Kapitel 4 - Wie es sein könnte
"Wenn wir wie Touristen aussehen wollen, dann sollten wir auch wirklich Touristensachen machen. Bis jetzt sind wir nur durch die Landschaft gewandert", erklärte Harry gegen Mittag.
"Machen Touristen das nicht?", fragte Severus als sie neben einer Straße lang gingen, die Fähre hatten sie nach Gourock genommen.
Man konnte sie zwar nicht wirklich als Fähre bezeichnen, dachte Harry, sie war mehr ein großes Floß und er war froh gewesen, dass es gutes Wetter war. Die Fähre, die sie bei Helensburgh genommen hatte, war dagegen ein richtiges Schiff.
In Gourock konnte man in einen Zug nach Glasgow steigen, wenn man wollte. Harry hatte die Zugpläne gesehen, die neben dem Dock aufgestellt waren. Aber sie wollten nicht wirklich. Severus war gegen große Städte. Sie gingen also weiter Südost an einer Straße entlang, die schon etwas größer war, aber trotzdem fernab von jeder Stadt. Sie hatten gerade eine ziemlich unheimlich wirkende Stadt auf der einen Seite und auf der anderen unbesteigbare Berge. Schottland war seltsam.
Bevor sie Dunoon diesen morgen verlassen hatten, hatte Harry gemerkt, dass sie wohl die Highland Games am Ende des Monats verpassen würden und das Heidenkraut würde auf den Hügeln um diese Zeit anfangen zu wachsen, das hatte er in der Zeitung gelesen. Die Hügel würden schön aussehen, wenn sie mit einem Teppich von bunten Pflanzen geschmückt waren. Er dachte darüber nach, Severus davon zu erzählen, natürlich nur damit sie wie Touristen wirkten, aber er entschied sich dagegen. Vielleicht später.
"Harry?", fragte Severus, "Fallen Touristen ohne ersichtlichen Grund in Trance?"
"Nein, ich habe nur nachgedacht.", antworte Harry.
Severus hob eine Augenbraue aber ging dann gerade aus weiter ohne ihn weiter zu beachten. Sie gingen die meiste Zeit nebeneinander, außer wenn der Weg zu schmal dazu war. Das Verhältnis war lockerer, Severus hatte ihnen sogar eine Tafel Schokolade und zwei Dosen Cola als Wegzehrung gekauft. Severus' Gesichtsausdruck als er das erste mal Cola trank waren die sieben Jahre wert. Der Mann hatte wohl noch nie etwas Kohlensäurehaltiges getrunken.
Sie würden nach Kilmarnock gehen, wo sie den Zug in ein paar Tagen nehmen würden.
"Wenn wir mehr wie Touristen wirken wollen, sollten wir mehr Städte besichtigen und länger dort bleiben, sie müssten berühmt sein, aber nicht zu gut besucht", bot Harry an.
Severus war erfreut, dass Harry sich doch endlich mehr einbrachte. "Wohin würdest du nach deiner Muggelerfahrung gehen?", fragte er.
"Lake District ist berühmt", Harry versuchte sich an die Zeit zu erinnern, als die Dursleys im Urlaub gewesen waren und ihn zu den Nachbarn gegeben hatten, "Carlisle hat ein Schloss... Wir könnten den Römischen Wall anschauen, man muss an ihm entlang gehen und das können wir ja mittlerweile. Alnwick ist weiter weg, dort ist auch ein Schloss, viele Filme sind dort gemacht worden, wenn man Außenaufnahmen von einem Schloss brauchte."
"Wie ist es dort?", fragte Severus, weil er sich nicht an irgendwelche netten Urlaubserinnerungen aus dem Denkarium erinnerte.
Harry zuckte mit den Schultern. "Ich war nie da, aber es hörte sich nett an."
Severus fragte sich, ob Harry jemals das, was er im Denkarium gesehen hatte, ansprechen würde. Sie gingen weiter. Sie wollten nach Lochwinnoch, wo sie ihre Vorräte austocken würden, bevor sie irgendwo außerhalb der Stadt campen würden.
Nach zwei Wochen ihrer Reise schmerzten Severus Schultern und Füße lange bevor sie ihr tägliches Quota an Kilometern geschafft hatten. Er konnte nur annehmen, dass Harry es ebenso erging, auch wenn er sich nie beschwert hatte. Das einzige Anzeichen war, dass er sich immer besonders Mühe gab, seinen Rucksack vorteilhaft zu packen, damit es später nicht drückte.
Severus hatte darüber nach gedacht, ihm anzubieten, dass sie gegenseitig die Schmerzen lindern, aber er war sich nicht sicher, ob Harry mutig genug war, oder wie er sich dabei fühlen würde. Bis jetzt hatte er nur umfassende medizinische Behandlung bekommen, wenn er soweit war, dass er sich nicht mehr daran störte. Er verstand Harry besser als der junge Mann wohl je erkennen würde.
Harry trottete weiter, er konnte Severus nun besser folgen, als am ersten Tag ihrer Reise. Seine Schultern waren entzündet und seine Füße voller Blasen, aber er hatte schon vorher Schmerzen ertragen müssen und wenigsten war dieses mal ein Ende in Sicht. Im September würde dies zu Ende sein, Severus würde zurück in die Schule gehen und er würde irgendetwas andere machen. Er wusste nicht genau was, aber er würde nicht durch Schottland wandern und so tun als ob er ein Freund seines gehassten Zaubertränke und Psychologiemeisters, das war sicher.
Eigentlich war es gar nicht so schlimm, wie er gedacht hatte. Severus konnte diese Täuschung wirklich gut aufrecht erhalten; er konnte sich gut vorstellen, wie er die Todesser so lange getäuscht hatte. Das Geburtstagsgeschenk war eine nette Geste und er wollte, obwohl er wusste, dass alles nur gespielt war, dass es echt war. Da Severus so ein guter Schauspieler war, war es leichter für Harry.
Harry schaute zu Severus und erlaubte sich ein wenig aus Zufriedenheit zu lächeln. Es war sehr warm, eine wirklich schöner Tag, er hatte gehört, dass es in Schottland immer regnete, aber bis jetzt hatten sie in dieser Richtung Glück gehabt.
