Kapitel 6: Wir glauben nur Lügen...
Mit vor Entsetzen geweiteten Augen sah der Graf auf die leblose Gestalt hinab, die schlaff in seinen Armen lag. Seine Brust hob und senkte sich unter seinen heftigen, abgehackten Atemzügen. Er wollte seinen rasenden Schmerz hinausschreien in die Nacht, aber kein Laut drang über seine Lippen. Minutenlang hielt er Elisabeth in den Armen, so wie sie gestorben war.
Eine Lähmung hatte ihn erfasst und er war unfähig die Wahrheit zu begreifen. Sein Verstand war benebelt, sein Geist so leer wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Doch mit dem Nachlassen der Lähmung, in die er bei ihrem Tod verfallen war, wurde er sich mehr und mehr bewusst, was er getan hatte.
Er presste ihren leblosen Körper fest an sich und vergrub das Gesicht in ihrem langen Haar, wiegte sie sanft vor und zurück, wie ein kleines Kind. Die rötlich gefärbten Tränen rannen unaufhaltsam über seine bleichen Wangen und verschwanden im Haar seiner Gattin.
„Es tut mir leid, Liebste", flüsterte er unter Tränen. „Es hätte nie geschehen dürfen. Verzeih mir! Ich habe das alles nicht gewollt."
Wie lange er dort im Gras saß und weinte, wusste er nicht. Es mochten nur einige Stunden gewesen sein, doch jeder Augenblick kam ihm vor wie eine Ewigkeit.
Aber während die Tränen irgendwann versiegten, merkte er eine neue Erkenntnis in sich heraufdämmern. Niemand durfte jemals erfahren, was in dieser Nacht geschehen war. Ihm schauderte bei der Vorstellung, wie vieler Lügen es bedürfen würde, das alles zu erklären, ohne ein Wort über die Wahrheit zu verlieren. Aber wenn es einen Weg gab, sich von diesem Fluch zu befreien, wie sollte er ihn finden, wenn das ganze Land die Wahrheit über seinen neue Exitenz herausfand? Würde der Mensch, der er gewesen war, in ihren Augen überhaupt noch zählen? Und wenn ein wütender Meute ihn jagte, würden sie dann vor Herbert haltmachen? Oder würden sie ihn als 'Sohn der Bestie' genauso jagen und töten wie ihn selbst? Graf von Krolock wollte es niemals herausfinden müssen. Um seiner eigenen Existenz willen und um das Lebens ihres Sohnes zu schützen, würde er Elisabeths Andenken mit einem Geflecht aus Lügen umgeben müssen. So sehr es ihn auch schmerzte, es schien keinen anderen Ausweg zu geben.
„Verzeih mir, Elisabeth", flüsterte er heiser. „Aber ich habe keine andere Wahl." Er strich über ihr fahles Gesicht und hauchte einen letzten Kuss auf ihre kalten Lippen.
„Vergib mir, Elisabeth, aber der Mann, den du geliebt hast, existiert nicht mehr." Er schluckte schwer. „Ich liebe dich... Ich werde dich immer lieben. Jede Stunde meines Lebens."
Er zog sie noch einmal fest an sich. Er wusste, dass dies der einzige wahre Abschied sein würde, der ihnen blieb. Alles was folgen mochte, würde nicht mehr so echt sein, wie dieser Moment voller entsetzlicher Reue und Schmerz. Alles was noch kam, würde immer Teil einer Lüge sein und deren Mal tragen. Der Augenblick mochte kommen, in dem sich Wahrheit und Täuschung so ineinander verflochten, dass sie nicht mehr voneinander zu unterscheiden waren.
Dann legte er sie vorsichtig ins Gras und zog seinen Mantel aus. Mit bebenden Fingern knüpfte er die Bänder des Hemdes wieder zusammen, die ihre Hände zuvor geöffnet hatten. Doch man sah, dass es hastig und mit fahrigen Händen geschehen war. Einer Eingebung folgend zerwühlte er sein Haar und lockerte Elisabeths Kleid. Er streifte seinen langen Samtmantel ab und hüllte sie darin ein, bevor er ihren Körper hochhob.
Ihr Kopf sank gegen seine Schulter, in einer Parodie der vertrauensvollen Geste, die ihr im Leben eigen gewesen war. Jeder, der ihn so mit ihr sah, würde sofort recht anzügliche Vermutungen darüber hegen, was dort draußen im Gras geschehen war. Und das sollten sie auch glauben. Er zählte in diesem Moment darauf, dass alle, die ihn jetzt mit ihr in den Armen sehen würden, genau das vermuteten, was in dieser Nacht nicht stattgefunden hatte.
