Disclaimer: Alles gehört Herrn Tolkien...na ja...fast alles...vieles...einiges *lol* na ja, ihr wisst schon, wie ich's meine...

Pferdlicher Kommentar: Ei schau an, ich hab auch hier endlich mal weitergeschrieben, hatte keine große Zeit, um irgendwas upzudaten *uah, furchtbarer Deutsch-Englisch-Mix, ich weiß*, weil ich am Kunstbeleg rackern muss...aber hey, am Mittwoch geb ich den endgültig ab, dann gibt's keine Ausreden mehr ;) So...ich hoffe, das Chap gefällt euch n bissl, r&r please!!! *fleh*

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*~° 4. Kapitel °~*



~Zeit der Finsternis~



"Warum? Sie hat es nicht verdient, sie hat es einfach nicht verdient!", rief Tyríon wütend und schlug heftig mit seiner zur Faust geballten Hand gegen den Türrahmen aus hellem Eichenholz. "Wie kann sie so ein Urteil fällen? Gerade sie, die doch um ein Haar von dieser Bestie wie ein Beutetier erlegt worden wäre...", fügte er mit rauer Stimme hinzu und lehnte nun seine Stirn gegen das Holz. Sein weißblondes Haar fiel ihm leicht ins Gesicht, verbarg die anmutigen Gesichtszüge und das strahlende Grau-Blau seiner Augen. "Wir müssen es akzeptieren und das weißt du", murmelte Legolas. Er hatte kaum eine Reaktion gezeigt, als seine Mutter das unerwartete Urteil ausgesprochen hatte. Natürlich war er überrascht gewesen, hätte viel eher an ein Todesurteil gedacht als an solch eine Begnadigung.

"Ich verstehe dich nicht, Bruder", flüsterte Tyríon, das Gesicht noch immer zu Boden gewandt, die Hände vor Wut zitternd. "Ich verstehe nicht, wie du so ruhig bleiben kannst. Es gibt keinen Krieg mehr, keinen Dunklen Herrscher. Und es gibt kein großes Schlachtfeld mehr, wo hunderte Soldaten wie die Fliegen fallen. Es ist alles viel schlimmer: Das Schlachtfeld ist nun unser Zuhause, Legolas! Ich verstehe, dass du deine Betroffenheit ignorieren konntest, als Männer starben, mit denen du nie auch nur ein Wort gewechselt hast, aber dass du so gleichgültig sein könntest, wenn unsere Mutter von Saurons Brut angegriffen und beinah tödlich verletzt wird, hätte ich nie gedacht...nie, Bruder"

"Was sagst du da, Tyríon, es ist mir keinesfalls gleichgültig, was mit unserer Familie geschieht", erwiderte Legolas entrüstet und schaute seinen Bruder scharf an. "Ach nein? Warum hast du dann keine Einwände dagegen, dass dieses abscheuliche Wesen fortan bei uns leben wird? Wohl auch noch weitere Versuche starten wird, jemanden zu töten? Wenn du wirklich daran glaubst, dass auch nur ein Funken Gutes im Blute Saurons steckt, bist du naiver als ich dachte", sprach Tyríon und wand sich ihm nun zu, die Lautstärke seiner Stimme stieg merklich an.

"Ich habe mir selbst Vorwürfe gemacht, Tyríon. Ich konnte keine Ruhe finden, weder am Tage, noch in der Nacht. Sprich nicht so, als wäre es mir gleich, dass unsere Familie in Gefahr ist.", antwortete der ältere Elb ruhig, ließ Tyríon aber keinen Moment aus den Augen, "Ich weiß wohl, dass die Tochter Gorthaurs alles andere als friedlich ist und dass sie sich nicht von heute auf morgen von der dunklen Seite abwendet. Doch gegen Mutters Urteil können weder du noch ich Einwand erheben. Es ist beschlossen, Mauríel wird hier bleiben. Akzeptiere es, auch wenn dein Herz dagegen rebelliert. Mutter trifft keine voreiligen Entscheidungen. Sie wird sich ihren Teil gedacht haben und so soll es geschehen. Es liegt nicht an uns, dies zu bezweifeln, Tyríon. Einzig und allein Iluvatar könnte dies tun. Gegen den Lauf der Dinge, unser Schicksal, können selbst wir nichts tun."

