Kapitel 201
Als sich das Frühstück dem Ende neigte und immer mehr Schüler sich gesättigt zurücklehnten und mit ihren Freunden darüber sprachen wie man den Nachmittag verbringen wollte, wandte sich auch Max zu Aisha und fragte sie: „Wollen wir jetzt losgehen?" Sie trank ihren Saft aus und nickte. „Einverstanden, ich bin bereit!", bekräftigte sie ihre Entscheidung von vorhin mit ihm auszugehen. Zusammen standen sie also auf und verließen als eine der ersten die Große Halle.
Auf dem Weg über das Schlossgelände erzählte Max etwas mehr über seine Gefühle für sie. „Es hat eigentlich ziemlich banal angefangen, auf der Silvesterparty Ende letztes Jahres. Du hast bei deinen Freundinnen gestanden und mit ihnen angestoßen. Ich habe dich damals versehentlich angerempelt und du hast dein Glas fallen lassen. Als ich mich wegen der Scherben gebückt habe und du zu mir runter geschaut hast, haben sich unsere Augen getroffen und …" Er stoppte und wurde leicht rot ehe er etwas leiser endete: „… in dem Moment hat es wohl bei mir, wie sagt man es so schön: ‚gefunkt'." Er grinste nun leicht und murmelte: „Vielleicht war es ‚Verliebtheit mit einem Blick' vielleicht habe ich mich auch erst später wirklich verliebt, doch das war zumindest der erste Zeitpunkt wo ich mich in deinen Augen verloren habe …"
Aisha war sehr überrascht das zu hören, seit fünf Monaten war er nun schon an ihr interessiert, zumindest mehr oder weniger!? Sie blieb stehen und lächelte ihn mit einer Mischung verschiedenster Empfindungen und Gedanken an. „Das klingt romantisch und ich mag Romantik, zeig also heute das du ein guter Junge bist und vielleicht wird aus uns eines Tages ein Vorzeigepaar." Sie zwinkerte ihn zu und ging dann mit ihm weiter.
Kapitel 202
Es fühlte sich für Aisha zwar noch immer irgendwie merkwürdig an mit einem Jungen nach Hogsmeade zu gehen, doch das er romantisch veranlagt zu sein schien, gefiel ihr. Gerade redeten sie über ihre verschiedene Hintergründe. Während sie aus einer Mugglefamilie stammte waren seine Eltern Zauberer. „Und du bist wirklich noch nie mit einem Auto gefahren?", fragte Aisha gerade als sie magischen Dorf ankamen. Er nickte und sagte: „Ich habe zwar schon viele gesehen, doch nie in einem drin gesessen oder mit einem gefahren." Aisha konnte das eigentlich gar nicht glauben, doch warum sollte er sie anlügen. Er fragte sie nun da sie an ihrem Ziel angelangt waren, wo sie zu erst hinwolle.
Sie sah sich um und entschied sich dann für den Honigtopf. „Ich weiß da gehen die meisten hin, doch ich würde gerne mein Arsenal von Süßigkeiten aufstocken." Max fragte neugierig: „Dein Arsenal von Süßigkeiten, was soll ich mir darunter vorstellen?" Sie grinste und tippte ihm gegen die Nase: „Das ist ein Geheimnis, wenn du jemals bei mir schlafen solltest, werde ich es dir zeigen!" Max versuchte noch ein paar Mal sie dazu zu bringen es ihm schon jetzt zu sagen, doch erfolglos, sie blieb hart.
