Kapitel 3 - Schatten der Vergangenheit

Als Harry am nächsten Morgen aufwachte, war Severus schon draußen und kochte etwas mit seinem kleinen Gaskocher. Er hatte die letzten zwei Dosen geöffnet, die er im Rucksack hatte und wenn sie an diesem Tag noch etwas anderes zu essen haben wollten, dann mussten sie irgendwo einkaufen gehen. Severus schaute Harry aus den Augenwinkeln an, er kam schüchtern aus dem Zelt gekrochen und setzte sich auf die Matte, die er nach draußen als ihren "Wohnraum" ausgelegt hatte. Er fragte sich, wie lang er sich ihm noch so unterordnen würde. Selbst wenn er sich wirklich mit Potter bemühte, kam nur eine sehr kurze Antwort von ihm. Sein Apathie und sein gebrochener Blick besorgte Severus, er wollte nicht mehr kämpfen. Falls der Dunkle Lord die Dursleys nicht als würdige Opfer empfand, würde er sie irgendwann erledigen. Severus griff nach einem Löffel, den er auf das Plastiktablett gelegt hatte. Harry wich zurück, er schien zu denken, das Severus ihn schlagen wollte. Er brauchte Harrys Vertrauen, aber es schien so, als würde das sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und vielleicht hatten sie diese nicht.

"Wir müssen los", sagte Severus und versuchte eine kleine Unterhaltung anzuregen. "Wir müssen Abstand zu unserem letzten Aufenthaltsort bringen."

"Hmm", antwortete Harry, er aß nun das Essen, das Severus ihm gegeben hatte.

"Wir sind Freunde, für die Sicherheit der Mission", fügte Severus hinzu.

"Ja", sagte Harry, er schaute nicht auf.

Nach dem Frühstück versuchte Severus Harry mit dem Abbau des Zeltes zu helfen, aber er wollte es lieber alleine machen. Er hatte seine Kristallkugel tief in seinem Rucksack verstaut, aus dem selben Grund warum er seine Telepathie vor Jahren blockiert hatte. Er wollte Harrys Hass nicht spüren.

Sie gingen zum nächsten Dorf, Harry lief sehr langsam hinter Severus her und bemerkte nicht, dass dieser ständig versuchte ihn aufholen zu lassen. Sie gingen in einen Supermarkt und Severus ließ seinen Rucksack bei ihm während er selber schnell den Einkauf tätigte. Als er wieder kam, hatte sich Harry keinen Zentimeter bewegt. Sie gingen durch die Stadt und waren dann wieder auf einer Landstraße. Severus wusste nicht, wohin sie gingen; sie mussten einfach nur ein gewissen Abstand zu ihrem Nachtlager bringen. Er schaute zu Harry und wurde immer mehr beunruhigt über seine Zurückgezogenheit und seine Niedergeschlagenheit.

"Du könntest es wenigstens nur für die Mission probieren", meinte Severus als Harry sich weiterhin wortlos von ihm mitschleifen lies, "Es muss so aussehen, als ob wir Freunde seien, und du siehst so aus, als ob ich dich entführt habe."

"Vielleicht bin ich das", murmelte Harry leise.

"Ich kann nicht ungeschehen machen, was passiert ist", erklärt Severus, er meinte die Dursleys, "Aber ich werde dir nicht weh tun."

"Ich habe nie gesagt, dass Sie das tun würden", erwiderte Harry defensiv.

"Aber du denkst es."

"Wir sind einfach keine Freunde, SNAPE", antwortete Harry.

"Wie kann ich das ändern?", fragte Snape, "Sage es mir!"

"Bringen Sie mich nach Hause."

"Du weißt, dass ich das nicht kann, diese Mission ist sehr wichtig. Das musst du verstehen."

"Lassen Sie mich allein", sagte Harry und ging einen Schritt schneller während er mit dem Gewicht seines Rucksack zu kämpfen hatte. Plötzlich stolperte er über einen kleinen Stein und fiel auf den Boden, dann fühlte einen scharfen Schmerz in seinem Knöchel.

Severus lief zu ihm und fasste seinen Arm, aber Harry schüttelte ihn ab.

"Berühren Sie mich nicht, Ich will nicht, dass jemand mich berührt", sagte er hysterisch, er schien kurz vor einem Nevenzusammenbruch zu sein.

"Wir sollten Freunde sein", bat Severus ruhig. Er wollte Harry helfen, aber er wusste nicht wie. Er wollte, dass er für eine Sekunde aufhörte ihn zu hassen, dass er ihm zeigen konnte, wie viel er von ihm hielt.