Sie waren nun sehr weit im Süden und Severus sprach nun endlich das Thema Füße an. Sie hatten ihr Zelt in der Nähe von Sanquhar aufgeschlagen, sie wollten am nächsten Tag dort ihre Vorräte aufstocken. Sie hatten beschlossen runter nach England zum Lake District zu gehen, deswegen mussten sie nahen an Dumfries vorbei, genauso wie an Langholm und dann runter nach Carlisle. Dann würden sie einen Tag im Zug verbringen. Sie würden früh losfahren und ihr Zelt am Abend nicht sehr weit entfernt aufschlagen, so dass sie sich ein wenig ausruhen konnten.
Er brauchte den Ruhetag, dachte Severus, das war es, was ihn schließlich das Thema Heilen ansprechen ließ. Obwohl Severus ihn sieben Jahre lang einer Tortur unterzogen hatten, war Harry nie ein schlechter Schüler gewesen und er wusste, dass er die Fähigkeiten alle besaß um ihm diese Erleichterung zu geben.
Harry saß ein paar Meter von ihm entfernt und benutzte einen Dosenöffner an der Dose, die ihr Abendessen werden würde.
"Ich dachte, dass ich dir eine Salbe auf deine Füße reiben könnte, für später, damit wir unsere Geschwindigkeit beibehalten können", sagte Severus und versuchte dabei freundschaftlich zu klingen.
"Ich habe immer Schritt halten können", antworte Harry und schaute ihn argwöhnisch an, wirkte aber gleichzeitig defensiv.
"Ich weiß, aber ich habe eine gute Salbe und es würde helfen."
"Ich brauche nichts", antworte Harry und es klang beinahe gereizt.
Severus atmete tief durch und bereitete sich auf einen zweiten Versuch vor, selbst wenn er nett zu Harry war, wurde er misstrauisch. Es machte ihn traurig, dass Harry ihm so wenig vertraute.
"Ich hoffte darauf, dass du mir auch diesen Gefallen tun würdest", sagte Harry und beobachte Harrys Gesichtsausdruck. Er sah nicht sehr erfreut aus.
"Du denkst nicht, dass dann irgendetwas Schlimmes passiert?", sagte Harry und ging auf sein Verhalten im Unterricht ein, als er oft genug gesagt hatte, dass er nichts könnte.
Nicht das erstemal wünschte er sich, dass er niemals der unheimliche Snape gewesen war, es war sehr schwer davon weg zu kommen.
"Es ist nur ein bisschen Fußheilung", erklärte Severus. Es war bestimmt nicht die beste Art seine Zuversicht auszudrücken.
"Gut, aber ich brauche es nicht, mir geht es gut", erklärte Harry.
Nach dem Essen ging Severus ins Zelt und zog vorsichtig seine Schuhe und Socken aus und legte sich auf seinen Schlafsack. Harry nahm sich länger Zeit als sonst. Severus seufzte. Es gab wohl keine nie einen guten Augenblick um solche Dinge mit Harry zu besprechen. Er erneuerte seinen Vorsatz, die Dursleys persönlich umzubringen.
Harry kam schließlich ins Zelt, brachte die Muggle Campinglampe mit und zog den Reißverschluss des Zelts hinter sich zu, das Insekten nicht hinein kamen. Severus hatte die Salbe auf den anderen Schlafsack gelegt. Harry kniete sich hin.
Harry nahm sich soviel Salbe auf die Hand, wie er dachte, das es ausreichen würde und rieb es in seinen Händen. Er hob Severus Fuß auf seinen Schoß. Er kopierte Severus Methode, die er bei seinem Knöchel angewandt hatte und natürlich an seinen Unterricht. Er schmierte die Salbe auf Severus Fußsohle und begann dann damit seinen Fuß zu massieren. Er dachte die ganze Zeit daran, dass er den Schmerz vertreiben wollte und dass er heilen wollte. Er konnte die Blasen fühlen. Er schaute auf und sah, dass Severus die Augen geschlossen hatte. Harry fühlte sich besser, es war beinahe so, als würde er schlafen und es war nicht der Severus, vor dem er Angst hatte, sondern der, mit dessen Haar er gespielt hatte. Als sich der Fuß sehr weich anfühlte, begann er mit dem anderen Fuß. Harry fragte sich, ob Severus wirklich eingeschlafen war, er lag so still da.
Als Harry fertig war, lehnte Harry sich über ihn und wollte die Salbe wegpacken. Severus sah immer noch so aus, als ob er schlafen würde. Harry setzte sich und sah ihm zu.
"Leg dich hin und ziehe deine Schuhe und Socke, gib mir die Salbe", sagte Severus ruhig im sanftesten Tonfall, den Harry je von ihm gehört hatte. Er lag immer noch mit geschlossenen Augen da.
Harry erschrak, aber er beruhigte sich wieder als er sah, dass Severus immer noch ruhig da lag und darauf wartete, dass er ihm die Salbe in die ausgestreckte Hand lege. Harry entschied sich und gab ihm die Salbe. Seine Füße mussten die reinste Qual für ihn sein. Harry zog seine Schuhe und Socken aus. Er legte sich hin, mit dem Kopf bei Severus Füßen und schloss die Augen.
Harry konnte kaum die Bewegung spüren als Severus aufstand und Harry Fuß hoch hob. Als er die Salbe auftrug, versuchte Harry sein bestes nicht zurück zu zucken. Es gelang ihm beinahe und Severus berührte ihn sanft und massierte seine Angst weg, so dass er, als er fertig war, von Harry bereitwillig den anderen gereicht bekam.
*****
Am nächsten Tag gingen Harry und Severus weiter in Richtung Südosten weiter in Richtung Dumfries. Das Wetter war wieder sonnig und hell und Harrys Füße taten nicht länger weh. Seine Schultern waren schlimmer geworden, aber er konnte sich nicht vorstellen, Severus nur in die Nähe von ihnen kommen zu lassen.
"Lass deine Füße nicht wieder so schlimm werden", sagte Severus zu ihm.