Nach ihrem Besuch im Honigtopf gingen sie noch durch einige andere kleine Läden und landeten schließlich da wo die meisten irgendwann hingingen, in die Drei Besen. An einem Tisch am Fenster saßen sie und tranken einen Kürbissaft miteinander. Max musterte sie nun schon einige Augenblicke stumm, das machte Aisha nervös, deshalb fragte sie: „Was starrst du mich so an?" Max senkte seinen Blick sofort und sagte dann: „Ich habe mir nur eben versucht vorzustellen wie es wohl aussieht wenn zwei Mädchen sich küssen oder vielleicht sogar miteinander schlafen …" Aisha hob irritiert eine Augenbraue und wollte gerade etwas dazu sagen, als Max noch eine Frage nachschob: „Apropos ‚miteinander schlafen', hattest du vor mir schon einmal mit jemanden Sex?"
Kapitel 203
Aisha beantwortete ihm zunächst seine zuletzt gestellte Frage mit „Ja ich habe bereits vor dir mit jemanden Sex gehabt", dann fragte sie nach, warum er sich versuchte vorzustellen, wie es wohl aussehen würde, wenn zwei Mädchen diese Dinge miteinander taten. Max hob den Blick wieder und meinte: „Naja, irgendwie ist die Vorstellung schon erregend …" Aisha sagte dazu nichts, sondern dachte sich nur still und leise ihren Teil.
Sie fand es merkwürdig so etwas von dem Jungen zu hören, der eben noch behauptet hatte in sie verliebt zu sein. Wenn er es so verlockend fand zwei lesbischen Mädchen beim Sex zuzusehen, warum versuchte er dann nicht sein Geschlecht umzuwandeln und es dann selbst mit einem Mädchen zu tun? Sie hatte von so etwas zwar noch nie gehört, doch bestimmt gab es da einen Zauber oder einen Trank …
Eine unangenehme Stille breitete sich nun an ihrem Tisch aus. Aisha sah auf die Tischplatte und sagte nichts, während Max versuchte ein gutes Thema zu finden um die Stimmung wieder etwas aufzulockern. Gerade als sie mit den Worten „Ich glaube wir sollten die Verabredung lieber vorzeitig abbrechen" aufstehen wollte und sich bereits erhoben hatte, sagte Max plötzlich: „Was ich eben gesagt habe war nicht nett, bitte bleib bei mir!"
Kapitel 204
Aisha sah ihn grimmig an und zog ihr Portemonnaie aus ihrer Jackentasche. „Spare dir deine Worte, ich habe keine Lust mehr auf dich!", sagte sie und legte einige Münzen auf den Tisch und verließ die Kneipe ohne noch einen Blick auf ihn zu werfen. Sie hätte sich niemals auf ihn einlassen sollen, was hatte sie nur geritten sich auf seinen Schoss zu setzen und dann mit ihm Sex zu haben. Sie war gerade am letzten Haus vom Dorf angelangt da hörte sie laute Rufe hinter sich. Sie blieb stehen, drehte sich aber nicht um. Es war ohnehin klar, wer da kurz Zeit später hinter ihr stehen blieb und nach Luft rang.
„Was willst du noch?", fragte sie wütend.
Max kam gleich zum Punkt und sagte: „Ich will unsere Verabredung fortsetzen und am allerliebsten würde ich dich jetzt küssen!" Sie ballte ihre Hände zu Fäusten und stellte bezüglich des zweiten sofort klar: „Vergiss es, ich lasse mich von dir heute nicht noch einmal küssen!" Was das erste anging schwieg sie zunächst. Er hatte sich in ihren Augen dumm und idiotisch verhalten, warum sollte sie mit so jemanden freiwillig noch mehr Zeit verbringen …
Sie sagte mit kalter Stimme: „Es gibt bestimmt Mädchen die sich gegen Geld für dich gegenseitig küssen, wenn du genug hinlegst lassen dich manche bestimmt auch dabei zusehen wenn sie miteinander schlafen, doch ich bin bestimmt nicht so jemand, also hau ab!"
Max seufzte und murmelte: „Ich will das gar nicht, ich will bei dir sein, weil ich dich mag nicht weil ich mir so etwas von dir erhoffe … Außerdem will ich nicht das du mit anderen Mädchen was anfängst oder so, ich bin doch an dir interessiert." Aisha lachte kurz auf und marschierte dann den Weg nach Hogwarts lang. Sie wollte nicht länger in seiner Nähe sein.