Harry saß an der Straßenseite, rieb sich seinen Knöchel und wendete sich bestimmt von Severus ab.

"Freundschaft für diese verdammte Mission, ja! Der berühmte Harry Potter streift durch das Land wie ein Flüchtling, kein Tourist. Bevor er von demjenigen getötet wird, der mich dieses Jahr tot sehen will, bekommt er den üblichen Drill, in dem er auf einer Zukunft vorbereitet wird, die niemals eintreffen wird, dann wird er beinahe zerstückelt. Freundschaft? Warum zur Hölle sollte ich das tun?", rief Harry wütend.

Das war das meiste, was Harry zu Severus gesagt hatte, seit sie London verlassen hatten. "So tun als ob wir Freunde wären" Severus fühlte sich, als würde etwas in ihm zerbrechen.

Harry stand wieder auf und ging die Straße weiter. Severus folgte ihm, er sah, wie er hinkte, aber er wollte nicht stehen bleiben oder langsamer gehen. Severus ließ ihn nach diesem Ausbruch gehen. Es war klar, dass alles was er jetzt sagen konnte, alles nur schlimmer machen würde. Er konnte nur hoffen, dass Zeit den gegenteiligen Effekt haben würde.

*******

Harry wachte irgendwann mitten in der Nacht auf. Draußen begann es hell zu werden, aber Severus schlief noch. Sein Knöchel tat sehr weh, sie hatten schließlich angehalten und ihr Lager aufgeschlagen, aber Severus hatte ihn sehr lange laufen lassen. Sie waren jetzt in einer Gegend, die nicht mehr in einzelne Felder unterteilt war. Bloß die Hügel und die kleinen Bäche teilten die Landschaft ein. Es war so ein Ort an dem man die wahre Bedeutung von Stille erkannte.

Sie hatten das Zelt sehr weit von der Straße entfernt aufgeschlagen, die im Grunde nur ein matschiger Pfad am Fuß eines Hügels war. Er konnte sehr weit weg ein leises Klappern hören, wahrscheinlich waren es Schafe, aber sie waren sehr still. Er stütze sich auf seinen Ellbogen und betrachtete den schlafenden Severus an.

Er hatte nie wirklich Zeit für sich selbst gehabt, als er bei den Dursleys gelebt hatte und wenn er in der Schule war, hatte er Unterricht, Hausaufgaben oder Quidditchtraining. Jede restliche Zeit verbrachte er mit seinen Freunden oder Feinden. Wie auch immer, seitdem er London verlassen hatte, war da nichts. Er hatte das Buch, dass Snape ihm im Zug gegeben hatte, er war nicht sicher, was es zu bedeuten hatte. Er hatte nur einen großen Rucksack mit dem er einen sehr langen Marsch zu bewältigen hatte und Snape, nein, Severus korrigierte er sich selbst.

Obwohl er Snape nicht wirklich hatte, er würde nicht mit ihm streiten. Der Streit war zu ende. Er hatte nie gedacht, dass er es vermissen würde. Nein, er vermisste es nicht auf die herkömmliche Art, aber er fand es sehr nervenaufreibend, dass er zu ende war.

Severus lag auf der Seite, eine Hand lag unter seiner Wange. Harry konnte ihn friedlich atmen hören. Er hatte keine Angst vor ihm, wenn er schlief; er hatte immer furchtbare Angst vor Mr. Dursley gehabt, selbst wenn er nicht bei Bewusstsein war. Wenn Mr. Dursley aufgewacht war und gesehen hatte, dass Harry ihm beim Schlafen zugesehen hatte, hätte er das als eine Einladung aufgefasst. Er berührte leicht Severus Haare, griff nach einer Strähne und wickelte sie um seinen Finger, sanft und glänzend, magisch verlängert, wie seine eigenen. Er fragte sich, wie etwas so Schönem so wenig Beachtung zu kam. Aber jetzt, niemand hatte es so angefasst, wie er jetzt. In diesem Moment schienen die acht Wochen des Sommers gar nicht so lang, aber er wusste, am kommenden morgen würde es ihm wie ein Lebenszeit vorkommen.

*****

Severus wachte so spät auf wie noch nie zuvor, aber Harry neben ihm schien immer noch zu schlafen. Keiner von beiden war auf so einen Marsch vorbereitet. Als ein Man, der einen Besen besaß und verschiedene andere Möglichkeiten hatte, lange Distanzen zu überwinden war nie so lange gelaufen.