Und tatsächlich, als er beklommenen Herzens das Tor passierte und in den Schlosshof trat, erntete er von einigen Soldaten schon fast wohlwollende Blicke. Ohne sich die Eile anmerken zu lassen, brachte er Elisabeth in ihre Gemächer. Behutsam legte er sie auf ihrem Bett ab und tauschte das dunkelgrüne Kleid gegen eines ihrer Nachthemden aus. Er zerwühlte die Laken und warf ihre Kleider zu Boden, um den Anschein der Achtlosigkeit zu erwecken. Auch sein eigenes Hemd ließ er zwischen den ihren zurück. Anschließend bettete er seine Frau in die Kissen und zog die Decken über ihren Körper, als wäre es noch nötig, sie vor der Kälte der Nacht zu schützen. Den Rest dieser Nacht verbrachte er wie betäubt an ihrer Seite und sann darüber, was nun weiter geschehen sollte.
Sein neugeborener Instinkt sagte ihm, dass der Sonnenaufgang unerbittlich näherkam und drängte ihn, sich vorher an einen sicheren Ort zu begeben. Doch gab es einen solchen innerhalb der Schlossmauern? Er wusste einen, er wollte nicht im Schloss sein müssen, wenn sie Elisabeth fanden. Was sollte geschehen wenn sie ihn suchen und finden würden, und merkten, dass... Nein. Er musste den Verdacht von sich ablenken, soweit das möglich war. Er ahnte, das ihm Schlimmeres als der Tod bevorstand, sollte es jemals ruchbar werden, was aus ihm geworden war – ein Monster, das seine eigene Frau auf dem Gewissen hatte.
Es waren noch etwa zwei Stunden, ehe die Sonne aufgehen würde, als er sich schließlich zu einem Entschluss durchrang. Ein letztes Mal beugte er sich über Elisabeth und küsste verzweifelt ihre kalten, bleichen Lippen. Ein letzter Kuss, der ihm für unbestimmte Zeit genug sein musste. Seine Finger strichen sanft über ihr helles Haar. Dann zog er vorsichtig die Bettvorhänge zu und streifte seinen dunklen Mantel über. Er knöpfte ihn jedoch nur nachlässig zu, um auch in das Bild zu passen, dass er in ihrem Gemach hinterließ. Er zog an der Kordel neben der Tür und trat aus Elisabeths Schlafgemach in ihren behaglichen Salon. Er musste nicht lange auf ihre Zofe warten. An der Art, in der ihr Blick kurz an seiner Brust hängen blieb, erkannte er, dass sein Plan funktionierte und ließ sie denken, was sie denken sollte.
„Ich möchte, dass man meine Gattin heute schlafen lässt, solange sie möchte. Sie hat eine anstrengende Zeit hinter sich. Sie bedarf der Ruhe."
Die Zofe versank in einem Knicks. „Natürlich, Eure Exzellenz. Wie Ihr befehlt."
Der Graf winkte sie davon und verließ kurz danach Elisabeths Gemächer und kehrte in die seinen zurück. Er suchte seine Reisekleidung zusammen und trat damit vor den großen Spiegel in seinem Ankleidezimmer. Er sollte dieses Mal dafür sorgen, das er einen vorzeigbaren Eindruck machte.
Aber als er in den Spiegel sah, gefror ihm schier das Blut in den Adern bei dem was er sah – oder vielmehr nicht sah.
Wo sein Spiegelbild hätte sein müssen war... nichts. Nichts als die Spiegelung des Raumes hinter ihm. Er konnte nicht einmal eine Reflektion der Kleidung erkennen, die er trug.
Ein eiskalter Schauer lief ihm über den Rücken. Gütiger Herr, sollte denn alles Wahrheit sein, was man sich über die Kreaturen der Finsternis erzählte?
Sie hatten kein Spiegelbild, sie jagten die Lebenden um ihres Blutes willen...
Wie viel von dem, was er stets für dumme Ammenmärchen gehalten hatte, mochte noch wahr sein? Hastig legte er die Reisekleidung an, wie er es ohne Spiegel vermochte und war dankbar dafür, dass seine Reitbekleidung einfach gehalten war.
Dann klingelte er nach einem Diener. Es dauerte nicht lange und der Mann betrat mit einem Kratzfuß den Raum.
„Sorge dafür, dass mein Pferd gesattelt wird. Ich habe zu tun und werde den ganzen Tag über fort sein. Außerdem wirst du dich unverzüglich zu meinem Sohn begeben und dir den Siegelring geben lassen. Ich benötige ihn."
„Wie Exzellenz wünschen."
„Das wäre alles, Darius. Du kannst gehen."
Der Diener murmelte ein weiteres, „Jawohl, Exzellenz", und verließ unter vielen weiteren Verbeugungen den Raum.
Während er auf die Rückkehr des Mannes wartete lief der Graf ungeduldig in seinem Salon auf und ab. Der Morgen kam immer näher und er würde Zeit brauchen, zu jener Ruine im Wald zu gelangen, in der er sich den Tag über zu verbergen gedachte, bis er eine bessere Lösung fand.