"Genauso wenig wie du", erwiderte Harry
Severus bemerkte besorgt wie anklagend er geklungen haben musste. "Ein paar Minuten jeden Tag sollte uns beiden helfen, wenn du das willst", schlug er vor.
"Gut", antwortete er.
"Willst du eine Flasche Cola?", bot er ihm an.
Harry nickte, "Willst du eine?", fragte er und beobachte Severus Reaktion.
Severus verzog das Gesicht, "Ich denke nicht."
Harry lächelte, er fand es amüsant, dass Snape sich über etwas anderes als ihn ärgerte.
*****
In den nächsten Tag gelangten sie in den Norden von Dumfries und gingen leicht östlich durch Lochmaben und dann in Richtung Lockerbie, wo sie eine Autobahn überqueren müssen würden. In der Stadt selber sahen sie ein Denkmal, das ausnahmsweise mal nicht an einen Muggel Krieg erinnerte, als sie auf einer Parkbank sitzend Mittagessen aßen. Am folgenden Tag erreichten sie Langholm und gingen weitere in Richtung Süden. Sie wären schneller gewesen, wenn sie der Autobahn gefolgt werden, aber dann wäre ihr Ziel zu offensichtlich gewesen.
Sie waren nun nahe der englischen Grenze, das Land war flacher geworden und es waren nur noch ein paar Tage, bis sie endlich in den langerwarteten Zug steigen konnte. Harry war das nicht so wichtig, seine Füße waren sehr viel besser geworden. Das Wetter war immer noch gut, aber es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es wirklich an zu regnen anfangen würde. Harry freute sich nicht wirklich darauf. Bis jetzt gab es ein paar Temperaturschwankungen und ein paar Wolken waren gekommen und auch wieder gegangen. Ein, zweimal regnete es in der Nacht, aber sie hatte nun August, bald würde ihr Glück enden und wenn es Schottland einmal angefangen hatte zu regnen, dann regnete es auch. Sie würden zwar bald in England sein, aber Lake District war immer noch sehr nahe an Schottland und sie würden wohl kaum verschont bleiben. Sie mussten ihren magischen Schutz aufheben um trocken zu werden, dass war der einzige Weg.
"Severus", sagte Harry und versuchte Severus' Aufmerksamkeit zu erringen, da er die ganze Zeit mit einem nichtlesbaren Gesichtsausdruck rumgelaufen war, "schlagen wir bald ein Lager auf?"
Severus wurde aus seinen Gedanken gerissen, er hatte nicht bemerkt, dass es schon so spät war.
"Können wir anhalten und etwas zu essen machen?", fragte Harry.
"Ja, natürlich", antwortete Severus und sah sich nach etwas Passendem um. Er zeigte auf eine kleine Ansammlung von Bäumen. "Wir können dadurch gehen, dann können wir auf der anderen Seite unser Zelt aufbauen und niemand wird uns von der Straße aus sehen.", schlug er vor.
Sie gingen den Graben hinunter und Severus kletterte ohne große Probleme wieder herauf. Harry dagegen war etwas kleiner und außerdem war er müde von ihrem langen Marsch und kam falsch auf, er wäre beinahe gefallen, wenn Severus ihn nicht seinen Arm gepackt hätte.
"Entschuldige", sagte Harry und schaute auf den Boden und fühlte sich unnötigerweise ziemlich dumm, aber er zog sich nicht sofort zurück, wie Severus gedacht hatte.
"Deine Balance ist vollkommen verändert, wenn du diesen Rucksack trägst, es ist kaum überraschend", versuchte Severus Harry zu beruhige. Er ließ dann Harrys Arm gehen, als er merkte, dass er ihn noch immer hielt.
*****
Nachdem sie ihr Lager aufgeschlagen und gegessen hatten, holte Harry sein Buch heraus und Severus legte sich hin und schaute in den Himmel.
"Ich habe mir überlegt, dass es vielleicht ein Vorteil ist, wenn wir die Zeit minimieren, die wir beide schlafen?", schlug Severus vor.
Harry schloss sein Buch. "Wie?", fragte er, er dachte schon, dass er sich dann wohl genauso halbtot fühlen würde, wenn sie los gingen, wie wenn sie ankamen.
"Du könntest als erstes schlafen, ich bleibe wach, und dann nach dem Mittagessen, schlafe ich ein paar Stunden."
"Du kannst am Tag schlafen?", fragte Harry erstaunt.
"Nun, normalerweise hatte ich dafür dann immer einen dunklen, kalten Raum, aber ich denke, dass es hier auch geht. Hast du etwas dagegen?"
"Nein", antwortete Harry, das einzige, was ihm einfiele, war, dass er ihm dann nicht mehr nachts beim Schlafen zusehen konnte, aber dafür hatte er dann bei seinem Mittagsschlaf mehr Zeit.
"Nun, dann ab ins Bett mit dir", sagte Severus und zeigte auf das Zelt.
'Wollte er mich loswerden', dachte Harry, er fragte sich, warum er sich so fühlte.
Harry ging ins Zelt und zog sich langsam die Schuhe und die Socken aus als Severus auch herein kam.
Er saß im Schneidersitz vor Harry, halb auf dem Schlafsack. Er hatte die Salbe bei sich. Harry setzte sich hin und gab ihm seinen linken Fuß. Sie hatten dies nun jeden Abend getan und er fand mittlerweile gefallen an ihrem kleinen Ritual, aber Severus war dieses mal viel näher als sonst. Harry versuchte seine blöden Nerven zu ignorieren. Als Harry an der Reihe war, legte Severus sich hin und schloss seine Augen und Harrys Nerven beruhigten sich wieder.
Als er fertig war, ging Severus wieder nach draußen und Harry sollte sich nun wohl hinlegen und versuchen ein bisschen Schlaf zu bekommen. Er legte sich auf die Seite, wo er normalerweise Severus Rücken anschauen würde, der sich kaum bewegte, nur schwach, wenn er atmete. Alles was er jetzt sah, war der leere Schlafsack. Er drehte sich um und versuchte sich vorzumachen, dass er da war. Ron würde sicher lachen, wenn er ihn jetzt sehen könnte, dachte Harry, 'wie zur Hölle kann ich mich daran nur gewöhnen?'
