"Ich soll heiraten!" murmelte Adam verstört vor sich hin, während er ziellos durch die Gänge des Palastes irrte. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf das eine Wort – heiraten - gerichtet. Die Tragweite dieses Begriffs war so enorm, daß er noch keinen wirklich klaren Gedanken fassen konnte. Er war so mit sich selbst beschäftigt, daß er seine Umgebung nicht wahrnahm; weder die Bediensteten, die ihn freundlich grüßten, noch die verlockenden Gerüche aus der Palastküche, die ihn normalerweise dazu gebracht hätten, den Köchen einen Besuch abzustatten.
Dass er unwillkürlich den Weg zu Duncans Labor eingeschlagen hatte, bemerkte er erst, als er schon fast vor der Tür stand.
Er brauchte jemanden, mit dem er reden konnte, der ihm zuhörte. Irgendwie mußte er das Chaos, das derzeit in seinem Kopf herrschte, ordnen; und wer könnte ihm besser dabei helfen als sein guter Freund Duncan?
Kurz entschlossen betrat Adam das Labor und sah sich nach Man-at-Arms um. Dieser stand über einen Labortisch gebeugt auf der anderen Seite des Raumes und arbeitete hochkonzentriert an der Fertigstellung seines Transporters.
"Duncan?", fragte Adam leise, um auf sich aufmerksam zu machen.
Der königliche Waffenmeister schaute von seiner Arbeit auf.
"Hast du einen Moment Zeit?", fuhr Adam fort.
Der verwirrte Gesichtsausdruck und der ernste Tonfall des jungen Prinzen ließen Duncan sofort aufhorchen.
"Natürlich, für dich doch immer, mein Junge", antwortete er. "Worum geht es?"
"Ich komme gerade von dem Gespräch mit meinem Vater", erklärte Adam. Er stockte.
Duncan ahnte nichts Gutes.
"Ich soll heiraten. Bald."
Man-at-Arms war sichtlich überrascht: "Ähm ja … und wen?"
"Keine bestimmte. Meine Zukünftige darf ich mir selbst aussuchen." Adam war für einen Moment still.
Auch Duncan sagte nichts, denn er spürte, daß das noch längst nicht alles war, was der Prinz auf dem Herzen hatte.
"Ich verstehe nicht, wie mein Vater plötzlich auf eine solche Idee kommt. Ich weiß, daß er unzufrieden mit mir ist. Aber daran läßt sich so leicht nichts ändern - dir muß ich es ja nicht erklären."
Duncan nickte verständnisvoll.
"Mir ist ja vollkommen klar, daß ich irgendwann einmal heiraten muß, schließlich bin ich der Thronfolger. Ich habe auch absolut nichts dagegen zu heiraten, nur so plötzlich habe ich nicht damit gerechnet. Eigentlich fühle ich mich noch nicht bereit dazu, das heißt ich habe kein gutes Gefühl dabei, loszuziehen und mir irgendeine Frau zu suchen, nicht, daß es an Frauen mangeln würde, die sofort aufspringen würden, wenn sie hörten, daß der Kronprinz eine Braut sucht. Gut, mit Sicherheit wären auch einige nette junge Damen darunter, aber keine von ihnen interessiert mich wirklich. Es gibt nur eine, die mich wirklich interessiert. Aber ich weiß nicht, ob sich Teela auch für mich interessiert…"
Als Adam klar wurde, was er gerade gesagt hatte, brach sein Wortschwall ab. Dies war das erste Mal, daß er seine Zuneigung zu Teela offen zugab.
Adam schaute zu Duncan, der ihn gutmütig ansah.
"Ich hatte schon immer gehofft, daß ihr beide einmal zueinander findet."
"Aber wir haben ja nicht zueinander gefunden.", wandte Adam ein.
"Noch nicht", verbesserte Man-at-Arms. "Du wirst ihr schon von deinen Gefühlen erzählen müssen, wenn du sie willst. Und zwar bald."
"Ich glaube nicht, daß die Lösung so einfach ist. Du scheinst zu vergessen, wie sehr sie He-Man mag, aber wie sie zu Adam steht, weiß ich nicht."
Duncan kam zu Adam herüber und legte ihm väterlich die Hand auf die Schulter.
"Vielleicht fehlt ihr einfach nur der Anstoß. Bisher sah sie dich wahrscheinlich eher als guten Freund, und ist noch gar nicht auf die Idee gekommen, mehr in dir zu sehen."
"Allerdings bleibt mir nicht gerade viel Zeit, sie zu überzeugen. Ich glaube nicht, dass sich mein Vater lange hinhalten läßt."
Bei der Erwähnung des Königs verdunkelte sich Duncans Miene. Er konnte nicht verstehen, wie Randor seinen Sohn in solch eine Situation bringen konnte. Er war verärgert darüber, versuchte aber, dies Adam nicht zu zeigen.
"Du mußt es ihr sagen, es ist deine einzige Chance, und vielleicht auch die letzte. Denn wenn du erst einmal mit einer anderen verheiratet bist, nützt dir Teelas Sympathie He-Man gegenüber auch nichts mehr. Du würdest es sicher bereuen, wenn du es nicht wenigstens versucht hättest."
"Du hast ja Recht. Ich werde sobald wie möglich mit ihr reden. Wünsch mir Glück." Adam drehte sich um und ging zur Tür. Dort hielt er einen Moment inne und sah wieder zu Duncan: "Es ist gut, dich als Freund zu haben." Daraufhin verließ er das Labor.
Man-at-Arms sah ihm gedankenverloren nach. Adam war ein guter Jung, so viele Sorgen hatte er nicht verdient. Er hoffte, daß es mit den beiden funktionieren würde.
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Das Essen an diesem Abend verlief sehr ruhig. Selbst Orkos Zaubertricks fanden wenig Anklang. Adam war besonders schweigsam. Prinz und König wechselten kaum ein Wort miteinander.
Marlena Blieb die bedrückte Stimmung nicht verborgen. Sie schloß daraus, daß ihr Mann bereits mit Adam geredet hatte. Bei der nächsten Gelegenheit würde sie mit ihrem Sohn darüber sprechen.
Duncan musterte besorgt die Gesichter seiner Tischnachbarn und hoffte inständig, daß die Angelegenheit ein gutes Ende finden würde.
Nur Teela war so ahnungslos wie Cringer, der zufrieden unter dem Tisch an einem Knochen nagte. Jedoch bemerkte auch sie die ungewöhnliche Atmosphäre, die den Abend beherrschte.
