Kapitel 2: Seite an Seite
Harry verließ den Zug mit seinen Freunden und packte sein Gepäck auf einen Gepäckwagen.
"So, wo sind sie?", fragte Ron, nachdem sie seine Mutter im Muggelteil des Bahnhofs getroffen hatten.
"Sie sollten eigentlich da sein", antwortete Harry, obwohl er wusste, dass Ron seine geliebte Familie meinte.
"Oh ja, sie sind doch eigentlich nie pünktlich, oder?"
"Nein", antwortete Harry, dieses Jahr, hoffte er, würde keine Ausnahme darstellen.
"Bist du dir sicher, dass wir nicht warten sollen?", fragte Mrs Weasley mit soviel mütterlicher Sorge, die noch niemand sonst ihm gezeigt hatte.
"Ja, es ist in Ordnung", antwortete Harry und fühlte sich auf einmal ziemlich schlecht.
"Wir sehen uns dann in ein paar Wochen", grinste Ron und verließ mit seiner Mutter und seiner Schwester den Bahnhof.
"Ich gehe das erste Mal alleine nach hause", erklärte Hermine stolz.
"Es hat nichts mit deinem Alter zu tun, es ist gefährlich", warnte Harry.
"Es ist nur eine weitere Zugfahrt und mein Zug geht in ein paar Minuten. Oh, mein Zug geht wirklich gleich, ich muss los.", sagte Hermine panisch.
Harry sah ihr zu, wie sie einstieg. Er wartete, bis er den Zug nicht mehr sehen konnte.
Harry versicherte sich, dass niemand anderes ihn beachtete und suchte nach den nächsten Toiletten. Er schloss sich mit seinem Gepäck in der Behindertenkabine ein, weil es die einzige war, die ihm für seine Zwecke groß genug erschien.
Als erstes leerte er die Flasche mit dem Zaubertrank, teils weil er es tun wollte, bevor er zu nervös wurde und teils weil er sich nicht sicher war, ob das der Grund war, warum er eine Stunde warten sollte. Es schmeckte gar nicht mal so schlecht.
Als nächstes holte er alle Kleider aus dem Rucksack, die er für den sofortigen Gebrauch bekommen hatte ansonsten hatte er noch eine Garnitur Kleidung zum Wechseln mit. Er fand eine lange Ledermantel, eine schwere Wolljacke, eine seltsame hippie Jacke, einen langen V-Auschnitt Pullover und einige Lederhosen. Es war klar, warum ihm der Rucksack so schwer erschien als er ziemlich schwere, Schuhe fand, die außerdem mit vielen Schnallen versehen waren. Harry konnte sich nicht wirklich an Dumbledores Sinn für Humor erfreuen, er war beinahe froh, dass Snape überhaupt keinen hatte.
Er zog seine alten Kleider aus, die Neuen an und wagte einen Blick in den Spiegel, der Trank hatte noch nicht viel gewirkt. Seine Haare waren gewachsen und wellten sich leicht, Ein paar Strähnen waren mit farbigen Fäden umwickelt. Er hörte auf seinem Haar beim Wachsen zu zusehen und holte das Halstuch heraus. Er wickelte es um seine Stirnals seine Haare zu wachsen aufgehört hatten. Es verdeckte seine Narbe, das hatte der Schulleiter also damit bezwecken wollen. Er hatte jetzt auch einen kleinen Spitzbart am Kinn.
Er setzte sich auf den Boden, der ganze Prozess hatte nicht mal ansatzweise eine ganze Stunde gedauert. Er hatte immer noch genügend Zeit um weg zu laufen, dachte er. Er tat es nicht, er hatte zu Hermine gesagt, dass es gefährlich war, er konnte das nicht ignorieren, es war nun mal so. Obwohl er daran zweifelte, dass ihn irgendwer so erkennen würde und ihn daran hindern würde. Er konnte in einer Minute auf der Straße sein, dort war er vielleicht sicherer als überall sonst. Sicherlich weniger gefährlich als der Ort, an den Snape ihn wohl bringen würde. Er konnte einfach verschwinden, aber er bewegte sich nicht. Snape war nicht nur seine Begleitperson, er war auch seine. Dumbledore sorgte sich um Snape und Harry und er verehrte diesen Mann zu sehr, als dass er ihm diesen Wunsch nicht erfüllen würde. Verdammt, dachte er und trat wütend gegen den Mülleimer. Er konnte sich sicher sein, dass er wohl Visionen von seinen Verfolgern und wie sie ihn töteten bekommen würde.
Er entfernte sich langsam von den Toiletten zu den Ankunftsbereich, wobei er sich ständig nach einem bekannten Gesicht umsah, Freund oder Feind oder Snape. Da war nichts, niemand, er dachte immer noch etwas über weglaufen nach. Er packte sein Gepäck wieder auf einen Gepäckwagen, die Jacken legte er oben drauf. Er suchte die Gleise nach einem Zug nach Edinburgh ab. Als er einen fand, rannte er zur Gleis 1. Immer noch keine Spur von Snape. Seine Schuhe klackten auf dem Steinboden, aber wenigstens waren sie bequem. Er schwitzte unter der neuen Jacke, war gingen jetzt seine Nerven mit ihm durch. Einen ganzen Sommer mit Snape, er musste vollkommen verrückt sein; er würde ja sogar lieber ein obdachloser Junkie sein.