*****
Zwei Tage später erreichten Harry und Severus Carlisle, es war endlich der Zugtag. Sie gingen geradewegs zum Bahnhof, weil sie nicht viel Zeit in der großen Stadt verbringen wollten. Harry stimmte dem zu, zumal die Stadt an diesem Samstag gut besucht war und er dachte, dass Severus wohl anfangen würde, ein paar Muggel zu töten, wenn sie in eine Menschenmenge gerieten. Außerdem hatte er angefangen in der Abgeschiedenheit lockerer zu werden und Harry brauchte ihn nicht daran zu erinnern, wie er sonst war.
"Ich denke nicht, dass wir zum Lake District gehen sollten", meinte Harry als sie auf die Fahrpläne schauten.
"Und warum?", fragte Severus, er schaute sich die Züge in Richtung Süden an.
"Es ist eine Sehenswürdigkeit, aber es ist zu spät in der Saision, wir würden auffallen", erwiderte er.
"Das stimmt", stimmte ihm Severus überraschenderweise zu, "sollen wir dann lieber nach Osten gehen?"
"Die Hälfte mit dem Zug? Wir könnten an dem Wall langgehen", schlug Harry vor.
"Welchen Wall?"
"Hadrians Wall, er ist römisch und die Touristen laufen an ihm lang"
"Oh."
"Außerdem gibt es da ein Museum."
"Wirklich.", Severus sah nicht wirklich beeindruckt aus.
"Sehr touristisch, aber nicht überfüllt", fügte Harry hinzu.
"Also nach Osten", stimmte Severus zu und legte seine Hand auf Harry Schulter, so freundschaftlich und so kurz wie er nur konnte.
"Der nächste Zug geht in einer und einer halben Stunden.", Harry zeigte auf den Zeitplan. "Dann lass' uns zu dem nächsten Supermarkt gehen", sagte Severus und führte ihn aus dem Bahnhof.
*****
Sie stiegen in den Zug nach Haltwhistle und folgten den Schildern aus der Stadt heraus und in Richtung des Walls. Sie wollten so nah wie möglich campen und sich dann ausruhen, ansonsten hatte der Ruhetag wenig Sinn.
Harry fühlte sich sehr glücklich, sie gingen in nach Osten und folgten den Gleisen, die Sommerferien waren bald zu ende, Severus würde bald zurück in die Schule zurück um das folgende Schuljahr vorzubereiten. Es war bald zu ende.
Snape konnte ein Fiesling sein, wenn man ein Schüler, aber dieser Tortur, die er einem unterzog, war gut geplant. Sie gingen schon mal in die richtige Richtung, wenn sie zurück nach London wollten. Wenn er jetzt Severus anschaute, konnte er sich den alten Snape kaum vorstellen. Er hatte ihn die ganze letzte Zeit sehr anständig behandelt. Er hatte sogar einmal gelächelt. Dagegen sprach, dass er die komplette Kontrolle über das Geld hatte. Sein Leben war noch eingeschränkter geworden als in der Schule. Wenigstens war es bald zu ende und er konnte sich etwas anderes suchen oder irgendwas suchen, bis der Dunkle Lord ihn rief.
Sie suchten einen passenden Ort für ihr Zelt und Harry bereitete ihr Nachtlager vor, während Snape sich um das Essen kümmerte, ihre normale Routine.
Severus setzte sich mit seinem Rucksack auf seine Seite und als Harry aufgegessen hatte, griff er hinein und holte eine große Flasche Jack Daniels und ein Päckchen Zigaretten heraus.
"Wir sind jetzt schon so weit gekommen, dass wir uns das erlauben können", bemerkte Severus und holte ihre Haferbreischüsseln heraus.
"Du nimmst die dafür?", fragte Harry.
"Ich dachte nicht, dass du so prüde bist Mr Potter", antworte Severus, "alles was wir benutzen, müssen wir auch tragen."
"Aber wir können nicht beide betrunken werden", protestierte Harry.
"Gut, dass du einen Sinn für Selbstschutz entwickelst", neckte er ihn, "Heute bist du dran, trink nicht alles. Ich will ein, zwei Zigaretten rauchen und eine kleines Schälchen trinken."
Severus füllte das Likör in die Schüsseln und Harry kümmerte sich um die Zigaretten. Harry tauschte eine Zigarette für seinen Drink und nahm einen guten Schluck. Er schluckte und ließ die Wärme durch seinen Körper fließen.
*****
"So, das machst du also die ganze Zeit im Kerker?", fragte Harry nach seinem dritten Drink.
"Ja", antworte Severus und bemerkte, dass Harry nun halb auf dem Boden lag, mit seinem Kopf auf seinem Rucksack.
"Du armer Fiesling", sagte Harry und lachte ein bisschen.
"Ja", antworte Severus und beobachtete Harry weiter.
"So, was hat es damit auf sich? Warum willst du mich betrunken machen?"
"Weil du neunzehn bist, Harry. Du verdienst etwas Spaß, oder?", sagte Severus sehr sanft für seine Verhältnisse.
"Noch nie daran gedacht", sagte Harry und lächelte plötzlich nicht mehr.
'Nein, hast du nicht', dachte Severus.
"Hmm, der Rucksack ist unbequem", beschwerte sich Harry.
Severus selber saß gegen einen Baum gelehnt mit einem seiner Jacken zwischen ihm und dem Baum, seine Beine hatte er ausgestreckt. In einem kurzen Anflug von Inspiration oder Dummheit nahm er Harrys wollenen Mantel, faltete ihn und legte ihn auf seinen Schoss.
"Komm her", sagte Severus zu Harry und als er aufschaute, deutete er auf den Mantel.
Severus war überrascht und erfreut, dass Harry das Angebot annahm und zu ihm hin schlurfte und legte seinen Kopf in seinen Schoß. Severus hoffte, dass Harry sich morgen daran erinnern würde und auch, dass er dort sicher war, vor all seinen Ängsten. Zumal sie noch eine lange Zeit miteinander verbringen würden und wenn das Schicksal es grausam mit ihm meinte, den Rest ihres Lebens.
