Sie waren unterwegs zur Schule. Beim Frühstück vermieden sie jeglichen Augenkontakt. Besonders Akane war es die letzten Tage peinlich, damals beim Tanz im Dojo so viele Emotionen zugelassen zu haben. Was wenn Ranma sich im Nachhinein darüber lustig machte? Sie war überfordert mit ihren eigenen Gefühlen, umso mehr damit, ihm zu begegnen.

Ranma ging wie immer auf dem Zaun. Er konnte ihr nicht zu nahe sein. Er brauchte Abstand, um richtig zu verarbeiten, was passierte. Seit Tagen musste er daran zurückdenken. Hatten sie in dieser nächtlichen Situation im Dojo nicht beide gefühlt, dass der Song perfekt auf ihre Situation zutraf? Hatte er nicht Akanes Zuneigung und Sehnsucht in dem Braun ihrer Augen erkannt? Warum war sie dann so schnell verschwunden? Den ganzen gestrigen Tag über war sie ihm ausgewichen, verzog sich in ihr Zimmer, mied seinen Augenkontakt. Warum war sie seitdem so abweisend zu ihm?

Mittlerweile war Mittagszeit und alle Schüler gaben sich ihrer Mahlzeit hin. Auch Akane und ihre Freundinnen aßen genüsslich ihre Bentos, während sie unter dem großen Kirschbaum saßen. Heute stießen Hiroshi und Daisuke dazu, als sie Musik vom Baum vernahmen. Es war Yukas Handy. Die Mädels quiekten aufgeregt auf, was ihre Aufmerksamkeit erregt hatte.
Widerwillig folgte Ranma seinen Kumpels in gewissem Abstand. Ausgerechnet heute musste er mit Akane und ihren Freundinnen zusammentreffen! Er setzte sich kurzerhand auf einen dicken Ast des Baums, den er gerne wählte, um eine Gesamtsituation aus einer gewissen Distanz zu betrachten. So tat er es auch damals, als die Theater-Gruppe ein Casting für Romeo und Julia veranstaltete. Verstohlen blickte er hinunter und sah den Grund für das Quieken der Mädels: Sie schauten ein Musikvideo an, bei dem der Sänger einen Tanz aufführte. Er kannte weder das Lied noch den Sänger.

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„Oh, er ist so heiß!",

rief Sayuri.

„Ich liebe Mike. Er kann so gut tanzen und ist so männlich",

schwärmte Yuka.

Akane hatte bisher noch kein Lied von diesem Mike Angelo gehört, aber ihre Freundinnen schwärmten ihr ständig etwas vor.

„Ok Mädels, aber meintet ihr nicht, er ist ein Thailänder? Warum singt er nicht auf thailändisch?",

fragte sie verwirrt.

„Ach das ist nicht thailändisch?",

fragte Daisuke verwirrt und kratzte sich am Kopf.

„Nein, das ist chinesisch, aber mit einem deutlichen Akzent",

hörte man Ranma von oben her sagen, bevor er mit einem akrobatischen Schwung auf dem Boden ankam. Akane wurde rot, hatte sie ihn erst jetzt bemerkt. Wie lange war er denn schon oben auf dem Ast?

„Achja, Ranma, kannst du verstehen, worüber er singt?",

fragte Yuka ihn neugierig.

„Ich bin nicht ganz so gut in Chinesisch, aber es ist ein Liebeslied oder? Und es geht ums Tanzen:

"Ich erinnere mich an die Art, wie du lächelst. Jeder Moment bleibt ewig in meinem Gedächtnis. Die Zeit kann die Schönheit deines Gesichts nicht mindern. Du wirst immer die sein, die ich nicht vergessen kann. Ich weiß, ich habe dir Unrecht getan und wenn du dieses Lied hörst, wirst du wissen, es ist für dich."

Akanes Herz nahm mal wieder an Rekordtempo auf. Sie traute sich nicht, Ranma anzusehen aus Angst, er könnte sie durchschauen. Warum kamen sie nur schon wieder in so eine Situation, in der Songs sie so ertappten?

Ranmas fester und zugleich sanfter Griff um ihren Rücken. Sein tiefer Blick, der so viel Traurigkeit ausstrahlte. Seine schönen Gesichtszüge.

All diese Eindrücke stürmten in dem Moment ihr Bewusstsein. Sie spürte, wie ihre Wangen rot wurden.

Ranma ging es nicht besser. Er bemerkte sehr wohl ihre Reaktion. Irgendwie gefiel es ihm aber, sie so zu provozieren und die Worte insgeheim an sie zu richten.

