KAPITEL 4

Drei lange Tage waren sie gewandert, bis Baumbart stehen blieb. Er musste etwas trinken und ruhen. Die Hobbits kletterten von ihm herunter und setzten sich an das nahe gelegene Bächlein, um zu fischen. Seit drei Tagen hätten sie keine "richtige" Nahrung zu sich genommen, wie Sam sagte. Frodo und Sam stellten wieder erstaunt fest wie sehr der Fangorn von den letzten Erzählungen Pippins und Merrys abwich.

Er war nicht grausam oder gar furchteinflößend. Keine bösen Kreaturen trieben hier ihr Unwesen. Nein, alles war schön. Die Hobbits fühlten sich fast wie zu Hause.

Frodo dachte an seine Frau Liliane.

Wie er jetzt mit ihr am Fluß sitzen würde, auf unbequemen Steinen und mit ihr reden würde. Worüber sie immer redeten, wusste er nicht, aber es war schön. Selbst das stundenlange Schweigen mit ihr erfüllte sein Herz. Nicht immer war die Vielfalt und Häufigkeit der Wörter das Beste. Er erinnerte sich daran wie sie zum ersten Mal an diese Stelle kamen, damals

noch ohne Liebe im Herzen, zumindest Liliane....

Da wurde Frodo aus seinen Träumen gerissen. Ein großer Fisch hatte angebissen und Frodo versuchte ihn gemeinsam mit Sam aus dem Wasser zu ziehen. Es gelang ihnen dann schließlich, als sich beide zogen. Sam staunte:

"Na, das ist doch ein großer Fisch, Herr Frodo! Ich werde uns daraus ein Festmahl zubereiten!"

Frodo merkte Sam die Vorfreude an und nickte mit einem Lächeln.

"Ich werde uns dann Holz sammeln, lieber Sam."

Kurze Zeit später flackerte ein Feuer und Geruch von gebratenem Fisch machte sich breit. Baumbart beobachtete die Hobbits stumm, aber zufrieden.

Mit vollem Mund fragte Sam:

"Sag mal, Baumbart, ich weiß nicht ob ich das fragen sollte, aber ist es eigentlich schlimm für dich, wenn wir ein Feuer machen?"

Erleichtert sah Sam ein Lächeln von Baumbart.

"Nein, nein, kleiner Hobbit. Ihr braucht das Feuer zum Überleben und wenn es aus Holz besteht, das ihr gesammelt habt vom Boden, ist es gut so. Doch sehe ich euch an einem Stummen und ihr reißt ihm Äste ab, so werde ich euch bestrafen!"

"Das machen wir bestimmt nicht, Baumbart."

"Ich weiß meine Freunde, ich weiß."

Nach dem Mahl wurde das Feuer gründlich gelöscht und die Drei setzten ihre Reise fort.

"Es ist nicht mehr weit meine Freunde.", sprach Baumbart nach drei Wegstunden zur Erleichterung der Beiden.

Sie waren nun im südöstlichen Fangorn. Genau an der Stelle an der, der Fangorn endete und an der er auf den Onodlo traf.

Baumbart entdeckte genau das, was er erwartet hatte. Noch vor wenigen Stunden waren hier Menschen gewesen. Er konnte sie riechen. Nicht viele, vielleicht ein halbes Dutzend.

Was hatten sie hier gemacht?

Was hatten sie vor?

Die Hobbits kletterten so hoch, wie es ihnen möglich war, um besser sehen zu können. Doch sie sahen nichts. Nur weite, menschenleere Fläche.

"Wir werden hier warten müssen. Sie werden noch heute kommen. Legt euch nieder, junge Hobbits."

Ratlos schauten sich die Halblinge an. Während der Reise hatten sie schon gelernt, dass es keinen Sinn hätte, Baumbart zu fragen, was er ahnte. Das einzige, was er sagen würde, wäre:

Kommt Zeit, kommt Rat. So legten sie sich nieder und versuchten zu schlafen. Während der Reise hatten sie nicht viel schlafen können, sie waren zu sehr damit beschäftigt, sich an Baumbarts Ästen festzuhalten, die stark hin und her schwenkten.

Plötzlich stieß Baumbart einen tiefen, Ohren betäubenden Schrei aus.

Die Hobbits schreckten hoch. Vier Stunden waren in die Lande gegangen, nachdem sie einschliefen.

"Was ist los, Baumbart? Ist etwas passiert?"

"Alles in Ordnung, meine Freunde. Macht euch keine weiteren Gedanken. Ich möchte euch etwas erzählen."

Gespannt richteten Sam und Frodo sich auf.