Er folgte ihr aber und versuchte sie wieder anzusprechen, doch sie ignorierte ihn. So ging das weiter bis sie am Tor zu den Ländereien standen. „Bitte Aisha rede wieder mit mir und gib mir noch eine Chance!", bettelte Max gerade inzwischen bereits völlig verzweifelt. Sie hatte eigentlich nicht vorgehabt ihm noch eine Chance zu geben, doch als sie sah, dass ihm inzwischen schon Tränen die Wangen hinabflossen erbarmte sie sich noch einmal und brach ihr Schweigen.
„Du bist jämmerlich, weißt du das?", fragte sie ihn. Er nickte und murmelte (erleichtert, dass sie überhaupt wieder mit ihm sprach): „Ich weiß, aber ich will nicht, dass du jetzt vielleicht mit einem Mädchen ausgehst und ich dann nie wieder den Hauch einer Chance bei dir habe. Da mache ich mich lieber lächerlich und renne dir wie besessen hinterher, falle vor dir auf die Knie oder mach sonst was, um wenigstens nicht kampflos aufzugeben …" Sie betrachtete ihn nun und musste zugeben, dass das schon wieder romantisch klang, von wegen er kämpft um das was er liebt …
Sie fragte ihn mit einem festen Blick: „Wenn du es doch angeblich ernst mit mir meinst, warum dann solche dummen Bemerkungen?" Max griff nach ihren Händen, die sie ihn auch nicht entzog, stattdessen hielt sie ihren Blick nur ruhig auf seine Augen fixiert und sagte leise und nervös: „Manchmal ist mein Mund schneller als mein Gehirn, bitte verzeih mir!" Er streichelte vorsichtig ihre Finger und flüsterte so laut, dass sie es gerade hören musste: „Ich liebe dich!"
Kapitel 205
Aisha sah Max einige Augenblicke abschätzend an. Sie hatte sich ja eben gerade eigentlich fest vorgenommen nichts mehr mit ihm haben zu wollen, doch galt das noch immer … Sie war sich nicht sicher, auch deshalb weil sie ihren eigenen seit dem unerwarteten Sex an diesem Morgen nicht mehr wirklich trauen konnte. In ihrem Inneren tobte erneut ein Streit zwischen der eher optimistischen und der eher pessimistischen Aisha. Während die eine ihr klar riet sich unter keinen Umständen erneut auf ihn einzulassen, dachte die andere, dass er vielleicht ausnahmsweise eine zweite Chance verdient hatte.
Sie schloss ihre Augen, doch das half auch nichts. Sie genoss zwar das Gefühl wie er sie an ihren Fingern streichelte, doch das war am Morgen auch schon dort gewesen. Es waren also keinen neuen Empfindungen dazugekommen. Sie öffnete ihre Augen nun wieder und sagte: „Für gewöhnlich gebe ich niemanden eine zweite Chance, wenn jemand einmal bei mir verschissen hat, hat er das eigentlich für immer, doch …", sie machte an dieser Stelle eine Kunstpause ehe sie fortfuhr.
„… für dich werde ich eine seltene Ausnahme machen!", endete sie und streckte ihm ihre Hand aus. Max ergriff diese und schüttelte sie. Aisha sah ihn einen langen Moment an, dann trat sie bis direkt vor ihn und hauchte ihn einen leichten Kuss auf die Lippen.
Jedoch noch ehe er einen Arm um sie legen konnte, hatte sie sich bereits von ihm gelöst und war an ihm vorbei durchs Tor gegangen. Über die Schulter sagte sie noch: „Ich werde jetzt trotzdem zurück nach Hogsmeade gehen, wenn du willst darfst du mich aber zum Lernen in die Bibliothek begleiten." Mit diesen Worten lief sie los, einige Sekunden später folgte Max ihr und holte sie schnell ein.