Endlich kehrte Darius zurück und übergab ihm den Ring. Graf von Krolock entließ ihn mit einer Geste. Er steckte den Ring wieder an seinen Finger und betrachtete ihn einige Herzschläge lang. So vieles war anders gewesen, als er diesen Ring zum letzten mal trug.
Doch dann besann er sich, der Morgen war nicht mehr weit. Es wurde Zeit, das Schloss zu verlassen.
Ohne erkennbare Hast verließ er seine Gemächer und lief in den Schlosshof hinunter. Dort wartete bereits der Stallbursche mit Mircea am Zügel auf ihn. Der Hengst schnaubte kurz als Graf von Krolock ihn berührte und warf den Kopf zur Seite.
„Ruhig, Mircea, alter Junge. Ich weiß, es ist noch früh am Tag, aber das ist doch sicher kein Grund gleich nervös zu werden." Der Graf klopfte ihm beruhigend den Hals. Die gewohnten Koseworte und die vertrauten Hände schienen das Tier sehr schnell wieder zu gewohnter Ruhe zu bringen.
„Na, siehst du? Kein Grund sich zu beunruhigen, mein Junge."
Während er sich mit dem Hengst beschäftigte, beobachtete Graf von Krolock den Stallburschen aus dem Augenwinkel. Dem schien nichts weiter aufgefallen zu sein. Nachdem er ihm dabei behilflich gewesen war aufzusteigen, schlurfte er müde in Richtung der Ställe davon.
Er trieb Mircea an und in schnellem Trab ging es zum Schlosstor hinaus. Das Tier gehorchte, wie gewohnt, aber dennoch war sich Seine Exzellenz sicher, das dem Hengst nicht entgangen war, das sein Reiter... anders war. Es lag an dem leisen Zögern mit dem der Hengst gehorchte. Ein ungewohntes Tänzeln hier, seine unruhige Reaktion auf ihn dort. Es machte ihn sicher, dass das Tier bemerkt hatte, was den Menschen bislang verborgen geblieben war.
Dankbar dafür, dass Hauptmann Albert gerade nicht zugegen war, um ihn mit einer weiteren Diskussion um seine Sicherheit noch weiter aufzuhalten, ließ er das Schloss rasch hinter sich.
So schnell er es bei der allmählich schwindenden Dunkelheit wagen konnte, trieb er Mircea weiter in Richtung der Ruine im Wald, während das drängende Gefühl, dass ihm die Zeit davonlief, immer drängender wurde. Schließlich lenkte der Graf sein Ross vom Weg ab. Ihr Ziel lag ein gutes Stück abseits der Wege. Auch musste er ihn jetzt, hier im dichten Unterholz langsamer gehen lassen, um zu vermeiden, dass das Tier sich verletzte, während alles in ihm ihn dazu trieb, Mircea so schnell laufen zu lassen, wie er es vermochte.
Als endlich das halb verfallene Gemäuer tief im Wald zwischen den dichten Baumreihen auftauchte, überlief ihn das Gefühl heftiger Erleichterung. Endlich! Jetzt mussten sie nur noch eine geeignete Stelle suchen, wo der Hengst den Tag verbringen konnte, ohne gefunden zu werden.
Als hätte er diesen Gedanken gehört, blieb Mircea unversehens ruckartig stehen und eine Art Dè já-vu überkam den Grafen. Sie waren noch etwa eine Viertelmeile von dem Gemäuer entfernt.
Seine Augen suchten die Gegend ab, doch er konnte nichts entdecken. Gleichwohl blieb Mircea stehen und weigerte sich, auch nur einen Fuß weiter in diese Richtung zu setzen.
Graf von Krolock seufzte. Vielleicht war dem Tier das alte Gemäuer nicht geheuer. Es hatte einen so schlechten Ruf, dass ihn das Zögern des Tieres nicht überraschte.
Er seufzte und lenkte Mircea in eine andere Richtung, fort von dem verfallenden Gebäude. Es schien im Moment das Beste zu sein, sich dem Hengst anzupassen. Wenn er ihn an einem Ort ließ, an dem er sich so offensichtlich unwohl fühlte, würde Mircea einen Weg finden sich loszureißen und nach Hause zu laufen. Und wenn sein Plan nicht scheitern sollte, musste der Rappe für den Rest dieses Tages verschwunden sein.
Und tatsächlich erwies sich dieser Vorfall als ein scheinbar glücklicher Zufall. Nicht weit von dem alten Gemäuer entfernt lag eine kleine, versteckte Lichtung, auf der es genug frisches Gras gab. An einem Ende floss ein kleiner Bach nahe den Bäumen vorbei.
Graf von Krolock glitt aus dem Sattel und holte ein Seil und einen festen Holzpflock aus der Satteltasche. Er befestigte das Seil an Mirceas Halfter und entfernte Zügel und Trense. Es wurde ihm nicht schwer den Pflock in die Erde zu treiben und das Seil daran festzumachen.