Er holte seinen Rucksack hervor und holte seinen Kocher heraus. Außerdem kramte er nach zwei weiteren Dosen und ertastete etwas, was jeder andere für einen kleinen Brieföffner gehalten hätte. Dann fand er sie und holte sie heraus.

Er holte die kleinen Miniatur Schwerter heraus und sie wuchsen plötzlich zu normaler Größe. Gewundene Schlagen waren an beiden Griffen. Sie waren Brüder, Bichun Kin Schwerter. Er fasste das eine am Griff. Das waren die einzigen Erbstücke, die ihm seine verdammte Familie hinterlassen hatte, bis auf das Geld, aber er mochte es nicht verwenden, es was Blutgeld.

Er war ein Krieger gewesen, er und sein Bruder. Als er das Schwert hielt erwachten die Schlangen zum leben und wanden sich um seine Faust. Es war ein Langschwert, geschärft wie ein japanisches Katana, so hatte man es ihm erzählt. Es war jedenfalls sehr scharf, sehr tödlich. Wenn die Möglichkeit da war, dass man nah genug an seinen Gegner heran kam, konnte man es wie eine Klinge verwenden, was nicht sehr oft in der Zaubererwelt passiert.

Die Schlangen blieben ruhig, dunkel und unbeweglich. In diesem Stadium würde sein Schwert Flüche genauso nicht weniger als sein Zauberstab leiten können und hatte nur wenig Kampfpotential. Das andere lag auf seinem Schoß, unbenutzt seit achtzehn Jahren.

Harry war aufgewacht und Severus packte die Schwerter schnell weg, er wollte nicht, dass Harry sie sah. Er kam wie immer aus dem Zelt geschlurft, aber dieses mal war wohl sein Knöchel daran schuld. Er begann das Frühstück vorzubereiten, es beruhigte ihn irgendwie, beinahe so, als würde er seine Zaubertränke tief unten in den Kerkern machen.

"Ich könnte dir eine Salbe darauf reiben", bot Severus ihm an, schaute Harry aber nicht an, das schien ihn ja zu beunruhigen.

"Nein danke", antworte Harry kurz.

"Du könntest es auch selber machen, aber.."

"Es würde genauso wenig helfen. Es heilt nur wenn es richtig angewendet wird", beendete Harry den Satz für ihn.

Severus ging nicht weiter darauf ein, er kochte einfach weiter. Harry beobachtete ihn und fragte sich, ob er es versuchen sollte. Severus würde ihn nicht an den Schultern berühren, seine Haare oder seine Arme. Er würde bloß seinen Fuß berühren und er konnte sich dabei immer noch bewegen, wenn er wollte. Er brauchte im Grunde keine Angst zu haben. Seine rationale Hälfte sagte ihm, dass es ein aufrichtiges Angebot war, und Severus würde ihn nicht plötzlich auf ihn springen und ihn festhalten, aber der andere wollte das ganz und gar nicht und würde so schnell es geht weg laufen wollen, wenn er auf irgendeine Weise angefasst wurde.

"Riecht es irgendwie seltsam?", fragte Harry.

"Nicht besonders."

Harry zog seine Socke aus und hoffte, dass Severus nicht darauf einging, dass er seine Meinung geändert hatte.

Er musste Harrys Reaktion geahnt haben, denn er legte das Frühstück beiseite, ging ins Zelt und holte die Salbe aus seinem Rucksack, aus einer seiner Seitentaschen.

"Ich habe mir schon gedacht, dass ich sie früher oder später brauchen würde. Du bist so ungeschickt, Potter. Ich werde auch nie verstehen, wie du deinen Knöchel in diesen Stiefel verletzten konntest."

Harry reagierte nicht auf diesen Köder, obwohl er sich verspannte als er das sagte. Er legte seinen Fuß gerade hin, so dass sein Fuß so weit wie möglich entfernt war.

Severus setzte sich hin und hob Harrys Fuß auf seinen Schoß. Er rieb die Salbe in seiner Hand um sie zu erwärmen und dann begann er vorsichtig sie auf Harrys Haut zu verreiben. Er benutze seine Heilfähigkeiten um die Schmerzen zu lindern. Harry zuckte ein bisschen, aber nur wegen dem Schmerz, den die Berührung verursachte. Nachdem der Schmerz zum Großteil abgeklungen war, massierte Severus seinen Fuß und nach einer Weile fühlte es sich sehr gut an.

Früher als Harry gedacht hatte, hörte Severus auf. "Geht es besser?", fragte er.

"Ja, sehr", musste Harry zugeben.

"Gut, denn wir müssen heute mindestens fünfzehn Kilometer lauten", erklärte er.