„Weiter, Ranma!",

feuerten die Mädels ihn an, die von den Lyrics des Liedes ganz entzückt waren.

„Im Refrain heißt es:
Mädel, du erweckst in mir den Eindruck, dass wir tanzen, dass wir tanzen, die ganze Nacht. Hast du nicht das Gefühl, dass wir fallen, dass wir fallen die ganze Nacht?"

Wieder quiekten die Mädels aufgeregt. Nur Akane sagte nichts. Sie war zu sehr damit beschäftigt, nicht in Ohnmacht zu fallen. Warum fühlte sie sich nur so von ihm angesprochen? Verstohlen blickte sie ihn von der Seite an und ihre Blicke trafen sich für einen kurzen Moment, bevor sie erschrocken wegschaute. Das war mal wieder typisch. Wie lange ruhte schon sein Blick auf ihr? Irgendwie musste sie sich zusammenreißen.

„Gib mal das Handy, Yuka",

lenkte Akane ab. Sie schaute sich die Performance genauer an. Er tanzte schon sehr provokativ. Die Jungs rückten näher zusammen, auch Ranma schaute nun interessiert zu, wie Mike Angelo voller Körperspannung und doch verspielt seine Choreographie tanzte. Ab und zu kam eine Tänzerin hinzu, mit der er tanzend flirtete. Immer wieder gab diese ihm im Tanz einen Korb. Ranma musste an die Situation denken, als Akane ihn abrupt stehen gelassen hatte.

„Der Song hat schon Ohrwurmpotenzial",

bemerkten die Jungs, bevor sie sich etwas abseits niederließen und ihr Mittagessen einnahmen.

Mittlerweile war es Abend geworden. Die Familien Tendo und Saotome saßen um den Tisch und verzehrten die köstlichen Speisen Kasumis und Nodokas.

„Na, meine Kinder? Ihr habt noch gar nicht erzählt, wie eure erste Tanzstunde war",

setzte diese zum Reden an.

„Akane, ist mein Sohn auch männlich genug beim Tanzen?",

konfrontierte sie ihre zukünftige Schwiegertochter. Prompt verschluckte sich Ranma an seinem Reis, als seine Mutter so eine peinliche Frage stellte. Was sollte Akane nur darauf antworten?

„Em, ja schon. Er tanzt sehr gut",

versuchte sie, das Thema abzuhaken, doch es kam anders.

„Das sind gute Nachrichten! Welchen Tanz habt ihr denn zuerst gelernt?",
hakte Nodoka nach.

„Den langsamen Walzer",

erklärte Akane.

„Ui, das ist ja so schön!",

rief Soun in seiner überschwänglichen Art.

„Dann habt ihr doch gleich in der ersten Stunde für euren Hochzeitstanz geübt!",

setzte Genma nach, bevor er von seinem peinlich berührten Sohn eine Kopfnuss erntete.

„Ich will das sehen! Ich will eine Kostprobe von meinen lieben Kindern!",

rief Nodoka ganz aufgeregt.

Sofort wehrten sich die Verlobten. Peinlich! Nun sollten sie nach der Situation am vergangenen Freitag wieder tanzen und dann auch noch vor der Familie? Mit diesen ganzen peinlichen Bemerkungen? Ranma wollte im Boden versinken, Akanes Wangen glühten schon allein bei der Vorstellung daran.

„Na los, Kinder! Zeigt uns mal, was ihr gelernt habt",

setzte Nodoka nach und man hörte schon, wie Nabiki einen langsamen Walzer in der Musikanlage anschmiss. Es führte kein Weg dran vorbei. Kurzerhand überlegte Akane, einfach schnell aus dem Raum zu laufen. Ranma hatte dieselbe Idee. Doch als sie sich gerade aufrichteten, wurden sie gewaltsam zusammengeschoben, dass ihnen nichts anderes übrigblieb. Sofort wurde der Esstisch zur Seite geschoben und Platz für das tanzende Paar gemacht.

Nabiki musste natürlich aufs Ganze gehen und „Can't help falling in love" von Elvis Presley auflegen. Sofort jubelten Nodoka, Kasumi und die Herren dem Paar zu. Wo waren sie nur schon wieder hineingeraten?
Ihre Blicke trafen sich. Ranma schaute Akane entschuldigend an und deutete mit seinen Lippen ein „Tut mir leid" an. Sie zuckte nur mit den Schultern, wissend dass er nichts dafür konnte.

„Bringen wir es hinter uns",

schlug er leise vor.

