Kaiptel 6 - Gnädiger Tod

And all I had done below the sun

Would count for nothing

In the turning of the world

When there is nowhere left to go

You walk alone and watch the void

Eclipse it all

(Runrig - Nothing But The Sun - Mara)

(Und alles was ich auf der Erde getan

zählt nichts

im Gegensatz zur ganzen Erde.

Wo du nirgends mehr hin kannst

Du gehst allein und siehst das

Nichts

Umgibt alles)

Harry wachte am nächsten Morgen in einer anderen Welt auf. Am meisten in diesem Moment dadurch symbolisiert, dass Severus immer noch an seiner Seite lag und nicht draußen Haferbrei machte. Harry setzte sich auf und schaute auf seinen Gefährten hinunter, er erinnerte sich an das, was gestern zwischen ihnen passiert war und er fühlte noch immer diese Leere. Harry betrachtete sein Gesicht und strich eine Strähne aus Severus' Gesicht und hielt sie ein wenig in der Hand, wie er es so gerne tat.

"Ich MUSS dich jetzt hassen", flüsterte Harry, "Kannst du nicht wieder der unheimliche Snape für mich sein? Bitte!"

Severus schlief weiter, atmete sanft ein und aus. Harry lehnte sich nach vorne und seine Lippen berührten seine Stirn kurz.

*****

"Endlich bist du wach", kritisierte Harry Snape, als dieser schließlich aus dem Zelt gekrochen kam und aussah, als hätte er nie ein Auge zu getan. "Ich habe schon mal Frühstück gemacht. Hoffe es schmeckt", sagte er leicht gereizt.

"Ich nehme nicht an, dass du sogar Haferbrei ruinieren kannst", erwiderte Severus im gleichen Tonfall.

Harry füllte ihre zwei Schüsselchen mit Brei, nachdem er diesen leicht anbrennen gelassen hatte. Er beobachtete, wie Severus probierte und erwartete, dass er ihn weiter tadeln würde. Severus sagte nichts und aß alles auf. Harry begann ebenfalls zu essen und er fand, dass es widerlich schmeckte. Es war kein Zucker darin und alles was er tun konnte, war zu versuchen sein Gesicht nicht allzu sehr zu verziehen, Severus sagte kein Wort.

*****

Sobald sie gepackt hatten, liefen sie los. Es regnete leicht und es schien als würde es noch mehr werden. Harry konnte das Gewicht seines Rucksacks auf seinen Schultern spüren und es tat nach jedem Schritt mehr weh. Die Temperatur war in den letzten Tagen gesunken und dann hatte Severus die Fußmassagen nicht mehr erwähnt. Harry ging voran, er wollte nicht in der Nähe von Severus oder diesem Ding sein. So größer die Distanz zwischen ihnen beiden, desto besser, dachte Harry. Der Wind blies stark und wehte Harrys Haare in sein Gesicht, trotz des Halstuches, was er Fest um seine Stirn gebunden hatte. Das war es, das war sein Leben. Aufstehen, gehen, daran denken, wie er jemanden töten würde, den er eigentlich immer gehasst hatte, aber jetzt nicht mehr, sich etwas trocknen, essen, seinem Opfer beim Schlafen zusehen, laufen, versuchen ein bisschen zu schlafen und ihm wieder zusehen. Harry konnte das Buch nicht mehr lesen, er hatte keinen Sinn für es jetzt. Er konnte nichts als geradeaus zuschauen und weiter zu laufen.

*****

Severus erfüllte seine Kochpflichten wieder zum Mittagessen. Harry ließ ihn, mit ihm darüber zu streiten, war ihm zu viel Interaktion. Harry nahm seine Schüssel und versuchte ein bisschen zu essen, aber es blieb ihm im Hals stecken. Er fühlte, wie Severus ihn beobachtete, er hatte ihn immer gefühlt, er konnte es nicht ertragen und er wünschte sich, dass er aufhören würde.

Sie gingen beide zurück ins Zelt, damit Severus seinen Schlaf aufholen konnte und Severus schaute zu ihm hoch als er im Schlafsack lag. Harry drehte sich um und tat so, als ob er lesen würde, er sagte nichts. Das war der einziger Ort, an dem er sich verstecken konnte.