Er stand am Gleis und bemerkte die außergewöhnliche Länge des Zuges als er ihn sah. Wenigstens dachte er es. Da war ein großer Mann, dem Zug zugewandt. Ein kleinerer Mann stand hinter ihm. Ein Rucksack stand zwischen ihnen. Der größere trug einen langen Mantel und hatte seine langen Haare zu einem Zopf zusammen gebunden. Er trug schwarz, wirkte ziemlich arrogant und rauchte eine Zigarette. Harry ging auf sie zu, obgleich er hoffte, dass er es nicht war. Als er näher kam, erkannte er ihn. Er war noch ein paar Meter entfernt, als Snape sich umdreht und schwang seinen Mantel so wie er es gewöhnlich mit seinem Umhang tat.
Harry blieb abrupt stehen, seine Füße wollten sich nicht mehr bewegen, plötzlich schien alles zehn mal realer und gleichzeitig auch irgendwie wieder unwirklich. Snape näherte sich ihm leicht irritiert. Harry machte ängstlich einen Schritt zurück. Snape blieb etwa einen halben Meter von ihm stehen.
"Es ist nicht ungewöhnlich, denke ich, für junge Männer wie Sie von Männern wie mir an diesem Ort angesprochen zu werden, um spezielle verbotene Substanzen anzubieten", sagte Snape in seinem typischen Tonfall, nur etwas leiser als sonst.
Harry reagierte nicht.
"Schließen Sie den Mund, Potter und halten Sie Ihre Hand auf", befahr Snape.
"Das ist bescheuert", sagte er, hielt aber trotzdem seine Hand hin.
"Leute verschwinden täglich von diesem Bahnhof, leichtsinnig in ihrer Unschuld.", sagte Snape und gab ihm einen kleinen Plastikbeutel gefüllt mit drei weißen Pillen in die Hand. "Es gibt mehr davon, wenn Sie mir bitte folgen würden", sagte er höhnisch, "Passen Sie auf, dass Ich Sie nicht zu hart behandele."
Harry antwortete mit ein bisschen erfolgreich, während er die Pillen in einer seiner Tasche versteckte
Snape wendete sich an das Mitglied des Ordens, das die ganze zeit still hinter ihnen gestanden hat und schüttelte ihm die Hand. Der Mann verließ sie mit Harry Koffer.
"Kommen Sie", sagte Snape und ging zum Einstieg.
Harry zog seinen Rucksack auf, klemmte die Jacken unter die Träger, so dass er sie nicht extra tragen musste. Snape machte das selbe, außer dass er seinen Ledermantel schon anhatte und keinen anderen dabeizuhaben schien. Harry fühlte sich wie ein Prostituierter als er Snape hinter her hetzte und fühlte sich ziemlich angewiedert.
*****
Severus traute sich nicht seine Kristallkugel anzufassen als sie den Zug nach Inverness erreichten. Er war sich sicher, dass sie ihm ein paar elektrische Schläge verpassen würde, wenn er es tat. Jetzt musste das Schauspiel aufhören, beschloss er. Er hatte es gehasst, Harry so zu ängstigen, nach dem er in seinem Denkarium all das gesehen hatte, aber Dumbledore hatte auf dieses kleine Szenario bestanden. Wenigstens folgte Harry ihm immer noch und hatte noch keinen Versuch gemacht wegzurennen. Er löste das nervende Haargummi in seinen Haaren. Er schüttelte seinen Kopf und es war so ungeordnet wie immer. Sie bestiegen ihren Zug und packten ihr Gepäck in den Gepäckträger über den Sitzen. Severus wollte es lieber im Auge behalten. Eine alte Frau saß ihnen gegenüber und schaute sie grimmig an.
"Diese Plätze sind reserviert", keifte sie.
Ja, den ich habe sie reserviert, du blöder Muggel, dachte Severus, und ich musste den vollen Erwachsenenpreis zahlen. Severus wiederstand zu antworten, stattdessen schaute er sie auch grimmig an, aber es schien nicht den selben Effekt auf sie zu haben, wie auf seine Schüler. Sie werden, so angezogen, wie der letzte Abschaum behandelt werden, hatte ihm Dumbledore erzählt. Aber diese Ledermäntel hätten so viel wie das andere Gepäck zusammengenommen gekostet, hatte er argumentiert. Selbst dann, hatte der Schulleiter geantwortet. Sie waren nicht auf dieser Reise um irgendwelche Freundschaften zu schließen, und wenn sie die Leute auf Abstand hielten, konnten sie vielleicht einen Angriff des Feindes leichter ausmachen. Insofern war ihr Aufzug sogar sehr effektiv.
Severus streckte seine Beine aus, nur um die Einkaufstüte der Frau zu entdecken, die etwa die Hälfte seines Beinraumes einnahm. Er schaute zu Harry, der es sich ebenfalls versuchte bequem hinzusetzten. Sie waren in einer Position, in der er nicht viel zu ihm sagen konnte und er hoffte, dass Harry das auch erkannt hatte.
Er musste aufhören, ihn Harry zu nennen, dachte er, ihre Verkleidung machte sonst wenig Sinn. Sie hatten sich aber noch keine Alternative überlegt. Außerstande Harrys Aufmerksamkeit zu erregen, ließ er ihn für einige Zeit in Ruhe.
Schließlich verließ der Zug den Bahnhof. Er griff in seine Tasche und holte zwei Papiertüten heraus, die er kurz vor ihrem rendez-vu erworben hatte. Er gab Harry eine.
"Für Sie", sagte er in einem bemüht höfflichen Ton.
