Zweites Kapitel: Gollum und Suizidgefährdete Jungfrauen
Kurz darauf wachte Legolas wieder auf und rieb sich stöhnend seinen brummenden Schädel. Dann fiel sein Blick auf die (eigentlich ja tote) Spinne und mit einem Schrei sprang er wieder auf die Beine. Sich hektisch nach einem Fluchtweg umsehend, bemerkte er auf einmal, dass die Spinne überhaupt keine Anstalten machte, ihn zu fressen oder ihn anzufallen und dass er außerdem in einer großen Lache Blut stand, welches aus ihrem Bauch hervorquoll und entsetzlich stank.
Er überzeugte sich vorsichtig davon, dass die Spinne auch wirklich tot war. Dann seufzte er einmal erleichtert und sah an sich herunter, wobei er feststellen musste, dass er voller Blut und Schmutz war.
„Na toll!", murmelte er angewidert. „Vielleicht sollte ich noch ein Bad nehmen, bevor ich nach Hause zurückkehre. So kann ich mir Haldir auf gar keinen Fall angeln. Wenn ich mich so an ihn ranmache, reist er wahrscheinlich schon früher ab und geht zurück nach Lorien!"
Dann sah er wieder auf die Spinne.
„Was ist eigentlich passiert? Wer hat mich wohl vor ihr gerettet?", fragte er sich, als er auf einmal eine seltsam klingende Stimme vernahm:
Der kleine Gollum sind wir ja,
stets lustig, heiter, hopsassa!
Als stinkender Gollum sind wir bekannt,
bei Elb und Mensch, im ganzen Land!
Gleich darauf erschien hinter einem Felsen eine merkwürdig aussehende Gestalt. Sie ging oder vielmehr hopste auf allen vieren im Kreis herum, während sie vor sich hinsummte.
Legolas fasste sich ein Herz trat auf ihn zu.
„Heda, du.... du.... was auch immer du bist, sag, wer bist du?", fragte er laut, seine Prinzenwürde wieder zurückgewinnend.
Die Gestalt erschrak und stieß einen schrillen Schrei aus, wobei sie sich mit dem Rücke an die nächste Felswand drückte. Dann schien er sich wieder zu fangen.
„Gollum!", sagte er dann vorsichtig.
„Gesundheit! Also, was ist dein Name?", fragte Legolas ein wenig höflicher.
„Nein, Gollum hat nicht geniest! Gollum ist der Name!", erwiderte Gollum verärgert.
„Oh, entschuldige bitte!", sagte Legolas. „Weißt du, wo wir uns hier befinden?"
„In den Schattengebirgen natürlich!", kam es von Gollum unwillig.
„In den Schattengebirgen?", echote Legolas.
„Ja, du weißt schon, im Osten, in Mordor?!", erwiderte Gollum ein wenig genervt und bewegte sich ein Stückchen von der Wand weg.
„Und wem gehört dieses Land?", fragte Legolas.
„Keine Ahnung!", entgegnete Gollum. „Wir interessieren uns nicht dafür, solange wir hier ungestört leben können!"
„Und wo genau wohnst du?", fragte Legolas weiter.
„In einer Höhle an einem Fluss!", erwiderte Gollum.
„Und wovon lebst du?"
„Wir leben von essen und trinken, wie alle anderen Hobbitsssse auch!", erwiderte Gollum nun mehr als unwillig. „Wir fangen Fische und bringen sie dann dem Herrscher. Dafür bekommen wir essen und trinken!"
„Herrscher? Sitzt Sauron etwa immer noch in seinem Alterswohnsitz?", dachte Legolas.
Dann fiel ihm die Spinne wieder ein und er fragte: „Hast du die Spinne getötet?"
„Spinne?" Gollums Stimme war einige Oktaven höher gerutscht.
„Ja, hier, die hier! Hast du sie umgebracht?", fragte Legolas.
Plötzlich blitzten Gollums Augen auf.
„Ja, ja, wir haben sie getötet!", brüstete er sich stolz.
„Aber du hast doch gar kein Schwert!", hakte Legolas misstrauisch nach.
„Das...äh.... liegt unter der Schlange!", erwiderte Gollum hastig.
Legolas wollte sich gerade bei ihm bedanken, als plötzlich wieder ein schriller Schrei zu hören war und aus dem Schatten der Felswand die drei Gestalten von vorhin wieder auftauchten.
Sowohl Legolas als auch Gollum hielten sich bei dem Schrei die Ohren zu.
„Gollum!", herrschte der erste ihn an.
„Wie kannst du es wagen, dir unsere Heldentaten zuzusprechen!", kam es von dem zweiten.
„Wir waren es nämlich, die die Spinne töteten!", fügte der dritte hinzu. Er gab Gollum einen Stoß, sodass dieser gegen einen Stein geworfen wurde.
Dann wandten sich die drei wieder Legolas zu.
„Unser Herrscher Sauron sendet dir ein Bild seiner Adoptivtochter Eowyn!", sagte der erste und hielt Legolas ein kleines Bild hin.
„Sie wird von einem bösen Zauberer gefangen gehalten!", erklärte der zweite.
Legolas warf einen Blick auf das Bild und zog eine Augenbraue hoch.
„Na ja, hübsch muss man sie ja nicht unbedingt nennen, oder?", sagte er zweifelnd.
„Das ist Geschmackssache!", erwiderte der zweite Nazgul.
„Und wieso wird sie gefangen gehalten?", fragte Legolas. „Ich habe sie mal getroffen. Ich wusste gar nicht, dass sie adoptiert wurde. Sie schien mir schon relativ erwachsen!"
„Na ja, weißt du, nachdem dieser Mensch mit den fettigen Haaren- ich kann mich gerade nicht an seinen Namen erinnern- der dann König geworden ist, du weißt schon- nachdem er ihre Liebe zurückwies und diese Elbin da geheiratet hat, ging es Eowyn nicht so gut und unser Herrscher beschloss, sie zu adoptieren. Unglücklicherweise stellte sich heraus, dass sie schon immer ein wenig.... schwermütig gewesen war und das durch diese Sache mit diesem Waldläufer nur verschlimmert wurde. Sie wollte ihre Ohren unbedingt spitz haben und hatte sämtliche Schönheitschirurgen in ganz Mittelerde aufgesucht. Doch alle wollten ihr nicht helfen und so kam es, dass sie mehr oder weniger suizidgefährdet wurde, da sie vor allem nicht als Jungfrau enden wollte. Und nun hat dieser böse Zauberer sie auch noch geraubt!", erklärte der dritte Nazgul.
Der erste überreichte Legolas eine silberne Flöte.
„Das ist eine Zauberflöte!", erklärte er. „Sie wird dich schützen!"
„Kann ich nicht lieber neue Pfeile haben oder einen neuen Bogen? Als ich in Lothlorien war, habe ich einen neuen Bogen bekommen und irgendwie vertraue ich auch eher auf einen Bogen als auf eine Flöte!", sagte Legolas skeptisch. „Außerdem, weshalb sollte ich diese Eowyn befreien?"
In diesem Moment erscholl ein lauter Donner. Gollum warf sich auf den Boden und vergrub den Kopf in seinen Armen, während Legolas sich plötzlich Sauron gegenüber fand.
To be continued