*****

In dieser Nacht, lagen Harry und Severus nebeneinander, beider von ihrem Schlafmangel und ihrem Marsch erschöpft. Sie lagen Rücken an Rücken, ohne ein Wort zu sprechen. Harry hatte einen seltsamen Traum.

Mein Name ist Alexian, sagte eine Stimme, räche mich. Töte den Dunklen Lord und räche meinen Tod. Harry, sie haben mich getötet, sie waren zu mächtig. Räche meinen Tod, Harry, sagte die Stimme wieder, töte den Dunklen Lord, und jeden, der ihm folgt. Pass auf ihn auf, pass auf auf ihn!

*****

Severus wachte nach einer Stunde wieder auf, seine Knochen schmerzten so. Er fühlte sich, als wäre er hundert Jahre alt und es gab kaum einen Teil seines Körpers, der ihm nicht weh tat. Ein Gewicht drückte auf seine Seite. Er hob seine Hand herauszufinden was es war und sah Harry Arm um seine Hüfte geschlungen und seine Hand berührte seine Brust. Harry lag auf der Seite. Severus hob seine Hand hoch und hielt sie, er fragte sich, ob er Harry bewegen sollte oder nicht und so tun sollte, als hätte er es nicht bemerkt. Er schloss wieder die Augen. Wenn er es ansprechen würde, würde es noch peinlicher für Harry in dieser schon ziemlich peinlichen Situation werden. Er ließ Harry so wie er war. Er wollte ihm keinen Grund zum Davonlaufen geben. Außerdem wollte er ihn gar nicht bewegen.

*****

Harry erwachte und erinnerte sich an seinen Traum. Nicht mehr an Bilder, sondern nur an die Stimme dieses Mannes mit dem Namen Alexian. Er dachte an seine Aufforderung den Dunklen Lord zu töten. Er verdrängte den Gedanken an den Traum aus seinem Kopf. Er wollte den Dunklen Lord sowieso töten, was machte es schon, dass diese Stimme in seinem Kopf dies auch wollte. Er wollte es nicht Severus erzählen, es veränderte nichts und er sprach mit ihm sowieso nicht. Harry bemerkte plötzlich, dass er seinen Arm um ihn geschlungen hatte. Er traute sich kaum zu atmen, als er ihn zurückzog.

*****

Harry und Severus nahmen einen Zug zurück nach Inverness als sie Edinburgh erreicht hatten. Severus suchte diesen Reiseweg aus, weil er nicht mehr viel weiter laufen konnte. Er wollte zwar auch keinen Muggelkontakt, aber er konnte es nicht ändern. Er fühlte sich kalt und fiebrig, etwas, dass man in der Schule ganz leicht hätte heilen können, dass ihn aber jetzt unaufhörlich plagte und Besserung war nicht in sicht. Er konnte sich nicht selber heilen, aber obwohl ihn niemand mochte, hätte ihm jeder diesen Gefallen erfüllt, weil er mächtig genug war sie im Gegenzug zu heilen. Harry befolgte leider keiner dieser Regeln der Etikette.

Der Regen und die Kälte hatten ihm zudem eine Erkältung beschert. Harry war merkwürdigerweise nicht betroffen. Sie gingen nun in Richtung Culloden Muir, ein Ort, den Harry ausgesucht hatte, weil er von historischem Interesse war und außerdem konnte man dort gut zelten. Für Severus sah es wie ein altes Moor aus, das hier und da mit Grabsteinen versehen war.

"Culloden Muir", las Harry von einem Schild, sein angstvoller Gesichtsausdruck war nicht von ihm gewichen als er sich zu Severus umdrehte, "wo fünfzehnhundert Highlander, erschöpft von einem langen Marsch unvorbereitet auf flachem Gelände hoffnungslos in der Unterzahl angegriffen wurden und bei einem zwecklosen Kampf gegen die englische Armee starben und ihre Führer ins Exil flüchteten. 1746. Die Niederlage brachte eine Hugersnot und die Anführer betrogen ihre eigenen Leute, das Clansystem und Grundgerüst der Highlands war für immer zerstört."