Harry schaute ihn erschrocken an, aber Severus hatte schon darauf gewartet. Als er sich sicher war, dass Harrys volle Aufmerksamkeit ihm galt, schüttelte er seinen Kopf und machte sich an das Frühstück.

"Wir können auch erst morgen weiter, Ich kann dir den Fuß verbinden.", bot er an.

Severus war ein bisschen irritiert, dass sie den ganzen Tag bei dem Zelt verbringen würden und die Spannung zwischen ihnen hatte, wenn sie unterwegs waren, schon immer zugenommen. Zu seiner Erleichterung las Harry das Buch, was er ihm gegeben hatte, obwohl es so aussah, als würde er sehr oft die selbe Seite noch einmal lesen. Es machte nichts, solange er sich beschäftigen konnte.

*****

Als Severus so alt war wie Harry, war er schon ein Tod Esser. Er versuchte nicht daran zu denken, wie James Potter ihn damals gedemütigt hatte, als er sechzehn war. Als Harry in seinem Denkarium gewesen war, hatte er nicht mal die Hälfte gesehen. Die ganze Schule hatte zugesehen als er heulend auf dem Quidditchfeld stand. Er war diese Nacht in den Verbotenen Wald gerannt. Er hatte nicht vorgehabt wieder zu kommen. Er war zu seinem älteren Bruder gegangen, zwei Jahre früher als geplant. Er schloss sich dem Dunklen Lord an und das war der Anfang als Severus, der Krieger. Die Macht, die sie gemeinsam innehatten, war gewaltig. Ihre Familie war so stolz. Er wurde nicht länger ausgelacht.

Jetzt konnte er beinahe ersticken bei dem Gedanken daran. Sie waren gar nicht so großartig gewesen, sie konnte es gar nicht gewesen sein, denn, wenn sie so stark gewesen wären, wie sie gedacht hätten, wäre sein Bruder nicht bei einer Mission gegen den Goldenen Anbeginn gestorben. Severus hätte die Kraft nicht verloren und er wäre nicht in das Schloss gestürmt, als hätte er sie noch und wäre nicht so blindlings auf Rache ausgewesen. Er wäre kein Gefangener geworden und nicht bei Albus für achtzehn Jahre geblieben.

Er hatte die meiste Zeit seiner Kindheit in der Schule verbracht. Auch als Erwachsener, als erstes stark bewacht, dann als ein Spion und dann als Meister der Zaubertränke und der Psychologie als es so aussah, als wäre Lord Voldemort besiegt. Er war Lehrer geworden als viele schon da waren, als diese Sache auf dem Quidditchfeld passiert, ein Silentium-Zauber von Albus hatte ihr Schweigen garantiert. Zu seinem Verdruss hatte Potter sich dann umbringen lassen und sich so noch mehr als Held in Szene gesetzt. Er brauchte mehr Kontrolle wenn er lehrte und so wurde er zu dem unheimlichen, bösartigen Snape, dem Todesser der der Versuchung widerstand.

Aber dann brauchte er diese Kontrolle nicht mehr, aber er konnte nicht aufhören. Am Anfang hatte er es wegen seiner Nerven getan, dann aus Gewohnheit und dann, weil alles es so kannte und es erwarteten und er sich kaum daran erinnern konnte, jemals anders gewesen zu sein. Als Harry Potter dann an die Schule kam, wurde es ein regelrechter Zwang, und außerdem tat er es, weil sonst jeder ihn so leichtsinnig wohlwollend behandelt hätte. Ja, Severus, rettete, den armen verwöhnten Potter, und er konnte sich genauso Dursley nennen, denn Harry war nie verwöhnt worden.

Severus schaute zu Harry hinüber. Er las immer noch und gab so Severus die Möglichkeit ihn zu betrachten, ohne dass er es merkte. Er und sein Vater waren sehr verschieden, er konnte es jetzt sehen, da Harry nun älter war und seit er in seinem Denkarium gewesen war, erinnerte er ihn mehr an sich selbst. Besonders, dachte er grimmig, der düstere Gesichtsausdruck und die Aufmerksamkeit die er seinem Buch schenkte.

