XVIII.
„Ich wünschte, ich könnte diese Frage beantworten, aber wie die meisten Zuseher vielleicht wissen, hatte mein Kollege und Ehemann Kageyama Tobio vor einiger Zeit einen schweren Unfall und ist immer noch dabei sich von den Folgen zu erholen. Und ich will ihm zur Seite stehen, jeden Schritt seines Weges an seiner Seite sein, deswegen habe ich beschlossen meine Karriere zurückzustellen und an unsere Bedürfnisse anzupassen. Ich weiß also noch nicht für wen ich nächste Saison spielen werde. Tobio und ich sind uns beide einig darüber, dass meine Karriere wichtig ist, aber er ist mir wichtiger. Was ich aus meinen Leben mache, hängt davon ab was er aus seinen Leben macht."
Diese Antwort war Shouyou nicht einfach so herausgerutscht, nein, sie war ein wohlüberlegter Schritt gewesen. Er hatte lange mit seinen Zweifeln gerungen, sich hin und her überlegt, ob er etwas zu diesem Thema sagen sollte oder nicht, aber letztlich hatten sich Tobio und er gemeinsam dazu entschlossen diesen Schritt zu wagen.
Früher oder später würde die Allgemeinheit sowieso herausfinden was Sache war - viele wussten es bereits. Shouyou war um einiges öfter als Kenma oder Kuroo dabei gesehen worden, wie er Tobio zu seinen medizinischen Terminen fuhr, und man hatte Tobio wiederum bei seinen Matches gesehen. Man wusste von ihrer Wohngemeinschaft.
Und ja, sie lebten auch mit Kuroo und Kenma zusammen, aber Kenmas Fans wussten von dessen neuen Beziehung zu Kuroo und hatten entsprechende Schlüsse über seine anderen beiden Mitbewohner gezogen. Oikawas öffentliche Hochzeitsfeier, auf die sie eingeladen worden waren, hatte ihr Übriges getan.
Spekulationen über die Natur ihrer Beziehung gab es online zu Hauf. Shouyou war klar gewesen, dass es so kommen würde, aber trotzdem hatte er versucht Kageyama vor dem Fallout zu schützen, da dieser bereits genug um die Ohren hatte. Aber natürlich würde er seinen Mann nicht für immer schützen können und auch sich selbst nicht. Irgendwann würde sich ein Journalist trauen die Frage zu stellen, die alle beschäftigte.
Kuroo, der am meisten unter all seinen Freunden und Bekannten von Public Relations verstand, hatte ihm eines Tages ernst erklärt, dass es an der Zeit war sich zu entscheiden wie er mit diesem Thema umgehen wollte.
„Die Politik der Assoziation ist es, dass das Privatleben unserer Spieler niemandem etwas angeht, solange sie gesetztestreue Bürger sind. Wenn du willst, dass wir deine Privatsphäre schützen, dann tun wir das. Allerdings muss ich dir ehrlich sagen, dass es wohl als eine Bestätigung aufgefasst werden würde, wenn wir Fragen über dein Privatleben verbieten", hatte er gesagt, „Und du solltest in Betracht ziehen, dass du noch die Chance hast das Narrativ zu kontrollieren. Noch kannst du dich selbst outen, kannst ein Zeichen setzen. LGBTQ+-Repräsentation in Sport ist momentan ein heiß diskutiertes Thema."
„In anderen Ländern und anderen Sportarten beginnen sich die Spieler langsam aber sicher zu outen", war er fortgefahren, „aber das geht langsam vor sich. Wenn du dich als erster japanischer Profi-Spieler outen würdest, dann würde das dem Volleyball gut tun. Es würde anderen Mut machen sich ebenfalls zu outen. Himmel, Bo würde es vermutlich wenige Sekunden nach dir tun, einfach nur um seine Unterstützung zu demonstrieren - du weißt ja wie er ist."
„Alle sehen in Oikawa einen argentinischen Spieler, und so ziemlich alle sind der Meinung, dass er sich nie geoutet hätte, wenn er für Japan gespielt hätte. Vielleicht ist es an der Zeit das Narrativ zu unseren Gunsten zu ändern. Wenn wir Veränderungen wollen, dann müssen wir mit gutem Beispiel voran gehen. Aber wenn du dich und Kageyama nicht so sehr dem Blick der Öffentlichkeit aussetzen willst, dann ist das nur zu verständlich. Gerade, wenn man eure spezielle Situation bedenkt. Aber, was auch immer du beschließt, du solltest es jetzt tun. Denn wenn du nichts tust, dann wird sich die Sache verselbstständigen, und du wachst vielleicht schon bald zu Schlagzeilen auf, die du nicht sehen möchtest."
