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8. Kapitel

Orbath kam ihnen genau so nahe, wie Haldirs Schwertspitze in den Raum reichte. „Verkauf sie mir", forderte er jetzt und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. „Du kannst die Nimjinds haben, genug Gold, um weitere Sklaven zu kaufen und ein Dutzend anderer Frauen."

„Niemand bekommt sie!" stieß Haldir mit verzerrter Stimme hervor. Allein der Gedanke, Orbath könnte seine schmierigen Finger an die Arenai legen, verursachte ein unglaubliches Gefühl des Ekels in ihm.

„Da, wo du herkommst, muss es andere ihrer Art geben." Der Sklavenhändler gab noch nicht auf. Sein Atem ging schnell und tief in seinen Augen glomm ein unheilvolles Feuer. „Wir könnten beide unermesslich reich werden. Lass uns Handel treiben und besiegle den Pakt mit ihr."

Mit Ayla würde er sich den Tod ins Haus holen, aber diese Worte behielt Haldir für sich. Stattdessen schüttelte er sehr langsam den Kopf. „Unser Handel ist bereits abgeschlossen. Vergiss, dass du jemals einen Blick auf sie geworfen hast, denn wenn du es nicht tust, werde ich dir beim nächsten Mal die Augen ausstechen."

Verschiedenste Empfindungen, keine einzige davon ein gute, wechselten sich auf den Elbenzügen des Sklavenhändlers ab, bis er schließlich in einer entschuldigenden Geste die Hände hob und auch seinen Männern bedeutete, wieder die Waffen zu senken. „Vergebung, Südländer. Ich mag die Stärke des Bandes verkannt zu haben, dass euch beide verbindet, dabei liegt es deutlich vor meinen Augen. Auch dir meine Bitte um Verzeihung, Herrin, dein Bruder tat Recht, mich so zu tadeln. Seid heute Abend meine Gäste."

Haldir neigte bestätigend den Kopf. Sollte er doch glauben, Ayla wäre seine Schwester, was Eru sei Dank ihm erspart geblieben war, hielt dies doch wenigstens seine gierigen Finger von ihr. Wahrscheinlich lag das wieder an diesem unseligen Blutstropfen, der die Quelle allen Übels war. Sollte er auch glauben, sie würden am Abend erneut aufeinandertreffen, damit er mehr über seine angebliche Heimat erfahren könnte. Nicht einmal ein Balrog würde ihn zu Orbath bringen, doch dies blieb in diesem Augenblick besser ungesagt. Langsam steckte er das Schwert wieder weg und sie zogen sich so wachsam wie nur möglich zurück.

Erst als sie den Irrgarten der Tribünen wieder erreichten, gab er sich dem drängenden Gefühl der Gefahr hin, das ihn jetzt beherrschte. So schnell es ging, eilten sie in den Roten Busch zurück. Wäre es nach Haldir gegangen, hätten sie den direkten Weg hinaus aus der Stadt genommen. Doch da waren noch die Nimjinds, zu deren Befreiung sie sich erst in diese Gefahr begeben hatte.

Dorian und Drangar suchten nach Dingis, der nicht wissen konnte, was bei Orbath noch geschehen war. Sie würden dafür sorgen, dass die Zwerge sich sofort auf den Marsch zum Ihainym-Wald machten und den übrigen Bescheid geben, wenn sie erst die Stadtmauern verlassen hatten. Haldir war sich sicher, dass Orbath sie nicht so einfach ziehen lassen würde, wenn sie sich ebenfalls bei ihnen befänden und so warteten die Elben und die beiden Arenai im Hinterzimmer des Gasthauses darauf, dass es nun endlich das Zeichen zum Aufbruch gab.

Die Zeit, sonst eine vertraute Freundin in ihrem gleichmäßigen Fluss, verstrich nun mit quälender Langsamkeit und mit jedem Fingerbreit, den die Schatten länger wurden, wuchs die Anspannung der Wartenden. Boyar, der zuvor wie ein Fels eine fast bewegungslose Position neben der Hintertür eingenommen hatte, begann mit einer unruhigen Wanderung durch den Raum, vorbei an Haldir und Ayla, die am Tisch saßen und Gilawan, der den verschlossenen Durchgang zur Küche bewachte.

„Boyar!" Aylas Stimme durchschnitt das Schweigen wie ein Messer. „Geh hinaus und halte draußen Wache. Du machst mich wahnsinnig damit."

Ihr Krieger öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch ihre Miene war so düster, dass er in stummen Protest aus dem Raum stampfte. Ayla hielt noch eine Weile ihr Schweigen durch, dann seufzte sie. „Das war ungerecht, es ist schließlich nicht seine Schuld. Du hattest recht, Haldir, wir hätten gar nicht erst herkommen sollen."

Zu jeder anderen Zeit wäre ihm dieser Sieg wie eine kostbare, süße Frucht erschienen, doch nun wehrte er mit einer Handbewegung ab. „Niemand konnte wissen, was wir hier vorfinden."