Nachdem er dies gesprochen hatte, senkte Legolas schwermütig den Kopf. Die See. Die Sehnsucht nach dem salzigen Geruch des Meeres, dem Ruf der Möwen ließ ihn einfach nicht mehr los, zerriss ihm das Herz. Es war absurd in diesem Moment daran zu denken, aber er konnte nichts dagegen tun. Der Herzenswunsch nach Frieden und innerem Gleichgewicht war viel stärker als jede noch so dunkle Bedrohung. Er hätte dem Ruf der See folgen können, hätte in den Westen zu seinen Freunden und Verwandten segeln können, aber noch immer war er hier, in Mittelerde. Dem Ort, der seiner Seele so viel Kummer und Leid beschert hatte. Und warum? Um Elessar als treuer Weggefährte weiterhin zur Seite zu stehen, bis der König von Gondor starb? Seine Familie würde ihr Dasein selbst nicht mehr lang in Mittelerde fristen, die Zeit der Elben ging vorüber. Warum ließ er nicht die Sorgen und den Schmerz hier zurück und zog in die Ewigen Lande? Warum plagte er sich mit dem Erbe des Dunklen Herrschers, anstatt die Qual und den Krieg zu vergessen? Weil er es mit sich selbst nicht vereinbaren konnte. Das war die Antwort auf all seine Fragen.

"Legolas...hast du mir überhaupt zugehört?", hörte er plötzlich die klare Stimme seines Bruders fragen. Es erschien ihm, als erklangen diese Worte meilenweit entfernt, wie der Gesang des Meeres, den er in Ithilien vernommen hatte. Nein, seinen Sehnsüchten konnte er sich zu einer anderen Zeit hingeben. Nicht jetzt. Nicht jetzt, wo es um die Zukunft seiner Heimat und seine Familie ging.

Fragend hob er wieder sein Haupt und sein Blick traf den Tyríons. "Verzeih, meine Gedanken sind nicht ganz bei der Sache.", flüsterte er entschuldigend und seufzte leise. Wie es schien, hatte sich Tyríon wieder ein wenig beruhigt, die Spannung in seinem schlanken Körper war gewichen ebenso wie der Zorn aus seinen Gesichtszügen. "Das scheinen sie nie zu sein, seit du aus dem Ringkrieg zurückgekehrt bist, Legolas...du solltest deine Gedanken auf das Hier und Jetzt lenken, das Geschehene zählt längst nicht mehr und das, was sein wird, kann nur durch die Gegenwart geformt werden. Also hör auf, zu träumen und dein Herz in Selbstmitleid untergehen zu lassen, du wirst von deiner Familie mehr gebraucht, als du dir vorstellen kannst", sagte er ernst, doch ein trauriger Unterton schwang in dem lieblichen Klang seiner Stimme mit.

Legolas presste die Lippen zusammen, schluckte schwer. Tyríon hatte recht, doch diese Worte ausgerechnet von seinem jüngeren Bruder zu hören, tat ihm in der Seele weh. War es nun schon so weit mit ihm gekommen, dass seine jungen Geschwister unter seinem tiefen Kummer litten? Hatte er sich so sehr durch den Krieg verändert? Er konnte es nicht über sich bringen, seinem Bruder zu antworten. Es war einfach alles zu viel, was über ihn hereinbrach und das in so kurzer Zeit.

Tyríon musterte Legolas noch einmal eindringlich, bevor er sich von ihm abwand und stumm die Halle verließ.

"Lass dir dein Herz nicht noch schwerer machen, als es ohnehin schon ist, Legolas Grünblatt", sprach eine beruhigende Stimme hinter ihm. Erschrocken drehte sich der Elb um und sah Elessar, wie er hinter einer Säule hervortrat. "Du hast gelauscht, Aragorn...das ist ein nicht sehr königliches Verhalten, das du da aufweist", lächelte Legolas müde. "Mag sein, dass ich lauschte, aber dein gutes Elbengehör war auch schon einmal besser...", sagte Elessar freundlich und erwiderte das vorsichtige Lächeln des Elben. Dieser schwieg daraufhin und betrachtete die edlen Schnitzereien an den hölzernen Säulen, die parallel in der großen Palasthalle angeordnet waren. Aragorn war zwar ein Dunédain, aber trotz allem hätte er ihn hören müssen. Seine Tagträume vernebelten nun schon seine Sinne. Legolas seufzte deutlich hörbar, auch wenn er dies nicht beabsichtigt hatte und in seinem schönen Gesicht stand große Sorge geschrieben.

