Fünftes Kapitel: Das Heimatmuseum Isengard
Legolas war unterdessen durch den Fangorn geirrt und hielt nach den drei Hobbits Ausschau. Als er sich bereits dem westlichen Waldesrand näherte, erblickte er auf einmal drei kleine Gestalten in den Ästen eines Baums liegen und schlafen.
„He, ihr da oben!", rief er laut.
Die drei Hobbits schraken hoch, wobei sie sich die Köpfe an den Ästen, die über ihnen hingen stießen. Einer von ihnen verlor das Gleichgewicht und griff nach den beiden anderen. Er zog sie mit sich und alle drei landeten schreiend als ein seltsames Knäuel aus rudernden Armen, strampelnden Beinen und Umhängen vor Legolas auf dem Boden.
„Pippin, du Tolpatsch! Reicht es es nicht, wenn du dich selbst immer wieder in den Dreck beförderst ?", vernahm man eine aufgebrachte Stimme aus dem Haufen.
„Tut mir leid, Merry, ehrlich!", antwortete eine dumpfe Stimme. „Könntest du dann bitte von meinem Gesicht runtergehen? Danke!"
Die drei rappelten sich auf und ihre Gesichter begannen zu leuchten, als sie den Elbenprinzen vor sich stehen sahen.
„Legolas!", rief Frodo fröhlich und umarmte ihn.
„Was machst du denn hier?", fragte er dann undeutlich, da aufgrund seiner Größe bei der Umarmung sein Gesicht an Legolas' Bauch gedrückt wurde.
„Ich soll Eowyn befreien. Man hat mir gesagt, ihr wüsstet, wie ich nach Isengard kommen kann!", erwiderte Legolas.
„Ja, wissen wir. Komm, wir führen dich hin! Aber sag mal, wieso befreist du denn Eowyn? Ich dachte sie sei.... nicht unbedingt dein Typ!", sagte Frodo schelmisch grinsend.
„Ja, eigentlich schon, aber das ist eine lange Geschichte. Wo ist denn Sam, dein Schatten? Der weicht dir doch sonst nie zur Seite!" Legolas sah sich suchend um.
„Aber hier bin ich doch!", ertönte es vom Boden her.
Legolas senkte seinen Blick und sah Frodos Schatten Sam dort liegen.
„Hallo!"
Sam winkte ihm zu und auch Legolas begrüßte ihn.
Dann führten die Hobbits ihn nach Isengard. Bevor Legolas den Garten von Isengard betrat, hielt Merry ihn zurück.
„Lass uns dir einen Rat geben: Sei standhaft, duldsam und verschwiegen!", sagte er feierlich.
Legolas hob verständnislos eine Augenbraue.
„Was?", fragte er verwirrt.
Auch die anderen beiden Hobbit sahen Merry verwundert an.
„Na ja, ich wollte halt nur irgendetwas weises sagen!", verteidigte sich Merry mit einem Schulterzucken.
„Danke!", sagte Legolas skeptisch.
„Bis dann!"
Die Hobbits verabschiedeten sich und waren plötzlich verschwunden.
Legolas betrat den Garten von Isengard und sah sich um. Alles war sehr gepflegt, und der Turm in der Mitte war mittlerweile weiß gestrichen worden. Er seufzte und machte sich auf zum Turm.
„Ich werde das hier so schnell wie möglich hinter mich bringen und dann wieder nach Düsterwald verschwinden!", murmelte er genervt vor sich hin, während er durch den Garten stiefelte. „Ich hoffe, Haldir ist noch nicht abgereist!"
Schließlich stand er vor drei Pforten. Auf den beiden äußeren stand „Vernunft" und „Natur". Legolas beschloss, es einmal bei der Pforte „Natur/Erfrischungsräume" zu versuchen, doch als er klopfte, schrie eine Stimme von drinnen: „Hau ab! Es ist niemand zu Hause!"