Severus sah die Felder, die mit Grabsteinen übersäht waren, es war ein trauriger Ort, unheimlich im pfeifenden Wind. Es war spät geworden.

"Ich stelle das Zelt irgendwo da auf", sagte Harry und zeigte auf eine nahe gelegene Stelle.

Severus streckte seine Hand zu Harry aus, um ihn physisch wie mental zu erreichen.

Harry schreckte zurück, "Welchen Teil von 'Fass mich nicht an' verstehst du nicht?", fragte er ängstlich, drehte sich um um die Tränen, die ihn verrieten, zu verbergen.

"Können wir nicht wieder Freunde sein?", fragte Snape leise, "Ich hab das nicht getan, Albus gab uns die Mission."

"Bist du noch Snape? Wieder Freunde sein? Ich habe nur so getan, für die Mission", sagte Harry, er schaute seinen Gefährten immer noch nicht an, "Sag mir nicht, dass du dachtest, es wäre echt?"

"Harry, Ich...", murmelte Severus, er war sich nicht sicher, was er sagen sollte.

"Was ist mit dir passiert? Wenigstens hatte Snape das Rückrat die anzuschauen, es pathetisch. Was hast du vor, wenn wir angegriffen werden? Sie so lange zu reden, bis sie Selbstmord begehen? Du willst echte Freundschaft? Du hast mich mit dieser Täuschung unter Druck gesetzt, genauso wie du mich in den letzten sieben Jahren schikaniert hast. Ich habe keine Lust mehr das vorgeben zu müssen. Jetzt ist Schluss mit dieser Schauspielerei, geh einfach weiter und koch uns was zu essen. Es ist sowieso egal, denkst du, dass sie uns nicht erkennen, wenn du nett zu mir bist? Na ja, dass könnte schon stimmen..."

Severus starrte ihn an, er konnte sich nicht bewegen, wie als wäre er erfroren. Er zitterte. Es regnete sehr stark und sie waren durch und durch naß. Wasser rann ihre beiden Gesichter hinunter.

Harry schaute zu Severus hoch, beinahe mit bösartiger Schadenfreude, dennoch schweren Herzens. Das war es. Die Linie, die Harry, selbst als er Snape wirklich gehasst hatte, niemals übertreten hätte.

"Was ist los?", fragte er um Severus Aufmerksamkeit zu erregen, "Heulsuse Snape? Wie damals auf dem Quidditchfeld? Willst du, dass ich mit dir noch länger spiele?"

Harry wartete, atemlos, jetzt, wo er alles gesagt hatte. Dass er dies ins Severus' Denkarium gesehen hatte, hatte ihm diese Waffe verliehen. Das war die verbotene Grenze, sein letzter Trumpf... Harry bereitete sich auf eine Explosion vor, Wut und Hass, aber es kam nichts. Severus schaute ihn nur ein mal kurz an und drehte sich um und ging.

Harry schaute ihm nach, Severus hatte gewonnen.

*****

Harry fand nicht viel Schlaf in dieser Nacht, er hatte bloß Severus Husten als Gefährten. Am Anfang hustete er einmal in zehn Minuten, jetzt fast durchgängig. Harry wünschte sich, dass er sich nach draußen setzten könnte und so ein wenig ruhen konnte. Severus lag flach auf dem Rücken neben Harry, was seinen Husten noch schlimmer machte. Harry dachte darüber nach ihn heimlich im Schlaf zu heilen, aber er entschied sich zu warten, bis er darum bat.

*****

Harry suchte ihm Zelt nach seinem Buch, während Severus vor dem Zelt saß und vor sich hin starrte ohne ein Wort zu sagen. Das Nichtreden mit ihm war nicht leicht, besonders jetzt nicht. Es gab keinen Platz für gar nichts in diesem verdammten Zelt, es irritierte Harry, er war sonst an die riesigen Räume von Hogwarts gewöhnt. Er hob eine Ecke des Schlafsackes hoch, wo er dachte sein Buch gesehen hatte und Severus' Rucksack fiel ihm auf den Kopf.