*****

In den folgenden Tagen fielen sie in einen Rhythmus, sie standen früh auf, frühstückten, gingen den halben Tag, manchmal nahmen sie einen Bus oder einen Zug, wenn sie die Chance hatten, wenn sie an einer kleinen Stadt vorbei kamen, kauften sie etwas sein und danach bauten sie ihr Zelt irgendwo auf und verbrachten den Nachmittag davor zu sitzen. Sie waren schon ziemlich weit gegangen und hatten gestern neben einem Berg übernachtet, dessen Name Severus kannte, aber Harry prompt wieder entfallen war. Harry war sicher, dass er irgendwo eine Landkarte bei sich trug, diese aber versteckte, wahrscheinlich sollte er es nicht wissen. Harry kam nur sehr langsam mit seinem Buch voran und Severus schaute sich nur die Landschaft an, sein Gesichtsausdruck war nichtssagend. Aber er schien nicht gelangweilt zu sein, er war einfach nur da. Das Buch, das Harry las, war der erste Teil einer Trilogie und Harry fragte sich, ob er die anderen Teile auch lesen durfte.

Severus machte wieder Frühstück, aber statt den üblichen Dosen holte er eine kleine Pfanne hervor. Gerade richtig, dachte Harry. Es hätte ihm auch nichts ausgemacht, so etwas an seinen eigenen Rucksack zu binden, wenn es das fade Essen etwas aufgepeppt hätte. Er konnte nicht wirklich sehen, was er genau da briet. Zum Schluss holte er zwei Plastikschüsseln hervor und teilte den Pfanneninhalt auf. Harry sah, dass er eigentlich etwas gekocht hatte. Er hatte Haferbrei gemacht.

Harry war beinahe froh, er liebte dieses Gericht und er hatte es lange nicht mehr gegessen. Irgendwann fiel ihm auf, dass er heute seinen unbemerktesten Geburtstag hatte, er war nun 18. Er versuchte nicht daran zu denken. Sie mussten sich immer noch verstecken.

"Iss auf, du brauchst ein gutes Frühstück für das, was ich für heute geplant habe", sagte Severus und beendete seinen kleinen Tagtraum.

Harry erschrak. "Also 25 km heute?"

"Nein", antwortete er, "Bus und Fähre heute."

In der Mittagszeit bestiegen sie eine Fähre in einer Stadt. Eine größer Stadt, als sonst, dachte Harry, nicht so wie die kleinen Dörfer, in deren Tante Emma Lädchen sie ihre Essen gekauft hatten. Harry war verwirrt. Sie hatten solche Orte auf ihrer Reise meist vermieden. Nicht das so viele größere Ortschaften zwischen Inverness und Dunoon waren, wo sie vermutlich gerade waren. Es war ein trüber Tag, der die baufälligen Hotels nicht gerade in ein gutes Licht rückte, eine Promenade sah sogar so aus, als würde sie im nächsten Moment zusammenstürzen. Severus verwirrte ihn manchmal.

Severus blieb vor einem Pub mit dem Namen The Blue Bell Inn stehen. Es war ein ganz normaler Pub wie man ihn überall im Land fand, viktorianisch und in einer langen Straße zwischen vielen kleinen Geschäften.

"Wir gehen hier rein?", fragte Harry und zweifelte sehr daran. "Warum?", fragte er argwöhnisch. Er sah nicht aus wie der Tropfende Kessel oder irgendwelche anderen Zaubererpubs, die er kannte.

"Mittagessen", erklärte Severus und öffnete die Tür.

Der Pub war nicht sehr voll, aber hier und da saßen ein zwei Leute. Sie nahmen den Tisch, der dem Kamin am nächsten war und stellten ihre Rucksäcke daneben. Auf dem Tisch lagen zwei Speisekarten und Severus reichte ihm eine. "Du musst nicht das billigste nehmen", fügte er hinzu.

Harry fühlte sich, als wäre er in einer surrealen Welt. Er nahm die Karte und überflog sie. Er war sich nicht sicher, was er nehmen sollte.

Er schaute über seine Karte hinweg und sah, dass Severus das gleiche tat.

Er schaute noch mal auf die Liste. Dass er sich etwas aussuchen sollte, machte ihn nervös. Es schien als ob Severus etwas zu wissen, er erahnte es an seinem Tonfall, als er gesagt hatte, er solle nicht das Billigste nehmen. Die Dursleys hatten ihn immer einen Kartoffelteller essen lassen, wenn sie ihn nirgendwo anders hin stecken konnten und sie wollten sich nicht von ihm den Appetit verderben lassen, wenn er einfach nur da säße und nicht äße. Er schaute sich die großen, saftigen Steaks an, es war, als wäre er wieder in der Schule.

"Ich werde ein Steak nehmen", erklärte Severus .

Harry schaute von seiner Karte auf.

Willst du das selbe?

"Ja, bitte", antworte Harry ängstlich.