"Nachdem der Ringkrieg vorbei war, trafen sich alle Ents noch einmal zum Entthing. Wichtiges musste besprochen werden. Wann unsere Zeit enden würde und wieso uns dieses Schicksal ereilte. Auch ward ihr besprochen. Viele Freunde berichteten mir von dem Hobbitvolk. Sie beglückwünschten mich dazu, eure Freunde kennen gelernt zu haben. Während des Ringkriegs waren sie sich nicht sicher, doch sie hatten schon viel von eurem Volk gehört. Sie wollten immer gerne Hobbits zu ihren Freunden zählen, doch ward ihnen dieses Glück nie gewährt."

"Aber warum kannten sie Hobbits, Baumbart? Wir sind ein Völkchen, das nicht in Sagen anderer erscheint und von dem nicht gesungen wird.", fragte Sam, in dem die Neugierde geweckt war. Baumbart sprach unbeirrt weiter:

"Sie kannten sogar eure Lieder. Ihr seid das fröhlichste und unbekümmertste Volk Mittelerdes junge Freunde. Sie waren erfüllt von Neid. Schließlich trauern wir Ents jeden Tag unseres Lebens. Auch der Sieg gegen den dunklen Herrscher konnte kein Gefühl der Freude in uns wecken. Er bedeutete für uns nur eine Verzögerung des längst beschlossenen. Aber ihr seid das meist Beneideste Volk unter den Ents, kleine Hobbits."

Da tauchten die Menschen wieder auf.

Eine große Sippe, vier, fünf Dutzend Menschen und sie trieben einige Dutzend Orks vor sich her.

"Festhalten, Freunde!", sagte Baumbart.

"Das sind ja unzählige....", flüsterte Sam.

Die Männer stoppten einige Fuß vor dem Wald und trieben die Orks zur Arbeit an. Sie bauten ein Lager auf, schufen eine Feuerstelle und sammelten Holz. Währenddessen legten die Rohirrim Werkzeuge bereit. Äxte, Sägen und Fackeln wurden auf dem Boden verteilt.

Baumbart ging einen Schritt weiter vor. Er ahnte was die Menschen vorhatten. Sie wollten die Stummen töten. Er wusste nicht, warum die Menschen nun so sinnlos handelten, warum sie mehr Bäume fällten als nötig waren, warum sie die Tiere aus dem Wald jagten und sie nicht einmal verspeisten.

Ärger stieg in ihm hoch. Alles schien so sinnlos.

"An die Arbeit!", schrie ein dicklicher Mann den anderen Rohirrim zu.

Die Rohirrim mit den Peitschen in der Hand reichten den Befehl in Form eines kräftigen Hiebs an die Orks weiter. Diese teilten sich in Gruppen auf. Die eine ging mit Äxten auf den Fangorn zu, die andere marschierte mit Sägen.

Wieder stieß Baumbart einen lauten Schrei aus. Durch Mark und Bein ging er, herzzerreißender hätte ein Schrei aus früheren Zeiten nicht zu sein vermocht. Die Orks erschraken und liefen nun wild durcheinander. Verzweifelt versuchten die Rohirrim, sie mit Schwert und Peitsche wieder in Reih und Glied zu bringen.

Köpfe fielen und der dickliche Mann schrie wie ein Wilder.

Doch dann gelang es den Rohirrim. Sie hatten es geschafft, die Orks wieder zu ordnen und trieben sie nun wieder in Richtung Fangorn. Angst hatten die Männer keine, auch erschrocken hatte sie dieser Schrei nicht, sie warteten nur auf die nächste Mahlzeit.

Jetzt ging Baumbart einen Schritt vor und stand somit vor dem Beginn des Fangorn. Er richtete seine volle Entgröße vor den Männern auf und warf mit etwas, das die Hobbits nicht kannten. Er traf eine Gruppe und viele Rohirrim, aber noch mehr Orks gingen zu Boden. Nun liefen auch die Rohirrim, rannten immer weiter weg von diesem todbringenden Ort und versuchten, ihr eigenes Leben zu schützen.

Nicht einer blieb stehen um die Verwundeten zu tragen, nicht einer blieb stehen, um sich im Kampfe zu stellen.

Baumbart ging noch einige Schritte weiter. Nie wieder sollten diese Ungeheuer sich seiner Heimat nähern und ihr Schaden zufügen. Bis nun auch der Letzte flüchtete, verging eine halbe Stunde. Baumbart war mit sich selbst zufrieden. Er hatte sie allesamt vertreiben

können. Diese miesen Menschen mit ihren Waffen.

"Gut gemacht, Baumbart.", pflichtete ihm auch Sam bei. Ihm waren diese Menschen auch zuwider. Sie waren nicht wie die Menschen die er kannte. Sie waren nur auf Zerstörung aus. Sie wollten Freunde Baumbarts töten und das schmerzte

dem Hobbit im Herzen.

