Wichtig: Weder Pokémon, noch Digimon gehören mir, sondern ihren rechtmäßigen Besitzern.

Nur ein Fehler...

Kapitel VI

Kari kam gerade aus der Dusche. Als sie das Zimmer betrat, sah sie Thias auf dem Boden sitzen, um ihn herum eine Menge Zettel ausgebreitet. Einen weiteren, den er gerade in der Hand hielt, studierte er sorgfältig. Das Kari herein kam, bemerkte er überhaupt nicht. Erst als sie ihn ansprach, reagierte Thias.

Kari: "Was machst du da?"

Thias: "Hmm?"

Kari: "Was du da machst!"

Thias: "Ach, das hier! Naja, das ist das, warum ich eigentlich hier bin. Ich suche nach einem Weg, euch wieder nach Hause zu bringen."

Kari: "Kommst du gut voran?"

Thias: "Naja, in den nächsten Tagen werde ich es nicht schaffen, eine Woche brauche ich noch mindestens."

Kari: "Schade..."

Thias: "Wieso? Im Endeffekt ist es egal!"

Kari: "EGAL? Dir vielleicht, mir aber nicht!"

Thias: "Aber warum? Ob ihr nun einen Tag oder ein halbes Jahr hier bleibt, ihr werdet euch sowieso an nichts mehr erinnern, wie ich es bereits sagte."

Kari: "Ja, ich weiß, das hast du gesagt, aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass alles was wir hier erleben einfach vergessen, niemals passiert sein soll..."

Thias: "Ich weiß, dass klingt für dich unbegreiflich, aber du musst mir einfach vertrauen."

Kari: "Und wenn nicht, würde das was an meiner Situation ändern?"

Thias: "Nein."

Kari: "Und was wäre wenn wir einfach her bleiben würden?"

Thias: "Das ist vollkommen unmöglich, dass habe ich doch alles bereits erklärt! Außerdem, würdest du gerne hier bleiben?"

Kari: "Nein, möchte ich nicht. Aber vielleicht wollen andere von uns das ja..."

Thias: "Andere?"

Kari: "Naja, einige scheinen sich ja hier ganz wohl zu fühlen."

Thias: "Zum Beispiel TK?"

Kari: "... zum Beispiel..."

Thias: "Aber, was beschäftigt dich dabei so?"

Kari: "Wie bitte? Da fragst du noch?"

Thias: "Naja, bist du mit ihm zusammen?"

Kari: "Nein, aber..."

Thias: "Und warum hast du dann Angst, ihn zu verlieren, wenn du ihn gar nicht hast?"

Kari: "Weil ich ihn..."

Thias: "Weil du ihn liebst? Hast du deswegen Angst, ihn zu verlieren?"

Kari: "Ja. Und?"

Thias: "Und liebt er dich auch?"

Kari: "Ich hoffe es."

Thias: "Du hoffst?

Kari: "Ja."

Thias: "Das heißt, du weißt es nicht?"

Kari: "Nein, woher sollte ich es denn wissen?"

Thias: "Hast ihn noch nicht gefragt?"

Kari: "Nein. Ich weiß ja nicht wie..."

Thias: "Das heißt, er weiß nicht, dass du ihn liebst?"

Kari: "Ich glaube nicht, dass er es weiß..."

Thias: "Und worüber machst du dir dann Sorgen?"

Kari: "WIE BITTE?"

Thias: "Naja, es ist doch so, wenn er dich auch liebt, ist es egal wo ihr seid. Wenn nicht, ist es genau so egal. Was ich damit sagen möchte, ist folgendes: Du hast doch eigentlich gar keinen Einfluss auf TKs Gefühle. Wenn er dich liebt, wird er es dir irgendwann zu erkennen geben. Wenn er dich jedoch nicht liebt, wirst du es nicht dadurch ändern können, indem du ihn von der Person fern hälst, die er liebt. Du solltest dich nicht mit solchen belanglosen Dingen belasten, sondern lieber..."