Severus hob eine Augenbraue, was sicherlich ein Zeichen von Missfallen war, das Harry sich ihm so einfach anschloss und ging zur Bar während er seinen schwarzen Ledermantel schwingen ließ.

Als Severus zurückkehrte, brachte er zwei Biergläser und zwei Whiskygläser mit. Er stellte ein Bier und ein Whisky vor Harry.

"Für die Sicherheit der Mission müssen wir uns an das normale Ritual sozialer Interaktionen halten, tue genau das, was ich dir sage", sagte Severus eindringlich und holte ein Päckchen Zigaretten aus seiner Tasche.

Er holte zwei heraus, gab die eine Harry und zündete die andere diskret mit seinem Zauberstab an. Dann schaute er Harry erwartungsvoll an.

Harry folgte Severus Beispiel. Nachdem er seine Zigarette angezündet hatte, trank er einen Schlug Bier und lehnte sich in seinem Stuhl zurück um einen weiteres mal zu ziehen. Er nippte ein wenig am Whisky.

Als ihr Essen serviert wurde, fühlte sich Harry sehr entspannt und ein wenig beschwippst. Er hatte noch nie so etwas getan. Sie aßen wortlos, aber es war viel komfortabler als sonst.

Severus ging zurück zur Bar und holte ihnen noch einige Drinks. Ein Teil von Harry dachte, dass es ein bisschen unverantwortlich war, dass beide betrunken wurden, aber dieser Teil konnte sich nicht durchsetzen. Er fühlte sich immer wohler, jetzt nach dem er etwas gutes zu Essen gehabt hatte. "Komm", sagte Severus nach einer weiteren Stunden, "Wir müssen einen Platz zum Schlafen finden."

Harry stand widerwillig auf; sie mussten jetzt wahrscheinlich die Stadt verlassen um irgendwo draußen ihr Zelt aufzuschlagen

Sie verließen den Pub und Severus musste ihn am Arm festhalten, weil er sonst gestürzt wäre. Er schüttelte ihn nicht ab, Severus war froh, dass er ihn gerade richtig viel trinken gelassen hatte.

"Ich bin so müde", erklärte Harry.

"Betrunken"

"Bin ich nicht", antworte er grinsend, "Und wenn ist es deine Schuld."

Nach ein paar Minuten erreichten sie eine Straße mit riesigen viktorianischen Häusern, Severus öffnete das Gartentor. Harry zögerte.

"Komm", forderte Severus ihn auf, "Und lass' uns hoffen, dass das Geschäft so schlecht ist, dass sie sich nicht an unserem seltsamen Anblick stören."

Harry folgte ihm und fragte sich ob Severus verändertes Verhalten permanent war oder bloß ein kurze Phase von Menschlichkeit war. Er wollte auf jedenfall nicht die Chance verpassen, die Nacht in einem warmen Bett zu verbringen.

Sie betraten das Foyer durch eine offene Glastür. "Freie Zimmer", stand auf einem Schild. Sie gingen zu der Empfangsdame, eine dickliche Frau Anfang vierzig, die ein Magazin las.

"Wir hätten gerne ein Zimmer für die Nacht", erklärte Severus als die Frau nicht reagierte. Die Frau erschrak als sie ihn sah.

"Oh", sagte sie etwas unbeholfen.

"Eigentlich wollten wir campen, aber es sieht aus, als ob es regnen würde", fuhr Severus fort und erklärte so ihr Aussehen. Die starrte erst Harry an, dann Severus.

"Zwei Betten, ein Raum, eine Dusche oder Bad", fügte er leicht irritiert hinzu.

Harry musste beinahe lachen, lehnte sich aber stattdessen an die Wand.

"Oh", sagte die Frau und schüttelte ihren Kopf, "Warmes Wasser kostet extra."

Severus seufzte und Harry musste sich umdrehen um sein Lächeln zu verbergen.

"Zwei Betten, ein Raum, zwei heiße Bäder, wie viel kostet das?", fragte Severus so klar und deutlich wie er nur konnte.

"Nun", sagte die Frau leicht missbilligend, "Ein Doppelzimmer kostet 30 Pfund für eine Nacht, zwei Badewannenfüllungen nochmal 6 Pfund. Bitte geben Sie mir 50 Pfund oder Ihre Kreditkarte als Pfand, sie können Sie dann beim Auschecken abholen."

"In Ordnung", sagte Severus und gab ihr seine VISA gold Card.

"Frühstück ist um acht", fügte die Frau hinzu.

*****

Die Frau führte sie zu einem Raum im zweiten Stock nachdem die Formalitäten geklärt waren. Das Badezimmer war auf der gegenüberliegenden Seite des Flur und sie begegneten oder hörten niemanden sonst auf dem Wg.