Für Mircea war das neu, denn für gewöhnlich durfte er sich stets frei bewegen, wenn sie irgendwo Halt machten. Selten hatte der Graf den Hengst angepflockt und es störte das perfekte Vertrauen zwischen ihnen.
Graf von Krolock war sich des Vorwurfs in Mirceas Augen nur zu sehr bewusst und klopfte dem Rappen beschwichtigend den Hals.
„Ich weiß. Aber du musst diesmal genau hier bleiben, alter Freund. Wenn jemand dich findet, bin ich verloren. Sie werden bemerken, dass ich gelogen habe. Vielleicht wird ihnen sogar auffallen, was dir nicht entgangen ist. Du weißt es, nicht wahr? Du weißt, dass ich jetzt genauso bin, wie das Wesen, vor dem du mich im Wald warnen wolltest. Wenn ich doch nur auf dich gehört hätte, mein Freund..." Er lehnte die Stirn gegen den Hals des Tieres und lauschte eine Weile den kleinen, fast tröstend klingenden Lauten, die der Rappe von sich gab, ehe er ihm wieder in die Augen sah und und ihm sanft die Nase streichelte.
„Ich darf nicht riskieren, dass du mich unabsichtlich verrätst, weil du herum streunst oder gar nach Hause läufst. Sei mir nicht böse." Er nahm ihm den Sattel ab und wandte sich zum Gehen.
„Heute Abend bin ich wieder hier, mein Freund." Mit diese Worten überließ er sein Pferd sich selbst und ging in Richtung der Ruine davon. Die im beginnenden Zwielicht im Wald noch immer tiefere Dunkelheit verschluckte ihn schon bald und entzog ihn Mirceas ihm folgendem Blick.
Langsam näherte sich von Krolock der Ruine. Einmal musste es eine Art Kapelle gewesen sein, wenn ihm auch nicht klar war, warum jemand so weit draußen im Wald eine Kapelle errichten würde. Der Platz um die Stelle, die das kleine, halb verfallene Bauwerk, bei dem man noch die geborstenen Überreste eines Turms erkennen konnte, umgab, war überwuchert von Moos, Flechten und Efeu. Aber dazwischen gab es Stellen, an denen die dunkle Erde unberührt blieb. Hier wirkte der Boden aufgewühlt. Hier und dort standen noch Überreste zerfallener Grabsteine. Eine dumpfe, düstere Atmosphäre lag über diesem gottverlassenen Ort.
Die Menschen der Umgebung mieden ihn. Er wurde nur selten und dann bloß verstohlen erwähnt. Dieser Platz galt als Unglücksort und jeder wurde gewarnt, sich zu hüten auch nur in die Nähe zu geraten.
Als Mensch hatte selbst Graf von Krolock es vorgezogen diesen Ort nur selten zu passieren. Er hatte nie Furcht empfunden, aber es war ihm hier nie sehr wohl zumute gewesen. Genug, um ihm fernzuhalten, wenn möglich. Und selbst jetzt noch beschlich ihn ein seltsames Gefühl, das er nicht einordnen konnte.
Etwas stimmte nicht und dieses Gefühl ließ seine Nackenhaare zu Berge stehen. Es jagte ihm die Gänsehaut über den Rücken, als er die Ruine betrat und sich dem gähnenden Schlund der verwitterten Treppe näherte, die in die Gewölbe hinabführte. Plötzlich wuchs sich dieses Gefühl. Es erinnerte ihn an...
„Aaaaa, unser jüngstes Kind der Finsternis ist also Heim gekehrt!"
Er erkannte diese Stimme. Als sei es erst vor wenigen Minuten gewesen, klang sie in seinen Ohren wider
„Der hohe Herr glaubt also nicht an uns. Unsinn sind wir… Ammenmärchen…Dummer Aberglaube? Fühlt er sich so an, Aberglaube? Wirst du bald auch deine eigene Existenz verleugnen? Der Finsternis sollst du dienen! Dann wirst du sehen, wie erfunden wir sind!".
„DU!"
Das ebenmäßige Gesicht des Grafen verfinsterte sich plötzlich. Die Lippen pressten sich zu einer grimmigen Linie zusammen und in den hellen Augen tobte ein wütender Sturm als sie unter den zusammengezogenen Brauen den Angreifer aus dem Wald taxierten.
Victor von Krolock verlor selten die Beherrschung, doch in diesem Moment war er dem gefährlich nahe. Aber sein Gegenüber schien das nicht zu beeindrucken. Stattdessen kam er langsam aus dem Schatten hervor, den der Rest des windschiefen Daches in das Innere der Ruine warf. Und zum ersten Mal sah Graf von Krolock jenes Monster klar vor Augen. Es war ein Mann, doch seine wächsernen Züge hatten etwas androgynes. Zu Lebzeiten mochte ihm eine fast mädchenhafte Schönheit eigen gewesen sein, bevor das Alter sie erbleichen ließ. Verblasste Falten deuteten auf ein ähnliches Alter hin, vielleicht auch älter, als er zu diesem Monster geworden war. Wildes, aschblondes Haar, durchzogen von farblosen Strähnen hing strohig in seine Stirn. Die langen Nägel und verdeckte Haut trieben dem Grafen einen Schauder des Ekels über den Rücken. Der Mann vor ihm war ein Stück größer als der Graf, doch seine Statur schien gebeugt. Die edle Kleidung an seinem Leib starrte vor Dreck. Die Lippen waren zu einem höhnischen grinste verzogen, während er den Grafen von Kopf bis Fuß musterte, als sähe er ihn zum ersten Mal.