Aragorn legte dem Elben eine Hand auf den Arm. Eine ermutigende Geste. Genau das, was Legolas so dringend benötigte...Trost und Beistand. "Tyríon hat recht...ich bin nicht ganz bei der Sache...es scheint, als wären meine Gedanken überall, doch nur nicht hier, wo sie hingehören sollten." Aragorn erwiderte zunächst nichts, sondern musterte seinen langjährigen Freund eindringlich. Er hatte viel mit ihm durchgemacht, auch in den Zeiten vor dem Ringkrieg. Elessar hatte immer geglaubt, Legolas sei ihm vertraut und er wüsste wie er in welcher Situation reagieren würde, doch seit er die See mit seinen scharfen Augen erblickt, den salzigen Geruch des Wassers eingeatmet und den Schrei der Möwen gehört hatte, war Legolas für ihn wie ein Buch mit sieben Siegeln. Einfach unergründlich und irgendwie unerreichbar. Und das, obwohl sie schon so lange Freunde waren. Es erfüllte Elessar mit Traurigkeit, wenn nicht sogar mit Angst, Legolas so zu sehen.

"Wach endlich auf, Legolas", flüsterte er, die Reaktion des Waldelben beobachtend. Legolas' Augen weiteten sich ein wenig - ein Anzeichen von Überraschung, doch dann umspielte ein sanftes Lächeln seine Züge, was wiederum Aragorn ein wenig verwunderte.

"Das versuche ich schon die ganze Zeit über, Elessar, aber es scheint mir, als hätte ich nicht mehr die Kraft dazu..."

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"Was bedrückt die Prinzessin des Düsterwalds, dass Kummer das Lachen in ihren Augen ersetzt, obwohl ihre Mutter wieder genesen ist?", fragte Celertas sanft und legte seine Hände sacht auf Elennyas Schultern. Sie hob den Blick nicht, sondern starrte weiterhin abwesend zu Boden, ihre zierlichen Hände lagen in ihrem Schoß, waren wie zu einem Gebet zusammengefaltet. Celertas, der fast 1000 Jahre älter als die Tochter des Königs war, legte nun seine Hände auf die ihren und übte einen leichten Druck auf ihre Finger aus.

`Ich bin für dich da´, sagte ihr diese Geste und ein leichter Schauer lief ihr über den Rücken. Minuten verstrichen, doch Elennya erschienen sie wie endlose Stunden des Schweigens. Celertas war geduldig, gab ihr Zeit, ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen. Er kniete vor ihr nieder, versuchte so, ihren Blick mit dem seinen zu fangen. Im sanften Schein der Kerzen, die ringsum aufgestellt waren, leuchteten seine Augen in einem vollen Grün, ein silberner Schimmer umgab seine Pupillen, gaben ihm das mystische Aussehen eines Priesters, der er auch war. Sein braunes Haar war zusammengeflochten und legte sich ehrwürdig über die schmalen Schultern des Elben. `Er ist so schön...´, fiel Elennya auf, in diesem Moment vergessend, dass Celertas die Fähigkeit hatte, Gedanken zu lesen. Ein freundliches Lächeln breitete sich bei ihm aus und Elennya errötete verschämt und blickte sogleich erneut zu Boden. Celertas musste sich ein Lachen verkneifen, als er sie so sah, doch er wusste, dass dies sie nur noch mehr verunsichern und vor ihm verschließen würde.

