Kapitel IV: Snape geht baden

Als sie Snape unten wieder aus den Brombeerbüschen befreit hatten ("Gottseidank ist dem Fahrrad nichts passiert!" sagte Lupin), und Snape es noch einmal ordentlich bereut hatte, doch keine fünf Roben mitgenommen zu haben, überquerten sie mit Hagrids Hilfe den See und waren, ehe sie sich's versahen, schon auf ihrer Route den Fluss entlang. Snape musste zugeben, dass die Gegend doch ganz hübsch war. Sein Fahrrad hatte er jetzt auch einigermaßen unter Kontrolle, und die ersten 2 Kilometer über fand er nichts, worüber er sich hätte beschweren können. Das änderte sich rasch, als er nach einem Seitenblick über die Landschaft wieder nach vorne schaute und so heftig bremsen musste, dass er fast vornüber vom Rad flog.

"Was soll das?!" schnauzte er Lupin an, der mitten auf dem Weg stehen geblieben war, aber der kümmerte sich gar nicht um ihn.

"Minerva ist weg", sagte er.

"Oh, großartig", stöhnte Snape. Grade mal eine Viertelstunde waren sie unterwegs, und schon schaffte Minerva es, verloren zu gehen. "Sollten wir sie dann nicht suchen?", fügte er genervt hinzu.

"Nicht nötig", meinte Lupin. Offenbar hörte/sah/roch er etwas, das Snape entging, denn er blickte angestrengt in die Richtung aus der sie gekommen waren. 'Radtour mit Werwölfen - buchen Sie jetzt!' dachte Snape sarkastisch. 'Sie merken es sofort, wenn jemand fehlt, meinen aber, es reicht wenn sie nur in eine Richtung starren und geheimnisvoll tun.'

"Vielleicht ist sie in den Fluss gefa-", setzte er an, aber da rief hinter ihm jemand "Juhuuu!", und als er sich umdrehte, sah er Minerva heranradeln, die eine Hand am Lenker und in der anderen ihr Häubchen schwenkend.

"Ich hab uns ein paar Beeren gepflückt!", erklärte sie, als sie näher kam. "Brombeeren! Sie sind zwar noch nicht ganz reif, aber man kann sie bestimmt schon essen!"

"Das ist reizend, Minerva", sagte Lupin. "Aber vielleicht sagen Sie das nächste Mal kurz Bescheid. Wir wollen Sie ja nicht verlieren!"

"Oh, natürlich!" sagte Minerva und stopfte sich ein paar Beeren in den Mund. Snape und Lupin wurden auch genötigt, welche zu essen (sie schmeckten unerträglich sauer und Snape spotzte seine heimlich ins Gras), dann verstaute Lupin die Haube für Minerva in ihrem Rucksack und weiter ging es.

Nach weiteren 2 Kilometern begann Snape, die Stechmücken zu bemerken, und zwar nicht, weil sie ihn stachen, sondern weil sie ihm zahlreich in den Mund flogen.

"Blärch! Igitt!", machte er und spuckte wie wild in der Gegend herum. Darum fuhr er geradewegs in den nächsten großen Schwarm hinein, und weil sein Mund noch zum Spucken geöffnet war, empfanden etwa 20 Mücken dies als eine Einladung, die sie unmöglich abschlagen konnten.

"IGITT!", schrie Snape, wedelte wild mit den Händen, spotzte was das Zeug hielt und fuhr freihändig und mit zusammengekniffenen Augen mitten in den Fluss hinein.

"ARGH!", prustete er, als er bäuchlings ins Wasser fiel. Der Fluss war nicht tief, zumindest am Ufer nicht, dafür aber sehr schlammig, und da Snape mit den Armen, mit denen er den Sturz hatte abfangen wollen, im Morast abgerutscht war, zierte sein Gesicht nun eine großzügige Schlammpackung. Der Titel "Mister Moorleiche 2002" schien mehr denn je zuzutreffen.

Lupin und Minerva waren sofort zur Stelle ("Ein Glück dass Sie auf dem Bauch gelandet sind und der Rucksack nicht nass geworden ist!" sagte Lupin) und halfen ihm heraus. Dann musste er erstmal in die Büsche gehen und sich die zweite Garnitur seiner peinlichen Kluft anziehen. Das war auch gleichzeitig die letzte saubere. Das Gesicht wischte er sich mit ein paar Blättern einigermaßen sauber, während er ununterbrochen fluchte, dass sich die Balken bogen. Aber was nützte es?

Lupin hatte ihm derweilen die dreckigen Sachen in einer Tüte wieder in den Rucksack gestopft, und dann ging es auch schon weiter.

'Dämliche Stechmücken!', dachte Snape grimmig, während er hinter Lupin in die Pedale trat. 'Dämlicher Fluss, dämliche Frühjahrsmüdigkeit, dämlicher Lupin, dämliches ALLES!' Beinahe übersah er ein paar Wurzeln, die sich über den Weg schlängelten, aber er wich ihnen gerade noch rechtzeitig aus und versank dann für die nächsten 10 Kilometer in einem Tagtraum, in dem es keine Fahrräder gab, sondern nur ein großes, flauschiges, weiches Bett, in dem er so lange liegen bleiben konnte, wie er wollte, und wo Stechmückenschwärme und matschige Flussufer bloß ein böser Traum waren.