Kapitel 2 - Eine wichtige Beobachtung

Nach einiger Zeit hatte sich der Tumult draußen gelegt. Das lag jedoch nicht daran, daß die Lage unter Kontrolle gebracht wurde, nein: Es war keiner mehr da ! Innerhalb von 10 Minuten nachdem das Dunkle Mal am Himmel gesichtet wurde, waren sämtliche Mitarbeiter aus dem Gebäude gerannt, geflogen oder appariert. Ich dagegen saß in einem Fahrstuhl fest und bekam von der Aktion draußen wenig mit. Ich merkte nur nach einiger Zeit, daß es stickig, sogar rauchig wurde.
"Ein Feuer ?", dachte ich entsetzt, "Brennt es ?"
Der Qualm drang durch den Schlitz zwischen den Schiebetüren und durch eine Lüftungsöffnung in die Kabine und meine Lage wurde immer brenzliger.
"Tu was !", feuerte ich mich an. "Du bist ein Zauberer. Und ein Auror. Du hast jede Lage unter Kontrolle. Kein Problem für dich !"
Doch im Apparieren war ich nie besonders gut gewesen und ich hatte niemals eine Erlaubnis dafür gekriegt, nachdem ich bei der Prüfung in der Wand zwischen Herren- und Damentoilette des Ministeriums stecken geblieben war.
Ich wollte garnicht zur Damentoilette, ehrlich ! Aber wenn man an einer Stelle landet, die man garnicht erreichen wollte (oder in der Nähe), macht das alles nur noch schlimmer... Folglich hatte ich nun, in meiner problematischen Lage, Angst, meine Apparierkenntnisse zusammenzukratzen und einen verzweifelten (letzten) Rettungsversuch zu unternehmen. Nein, das musste auch anders zu lösen sein. Der Rauch wurde immer schlimmer. Es muss auuuch aaaandeeers zuuuu lööööseennn seiiii...
Dann wurde mir schwarz vor Augen. Ich glaube, ich war in Ohnmacht gefallen. Doch was dann genau geschah, weiß ich bis heute nicht genau...

... es ist qualmig in der engen Kabine des Fahrstuhls und ich liege auf dem Boden. Ich bin wahrscheinlich ohnmächtig. Plötzlich klappen die Wände des Fahrstuhls auf und geben den Blick in die weite Eingangshalle im Erdgeschoß frei. Niemand ist zu sehen. Halt ! Dort stehen zwei Menschen in der Ecke. Sie sind maskiert.

I: Es sind Todesser.
H: He ! Wer spricht da ?
I: Ich bin dein Instinkt, Herbert.
H: Und was tust du hier ?
I: Ich sorge dafür, daß die Leser den Handlungsstrang nachvollziehen können.
H: Da kann ich ganz gut selber für sorgen !
I: Ich fürchte, das kannst du nicht. Die Leser verstehen nichts. Schreib nicht so schnell.
H: Misch dich nicht in mein Abenteuer ein !
I: OK, OK, schon gut. Ich wollte ja nur helfen...
H: Nicht nötig.
I: Können wir jetzt weiter machen ?
H: Gerne.