Langsam drehte Baumbart sich und setzte zum Weg in den Wald an.

"Wohin werden wir gehen, Baumbart? Die Menschen werden zurückkehren und weiter Schrecken über den Fangorn verbreiten.", fragte Frodo, der zu diesem allen am liebsten nichts sagen wollte. Sein Herz konnte diese neuen Eindrücke noch nicht verarbeiten.

"Zurück in den Fangorn. Ich habe alle Ents zum Entthing zusammen gerufen. Es gilt viel zu klären, junge Freunde."

So gingen sie dahin.

Doch weit führte ihr Weg sie nicht.

Wenige Augenblicke verstrichen nach dem zuletzt gesprochenem Wort, bis es geschah.

Ein Pfeil, getränkt in Feuer, traf Baumbart an einem Ast in der Krone. Die Höllenflammen breiteten sich in Windesschnelle aus und Baumbarts Krone fing Feuer.

Kein Schrei war von ihm zu hören, nur ein lang gezogenes Stöhnen.

Sam sprang als erster der beiden Hobbits auf und zog den Pfeil mit einem Ruck aus dem Ast und warf ihn zu Boden. Ein starker Schmerz durchfuhr Baumbart. Er konnte sich nicht mehr bewegen, vermochte nicht Wasser zu suchen.

Hilfe war nicht in Sicht.

Frodo und Sam wurden überrannt von quälender Hilflosigkeit. Was sollten sie nun tun? Wie konnten sie Baumbart helfen? Die Flammen hatten nun schon mehr als die Hälfte von Baumbarts Krone verschluckt und sie schienen nicht gesättigt zu sein.

Frodo und Sam versuchten nun die Flammen mit ihren Kleidern zu bekämpfen und schlugen mit aller Kraft auf sie ein. Dies half ein wenig.

Doch Baumbarts Schmerz wurde dadurch nur noch stärker. Die Schläge der Hobbits auf seine Wunden bereiteten ihm Höllenqualen. Äste brachen und er war dem Verschwinden in die Dunkelheit nahe.

Immer weiter, immer schneller schlugen die Hobbits die Flammen nieder.

Bekämpften sie, töteten sie. Aber sie spürten seinen Schmerz. Den Schmerz den nur ein Ent erleiden kann. Höllenpein. Er raubte den Hobbits Mut, frustrierte sie, machte sie müde. Doch standhaft blieben sie und kämpften weiter.

Immer weiter bis auch die letzte Flamme besiegt war.

Erschöpft kletterten sie herunter. Sie wollten den tapferen Ent nicht noch weiter belasten, er hatte genug zu erleiden.

Frodo hielt Ausschau nach dem Monster, das dies zu verantworten hatte, doch er konnte niemanden erblicken. Wer es war, war ihm egal. Auch wollte er nicht Geschehenes rächen. Er wollte nur Sicherheit, doch die gab es nicht. Baumbart stand nur da und litt.

Die Hälfte seiner Krone wurde von den Flammen niedergestreckt. Blätter nicht nur noch auf dem anderen Teil zu erblicken. Viele Äste hingen abgeknickt und schlaff herab. Gebrochen beim Kampf gegen die Flammen. Kein Farbwechsel von braun, zu grün oder ähnliches war zu sehen. Nur pures Schwarz. Harz tropfte aus den offenen Wunden, bildete kleine Seen auf dem Boden des fruchtbaren Waldes.

Die Hobbits wollten ihm helfen, doch wussten sie nicht wie. Sie waren Hilflos. Auch zusprechen wollten sie ihm nicht, zu groß war ihre Angst. Und es schien als würden die Bäume mit leiden, als würden alle Pflanzen und Gräser und Sträucher an diesem Ort die Pein des Ents erleiden und die Hobbits fühlten mit ihnen.

Stille kehrte ein im Wald.

Irgendwo versammelten sie sich zu der Zeit.

Es war ein großer Saal. Prächtig geschmückt und Prunkvoll. Ein offenes Feuer ward in die Mauern eingelassen.

In der Mitte ward gedeckt eine Tafel, groß war sie und bot Platz für zwei Dutzend Mannen.

Frauen liefen umher. Schienen in Eile zu sein, wie die Eile bei einem Naherücken des Feindes. Trugen immer neue Speisen auf den Tisch. Hier ein Wildschwein, dort ein Eber, wieder dort ein Reh und Lachse, gefangen im eigenen See.

Prunkvoll wirkten auch die Stühle. Hohe Lehnen hatten sie, in rotem Leder eingekleidet, mit verschiedenen Fellen bezogen und bestickt mit feinstem Garn. Wieder liefen Frauen durch den Raum. In ihren Händen hatten sie große Krügen. An den Platz eines jeden wurde einer gestellt. Die Wärme des Feuers durchstrahlte den ganzen Raum.