Gemeinsam verschwanden sie wenige Minuten später im Schloss.
Kapitel 206
Nach dem Frühstück sagte Lira zu John: „Ich werde mich jetzt mit Mulciber treffen und ihn einiges fragen, was ich wissen muss um hoffentlich bald diesen Deal beenden zu können." John sah zwar nicht besonders glücklich aus, doch er nickte und bat sie ihm Anschluss zu ihm in die Bibliothek zu kommen. Er umarmte sie noch und gab ihr einen Kuss, dann lief er die Marmortreppen hoch. Sie sah ihm sehnsüchtig nach und wandte sich dann um. Wenige Meter vor ihr stand der kräftige finster dreinblickende Junge wegen dem sie jetzt nicht bei ihrem Freund sein konnte.
„Hast du dich endlich von ihm verabschiedet, dann lass uns raus gehen, ich will das hier so schnell wie möglich hinter mich bringen!" Seine Stimme war kühl und gelangweilt als ob es nichts nervigeres gab als das worum er sie doch vor fast eineinhalb Monaten gebeten hatte und eben gerade (vor dem Frühstück) so aggressiv erinnert hatte. „Komm mit!", befahl er und marschierte los. Sie ballte kurz die Hände zu Fäusten und rannte ihm dann hinterher. Bei der Weide stoppten sie und er begann einige Zauber zu wirken. Wahrscheinlich um weder gesehen noch gehört zu werden. Im Anschluss wandte er sich an sie und forderte sie mit verschränkten Armen dazu auf ihre Fragen zu stellen.
Sie musterte ihn zunächst einige Sekunden und versuchte sich auch nur im entferntesten vorzustellen, wie dieser durch und durch boshafte Junge in der Lage sein sollte so etwas wie Liebe für irgendjemanden zu empfinden. Sie scheiterte jämmerlich bei diesem Unterfangen, deshalb auch mit einem persönlichen Interesse fragte sie nun: „Wie hast du dich in Jessica verliebt?"
Mulcibers Augen verengten sich und sie sah an seinem angespannten Arm, wie er sich zusammenreißen musste ihr nicht irgendeinen fiesen Fluch aufzuhalsen. Sie hielt nur mit Mühe den Augenkontakt, er sah sie nämlich so an als ob er sie am liebsten auf der Stelle umbringen würde. „Warum willst du das wissen?", fragte ihr Gegenüber schließlich mit einer sehr leicht zitternder Stimme. Lira atmete tief durch, dann trat sie bis direkt vor ihn und stemmte ihm ihren Zeigefinger in die Brust und begann bedrohlich zu sprechen: „Du hast mich bedroht, Du hast mir wehgetan, Du hast mich um Hilfe gebeten, nur weil du anscheinend nicht selbst in der Lage bist einem Mädchen näher zu kommen. Also wirst Du mir jetzt gefälligst auch meine Fragen ehrlich und direkt beantworten ohne mir blöd zu kommen, klar?" Zum Ende hin war sie immer lauter geworden, bis sie ihn fast anschrie. Sie wusste nicht woher sie auf einmal den Mut nahm so mit dem gefürchtetsten Jungen aus ganz Hogwarts umzugehen, doch vielleicht war dies genau die Art mit der man mit ihm umgehen musste, wenn man Respekt erwartete.
Sie schien ihn in jeden Fall beeindruckt zu haben, denn er nickte nur und drehte sich dann weg von ihr. Einige Augenblicke vergingen in dem sich Liras Atem wieder beruhigte. Dann schließlich begann Mulciber zu erzählen.