Die Dursleys hatten einen netten Nachmittag, hatten sie ihm bei seiner Ankunft am Bahnhof gesagt. Sie hatten das Haus erst spät am Nachmittag verlassen, als sie dann mit ihrem Auto zu einem netten indischen Restaurant in der Nähe von Guildford fuhren. Sie hatten nie vorgehabt Harry abzuholen. Vielleicht hatten sie darauf gehofft, dass irgendwer sich an ihm vergriff,.
Severus betrachtete Harry; Er starte auf das Cover des Buches. Er hatte versucht etwas zu finden, was Harry lesen konnte, aber es war schwierig, so weit von ihrer eigenen Welt entfernt. Er selber hatte ein selbstbezeichneten Horrorroman. Er zweifelte daran, dass dieses Buch ihm irgendwelchen Schrecken einjagen konnte. Er schlug die erste Seite auf. Es konnte sich kaum auf diese banal Fiktion konzentrieren, weil er sich so eingeengt fühlte. Er vermutete, dass er nicht mehr als zwei Zentimeter Bewegungsspielraum hatte, in alle Richtungen.
Harry saß still da, es war beinahe so, als würde er versuchen seinen Atem für die meiste Zeit anzuhalten. Er drehte sein Buch um und las schließlich den Klappentext auf der Rückseite. Severus berührte die Kristallkugel nicht, es war unfair gegenüber Harry und er konnte ja keinen Einfluss darauf nehmen, was Snape dort sehen würde.
Jemand brüllte laut aus der Richtung der Tür als sie sich Peterborough näherten und Severus versuchten nicht zu erschrecken als drei Männer in Fußballshirts und Kilts, offensichtlich betrunken in ihren Waggong kamen und mit einer schottischen Flagge wedelten. Als sie bei ihren Plätzen vorbeigingen, streifte einer Harry und stieß mit seiner Schulter zusammen. Severus hätte beinahe einen Fluch gezischt, doch Harry zuckte wieder vor ihm zurück.
"Das nächste mal fliegen wir", sagte Severus zu Harry hoffend dass er wenigstens das Wortspiel verstand.
"Entschuldigung", antwortete Harry und steckte seinen Kopf in das Buch. Er öffnete es beim Lesezeichen, das Severus dort platziert hatte. Er hoffte, dass er die Nachricht sah, die er auf das Lesezeichen geschrieben hatte, "Wir sind jetzt Freunde", sein Gesichtsausdruck verriet nichts.
Es würde noch lange bis nach Inverness dauern und es wurde langsam spät. Schließlich drehte sich Harry zu Seite - von Severus abgewandt - und schien zu versuchen etwas zu schlafen. Severus schaute zu der Frau gegenüber. Er hoffte bei jeder Station, dass sie nun endlich aussteigen würde. Sein Minimum an Kommunikation mit Harry hatte wenig dazu beigetragen, dass sich ihre Meinung von ihnen verbesserte.
Sie hatten gerade Edinburgh hinter sich gelassen als Severus sich auch langsam müde fühlte. Er versuchte wach zu bleiben, zwang sich sein Buch zu lesen, er musste auf Harry aufpassen. Der Zug kam immer noch direkt von King's Cross und sie hatten keine Möglichkeit herauszufinden, wer sonst noch mitfuhr. Durch die Lautsprecher im Zug wurde auf Erfrischungen hingewiesen, die man im vorderen Zugteil erwerben konnte, aber er konnte Harry nicht alleine lassen, deshalb brachte es ihm nicht viel.
Harry wachte auf. Sie waren gerade durch Aberdeen gefahren, er schien nicht gerade ausgeruht. Er schaute Severus nervös an, bevor er sprach.
"Sind wir bald da?", fragte er.
"Wir sind gerade durch Aberdeen, nicht mehr ganz so lang", antwortete Severus. Er schaute in die Dunkelheit nach draußen. Harry hatte nicht einmal versucht sein Freund zu sein für den Zweck dieser Mission, er hatte nicht gerade viel Hoffnung, dass er sein Angebot ernstnehmen würde.
*****
Sie stiegen in Inverness aus und standen am Gleis und ordneten ihr Gepäck. Die alte Frau, die Severus so angefaucht hatte, sauste an ihnen vorbei und rannte beinahe Harry über den Haufen. Er war nicht wütend. Er sah nur müde und geschafft aus. Ohne ein Wort zu sagen zog er den Rucksack auf und wartete darauf, dass Severus ihm den Weg wies.
"Wir müssen etwas finden, wo wir übernachten können", sagte Severus als sie über den Bahnhof gingen. Alle Geschäfte dort waren schon lange geschlossen und es sah nicht so aus, als ob sie irgendwo noch ein Stück Schokolade und was zum Trinken bekämen. Er hatte zu wenig zu essen eingepackt, aber sie mussten trotzdem aus der Stadt.
Die Luft hier wahr viel frischer und reiner als in London. Sie gingen durch die Straßen der Stadt, Severus hatte keine Ahnung, wo sie hingingen aber er nahm an, dass die Stadt so klein war, dass es kein Problem darstellte, hier heraus zu finden. Es schien als würden sie schon stundenlang gehen als die Häuser den Feldern Platz machten. Es konnte nicht so lang gedauert haben, es war wahrscheinlich nur Einbildung. Harry folgte ihm still, er beschwerte sich nicht, aber sonst sprach er kein Wort. Er war ein Narr gewesen sich einzubilden, dass eine Art Waffenstillstand für diesen Zweck zwischen ihnen hätte entstehen könne. Er hatte bloß einen Zweck mit seinen Lehrmethoden verfolgt. Harry hatte es real erlebt. Er würde genauso wenig Frieden mit ihm schließen wie er den Dursleys vergeben würde.