"Wenn wir wie Touristen aussehen wollen, dann sollten wir auch wirklich Touristensachen machen. Bis jetzt sind wir nur durch die Landschaft gewandert", erklärte Harry gegen Mittag.
"Machen Touristen das nicht?", fragte Severus als sie neben einer Straße lang gingen, die Fähre hatten sie nach Gourock genommen.
Man konnte sie zwar nicht wirklich als Fähre bezeichnen, dachte Harry, sie war mehr ein großes Floß und er war froh gewesen, dass es gutes Wetter war. Die Fähre, die sie bei Helensburgh genommen hatte, war dagegen ein richtiges Schiff.
In Gourock konnte man in einen Zug nach Glasgow steigen, wenn man wollte. Harry hatte die Zugpläne gesehen, die neben dem Dock aufgestellt waren. Aber sie wollten nicht wirklich. Severus war gegen große Städte. Sie gingen also weiter Südost an einer Straße entlang, die schon etwas größer war, aber trotzdem fernab von jeder Stadt. Sie hatten gerade eine ziemlich unheimlich wirkende Stadt auf der einen Seite und auf der anderen unbesteigbare Berge. Schottland war seltsam.
Bevor sie Dunoon diesen morgen verlassen hatten, hatte Harry gemerkt, dass sie wohl die Highland Games am Ende des Monats verpassen würden und das Heidenkraut würde auf den Hügeln um diese Zeit anfangen zu wachsen, das hatte er in der Zeitung gelesen. Die Hügel würden schön aussehen, wenn sie mit einem Teppich von bunten Pflanzen geschmückt waren. Er dachte darüber nach, Severus davon zu erzählen, natürlich nur damit sie wie Touristen wirkten, aber er entschied sich dagegen. Vielleicht später.
"Harry?", fragte Severus, "Fallen Touristen ohne ersichtlichen Grund in Trance?"
"Nein, ich habe nur nachgedacht.", antworte Harry.
Severus hob eine Augenbraue aber ging dann gerade aus weiter ohne ihn weiter zu beachten. Sie gingen die meiste Zeit nebeneinander, außer wenn der Weg zu schmal dazu war. Das Verhältnis war lockerer, Severus hatte ihnen sogar eine Tafel Schokolade und zwei Dosen Cola als Wegzehrung gekauft. Severus' Gesichtsausdruck als er das erste mal Cola trank waren die sieben Jahre wert. Der Mann hatte wohl noch nie etwas Kohlensäurehaltiges getrunken.
Sie würden nach Kilmarnock gehen, wo sie den Zug in ein paar Tagen nehmen würden.
"Wenn wir mehr wie Touristen wirken wollen, sollten wir mehr Städte besichtigen und länger dort bleiben, sie müssten berühmt sein, aber nicht zu gut besucht", bot Harry an.
Severus war erfreut, dass Harry sich doch endlich mehr einbrachte. "Wohin würdest du nach deiner Muggelerfahrung gehen?", fragte er.
"Lake District ist berühmt", Harry versuchte sich an die Zeit zu erinnern, als die Dursleys im Urlaub gewesen waren und ihn zu den Nachbarn gegeben hatten, "Carlisle hat ein Schloss... Wir könnten den Römischen Wall anschauen, man muss an ihm entlang gehen und das können wir ja mittlerweile. Alnwick ist weiter weg, dort ist auch ein Schloss, viele Filme sind dort gemacht worden, wenn man Außenaufnahmen von einem Schloss brauchte."
"Wie ist es dort?", fragte Severus, weil er sich nicht an irgendwelche netten Urlaubserinnerungen aus dem Denkarium erinnerte.
Harry zuckte mit den Schultern. "Ich war nie da, aber es hörte sich nett an."
Severus fragte sich, ob Harry jemals das, was er im Denkarium gesehen hatte, ansprechen würde. Sie gingen weiter. Sie wollten nach Lochwinnoch, wo sie ihre Vorräte austocken würden, bevor sie irgendwo außerhalb der Stadt campen würden.
Nach zwei Wochen ihrer Reise schmerzten Severus Schultern und Füße lange bevor sie ihr tägliches Quota an Kilometern geschafft hatten. Er konnte nur annehmen, dass Harry es ebenso erging, auch wenn er sich nie beschwert hatte. Das einzige Anzeichen war, dass er sich immer besonders Mühe gab, seinen Rucksack vorteilhaft zu packen, damit es später nicht drückte.
Severus hatte darüber nach gedacht, ihm anzubieten, dass sie gegenseitig die Schmerzen lindern, aber er war sich nicht sicher, ob Harry mutig genug war, oder wie er sich dabei fühlen würde. Bis jetzt hatte er nur umfassende medizinische Behandlung bekommen, wenn er soweit war, dass er sich nicht mehr daran störte. Er verstand Harry besser als der junge Mann wohl je erkennen würde.
Harry trottete weiter, er konnte Severus nun besser folgen, als am ersten Tag ihrer Reise. Seine Schultern waren entzündet und seine Füße voller Blasen, aber er hatte schon vorher Schmerzen ertragen müssen und wenigsten war dieses mal ein Ende in Sicht. Im September würde dies zu Ende sein, Severus würde zurück in die Schule gehen und er würde irgendetwas andere machen. Er wusste nicht genau was, aber er würde nicht durch Schottland wandern und so tun als ob er ein Freund seines gehassten Zaubertränke und Psychologiemeisters, das war sicher.
Eigentlich war es gar nicht so schlimm, wie er gedacht hatte. Severus konnte diese Täuschung wirklich gut aufrecht erhalten; er konnte sich gut vorstellen, wie er die Todesser so lange getäuscht hatte. Das Geburtstagsgeschenk war eine nette Geste und er wollte, obwohl er wusste, dass alles nur gespielt war, dass es echt war. Da Severus so ein guter Schauspieler war, war es leichter für Harry.
Harry schaute zu Severus und erlaubte sich ein wenig aus Zufriedenheit zu lächeln. Es war sehr warm, eine wirklich schöner Tag, er hatte gehört, dass es in Schottland immer regnete, aber bis jetzt hatten sie in dieser Richtung Glück gehabt.