Nun verschwanden sie alle und neue Gestalten füllten den Raum. Allen voran ein Mann, der aussah als hätte er seit Jahr und Tag kein Feld mehr beackert und keinen Ritt gewagt.

Hinter ihm ein Dutzend Männer die ihm ähnelten und weitere Männer. Sie glichen ihm nicht. Sie wirkten stolz, kräftig, starke Krieger schienen sie zu sein. In prächtigen Kleidern aus Gold und Silber. Ihre Schwerter waren prunkvoller als alle anderen, wenn man nur ihr Aussehen betrachtete. Ein jeder nahm seinen Platz und trank einen großen Schluck des Gesöffs.

Nun erhob sich der Anführer. Gekleidet war er in ein rotes Gewand mit Gold.

"So lasset Ruhe einkehren. Versammelt sind wir nicht des Festes wegen. Allesamt seid ihr wichtige Männer. Wichtig für dieses Reich und noch wichtiger für alle Unwissenden Reiche dieser Gefilde!"

Die Männer erhoben ihre Krüge zum Zeichen der Zustimmung.

"So lasset uns nun unsere Mägen füllen mit dem, was die Jäger herangebracht haben und dann werdet ihr mir berichten und wir werden beraten. Große Taten sollen ausgehen von dieser Versammlung!"

Seine Stimme wirkte bei dieser Ansprache gefasst, aber doch Tatendurstig, wild und vor allem kämpferisch. Ein Ausdruck lag in ihr der nicht beschrieben, sondern nur gehört werden möchte.

So schlangen sie nun herunter was der Tisch ihnen hergab und aßen ein jeder für drei Männer in Kriegszeiten. Was nicht bekam wurde hinfortgeworfen. Nachdem alle zur Ruhe kamen und das letzte Stück Fleisch heruntergeschlungen ward, erhob sich die mächtige Stimme des vor dem Tischen sitzenden wieder:

"Nun sollten wir reden. Reden über bisheriges und vor allem reden über kommendes. Bericht soll mir erstattet werden, damit ich mir ein Bildnis der Lage schaffen und klaren Verstandes urteilen kann."

Er übergab das Wort an einen der am anderen Ende des Tisches saß.

"In den letzten fünf Tagen und Nächten wurden von uns fast neun Dutzend Bäume eingebracht, davon vier Dutzend als Feuerholz und ein Dutzend das für neue Werkzeuge dienen möge. Zwei Dutzend Männer und fünf Dutzend Orks stehen unter meinem Befehl. Darunter ein Dutzend Jäger. Sie erlegten ein Dutzend Schweine und viel an anderem Getier. Felle gibt es von uns ein halbes Dutzend und Fleisch für zwanzig Dutzend Männer. Alle arbeiten des Tags vierzehn und des Nachts sechs Stunden. Vorfälle gab es nicht zu verzeichnen.", so schloss er seine Rede und nahm wieder Platz.

Einer der Krieger bekam das Wort zugeteilt.

"Die Einnahmen der Grenzen im Westbezirk liegen bei zwei Dutzend Pfund Silber und einem Pfund Gold. Unter meinem Befehl stehen zwei Dutzend Reiter und einige Fußkrieger. Orks wurden von uns gefangen, drei Dutzend an der Zahl, von dem einer zu Tode geprügelt wurde, da er aufsässig war. Feinde weilen nicht in meinem Gebiet Rohans."

So ging es bis jeder der Männer berichtet hatte und die Informationen aufgenommen wurden. Der scheinbare Anführer nahm nun wieder das Wort an sich:

"Bericht ist nun gegeben. Ich vermag nicht zu verschweigen, dass mich dies alles sehr erfreut. Die Arbeit geht gut voran und die Männer sind nicht aufsässig. Unser Reichtum wächst an und bald werde ich mir ein Schloss bauen lassen um meine Macht zu zeigen, doch dazu später.", Nun wich die trotzige Freude und der hoheitsvolle Klang aus seiner Stimme und er sprach leiser.

"Er will das es schneller geht. Er meint wir müssen mehr arbeiten, es dauert ihm zu lange. So spreche einer von euch edlen Männern und gebe Antworten."

"Wir brauchen mehr Orks! Die Ritter verbringen ihre Zeit lieber damit zu ruhen, als die Biester zu fangen! Wir müssen darunter leiden!", sprach einer der Männer erbost.

Sofort erwiderte einer der Ritter:

"Ihr seid ein Lügner, Herr Oberaufseher! Meine Truppen machten euch in diesen letzten Tagen ein Dutzend Orks zum Geschenk, doch gebt ihr euch nie zufrieden in eurer Gier!"