"Verdammt", schimpfte er und fühlte sich noch mehr durch sich selbst, das Zelt und seinen Gefährten genervt.

Eine kleine Kristallkugel rollte auf seinen Schlafsack, Harry hob sie hoch und hielt sie in seiner Hand. Er konnte Severus Schatten auf die Zeltwand fallen sehen. Er fragte sich, was er die ganze Zeit über dachte, wenn er so still draußen vor dem Zelt saß, was er seit Morpeth ununterbrochen tat.

Harry überkam eine Welle von Traurigkeit und tiefer Verzweiflung, seine Faust schloss sich um die Kugel. I werde den Trank heute Nacht nehmen, hörte er ihn denken, er wird mich nicht sonderlich vermissen, warum hasst er mich so sehr. Harry musste daran denken, wie er sich die Pulsadern aufschnitt, verwarf aber den Gedanken wegen des ganzen Blutes. Meine Geheimnisse müssen mit mir sterben, einen kleinen Schluck und alles ist endlich zuende. Gnädiger Tod. Warte bis er mit seinem Abendessen beschäftigt ist und trinke es dann. Leg dich für deinen Mittagsschlaf hin und er wird aufpassen, wie es ihm befohlen ist. Ich wünschte, er würde mich nicht so hassen. Ich wünschte er würde mich nicht hassen. Ich habe es versucht, aber ich kann es nicht er tragen, Albus, ich kann es nicht. Vergib mir. Ich kann es nicht ertragen in seine Augen zu schauen. Ich will, Ich will ..."

"Harry", hörte er Severus Stimme rufen.

Harry zuckte zusammen und die Kristallkugel fiel aus seiner Hand auf den Schlafsack. Er zitterte und war sich den Tränen bewusst, die noch immer von seinen Wangen kullerten, aber der Grund war von ihm genommen. Er hatte den Gedanken empfanden sich umbringen zu wollen, jetzt fühlte er sich wie ein Idiot. Severus saß im Zelt und sah ihn wütend an, die Wut, die Harry vorher hervor rufen wollte und ihn nun erschreckte.

"Was zur Hölle war das?", schrie er zurück.

"Es eins meiner Besitztümer und geht dich gar nichts an", erwiderte Severus sehr wütend.

"Es fiel aus deiner Tasche."

Severus sah nicht überzeugt aus.

"Wieso läst du auch so etwas hier herumliegen?", konterte Harry.

"Es war in meinem Rucksack."

"Was ist es? Eine Art Waffe?", fragte Harry und strich sich die Tränen aus dem Gesicht.

"Dass zu entscheiden ist dir überlassen. Gib es her!", sagte er immer noch sauer.

Harry bewegte sich nicht.

Severus nahm sie ging raus und warf die kleine Kugel aus dem Zelt, soweit wie er konnte, als Harry aus dem Zelt krabbelte, war Severus schon in Richtung des Waldes gerannt.

Harry hielt den Atem an, er fühlte sich, als wenn er innerlich stranguliert würde. 'Was zum Teufel war das?', fragte er sich. Er brauchte Luft und Raum, er kletterte vollständig aus dem Zelt. Er sollte ihre Sache eigentlich nicht unbeaufsichtigt lassen, aber im Moment war ihm das egal. Sollte Severus doch zurückkommen und sich darum kümmern.