„O-ok. Warte! Wie fange ich nochmal an?"

„Rechter Fuß nach vorne."

Sie zählten kurz an und setzten sich in Bewegung. Es war angespannter als vor zwei Tagen, doch es funktionierte sehr gut. Einmal mehr erstaunte sie, wie sehr sie in dieser Tanzhaltung perfekt zueinander passten. Das Gejubel der Familie verstummte. Alle schauten gebannt auf das tanzende Paar. Mit dieser Harmonie hatte wohl keiner gerechnet. Sie schwebten gleichsam über den Boden und verhakten sich mit den Füßen kein bisschen. Akane schaute die ganze Zeit auf sein Hemd, er schaute die ganze Zeit über die Köpfe der Familienmitglieder hinweg. Sie begannen etwas ruhiger, doch mit der Entwicklung der Musik begannen auch sie, mehr Schwung hineinzubringen. Ranma führte sie wie selbstverständlich und sie ließ sich führen. Die anfängliche Anspannung ließ nach. Immer mehr blendeten sie aus, dass sie der Familie etwas vortanzten, immer mehr genossen sie die Nähe des anderen und die fließende Bewegung zur Musik. Dennoch wagten sie es nicht, auf das Lied zu achten, würde es sie zu sehr aus der Fassung bringen. Beim Höhepunkt des Liedes setzte er zur Drehung an und sie ließ es gerne mit sich geschehen. Es war so schön, sich mit ihm zu drehen, viel schöner als auf einem Karussell. Beim Tanz überließ sie ihm gerne die Führung.
Als das Lied endete, kamen sie zum Stehen und hielten einander noch einen Moment, bevor sie sich verlegen voneinander lösten und sich dann erstmals wieder in die Augen blickten. Erleichterung war in ihnen zu sehen. Sie hauchte ihm ein „Danke" zu, das er mit Freude entgegen nahm. Doch irgendetwas stimmte nicht. Sie blickten um sich auf die Familienmitglieder. Diese waren so still geworden. Jetzt erst realisierten sie, dass alle, ja selbst Nabiki, mit Tränen in den Augen auf ihren Plätzen saßen. Das war eine ganz neue Situation für sie. Natürlich, Soun heulte jeden Tag wegen der kleinsten Sache, aber das hier war ganz anders. Selbst die Eiskönigin Nabiki war gerührt.

Das war es.

Sie waren gerührt und überwältigt. Anscheinend hatten sie damit nicht gerechnet.
Endlich brach Kasumi das tränenreiche Schweigen:

„Akane! Das war wunderschön! Ihr seid einfach wunderschön!"

Irritiert schauten Ranma und Akane einander an. Was sollte das bedeuten?

„Kinder! Ihr seid füreinander gemacht! Wenn ihr tanzt, dann sind da solche Emotionen! Ihr fühlt die Musik!",

versuchte Nodoka zu erklären. Das machte die Verlobten wieder verlegen. Was sollte das heißen, füreinander gemacht? War das, was sie in der Nacht neulich erlebt hatten, etwa nicht nur Einbildung? Ging das auf andere über? Was passierte hier?

„Oh, meine kleine Akane! Du machst deinen Papa ja so stolz!",

schluchzte Soun laut auf und hinterließ schon wieder literweise Tränen auf dem Wohnzimmerboden.

„Ranma, mein Sohn, du bist wirklich sehr männlich geworden!",

sagte Nodoka mit einem sanften Lächeln im Gesicht, bevor sie ihn umarmte. Er wusste nicht, wie er sich verhalten sollte. Peinlich berührt räusperte sich Nabiki und wischte sich unauffällig die Tränen aus dem Augenwinkel.

„Respekt, ihr beiden. Dass ihr nach einer Tanzstunde die Schritte und alles so gut draufhabt."

Wenn Nabiki so ein Kompliment machte, bedeutete es schon sehr viel.

Wenig später saß Akane auf ihrem Bett und schnaufte erst einmal durch. Peinlich berührt fasste sie sich an die Wangen. Ihr Herz legte mal wieder einen Sprint zurück. Wie sollte sie den Tanzkurs nur überleben, wenn sie jedesmal wegen Ranma so durchdrehte? Und wenn nicht er dafür sorgte, dann die Familie mit ihren peinlichen Kommentaren. Sie machte es sehr nachdenklich. Waren Ranma und sie wirklich so ein gutes Tanzpaar?