Sie waren nun sehr weit im Süden und Severus sprach nun endlich das Thema Füße an. Sie hatten ihr Zelt in der Nähe von Sanquhar aufgeschlagen, sie wollten am nächsten Tag dort ihre Vorräte aufstocken. Sie hatten beschlossen runter nach England zum Lake District zu gehen, deswegen mussten sie nahen an Dumfries vorbei, genauso wie an Langholm und dann runter nach Carlisle. Dann würden sie einen Tag im Zug verbringen. Sie würden früh losfahren und ihr Zelt am Abend nicht sehr weit entfernt aufschlagen, so dass sie sich ein wenig ausruhen konnten.
Er brauchte den Ruhetag, dachte Severus, das war es, was ihn schließlich das Thema Heilen ansprechen ließ. Obwohl Severus ihn sieben Jahre lang einer Tortur unterzogen hatten, war Harry nie ein schlechter Schüler gewesen und er wusste, dass er die Fähigkeiten alle besaß um ihm diese Erleichterung zu geben.
Harry saß ein paar Meter von ihm entfernt und benutzte einen Dosenöffner an der Dose, die ihr Abendessen werden würde.
"Ich dachte, dass ich dir eine Salbe auf deine Füße reiben könnte, für später, damit wir unsere Geschwindigkeit beibehalten können", sagte Severus und versuchte dabei freundschaftlich zu klingen.
"Ich habe immer Schritt halten können", antworte Harry und schaute ihn argwöhnisch an, wirkte aber gleichzeitig defensiv.
"Ich weiß, aber ich habe eine gute Salbe und es würde helfen."
"Ich brauche nichts", antworte Harry und es klang beinahe gereizt.
Severus atmete tief durch und bereitete sich auf einen zweiten Versuch vor, selbst wenn er nett zu Harry war, wurde er misstrauisch. Es machte ihn traurig, dass Harry ihm so wenig vertraute.
"Ich hoffte darauf, dass du mir auch diesen Gefallen tun würdest", sagte Harry und beobachte Harrys Gesichtsausdruck. Er sah nicht sehr erfreut aus.
"Du denkst nicht, dass dann irgendetwas Schlimmes passiert?", sagte Harry und ging auf sein Verhalten im Unterricht ein, als er oft genug gesagt hatte, dass er nichts könnte.
Nicht das erstemal wünschte er sich, dass er niemals der unheimliche Snape gewesen war, es war sehr schwer davon weg zu kommen.
"Es ist nur ein bisschen Fußheilung", erklärte Severus. Es war bestimmt nicht die beste Art seine Zuversicht auszudrücken.
"Gut, aber ich brauche es nicht, mir geht es gut", erklärte Harry.
Nach dem Essen ging Severus ins Zelt und zog vorsichtig seine Schuhe und Socken aus und legte sich auf seinen Schlafsack. Harry nahm sich länger Zeit als sonst. Severus seufzte. Es gab wohl keine nie einen guten Augenblick um solche Dinge mit Harry zu besprechen. Er erneuerte seinen Vorsatz, die Dursleys persönlich umzubringen.
Harry kam schließlich ins Zelt, brachte die Muggle Campinglampe mit und zog den Reißverschluss des Zelts hinter sich zu, das Insekten nicht hinein kamen. Severus hatte die Salbe auf den anderen Schlafsack gelegt. Harry kniete sich hin.
Harry nahm sich soviel Salbe auf die Hand, wie er dachte, das es ausreichen würde und rieb es in seinen Händen. Er hob Severus Fuß auf seinen Schoß. Er kopierte Severus Methode, die er bei seinem Knöchel angewandt hatte und natürlich an seinen Unterricht. Er schmierte die Salbe auf Severus Fußsohle und begann dann damit seinen Fuß zu massieren. Er dachte die ganze Zeit daran, dass er den Schmerz vertreiben wollte und dass er heilen wollte. Er konnte die Blasen fühlen. Er schaute auf und sah, dass Severus die Augen geschlossen hatte. Harry fühlte sich besser, es war beinahe so, als würde er schlafen und es war nicht der Severus, vor dem er Angst hatte, sondern der, mit dessen Haar er gespielt hatte. Als sich der Fuß sehr weich anfühlte, begann er mit dem anderen Fuß. Harry fragte sich, ob Severus wirklich eingeschlafen war, er lag so still da.
Als Harry fertig war, lehnte Harry sich über ihn und wollte die Salbe wegpacken. Severus sah immer noch so aus, als ob er schlafen würde. Harry setzte sich und sah ihm zu.
"Leg dich hin und ziehe deine Schuhe und Socke, gib mir die Salbe", sagte Severus ruhig im sanftesten Tonfall, den Harry je von ihm gehört hatte. Er lag immer noch mit geschlossenen Augen da.
Harry erschrak, aber er beruhigte sich wieder als er sah, dass Severus immer noch ruhig da lag und darauf wartete, dass er ihm die Salbe in die ausgestreckte Hand lege. Harry entschied sich und gab ihm die Salbe. Seine Füße mussten die reinste Qual für ihn sein. Harry zog seine Schuhe und Socken aus. Er legte sich hin, mit dem Kopf bei Severus Füßen und schloss die Augen.
Harry konnte kaum die Bewegung spüren als Severus aufstand und Harry Fuß hoch hob. Als er die Salbe auftrug, versuchte Harry sein bestes nicht zurück zu zucken. Es gelang ihm beinahe und Severus berührte ihn sanft und massierte seine Angst weg, so dass er, als er fertig war, von Harry bereitwillig den anderen gereicht bekam.
*****
Am nächsten Tag gingen Harry und Severus weiter in Richtung Südosten weiter in Richtung Dumfries. Das Wetter war wieder sonnig und hell und Harrys Füße taten nicht länger weh. Seine Schultern waren schlimmer geworden, aber er konnte sich nicht vorstellen, Severus nur in die Nähe von ihnen kommen zu lassen.
"Lass deine Füße nicht wieder so schlimm werden", sagte Severus zu ihm.