Kari: "BELANGLOSE DINGE??? Du bezeichnest meine Gefühle und Probleme als BELANGLOS? Ich weiß ja nicht, ob es in deiner Welt das Wort Liebe ein Begriff ist, aber einfach meine Gefühle abschalten, wie stellst du dir das vor? Vielleicht kannst du das ja, in diesem Fall würde ich dich jedoch ziemlich bedauern!"

Thias: "Natürlich gibt es bei uns auch Liebe, aber Gefühle sollten niemals den Verstand ersetzen!"

Kari: "Wenn dein Verstand noch nie von deinen Gefühlen gelenkt wurde, hast du noch nie wirkliche Liebe gespürt. "

Thias: "Wenn ich dafür meinen Verstand aufgeben müsste, ist es wohl auch besser so. Verstandloses Handeln macht einen angreifbar."

Kari: "Du tust mir echt leid. Gerade das man sich komplett seinen Gefühlen hingibst und nicht mehr auf seinen Verstand hört ist doch das schöne an der Liebe!"

Thias: "Dann gefällt dir deine jetzige Situation?"

Kari: "Wie kommst du jetzt darauf?"

Thias: "Naja, du ignorierst zur Zeit deinen Verstand, wenn es um TK geht, aber nach deiner letzten ist das ja gerade das schöne an der Liebe."

Kari: "So war das aber nicht gemeint..."

Thias: "Das ist einer der Punkte, die ich an euch Menschen nicht verstehe. Ihr habt einen so hoch entwickelten Verstand, seit eine der intelligentesten Spezies eures Universum, lasst euch aber immer wieder von euren Gefühlen und Emotionen in eurem Handeln behindern. Warum?"

Kari: "Individualität. Nach seinen Gefühlen zu handeln heißt unberechenbar zu sein und diese Unberechenbarkeit macht ein Individuum zum Individuum. Und Individualität macht einen Menschen zum Menschen."

Thias: "Aber es Behindert euch auch in eurem Fortschritt. Eigentlich könnte eure Rasse zu den technologisch besten des Universums zählen, tatsächlich jedoch steht ihr jedoch ganz unten in der universllen Rangliste. Und das nur, weil ihr euch lieber aufgrund eurer Emotionen bekriegt und gegenseitig umbringt."

Kari: "Das kann schon sein, aber ich lebe lieber in einer unterentwickelten Welt, als in einer gefühlsarmen."

Thias: "Wie kannst bei der Situation auf deinem Planeten von Gefühlsreichtum sprechen? Millionen auf der Erde Hungern und leben in Armut. tagtäglich töten sich Menschen vollkommen sinnlos gegenseitig, sei es nun in einem Krieg oder auf einer friedlichen Straße."

Kari: "Es gibt aber genauso viele gutmütige, freundliche Menschen auf der Erde. Und meiner Meinung nach wüssten wir ohne Krieg, Armut und Egoismus nicht um die Schönheit von Friede, Reichtum und Hilfsbereitschaft."

Für einen Moment trat Stille ein. Thias sah Kari nachdenkend an.

Kari "Was ist denn?"

Thias: "So habe ich noch nie darüber nachgedacht. Irgendwie hört sich das ganz interessant an, was du da gesagt hast..."

Mit diesen Worten wandte er sich wider den über den Boden verstreuten Zetteln zu. Noch während Thias sich durch die Zettel arbeitete, ging Kari schlafen. Trotz des Lichtes schlief sie schnell ein.

"Nein, nicht!"

Kari schreckte auf.

"Lasst mich in Ruhe!"

Sie musste sich erst orientieren, doch dann merkte sie, dass diese unterdrückten Schreie aus ihrem Zimmer kamen. Genauer gesagt, aus dem anderen Bett im Raum, da wo sich jetzt Thias aufhalten sollte.

"Ich will nicht, geht doch weg!"

Kari suchte nach der Lampe auf ihrem Nachttisch. Schnell war diese gefunden und eingeschaltet. So schnell sie in ihrem müden Zustand es hin bekam, stieg sie aus dem Bett und ging hienüber zu Thias Bett. Dort lag dieser auch mit einem verzerrten Gesicht, so als hätte oder würde er etwas grauenvolles sehen. Er wälzte sich hin und her, als wolle irgendwas oder -wem entkommen.