Die beiden Menschen schauen in meine Richtung. Sie kommen auf mich zu. Nein ! Falsch. Ich komme auf sie zu. Denn ich schwebe auf unerklärliche Weise langsam durch die Luft, immer dicht am Boden entlang.
Oder schleife ich noch auf dem Boden ? Ich will den Kopf drehen, um das zu prüfen, doch er dreht sich nicht. Ich kann den Kopf nicht bewegen. Klar, denn ich bin ohnmächtig. Mittlerweile liege ich vor den beiden Todessern und sie beugen sich über mich.
Der eine sagt etwas. Ich kann es undeutlich verstehen: "Da ist ja doch noch einer übrig geblieben. Er wollte sich im Fahrstuhl verstecken, haha !"
Aus einer für mich nicht sichtbaren Richtung ruft eine dritte Person: "Hier is´ auch noch einer. Hat sich mit ´nem Nackte Hexen Magazin auf ´m Klo verkrochen. Sonst is´ das Gebäude leer."
Jemand schwebt auf den Boden neben mir. Er ist ebenfalls ohnmächtig. Die beiden Männer gehen nun in Richtung des Dritten.
"Dann lasst uns anfangen !", sagt der Erste.
"Ok, los geht's.", antwortet ihm eine Stimme, die ich noch nicht gehört habe. Dann werden die Schritte immer leiser.
Ich will den Männern nachschauen, doch mein Kopf lässt sich noch immer nicht bewegen. Stattdessen juckt mich etwas an der Nase. Es ist Staub, der mir in die Nase wirbelt. Denn Wind kommt durch die Haupteingangstür. Ich will mich kratzen. Doch mein Arm macht nicht mit.
Eine ganze Weile geschieht nichts und ich liege regungslos auf dem Boden und das Jucken wird immer schlimmer. Der ganze Boden ist voller Staub.
Dann kommen irgendwann die Männer wieder. Doch sie bleiben in meinem Rücken und kommen nicht in mein Blickfeld.
"Wo verstecken wir das Ding ?", fragt der Erste.
"Keine Ahnung.", meint der Dritte.
Kurze Pause. Die Männer gehen im Raum herum und treten dabei ab und zu in mein Blickfeld. Sie suchen Schränke, Tische und Regale ab. Was wollen sie verstecken ?
"Hier ist ein schönes Plätzchen für das Ding !", ruft einer der Drei irgendwo hinter mir. Die beiden anderen schauen auf und gehen zu ihm.
"Ja. Hier können wir es anbringen.", sagt einer.
"Gute Idee.", stimmt der andere zu.
"Soll ich das mal übernehmen ?", fragt der Erste.
Dann raschelt etwas und ich höre seltsame Geräusche.
Wenn ich mich doch nur umdrehen könnte. Oder mich wenigstens kratzen. Und der Staub setzt mir auch immer mehr zu. Er wird immer häufiger aufgewirbelt und steigt mir in die Nase.
Dann geschieht etwas Seltsames. Vielleicht liegt es an meiner Eigenschaft als Zauberer; denn obwohl ich ohnmächtig und regungslos bin, hält meine Nase den Juckreiz nicht mehr aus: Ich niese. Und wie ich niese ! Es ist ein so gewaltiger Nieser, das ich davon ein Stückchen hochgeschleudert werde, mich in der Luft drehe - und plötzlich in die andere Richtung schaue. Zugegeben : Die Landung ist sehr unsanft, denn ich habe keine Möglichkeit, sie mit den Armen oder Beinen abzufangen. Doch dafür kann ich nun in die Richtung der Todesser schauen, die ebenfalls entsetzt in meine Richtung starren.
"Er hat geniest !", staunt der Erste.
"Das ist seltsam.", meint der Zweite.
"Er ist wach !", sagt wieder der Erste.
"Nein, das kann nicht sein. Ich habe nur das beste Rauchpulver benutzt. Er ist noch etwa 3 Stunden bewusstlos."
"Und wieso kann er dann niesen ?"
"Wer sagt, daß Bewusstlose nicht niesen können ?"
"Wir sollten ´n sowieso töten !", mischt sich der Dritte ein.
"Du weißt, was der Boss gesagt hat. Keine Toten ! Das ganze muss unauffällig bleiben. Es soll wie ein harmloser Brand aussehen !", sagt der Erste.
"Und warum haste dann das Mal an ´n Himmel gezaubert ?", fragt der Dritte aufgebracht.
Der Erste zögert. "Naja, ich - ähem - ich konnte einfach nicht anders."
"Ach.", meint der Dritte zum Zweiten. "Er konnte nicht anders. Is´ ja ´n toller Anführer !"
"Jetzt hör auf !", verteidigt sich der Erste. "Wir sollten fertig werden."
"Dann stell´ das Ding endlich dorthin.", schimpft der Dritte.
Und diesmal kann ich sehen, was gemeint war: Sie haben einen Pokal aus dem Pokalschrank genommen und ihn auf den Schreibtisch gestellt. Nun legen sie einen Gegenstand hinein. Ich erkenne den Gegenstand: Es ist ein Portschloss.