"Genauso wenig wie du", erwiderte Harry
Severus bemerkte besorgt wie anklagend er geklungen haben musste. "Ein paar Minuten jeden Tag sollte uns beiden helfen, wenn du das willst", schlug er vor.
"Gut", antwortete er.
"Willst du eine Flasche Cola?", bot er ihm an.
Harry nickte, "Willst du eine?", fragte er und beobachte Severus Reaktion.
Severus verzog das Gesicht, "Ich denke nicht."
Harry lächelte, er fand es amüsant, dass Snape sich über etwas anderes als ihn ärgerte.
*****
In den nächsten Tag gelangten sie in den Norden von Dumfries und gingen leicht östlich durch Lochmaben und dann in Richtung Lockerbie, wo sie eine Autobahn überqueren müssen würden. In der Stadt selber sahen sie ein Denkmal, das ausnahmsweise mal nicht an einen Muggel Krieg erinnerte, als sie auf einer Parkbank sitzend Mittagessen aßen. Am folgenden Tag erreichten sie Langholm und gingen weitere in Richtung Süden. Sie wären schneller gewesen, wenn sie der Autobahn gefolgt werden, aber dann wäre ihr Ziel zu offensichtlich gewesen.
Sie waren nun nahe der englischen Grenze, das Land war flacher geworden und es waren nur noch ein paar Tage, bis sie endlich in den langerwarteten Zug steigen konnte. Harry war das nicht so wichtig, seine Füße waren sehr viel besser geworden. Das Wetter war immer noch gut, aber es war nur noch eine Frage der Zeit, bis es wirklich an zu regnen anfangen würde. Harry freute sich nicht wirklich darauf. Bis jetzt gab es ein paar Temperaturschwankungen und ein paar Wolken waren gekommen und auch wieder gegangen. Ein, zweimal regnete es in der Nacht, aber sie hatte nun August, bald würde ihr Glück enden und wenn es Schottland einmal angefangen hatte zu regnen, dann regnete es auch. Sie würden zwar bald in England sein, aber Lake District war immer noch sehr nahe an Schottland und sie würden wohl kaum verschont bleiben. Sie mussten ihren magischen Schutz aufheben um trocken zu werden, dass war der einzige Weg.
"Severus", sagte Harry und versuchte Severus' Aufmerksamkeit zu erringen, da er die ganze Zeit mit einem nichtlesbaren Gesichtsausdruck rumgelaufen war, "schlagen wir bald ein Lager auf?"
Severus wurde aus seinen Gedanken gerissen, er hatte nicht bemerkt, dass es schon so spät war.
"Können wir anhalten und etwas zu essen machen?", fragte Harry.
"Ja, natürlich", antwortete Severus und sah sich nach etwas Passendem um. Er zeigte auf eine kleine Ansammlung von Bäumen. "Wir können dadurch gehen, dann können wir auf der anderen Seite unser Zelt aufbauen und niemand wird uns von der Straße aus sehen.", schlug er vor.
Sie gingen den Graben hinunter und Severus kletterte ohne große Probleme wieder herauf. Harry dagegen war etwas kleiner und außerdem war er müde von ihrem langen Marsch und kam falsch auf, er wäre beinahe gefallen, wenn Severus ihn nicht seinen Arm gepackt hätte.
"Entschuldige", sagte Harry und schaute auf den Boden und fühlte sich unnötigerweise ziemlich dumm, aber er zog sich nicht sofort zurück, wie Severus gedacht hatte.
"Deine Balance ist vollkommen verändert, wenn du diesen Rucksack trägst, es ist kaum überraschend", versuchte Severus Harry zu beruhige. Er ließ dann Harrys Arm gehen, als er merkte, dass er ihn noch immer hielt.
*****
Nachdem sie ihr Lager aufgeschlagen und gegessen hatten, holte Harry sein Buch heraus und Severus legte sich hin und schaute in den Himmel.
"Ich habe mir überlegt, dass es vielleicht ein Vorteil ist, wenn wir die Zeit minimieren, die wir beide schlafen?", schlug Severus vor.
Harry schloss sein Buch. "Wie?", fragte er, er dachte schon, dass er sich dann wohl genauso halbtot fühlen würde, wenn sie los gingen, wie wenn sie ankamen.
"Du könntest als erstes schlafen, ich bleibe wach, und dann nach dem Mittagessen, schlafe ich ein paar Stunden."
"Du kannst am Tag schlafen?", fragte Harry erstaunt.
"Nun, normalerweise hatte ich dafür dann immer einen dunklen, kalten Raum, aber ich denke, dass es hier auch geht. Hast du etwas dagegen?"
"Nein", antwortete Harry, das einzige, was ihm einfiele, war, dass er ihm dann nicht mehr nachts beim Schlafen zusehen konnte, aber dafür hatte er dann bei seinem Mittagsschlaf mehr Zeit.
"Nun, dann ab ins Bett mit dir", sagte Severus und zeigte auf das Zelt.
'Wollte er mich loswerden', dachte Harry, er fragte sich, warum er sich so fühlte.
Harry ging ins Zelt und zog sich langsam die Schuhe und die Socken aus als Severus auch herein kam.
Er saß im Schneidersitz vor Harry, halb auf dem Schlafsack. Er hatte die Salbe bei sich. Harry setzte sich hin und gab ihm seinen linken Fuß. Sie hatten dies nun jeden Abend getan und er fand mittlerweile gefallen an ihrem kleinen Ritual, aber Severus war dieses mal viel näher als sonst. Harry versuchte seine blöden Nerven zu ignorieren. Als Harry an der Reihe war, legte Severus sich hin und schloss seine Augen und Harrys Nerven beruhigten sich wieder.
Als er fertig war, ging Severus wieder nach draußen und Harry sollte sich nun wohl hinlegen und versuchen ein bisschen Schlaf zu bekommen. Er legte sich auf die Seite, wo er normalerweise Severus Rücken anschauen würde, der sich kaum bewegte, nur schwach, wenn er atmete. Alles was er jetzt sah, war der leere Schlafsack. Er drehte sich um und versuchte sich vorzumachen, dass er da war. Ron würde sicher lachen, wenn er ihn jetzt sehen könnte, dachte Harry, 'wie zur Hölle kann ich mich daran nur gewöhnen?'