Zu spät war es, um einzugreifen. Der Disput entwickelte sich und fortan waren alle Männer im Zwist miteinander verwickelt. Gestritten wurde, wer der klügere sei, wer gieriger sei und dass die nicht Gierigen doch allesamt arbeitsscheu seien und nur Vorwände suchten.

So stritt man bis in die Nacht hinein und am Schluss ward eine Lösung doch

noch gefunden.

Man müsse einfache Männer zu Rittern machen, die sollten Orks fangen und nach Prämie bezahlt werden. So hätten die Oberaufseher mehr Arbeiter und die einfachen unter ihnen würden aufsteigen, wodurch andere dies auch versuchen würden und darum härter arbeiteten. Auch die Kosten lägen im Geringen, da man diese "Ritter" nicht nach dem Rittersold bezahlen würde.

Lange Stunden hatte es gedauert bis Baumbart wieder sprach.

Er dankte den Hobbits für ihre Hilfe und bat um Ruhe.

So gingen die Hobbits alleine los und suchten eine Mahlzeit. Eine Stunde später köchelte ein Ragout über dem kleinen Feuer und die Hobbits redeten. Frodo war nicht nach Reden zumute, doch er tat es, um Sam seiner Last zu erleichtern:

"Merkwürdige Dinge geschehen überall, Herr Frodo. Auch hast du mich gelehrt, dass das Böse nie fort ist, doch dies hier ist nicht einfaches Böses. Ich fürchte mich Herr Frodo. Ich fürchte mich vor der Ungewissheit."

"Auch ich fürchte mich, Sam. Doch fürchte ich nicht den Tod, ich fürchte dadurch meine Frau nie wieder zu sehen. Sam, wir müssen auch dieses Abenteuer bestehen, es bleibt uns keine andere Möglichkeit."

"Doch waren bist du immer in diese Abenteuer verwickelt, Herr Frodo? Ich mache mir Sorgen um dich. Du isst weniger, schläfst so gut wie nie und sprichst so viel wie ein Ent."

"Ich bin in Ordnung, Sam. Sorge um mich ist unnütz."

Gemeinsam aßen sie das Ragout und Frodo nahm sich noch eine zweite Portion um Sam zu beruhigen. Aber er wusste, dass Sam Recht hatte. Doch diese Anzeichen hatte er seit der Zeit nach dem Ringkrieg immer gehabt. Er schlief in einer Nacht nur noch höchstens zwei Stunden und aß höchstens einmal am Tag. Aber Frodo wusste auch, warum dies alles so war. Der Ring rief ihn noch immer. Seine Kraft weilte bis in diese Zeit an und schien nicht enden zu wollen.

Sam löschte das Feuer und spülte sein Kochgeschirr in dem nahegelegenen Bach ab. Er hatte die Töpfe nach dem Ringkrieg von Frodo geschenkt bekommen und behandelte sie wie seine eigenen Kinder. Er liebte dieses Geschenk, weil es für ihn die innere Freundschaft zwischen ihnen bedeutete. Aus welchem Grund ward für ihn nie geklärt, doch einer Klärung bedurfte es auch nicht.

Einander freundschaftlich in die Arme geschlossen wanderten sie zurück und etwas Frohmut stieg wieder in Sam auf.

Baumbart stand noch immer nur da und versuchte sich nicht zu bewegen. Jeder Windstoß war für ihn schmerzlich, jedes Mal wenn der Wind an seinen gebrochenen Ästen zerrte wurde die Qual schlimmer.

Doch hatte er nie das Bedürfnis, aufzugeben. Jeder Mensch hätte sich vor Qual wohl selbst des Lebens beraubt, mit Dutzenden gebrochenen Knochen und verbrannter Haut, die immer noch zu brennen schien. Baumbart dachte nur daran, dass der Schmerz im Gegensatz zum Schmerz, während ihn die Flammen zu fressen versuchten, schon wieder nachgelassen hatte.

So hielten sich die Ents am Leben. Jeder wäre sonst wohl schon vor lauter Trauer umgekommen, denn Hoffnung gab es keine.

"Ihr müsst mir helfen, kleine Hobbits.", sprach Baumbart dann endlich.

"Klettert wieder rauf."

Ohne Widerworte kämpften sich die Hobbits hoch. Der Ent wäre zu schwach gewesen sie zu heben.

"Seht ihr meine gebrochenen Äste?", fragte Baumbart mit einer Zaghaftigkeit, die für einen Ent nicht gewöhnlich war. Da sie für gewöhnlich ruhig, gelassen und sehr beruhigend sprachen.