Shouyou hatte gesagt, dass er das alles mit Tobio besprechen musste, und hatte genau das dann auch getan. Und dann hatte er alles noch einmal mit seiner Mutter und Natsu besprochen.
Das ganze Thema hatte ihm als Ausrede dafür gedient seine Familie in sein neues Appartement einzuladen und seinen Ehemann vorsichtig wieder mit dessen Schwiegermutter und Schwägerin zusammen zu führen. Er hatte zuvor sehr viel Zeit damit verbracht gehabt seiner Mutter und Natsu zu erklären, dass Tobio einfach noch Zeit für sich selbst brauchte, dass er ihre Unterstützung zu schätzen wusste, sie aber nicht treffen konnte, weil er einfach noch nicht so weit geheilt war, dass er gewisse Menschen sehen konnte. Und je öfter Tobio die Wohnung verlassen hatte um zu Volleyball-Spielen zu gehen, desto mieser hatte er sich bei dieser Erklärung gefühlt. Und noch mieser nach Oikawas und Iwaizumis Hochzeit.
Doch jedes Wort hatte gestimmt. Fremde und sein Volleyball-Umfeld war eine Sache, aber Shouyous Familie war scheinbar eine andere. „Sie sollen nicht denken, dass ich dir ein Klotz am Bein bin", hatte Tobio öfter gesagt, „Sie sollen mich nicht so sehen. Nicht so kaputt wie ich bin."
Es war Tobios Stolz, sicher; aber es war auch mehr gewesen als das, dessen war sich Shouyou sicher. Deswegen hatte er alles getan, was er konnte, um den Wünschen seines Ehemannes nachzukommen, um diesen vor seiner Familie abzuschirmen.
Er hatte eigentlich erwartet, dass Natsu und seine Mutter das alles nicht verstehen würden, doch zu seiner Überraschung hatten sie seine Erklärungen akzeptiert und sich damit abgefunden, dass sie Tobio nicht sehen konnten. Shouyou nahm an, dass sie verletzt waren, aber sie ließen sich nichts davon anmerken. „Er soll sich die Zeit nehmen, die er braucht", hatte seine Mutter gemeint.
Doch dann hatte es endlich einen Anlass dafür gegeben seine Familie wieder zu vereinen. Tobio sah es als selbstverständlich an, dass die Frage darüber, ob Shouyou sich outen sollte oder nicht, auch dessen Familie betraf. Falls er etwas dagegen hatte, dass Natsu und Shouyous Mutter zu ihnen ins Appartement kamen, sagte er das nicht. Trotzdem war er offenbar nervös gewesen sie wiederzusehen.
Doch wie sich herausstellte, trauten sowohl Shouyou als auch Tobio den restlichen Hinatas zu wenig zu. Natsu hatte ihnen eine Topfpflanze mitgebracht und behandelte Tobio eigentlich wie immer; es war als würde sie den Rollstuhl gar nicht bemerken. Sie sprudelte Neuigkeiten über ihr Leben hervor als müssten alle darüber am Laufenden sein, erzählte von ihrer eigenen Volleyball-Karriere, und erwähnte, dass sie ein Fan von Kenmas Online-Arbeit war. Shouyuos Mutter ihrerseits tat ebenfalls so als wäre keine Zeit vergangen. Sie küsste Tobio zur Begrüßung auf die Wange, kritisierte die Inneneinrichtung, und hörte sich dann geduldig an, was Shouyou zu sagen hatte.
Alle waren sich einig, dass es letztlich Shouyous Entscheidung war, und dass sie ihn unterstützen würde, egal wofür er sich entscheiden würde. Tobio schien sich im Verlauf des Gesprächs zunehmend zu entspannen, und schließlich als Natsu und Shouyous Mutter wieder gingen, meinte er langsam: „Hinata-san, ich wollte Shouyous Leben niemals schwerer machen. Es tut mir leid, dass ich…."
