Kapitel XV: Daheim

Als hinter einem kleinen Waldstück endlich die Silhouette von Hogwarts auf einem Berg zu erkennen war, war totale Heimkehrstimmung angesagt.

"Auch schön, wieder heimzukommen, was, Mädels?", sagte Lupin etwas wehmütig. "Trotzdem schade. Grade jetzt, wo es richtig schön wurde... Es wird mir schon fehlen mit Ihnen."

"Mir auch", gestand Minerva. "Sie waren wirklich ein guter Teamchef, Lupin."

"Ach, sagen Sie doch nicht sowas", sagte Lupin und errötete.

"Keine falsche Bescheidenheit!", beharrte Minerva. "Sie waren äußerst fähig und freundlich!"

"Vielen Dank, Minerva", gab Lupin nach. "Wenn Sie das sagen..."

Snape, dem bei diesem Geplänkel fast das Kotzen kam, beeilte sich, ihnen ein Stück davonzufahren. Minerva sah ihm hinterher und schmunzelte zu Lupin hinüber.

"Er ist ja so schüchtern, was das Gefühle zeigen angeht. Ich bin sicher, er würde allem zustimmen was ich gesagt habe. Sie haben einen neuen Menschen aus ihm gemacht."

"Ach, Minerva!", entrüstete sich Lupin. "Das können Sie mir doch nicht zuschreiben, so etwas kann ich nun wirklich nicht..."

"Doch, doch! Sehen Sie sich ihn nur an wie er losgefahren ist, und wie er jetzt zurückkehrt! In ihm hat sich definitiv etwas verändert. Er hat ja schon den ganzen Tag gelächelt, ich hatte schon befürchtet dass er einen Krampf kriegt", sagte Minerva mit nachdenklichem Blick auf Snapes Rücken. "Sowas kommt nicht von ungefähr! Das hier hat ihm gut getan, und da das Ihre Idee war, ist das auch Ihr Verdienst!"

"Na, wenn Sie so logisch an die Sache herangehen, kann man Ihnen ja nur zustimmen", meinte Lupin lachend und übernahm wieder die Führungsposition.

Als Sie am See ankamen, wurden sie bereits von Hagrid erwartet ("Hat's Ihn' gefalln? Wollte ja auch mitkommen, aber Professor Dumbledore meinte, dass er nich auf mich verzichten kann. Wohl wahr, und die Räder wärn wohl auch n bisschen klein, nich wahr?"), der sie über den See brachte. Dann machten sie sich daran, ihre Räder den langen Burgberg hinaufzuschieben. Der Schweiß lief ihnen dabei in Strömen am ganzen Körper herunter, aber die Freude, heimzukehren, ließ sie das gar nicht bemerken (außer Snape).

"Das war schon ein Abenteuer, das ihr nicht so schnell vergessen werdet, stimmt's, Mädels?", fragte Lupin.

"Stimmt", antwortete Snape. Das würde ihn wahrscheinlich sein Leben lang verfolgen.

"Ja, da haben Sie recht", stimmte auch Minerva zu. "Wirklich ein Abenteuer."

"Aber ich kann es gar nicht oft genug sagen - Sie waren beide wunderbar!", erklärte Lupin ihnen zum zehnten Mal. "Es hat mir richtig Spaß gemacht, und ich hoffe, Ihnen auch!"

"Oh ja!" Minerva nickte eifrig. "Es war ein ganz tolles Erlebnis. Anstrengend, natürlich, aber ich hätte es um nichts in der Welt missen wollen! Eine ganz neue Erfahrung!"

"Und Sie?", wandte Lupin sich an Snape. "Sie sehen auch aus, als hätte es Ihnen ganz gut getan."

Snape blieb stehen. Die anderen taten es ihm nach und sahen ihn neugierig an. Snape räusperte sich. Dann sagte er langsam: "Ich muß Ihnen danken, Lupin. Durch diese Reise habe ich gewisse Dinge ... erst schätzen gelernt. Dinge, die man sonst für selbstverständlich hält. Ich glaube, ich habe mich selbst ein bißchen besser kennengelernt, wie ich bin - und wie ich nicht bin. Dafür haben Sie meinen Dank."

"Das haben Sie schön gesagt, Severus", strahlte Minerva, während Lupin nicht wusste wohin mit sich vor Rührung.

"Es ist die Wahrheit", sagte Snape. Dann setzten sie sich wieder in Bewegung und machten sich weiter auf den Weg nach oben.

"Daheim", stellte Lupin überflüssigerweise fest, als sie das Burgtor durchschritten und gleich ein paar Hauselfen angerannt kamen, um ihnen Gepäck und Räder abzunehmen. 'Endlich wieder Hogwarts-Service', dachte Snape entspannt und streckte seinen malträtierten Rücken.

Etwas unbeholfen standen sie alle Drei im Schlosshof herum. Schließlich streckte Lupin die Arme aus.

"Team Hug!", verkündete er fröhlich.

"Ach, nein", sagte Snape und machte sich auf den Weg zur Eingangstür.

"Muss nicht sein", sagte Minerva und folgte ihm.

Lupin ließ die Arme sinken und sah ihnen hinterher. Dann zuckte er mit den Schultern und machte sich in die andere Richtung auf, um bis zum Abendessen noch seinen Zauberstab zu polieren. Dafür war auf solchen Reisen ja nie Zeit...

ENDE