Thias: "Nein, nein, warum..."

Sie beugte sich über ihn. Erst jetzt sah sie, das er vollkommen verschwitzt war.

Thias: "Geht bitte weg, bitte nicht..."

Kari: "Wach auf, du träumst!"

Doch er zeigte keine Reaktion,. Schließlich packte sie ihn am Arm.

Kari: "Verdammt, WACH AUF!"

Mit einem lauten Schrei schreckte er hoch.

Thias: "NEEEEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIN!"

Er sah sich panisch um. Seine Atmung war hecktisch und schnell. Beide Hände griffen nach etwas, was sie festhalten konnten. Die rechte krallte sich in die Bettdecke, die linke erfasste Karis rechten Arm. Erst dadurch schien er sie zu bemerken. Blitzartig wandte sich sein Kopf in ihre Richtung und schaute ihr genau in die Augen. Kari hatte noch nie so viel Panik, Angst und Horror in einem paar Augen gesehen.

Kari. "Ganz ruhig. Egal was es war, es war nur ein Traum."

Thias: "Nein, nein, war es nicht..."

Kari: "Doch, war es."

Thias: "Es wäre schön wenn es nur so wäre, aber es war mehr als ein Traum."

Kari: "Ach ja? Was war es denn?"

Thias: "Eine Erinnerung."

Kari: "Woran hast du dich erinnert?"

Thias: "Schreckliche Zeiten. Taten aus meiner Vergangenheit, die ich lieber vergessen würde. Welche, die ich am liebsten niemals begangen hätte. Das war das erste Mal seit langem, dass ich wieder diese Bilder gesehen habe..."

Kari: "Was hast du denn getan?"

Thias: "Ich möchte lieber nicht darüber sprechen. Außerdem sollte ich dich nicht mit meinen Problemen belasten."

Kari: "Aber glaub mir, wenn du erstmal darüber gesprochen hast, wird es die besser gehen."

Thias: "Aber es gibt doch keinen Grund, dass du meine sorgen mittragen müsstest."

Kari: "Ob ich mir nun sorgen mache,weil ich deine Probleme kenne oder weil ich sie nicht kenne, wo liegt darin der Unterschied'?

Thias: "Aber ich finde es trotzdem nicht richtig..."

Kari: "Jetzt sag schon!"

Thias: "Nagut, wenn du es unbedingt wissen willst. Nun, du erinnerst dich doch sicher noch an die Person, die dem Rat über die Wahrheit der Digiwelt aufgeklärt hat, oder?"

Kari: "Ähm, ja, ich glaube schon... Aber was hat das... Du meinst doch nicht etwa..."

Thias: "Ja, genau, diese Person war, oder besser, bin ich. Was ich im Traum gesehen habe, waren meine Freunde, die ich so feige verraten habe. Die, die wegen mir jetzt in der ewigen Hölle sitzen. Ihr leben ist jetzt nur noch eine einzige Qual, alles was sie noch tun können, ist schreien, betteln, flehen, hoffen, jammern. Und alles was am Ende für sie herauskommt, ist Verzweiflung und Resignation. Doch dieses Ende wird für sie niemals eintreten, für sie gibt es kein Ende. Und ich bin daran Schuld..."

Thias hatte seinen Kopf mittlerweile mit der Stirn voran in seine Hände gestützt. In seiner Stimme war deutlich zu hören, dass er nur schwer seine Tränen zurückhalten konnte.

Thias: "Im Traum habe ich sie wieder vor mir gesehen. Zuerst habe ich sie nur gehört, ihre Schreie, voll mit Wahn, Terror und Hoffnungslosigkeit. Dann habe ich langsam ihre Gesichter erkannt. Sie waren schrecklich verzerrt. Ihre Augen waren leer, doch sie haben mich alle angestarrt. Überall waren waren ihre Gesichter, überall diese entsetzlichen Schreie. Und zwischendrin habe ich immer wieder ihre Stimmen gehört. 'Warum hast du uns nicht gerettet? Warum hast du uns nicht gerettet?' Immer wieder stellten sie mir diese Frage, immer und immer wieder... Und das ist genau die Frage, die ich mich auch seit 60 Jahren Frage. Warum habe ich sie nicht gerettet?"