*****
Zwei Tage später erreichten Harry und Severus Carlisle, es war endlich der Zugtag. Sie gingen geradewegs zum Bahnhof, weil sie nicht viel Zeit in der großen Stadt verbringen wollten. Harry stimmte dem zu, zumal die Stadt an diesem Samstag gut besucht war und er dachte, dass Severus wohl anfangen würde, ein paar Muggel zu töten, wenn sie in eine Menschenmenge gerieten. Außerdem hatte er angefangen in der Abgeschiedenheit lockerer zu werden und Harry brauchte ihn nicht daran zu erinnern, wie er sonst war.
"Ich denke nicht, dass wir zum Lake District gehen sollten", meinte Harry als sie auf die Fahrpläne schauten.
"Und warum?", fragte Severus, er schaute sich die Züge in Richtung Süden an.
"Es ist eine Sehenswürdigkeit, aber es ist zu spät in der Saision, wir würden auffallen", erwiderte er.
"Das stimmt", stimmte ihm Severus überraschenderweise zu, "sollen wir dann lieber nach Osten gehen?"
"Die Hälfte mit dem Zug? Wir könnten an dem Wall langgehen", schlug Harry vor.
"Welchen Wall?"
"Hadrians Wall, er ist römisch und die Touristen laufen an ihm lang"
"Oh."
"Außerdem gibt es da ein Museum."
"Wirklich.", Severus sah nicht wirklich beeindruckt aus.
"Sehr touristisch, aber nicht überfüllt", fügte Harry hinzu.
"Also nach Osten", stimmte Severus zu und legte seine Hand auf Harry Schulter, so freundschaftlich und so kurz wie er nur konnte.
"Der nächste Zug geht in einer und einer halben Stunden.", Harry zeigte auf den Zeitplan. "Dann lass' uns zu dem nächsten Supermarkt gehen", sagte Severus und führte ihn aus dem Bahnhof.
*****
Sie stiegen in den Zug nach Haltwhistle und folgten den Schildern aus der Stadt heraus und in Richtung des Walls. Sie wollten so nah wie möglich campen und sich dann ausruhen, ansonsten hatte der Ruhetag wenig Sinn.
Harry fühlte sich sehr glücklich, sie gingen in nach Osten und folgten den Gleisen, die Sommerferien waren bald zu ende, Severus würde bald zurück in die Schule zurück um das folgende Schuljahr vorzubereiten. Es war bald zu ende.
Snape konnte ein Fiesling sein, wenn man ein Schüler, aber dieser Tortur, die er einem unterzog, war gut geplant. Sie gingen schon mal in die richtige Richtung, wenn sie zurück nach London wollten. Wenn er jetzt Severus anschaute, konnte er sich den alten Snape kaum vorstellen. Er hatte ihn die ganze letzte Zeit sehr anständig behandelt. Er hatte sogar einmal gelächelt. Dagegen sprach, dass er die komplette Kontrolle über das Geld hatte. Sein Leben war noch eingeschränkter geworden als in der Schule. Wenigstens war es bald zu ende und er konnte sich etwas anderes suchen oder irgendwas suchen, bis der Dunkle Lord ihn rief.
Sie suchten einen passenden Ort für ihr Zelt und Harry bereitete ihr Nachtlager vor, während Snape sich um das Essen kümmerte, ihre normale Routine.
Severus setzte sich mit seinem Rucksack auf seine Seite und als Harry aufgegessen hatte, griff er hinein und holte eine große Flasche Jack Daniels und ein Päckchen Zigaretten heraus.
"Wir sind jetzt schon so weit gekommen, dass wir uns das erlauben können", bemerkte Severus und holte ihre Haferbreischüsseln heraus.
"Du nimmst die dafür?", fragte Harry.
"Ich dachte nicht, dass du so prüde bist Mr Potter", antworte Severus, "alles was wir benutzen, müssen wir auch tragen."
"Aber wir können nicht beide betrunken werden", protestierte Harry.
"Gut, dass du einen Sinn für Selbstschutz entwickelst", neckte er ihn, "Heute bist du dran, trink nicht alles. Ich will ein, zwei Zigaretten rauchen und eine kleines Schälchen trinken."
Severus füllte das Likör in die Schüsseln und Harry kümmerte sich um die Zigaretten. Harry tauschte eine Zigarette für seinen Drink und nahm einen guten Schluck. Er schluckte und ließ die Wärme durch seinen Körper fließen.
*****
"So, das machst du also die ganze Zeit im Kerker?", fragte Harry nach seinem dritten Drink.
"Ja", antworte Severus und bemerkte, dass Harry nun halb auf dem Boden lag, mit seinem Kopf auf seinem Rucksack.
"Du armer Fiesling", sagte Harry und lachte ein bisschen.
"Ja", antworte Severus und beobachtete Harry weiter.
"So, was hat es damit auf sich? Warum willst du mich betrunken machen?"
"Weil du neunzehn bist, Harry. Du verdienst etwas Spaß, oder?", sagte Severus sehr sanft für seine Verhältnisse.
"Noch nie daran gedacht", sagte Harry und lächelte plötzlich nicht mehr.
'Nein, hast du nicht', dachte Severus.
"Hmm, der Rucksack ist unbequem", beschwerte sich Harry.
Severus selber saß gegen einen Baum gelehnt mit einem seiner Jacken zwischen ihm und dem Baum, seine Beine hatte er ausgestreckt. In einem kurzen Anflug von Inspiration oder Dummheit nahm er Harrys wollenen Mantel, faltete ihn und legte ihn auf seinen Schoss.
"Komm her", sagte Severus zu Harry und als er aufschaute, deutete er auf den Mantel.
Severus war überrascht und erfreut, dass Harry das Angebot annahm und zu ihm hin schlurfte und legte seinen Kopf in seinen Schoß. Severus hoffte, dass Harry sich morgen daran erinnern würde und auch, dass er dort sicher war, vor all seinen Ängsten. Zumal sie noch eine lange Zeit miteinander verbringen würden und wenn das Schicksal es grausam mit ihm meinte, den Rest ihres Lebens.