Seine Hände gaben die ihren nicht frei, doch nun senkte auch er den Blick. "Ich weiß nicht, ob ich je wieder lachen kann...", murmelte sie unerwartet und endlich trafen ihre blauen Augen seinen Blick, als Celertas den Kopf zu ihr wand. Ihre langen Haare leuchteten golden, fast bronzen im Schein der Flammen, intensivierten den klaren, blauen Farbton ihrer Augen. "Das wäre sehr bedauerlich, denn ich vermisse schon jetzt dein Lächeln...", antwortete er langsam und strich ihr eine Strähne behutsam hinter das empfindliche, spitze Ohr. Wieder erschauerte sie, gab aber alles daran, dem Priester ihre Nervosität nicht preiszugeben, woran sie kläglich scheiterte.

"Ich bin glücklich, dass Mutter lebt, keine Frage, aber ich habe Angst. Furcht und Neugier lassen mein Herz wanken..."

"Du sprichst von Mauríel?", fragte Celertas weiter. Elennya nickte vorsichtig, bevor sie erwiderte: "Zum einen habe ich Angst vor ihr, weil sie so grausam und kaltherzig ist, aber andererseits...will ich selbst wissen, wie sie ist, was sie dazu bewogen hat, solche eine Tat zu vollbringen und...einfach alles...es macht mich fast rasend, dass mein Vater und meine Brüder alles daran setzen, dass ich nicht auch nur in ihre Nähe komme, dann aber bin ich froh darüber."

Celertas nickte nur und Elennya atmete schwer aus. "Wie soll das alles nur weitergehen, wenn sie bei uns wohnen bleibt?", fuhr sie mit zittriger Stimme fort. "Irgendwann wirst du den Mut haben, dich ihr zu stellen, schon allein, weil dein Herz danach verlangt. Gib dir aber selbst ein wenig Zeit. Vorerst ist es besser, wenn du ihr fern bleibst, um deiner Sicherheit willen." Elennya musterte ihn einen Augenblick lang und fragte: "Was sagst du, Celertas, war das Urteil meiner Mutter richtig?" Celertas öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch schloss ihn sogleich wieder. "Es liegt nicht an mir, die Entscheidung der Königin zu beurteilen oder zu kritisieren. Deine Mutter wird wissen, warum sie sich so entschieden hat und nur die Valar können darüber richten." Solch eine Antwort hatte sie schon erwartet und die junge Elbe seufzte bedrückt, was Celertas dazu veranlasste, ihr ermutigend mit der Hand über die Wange zu streichen.

"Für Heiratsanträge ist sie noch zu jung, Celertas, das solltest du wissen", hörten sie plötzlich eine Stimme aus nächster Nähe sprechen. Erschrocken ließ Celertas von ihr ab und richtete sich auf, um sich sogleich ehrerbietend zu verbeugen. Elennya schloss verschämt die Augen. Thranduil, ihr Vater, stand warm lächelnd in der Tür und gab Celertas ein Zeichen, sich wieder zu erheben. "Euer Hoheit, das war kein...", begann der Priester zögerlich, doch Thranduil streckte die Hand aus und sprach: "Schon gut, Celertas, ich habe mir doch nur einen Scherz erlaubt"

Elennya biss sich auf die Unterlippe. Es wäre also nur ein törichter Scherz für ihren Vater, wenn Celertas wirklich etwas für sie empfand? "Elennya, komm mit...", wand er sich dann an seine Tochter, dann aber verfinsterte sich der Tonfall in seiner klaren Stimme, "Ich dachte, du wolltest SIE kennen lernen"

Elennya wurde mit einem Mal kreidebleich. Thranduil musste nicht einmal ihren Namen aussprechen, sodass Elennya wusste, von wem er sprach. "Aber...Vater...warum?"

"Wie, verlangt es dir plötzlich nicht mehr danach, sie zu sehen? Ich dachte, du wärest reif genug dazu und...irgendwann wirst du ihr sicherlich über den Weg laufen...", fügte er ernst hinzu. "Aber wieso jetzt? Was...veranlasst dich, überhaupt zu ihr zu gehen?", schrie Elennya fast. Es war wieder die panische Angst, welche die Neugier in ihrem Herzen ersetzte. "Das Urteil", begann Thranduil, "...sie weiß noch nichts von Silithwèns Entscheidung und muss es erfahren." Elennya weinte fast. "Was, wenn sie uns angreift, was, wenn sie irgendeinen schwarzen Zauber auf uns legt, was, wenn..."