Ranma ging ins Dojo, um wieder einmal hart zu trainieren. Wie immer bei emotional aufwühlenden Ereignissen powerte er sich gerne aus. Das befreite ihn und machte den Kopf frei. Heute wollte es aber nicht so ganz funktionieren. Immer wieder wanderten seine Gedanken zum Rehbraun ihrer Augen, mit dem sie ihn so sehnsuchtsvoll angeschaut hatte. Sogar Genma schimpfte mit seinem Sohn, als er zwischendurch im Dojo vorbeischaute.
Es vergingen locker zwei Stunden, bis Ranma sich erschöpft auf seiner Yogamatte fallen ließ und einen großen Schluck Wasser zu sich nahm. Er ließ den Tag nochmal Revue passieren. Wieder musste er an die Mittagspause denken, als die anderen dieses Musikvideo angeschaut haben. Neugierig erhob er sich und stellte sich mitten im Raum auf. Die Choreographie war ihm lebendig vor Augen, obwohl er sie nur einmal angesehen hatte. Schon begann er, die Schritte aus dem Gedächtnis nachzutanzen. Leise murmelte er den Refrain mit:

Mädel, du erweckst in mir den Eindruck, dass wir tanzen, dass wir tanzen, die ganze Nacht. Hast du nicht das Gefühl, dass wir fallen, dass wir fallen die ganze Nacht?

Die nächste Strophe tanzte er plötzlich motivierter nach. Warum hatte er sich die Tanzschritte nur gemerkt?

Er stellte sich dabei vor, wie Akane dazustieß und den Part der weiblichen Tänzerin einnahm.
Schon kam er wieder zum Refrain, den er wieder mitsang. Die Bewegungen waren schon sehr lasziv. Wenn ihn jetzt jemand sehen würde! Das trieb ihm ein wenig die Schamesröte ins Gesicht. Ob Akane so reagieren würde wie ihre Freundinnen beim Ansehen des Videos?

Er stoppte. Das konnte doch nur Spaß machen, wenn er das Lied dazu einschaltete! Schon zückte er sein Handy und fand auf Anhieb den Song im Internet.

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Wieder ging sein Kopfkino mit ihm durch. Er sah vor seinem geistigen Auge Akane vor ihm auf der Yogamatte sitzen, wie sie aufgeregt zusah, als der Beat begann und er wie Mike Angelo in seinem Musikvideo zu schnipsen begann. Er wollte sie in seinem Kopfkino beeindrucken. Schon begann die erste Strophe und er tanzte, was das Zeug hielt.

Währenddessen saß Akane am Karpfenteich und träumte vor sich hin. Es war schon spät, aber sie dachte noch längst nicht an Schlaf, war an dem Tag einfach zu viel passiert. Plötzlich ertönte Musik aus dem Dojo.

„Nanu? Was ist denn da los?"

Neugierig erhob sie sich, näherte sie sich dem Gebäude und erkannte das Lied von diesem Mike Angelo. Verwirrt öffnete sie die Schiebetür einen Spalt weit. Was sie sah, ließ augenblicklich das Blut in ihren Adern zum Kochen bringen.

Ranma tanzte.

Nicht irgendwie. Er tanzte die Choreographie aus dem Lied. Woher kannte er die denn so plötzlich? Aber nicht das war in dem Moment wichtig, sondern seine Bewegungen. Sie stand da mit offenem Mund.

Gerade setzte der Refrain ein und er tanzte die Bewegungen perfekt und fließend nach. Sie durchlief ein heißer Schauer bei den provokativen Bewegungen, die er nachtanzte. Sie musterte ihn ausgiebig, seine Muskeln, die sich bei den fließenden Bewegungen abzeichneten, seinen Zopf, der ihm bei jeder Drehung ums Gesicht flog, das leidenschaftliche Aufblitzen der Augen, die Finger, die über seine Lippen strichen. Er schien nicht ganz anwesend, weil er nicht einmal bemerkte, wie sie die Tür weiter aufschob, um ihn besser beobachten zu können. Ihr Herz schlug wild in ihrer Brust. Er brachte sie mit diesen Bewegungen um den Verstand. Wie sehr musste sie sich zusammenreißen, nicht näherzukommen, um ihm über diese muskulöse Brust zu streichen, die er durch sein Unterhemd halb entblößte! Er schnaufte ein wenig. Das gab ihr den Rest. Wie sollte sie bei seinem Verhalten keine schmutzigen Gedanken bekommen! Das Haar flog ihm wild ums Gesicht, seine Wangen waren schon gerötet. Sang er etwa leise mit?