Ein Portschloss erleichtert den Transport von Personen mithilfe eines komplizierten Portschlüsselsystems, welches den gleichzeitigen Transport von bis zu 20 Personen von verschiedenen Orten zu einem gemeinsamen Ziel ermöglicht. Ein Portschloss wird an einem Ort plaziert und die ankommenden Personen landen in einem Umkreis von 50 Metern um den Gegenstand herum. Und das Beste: Die Personen können sich noch im Flug aussuchen, wo genau sie landen möchten. Das alles ist sehr kompliziert und gefährlich und ich habe es noch nie ausprobiert und kann daher nichts über die magischen Details erzählen. In jedem Fall würde dieses Portschloss den drei Todessern und ihresgleichen helfen, zu jeder beliebigen Zeit irgendwo hier im Ministerium unbemerkt zu erscheinen und jede Menge Unheil zu stiften. Wenn nicht jemand das Portschloss finden würde. Aber der Pokalschrank ist der beste Ort, um etwas zu verstecken, was niemand finden solle. Denn die Pokale sind allesamt viele Jahrhunderte alt und es kommen keine neuen mehr hinzu. Reinigen würde sie auch niemand, sie werden nicht einmal beachtet. Glücklicherweise habe ich alles beobachtet.
Aber warum habe ich eigentlich all dies beobachten können - wenn ich doch angeblich bewusstlos bin ?
Mein Körper ist ohnmächtig.
Aber trotz allem kann ich denken.
Das war auf keinen Fall von den Todessern eingeplant gewesen ! Ob mein Nebenmann auch denken kann ? Doch noch andere Gedanken quälen mich: Werden die drei Todesser uns töten ? Oder quälen ?

Währenddessen haben die Todesser ihre Arbeit erledigt und scheinen gehen zu wollen. Sie kommen auf meinen bewusstlosen Körper zu und bleiben noch einmal stehen.
"Wollen wir sie wirklich hier liegen lassen ?", fragt der Erste.
"Wir können Sie wieder dorthin schicken, wo wir sie gefunden haben.", antwortet der Zweite.
"Ich mach´ das.", schlägt der Dritte vor und schon fliege ich langsam in Richtung Fahrstuhl. Das hat mir gerade noch gefehlt ! Ich mache einen Salto in der Luft.
Während das mit mir geschieht, sagt der Dritte noch : "Seht ihr: Er ist noch bewusstlos ! Ich hab´ die volle Kontrolle über ihn. Ich kann ihn auch gegen die Wand klatsch´n -"
"Lass das jetzt.", wird der Dritte vom Ersten unterbrochen. "Wir sind nicht zum Vergnügen hier. Ein anderes Mal vielleicht. Komm endlich. Es ist schon spät geworden, die Zeitsperre hebt sich gleich auf."
Und dann verschwinden die drei und ich sehe garnichts davon, weil ich mittlerweile wieder in meiner Kabine liege und die Wände hochklappen. Um mich herum lodern Flammen, und ich will um Hilfe rufen, doch mein Mund gehorcht mir nicht. Ich bin noch immer ohnmächtig. Schließlich wird mir schwarz vor Augen und innerhalb von Sekunden bin ich nicht nur ohnmächtig sondern auch wieder bewusstlos. Oder so.

Nachwort:

Erstens: Dieses Kapitel ist kürzer als das Erste und mir fällt nicht ein, wie ich es künstlich in die Länge ziehen könnte. Es stellt also eine Art Übergang von der Einführung (Exposition !!) zur eigentlichen Handlung dar.
Zweitens: Vielleicht habt ihr euch gewundert, als die Hauptfigur plötzlich aus dem narrativen Raum-Zeit-Kontinuum ausbricht, um sich von inneren Stimmen zurechtweisen zu lassen, was die Verständlichkeit seiner Handlung angeht. Tut mir leid, wenn ihr das nicht so lustig findet wie ich. Aber es kommt wahrscheinlich noch öfter vor.