Viertes Kapitel: Dr. psych. Elrond und Patientin Eowyn

Währendessen in Isengard:

Eowyn saß allein und traurig in einem Gemach ganz hoch oben in der Spitze des Turms von Isengard. Sie hatte überhaupt keine Ahnung, was geschah und wieso sie dort festgehalten wurde. Gandalf hatte kaum mit ihr gesprochen und ihre Fragen nicht beantwortet. Es fehlte ihr an nichts; eine Menge Diener kümmerte sich um ihr Wohl. Sie brachten ihr alles, was sie wünschte, Speisen und Getränke und wenn Eowyn Aggressionen bekam, war immer jemand da, der mit ihr einen kleinen Schwertkampf kämpfte um sie zu beruhigen. Leider bekam sie Schwerter nur in Anwesenheit anderer in die Hände und man hatte alles spitze aus ihrer Reichweite gebracht.

Sogar einen Psychotherapeuten hatte man ihretwegen eingestellt. Er hieß Elrond und war der Vater von Arwen, der Elbin, die Eowyn den Mann weggeschnappt hatte, und das machte die Sache auch nicht einfacher. Obwohl sie täglich stundenlange Sitzungen hatte, befielen Eowyn immer noch Wutanfälle auf die meistens wirkungslose Selbstmordversuche folgten. Sie konnte sich nicht einmal aus dem Fenster stürzen, da diese mit Gittern versehen waren. Zudem hatte auch Elrond gelegentlich seine Wutanfälle, die wohl mit Arwens Entscheidung, Aragorn zu heiraten, zu tun hatten und war deshalb oft keine sehr große Hilfe, da er während seiner Anfälle wüst auf die Menschen schimpfte. So musste Eowyn Tag ein, Tag aus in ihrem Zimmer sitzen und warten, warten und warten.

Außerdem gab es da noch ein Problem: Der Aufseher der Dienerschaft, Boromir, war hinter ihr her. Auch wenn sie sich manchmal nichts sehnlicher wünschte, als nicht als alte Jungfer zu enden, wies sie Boromir immer wieder zurück. Boromir hatte fast genauso fettige Haare wie Aragorn, doch bei Aragorn hatten sie immer gut ausgesehen. Obwohl er mehr als unmusikalisch war und keine besondere Stellung in Gondor mehr innehatte, blies Boromir ständig auf seinem Horn. Außerdem hatte Eowyn ihn mehrmals besiegt, was nicht unbedingt bewirkte, dass er dasselbe Ansehen bei ihr genoss wir Aragorn. Überhaupt war Boromir blöde und langweilig und nur Aragorn ein toller Hecht.

Boromir, seinerseits, wollte  sich die ständige Ablehnung seiner Liebe zu Eowyn nicht gefallen lassen, und da er es leid war, immerzu von ihr mit Aragorn verglichen zu werden, was ziemlich an seinem Selbstbewusstsein kratzte, packte er eines Tages die Gelegenheit am Schopf. Als Eowyn wieder einmal versuchte, zumindest ein paar Stockwerke tiefer zu gelangen, um sich dort aus dem Fenster zu stürzen, wo es keine Gitter gab, gelang es ihm, sie aufzuhalten und sie wieder nach oben in ihr Zimmer zu schleppen.

„Also, Aragorn ist ja viel sportlicher. Der würde nicht schnaufen wie ein Ackergaul wenn er mich ein paar Stufen rauftragen müsste! Und schwitzen wie ein Schwein müsste er auch nicht!", spottete Eowyn, als Boromir sie auf ihr Bett hievte.

Das war zuviel für den sensiblen Boromir. Er rief nach den Dienern, dass sie ihm Stricke bringen sollten. Mit diesen wollte er Eowyn fesseln. Doch Eowyn wehrte sich mit Leibeskräften, da sie die Stricke für etwas anderes benutzen wollte. Schließlich wurde es Boromir zu bunt und er schubste sie auf den Boden, wo sie regungslos liegen blieb. Gerade, als Boromir ihr die Fesseln anlegen wollte, hörte er ein Geräusch hinter sich.

Gollum hatte sich von Legolas getrennt und war vorausgerannt, da er nicht auf die „garssssssstigen Hobitssssssse" warten wollte, wie er sagte.

So kam er vor Legolas nach Isengard. Er sah, wir groß der Turm war und das man von ganz oben sicherlich eine schöne Aussicht hatte, und so beschloss er, sich nach ganz oben zu begeben. Er stahl sich an den Wachen vorbei immer weiter die Treppe hinauf und kam so schließlich in das Gemach Eowyns.

Als er dort Boromir entdeckte, der sich wild schnaubend und wütend über Eowyn gebeugt hatte, erschrak er zutiefst.

Boromir erschrak seinerseits vor Gollum, der fürchterlich nach Fisch stank und auf allen Vieren kroch.

Als sie einander sahen, schrieen sie beide laut auf. Gollum sprang hinter einen Sessel, während Boromir kreischend und brüllend die Treppe hinunter lief, immer wieder in sein Horn blasend.

Nachdem er verschwunden war, wagte sich Gollum wieder aus seinem Versteck hervor und bemerkte Eowyn, die immer noch auf dem Boden lag und nun langsam wieder zu  Bewusstsein kam. Als sie bemerkte, dass sie wieder nicht tot war, schlug sie mit der Faust wütend auf den Boden. Gollum hatte unterdessen dass garssssstige Elbenseil unter dem Sessel verschwinden lassen. Erst jetzt bemerkte Eowyn die kleine Gestalt neben sich. Gollum sah Eowyn an und erkannte, dass es sie war, die sie suchten.

„Kommt mit, Herrin! Gollum wird Euch nach draußen führen!", sagte er und sprang munter voran.

„Aber wohin? Wer bist du? Wer hat dich geschickt?", fragte Eowyn misstrauisch.

„Wir sind Gollum. Wir bringen Euch zum Elbenprinzen der Euch retten soll und Euch nach Hause bringen!", erwiderte Gollum ungeduldig und winkte mit der Hand.

„Kommt!"

Eowyn stand auf und folgte ihm die Treppe hinunter. Doch als sie kurz vor dem Ausgang waren- Gollum hatte Eowyn am Rock gepackt, sodass sie nicht aus den Fenstern hatte springen können- standen sie auf einmal lauter Dienern und Wachen gegenüber, allen voran Boromir.

Da fiel Gollum sein Glockenspiel wieder ein und er ließ es klingen. Etwas seltsames geschah. Alle Diener und Wachen begannen zu tanzen und ein Lied zu singen. Es klang sehr seltsam, irgendetwas von „schlag mich, baby, noch einmal" kam darin vor. Auf jeden Fall waren alle gezwungen zu tanzen und tanzten auf und davon.

Doch auch dieses Mal kamen Eowyn und Gollum nicht weit. Kaum hatten sie den Vorhof betreten, als laute Posaunen zu hören waren, die Gandalf ankündigten und gleich darauf waren die beiden von lauter Priestern und Zauberern umringt.