Kapitel 207
„Es ist seltsam darüber zu sprechen, doch ich muss dir oder besser gesagt deiner Vernunft wohl vertrauen … Wag es also ja nicht darüber mit irgendwem zu sprechen!" Er erwartete keine Reaktion von ihr und sprach nach einigen Sekunden direkt weiter. „Vor ungefähr einem halben Jahr, also im letzten Dezember, ich glaube es war der Dreizehnte oder Vierzehnte!?" Er überlegte kurz, sagte dann aber: „Ach ist ja auch egal, wichtig ist, dass ich gerade vom Slytheringemeinschaftsraum unterwegs zum Abendessen war, als ich sie in einem leeren Kerkerraum habe trainieren sehen." Er machte eine kurze Pause und sagte dann: „Sie hat eine Art Kampfsport der Muggle trainiert, zumindest glaube ich das, denn ich habe ihr nur einen verächtlichen Blick zugeworfen und bin weitergegangen, doch später habe ich festgestellt, dass dies wahrscheinlich der Zeitpunkt gewesen sein musste, wo ich angefangen habe in ihr mehr zu sehen."
Lira wartete ob er fortfahren würde, doch das tat er nicht. Also hackte sie nach und fragte, warum er ihr einen verächtlichen Blick zugeworfen hatte.
Mulciber antwortete ohne eine Sekunde zu zögern: „Warum sollte eine Hexe mit den Fäusten kämpfen, so wie primitive Muggle, das ist erbärmlich!" Lira nickte, sie hatte eine solche Antwort erwartet. Sie sagte nun: „Erzähle mir mehr und detaillierter wie sich die ersten Gefühle für sie bei dir entwickelt haben, wann war der erste Moment wo du dir selbst gegenüber eingestanden hast in sie verliebt zu sein?"
Mulciber sah immer noch auf den See, kurz ließ er sich Zeit, dann fing er erneut an zu erzählen: „Es war langsam und schnell zugleich, ich meine die ersten sechs Wochen habe ich gar nicht wirklich irgendetwas gespürt. Sie ist mir nur immer wieder aufgefallen und ich würde im Nachhinein sagen, dass ich angefangen habe sie zu beobachten." Er stoppte kurz und fuhr dann mit mehr Härte in der Stimme fort: „Ich hätte mich schon damals in Behandlung geben müssen, jemanden auf diese Art und Weise interessant zu finden oder auch nur mehr Aufmerksamkeit als nötig zu geben ist schlecht und behindert das Urteilsvermögen!" Lira musste nun leicht lachen, dies brachte Mulciber dazu sich mit erhobener Faust umzudrehen und sie anzufahren: „Lachst du etwa über mich, wie kannst du es wagen, ich …" Sie sollte jetzt eigentlich Angst haben, doch sie musste nur noch heftiger Lachen. Bald schon tat ihr Bauch schrecklich weh, mühsam zwang sie sich dazu wieder aufzuhören und ihn halbwegs ernst anzuschauen.
Lira sagte breit grinsend: „Okay, du hast dich also relativ schnell in sie verliebt, wenn du dich ihretwegen schon in Behandlung geben lassen willst." Mulciber griff nach seinem Zauberstab und richtete ihn direkt auf ihr Herz. Dann sagte er bedrohlich leise: „Noch ein falsches Wort und ich werde dich hier und jetzt töten!" Lira lächelte und sagte selbstbewusst aber mit, vor Angst laut pochendem Herzen: „Töte mich ruhig, aber dann wirst du definitiv für alle Zeiten ein Feigling bleiben, genauso wie du es jetzt bist."
Er sah sie fassungslos und mit zu Schlitzen verengten Augen an. „Du hast mich gerade einen Feigling genannt …", murmelte er leise vor sich hin. Sie nickte bestätigend und spezifizierte: „Zumindest was deine eigenen Gefühle anbelangt mangelt es dir ganz klar an Mut!"