„Wie ich sehe, hast du deine erste Mahlzeit bereits hinter dich gebracht. Sehr gut. Jetzt gehörst du wahrlich zu uns!"
Ein eisiger Schauder durchlief den Grafen und die Worten riefen das Bild von Elisabeth wach, die leblos in seinen Armen lag.
„Oje!" Sein Gegenüber schnalzte gespielt missbilligend und sah ihn rügend an.
„Deine eigene Frau, wie furchtbar." Dann lächelte er den Grafen bösartig an und seine Augen wurden kalt. „Du solltest froh sein, dass du sie los bist, statt ihr wie ein altes Weib nachzutrauern! Ein kleine, nutzlose Hündin von einem Emporkömmling war sie! Sie wäre dir jetzt ohnehin lästig geworden. Abgesehen davon, hättest du dir diese nutzlose, unfruchtbare Dirne schon vom Hals schaffen müssen, als sie für das Einzige, zu dem Frauen gut sind, nichts mehr taugte! Abgesehen davon: so eine wie die wirft man vielleicht ins Bett, aber man heiratet sie nicht!"
Eine mörderische Kälte legte sich über Victor und ließ sein Innerstes gefrieren. Seine Gesichtszüge, die eben noch so viel Wut und Zorn hatten erkennen lassen, erstarrten zu einer ausdruckslosen Maske, die alle Emotionen unter sich verbarg.
Sein Arm glitt scheinbar Wärme suchend unter den schlichten Mantel aus schwerer Wolle, während seine Finger in Wahrheit nach dem Dolch tasteten, den er stets bei sich trug.
Für diese Kränkung würde diese Bestie bezahlen! Er hatte es niemals geduldet, dass jemand derart über Elisabeth sprach. Niemals, und er würde es auch jetzt nicht dulden. Nicht, solange noch Leben in ihm steckte. Seine Finger näherten sich unbemerkt dem Dolchgriff, während sein ahnungsloses Gegenüber seine Lage mit jedem Wort das er sprach nur weiter verschlimmerte.
„'Den Fluch brechen', pah!" Der alte Vampir ließ wieder das kalte, freudlose Bellen vernehmen, das ihm als Lachen diente. „Das hier ist ein Fluch der nicht gebrochen werden kann, ganz gleich, wie sehr du es auch versuchst! Es gibt kein Mittel gegen den Tod, Victor von Krolock! Es hätte verhindert werden können, in dem du am Leben geblieben wärst. Wenn du den Blutverlust und die Verletzungen durchgestanden und wieder gesund geworden wärst, hättest du sterben können, ohne zu einem von uns zu werden. Bis deine Zeit gekommen wäre, hätte das Blut, das du gekostet hast seine Macht, dich zu verändern, verloren. Aber du bist gestorben. Du bist dem Wundfieber erlegen."
Die Kreatur lachte schallend als könnte es für ihn nichts Zufriedenstellenderes geben.
„Ich wollte sehen, wie du dich gegen dein Schicksal auflehnst, während du doch völlig machtlos bist. Unter uns gesprochen, du warst noch erbärmlicher als ich dachte!"
Höhnisch grinste er den Grafen an, ohne zu bemerken, wie dessen Hand sich in Reichweite des verborgenen Dolches schob.
„Es war amüsant zu verfolgen, wie die Sterblichen, in die du deine gesamte Hoffnung gesetzt hast, zugelassen haben, dass das Fieber dich tötet. Tatsächlich könnte man sagen sie sind die Schuldigen an deinem... Zustand."
Er warf den Kopf zurück und ließ erneut das grausame Lachen hören.
Unbemerkt schlossen sich in diesem Moment Victors Finger um den Dolchgriff und zogen ihn geräuschlos aus der Scheide.
Nichts in seinem Gesicht verriet etwas von dem brodelnden Vulkan in seinem Inneren. Einzig die blassen Augen brannten mit einem kalten Feuer, dass gefährlicher war als jeder Zorn.
Niemals während seiner bisherigen Existenz war er so gefährlich gewesen, wie in diesem Augenblick. Und in den kommenden Jahrhunderten sollte es keinen zweiten Augenblick, wie diesen geben, an dem sich die zwei Seelen in seiner Brust so eins waren, wie in diesem Moment.
Doch sein Gegenüber merkte nichts von der drohenden Gefahr, die über ihm hing, wie das Damoklesschwert.
