang bis zum Ende des weiten Raums. Sie hatte mittlerweile eine Idee, warum sie hierher gekommen waren. Dumbledore wollte, dass sie sich die Leiche von John ansah, damit ihr klar wurde, was sie abgrundtief böses getan hatte. Sie wandte den Kopf mit geschlossenen Augen zur Seite und öffnete diese dann.

Im Bett schräg links von ihr lag ein Junge mit einer weißen Decke zugedeckt. Sie sah wie sich die Decke leicht hob und senkte. Ihre Augen weiteten sich und sie sank zu Boden auf die Knie. Nur ein einziger Gedanke hatte gerade Platz in ihren Gehirn.

Er lebte …

Kapitel 36

Er lebte …

Sie zitterte und stammelte leise unverständliche Worte. Wie konnte das sein, sie hatte ihn doch übers Gelände geworfen? Wie hatte er den Aufprall überleben können? „Soll ich die Decke einmal für dich anheben?", fragte Dumbledore plötzlich von hinter ihr. Sie zuckte ein wenig zusammen, sie hatte ihn ganz vergessen. Sie versuchte etwas zu sagen, doch es kam nur ein erstickter Laut über ihre Lippen. Ihr Schulleiter trat neben das Bett und bedeutete ihr aufzustehen. Auf wackligen Beinen erhob sie sich und trat zu ihm. Leicht hob er seine Decke und zeigte ihr die schweren Knochenbrüche und Blutergüsse. Sie drehte ihr Gesicht ab und schluchzte auf.

„Bitte Professor, nimm meinen Zauberstab und zerstör ihn, ich will nie wieder zaubern. Ich will nach Azkaban und mein Leben dort verbringen, ich verdiene nichts anderes." Sie griff in ihre Tasche und wollte ihren Stab gerade an ihren Beinen zerbrechen, als eine schwache Stimme von hinter ihr, vom Bett leise ihren Namen flüsterte.

„Lira …!"

Sie ließ ihren Zauberstab fallen und drehte sich überrascht um. John hatte seinen rechten Arm leicht angehoben und nach ihr ausgestreckt. „Lira …", flüsterte er erneut. Sie sah ihn mit großen Augen an. Warum flüsterte er ihren Namen, müsste er sie nicht anschreien und verfluchen. „Bitte nimm meine Hand und ignoriere mich nicht länger …" Sie zögerte nur einen Sekundenbruchteil, dann griff sie nach seiner Hand und setzte sich auf die Bettkante. Er drückte ihre Hand fest und schloss dann wieder seine Augen. „Ich bin in dich verliebt, bitte bleib bei mir!", flüsterte er noch, dann schlief er wieder ein. Lira wurde leicht rot und seine Hand fühlte sich plötzlich sehr viel wärmer in ihrer an, als noch Sekunden zuvor.

Kapitel 37

Lira streichelte ohne es selbst so richtig zu merken leicht seine Hand. Er war in sie verliebt? Das kann nicht sein, wie? Er müsste mich doch hassen, wie kann er mir gegenüber so etwas wie Liebe empfinden? Sie sah auf seine Hand. Selbst sie war durch eine große Platzwunde entstellt. Wenn sie darüber nachdachte was sie ihm angetan hatte, würde sie am liebsten vom Nordturm springen, doch er hatte sie gebeten ihn nicht zu verlassen …

„Miss Thomsen, da ich sehe, dass sie hier erst einmal dringender gebraucht werden, verschieben wir unsere persönliche Unterhaltung fürs erste. Bleiben Sie hier bei Mister Taylor und leisten ihm Beistand, wir reden später." Ihr Schulleiter hatte leise und bestimmt gesprochen und erhob sich nun. „Ich werde Madame Pomfrey anweisen Ihnen ein Stuhl zu bringen!", fügte er noch hinzu und verließ sie dann.