Harry setzte sich ins Gras, nicht weit entfernt und drehte sich zu Severus um, der an einen Baum gelehnt am Boden saß und sein Gesicht komplett verbarg. Er war nicht sehr weit gegangen, bemerkte Harry, er wollte demnach nicht weglaufen. Harry versuchte nachzudenken, während er mit einem Auge seinen Gefährten beobachtete. Severus hatte sehr heftig reagiert, es war etwas sehr Großes hinter allem. Das letzte mal war er so wütend, erinnerte sich Harry, als er in seinem Denkarium gewesen war. Er versuchte sich an das zu erinnern, was die Kugel ihm gezeigt hatte. Zaubertränke und Albus Dumbledore, der Gedanke an Selbstmord durch ein Messer und der Widerwillen es so zu tun, aber kein Widerwillen gegen tödliches Gift. 'Warum hasst er mich, warte bis er zu Abend isst, er wird aufpassen, wenn ich schlafe' waren die Gedanken in seinem Kopf. Wie oft hatte er Severus beim Schlafen zugesehen? 'Shit' Plötzlich machte alles Sinn. Harry sprang auf und rannte ins Zelt. Ärger kam in ihm hoch. 'Wage es nicht, mich zu verlassen', dachte er aufgewühlt, 'egoistischer Bastard!' Harry ging ins Zelt und entleerte Severus Rucksack auf dem Schlafsack. Severus würde es nicht merken, er war immer noch bei seinem Baum. Irgendwo, ganz unten, fand er seine Tasche mit den Tränke. 'Das ist bescheuert', dachte er, 'aber du wirst es nicht mehr finden.' Er fand ganz viele Heiltränke und dann sah er ein kleines Geheimfach, er öffnete es und ein paar Phiolen mit purpurnem Inhalt kamen zum Vorschein, die sorgfältig mit Severus' Handschrift als 'Gnädiger Tod' bezeichnet wurden. Darunter stand das Zubereitungsdatum. 'Du verdammter Idiot', dachte er und Tränen standen ihm in den Augen, 'wie konntest du das tun?'

Harry nahm eine Phiole in die Hand und wendete sie und dann bemerkte er das Datum. 'Lass mich meine Geheimnisse mit ins Grab nehmen', hatte die Kristallkugel ihm vermittelt. Das Gift war am selben Tag wie sein letztes Examen zubereitet worden. Der Tag an dem Snape ihn so verwirrt hatte, als er ihn angeschwiegen hatte statt ihn zurecht zu weisen, er hatte aufgegeben. 'Ich wollte so oder so nicht zurückkehren', hatte Severus gesagt, am Anfang des Herbst Trimesters würden beide fehlen. Dumbledore hatte Harry vom Weglaufen abgehalten als er am letzten Tag zu ihm ins Büro gerufen wurde, her hatte es irgendwie gewusst. Harry hatte sich immer gewundert, warum Snape dazu abgerufen wurde, ihn zu begleiten, wo er doch die Bürde des Talismans inne hatte. Nun wusste Harry, dass er nicht der einzige gewesen war, der diese Nacht etwas geplant hatte. Jetzt verstand er das Gefühl von Verzweiflung, er hatte sich gefragt, was Severus dachte und die Kugel hatte es ihm gezeigt. Dumbledore hatte verhindert, dass er in dieser Nacht das Gift trank, aber nicht den Wunsch danach. 'Scheiße', dachte Harry, 'scheiße, scheiße, scheiße.' Er hatte seine Entscheidung gefällt und er wünschte sich wohl, dass er in die Dunkelheit zurückkehren konnte. Die ganze Sache mit dem Umbringen war nicht Albus' Idee, es war seine, kein Teil der Mission. Severus wollte es so. Das war sein zweitgrößter Wunsch, sein erster war, dass Harry ihn nicht mehr hasste.

Harry war fertig mit allem gewesen und er hatte seinen Ärger an ihm ausgelassen, weil er nicht anders konnte. Er hasste Severus nicht. Er hatte es einmal getan, aber jetzt war Severus das einzige, was ihm auf dieser Welt geblieben war. Es war aber nicht nur etwas Verzweifeltes aus seiner Einsamkeit heraus. Harry wusste, dass wenn alles wieder normal würde, würde sich nichts zwischen ihnen verändern. Severus hatte sich an seinen Geburtstag erinnert, es wäre sicherer gewesen ihn nicht zu feiern, aber sie hatten es getan, er merkte es jetzt.

Als Harry das Zelt verließ fand er Severus noch immer an den Baum gelehnt sitzend. Er näherte sich ihm, er dachte, dass er wohl sonst dort sitzen bleiben würde, bis er verhungerte und was ihn noch mehr beunruhigte, war, dass es ihm wohl nichts ausmachen würde. Er war krank gewesen und hatte nicht nach Hilfe gefragt, entweder war es wirklich nicht notwendig gewesen oder er war einfach nur so stur wie er selbst.