Sie fanden ein Feld, das weit genug von allem weg war und gingen zu der weitentferntesten Eck. Severus beleuchtete mit seinem Zauberstab den Boden und sie fanden ein Abschnitt mit Gras. Sie setzten ihre Rucksäcke ab und packten die Zeltbestandteile aus.
Harry traute Snape nicht zu, dass er das Zelt aufbauen konnte, deshalb tat er es selber, er wollte so schnell wie möglich schlafen. Snape setzte sich auf das Gras und suchte in seinem Gepäck irgendetwas. Harry ließ nicht zu, dass er ihn ablenkte. Es war eigentlich ganz einfach, bloß ein kleines Zelt in das kaum zwei Leute passten. Er wusste, wie er das Zeltaufbau zaubern konnte, innen drinnen würde dann ein Raum so groß wie der Gryffindor Gemeinschaftsraum, wenn nicht sogar größer, sein. Harry befestigte das Zelt am Boden, während Snape eine Muggelgaskocher aufbaute. In der Dunkelheit, mit bloß einem Zauberstab zur Beleuchtung sah er ziemlich unheimlich aus.
"Ich geh rein und sehe mich um", sagte Harry, Snape antwortete nicht, er war mit einer Beschwörung von Streichhölzern beschäftigt, aus irgendeinem Grund benutzte er seinen Zauberstab nicht.
Harry stieg hinein und bemerkte, dass er sich nicht in einem magisch kreierten Hotelzimmer befand. Es war ein echtes Muggelzelt, gerade groß genug für zwei und das auch nur sehr gequetscht. Harry dachte daran, was Snape wohl tun würde, wenn er ihre Schlafmöglichkeiten sah. Er war ziemlich entsetzt. Er hatte gedacht, dass sie zusammen in einem netten großen Raum schlafen konnten. Sie hätten sich einfach ignorieren können. Wahrscheinlich war das ein Hintergedanke von Dumbledore gewesen. Harry holte die beiden Rucksäcke und stellte sie in eine Ecke. Er holte die beiden Schlafsäcke heraus und legte sie auf die Isomatten. Sie würden mit kaum einem Zentimeter Abstand nebeneinander schlafen müssen. Snape würde sehr wütend werden.
Snape erhitze eine Muggelerbsen dose auf seinem Kocher, Harry war so hungrig und dankbar für alles, was essbar war, egal, was es war. Snape war nicht gerade über das Essen erfreut. Harry fühlte sich auf einmal nicht so gut und fragte sich, ob er überhaupt noch was essen konnte.
"Wie steht es um unsere Unterkunft", fragte Snape und schaute von seinem Kocher auf.
"Ganz gemütlich", antworte Harry, seine Stimme schwankte.
"Wo hat Albus bloß all das her?", fragte Snape und begutachtete mit einigem Missfallen ihr Abendbrot.
"Argos, glaube ich", antwortete Harry.
"Nie von ihm gehört", sagte Snape und versuchte den Inhalt der Dose, der nun kochend hochquoll zurück zu drängen.
Harry setzte sich auf den Boden und zog seine Knie heran während er versuchte seine Übelkeit zu verdrängen. Wenn er das nicht aß, was Snape da zubereitete, wusste er nicht, wann er wieder was zu essen bekommen würde.
"Wir müssen uns einen anderen Namen für dich überlegen, such dir einen aus", befahl Snape.
Der einzige Name der ihm einfiel, war der seines Vaters, welcher auch sein 2. Vorname war, also zu auffällig. Außerdem würde es Snape bestimmt nicht gefallen ihn so zu nennen.
"Soll ich einen aussuchen? Was hältst du von Alex?", bot Snape ihm an.
Harry war überrascht, dass er den Namen eigentlich gar nicht so schlecht fand. "Okay, also Alex. Und Sie?"
Snape runzelte die Stirn und dachte nach.
"Richard", sagte Harry. Snape sah ihn zornig an und er sank automatisch in sich zusammen.
"Wir müssen diese Namen nur vor anderen Leuten benutzen, wenn wir allein sein, wirst du mich Severus nennen und ich dich Harry, du bist kein Schüler mehr, aber ein Mitglied des Ordens", ordnete Snape an und reichte ihm eine Dose und einen Löffel.
Harry nahm das Essen, es sah aus wie eine schwerzubeschreibende Fleischsuppe, aber sie war bessser, als er erwartete hatte, dass Severus es machen konnte. Severus! Das war seltsam.
Sie aßen wortlos zu ende und Severus sammelte alle ihre Sachen zusammen und passte auf, dass nichts draußen blieb.
"Schlaf ein bisschen, Harry", sagte Severus, "Wir müssen morgen weiter."
Harry stieg hinein und wartete darauf, dass Severus ebenfalls kommen und sich über den Platzmangel aufregen würde. Severus folgte ihm und man sah ihm kaum an, dass er sich darüber ärgerte. Er legte sich vollangezogen in seinen Schlafsack und drehte sich von Harry weg.
"Leg dich wenigstens hin", sagte Severus, "du brauchst Ruhe."
Harry tat wie ihm befohlen und dachte, dass dieser Ort eigentlich viel größer war als manch andere Orte, an denen er früher schlafen musste. Es überraschte ihn, wie schnell er in dieser bizarren Situation müde wurde.