„Aber nachdem du dieses unwürdige Weibsbild nun los bist, wirst du begreifen, welchen Unsinn du dir eingeredet hast. Du bist nun auf ewig einer von uns. Und nur die aufgehende Sonne, das Feuer und ein Pflock durchs Herz können dir ein Ende bereiten. Du bist tot und das Leben, wie du es kanntest, ist nun für immer verloren!."
Erneut warf er lachend den Kopf zurück und der Graf nutze diesen Moment, um die Hand mit dem Dolch ein weiteres Stück hervorzuziehen.
„Aber da du das sicher begriffen hast, wirst du dich, wie ich es für dich vorgesehen habe, für deine Art nützlich machen."
„Du hast mein Wort darauf!", rief der Graf und riss die Hand mit dem Dolch hoch.
Mit einer einzigen fließenden, geübten Bewegung glitt der Dolch über die Kehle des Vampirs und schlitzte sie sauber von einem Ende zum anderen auf. Der stolperte und fiel hintenüber über einige geborstene Steine – allerdings nicht ohne diesem unerwarteten Gegner zuvor instinktiv einen heftigen Stoß vor die Brust zu versetzen. Graf von Krolock wurde mehrere Meter zurückgeworfen und schlug hart auf dem Waldboden auf. Eine Welle des Schmerzes raste durch seinen Körper und alle Luft wurde aus seiner Lunge gepresst. Der Dolch entglitt seinen Fingern, denn der pochende, betäubende Schmerz hatte sich bis in seine Fingerspitzen ausgebreitet. Wie ein Kind lag er mit ausgebreiteten Armen auf dem Boden, unfähig zu atmen. Die Muskeln in Brust und Armen krampften sich ebenfalls schmerzhaft zusammen, und er kämpfte gegen die aufsteigende Panik, die wie eine kalte Flut über ihn zusammenschlug. Er war dem Leben, das er gekannt hatte noch zu nahe, um sich bewusst zu sein, dass dieser Zustand nur noch ein Ärgernis darstellte, nicht länger eine tödliche Bedrohung.
Eine Stimme in seinem Hinterkopf schrie ‚Du musst aufstehen!' Aber es war zu spät, selbst wenn sein Körper ihm wieder gehorcht hätte. die Gestalt stürzte sich auf ihn und zwei stahlharte Hände griffen in den Muskel beider Oberarme und wie in jener Nacht im Wald lag das Gewicht des Alten rittlings auf ihm. Der kurze Vorteil, den sein überraschender Angriff ihm verschafft hatte, war verloren. Der ältere Vampir starrte mit drohend gefletschten Zähnen zu ihm herunter und stieß ein gurgelndes Fauchen aus. Die tiefe Wunde an seinem Hals blutete noch immer und troff auf Victor herab. Doch er konnte sehen, wie sich das Fleisch bereits langsam zusammenfügte. Seine Handgelenke wurden wie von einem Schraubstock gepackt und festgehalten.
„Elender Hund!" presste sein Mörder röchelnd hervor. „Ich werde dich lehren was es bedeutet die Hand gegen jene zu erheben, die älter sind als du!"
Mit der freien, wie zu einer Klaue gebogenen Hand schlug er zu und Victor fühlte, wie sich die Krallen in sein Fleisch gruben und mehrere tiefe Striemen auf seinem Gesicht hinterließen.
Begleitet von einem Schmerzensschrei lösten sich seine verkrampften Muskeln und er war imstande wieder zu atmen. Er konnte fühlen, wie das Blut aus den tiefen Kratzwunden sickerte. Dazu mischte sich ein schmerzhaft stechendes Kribbeln und Ziehen dort wo er verletzt worden war.
Sein Peiniger schien sich an der Reaktion zu weiden.
„Du hast geglaubt es sei einfach mich zu übertölpeln, was? Der Hohe Herr hält sich für so viel klüger. Du bist noch genauso erbärmlich, wie du es als Sterblicher gewesen bist! Das Blut, das du getrunken hast ist an dich verschwendet, du hast es nicht verdient! Ich sollte es mir lieber wieder nehmen und dir ein Ende mit dir bereiten!"
'Oh Herr! Nicht noch einmal!'Ein schreckliches Deja-vu Gefühl überkam ihn als er sich dessen bewusst wurde, dass er sich in der gleichen Situation befand wie einige Nächte zuvor. Das selbe Monster ragte über ihm auf und hatte scheinbar beschlossen das einmal nicht genügt hatte. Zorn stieg in ihm auf als er sich an seine eigene Hilflosigkeit erinnerte, die Schande und die Erniedrigung.
Die Klauenhand schloss sich wie ein Schraubstock um seinen Hals und schnürte ihm die Luft ab. Er ahnte, dass er bald versuchen würde ihn fest zu nageln, um ihm erneut das Blut aus den Adern zu saugen. '
'Das wirst du nicht noch einmal tun!'