"Ja.", antwortete der nervöse Sam. Nun konnte er endlich helfen.

"Zählt sie."

Die Zählung nahm nur wenige Momente in Anspruch.

"Es sind mindestens zwei Dutzend Baumbart.", sprach Frodo nun auch zaghaft.

"Dann brecht sie ganz!", gab Baumbart, dessen Stimme nun seine Ruhe zurückgewann, zurück.

Die Hobbits taten es erst nicht. Sie waren nicht imstande, ihm das anzutun.

Doch nach erneutet Aufforderung Baumbarts taten sie es:

"Macht es kleine Hobbits, für den Moment werde ich Schmerz verspüren, doch dann werde ich auf den Pfad der Besserung gelangen und meine Äste werden wieder wachsen."

Zaghaft rissen sie ihm die Äste ab. Das Holz splitterte wie beim Menschen ein Knochen, wenn er von einem Hammer durchtrennt wird.

Baumbarts Qualen waren stärker als befürchtet und den Hobbits wurde das Herz schwer. Bei jedem abgebrochenen Ast verspürten sie Qualen und Baumbart zuckte vor Schmerz immer wieder zusammen, was ihm noch heftigere Schmerzen bereitete.

Nach nach einiger Zeit war das Werk der Pein dann vollbracht und die Hobbits atmeten tief durch. Erstaunen machte sich unter ihnen breit, denn schlagartig ward ihr Herz leichter, eine Last fiel von ihnen und Baumbart sprach:

"Danke, Freunde."

Baumbart schien den Pfad der Besserung tatsächlich zu erreichen. Ja er schien sogar schon auf ihm voran zu schreiten.

"Wir sollten weiter gehen. Hier lauert das Böse und es wird vertrieben, doch erst wenn die Zeit es vorsieht."

Baumbart, der noch immer Schmerzen durchlitt, war tatsächlich auf dem Weg der Besserung. Doch diese Besserung beruhte nicht auf dem Abbrechen der zerstörten Äste, einziger Grund war sein Denken.

Weit führte sie ihr Weg nicht. Es waren nur ein paar hundert Schritte, die Baumbart tat, bis er wieder stand. Wieder bemerkten die Hobbits einen Wandel.

Plötzlich fühlten sie sich froh und ihre Herzen wurden leicht. Freude durchströmte ihre Venen und Adern und sie schien eine schöne zu sein, unkompliziert und hoffnungserweckend.

Der Auslöser für diese Gefühlswandlung war Baumbart. Doch das bemerkten die Hobbits erst zu einer späteren Zeit. Endlich erblickten seine Augen wieder seine Freunde. Sieben Ents waren zum Entthing zusammen gekommen.

"Freunde, kommt zu mir!", verkündete er fröhlich.

Die Ents traten zusammen und erkannten nun Baumbarts Wunden. Alle Ents begrüßten sich auf die alte Weise.

"Baumbart, der Sprechende, was ist geschehen mit dir? Nichts ahnend versammelten wir uns und nun müssen wir sehen, dass du schwer gezeichnet bist.", fragte einer der Ents, der schon lange mit Baumbart befreundet war.

"Wir werden zu einem späteren Zeitpunkt darüber sprechen. Ich möchte euch meine Freunde Frodo Beutlin und Samweis Gamdschie vorstellen."

Frodo und Sam mussten erst von Baumbart geweckt werden. Sie waren während der langen Begrüßung auf Entisch eingeschlafen. Die Hobbits wurden vorgestellt und von den Ents mehr als freundlich aufgenommen. Dann sprach Baumbart wieder mit den Ents, diesmal nicht in der alten Sprache der Ents:

"Viel ist geschehen in diesen Landen, liebe Freunde. Viel Ungutes ist geschehen. Die Welt ist im Wandel."

So erläuterte Baumbart nun, was er gesehen hatte und was passiert war. Er berichtete von dem Feuer, von den vertriebenen Menschen und von ihrem Wandel.

"Eine Lösung muss gefunden werden, liebe Freunde.", endete Baumbart.

So gingen mit Überlegungen zwei Sonnenaufgänge und auch zwei Sonnenuntergänge in die Landen. Doch eine Lösung ward gefunden und die Ents zeigten sich kampfbereit und das nicht zuletzt auch wegen der Bitte der Hobbits.

Nun wollten die sieben Ents durch den Fangorn wandern und weitergeben, was besprochen wurde und dann wollten sie sich aufstellen und bereit sein. Bereit für die Verteidigung. Denn verteidigen wollten sie den Fangorn gegen die Menschen, die ihm Leid zufügen wollten. Auf dass ihre Heimat nie durch Leid entfremdet würde, dass nicht auf Trauer um nicht vorhandenes beruht.

So war es nun beschlossene Sache.