„Unsinn", schnitt ihm Shouyous Mutter das Wort ab, „Du machst meinem Sohn das Leben nicht schwerer, Tobio-kun, du machst es ihm leichter. Ich weiß, wie glücklich du Shouyou machst. Und das ist alles, worauf es ankommt."
Tobio setzte seine Büßermiene auf. „Ich weiß, dass ich in letzter Zeit nicht besonders zugänglich gewirkt habe", meinte er, „Und auch das tut mir leid…."
„In unserer Familie, Tobio-kun, entschuldigt man sich niemals für etwas, das man gebraucht hat. Du musst dich für nichts entschuldigen. Du hast Zeit gebraucht, das ist alles", erwiderte Shouyus Mutter darauf, „Daran ist nichts falsch. Aber natürlich würde es mich freuen, wenn du in Zukunft nicht darauf vergisst, dass man zu seiner Familie Kontakt halten sollte."
Tobio senkte seinen Blick beschämt. „Ich war nie … besonders gut in Familiendingen", gab er zu.
Die Antwort darauf war ein Schulterzucken. „Nun, siehst du, es ist im Grunde ganz einfach: Dein Großvater hat dich geliebt, egal was du getan hast, oder? Nun, das werden ich und Natsu auch immer tun, okay? Selbst wenn du Shouyou das Herz brechen solltest, wird sich das nicht ändern", meinte Shouyous Mutter, „Und das ist alles, was du über Familien-Dinge wissen musst."
Das schien alles zu sein, was sie dazu zu sagen hatte, und alles, was sie sagen musste. Natsu verabschiedete sich gut gelaunt, und die beiden Frauen gingen. Und dann besprachen Shouyou und Tobio noch einmal alles und kamen zu dem Schluss, dass Kuroo recht hatte: Es war besser, wenn sie die Kontrolle über das Narrativ hätten.
Also beschloss Shouyou seine Situation offenzulegen. Und zwar vollständig.
Sie einigten sich darauf, dass er keine eigene Pressekonferenz geben würde oder dergleichen, sondern einfach das nächste Mal, wenn man ihn nach seiner Karriere fragen würde, alles erklärten würde und wie nebenbei die Tatsache erwähnen würde, dass er mit Tobio verheiratet war. Denn, wenn sie ehrlich waren, dann war das irgendwie etwas, das nur nebenbei eine Rolle spielte - ihre Hochzeit waren alte Neuigkeiten, die inzwischen von so viel anderen überschattet wurde, dass es ihnen vorkam als wären sie schon ewig verheiratet. Aber sie wussten beide, dass das der Teil von Shouyous Aussage war, auf den sich die Öffentlichkeit fixieren würde.
Und so war es dann auch. Der Journalist hatte Shouyou eigentlich nach seiner zukünftigen Karriere gefragt, doch stattdessen hatte er etwas vollkommen anderes losgetreten.
Nach dem Interview hagelte es Anfragen nach Interviews, Kommentaren in den Sozialen Medien, und Artikel sowohl on –als auch offline. Shouyou und Tobio gingen wie geplant erst einmal auf Tauchstation und warteten ab bis der Sturm sich legte.
So wirklich legte er sich vorerst nicht, aber zumindest begann er in eine andere Richtung zu blasen.
„Ich weiß gar nicht was alle haben. Was ist so besonders daran, wenn man schwul oder bi oder sonst was ist?", meinte Bokuto und kippte seinen Drink mit einem Satz hinunter, „Irgendwann könnten sie aufhören darüber zu berichten, oder?"
„Keiner hat dich gezwungen dich ebenfalls zu outen, Bokun", rief ihm Atsumu in Erinnerung.
„Ich hielt es eben für eine gute Idee", erwiderte Bokuto nur.
Kuroos Vorhersage war wahr geworden - Bokuto hatte sich kaum, dass er mitbekommen hatte, was Shouyou getan hatte, ebenfalls geoutet. Das hatte den Fokus der Öffentlichkeit etwas von Shouyou und Tobio abgelenkt, aber ob Bokuto das deswegen getan hatte oder einfach nur weil das nun mal eine Sache war, die Bokuto tun würde, nun das wusste er vermutlich nicht einmal selbst.