Mit diesen Worten brach Thias in Tränen aus. Kari fühlte sich Hilflos. Sie wusste nicht genau was, aber irgendetwas musste sie jetzt unternehmen.

Kari: "Aber wie hättest du sie denn retten sollen? Du sagtest doch, sie sind an diesem geheimen, streng bewachten Ort?"

Thias: "Ja, das stimmt schon, aber ich musste dort ein Jahr lang als Wache arbeiten. Das war Bedingung dafür, dass ich wieder als Wächter arbeiten durfte. ich hätte sie befreien können, meinen Fehler wieder gut machen können, aber ich war zu feige."

Kari: "Da waren doch sicher noch andere Wachen, oder? Schon alleine das hätte eine Befreiung deiner Freunde unmöglich gemacht. Außerdem, wie lange hätte es gedauert, bis man sie wieder gefangen hätte? Und was hast du denn für einen Fehler gemacht"

Thias: "Ich habe aus persönlichen Gründen meine Freunde und meine Ideale verraten!"

Kari: "Und warum arbeitest du dann immer noch für diese Leute?"

Thias: "Weil ich hier sicher bin vor den Leute, die damals entkommen konnten. Die sind verständlicherweise extrem sauer auf mich. Aber so lange ich hier in diesem Universum als Wächter arbeite, bin ich vor ihnen sicher."

Kari: "Und außerdem, woher hättest du wissen sollen, dass dieser Rat sein Wort nicht hält?"

Thias: "Ich ihm gar nicht erst so ein Angebot machen dürfen! Ich habe meine Freunde nur verraten, weil ich meine Emotionen nicht unter Kontrolle hatte. Ich diese Gruppe auch einfach so verlassen können, nach dem der Bruder meines Freundes von der Bombe getötet wurde. Aber nur um eine Person zu beruhigen, habe ich ich viele andere in die ewige Verdammnis geschickt."

Kari: "Aber ich glaube, jeder andere hätte in dieser Situation genauso gehandelt."

Thias: "Das ändert nichts daran, dass es falsch und feige war!"

Kari: "Außerdem, wenn du sie befreit hättest, was hätte das gebracht? Da waren doch sicher noch andere Wachen, oder? Wenn die sie nicht gefangen hätten, dann irgendjemand anderes. Der Erfolg wäre, ihre erneute deine zusätzliche Einsperrung gewesen. Also, was hättest du tun können?"

Thias atmete tief durch. Nach ein paar endlosen Sekunden hob er den Kopf und sah Kari nachdenklich an. Schließlich lächelte er ein bisschen.

Thias: "Danke."

Kari: "Danke? Wieso Danke?"

Thias: "Danke, dass du dich so bemühst mir zu helfen. Auch wenn ich nicht weiß, warum du es machst, Danke."

Kari: "Warum? Naja, unter Freunden macht man das so, oder?"

Thias: "Freund? Du betrachtest mich als Freund?"

Kari: "Zwangsläufig. Ich meine, wir alle haben hetzt zwei Möglichkeiten. Entweder, wir vertrauen dir oder, wir vertrauen dir nicht. Ich habe mich dazu entschlossen dir zu vertrauen. Und wem kann man besser vertrauen, als seinen Freunden?"

Thias: "Es tut echt gut, so etwas zu hören. Du bist die erste Person, die sich als Freund von mir bezeichnet hat...."

Kari: "Ich hoffe, dir geht es jetzt besser?"

Thias: "Ja, weitaus besser. Ich kann dir nur nochmal danken, dass du mir geholfen hast. Aber ich glaube, wir sollten jetzt noch ein bisschen schlafen, bald müssen wir wieder aufstehen."

Kari: "In Ordnung. Ich hoffe, du schläfst jetzt besser!"

Thias: "Bestimmt."

Sie legten sich wieder schlafen und wachten erst am nächsten Morgen wieder auf, als es schon hell war.

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