„Und ich verstehe es nicht einmal." Mit gespreizten Fingern fuhr sie durch ihre Haare. „Stell dir nur vor, wir hätten noch eine Elbin bei uns. Die ganze Stadt würde uns jagen."

„Ich denke, das ist auch so schon der Fall", ließ sich Gilawan vernehmen, während er seinen Platz an der Tür verließ. „Menschen nähern sich durch die Gaststube."

Gleichzeitig wurde der Hintereingang aufgerissen und Dorian erschien auf der Schwelle. „Dingis hat die Ebene erreicht. Beeilt euch, Orbath hat seine Fänger zusammengerufen."

Ronys aufgebrachte Stimme aus der Gaststube begleitete ihren Weg hinaus, das Geräusch umstürzender Stühle und Tische kam hinzu. Sie kamen nicht einmal mehr dazu, den kleinen Hinterhof zu verlassen, als die ersten waffenstarrenden Söldner mit wildem Geschrei durch die Hintertür stürmten, sie dabei sogar aus den Angeln hoben. Gilawan erklomm mit wenigen Schritten die Außentreppe, den Bogen bereits in den Händen und noch in der Drehung zum Hof verließ der erste einer Reihe von Pfeilen die Sehne, um sich in den Nacken eines massigen Kämpfers zu bohren. Auch Dorian hatte sein Schwert gezückt und mühte sich, gleich zwei der Angreifer in die Knie zu zwingen.

Um ihn herum fielen die anderen, die den Schwerter des Elben oder der beiden Arenai zu nahe kamen. Keine Gnade lag in den wirbelnden Klingen, die schon längst nicht mehr silbern sondern rot schimmerten, wenn sie sich im schnellen Streich auf die Angreifer stürzten.

Auch wenn sie nie zuvor zusammen gekämpft hatten, ergänzten sich Elben und Arenai wie alte Kampfgefährten. Boyar stellte sich dem bedrängten Breill an die Seite, seine mächtige Schwerthiebe schleuderten die vorstürmenden Angreifer zurück in ihre eigenen Reihen. An Haldirs Seite stand Ayla, die ohne sichtbare Zeichen einer Regung jeden tötete, der auch nur in die Reichweite ihres Schwertes kam. Erstickte Schreie, das metallische Klirren, wenn Schwerter aufeinander trafen und dazwischen immer wieder das Sirren der Pfeile waren kurze Zeit die einzigen Geräusche, dann senkte sich wieder nächtliche Stille über den Hof.  Von denen, die es bis auf den Hof geschafft hatten, lebte niemand mehr, doch deutlich waren unterschiedliche Schritte zu hören, die sich schnell von ihnen entfernten. Mindestens zwei mussten überlebt haben und waren jetzt auf dem Weg zu ihrem Herrn.

Boyar wischte sein Schwert am Umhang eines Toten ab und schob es in die Scheide zurück. Er grinste den Breill an, der schweratmend mitten im Hof zwischen den Toten stand und offenbar immer noch nicht ganz glauben konnte, was er da gerade erlebt hatte. „Das war leicht, mein Junge. Wenn das Orbaths beste Kämpfer waren, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen."

Ein Wimmern ließ Haldir herumfahren, doch sofort senkte er das erneut erhobene Schwert wieder. Rony stand an der Hintertür, zitternd am ganzen Körper und nicht fähig, ihren Blick von den Toten zu nehmen. Ihr Mann war nicht zu entdecken, doch das Blut auf ihrer Schürze ließ Schlimmes vermuten. An ihre Schulter klammerte sich Awyne, kein Ton kam über ihre blassen Lippen und Tränen liefen ihr unablässig die vorher so rosigen Wangen hinunter.

„Verzeih uns", sagte Haldir leise. „Wir wollten kein Unglück über dein Haus bringen."

Gilawan trat neben Haldir und beugte sich zu Awyne hinunter. Mit einer sanften Bewegung strich er ihr eine der vorwitzigen Locken aus dem Gesicht. „Nichts ist vergebens, kleine Blume", lächelte er sie tröstend an. „Du wirst bald die Sonne auf deiner Haut spüren und im Blau des Himmels  das Leuchten deiner Augen erkennen. Das verspreche ich dir."

Arenors Schildmeisterin hatte sich schon wieder praktischeren Überlegungen zugewandt. „Hier könnt ihr nicht bleiben, Frau", erklärte sie ruppig und drückte der Wirtin den noch immer sehr stattlichen Geldbeutel Dorians in die Hand. „Nimm deine Kinder und verschwinde so schnell es geht. Am besten wäre, du versteckst dich im Wald bei den Ihainym und Breill. Haldir, die Zeit drängt, wir müssen los."

„Geht nur, geht", nickte Rony mit erstickter Stimme. „Wir sind nicht in Gefahr, euch suchen sie."