Sie hatten sich wieder einmal zu Dritt zum Origami-Essen im Laden von Atsumus Bruder getroffen, und diskutierten die neuesten Entwicklungen in ihren Karrieren, Privatleben, sowie der Social Media und den Sportnachrichten.
„Du solltest dich ebenfalls outen, Tsum-Tsum. Sogar der große Ushijima hat es getan. Willst du ihm wirklich hinterher hinken?", meinte Bokuto dann.
Atsumu zog eine Grimasse. „Ich dachte immer Ushiwaka ist asexuell. Hat einer von euch mit ihm rumgemacht? Ich nämlich nicht, und ich habe mit jedem japanischen und ein paar internationalen schwulen Volleyball-Spielern rumgemacht", merkte er an.
„Ich glaube, er war früher mal in Tooru verliebt", erklärte Shouyou, „Und er ist nicht so der Rummach-Typ."
„Ja genau. Nicht jeder ist eine Hure so wie du, Tsum-Tsum", kam ihm Bokuto zu Hilfe.
„Und nicht jeder hat einen Akaashi", gab Atsumu zurück, „Oikawa? Ehrlich? Denkt ihr da ist mal was gelaufen? Was Iwaizumi wohl dazu meint?"
„Nun da er und Tooru verheiratet sind, wird es ihm egal sein", rief ihm Shouyou in Erinnerung.
„Was den Medien offenbar erst jetzt aufgefallen ist, so wie die sich benehmen. Hey, warum gehen wir nicht alle zusammen aus: Du und Kageyama, ich und ´Kaashi, Iwaizumi und Oikawa, und Kuroo und Kenma auch gleich. Dann hätten die Medien was zum berichten. Du solltest dir auch jemanden suchen, damit du mitkommen kannst, Tsum-Tsum. … Du könntest Ushijima daten!", schlug Bokuto begeistert vor.
Atsumu zog eine Grimasse. „Nein, danke, da sterbe ich lieber als Single, bevor ich mich mit Mr. Spaßbremse persönlich einlasse. So verzweifelt bin ich noch nicht", kommentierte er.
„Was meinst du, Shou? Wäre das machbar? Denkst du Kageyama würde mitkommen wollen?", wollte Bokuto wissen.
Shouyou zuckte die Schultern. „Ich kann ihn ja mal fragen", meinte er, „Aber wenn er nicht will, dann müssen wir das akzeptieren. Vielleicht ist er noch nicht soweit. Nicht weil er euch nicht mögen würde, sondern eben weil wir dann im Mittelpunkt stehen würden. Und ihr wisst ja wie er das sieht."
„Er sollte sich nicht schämen, sondern verdammt stolz darauf sein im Mittelpunkt zu stehen! Er ist ein verdammter Held. Er hat das alles durchgemacht, und trotzdem hat er nicht aufgegeben. Sag ihm das, sag ihm, dass er ein Held ist, der stolz vor die Kameras treten kann", meinte Bokuto, „Wenn er nicht ausgehen will, dann ist das okay, aber er soll wissen, dass es nichts gibt wofür er sich schämen muss! Im Gegenteil: Wenn mir mal was passieren sollte, dann werde ich nur deswegen stark sein können, weil ich jetzt ein Vorbild habe, dem ich nacheifern kann."
Shouyou versprach Tobio das auszurichten und versuchte sich dann seinen Ehemann bei einem Vierfach-Date vorzustellen. Und scheiterte daran.
Doch später, als er Tobio Bokutos Vorschlag ausrichtete, da antwortete sein Ehemann zu Shouyous Überraschung auf das alles mit einem nicht einmal unwillig klingenden: „Vielleicht."
Vielleicht war es doch wahr, dass die Zeit alle Wunden heilte. Zumindest ließ das Interesse der Öffentlichkeit an ihren geouteten Volleyball-Stars im Laufe der Zeit tatsächlich nach. Shouyou unterschrieb einen neuen Vertrag, und niemand machte darum Getöse.
Tobio entspannte sich zunehmend, und Bokuto bekam seinen Wunsch nach dem Vierfach-Date erfüllt.