Harry kniete sich vor ihn, er zitterte leicht.

"Ich habe es heraus gefunden", sagte Harry leise, irgendwie fühlte er, dass er sich von Severus nicht mehr fürchten brauchte. "Es zeigt die Gedanken und Gefühle einer Person."

"Ja", flüsterte Severus.

"Willst du ein bisschen Schokolade?", bot Harry ihm an und kramte in seiner Hosentasche danach. Sie beide wussten, was er gedacht hatte, er musste es nicht noch einmal wiederholen.

Severus schüttelte den Kopf. Von dem was Harry unter seinen schwarzen Haaren erkennen konnte, sah er blasser als sonst und sehr geschafft aus.

"Vielleicht solltest du die Kugel öfter mal selber benutzen, dann wüsstest du, dass ich dich nicht hasse.", sagte Harry sanft.

"Maybe you should use it more yourself, then you would know that I don't hate you." Harry said softly.

"Das wäre nicht fair.", murmelte Severus.

"Fair? Fair! Wage es nicht mich hier allein zu lassen, verstehst du? Was zur Hölle hätte ich mit deinem toten Körper tun sollen? Wäre es fair mich dich so finden zu lassen?", rief Harry. Severus zuckte zusammen und Harry bemerkte erschrocken, wie sie anscheinend die Rollen getauscht hatten. Alles war er zu tun hatte war raus zu finden, was wirklich in ihm vorging.

"Ich hasse Essen aus Dosen, ich hasse das verdammte Zelt", fuhr Harry fort, "Ich hasse die Isomatten und die Schlafsäcke. Ich hasse, dass ich nie wieder zurück in die Schule kann. Am meisten hasse ich aber die Kühe und die Kuhscheiße überall, aber ich hasse dich nicht", fügte er sanft hinzu, "Ich kann dich nicht hassen, nicht mehr."

"Du zogst die Dursleys mir vor", erwiderte Severus.

"Ich wollte lieber, dass alle denken, ich würde zu den Dursleys gehen", korrigierte ihn Harry.

Severus schaute auf. Harry war froh, dass er diese Missdeutung berichtigt hatte.

"Du warst nicht der einzige, der Pläne an diesem Tag hatte", erklärte Harry.

Severus schaute weg, aber Harry war sich sicher, dass er noch zuhörte.

"Was wolltest du tun?", fragteSeverus.

"Ich wollte aus King's Cross verschwinden, bevor sie ankämen und dann unter einer Brücke schlafen oder so. Ich hatte mir noch nichts Genaueres ausgedacht."

"Sie sind nie gekommen", sagte Severus.

Harry zuckte mit den Schultern, "Egal, ich wäre sowieso nicht mehr dagewesen."

Severus lachte grimmig; es war eine Gefühlsregung, die einem Lachen so ähnlich kam, wie Harry es noch nie von ihm gehört hatte.

"Und am Ende waren meine Pläne gar nicht mal so verschieden zu dem hier, außer dass ich dich habe", fügte Harry hinzu.

"Was für ein Vorteil für dich."

"Schau, diese ganze Situation reicht aus um jemanden komplett verrückt zu machen. Wir haben den ganzen Tag aufeinander gehängt. Ich dachte, es wäre nur für diesen Sommer. Entschuldige."

"Ich konnte einfach nicht mehr weitermachen."

"Nimm die Kugel in die Hand", befahl Harry.

Severus holte sie langsam aus seinem Mantel.

"Benutze sie"

Severus dachte an Harry und fühlte die Wärme von Freundschaft bevor er sie wieder wegpackte.

"Ich denke nicht, dass wir so tun sollten, als wäre alles in Ordnung. Aber wir sollten aufhören uns gegenseitig zu bekämpfen, komm und iss mit mir zu Mittag.", bot ihm Harry an um die Stille zu brechen. Er stand auf.

Severus blieb sitzen. Harry legte vorsichtig seine Hand auf seine Schulter. "Ich koche", fügte er hinzu.