Lira saß absolut unsicher neben dem schlafenden Jungen und hielt dessen Hand. Du bist auch in ihn verliebt! „Nein, bin ich nicht!" Du hast Angst ihn zu verlieren! „Definitiv nicht, ich hasse ihn!" Wenn er erst einmal aufwacht und wieder klar bei verstand ist, … „Ich hass…" … wird er vielleicht nie wieder einen Blick auf dich werfen. Bist du darauf vorbereitet? „Wie gesagt: Ich hass…" Nicht nur er, wahrscheinlich werden alle in der Schule dich ausgrenzen und meiden. „Ich brauche niemanden!" Sie werden Angst vor dir haben! „Ich …" Du bist auch verliebt oder? Lira drehte den Kopf und betrachtete das, von nicht länger blutenden Wunden, bedeckte Gesicht von John. War sie verliebt, konnte ihr Unterbewusstsein Recht haben? Sie erinnerte sich sowohl an die Nacht mit ihm, an den Heuler ihrer Mutter und an das Gespräch mit Lily, sie alle hatten einen bestimmten Bezug zu ihr und zu ihrer rassistischen Einstellung zu Mugglen. Sie schluckte, all die Jahre war sie felsenfest von dieser Weltsicht überzeugt gewesen, doch jetzt begann die Mauer ihrer Überzeugungen zu bröckeln. Vielleicht hatte sie schon vor längeren Risse bekommen, doch jetzt, dadurch, dass sie immer noch seine Hand hielt und schon vorhin in dem kleinen Abstellraum so angewidert von sich selbst gewesen war, fielen nun die ersten Steine. Sie streckte eine Hand aus und strich vorsichtig und mit leicht zitternden Fingern über Johns Wange.

In Gedanken flüsterte sie:

Vielleicht bin ich wirklich verliebt …"

Kapitel 38

Die nächsten Stunden saß Lira stumm an Johns Seite und hielt seine Hand. Sie wusste nicht was sie zu ihm sagen sollte, wenn er wieder aufwachen sollte. Etwa: „Entschuldigung, dass ich dich übers Gelände geworfen habe, bitte verzeih mir denn ich habe mich in dich verliebt und …", nein, das klang schrecklich, das konnte sie nicht sagen. Sie konnte sich nicht einmal vorstellen etwas in dieser Art zu sagen, dass passte einfach ganz und gar nicht zu ihr. „Was passt denn besser zu dir, jemanden vom knapp zwölf Meter hohem Gelände zu werfen und ihn dadurch fast zu töten, oder was?" Sie senkte den Kopf, ihr Unterbewusstsein lachte auf: „Du erwartest wahrscheinlich auch noch, dass John dankbar sein sollte, das du eben gedanklich so edel zugegeben hast eventuell vielleicht auch in ihn verliebt zu sein, richtig?" Lira schüttelte ihren Kopf, wie um eine nervige Fliege loszuwerden. Ihr Unterbewusstsein hatte doch gar keine Ahnung …

Am späten Nachmittag hörte Lira plötzlich wie sich die Tür zum Krankenflügel öffnete und mehrere Schritte näherkamen. Sie drehte sich auf ihren Stuhl halb herum um zu sehen, wer gekommen war. Es waren einige Jungen aus Johns Jahrgang und auch ein paar aus anderen Häusern waren dabei. Sie warfen ihr böse finstere Blicke zu, ignorierten sie aber ansonsten. Sie beschafften sich ebenfalls Stühle und setzten sich so um das Bett herum, das sie möglichst weit weg von ihr saßen. Leise sprachen sie miteinander.

Nach einer längeren Weile in welcher Lira ohne aufzuschauen dem Gespräch der Schülergruppe gelauscht hatte (Sie hatten unter anderen über sie gesprochen, wie widerwärtig und rassistisch sie sie fanden), wachte John plötzlich wieder auf. Er machte durch ein schmerzhaftes Einatem auf sich aufmerksam. Lira rutschte sofort intuitiv auf sein Bett und drückte seine Hand etwas fester. Einige aus der Gruppe standen auf, der Rest drehte sich nur besorgt zum Bett um. Charlie (soweit sie wusste der beste Freund von ihm setzte sich auf die andere Seite auf seine Bettkante und) sprach ihn direkt an: „Hey Kumpel, wir waren so besorgt um dich, wie geht es dir?"