Shouyou wusste nicht, ob seine Entscheidung sich zu outen die Welt oder auch nur die Welt des Sportes in irgendeiner Form verändert hatte. Er wusste nur, dass sich die Welt weiterdrehte. Und dass sich auch Tobios Welt langsam wieder begann weiterzudrehen. Jeder kleine Schritt in Richtung Zukunft war auch ein Schritt in Richtung einer besseren Zukunft. Ob sie diese auch erreicht hätten, wenn sie sich an manchen Weggabelungen anders entschieden hätten, nun das konnte er nicht sagen. Aber er wusste, dass das im Grunde keine Rolle spielte. Was eine Rolle spielte war am Ziel anzukommen.
Coach Ukai grillte ihnen Fleisch, während Sensei Takeda die Salatbar verwaltete.
Es war ein warmer sonniger Tag in Miyagi, die Vögel sangen, es wehte eine laue Brise. Das hier war einer dieser Momente, an denen das Leben schön und einfach zu sein schien.
Tanaka zeigte stolz Fotos von seinem neuen Baby herum, und war gerade damit beschäftigt seine ehemaligen Trainer mit diesen zu belästigen, während Shimizu Bilder von demselben Baby eher privat mit Yachi teilte. Nishinoya berichtete Kinoshita und Narita von seiner neuesten Reise, und beschrieb einen mächtigen Wasserfall dabei sehr bildlich mit seinen Händen und lauten Geräuschen. Asahi stand neben Nishinoya und schüttelte nur mit einem milden Lächeln auf den Lippen ab und zu den Kopf.
Suga-san legte Daichi-san unaufgefordert einen Maiskolben auf den Teller, was den dunkelhaarigen Mann nicht einmal aufzufallen schien. „Ich weiß, dass ihr inzwischen Stadtmenschen seid, aber ihr solltet euch überlegen, ob ihr nicht doch nach Miyagi zurückziehen wollt", erklärte er stattdessen gerade, „Wir sind die sicherste Präfektur von Japan, und unsere Nachbarschaft achtet aufeinander."
„Und das Wetter ist hier schöner als in Toyko", fügte Suga-san hinzu.
Daichi warf ihm einen strafenden Blick zu, den dieser nur mit einem Schulterzucken quittierte. „Was? Wenn du schon Werbung machen willst, dann mach es richtig", verteidigte er sich.
„Aber jetzt mal im Ernst, wie geht es ihm?", wollte Tadashi wissen, der zusammen mit Kei und Shouyou bei ihren ehemaligen Senpais stand und sich gedämpft mit ihnen unterhielt.
Alle fünf blickten hinüber zu Tobio, der zusammen mit Ennoshita an einem der Tische saß und sich angeregt über etwas zu unterhalten schien.
„Ganz gut, glaube ich", erwiderte Shouyou, „Es gibt immer noch schwere Tage, aber es ist kein Vergleich zu früher."
„Und Miwa und ihre Familie?", wollte Kei wissen.
Shouyou seufzte. „Na ja, das ist … irgendwie schwierig. Sie meldet sich immer wieder mal, und ich glaube, dass sie ernsthaft daran interessiert ist zu erfahren wie es Tobio geht, aber…." Er zuckte die Schultern. „… es ist weniger böses Blut als gleichgültiges Blut. Ich bin nicht sicher, ob sie ihre Beziehung jemals wirklich reparieren werden können. Tobio denkt, dass er ihr etwas schuldig ist, weil sie er am Anfang bei ihr gewohnt hat, und was sie denkt, das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Sie versuchen es beide, aber ich denke es wird Zeit brauchen bis sie anders als vorsichtig höflich miteinander umgehen können."
„Manche Wunden brauchen eben länger um zu heilen", meinte Daichi-san, „Aber das ist normal."
„Natsu spielt sich gerne als überfürsorgliche Schwester auf", meinte Shouyou, „Und sie spricht nicht von … der Verletzung, fragt immer nur nach gesunder Ernährung, genug Schlaf und ob er auch genug trinkt. Ich glaube, das weiß er zu schätzen. Sie ist sein größter Cheerleader im ParaVolley."
„Wann denkst du dürfen wir mal zu einem Match kommen?", wollte Tadashi wissen.
„Zur WM vielleicht. Tetsuro hat große Pläne mit dem ParaTeam. Offenbar scheint Tobios Anwesenheit denen einen wahren Boost verpasst zu haben, und bei der WM, nun da kann er nicht abstreiten, dass es um etwas geht", meinte Shouyou dazu, „Aber ich glaube, dass es ihn inzwischen freut, wenn man ihn unterstützt, auch wenn er sich das nicht anmerken lässt. Vielleicht solltet ihr ihn einfach fragen, ob ihr zum nächsten Macht kommen dürft."