Kapitel 208
Lira gab ihn einige Moment Zeit, dann sagte sie: „Senke deinen Zauberstab und erzähl mir mehr, ich will alles wissen, dann kann ich dir vielleicht helfen!" Mulciber hielt seinen Stab noch einige Sekunden auf ihre Brust gerichtet, dann steckte er ihn wütend weg und drehte sich wieder zum See um. In einer aggressiven Art und Weise sagte er: „Du musst mir helfen, sonst stirbst du am Ende doch noch …"
Lira befürchtete dies könnte durchaus passieren, so wie sie ihn in den letzten Zehn Minuten gereizt hatte. Äußerlich reagierte sie gelassener als sie sich in Wirklichkeit fühlte: „Ja, ja und nun sprich!" Er ballte seine Fäuste und fuhr mit seiner Erzählung fort: „Von diesem Tag im Dezember an habe ich also angefangen sie zu beobachten, zumindest ein Wenig … Ich konnte das nicht so viel tun, sonst wäre das ja aufgefallen und das durfte auf keinen Fall passieren. Irgendwann im Februar habe ich dann zum ersten Mal darüber nachgedacht, warum ich mich die letzten zwei Monate so merkwürdig verhalten habe. Als mir dieses Mädchen als möglicher Grund in den Sinn kam, habe ich darüber nachgedacht sie aus dem Weg zu räumen und das ganze wie einen Unfall aussehen zu lassen, doch ich habe es nichts fertig gebracht sie zu töten, ich konnte es einfach nicht …" Lira sah ihn entsetzt an, er hatte sie töten wollen? Eine kleine Stimme in ihrem Kopf erinnerte sie daran, dass sie in der ersten Märzwoche bei ihrer Begegnung mit John in der Eingangshalle gedacht hatte, sie müsse ihm irgendeinem Fluch aufhalsen, damit er nie wieder würde lächeln können und das nur weil er sie nervös gemacht hatte. Sie wollte gerade etwas sagen von wegen: „Ich kann dich auf eine gewisse Art verstehen, aber …", da fuhr Mulciber auch schon fort: „Ich habe darüber nachgedacht einen meiner Freunde zu bitten sie für mich zu töten, doch auch dass habe ich nie getan. Avery hätte es sicherlich ohne zu zögern erledigt, doch ich konnte ihn nicht darum bitten …"
Lira war erstaunt darüber wie sich Mulciber ihr gegenüber gerade geöffnet hatte, sie war sich sicher, dass nicht einmal seine engsten Freunde davon wussten. Sie räusperte sich nun und fragte in ihrer normalen Stimmlage: „Wie fühlst du gerade jetzt für Jessica?"
Kapitel 209
Mulciber ballte seine Fäuste und frage gereizt: „Du willst wirklich das ich ausspreche, was ich für diese kleine …", er beendete seinen Satz nicht und drehte sich zu Lira um. Sie nickte und sah ihm dabei fest und ohne zu Zwinkern in die Augen. So ruhig zu bleiben war ganz schön schwierig, doch bisher hatte diese Herangehensweise gut funktioniert.
Mulciber schwieg kurz, dann antwortete er: „Ich empfinde ihr gegenüber ein Haufen merkwürdiger sanfter und liebevolle Gefühle. Sachen wie Umarmungen die mir eigentlich immer zuwider waren, stelle ich mir nun manchmal mit ihr vor. Auch habe ich mir schon ein paar Mal überlegt wie es wohl wäre sie zu küssen. Und …" Bevor er weitersprach zögerte er kurz: „… bei einem nächtlichen Rundgang habe ich letztens in den Spiegel Nerhegeb geschaut und mich selbst an ihrer Seite gesehen. Wir standen am Rand eines Sees und haben Hände gehalten…" Er fluchte an dieser Stelle und erzählte dann, was er früher im Spiegel gesehen hatte (Sich selbst an Voldemorts Seite wie sie gemeinsam den stärksten Widersacher, Professor Dumbledore besiegten).