"Elennya", sagte Thranduil laut, aber nicht unsanft, sodass sie verstummte. "Sei nicht so töricht...sie ist noch immer gefesselt, die Wachen sorgen dafür, dass sie uns nichts tut." Elennya stand zaghaft auf und ihre Lippen zitterten. Beruhigend legte Thranduil den Arm um ihre Schultern und zog sie mit sich. "Sie kann dir nichts tun", rief ihr Celertas hinterher, bevor sie mit ihrem Vater auf den Fluren des Palastes verschwand. "Wird sie mir ganz bestimmt nichts tun?" Thranduil blickte zu ihr herab, lächelte: "Vertrau doch auf Celertas' Worte." Die Elbe errötete erneut, gab sich aber mit der Antwort ihres Vaters zufrieden. "Wie wird sie reagieren?", fragte sie dann, als beide vor dem Gemach der Gefangenen standen und das Herz ihr bis zum Halse schlug. "Ich weiß es nicht, Elennya...ich weiß es wirklich nicht", antwortete er mit heiserer Stimme, bevor er seine Hand auf die Tür legte.

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Mauríel lag noch immer in diesem unerträglich hellen Zimmer, an die Bettpfosten gefesselt wie ein wildes Tier. Im entfernteren Sinne war sie das auch. Sie lächelte kalt. Thranduils Frau hatte überlebt, dummerweise. Aber auch, wenn das Todesurteil über sie erginge, würde sie lachend in den Tod gehen. Zwar hatte sie es nicht geschafft, das Opfer für ihren Vater zu töten, doch wenigstens hatte sie diesen verächtlichen Elben einige Stunden der Angst bereitet und das befriedigte sie ungemein. Angst, ja, Angst. Die Elben des Lichts, die sich angeblich vor Nichts und Niemandem fürchteten, hatten geschlottert, als sie ihr gegenüber standen. Selbst bei dem Sohn Thranduils, der dieser verdammten Gemeinschaft angehört hatte, konnte sie die Angst förmlich riechen. Sie würde sterben, da war sich Mauríel sicher, doch es würde nicht umsonst sein. Ihre Schwester war noch irgendwo da draußen, und wenn es nicht sie selbst war, würde Mauríels Schwester ihren Vater rächen.

Das blasse Licht strömte ungehindert in das Zimmer, quälte sie. Obwohl der Abend schon den Himmel wiegte, strahlte das Grau heller als die Sonne...jedenfalls fühlte es sich für Mauríel so an. Der Schmerz in ihrem Körper war fast unerträglich, doch niemals würde sie ein Zeichen der Schwäche preisgeben. Nicht sie. Nicht die Tochter Gorthaurs. Langsam öffnete sich die Tür und sie richtete einen hasserfüllten Blick darauf.

Langsam traten Thranduil und Elennya hinein, die Elbe hielt den Kopf gesenkt, wogegen der König selbstsicher zu ihrem Bett trat. "Sieh an, lerne ich doch noch die ganze Familie kennen, die Familie eines scheinheiligen Mörders", zischte sie dunkel. "Wie schade, dass ich deine nie kennen lernen werde", entgegnete Thranduil ruhig. Elennya schaute noch immer nicht auf, hielt sich im Schatten des Raumes versteckt, spürte die finstere Kälte, die von Mauríel ausging. "Ihr seid nur ein Haufen voller Feiglinge, eure Angst ist sogar noch größer als euer Hass, mein Vater wäre in schallendes Gelächter ausgebrochen, hätte er euch so gesehen, dich, Thranduil, dein Weib und deinen Wurf..."

"Ich bin mir sicher, dass er auch gelacht hätte, wenn er dich so sehen könnte...du glaubst doch nicht wirklich, dass Sauron je so etwas wie Stolz empfunden hätte...", erwiderte Thranduil, seine Wut verbergend. Elennya trat zu ihm heran, versteckte sich aber noch hinter seiner Schulter. Mauríels Lippen bebten vor Hass. Ihr blasses Gesicht bildete einen scharfen Kontrast zu ihrem pechschwarzen Haar. "An deiner Stelle wäre ich nicht so vorlaut, selbst wenn du dich König schimpfst...du erbärmlicher Wurm", fauchte sie und zerrte an ihren Fesseln. "Vater", wimmerte Elennya erschrocken und barg ihr Gesicht an seiner Schulter.