Harry verließ den Zug mit seinen Freunden und packte sein Gepäck auf einen Gepäckwagen.
"So, wo sind sie?", fragte Ron, nachdem sie seine Mutter im Muggelteil des Bahnhofs getroffen hatten.
"Sie sollten eigentlich da sein", antwortete Harry, obwohl er wusste, dass Ron seine geliebte Familie meinte.
"Oh ja, sie sind doch eigentlich nie pünktlich, oder?"
"Nein", antwortete Harry, dieses Jahr, hoffte er, würde keine Ausnahme darstellen.
"Bist du dir sicher, dass wir nicht warten sollen?", fragte Mrs Weasley mit soviel mütterlicher Sorge, die noch niemand sonst ihm gezeigt hatte.
"Ja, es ist in Ordnung", antwortete Harry und fühlte sich auf einmal ziemlich schlecht.
"Wir sehen uns dann in ein paar Wochen", grinste Ron und verließ mit seiner Mutter und seiner Schwester den Bahnhof.
"Ich gehe das erste Mal alleine nach hause", erklärte Hermine stolz.
"Es hat nichts mit deinem Alter zu tun, es ist gefährlich", warnte Harry.
"Es ist nur eine weitere Zugfahrt und mein Zug geht in ein paar Minuten. Oh, mein Zug geht wirklich gleich, ich muss los.", sagte Hermine panisch.
Harry sah ihr zu, wie sie einstieg. Er wartete, bis er den Zug nicht mehr sehen konnte.
Harry versicherte sich, dass niemand anderes ihn beachtete und suchte nach den nächsten Toiletten. Er schloss sich mit seinem Gepäck in der Behindertenkabine ein, weil es die einzige war, die ihm für seine Zwecke groß genug erschien.
Als erstes leerte er die Flasche mit dem Zaubertrank, teils weil er es tun wollte, bevor er zu nervös wurde und teils weil er sich nicht sicher war, ob das der Grund war, warum er eine Stunde warten sollte. Es schmeckte gar nicht mal so schlecht.
Als nächstes holte er alle Kleider aus dem Rucksack, die er für den sofortigen Gebrauch bekommen hatte ansonsten hatte er noch eine Garnitur Kleidung zum Wechseln mit. Er fand eine lange Ledermantel, eine schwere Wolljacke, eine seltsame hippie Jacke, einen langen V-Auschnitt Pullover und einige Lederhosen. Es war klar, warum ihm der Rucksack so schwer erschien als er ziemlich schwere, Schuhe fand, die außerdem mit vielen Schnallen versehen waren. Harry konnte sich nicht wirklich an Dumbledores Sinn für Humor erfreuen, er war beinahe froh, dass Snape überhaupt keinen hatte.
Er zog seine alten Kleider aus, die Neuen an und wagte einen Blick in den Spiegel, der Trank hatte noch nicht viel gewirkt. Seine Haare waren gewachsen und wellten sich leicht, Ein paar Strähnen waren mit farbigen Fäden umwickelt. Er hörte auf seinem Haar beim Wachsen zu zusehen und holte das Halstuch heraus. Er wickelte es um seine Stirnals seine Haare zu wachsen aufgehört hatten. Es verdeckte seine Narbe, das hatte der Schulleiter also damit bezwecken wollen. Er hatte jetzt auch einen kleinen Spitzbart am Kinn.
Er setzte sich auf den Boden, der ganze Prozess hatte nicht mal ansatzweise eine ganze Stunde gedauert. Er hatte immer noch genügend Zeit um weg zu laufen, dachte er. Er tat es nicht, er hatte zu Hermine gesagt, dass es gefährlich war, er konnte das nicht ignorieren, es war nun mal so. Obwohl er daran zweifelte, dass ihn irgendwer so erkennen würde und ihn daran hindern würde. Er konnte in einer Minute auf der Straße sein, dort war er vielleicht sicherer als überall sonst. Sicherlich weniger gefährlich als der Ort, an den Snape ihn wohl bringen würde. Er konnte einfach verschwinden, aber er bewegte sich nicht. Snape war nicht nur seine Begleitperson, er war auch seine. Dumbledore sorgte sich um Snape und Harry und er verehrte diesen Mann zu sehr, als dass er ihm diesen Wunsch nicht erfüllen würde. Verdammt, dachte er und trat wütend gegen den Mülleimer. Er konnte sich sicher sein, dass er wohl Visionen von seinen Verfolgern und wie sie ihn töteten bekommen würde.
Er entfernte sich langsam von den Toiletten zu den Ankunftsbereich, wobei er sich ständig nach einem bekannten Gesicht umsah, Freund oder Feind oder Snape. Da war nichts, niemand, er dachte immer noch etwas über weglaufen nach. Er packte sein Gepäck wieder auf einen Gepäckwagen, die Jacken legte er oben drauf. Er suchte die Gleise nach einem Zug nach Edinburgh ab. Als er einen fand, rannte er zur Gleis 1. Immer noch keine Spur von Snape. Seine Schuhe klackten auf dem Steinboden, aber wenigstens waren sie bequem. Er schwitzte unter der neuen Jacke, war gingen jetzt seine Nerven mit ihm durch. Einen ganzen Sommer mit Snape, er musste vollkommen verrückt sein; er würde ja sogar lieber ein obdachloser Junkie sein.