„Unfair!", murmelte Legolas, während er sich der Pforte „Vernunft/Beschwerden" zu wandte. „Die wollten mich doch nur nicht reinlassen!"
Doch als er an der Pforte „Vernunft/Beschwerden" klopfte, ertönte auch hier eine Stimme: „Verzieh dich! Du kommst hier schon gar nicht rein!"
Beleidigt ging Legolas zur Dritten Pforte.
„Du kommst hier schon gar nicht rein!", äffte er die Stimme nach.
Als er an der dritten Pforte mit der Aufschrift „Weisheit/Information" klopfte, kam gleich darauf ein alter Priester an einem Krückstock heraus.
„Was willst du, Fremdling?", fragte er mit krächzender, geheimnisvoll klingender Stimme. „Ich seh's dir an, du trägst finstere Rachegedanken in dir!"
„Na ja, nicht gerade finstere Rachegedanken. Eher schmutzige, wenn ich an einen bestimmten anderen Elben denke. Wie kommt Ihr darauf, dass ich Rachegedanken hätte?", erwiderte Legolas.
„Keine Ahnung, eigentlich ist das ja die Standardbegrüßung!", sagte der Priester und seine Stimme klang nun mehr oder weniger normal und er stellte sich aufrecht hin.
„Also, herzlich Willkommen in Isengard! Wenn Ihr dem Weg links folgt, gelangt Ihr in den Museums-Teil, wo Ihr unter anderem alte Orkrüstungen ausgestellt findet und einen Teil der Uruk-Hai-Manufaktur besichtigen könnt. Der Weg rechts führt in den modernen Teil Isengards, wo auch der hohe Gandalf residiert. Allerdings ist dieser Teil derzeit geschlossen, wegen der Mittagspause. Ab 14.30 Uhr steht Euch dieser Flügel jedoch wieder zur Verfügung. Das Isengardcafé mit leckeren kulinarischen Genüssen aus ganz Mittelerde findet Ihr direkt gerade aus. Auskünfte und Führer erhaltet Ihr bei mir. Gruppenrabatt gibt es bei mehr als acht Personen!", rasselte der Priester herunter. „Möchtet Ihr eine Eintrittskarte?"
„Äh, eigentlich bin ich auf der Suche nach Eowyn und Gandalf.", sagte Legolas verwirrt.
„Ach so, da braucht Ihr aber trotzdem eine Eintrittskarte. Seid Ihr älter als 2000 Jahre?", fragte der Priester und holte einige Karten hervor.
„Ja", erwiderte Legolas verdutzt. „Wieso?"
„Dann gilt für Euch bereits der Seniorenrabatt. 1,40 MG (Mittelerde-Gulden) statt 1,50 MG!"
Legolas kramte in seinen Taschen. Zum Glück hatte ihm sein Vater gestern erst wieder sein monatliches Taschengeld gegeben.
„Was wollt Ihr denn bei Eowyn und Gandalf?", fragte der Priester, während Legolas ihm das Geld in die Hand zählte.
„Ich muss Eowyn befreien und sie wieder zu ihrem Vater bringen!", gab Legolas bereitwillig Auskunft.
Der Priester nickte.
„Ach so, ja, die Frau die sich ständig umbringen will!", sagte der Priester.
„Also hat sie es noch nicht geschafft?", fragte Legolas.
„Nein, natürlich nicht! Gandalf schützt sie davor, wo es nur geht. Er passt sehr gut auf sie auf!", entgegnete der Priester.
„Was? Ich dachte er sei so böse!", fragte Legolas.
„Böse, nein! Im Gegenteil, er ist sehr nett. Wahrscheinlich hat Sauron Euch diesen Mist eingeredet. Er versucht es immer wieder!", sagte der Priester.
Legolas war jedoch noch nicht ganz überzeugt und verabschiedete sich von dem Priester und machte sich auf zum modernen Teil Isengards.