Der Raum war sehr klein, sie hätten genauso ein Doppelbett haben können, denn die Betten standen so dicht beienander, das man nicht einmal zwischen ihnen hindurch gehen konnte. Sie hatten sich ja schon daran gewöhnt und im Gegensatz zu ihrem Zelt war das der reinste Luxus. Harry setzte sich auf das Bett, das dem Fenster am nächsten war und warf seinen Rucksack in die Ecke.

"Oooh, heißes Wasser kostet extra.", imitiert Harry kichernd.

Severus schaute weg und grinste dann, es war beinahe ein Zwang aus Gewohnheit.

"Das heißt, ich kann ein Bad nehmen", fügte Harry hinzu.

"Das bezweckte ich", sagte Severus und rollte die Augen, amüsierte sich aber trotzdem darüber. Harry grinste ihn an und ihm kam ein unschöner Gedanke. Hoffentlich schlief der Junge nicht dabei ein und ertrank.

"Oh Sev, das ist wunderbar", strahlte er ihn an.

"Sag nicht...", begann Severus.

"Sevvie Snapey", unterbrach ihn Harry, er kicherte wieder.

Severus brachte Harry ins Badezimmer und ließ das Wasser für ihn ein.

"Ich komme alle fünf Minuten, antworte, wenn ich dich rufe", sagte Severus und dachte, dass Harry doch ein bisschen zu viel getrunken hatte.

"Wäre es nicht sehr komisch", rief Harry durch die geschlossene Tür und stieg in die Wanne, "wenn ich beim Baden sterbe?"

"Nein", antworte Severus, froh, dass Harry sein Gesicht nicht sehen konnte, "Es wäre nicht sehr komisch, wenn ich das Albus erklären müsste." Oder wenn ich mit diesem Verlust leben müsste, fügte er in Gedanken hinzu.

Als Harry aus dem Badezimmer kam, trug er bloß ein Handtuch um seine Hüfte und sein nasses Haar hing ihm auf die Schultern. Severus hatte nie bemerkt, wie dünn Harry unter den vielen Klamotten war. Sogar bevor sie das Schloss verlassen hatten, hatte er immer eine Robe getragen. Seine Kleider trug er unter dem Arm. Nach einem Moment hob er sie schnell hoch, um etwas vor Severus zu verbergen.

"Dein Bad", sagte er und ging in ihr Zimmer.

Severus widerstand Harry hinter her zu schauen und ging ins Badezimmer.

*****

Als Severus aus dem Bad wiederkam, hatte er seine Kleidung wieder angezogen, den wertvollen Talisman war in seinem Samtbehälter in seiner Tasche. Harry saß immer noch bloß in ein Handtuch eingewickelt auf seinem Bett und hatte das Radio eingeschaltet, dass auf seinem Nachtisch stand. Severus, dessen Haare ebenfalls offen waren, verzog sein Gesicht bei diesem Krach.

"Du machst das Kissen naß", warnte Severus Harry, der dann auch aufstand, aber nicht aus Besorgnis über seine Bettwäsche.

"Alte Rockmusik", sagte Harry und deutete auf das Radio, "Für die Mission ist es wichtig, dass wir die Erwartungen der blöden Krähe da unten erfüllen und nachts noch Musik hören."

"Jetzt auf einmal interessierst du dich für unsere Mission?"

"Ja, sie ist von höchster Wichtigkeit", sagte Harry ziemlich ernst, aber das darauffolgende Kichern zerstörte den Eindruck wieder.

"Machst du dich darüber lustig, Mr Potter?", fragte Severus und versuchte sptreng wie möglich zu klingen.

Harry grinste und legte seinen Kopf schief, "Was willst du dagegen unternehmen?", fragte er schelmisch grinsend.

Severus wusste nicht, was der Junge damit bezweckte. Er wusste, nach was das aussah. Harry drehte sich um und ging zum Fenster. Er hatte vermutlich aufgegeben, weil Severus nichts Passendes einfiel, was er erwidern könnte.

Severus schloss den rechten Vorhang und stand so direkt ihn. Er hob seine Hand um Harrys Schulter zu berühren, aber stoppte kurz vorher. Er blieb in dieser Position für ein paar Sekunden und versuchte sich zu entscheiden. 'Was machst du da?', fragte er sich selbst streng, 'Wenn du dich nicht traust, das weiter zu führen und die Konsequenzen zu tragen, dann lass es'

Harry zog den anderen zu und war im Begriff sich umzudrehen. Severus ließ die Hand sinken.

