Zwei Wochen später ließ Randor Teela zu sich rufen, um dem Captain der Wache mitzuteilen, daß sie für den Ball zu Ehren Lord Merkons und seiner Tochter in der nächsten Woche noch einen Einsatzplan erstellen müsse.
Teela machte sich vom Büro des Königs aus sofort auf den Weg ins Labor ihres Vaters. Als sie am Thronsaal vorbeikam hörte sie, wie einige Dekorateure aufgeregt darüber diskutierten, welcher Blumenschmuck zu einem solch besonderen Anlaß wohl am geeignetsten sei.
Teela schüttelte verwirrt den Kopf. Ein Ball... ein besonderer Anlaß... was sollte das Ganze?
Sie betrat das Labor. Nach einem kurzen Augenblick fand sie ihren Vater.
"Oh, Teela, es dauert noch einen Moment, ich komme sofort."
Teela schaute sich um. Duncan hatte den Transporter fertiggestellt. Dieser stand betriebsbereit auf einem Tisch.
Als Duncan zu ihr trat, fragte sie sofort: "Wieso gibt der König für Lord Merkon eigentlich einen Ball? Ich dachte, es ginge nur um die Unterzeichnung eines Handelsabkommens?"
Überrascht fragte Duncan: "Weißt du noch nicht bescheid? Es ist zwar noch nicht offiziell; aber hast du denn noch nicht mit Adam geredet?" Teela schüttelte den Kopf. Betroffen fiel ihr wieder das letzte wirkliche Gespräch ein, das sie mit dem Prinzen geführt hatte.
Man-at-Arms wurde ernst. "Nach dem Vertragsabschluß wird ein Ball stattfinden, auf dem der König die Verlobung seines Sohnes mit Lady Gwendolyn bekanntgeben wird." Er wartete einen Moment, bevor er sagte: "Du wußtest doch von König Randors Forderung an Adam, er solle sich eine Frau suchen?"
"Ähm, ja... schon. Aber ich hatte nicht geglaubt, daß es ihm so ernst ist."
"Adam blieb nichts anderes übrig", sagte Duncan traurig.
Teela stöhnte innerlich auf. Gerade hatte sie es geschafft, ihre Gedanken soweit zu ordnen, daß diese nicht immer wieder zu dem Gespräch zurückkehrten – und jetzt das!
"Ich wollte ja schon vorher mit dir über die ganze Sache reden, aber ich hatte den Eindruck, daß dir danach nicht zumute war", meinte ihr Vater.
"Ja." Teela wechselte zu einem Thema, das ihr weniger unangenehm war. "Ich sehe, der Transporter ist fertig. Wann hast du vor, ihn zu testen?"
Duncan hatte verstanden und ließ das Thema auf sich beruhen. "Deshalb solltest du ja eigentlich vorbeikommen. He-Man wird gleich kommen, damit wir ihn ausprobieren können."
"Ah! Ja, gut." Das hatte ihr noch gefehlt. Normalerweise hätte sie sich auf ein Zusammen- treffen mit He-man gefreut...
Kaum hatte sie das gesagt, öffnete sich die Tür und He-Man trat herein.
Beim Anblick des Helden lächelte Teela ihn unwillkürlich an. He-Man war allerdings gar nicht nach Lächeln zumute, trotzdem begrüßte er sie freundlich wie immer.
In der nächsten Stunde prüften sie den Transporter auf Herz und Nieren. He-man bediente ihn, während Duncan ihm Anweisungen gab und Teela am Bildschirm die Werte überwachte, die er an den Computer übertrug.
"Beim letzten Transport hat es Schwankungen gegeben", sagte Teela zu den beiden.
"Tatsächlich? He-Man, gib ihn mir kurz, ich versuche, es zu beheben."
Während Duncan etwas an den Einstellungen änderte, ging He-Man hinüber zu Teela, um sich ebenfalls die Werte anzusehen. Wie sie beide über den Bildschirm gebeugt dastanden, wurde He-Man wieder bewußt, wie sehr sie ihm fehlte. Die körperliche Nähe und der Duft ihres Parfums trugen auch nicht gerade dazu bei, daß es ihm besser ging.
"Das ist das Parfum, das Adam dir zum Geburtstag geschenkt hat, nicht wahr?", sagte er ohne nachzudenken.
"Ähm, ja, genau. Woher - ."
"Ich hab's!", rief Duncan in diesem Moment. "Jetzt müßte alles einwandfrei funktionieren."
Sie wandten sich wieder ihrer Arbeit zu. Die restlichen Tests verliefen nun auch erfolgreich. Als alle Testreihen abgeschlossen waren, verabschiedete sich He-Man und verschwand.
Und ließ Teela wieder mit ihren Gedanken allein.
_______________________________________________________
Eigentlich hatte Teela vorgehabt, an diesem Abend noch den Einsatzplan zu schreiben. Doch statt in ihr Büro ging sie gleich auf ihr Zimmer, da ihr klar war, daß sie sich heute nicht mehr darauf konzentrieren könnte.
Adam würde eine andere heiraten. Er hatte es ihr ja gesagt; aber sie hatte eigentlich nie daran geglaubt, daß es wirklich soweit kommen würde. Doch warum widerstrebte ihr das auf einmal so sehr? Schließlich war es ja klar, daß Adam als Kronprinz einmal heiraten mußte. Dieser Gedanke hatte sie bis jetzt auch nicht gestört.
Teela setzte sich ans Fenster und sah zu den beiden Monden hinauf, die gerade aufgingen. Sie fühlte sich, als ob man ihr etwas wegnehmen würde, was schon ihr ganzes Leben lang zu ihr gehört hatte. Aber das war doch lächerlich, Adam war ja nicht aus der Welt, nur weil er heiratete. Es war ja so, wie sie zu ihm gesagt hatte, sie hatte ihn immer als eine Art Bruder und als guten Freund angesehen. Und warum sollte eine Heirat etwas an ihrer Freundschaft ändern?
Und mehr als Freundschaft wollte sie ja auch nicht – oder etwa doch? Hatte sie sich vielleicht doch falsch entschieden? Ihr lag wirklich sehr viel an ihm... Aber nein, das konnte nicht sein, da war ja schließlich noch He-Man; in seiner Nähe fühlte sie sich sicher und beschützt. Aber er beschützte ja nicht nur sie, sondern ganz Eternia. Er war ein großer Held und sie bewunderte ihn. Aber obwohl sie eine seiner wenigen Vertrauten war, wußte sie nur wenig über ihn, eigentlich zu wenig.
Aber was wäre, wenn He-Man nicht in ihr Leben getreten wäre? Was würde sie dann für Adam empfinden? Nein, zwischen ihnen konnte niemals mehr als Freundschaft sein. Damit stand sie auf, ging zu ihrem Tisch und begann, den Einsatzplan zu schreiben.