„Und wenn er es nicht will?", wandte Kei ein.
„Dann wird er das auch sagen. Die Phase, in der er Dinge, die ihm nicht passen, nicht ausgesprochen hat, liegt zum Glück endgültig hinter uns", erwiderte Shouyou, „Fragt ihn halt einfach, ob es ihm passt. Wenn es ihm wirklich nicht passt, wird er das zugeben."
„Ich bin froh, dass er wieder spielt", räumte Suga-san ein, „Ich habe mir Sorgen gemacht was aus ihm werden soll, wenn er nicht spielen kann. Trainerjob hin oder her."
Shouyou nickte. „Volleyball war seine erste Liebe", erwiderte er, „Die zu verlieren ist immer hart. Und sie zurück zu bekommen, nun das fühlt sich besser an als alles andere."
Kei verdrehte die Augen. „Oh, kommt schon. Ja es wäre hart gewesen, aber jetzt tut nicht so als ob ihm seine größte Liebe nicht so oder so geblieben wäre", meinte er tadelnd, „Volleyball ist schön und gut, aber Volleyball ist nicht der Grund warum er das alles überstanden hat. Das wissen wir alle."
Shouyou spürte wie er errötete, und gab vor nichts gehört zu haben, weil er damit beschäftigt war zu Tobio hinüber zu starren.
Dieser schien zu spüren, dass er angestarrt wurde und unterbrach sein Gespräch mit Ennoshita und blickte hinüber zu Shouyou. Einen Moment lang trafen sich ihre Blicke, dann nickte Tobio ihm zu und wandte sich schließlich wieder dem Gespräch mit Ennoshita zu.
Das ist mein Ehemann dort drüben, wurde Shouyou klar, Immer noch. Die Krise … irgendwie haben wir es geschafft sie zu überstehen. Wir sind am anderen Ende gemeinsam wieder herausgekommen.
Er blinzelte einen Moment lang. Das war Kageyama Tobio, Co-Trainer der Schweiden Adlers, Para-Volley-Star von Japan, und stolzer Ehemann des Volleyball-Stars Hinata „Ninja" Shouyou. Ein Mann, der Sportler überall auf der Welt inspirierte, weil er nicht aufgegeben hatte, weil ihm die Katastrophe wiederfahren war, er sich ihr gestellt hatte, und sie trotzdem überwunden hatte. Das war Shouyous große Liebe, und er war unglaublich stolz auf seinen Ehemann und wusste, was für ein Glück er hatte, dass Tobio vor all den Jahren ausgerechnet ihn auserwählt hatte.
„Shouyou, alles in Ordnung?", wollte Tadashi besorgt wissen.
Shouyou riss sich von Tobios Anblick los und meinte: „Ja, ja mir ist nur gerade klar geworden, dass es jetzt soweit ist. Dass die Welt ihn jetzt so sieht: Als ParaVolley-Star und Trainer der Adlers. Dass er jetzt nicht mehr der ehemalige Volleyball-Star Kageyama Tobio ist, und dass diese Wunde dadurch endlich heilen kann."
Die anderen blickten zu Tobio hinüber und nickten dann alle einhellig.
Heute, wurde Shouyou klar, war tatsächlich ein wirklich schöner Tag. Und Kageyama Tobio, der in seinen Rollstuhl in der Sonne saß und sich mit einem alten Freund unterhielt, hatte niemals schöner ausgesehen als in diesem Moment.
Fin.
A/N: Ja, das ist das Ende. Irgendwann musste diese Fic ja auch enden.
Ich bedanke mich bei allen, die mich auf irgendeine Art wissen haben lassen, dass ihnen diese Geschichte gefällt und hoffe, dass auch alle anderen ihre Freude damit hatten. Es war ein harter Weg zur Heilung, aber das Endziel wurde erreicht.
Vielleicht schreibe ich ja eines Tages Spin-Off zu dieser Fic hier, immerhin gäbe es genug Material.
Falls ihr das wollt lasst es mich wissen. Aber selbst wenn nicht, würde ich mich trotzdem über ein abschließendes Review freuen!