Graf von Krolock war jetzt kein hilfloser Sterblicher mehr, einem übermächtigen Gegner weit unterlegen. Seiner Stellung entsprechend war er von Kindesbeinen an im Kriegshandwerk, und allem was dazu gehörte, ausgebildet worden. Da Transsilvanien seit Alters her kein Ort war, an dem ein Mann zulassen durfte, dass seine Fähigkeiten mangels Gebrauch verarmten, hatte auch Seine Exzellenz viele Stunden der Übung im Ringen und Fechten zur Routine gehört. Jetzt überließ er sich instinktiv mit einer wilden, verzweifelten Entschlossenheit, die er für sein Leben allein nicht eingesetzt haben würde, einem aus tausend Übungskämpfen geborenen Instinkt. Er blockierte mit seinem eigenen Fuß den seines Gegners; mit einer sehr schmerzhaften Bewegung er sein Becken durch so hoch er konnte. Über ihm verlor der ältere Vampir den Halt und musste sich mit beiden Armen abfangen. Victor packte einen Ellenbogen des Vampirs und warf sich herum. Für einen Moment hatte er ihn überrumpelt und stand auf den Füßen, bevor sein Kontrahent etwas dagegen tun konnte. Ein heftiger tritt traf Victors Bein, während er noch dabei war sich aufzurichten und taumelte, um sein Gleichgewicht ringend, rückwärts. Er brauchte zu lang, sein Rücken und das Becken schmerzten bei jeder kleinen Bewegung. Er konnte fühlen, dass die Muskeln sich immer weiter versteiften und das Sprunggelenk des rechten Fußes wollte sein Gewicht nicht länger tragen. Schon hatte der Alte ihn erneut am Kragen gepackt und holte aus, um ihm einen heftigen Schlag zu versetzen.
Victor von Krolock ergriff diese einzige Chance, die sich ihm bot. Er nutzte den Schwung seines Angreifers, packte ihn am Ärmel und am Rücken seiner zerlumpten Kleidung, drehte sich, den guten Fuß als Standpunkt nutzend, unter ihm ein und warf ihn mit einem schmerzhaften Schwung aus der verletzten Hüfte zu Boden.
Ein hässliches Knacken ertönte und dann ein röchelndes Stöhnen. Sein Gegner war offensichtlich kein Kämpfer und hatte daher auch nicht gewusst, wie er fallen musste, um den größten Schaden zu vermeiden. Unfähig aufzustehen lag er mit verdrehtem Hals vor dem Grafen auf dem Boden.
Entsetzt sah er zu Krolock hoch, dem Feind, mit dem er nicht gerechnet und den er zu unrecht unterschätzt hatte. Doch diesmal gab es keine Mäßigung. Unbändige Wut, Schmerz und eine Rachsucht, die jenseits allen sterblichen Maßes lag, entstellten das Gesicht des Grafen. Die Augen waren zwei Splitter aus brennendem Eis.
„Ich habe geschworen, dass du büßen wirst, was du getan hast! Für das, was du aus mir gemacht hast. Ein Monster, dem das Blut seiner eigenen Frau an den Lippen klebt! Und dafür, dass du es gewagt hast, ihr Andenken zu besudeln. Das Andenken einer Frau, die ein Engel auf Erden war!"
Der Graf bückte sich nach einem herabgefallenen Ast des Baumes und brach ihn über seinem Knie. Eines der beiden Stücke war spitz und eignete sich vortrefflich für die Aufgabe die er ihm zugedachte hatte.
„Ich werde herausfinden, ob die Geschichte mit dem Pflock durch das Herz wahr ist – und zwar an dir! Das soll der Nutzen sein, von der ich meiner 'Art' sein werde. Ich werde dich aus ihren Reihen entfernen, dich auslöschen! Und jeder Vampir, der mir nicht bedingungslos gehorcht, wird dasselbe Schicksal erleiden, wie du! Und dich werde ich als Ersten in die Hölle zurückschicken, von der die Papisten reden! Dorthin wo du hingehörst."
„Nein, nicht!", keuchte sein Erschaffer, doch es war zu spät. Wie ein Speer fuhr ihm der spitze Ast zwischen die Rippen. Der Vampir schrie. Dann lag er still.
„Mag die Sonne verbrennen was von dir übrig ist!", zischte der Graf. „Das war für dich, Liebste", flüsterte er dann. „Bitte vergib mir!"
Er warf den Ast zu Boden und sah sich rasch um. Die Sonne würde in wenigen Minuten aufgehen. Es war Zeit dieses Monster dem Schicksal zu überlassen, das es sich selbst geschmiedet hatte.
Erst jetzt, da die Anspannung von ihm abfiel, fühlte er das Ausmaß seiner eigenen Wunden. Das schmerzhafte Kribbeln und Ziehen in seinem Gesicht hatte aufgehört. Der Schmerz war fort und er konnte nur noch das getrocknete Blut auf seiner Haut fühlen. Dafür bestanden Rücken und Hüfte nur noch aus pochendem, stechendem Schmerz und jeder Atemzug kostete ihn Kraft. Der verletzte Fuß hatte ihm die Anstrengung, die er ihm aufgebürdet hatte, ebenfalls nicht verziehen und zahlte es ihm nun heim.