Severus schüttelte ihn nicht ab, bewegte sich aber auch nicht. Dann fühlte Harry das Rasseln seines Hustens, der von einem weiteren Hustenanfall gefolgt wurde. Severus schlug seine Arme um seine Brust und krümmte sich vor Schmerzen. Harry fühlte, dass es ihm weh tat. Er wusste, dass es in Edinburgh angefangen hatte und Harry es die ganze Zeit über ignoriert hatte, weil er wütend war. Jetzt war es etwas ganz anderes. Er war Severus seit Tag nicht mehr so nah gewesen, selbst bei Nacht hatte er sich immer von Harry weg gedreht. Severus sah sehr krank aus und seine Brust fühlte sich an, als hätten sich in seiner Lunge das Blut aufgestaut.

Harry kniete sich hinter ihn.

"Zieh deinenn Mantel aus!", ordnete Harry an.

"Zu kalt", antwortete Severus zitternd.

Harry begann an Severus Mantel zu zerren, er wollte nicht aufgeben und schließlich half ihm Severus dabei.

Harry fuhr mit seiner Hand unter sein Shirt und berührte seine blanke Haut und tastete sich z einem bestimmten Punkt, als er ihn berührte, zuckte Severus zusammen. Harry schloss seine Augen und dachte an Wärme und dachte an den Schmerz und die Krankheit, die in seine Finger übergleiten sollten, in seine Hand; er fühlte die Schwäche durch seine Arme kommen. Harry fiel gegen den Baum und Severus fühlte sich leer.

"Sieht so aus, als hätte ich dir doch etwas bei bringen können", sagte Severus, sehr snapey, aber nicht so gemeint.

"Du solltest dich hinlegen, komm und iss etwas, dann kannst du ein bisschen ausruhen.", sagte Harry und setzte sich auf. Er legte eine Hand auf Severus Schulter. Es fühlte sich gut an und Severus ließ ihn gewähren. Er lehnte sich vor, sodass seine Wange Severus' Rücken berührte. Er hatte keine Angst mehr, auch wenn er deutlich Severus' Muskeln spüren konnte.

"Ich könnte dich nicht töten, nie", sagte Harry ruhig, er lehnte immer noch an Severus und fühlte dessen fiebrige Wärme, "Ich könnte es nicht."

"Ich hätte dich nie fragen sollen, entschuldige", antwortete Severus ebenso ruhig, er flüsterte fast.

"Ich meinte es nicht so mit den Dingen, die ich gesagt habe. Ich dachte, es wäre leichter für mich, wenn ich dich provozierte und du zu dem richtigen Snape würdest, wie ich mich an dich erinnerte. Aber es wurde nur schlimmer."

Severus stützte seinen Kopf in seine Hände, Harry konnte ein leichtes Zittern in seinen Schultern fühlen, aber er blieb in dieser Position. "Es war alles war, du hättest es meinen sollen. So bin ich wirklich.", flüsterte Severus.

"Gib mir die Kristallkugel", befahl Harry.

"Warum?"

"Weil ich wissen will, ob du nicht irgendeine Dummheit tun wirst", antwortete Harry.

Harry holte sie heraus und gab sie ihm, in diesem Moment benutzte er sie und dachte kurz an Harry: Besorgnis und Zuneigung. Severus dachte an die Nacht, als Harry seinen Arm um ihn geschlungen hatte und hoffte, dass es wieder passierte, irgendwann. Dann erschrak er und bemerkte er, was er gerade getan hatte und Harry starrte in die Landschaft, in seinen Augen war Überraschung zu lesen, er hielt die Kristallkugel fest in der Hand.

"Mittagessen?", fragte Harry, er entschied sich das, was er gerade gesehen hatte, das Gefühl von starker Zuneigung, die er von der Kugel empfangen hatte, nicht anzusprechen. Sie würden darüber sprechen, später, aber erst musste er seinen Kameraden wieder gesund machen

Harry half Severus seinen Mantel wieder anzuziehen, er hatte zu zittern angefangen. Als sie zum Zelt zurückkehrten, machte Harry eine Dose heiß und Severus legte sich mit dem Kopf auf seinen Rucksack und fühlte sich auf einmal leer und krank nachdem Spannung zwischen ihnen genommen war. Es schien so, als wäre die Atmosphäre zwischen Harry und ihm das einzige, was ihn weitermachen ließ. Er hustete wieder.