John antwortete leise: „Alles tut scheiße weh, aber ich lebe noch … Lira?", fragte er zum Schluss. Lira senkte ihren Blick nervös, er klang schon viel mehr nach dem alten John, als noch beim letzten Mal, wo er nur sehr kurz wach gewesen war. John drehte sich zu ihr um und strahlte übers ganze Gesicht: „Lira, ich habe die ganze Zeit deine Hand gefühlt, in den verwirrenden Träumen die ich bis eben gehabt habe war sie eine Konstante die mir Kraft gegeben hat." Alle um sein Bett herum starrten ihn verwundert an, inklusive Lira selbst.

„Ich weiß ich sollte dir eigentlich böse sein und dich hassen, immerhin wolltest du mich umbringen, doch bestimmt hast du nur aus Verzweiflung gehandelt, aus der Wut heraus, dass du mit mir geschlafen hast, mit einem Muggle." Lira wollte etwas einwerfen, doch John streckte unter einem Aufstöhnen (vor Schmerz?) seine Hand nach ihr aus und platzierte einen Finger auf ihre Lippen. „Bitte lass mich zu Ende sprechen!" Er ließ sich nach einem überraschtem Nicken ihrerseits wieder in seine Kissen zurück sinken und fuhr fort. „Versteh mich nicht falsch, ich halte diese Einstellung für falsch, doch du hast gerade gestern einen sehr direkten Heuler von deiner Mutter bekommen, die dir entgegen geschrienen hat, für wie erbärmlich sie dich hält, das hat dich sicherlich sehr mitgenommen." Er verschnaufte kurz, dann sah er ihr direkt in die Augen: „Ich glaube unterbewusst hast du nicht erst nach diesem, zum Glück, missglückten Versuch mich zu töten an der Richtigkeit dessen woran deine Familie gezweifelt, habe ich Recht?" Lira wusste nicht was sie sagen sollte, vielleicht stimmte das was er sagte. Sie machte eine entsprechende unsichere Kopfbewegung irgendwo zwischen einem Nicken und einem Kopfschütteln.

John lächelte leicht und fragte dann: „Was denkst du war mein letzter Gedanke bevor ich, so wie ich es vermutete hatte, sterben würde?"

Lira hatte keine Ahnung, etwas hilflos zuckte sie die Schultern. Der Blick mit den er sie gerade bedachte machte sie extrem nervös. Sie zitterte am ganzen Körper.

John grinste und sagte dann laut und deutlich: „Das letzte was ich gedacht habe war wörtlich …

… Ich liebe dich Lira!"

Kapitel 39

Lira sah ihn mit großen Augen an, obwohl er etwas ähnliches ja schon vor einigen Stunden gesagt hatte, es so direkt in der Gegenwart von seinen Freunden (oder Bekannten beziehungsweise Schlafsaalkameraden) gesagt zu bekommen ließ sie stark erröten. Sie drehte den Kopf leicht zur Seite sodass keiner ihre Wangen sehen konnte. „Verschwende deine Zeit nicht mit der, sie ist es nicht im geringsten wert!", sagte Charlie ohne sie eines Blickes zu würdigen.

Bevor sie etwas verteidigendes sagen konnte (sie wusste nicht so genau was), meinte John schon: „Sprich nicht so über sie!" Dann wandte er sich wieder an sie und sagte: „Ich liebe dich Lira, nur deshalb habe ich dich gefragt ob du mich in meinen Schlafsaal begleiten willst. Heute denke ich, dass ich im Schlafsaal vielleicht etwas überstürzt davon ausgegangen bin, dass du auch mit mir schlafen willst, das tut mir inzwischen Leid!" Er streichelte jetzt über ihre Finger und fragte leiser: „Ich weiß das es dir Probleme verursachen wird, aber würdest du bitte zum nächsten Hogsmeadewochenende mit mir ausgehen?"

Lira sah ihn noch überraschter an als bei seinem Liebesgeständnis. Eine Verabredung mit einem Muggle? Sie würde mit ihrer Antwort auf seine Frage nicht nur über ein Samstagnachmittag entscheiden, sondern generell über ihr Leben. Wollte sie ein Leben mit Gefühl oder Verstand. Ihr Herz sehnte sich nach ihm, ob nun willentlich oder eher versehentlich, sie hatte sich definitiv in John verliebt. Doch vernünftig wäre es wahrscheinlich abzulehnen und sich nicht noch weiter von ihrer Familie zu entfremden. Sollte sie eventuell nach einer Verabredung unter Umständen sogar seiner Freundin werden und generell ihre Weltanschauung verändern, wäre ein radikaler Bruch mit ihrer gesamten Familie nahezu unvermeidlich.