Er stand am Gleis und bemerkte die außergewöhnliche Länge des Zuges als er ihn sah. Wenigstens dachte er es. Da war ein großer Mann, dem Zug zugewandt. Ein kleinerer Mann stand hinter ihm. Ein Rucksack stand zwischen ihnen. Der größere trug einen langen Mantel und hatte seine langen Haare zu einem Zopf zusammen gebunden. Er trug schwarz, wirkte ziemlich arrogant und rauchte eine Zigarette. Harry ging auf sie zu, obgleich er hoffte, dass er es nicht war. Als er näher kam, erkannte er ihn. Er war noch ein paar Meter entfernt, als Snape sich umdreht und schwang seinen Mantel so wie er es gewöhnlich mit seinem Umhang tat.
Harry blieb abrupt stehen, seine Füße wollten sich nicht mehr bewegen, plötzlich schien alles zehn mal realer und gleichzeitig auch irgendwie wieder unwirklich. Snape näherte sich ihm leicht irritiert. Harry machte ängstlich einen Schritt zurück. Snape blieb etwa einen halben Meter von ihm stehen.
"Es ist nicht ungewöhnlich, denke ich, für junge Männer wie Sie von Männern wie mir an diesem Ort angesprochen zu werden, um spezielle verbotene Substanzen anzubieten", sagte Snape in seinem typischen Tonfall, nur etwas leiser als sonst.
Harry reagierte nicht.
"Schließen Sie den Mund, Potter und halten Sie Ihre Hand auf", befahr Snape.
"Das ist bescheuert", sagte er, hielt aber trotzdem seine Hand hin.
"Leute verschwinden täglich von diesem Bahnhof, leichtsinnig in ihrer Unschuld.", sagte Snape und gab ihm einen kleinen Plastikbeutel gefüllt mit drei weißen Pillen in die Hand. "Es gibt mehr davon, wenn Sie mir bitte folgen würden", sagte er höhnisch, "Passen Sie auf, dass Ich Sie nicht zu hart behandele."
Harry antwortete mit ein bisschen erfolgreich, während er die Pillen in einer seiner Tasche versteckte
Snape wendete sich an das Mitglied des Ordens, das die ganze zeit still hinter ihnen gestanden hat und schüttelte ihm die Hand. Der Mann verließ sie mit Harry Koffer.
"Kommen Sie", sagte Snape und ging zum Einstieg.
Harry zog seinen Rucksack auf, klemmte die Jacken unter die Träger, so dass er sie nicht extra tragen musste. Snape machte das selbe, außer dass er seinen Ledermantel schon anhatte und keinen anderen dabeizuhaben schien. Harry fühlte sich wie ein Prostituierter als er Snape hinter her hetzte und fühlte sich ziemlich angewiedert.
*****
Severus traute sich nicht seine Kristallkugel anzufassen als sie den Zug nach Inverness erreichten. Er war sich sicher, dass sie ihm ein paar elektrische Schläge verpassen würde, wenn er es tat. Jetzt musste das Schauspiel aufhören, beschloss er. Er hatte es gehasst, Harry so zu ängstigen, nach dem er in seinem Denkarium all das gesehen hatte, aber Dumbledore hatte auf dieses kleine Szenario bestanden. Wenigstens folgte Harry ihm immer noch und hatte noch keinen Versuch gemacht wegzurennen. Er löste das nervende Haargummi in seinen Haaren. Er schüttelte seinen Kopf und es war so ungeordnet wie immer. Sie bestiegen ihren Zug und packten ihr Gepäck in den Gepäckträger über den Sitzen. Severus wollte es lieber im Auge behalten. Eine alte Frau saß ihnen gegenüber und schaute sie grimmig an.
"Diese Plätze sind reserviert", keifte sie.
Ja, den ich habe sie reserviert, du blöder Muggel, dachte Severus, und ich musste den vollen Erwachsenenpreis zahlen. Severus wiederstand zu antworten, stattdessen schaute er sie auch grimmig an, aber es schien nicht den selben Effekt auf sie zu haben, wie auf seine Schüler. Sie werden, so angezogen, wie der letzte Abschaum behandelt werden, hatte ihm Dumbledore erzählt. Aber diese Ledermäntel hätten so viel wie das andere Gepäck zusammengenommen gekostet, hatte er argumentiert. Selbst dann, hatte der Schulleiter geantwortet. Sie waren nicht auf dieser Reise um irgendwelche Freundschaften zu schließen, und wenn sie die Leute auf Abstand hielten, konnten sie vielleicht einen Angriff des Feindes leichter ausmachen. Insofern war ihr Aufzug sogar sehr effektiv.
Severus streckte seine Beine aus, nur um die Einkaufstüte der Frau zu entdecken, die etwa die Hälfte seines Beinraumes einnahm. Er schaute zu Harry, der es sich ebenfalls versuchte bequem hinzusetzten. Sie waren in einer Position, in der er nicht viel zu ihm sagen konnte und er hoffte, dass Harry das auch erkannt hatte.
Er musste aufhören, ihn Harry zu nennen, dachte er, ihre Verkleidung machte sonst wenig Sinn. Sie hatten sich aber noch keine Alternative überlegt. Außerstande Harrys Aufmerksamkeit zu erregen, ließ er ihn für einige Zeit in Ruhe.
Schließlich verließ der Zug den Bahnhof. Er griff in seine Tasche und holte zwei Papiertüten heraus, die er kurz vor ihrem rendez-vu erworben hatte. Er gab Harry eine.
"Für Sie", sagte er in einem bemüht höfflichen Ton.