Ranma bekam von alledem nichts mit. Er war ganz versunken in seiner eigenen Welt, dass er nicht merkte, dass er Akane mächtig beeindruckte, aber nicht nur in seiner Fantasie. Immer weiter und immer weiter tanzte er voller Leidenschaft die Choreographie mit und wunderte sich zugleich, warum er sie nach einmal Ansehen fehlerfrei nachtanzen konnte.

Du sagtest, dass ich kalt sei und dich zurückweise.
Doch egal, was passiert. Ich dachte, du wüsstest, dass ich das alles nur für dich tue.

Ranma schmunzelte in sich hinein. War es nicht wirklich so? Wirkte er nicht immer abweisend? Aber dabei war es ein Schutzmechanismus, waren es Überforderungsgefühle. Tat er es nicht auch irgendwo ihr zuliebe? Jedesmal wenn sie sich ein wenig näherkamen, waren die selbsternannten Verlobten nicht weit, um Akane etwas anzutun.

Nur für dich!

Hatte er so etwas wie ein photographisches Gedächtnis? Wieder tanzte er wie selbstverständlich die sexy Bewegungen des Refrains. Akane biss sich auf die Lippe. Wie konnte ein Mensch nur so kontrolliert und zugleich so geschmeidig tanzen? Wie sehr kribbelte es ihr in den Fingerspitzen, ihm näherzukommen und ihn zu berühren! Diese Hüftbewegung brachte sie regelrecht um! Nie im Leben hätte sie gedacht, dass sie ihn solche Bewegungen machen sehen würde. Sie leckte sehnsüchtig über ihren eigenen Mund, als sie ihn im Tanz über die Lippen streichen sah. Sie wollte ihn so gerne küssen!

Ranma wusste jetzt schon, dass dieser Song ihm für lange Zeit einen lästigen Ohrwurm bescheren würde. Und wieder passte der Text zu seiner eigenen Geschichte.

Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

Oh, darin war er ein Naturtalent! In ihrer Nähe wurde er zu einem Häufchen Elend, das kein Wort rausbrachte. Er stolperte so oft über seine eigenen Beine und machte sich zum Affen. Sie war seine größte Schwäche. Und doch würde er sie immer retten, immer für sie da sein. Er würde sie immer lieben. Beflügelt von diesen Gedanken ging er wieder über zum Refrain, noch motivierter, noch offensiver, noch schwungvoller seine Hüften stoßend, als ob es kein Morgen gebe.

Akanes Beine zitterten heftig. Sie stand unter Flammen, konnte sich kaum noch kontrollieren. Dieser Mensch brachte sie noch um den Verstand! Sie hörte ihn immer wieder leise mitsingen. Noch nie hatte sie ihren Verlobten so gesehen – so aus sich herauskommend.

Schon endete das Lied und er schloss mit der Abschlusspose. Schwer atmend ließ er sich auf seine Yogamatte fallen, bevor er vom Räuspern seiner Verlobten aus seinen Gedanken gerissen wurde. Entsetzt und ertappt schaute er zur Tür, wo er sie schüchtern stehen sah.

Oh Gott. Sie hat es nicht wirklich gesehen oder?

„Aa-aakane, was maa-ma-machst du hier?",

stotterte er schockiert.

Sie liebte seine entsetzte Reaktion. Eigentlich wollte sie unauffällig verschwinden, doch da endete das Lied bereits und sie konnte nicht mehr leise die Schiebetür zuschieben.

„I-ich saß draußen am Teich, da habe ich Musik gehört."

Mehr sagte sie nicht.

„Oh Gott oh Gott! Sie hat mich gesehen!",

dachte er sich nur noch, bevor er total peinlich berührt das Handtuch nahm und sein Gesicht darin verbarg. Seine schüchterne Reaktion brachte sie zum Lachen. Er war ja manchmal so niedlich!

„B-bitte lach mich nicht aus!",

bat er sie durch das Handtuch hindurch. Sie lachte nur.

„Keine Sorge, Ranma! Ich erzähle es auch keinem!"

Schon war sie durch die Tür und ließ den peinlich berührten Kampfsportler allein zurück.
Wenig später ließ sie sich aufs Bett fallen und versuchte, ihren Puls unter Kontrolle zu bekommen. Ranma war unglaublich. Nicht genug, dass er eine Choreographie so schnell nachtanzen konnte – das war ihr schon bei der ersten Tanzstunde aufgefallen – er war tausendmal heißer als diese ganzen Flower Boys in der Popszene.
Ihr gingen die Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Seine Bewegungen, dieser Ausdruck in seinem Gesicht. Sie war ihm wirklich ganz verfallen. Das würde eine schlaflose Nacht werden.