Ein weiterer Tag strich durch die Lande, denn die Ents verabschiedeten sich auf die alte Art. Den Hobbits wurde viel Gutes mit auf den Weg gegeben.

Dann standen die Drei wieder alleine.

"Was werden wir nun machen, Baumbart?", fragte Sam, der sich sehr munter fühlte. Denn er hatte den größten Teil der letzten vier Tage geschlafen.

"Auch wir werden den Fangorn verteidigen. So lange bis ich über neues gedacht habe."

Stunden des Wartens strichen durchs Land, bis Frodo eine Frage stellte.

"Baumbart, einer der Ents sagte zu dir Baumbart, der Sprechende. Warum nannte er dich so?"

"Homm, mein Freund. Ich bin unter uns bekannt als einer der viel redet. Mehr als es sich für einen Ent geziemt. So kam ich zu meinem Namen. Ich bin der, der viel spricht. Man sagt, das läge an dem Einfluss von euren Freunden."

"Ja, das mag sehr wohl sein, Baumbart. Merry und Pip waren muntere Gesellen.", gab Sam zurück, den sofort ein Anflug von Trauer überkam. Er vermisste seine Freunde.

Was war wohl mit Pippin geschehen? War er schon im Auenland angekommen?

Hatte er es überhaupt bis dahin geschafft?

Schweigend verbrachten sie die nächsten Stunden, auch die nächsten zwei Tage wurde wenig gesprochen. Das ewige Warten quälte die Hobbits. Nichts geschah. Kein Mensch ließ sich sehen. Auch kein anderes Lebewesen.

Aragorn und Arwen ritten gemeinsam einen steinigen Weg entlang.

Viel sprachen sie nicht miteinander, es gab nichts zu berichten und in ihrem Schweigen drückten sie sich trotzdem aus.

Arwen war noch immer nicht bewusst, wie ihr Auftrag aussehen sollte, wie sie ihn bewältigen konnte. Arwen Abendstern tappte im Dunkeln und vertraute ihrem Mann vollkommen.

Schon seit Tagen hatte Aragorn das Verhalten der Menschen studiert, sich mit seiner Frau auf die Lauer gelegt und beobachtet.

Viele Erkenntnisse konnte er so sammeln und einiges wurde ihm nun klarer.

Doch eines lag weiter im Nebel.

Wie sollte man die Menschen stoppen?

So ritten sie nun dahin und näherten sich einem Steinbruch. Schon aus Meilen Entfernung konnten sie es erkennen.

Ein Bild, dass sie schon oft gesehen hatten. Rohirrim trieben Orks voran, die bis zur Erschöpfung arbeiteten. Jede Boshaftigkeit ward vertrieben aus ihren Gemütern, niemand hätte sie zu Schand- oder Missetaten antreiben können. Zu erschöpft waren sie.

"Wir werden auf sie zu reiten.", sprach Aragorn in ernstem Tonfall.

Es bedurfte keiner Antwort. Arwen wollte ihrem Mann überallhin folgen und wenn er entschied dort hin zu reiten so sei es eine gute Entscheidung.

Nur noch eine Meile trennte sie von den Menschen. Da entdeckte ein Aufseher das Königspaar.

"Seht!", rief er. "So seht doch!"

Nun blickten viele sich um und sahen das Paar auf sie zureiten. Sie stoppten mit der Arbeit und sahen wie gebannt zu den Beiden. Da ritten der Erbe Isildurs und Frau Abendstern auf sie zu. Edel waren sie, nicht gekleidet in Königsgewänder, doch Edel wie pures Gold.

"Reite noch hundert Schritte weiter liebste Frau. Ich werde hier stoppen.", sagte Aragorn mit festem Blick.

"So sei es."

Noch hundert Schritt ritt sie voran und dann stoppte sie. Knapp zweihundert Schritt waren sie und ihr schönes Pferd noch entfernt von den Männern.

Die legten jetzt allesamt die Arbeit nieder und wandten ihren Blick auf die Schöne. Gefesselt waren sie von ihrem edlen Glanz. Nebel löste sich von ihren Seelen und einige fielen nieder auf die Knie. Andere weinten und brachen zusammen. Die Orks versuchten keine Flucht, doch waren sie auch nicht ergriffen von ihrer Schönheit. Sie waren nur froh um die Pause, die ihnen vergönnt war.

Arwen stand nur da und blickte von ihrem Pferd auf die Männer herab. Sie wusste nicht, was dort geschah, sie wusste nicht, dass sie der Grund war für diese Geschehnisse und sie wusste nicht, was sie nun tun solle.

Aragorn ritt nun voran, um seine Botschaft zu verkünden.

"Hört mich an, ihr Rohirrim."