Die Dursleys hatten einen netten Nachmittag, hatten sie ihm bei seiner Ankunft am Bahnhof gesagt. Sie hatten das Haus erst spät am Nachmittag verlassen, als sie dann mit ihrem Auto zu einem netten indischen Restaurant in der Nähe von Guildford fuhren. Sie hatten nie vorgehabt Harry abzuholen. Vielleicht hatten sie darauf gehofft, dass irgendwer sich an ihm vergriff,.
Severus betrachtete Harry; Er starte auf das Cover des Buches. Er hatte versucht etwas zu finden, was Harry lesen konnte, aber es war schwierig, so weit von ihrer eigenen Welt entfernt. Er selber hatte ein selbstbezeichneten Horrorroman. Er zweifelte daran, dass dieses Buch ihm irgendwelchen Schrecken einjagen konnte. Er schlug die erste Seite auf. Es konnte sich kaum auf diese banal Fiktion konzentrieren, weil er sich so eingeengt fühlte. Er vermutete, dass er nicht mehr als zwei Zentimeter Bewegungsspielraum hatte, in alle Richtungen.
Harry saß still da, es war beinahe so, als würde er versuchen seinen Atem für die meiste Zeit anzuhalten. Er drehte sein Buch um und las schließlich den Klappentext auf der Rückseite. Severus berührte die Kristallkugel nicht, es war unfair gegenüber Harry und er konnte ja keinen Einfluss darauf nehmen, was Snape dort sehen würde.
Jemand brüllte laut aus der Richtung der Tür als sie sich Peterborough näherten und Severus versuchten nicht zu erschrecken als drei Männer in Fußballshirts und Kilts, offensichtlich betrunken in ihren Waggong kamen und mit einer schottischen Flagge wedelten. Als sie bei ihren Plätzen vorbeigingen, streifte einer Harry und stieß mit seiner Schulter zusammen. Severus hätte beinahe einen Fluch gezischt, doch Harry zuckte wieder vor ihm zurück.
"Das nächste mal fliegen wir", sagte Severus zu Harry hoffend dass er wenigstens das Wortspiel verstand.
"Entschuldigung", antwortete Harry und steckte seinen Kopf in das Buch. Er öffnete es beim Lesezeichen, das Severus dort platziert hatte. Er hoffte, dass er die Nachricht sah, die er auf das Lesezeichen geschrieben hatte, "Wir sind jetzt Freunde", sein Gesichtsausdruck verriet nichts.
Es würde noch lange bis nach Inverness dauern und es wurde langsam spät. Schließlich drehte sich Harry zu Seite - von Severus abgewandt - und schien zu versuchen etwas zu schlafen. Severus schaute zu der Frau gegenüber. Er hoffte bei jeder Station, dass sie nun endlich aussteigen würde. Sein Minimum an Kommunikation mit Harry hatte wenig dazu beigetragen, dass sich ihre Meinung von ihnen verbesserte.
Sie hatten gerade Edinburgh hinter sich gelassen als Severus sich auch langsam müde fühlte. Er versuchte wach zu bleiben, zwang sich sein Buch zu lesen, er musste auf Harry aufpassen. Der Zug kam immer noch direkt von King's Cross und sie hatten keine Möglichkeit herauszufinden, wer sonst noch mitfuhr. Durch die Lautsprecher im Zug wurde auf Erfrischungen hingewiesen, die man im vorderen Zugteil erwerben konnte, aber er konnte Harry nicht alleine lassen, deshalb brachte es ihm nicht viel.
Harry wachte auf. Sie waren gerade durch Aberdeen gefahren, er schien nicht gerade ausgeruht. Er schaute Severus nervös an, bevor er sprach.
"Sind wir bald da?", fragte er.
"Wir sind gerade durch Aberdeen, nicht mehr ganz so lang", antwortete Severus. Er schaute in die Dunkelheit nach draußen. Harry hatte nicht einmal versucht sein Freund zu sein für den Zweck dieser Mission, er hatte nicht gerade viel Hoffnung, dass er sein Angebot ernstnehmen würde.
*****
Sie stiegen in Inverness aus und standen am Gleis und ordneten ihr Gepäck. Die alte Frau, die Severus so angefaucht hatte, sauste an ihnen vorbei und rannte beinahe Harry über den Haufen. Er war nicht wütend. Er sah nur müde und geschafft aus. Ohne ein Wort zu sagen zog er den Rucksack auf und wartete darauf, dass Severus ihm den Weg wies.
"Wir müssen etwas finden, wo wir übernachten können", sagte Severus als sie über den Bahnhof gingen. Alle Geschäfte dort waren schon lange geschlossen und es sah nicht so aus, als ob sie irgendwo noch ein Stück Schokolade und was zum Trinken bekämen. Er hatte zu wenig zu essen eingepackt, aber sie mussten trotzdem aus der Stadt.
Die Luft hier wahr viel frischer und reiner als in London. Sie gingen durch die Straßen der Stadt, Severus hatte keine Ahnung, wo sie hingingen aber er nahm an, dass die Stadt so klein war, dass es kein Problem darstellte, hier heraus zu finden. Es schien als würden sie schon stundenlang gehen als die Häuser den Feldern Platz machten. Es konnte nicht so lang gedauert haben, es war wahrscheinlich nur Einbildung. Harry folgte ihm still, er beschwerte sich nicht, aber sonst sprach er kein Wort. Er war ein Narr gewesen sich einzubilden, dass eine Art Waffenstillstand für diesen Zweck zwischen ihnen hätte entstehen könne. Er hatte bloß einen Zweck mit seinen Lehrmethoden verfolgt. Harry hatte es real erlebt. Er würde genauso wenig Frieden mit ihm schließen wie er den Dursleys vergeben würde.