Lira zögerte, das was sie jetzt von ihm verlangen würde, würde ihm bestimmt sehr schwer fallen, doch da musste er durch. Sie begann: „Nehmen wir für den Moment an du wärst schon ein paar Mal mit ihr ausgegangen und allgemein würdet ihr euch gut verstehen, okay?" Mulciber nickte nur, also fuhr sie fort: „Sie ist ein Muggle, dass weißt du ja …" Er nickte wieder. Lira fuhr fort: „Ich kenne sie nicht wirklich gut, aber soweit ich das beurteilen kann ist sie eher tolerant und passiv gegenüber den meisten Menschen, du hast sie ja selbst diesen Mugglekampfsport trainieren sehen …" Wieder ein Nicken. Lira endete: „Wenn sie sich nun also von dir wünschen sollte, dass du dich von der dunklen Seite der Magie, von Voldemort und seiner Ideologie lossagst, würdest du das dann tun?"
Kapitel 210
Mulciber hörte und verstand ihre Worte, doch er hatte keine Ahnung was er auf sie antworten sollte. Obwohl es im Prinzip klar sein sollte, immerhin war sein Vater einer der engsten Gefolgsleute vom Dunklen Lord. Er hatte ihm zwar nie offiziell die Treue geschworen, doch nur weil er noch nicht mit seiner Schullaufbahn fertig war. Der Beitritt in den heiligen Kreis seiner herrlichen Armee war bereits seit seiner Geburt auf den Tag nach seiner letzten Rückkehr aus Hogwarts datiert. Er verehrte und bewunderte seine Taten und Ideen, deshalb musste er jetzt auch zu ihm stehen und sich für ihn und gegen dieses verdammte Mädchen entscheiden.
Er öffnete den Mund und wollte gerade den Buchstaben ‚N' formen, als er sich an etwas erinnerte, was vor gut zwei Monaten passiert war.
Mit seiner üblichen grimmigen Stimmung stapfte Mulciber zornig die Treppen in seinen Gemeinschaftsraum hinunter und hätte am liebsten links und rechts gegen die Wände geschlagen. Er hasste die Welt und alles was ihm in dieser auf den Senkel ging. Gerade waren das die Lehrer die ihn mit unnötigen Hausaufgaben nervten …
Er war gerade am Fuß der Treppe angekommen, da stieß er zu allem Überfluss auch noch auf die eine Person die er gleichzeitig am meisten hasste und an der ihm auch am meisten lag. „Guten Morgen!", murmelte Jessica und lächelte ihn kurz an, eher sie an ihm vorbei und hoch zu ihrem Schlafsaal ging.
Es war das erste und einzige Mal gewesen, dass sie ihn angelächelt hatte. Diese Erinnerung brachte ihn nun dazu seinen Mund wieder zu schließen. Ihr Lächeln hatte etwas besonderes an sich, dass musste er schon zugeben, doch seine Familie, seine Ehre und Überzeugungen …
Du hast deine Ehre ehe schon in dem Moment verloren indem du dir zum ersten Mal vorgestellt hast sie zu küssen, jetzt kannst du auch noch den Rest zertreten und dich ganz von deiner Vergangenheit abwenden! (Das war sein Unterbewusstsein!)
Du hast monatelang so getan als ob du noch irgendetwas wert wärst, dabei hast deinen Wert in dem Moment verloren indem du angefangen hast einen ‚Muggle' mit diesen speziellen Gedanken im Kopf zu beobachten! (Das klang ganz nach seiner Mutter!)
Du bist eine Schande für die gesamte Familie und solltest dich am besten sofort selbst umbringen. Das wäre das einzige, was du noch sinnvolles für uns tun kannst! (Und das war sein Vater!)
Er zog seinen Zauberstab und richtete ihn an seine eigene Schläfe. „Avada Keda…", fing er an mit tonloser kalter Stimme zu sprechen.