Nun erhoben die beschämten Rohirrim ihre Köpfe und lauschten den Worten Aragorns. "So hört nun. Mein Name ist Aragorn, König Elessar, Herrscher über Gondor." Erstaunt waren sie nun. König Aragorn? Kunde hatte sie ereilt, dass es keinen König Aragorn mehr gebe, abgedankt habe er, vor langer Zeit. Doch nun stand er vor ihnen und sprach er sei noch immer Herrscher Gondors. "Böse Mächte sind über euch gekommen. Finstere Mächte. Sie haben von euch Besitz ergriffen." Nun wurde den Rohirrim einiges klar. Erleuchtet wurden sie von den Worten Aragorns, von dem Anblick Arwens und ihrer Schönheit. Was war mit ihnen geschehen? Was hatte von ihnen Besitz ergriffen? Verzweifelt waren sie nun, die einst tapferen Krieger. Sie weinten. Fielen nieder auf die Knie und weinten. "So erhebt euch nun, Krieger Rohans!", sprach Aragorn mit königlicher Stimme. Und alle erhoben sich. "So seht nun was ihr angerichtet habt. Schaden. Nur Schaden." Und die Männer drehten sich und blickten nieder auf ihr Werk. Tierkadaver lagen weit verstreut umher. Ein großes Feuer loderte und Rauch stieg auf in die frische Luft. "Nun wendet euren Blick ab von euren Schandtaten, hebt eure Köpfe und seit wieder stolze Krieger und macht Rohan stolz durch euren Mut." Und sie hoben ihre Köpfe und zeigten wieder stolz und strafften ihre Körper. "Nun werdet ihr in den Krieg ziehen. In den Krieg gegen die Macht die euch einvernahm." Und die Männer hoben ihre Waffen. So zogen die Männer drei Stunden später von dannen und ritten hinter König Aragorn und Arwen her. Weder ahnten die Rohirrim was ihren Geist befiel noch ahnten sie was ihn wieder befreite, doch sie wussten das es so besser war. Auch ahnte Arwen nicht, dass sie Auslöser für dies alles war. Doch einer wusste es. König Aragorn. Er war über alles im Bilde. So ritten sie durch die Gefilde. Voran König Aragorn und seine wunderschöne Frau Arwen, hinter ihnen ein Reiterheer von gut zwei Dutzend Mannen. Dies war ein großer Erfolg für Aragorn, der größte. Größer konnte der Erfolg nicht sein, selbst wenn er tausende Mannen aus dem Bann befreien könnte. Denn das Wissen das er so erlangte war mehr Wert als alles andere. König Aragorn wusste nun was zu tun war und so ritt er von Ostfold, wo sie im Moment waren, wollte er die Berge überwinden um so in die Landen Gondor zu kommen von dort aus sollte es nach Dor - en - Ernil weiter gehen, wenn nicht unvorhergesehenes geschah.

"Jetzt warten wir nun schon drei Tage.", sprach Sam ungeduldig. "Recht hast du, kleiner Hobbit. Wir werden nun aufbrechen müssen. Eine gefährliche Reise liegt vor uns. Lange können wir nicht im Schutze des Waldes wandern. Unser Weg wird uns durch öde Gefilde führen." "Aber was hast du vor Baumbart?", fragte Sam weiter. "Noch weiß ich es nicht. Aber ich werde keine weitere Zerstörung zulassen." So machten sie sich auf den Weg ins ungewisse. Und wieder tat Baumbart etwas, dass ein Ent nie getan hätte. Er ging los ohne sich über sein Ziel im Klaren zu sein. Sam und Frodo saßen zufrieden auf einem stabilen Ast und aßen Äpfel. Ihnen war nicht ganz wohl bei der Sache, doch sie vertrauten Baumbart und fühlten sich in seiner Nähe geborgen. Stundenlang wanderten sie durch die Ebene. Zwei Hobbits, die auf einem Ent saßen und durch weite Landen gingen. Nichts konnten sie sehen und so wanderten sie bis tief in die Nacht. Dann rasteten sie in einem kleinen Waldstück und legten sich für den Rest der Nacht zur Ruhe. Baumbart befragte die Stummen und lauschte ihren Klängen. Sie schwiegen nicht und berichteten ihm ohne zu sprechen, von ihrem Leben. Keine Trauer und kein Unglück hatte sie ereilt in letzter Zeit, von einem Wandel hatten sie nichts gesehen. Das erfreute Baumbart. Vielleicht war die Seuche noch nicht in diese Gebiete vorgedrungen. Nun wollte er einige Stunden Ruhe finden und dann wieder aufbrechen, gen Süden. Denn viele Wegstunden lagen noch vor ihnen und die Zeit eilte.