Sie fanden ein Feld, das weit genug von allem weg war und gingen zu der weitentferntesten Eck. Severus beleuchtete mit seinem Zauberstab den Boden und sie fanden ein Abschnitt mit Gras. Sie setzten ihre Rucksäcke ab und packten die Zeltbestandteile aus.
Harry traute Snape nicht zu, dass er das Zelt aufbauen konnte, deshalb tat er es selber, er wollte so schnell wie möglich schlafen. Snape setzte sich auf das Gras und suchte in seinem Gepäck irgendetwas. Harry ließ nicht zu, dass er ihn ablenkte. Es war eigentlich ganz einfach, bloß ein kleines Zelt in das kaum zwei Leute passten. Er wusste, wie er das Zeltaufbau zaubern konnte, innen drinnen würde dann ein Raum so groß wie der Gryffindor Gemeinschaftsraum, wenn nicht sogar größer, sein. Harry befestigte das Zelt am Boden, während Snape eine Muggelgaskocher aufbaute. In der Dunkelheit, mit bloß einem Zauberstab zur Beleuchtung sah er ziemlich unheimlich aus.
"Ich geh rein und sehe mich um", sagte Harry, Snape antwortete nicht, er war mit einer Beschwörung von Streichhölzern beschäftigt, aus irgendeinem Grund benutzte er seinen Zauberstab nicht.
Harry stieg hinein und bemerkte, dass er sich nicht in einem magisch kreierten Hotelzimmer befand. Es war ein echtes Muggelzelt, gerade groß genug für zwei und das auch nur sehr gequetscht. Harry dachte daran, was Snape wohl tun würde, wenn er ihre Schlafmöglichkeiten sah. Er war ziemlich entsetzt. Er hatte gedacht, dass sie zusammen in einem netten großen Raum schlafen konnten. Sie hätten sich einfach ignorieren können. Wahrscheinlich war das ein Hintergedanke von Dumbledore gewesen. Harry holte die beiden Rucksäcke und stellte sie in eine Ecke. Er holte die beiden Schlafsäcke heraus und legte sie auf die Isomatten. Sie würden mit kaum einem Zentimeter Abstand nebeneinander schlafen müssen. Snape würde sehr wütend werden.
Snape erhitze eine Muggelerbsen dose auf seinem Kocher, Harry war so hungrig und dankbar für alles, was essbar war, egal, was es war. Snape war nicht gerade über das Essen erfreut. Harry fühlte sich auf einmal nicht so gut und fragte sich, ob er überhaupt noch was essen konnte.
"Wie steht es um unsere Unterkunft", fragte Snape und schaute von seinem Kocher auf.
"Ganz gemütlich", antworte Harry, seine Stimme schwankte.
"Wo hat Albus bloß all das her?", fragte Snape und begutachtete mit einigem Missfallen ihr Abendbrot.
"Argos, glaube ich", antwortete Harry.
"Nie von ihm gehört", sagte Snape und versuchte den Inhalt der Dose, der nun kochend hochquoll zurück zu drängen.
Harry setzte sich auf den Boden und zog seine Knie heran während er versuchte seine Übelkeit zu verdrängen. Wenn er das nicht aß, was Snape da zubereitete, wusste er nicht, wann er wieder was zu essen bekommen würde.
"Wir müssen uns einen anderen Namen für dich überlegen, such dir einen aus", befahl Snape.
Der einzige Name der ihm einfiel, war der seines Vaters, welcher auch sein 2. Vorname war, also zu auffällig. Außerdem würde es Snape bestimmt nicht gefallen ihn so zu nennen.
"Soll ich einen aussuchen? Was hältst du von Alex?", bot Snape ihm an.
Harry war überrascht, dass er den Namen eigentlich gar nicht so schlecht fand. "Okay, also Alex. Und Sie?"
Snape runzelte die Stirn und dachte nach.
"Richard", sagte Harry. Snape sah ihn zornig an und er sank automatisch in sich zusammen.
"Wir müssen diese Namen nur vor anderen Leuten benutzen, wenn wir allein sein, wirst du mich Severus nennen und ich dich Harry, du bist kein Schüler mehr, aber ein Mitglied des Ordens", ordnete Snape an und reichte ihm eine Dose und einen Löffel.
Harry nahm das Essen, es sah aus wie eine schwerzubeschreibende Fleischsuppe, aber sie war bessser, als er erwartete hatte, dass Severus es machen konnte. Severus! Das war seltsam.
Sie aßen wortlos zu ende und Severus sammelte alle ihre Sachen zusammen und passte auf, dass nichts draußen blieb.
"Schlaf ein bisschen, Harry", sagte Severus, "Wir müssen morgen weiter."
Harry stieg hinein und wartete darauf, dass Severus ebenfalls kommen und sich über den Platzmangel aufregen würde. Severus folgte ihm und man sah ihm kaum an, dass er sich darüber ärgerte. Er legte sich vollangezogen in seinen Schlafsack und drehte sich von Harry weg.
"Leg dich wenigstens hin", sagte Severus, "du brauchst Ruhe."
Harry tat wie ihm befohlen und dachte, dass dieser Ort eigentlich viel größer war als manch andere Orte, an denen er früher schlafen musste. Es überraschte ihn, wie schnell er in dieser bizarren Situation müde wurde.