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Lira sah ihn mit weit aufgerissenen Augen entsetzt an, er würde sich doch nicht selbst töten wollen. Doch genau so sah es aus, sie musste etwas tun und zwar genau jetzt. Sie stürmte auf ihn zu, entriss ihm seinen Zauberstab und schleuderte ihn weit weg. „…vra!", endete Mulciber und sackte zu Boden.
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Er fühlte den feuchten Untergrund durch seine Hose und sofort fragte er sich: Warum lebe ich noch, ich habe doch … Er sah auf und in Liras zorniges Gesicht. Sie schrie ihn an: „Wie kannst du es wagen? Ich sollte sofort zu Dumbledore gehen und ihm erzählen, dass du einen unverzeihlichen Zauber gewirkt hast, du du du …" Sie fand scheinbar nicht die richtigen Worte um ihre Wut auszudrücken. Mulciber wusste nicht was er denken oder fühlen sollte. Sie hatte ihm gerade sein Leben gerettet indem sie ihn davon abgehalten hatte sich selbst umzubringen. Warum hatte sie das getan? „Warum …?", fragte er entsprechend und sah sie verzweifelt an. „Warum hast du mich gerettet?"
Lira brauchte einige Sekunden um wieder sprechen zu können, doch dann sagte sie: „Weil ich nicht will, dass du dich selbst tötest, außerdem haben wir einen Deal und ich habe ehrliche Gefühle bei dir gesehen, wenn es eine Chance gibt und Jessica sich auch in dich verlieben sollte, würde ich euch gerne glücklich zusammen sehen!" Mulciber nickte und flüsterte leise: „Jessica …"
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Eine Weile passierte nichts und keiner der beiden bewegte sich. Er blieb am Boden knien und sie starrte ihn weiterhin halb entsetzt halb unsicher an. Was würde als nächstes geschehen?
Nach knapp zehn Minuten murmelte Mulciber erneut „Jessica …" und weitere zehn Minuten (inzwischen taten seine Beine aufgrund der unveränderten Haltung heftig weh) sagte er leise, mehr zu sich selbst als zu irgendjemand anderen: „Ich habe mich für dich entschieden, selbst wenn es vielleicht dumm war, ich stehe dazu! Jessica, ich liebe dich und …", er machte eine kurze Pause, dann fuhr er mit geschlossenen Augen fort: „… ich schwöre dir, dass ich dich immer lieben werde und dich vor allem physischen und psychischen Schaden beschützen werde. So lange ich atme soll niemand die Leid zufügen, und wenn es jemand trotzdem wagt, werde ich ihn jagen und bestrafen egal wer auch immer es sein mag."
Jessica betrachtete ihn mit Überraschung, war das wirklich der Mulciber den sie in den letzten Jahren kennengelernt hatte? Einige kurze Augenblicke blieb er noch knien, dann stand er wieder auf und wandte sich an Lira: „Ich warne dich, erzähl niemanden von dem was gerade passiert ist, nicht einmal zu Jessica, wenn sie wieder gesund ist. Ich werde ihr allerhöchstens davon erzählen, klar?" Sie nickte, zumindest in mancherlei Hinsicht hatte er sich wohl nicht verändert.
Mulciber sah sich um und ging dann zu seinem Zauberstab. Er bückte sich und zerbrach ihn dann ohne auch nur den Hauch einer Sekunde zu zögern. Er zerbrach ihn nicht nur in zwei Teile sondern so oft wie es nur ging. Anschließend bat er sie die Reste zu verbrennen.
Lira war zwar nicht sicher warum er ihn zerstört hatte, tat ihm aber diesen Gefallen und fragte dann: „Ist unser Deal jetzt etwa beendet?" Mulciber schüttelte den Kopf: „Auf keinen Fall, erst wenn Jessica meine feste Freundin ist oder ich oder sie nicht länger lebe."
Lira nickte und blieb noch kurz stehen, dann machte sie sich auf den Rückweg zum Schloss.