Sie sah ihn direkt in die Augen, in ihrem inneren tobte ein Kampf der Überzeugungen. Es vergingen etliche lange Momente, einige der Mitschüler auf der anderen Seite des Bettes begannen schon leise zu tuscheln. Lira versuchte sie so gut wie möglich zu ignorieren. John sah mittlerweile sehr besorgt aus, doch hielt er weiterhin ihre Hände und erwiderte ihren Blick.

Nach einer gefühlte Ewigkeit hatte sie eine Entscheidung getroffen. Sie öffnete den Mund um ihr Schicksal offiziell zu besiegeln.

„Ja, ich werde mit dir ausgehen!"

Kapitel 40: Etwas Neues ...

Am Abend des 16. März war es ziemlich ruhig im Schloss, kein Schüler war unerlaubt auf den Gängen. Nun ja, fast keiner, nur Sirius Black schlich sich durchs Schloss. Er war unterwegs um sich mit einem hübschen Mädchen aus Hufflepuff zu treffen. Seitdem ihm James am Montag erzählt hatte, dass er mit Lily Oralsex ausprobiert hatte, war er verzweifelt auf der Such nach einem Mädchen gewesen, welches das auch mal mit ihm zu tun bereits wäre. Er hatte aber bis heute Nachmittag keine gefunden. Und auch Scarlett hatte nur zugestimmt sich mit ihm zu treffen, zu seiner Frage ob sie mit ihm das machen würde, hatte sie nur gesagt: „Nichts ist unmöglich, aber verlass dich nicht darauf …" In seinen Ohren klang das eher nach einer Absage, doch er hatte sich länger mit keinem Mädchen getroffen, also hatte er trotzdem zugesagt zu ihr in den Gemeinschaftsraum zu kommen.

Zum Glück wartete sie vor dem versteckten Eingang auf ihn und lächelte ihn leicht nervös an. „Hi Sirius!", grüßte sie ihn. „Hi Scarlett!", grüßte Sirius sie mit einem breiten Grinsen. „Es ist nett von dir, dass du hier auf mich wartest, ich habe mich schon gefragt wie ich wohl rein kommen könnte." Scarlett nickte leicht: „Lass uns schnell rein gehen, sonst erwischt uns noch ein Lehrer." Sirius war damit einverstanden und so sagte sie das Passwort und ließ ihn zuerst eintreten.

Neugierig sah sich Sirius um, noch nie war er in einen anderen Gemeinschaftsraum gewesen. Neben einer gemütlichen Kaminecke befand sich ein Billardtisch in der Mitte des länglichen Raums. Auch einige Tische standen an der, dem Kamin, gegenüberliegen Wand. Am schmaleren Ende ging jeweils eine Treppe nach oben und eine nach unten. Wahrscheinlich befanden sich dort die Schlafsäle. „Wollen wir uns an den Kamin setzen?", fragte Scarlett plötzlich von hinter ihm. Er nickte und folgte ihr zu einem gemütlich aussehenden Sofa. Dort setzte er sich hin und griff nach ihren Händen. „Magst du?", fragte er und legte seinen Kopf schief . Sie sah ihn mit leicht erröteten Wangen an, doch nach kurzen Zögern nickte sie schließlich und setzte sich auf seinen Schoss. Sirius lächelte sie erfreut an und sagte: „Du bist echt hübsch und attraktiv." Sie kicherte leicht und tippte ihm gegen die Nase: „Du siehst auch gut aus, vor allem dein Gesicht." Sirius lachte leise auf und schlug vor: „Willst du mich küssen? Du könntest meinem Gesicht so ziemlich nahe sein." Scarlett wurde noch etwas röter, schüttelte aber den Kopf.