"Ich denke, wir sollten jetzt schlafen gehen", schlug Harry vor.

Severus lag auf seinem eigenen Bett, Harry auf der anderen Seite. Die Musik spielte immer noch.

"Diese Reise ist so ähnlich wie die in dem Buch, dass du mir gegeben hast", bemerkte Harry.

"Wirklich", sagte Severus, "gefällt es dir?"

Harry nickte.

"Du kommst aber nicht sehr gut voran", erwiderte Severus.

"Es dauert nur ein wenig", sagte Harry und machte das Radio aus, " Ich hoffe mal, dass ich morgen keinen Kater habe, weil ich nicht wirklich auf das Frühstück verzichten will."

Severus machte das Licht aus.

*****

Am nächsten Morgen packten sie widerwillig ihre Sachen zusammen und Severus war sich sicher, dass Harry Kopfweh hatte, aber er wollte ihm nichts dagegen geben, solange er es nicht zugab. Sie waren beide sehr still. Severus dachte, dass ihnen der kurze Moment von Komfort ihnen zu sehr gefallen hatte. Er schaute hinüber zu Harry, der dabei war zu packen, er schaute nicht auf oder sagte etwas. Severus lächelte bei den Erinnerungen an gestern, als es Harry so gut ging, wie er ihn kaum kannte. Er hatte ein weiteres Buch in Harrys Rucksack gesteckt und fragte sich, wann er es wohl entdecken würde.

Harry saß alleine im Frühstücksraum, während Severus die Rechnung bezahlte. Er konnte den Schinken und die Eier und die ganzen anderen Dinge riechen, die für ihn aufgetischt wurden. Sein Appetit wurde bloß durch seinen Kater gebremst.

Einige Zeitungen lagen auf dem Tisch neben der Espressomaschine. Harry holte sich eine. Es war ganz angenehm zu erfahren, dass es da draußen noch eine andere Welt gab. Manchmal, wenn sie für lange Zeit kein Dorf sahen, fühlte es sich so an, als wäre jegliche Zivilisation nicht existent.

Er setzte sich wieder und schaute sich die erste Seite an. Nichts davon machte irgendwie Sinn, da er kaum einen Kontakt zu der Muggelwelt gehabt hatte. Die Frau von gestern setzte sich mit ihrem Frühstück an einen anderen Tisch. Er schaute auf das Datum, 31. Juli.

"Ist die von heute?", fragte er sie.

"Nein, Schätzchen, dass ist die von gestern."

"Mist", sagte Harry und dachte an die möglichen Auswirkungen.

"Hmm?"

"Nichts." Sagte Harry lächelnd, aber fühlte sich sehr seltsam. 'Denk nicht daran', dachte er, 'denk an die Mission'

"Kommt Ihr.. Ihr Freund nicht?"

Harry fragte sich, warum sie stotterte, "Mein Freund ist bei ihrem Tisch und wartet darauf, dass er die Rechnung bezahlen kann." Antwortete Harry und dachte, dass das es war, was sie wissen wollte.

"Oh", sagte sie peinlich berührt und verließ den Raum.

Oh scheiße, dachte Harry, Severus hatte sich an seinen Geburtstag erinnert oder es war bloß ein Zufall. Obwohl Harry nicht an Zufälle glaubte. Was sollte er tun, was, wenn er ihm jetzt für das Geschenk dankte und er hatte es nicht gewusst und es war bloß ein Zufall. Er hatte ja nicht erwähnt, das es ein Geburtstagsgeschenk war, vielleicht wollte er auch einfach nicht, dass Harry es merkte und vielleicht würde es peinlich sein, wenn er es erwähnte. Natürlich konnte er es auch nicht so einfach ignorieren. Nein, Dumbledore hatte Severus bestimmt einen Wink geben, sodass er diese Geste als Teil der Mission tarnen konnte, das war wohl die wahrscheinlichste Erklärung. Harry schaute auf. Severus kam auf ihn zu und er fällte seine Entscheidung.

"Danke für alles, gestern und diesen Morgen", sagte Harry schnell als Severus sich setzte bevor er die Nerven verlor.

"Das geht in Ordnung, Potter."

"Richard", Harry erinnerte sich an ihren Decknamen, "Freunde reden sich nicht mit ihrem Nachnamen an.".

Severus Mund zuckte und mir viel Fantasie konnte man das als ein Lächeln deuten, "In Ordnung, Alex."

So, das war jetzt ein etwas längeres Kapitel. Vielen Dank für das Review von Angel344. Würde mich über weitere freuen.

exsanguis