Mühsam jeden Punkt nutzend, an dem er sich festhalten konnte, um das Gleichgewicht zu halten, kämpfte der Graf sich die Treppe hinunter in das alte Gewölbe. Es roch nach Moder und Verfall. Früher einmal mochte es ein würdevoller Ort gewesen sein, an dem man die wichtigen Verstorbenen einer längst vergessenen Gemeinschaft bestattete, doch nun war es bloß noch ein finsteres, feuchtes Loch.
Aber es würde genügen, ihn vor der Sonne zu bewahren, bis er eine andere Lösung gefunden hatte.
Victor von Krolock biss die Zähne zusammen und setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Dann streckte sich mit einem Stöhnen auf dem saubersten Stück Boden aus, das er finden konnte, doch die unebenen Steine bohrten sich schmerzhaft in seinen malträtierten Rücken und es kostete ihn einige Augenblicke eine halbwegs erträgliche Position zu finden. Doch dann wandten sich seine Gedanken wieder seiner verlorenen Liebe zu.
„An diesem Morgen stirbt er also endgültig, Elisabeth, meine Geliebte. Der Mann, den du geliebt hast. Denn wenn die Schatten der Nacht fallen, wird es ein anderer Mann sein, als der, den du gekannt hast, auch, wenn er dasselbe Gesicht trägt, mein Schatz", flüsterte er schmerzerfüllt. „Er wird lügen und betrügen, um sich selbst zu bewahren. Aber er wird dich und den Mann, der er einst war immer im Herzen tragen. Und wenn es einen Weg gibt, diesem Alptraum zu entkommen und wieder zu dem zu werden, was er einst war, dann werde ich ihn finden. Und dich werde ich so lange suchen, bis ich dich gefunden habe. Denn ich weiß, das du zu mir zurückkehren wirst, irgendwann... So wie du es immer getan hast. Ich werde auf dich warten, mein Schatz. Wie lange... es... auch dauert."
Victor konnte nicht länger gegen den Sog der Erschöpfung ankämpfen. Als die Sonne sich über den Horizont erhob versank er im Schlaf. Doch es war nicht länger der eines Sterblichen. Es war das kalte, dunkle Vergessen in den Armen des Todes, der alle Träume und Gedanken, jeden Funken des Lebens auslöschte und ihn erst wieder frei geben würde, wenn die rote Abendsonne hinter dem Horizont verschwand.
Wie er selbst gesagt hatte, würde es eine anderer Victor von Krolock sein, der sich bei Einbruch der Dämmerung erheben sollte. Ein bleicher Schatten dessen, was er einst gewesen war, denn auf eine Art war er gestorben. Nicht als sein Körper den Kampf gegen das Fieber verlor und das verderbte Blut, das er schon in sich trug, ihn ebenfalls zu einem Verdammten machte, sondern mit der Frau, die in seinen Armen gestorben war.
Autor's Note:
Stille Wasser gründen tief. Wer sich hier über den Ausbund an Leidenschaft wundert – ich habe Graf von Krolock niemals als gefühlskalt betrachtet. Meiner Meinung nach ist er lediglich sehr auf Haltung und Mäßigung getrimmt. Unwahrscheinlich? Naja, er hat Erasmus von Rotterdam in seiner Bibliothek. Erziehungsratgeber für Noble Häuser. etc. Und wo wir seine Philosophen schon im ersten Kapitel gestreift haben, wird er sich hier auf Mark Aurel und Platon berufen. Wenn mich meine intensive Recherche eines gelehrt hat, dann dies: Mit meinen Überlegungen zum Text von Michael Kunze und meiner davon abgeleiteten Intuition habe ich bis jetzt noch nicht falsch gelegen.
Insgesamt ist er mittlerweile wahrscheinlich ein ziemliches Amalgam, auch wenn ich zwei konkrete Vorbilder vor meinem Geistigen Auge habe. !
Und wir dürfen auch nicht vergessen: In Kriegszeiten hätte Victor aufgrund seines Ranges Heerführer sein müssen. Das heißt auch, er ist in „Kriegshandwerk" geschult.
Noch ein Wort zum Punkto 'Hölle'. In der Ostkirche gibt es den Glauben daran nicht. Zumindest nicht den Quellen nach, die mir zur Verfügung stehen. Ich kann ihn kein Konzept benutzen lassen, an das er nicht selbst glaubt. Aber er kann von dieser 'Idee' der römisch katholischen Kirche Wissen – und sie bestimmte Kandidaten lebhaft an den Hals wünschen! Im Moment glaubt er da noch nicht selber dran. Das wird sich erst ändern, sobald er Dante gelesen hat. (hat er hier aber noch nicht).