Sirius sah sie entsetzt an, so etwas war ihm noch nie passiert. Normalerweise rissen sich die Mädchen darum ihn küssen zu dürfen. Beleidigt drehte er seinen Kopf etwas zur Seite und überlegte, ob er besser gehen sollte. Scarlett kicherte los und meinte nach einigen Augenblicken wieder beruhigt: „Dreh dich zurück, meinetwegen küsse ich dich!" Sirius schmollte noch etwas, doch als er sie sagen höre: „Dreh dich um oder die Chancen auf mehr sinken sehr sehr stark", gewann seine Neugier über seinen Stolz und er wandte sich ihr wieder zu. Sie grinste mittlerweile und rückte etwas näher an ihn heran. Dann drückte sie sanft ihren Mund auf seinen und küsste ihn. Er stöhnte gegen ihre Lippen und schob seine Hand unter ihr T-Shirt.

Nachdem sie ihren ersten Kuss beendet hatten, er streichelte ihr gerade über den weichen Bauch, rückte sie wieder etwas von ihm ab und schob seine Hand von ihr weg: „Fass mich nicht auf dieser Art und Weise an!" Sie klang streng und gebieterisch. Er fühlte wie er, alleine durch diesen Kuss und die wenigen Sekunden wo er sie am Bauch berührt hatte, erregter wurde. Mit gierigen Augen sah er sie an. Sie war so hübsch … „Okay …", brachte er heiser hervor. Sie musterte ihn eine Weile abschätzend, dann grinste sie und erklärte: „Versprich mir nichts zu machen, was ich nicht will und ich erlaube dir mich am Bauch zu streicheln!" Sirius nickte sofort: „Ich verspreche dir hoch und heilig alles zu tun was du von mir willst!" Es war einen Moment lang still, sie betrachtete ihn interessiert, dann kam sie wieder näher zu ihm gerückt und sagte: „Okay, ich werde dich bei Gelegenheit an diesen Schwur erinnern."

Sirius nickte und schob seine Hände wieder unter ihr T-Shirt. Während er sie dort streichelte flüsterte er ihr ins Ohr: „Ich mag deine weiche Haut, darf ich dir vielleicht das …", er zupfte an ihrem T-Shirt: „… ausziehen?" Sie legte ihre Hand an seine Wange und ließ sich einige Sekunden Zeit, dann nickte sie. Wortlos hob sie ihre Arme. Mit zitternden Fingern (das passte gar nicht zu ihm), schob er das Shirt hoch und sah sie schließlich in ihren BH. Gerade als er den Mund öffnen wollte, sagte sie schon in einer höflichen Weise: „Nein, du darfst meine Brüste nicht anfassen!"

Sirius sah sie enttäuscht an: „Echt nicht?", fragte er bittend. Sie bestätigte ihre Entscheidung mit einem breiten Lächeln. Sie stand auf und streckte ihm eine Hand entgegen, dann sagte sie: „Wenn du mir jetzt folgst passiert vielleicht das was du dir so gewünscht hast." Sirius stand mit einem starken Zittern in seinen Beinen auf und folgte ihr nach oben zu den Mädchenschlafsälen. Nachdem sie oben angekommen waren wies sie auf eine Tür links von ihnen. Im Inneren befanden sich mehrere Duschen, etliche Waschbecken und einige Toilettenkabinen. Scarlett forderte ihn nun auf ihr seinen Zauberstab zu geben. Sie sagte: „Vertrau mir und hoffe auf deinen tiefsten Wunsch oder vertraue mir nicht und geh!" Sirius sah sie misstrauisch an, ein Zauberer ohne seinen Stab war nichts wert, sie verlangte viel …

Sirius zögerte kurz, dann reichte er ihr seinen Zauberstab. Nervös verfolgte er ihre Hand, welche seinen Stab in ihren Umhang steckte. Dann hängte sie eben jenen Umhang an einen Hacken neben einer der Duschen und öffnete die matte Glastür: „Das ist deine Chance auf mehr …" Sirius ging auf sie zu und nacheinander betraten sie dann die Duschkabine.

Zehn Minuten später lehnte Sirius leicht gegen Scarlett und flüsterte: „Ich denke wir sollten miteinander ausgehen, ich will uns beiden als Paar eine Chance geben … Mit dir kann ich mir wahre Liebe vorstellen!"