"Soll ich es noch mal versuchen?", fragte Harry und fürchtete, dass er nicht viel bewirkt hatte.

"Nein, später, schaff' dich nicht zu sehr", antwortete Harry zwischen zwei Husten.

Harry hielt die Kristallkugel, er musste sich sicher über Severus sein, ein für allemal. Er wollte nicht alles riskieren, nur damit der alte Snape ihn wieder verletzte.

"Kannst du mir den Whisky geben?", fragte Severus und stemmte sich auf seinem Ellebogen auf.

Harry ging ins Zelt um die Flasche zu finden und sah das Chaos, dass er angerichtet hatte, als er Severus' Sachen durchwühlt hatte. Er hörte ihn von draußen husten, es war keine Zeit zum Aufräumen. Harry nahm die Flasche und ging wieder raus. Er schüttete etwas Whisky in eine Frühstückschale und gab sie Severus. Seine Hand zitterte als er trank, aber es schmeckte ihm wenigstens.

"Du bist noch nie wirklich krank gewesen?", fragte Harry.

"Nicht länger als eine halbe Stunde", antworte Severus und zog seine Knie heran.

"Kein Wunder, dass du so schnell krank wurdest, als sich das Wetter veränderte", bemerkte Harry.

Harry meinte zu sehen, wie ihm der Gedanke von vorhin, peinlich war, aber es konnte genauso ein Zeichen seiner Erschöpfung sein.

"Wir essen Mittag und dann räume ich das Zelt auf und dann schläfst du ein bisschen", Harry gab ihm die Dose und einen Löffel, "Und ich werde das nächste mal einkaufen, ich kann mir nicht vorstellen, dass das das beste ist, was du machen kannst."

Severus widersprach nicht und setzte sich auf, so dass er essen konnte.

Zu Harrys Erleichterung kam Severus erst herein, als er ihn rief, er wollte die neue Freundschaft nicht zu schnell aufs Spiel setzten. Er räumte alles wieder ein, bis auf den 'Gnädigen Tod'.

"Zieh deinen Mantel aus", sagte Harry als Severus Anstalten machte, vollangezogen in den Schlafsack zu steigen.

Zu Harrys Überraschung tat Severus das.

"Ich werde einen weiteren Heilversuch starten, wenn ich bereit bin, Ich werde dich nicht wecken", erklärte Harry auch wenn Severus wahrscheinlich schon gemerkt hatte, was er vorhatte.

Severus zog sein Shirt und die Lederhose aus und legte sich dann in seinen Schlafsack. Harry nahm seine Wolljacke und faltete sie. Sie war weicher als alles andere, was sie hatten. Er bot es Severus als Kissen an. Dann legte er Severus' beide Mäntel über den Schlafsack.

"In der Muggelwelt würdest du im Bett und im Warmen bis es dir wieder besser geht", erklärte Harry.

"Wie primitiv", sagte Severus, aber Harry hörte freundliche Wärme mit ein bisschen Amüsement gemischt heraus. Harry achte, dass er vermutlich nicht merkte, wie unfreundlich und kalt er die meiste Zeit klang.

"Versuch zu schlafen", ordnete Harry an als er das Zelt verließ und dachte über das Bizarre dieser Situation nach.

Severus lag auf Harrys kleine Wolljacke gebettet da, der Whisky hatte ihn etwas schwummerig getan, er war ein bisschen aus der Übungen mit dem Trinken gekommen, seit ihr kleines Abenteuer begonnen hatte. Er fragte sich, ob er lange genug wach bleiben konnte, bis er Harrys Berührung wieder spüren konnte. Severus schloss die Augen und erinnerte sich daran, dass es wahrscheinlich noch mehr Versuche brauchen würde, er konnte diesen einen durchaus verschlafen.