Kapitel 2. Schießen will gelernt sein.
Zur gleichen Zeit schlug Legolas der Prinz von Düsterwald einen Tagesritt entfernt auch sein Nachtlager auf. Er befand sich auf dem Weg nach Bruchtal um seine beiden Freunde, die Zwillingssöhne von Elrond, zu besuchen. Er hatte sich schon lange gefreut endlich mal wieder von zu Hause weg zu kommen. Sicher es war schön in Düsterwald, aber Legolas Vater wachte seit dem Tod seiner Mutter über jeden seiner Schritte. Legolas fand sich alt genug um selbst zu entscheiden was gut oder schlecht für ihn ist, weswegen er sich auch des öfteren mit seinem Vater stritt. So nutzte er jede Gelegenheit um von Zuhause weg zu kommen und etwas von dem Rest der Welt zu sehn.
Es war eine klare Nacht und die Sterne schienen strahlend auf ihn herab, ein leichter Wind wehte während er sich in seine Decke einwickelte. Denn selbst Legolas merkte das es langsam kühler wurde. Schon bald fiel er in einen leichten Elbenschlaf, aus dem er erst erwachte, als die Sonne schon hoch am Himmel stand.Nachdem Legolas etwas gegessen hatte, stieg er auf sein Pferd und ritt im gemächlichen Schritt dahin, er hatte keine Eile, dafür war der Tag viel zu schön. Der Weg führte am Waldrand vorbei, in dem die Vögel ihre schönsten Lieder zwitscherten. Die Wiesen auf der anderen Seite erstreckten sich in einem saftigen grün. Dieser Tag versprach genau so ruhig wie die anderen zu werden, denn nichts deutete auf Ork- oder Aktivitäten anderer gefährlicher Geschöpfte hin.
Doch gegen Abend hörte er plötzlich schweres Getrampel und Stimmen die sich nicht grade freundlich anhörten. Sofort versteckte sich Legolas im Wald, um abzuwarten von wem die Geräusche stammten. Es dauerte nicht lange, bis er eine Gruppe von zwölf Orks sah. Einer von ihnen hatte sich etwas über die Schulter geworfen, was sich beim genaueren hinsehen als ein kleiner Menschen Junge entpuppte.
Sofort spannte Legolas seinen Bogen um auf den ersten Ork zu schießen, der an ihm vorbei kommen würde. Der Pfeil traf ihn zielsicher in die Brust und der Ork schrie laut auf. Alle anderen sahen sich erschrocken um, konnten aber niemanden sehen, geschweige denn hören. Der nächste Pfeil traf den Ork in den Kopf und er viel wie ein Stein zu Boden, während die anderen in die Richtung liefen aus der die Pfeile kamen.Also hatten ihn seine Brüder letztendlich doch gefunden, dachte Aragorn erleichtert und voller Freude, da er erkannte, dass es sich um Elbenpfeile handelte. Doch als er im Wald unsanft auf den Boden geworfen wurde, merkte er dass es sich nicht um seine Brüder, sondern um einen einzelnen Elben handelte. Er sah jung aus, war groß, und schlank, hatte lange hell blonde Haare, ein anmutiges Gesicht und leuchtend blaue Augen.
Er bewegte sich leichtfüßig wie eine Katze und seine Pfeile schoss er so schnell, das Aragorn kaum die Bewegungen des Elben erkennen konnte. Dabei traf jeder sein Ziel, wehrend der Elb den Pfeilen der Orks geschickt auswich. Bald waren von den ursprünglich zwölf nur noch sechs Orks übrig. Diese waren nun zu nah als das Legolas seinen Bogen noch benutzen konnte, also zog er seine beiden Dolche um die heftigen Hiebe abzuwehren. Sie umkreisten ihn und schlugen von allen Seiten auf ihn ein, so dass es gar nicht einfach war alle Angriffe abzuwehren und den Hieben auszuweichen. Klirrend trafen die Waffen aufeinander, während der Kreis immer enger wurde. Doch Legolas zwang sich zur Ruhe, er hatte schon schlimmere Situationen erlebt und würde jetzt nicht aufgeben.
Plötzlich stolperte einer der Angreifer über einen Fuß seines Gefährten, was für den Elben die Chance war. Er bohrte seinen Dolch tief in das Herz des Gegners um dann aus dem Kreis auszubrechen und den nächsten von hinten zu attackieren. Auch dieser fiel kurzerhand zu Boden, was nur noch vier Orks übrig ließ.Aragorn stand zitternd ein paar Meter abseits. Er fieberte mit dem Elben mit und atmete bei jedem abgewehrten Angriff erleichtert auf. Er sah sich um und entdeckte eine Armbrust und Pfeile die neben einem toten Ork in seiner Nähe lagen. Aragorn nahm die Armbrust und einen Pfeil auf und wandte sich mit einem abwägenden Blick wieder dem Kampf zu.
Er hatte das Gefühl seinem Retter helfen zu müssen, ganz abgesehen davon dass er nicht nach Hause gehen wollte ohne wenigstens eine kleine Heldentat vollbracht zu haben. Also spannte er die Armbrust und versuchte sich an die Trainingsstunden mit seinen Brüdern zu erinnern. Er zielte auf den größten der mittlerweile nur noch drei Orks, holte noch einmal tief Luft und schoß. Zu seinem Entsetzten verfehlte der Feil den Ork um Längen, traf dafür aber ein anderes Ziel.Legolas zuckte zusammen, als plötzlich ein höllisch stechender Schmerz seine rechte Seite durchfuhr. Er taumelte und währe fast gefallen. Er schaute hinab und sah, dass ihn rechts ein Ork Pfeil durchbohrt hatte. Als er kurz nach hinten blickte, bemerkte er den Jungen , der erschrocken und beschämt mit einer Armbrust in der Hand zu Boden blickte.
Ein Schlag traf ihn an der rechten Schulter und Legolas taumelte unwillkürlich zurück. Sein Blick war benebelt und er konnte die Orks nur noch Schemenhaft wahrnehmen. Legolas schüttelte kurz seinen Kopf um wieder klarer sehen zu können und griff erneut an, diesmal aber bedeutend langsamer als zuvor. Aragorn sah wie sich der Pfeil in die Seite des Elben bohrte, ein Schrei entfuhr ihm und er blickte sofort weg um den Anblick nicht ertragen zu müssen. Was hatte er nur getan? Warum war er nur auf die Dumme Idee gekommen die Armbrust abzufeuern? Er sollte doch wissen das ein bewegliches Ziel im Kampf schwieriger zu treffen war als die Zielscheibe Zuhause. Der Ebl würde ihn nun bestimmt auch für einen Feind halten. Er traute sich kaum wieder aufzublicken, doch seine Neugierde siegte schließlich über seine Angst. Er sah wie der Elb strauchelte und beinahe zu Boden viel als er von einem Ork getroffen wurde.
Blut tropfte aus der Wunde, aus der immer noch der Pfeil ragte. Aragorn musste wieder weg sehen.Zwei weitere Orks fielen durch die Hand von Legolas, so das nur noch einer übrig blieb. Dieser kämpfte hart und verbittert um den gehaßten Elben doch noch umzubringen. Aber es nütze ihm nichts, denn trotz seiner Verletzung war Legolas um einiges schneller als er. Als auch der letzte Gegner gefallen war, lehnte sich Legolas müde an einen Baum und schloß seufzend die Augen um seinen Schmerzen Herr zu werden.