"Was willst du überhaupt hier, mir mein Todesurteil verkünden?", ihre schwarzen Augen blitzten gefährlich, doch Thranduil ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Es war nicht mehr zu leugnen, dass sie Gorthaurs Tochter war, denn keiner, außer sein eigenes Fleisch und Blut konnte so viel Hass und Kälte in Worten ausdrücken.

"Ein Urteil ja, aber nicht das des Todes...du wirst hier bleiben, bis zu deinem Tode", fuhr Thranduil fort, hielt sein Kind in den Armen und wartete auf Mauríels Reaktion. Sie schwieg und musterte ihn misstrauisch, dann lachte sie laut auf: "Damit ich doch noch die Gelegenheit haben werde, dich und deine Familie zu schlachten?"

"Nein. Damit all deine schwarzen Gedanken verbannt werden und du den richtigen Weg einschlägst"

Mauríel lachte höhnisch und schüttelte mit dem Kopf, bevor sie erwiderte: "Der richtige Weg ist Vergeltung, der richtige Weg ist der, auf dem ich mich bereits befinde. Ich wusste, dass du naiv bist, werter König, doch dass du so dumm bist, hätte ich nicht gedacht..."

"Du wirst sehen, wer am Ende lacht", sprach Thranduil rau und Mauríel hob die Brauen: "War das eine Drohung?", witzelte sie, "Ich werde lachen, wenn ich meines Vaters Orkscharen sammle und das Blut deiner Familie trinke..." Thranduil ballte die Hand zu einer Faust, zwang sich aber dazu, ruhig zu bleiben. "Dies ist eine größere Strafe für dich, als der Tod...das wirst du schon noch lernen...", raunte er und wand sich mit der völlig verängstigten Elennya zum Gehen um. "Strafe? Wie du meinst...aber schau dir doch mal deine Tochter an. Sie und all die anderen Elben hier erzittern allein schon bei wenigen Worten...und du glaubst, ich lasse mich von deiner dummen Entscheidung dazu hinreißen, ehrfürchtig und dankbar dir gegenüber zu sein?"

Thranduil erwiderte nichts, musterte sie. Mauríel grinste kalt und sprach: "Angst...Thranduil, Angst...sie kriecht doch schon in eure Nacken bei meines Vaters Worten...wie hieß es doch gleich? Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul..."

Elennya schrie auf und ihre Hände hielten krampfhaft ihre Ohren zu, dann wand sie sich um und rannte aus dem Zimmer, Thranduil, vor dem Klang der Schwarzen Sprache erzitternd, blickte ihr nach und folgte ihr dann ohne sich auch nur ein letztes Mal zu Mauríel umzudrehen. Sie würde noch erfahren, dass ihr Aufenthalt im Düsterwald ein härteres Schicksal für sie werden würde, als der Tod, da war sich Thranduil sicher.

Doch Mauríel lachte nur verächtlich, der Klang ihrer Stimme ließ den Elben Düsterwalds das Blut in den Adern gefrieren. "Jetzt sitze ich hier fest, in der Höhle des Löwen und diese Elben glauben doch tatsächlich, sie könnten mich auf ihre Seite ziehen...noch vor dem nächsten Frühling werden sie sich wünschen, mich getötet zu haben", murmelte Mauríel vor sich hin und brach erneut in lautes Gelächter aus.

Derweil wurde das Grau des Himmels dunkler, die Nacht kündigte sich an und aus den Wolken fielen die ersten Schneeflocken, die im Wind tanzten, zu Boden gingen und das tote Laub der Bäume unter sich begruben. Der Winter zog in den Düsterwald und mit ihm die Zeit der Dunkelheit... .



Ende Kapitel 4



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Seid doch so nett und schreibt mir eure Meinung, ja? *verzweifeln tut*

Dann schreib ich vielleicht auch weiter! *warn* *g* Na denn...*Review brüllt und auf und davon läuft*