Er wusste, dass dies so nicht stimmte und sie wusste es auch. Nur ungern ließ er die beiden zurück, aber es war auch so schon schwierig genug, Barcanem heil zu verlassen. Dorian führte sie über Nebenstraße und winklige Gassen bis zu einem Teil der Stadtmauer, der so verfallen war, dass sie ihn überwinden konnten.

Auf der weiten Ebene schließlich, die sie in schnellem Lauf überquerten, gesellte sich Arn wieder zu ihnen, der keinerlei Anzeichen von Unruhe zeigte und sie auf dem schnellsten Weg zum Rest der Breill führte, die ihren Warteplatz im Hain verlassen und mit den Nimjinds schon auf dem Weg zurück zu Taurhoss waren.

Der weitere Weg wurde nun von quälender Langsamkeit geprägt. Die Gruppe war groß und ihre Mitglieder so unterschiedlich, wie es nur sein konnte. Nichts konnte die Nimjinds bewegen, wenigstens die Schwächsten unter ihnen auf die großen Bremdal-Pferde zu setzen.  Unbeholfene, wortkarge Dankbarkeit war ihren Rettern zwar entgegengeschlagen, aber so weit, dass sie die Furcht vor den für sie riesigen Vierbeinern überwanden, ging es nun wieder nicht. Die Breill hatten zwar wenigstens die Kinder auf ihre Rücken genommen, doch wie im Schneckentempo zog der traurige Tross auf die noch entfernte Linie des Waldes zu, in dem sie endlich in Sicherheit sein würden.

Als sie schließlich nicht mehr weit war, schlugen die Grauwölfe mit durchdringendem Heulen Alarm. Noch ein deutliches Stück hinter ihnen, aber zu Pferd viel zu schnell näherten sich ihre Verfolger in einer großen Staubwolke. Orbath musste Dutzende Söldner zusammengerufen haben, um sich für die Niederlage zu rächen und seine gierigen Finger nach der Arenai auszustrecken.

Haldir zügelte Heleloth mit einem unterdrückten Fluch. „Schaff diese Zwerge weg!" befahl er Dorian. „Wir werden versuchen, sie aufzuhalten und folgen euch dann."

Starrsinnig schüttelte der Breill den Kopf. „Ich bleibe und die Wölfe auch. Ihr könnt Hilfe brauchen."

Für eine Diskussion war weder der Ort noch die Zeit. Auf einem Hügelkamm bezogen sie Stellung, während die Wölfe geduckt den Verfolgern entgegenrückten. Sie würden sie erst bemerken, wenn es zu spät war und den Verteidigern so vielleicht einen wenn auch nur kleinen Vorteil verschaffen. Vier Arenai, zwei Elben und ein Breill, dies war Haldirs ganze Streitmacht, mit der er also gut vierzig bewaffneten Sklavenjägern entgegentreten sollte.

„Es wäre besser, du würdest den Nimjinds folgen", rief er Ayla trotzdem zu. „Orbath will in erster Linie dich haben."

„Soll ich ihn etwa noch weiter an diese armseligen Wichte heranführen?" Sie zog ihr Schwert und grinste beinahe fröhlich. „Angst vor ein bisschen Aufregung, Waffenbruder?"

Er verstand sie zwar nicht, aber seltsamerweise war sie ihm in diesen Moment so nahe wie noch nie zuvor. Ebenfalls mit einem Lächeln nahm er den Bogen vom Rücken und legte einen Pfeil ein. „Du bist verrückt, aber das ist nichts Neues."

Laut lachend zog sie den Kinnriemen ihres Helmes noch einmal fest und schlug Boyar neben sich mit der Faust auf die Schulter. „Einen sicheren Weg, mein Freund."

In diesem Moment erhoben sich die Grauwölfe aus ihrer Deckung im Gras und stürzten sich auf die Beine der Reittiere. Panik brach zwischen den unansehnlichen, aber kräftigen Pferden aus. Einige warfen ihre Reiter ab und rasten kopflos durch die Menge, in der die übrigen Reiter noch versuchten, ihre Tiere unter Kontrolle zu bringen. In diesem Durcheinander konnten nicht einmal die Elben jeden Pfeil ins Ziel bringen und so blieben genug Angreifer über, um den Sturm auf den Hügel fortzusetzen.

„Arn!" schrie Dorian in hellem Entsetzen, als sich mehrere Soldaten daran machten, das große Leittier einzukesseln. Ohne an seinen eigenen Schutz zu denken verließ der Breill seinen Platz und rannte mit gezücktem Schwert den Hügel herunter, mitten unter die Angreifer. Es war nur ein kurzes Nicken von Ayla, dann folgten ihm ihre Männer mit ihr an der Spitze.

Haldir umrundete zusammen mit seinen beiden Begleitern den Kampfplatz, bis sie im Rücken der Angreifer erneut ihre Pfeile losschickten. Niemand saß dort bald mehr auf den Pferden, selbst die Arenai standen inzwischen inmitten der Streitenden und mähten nieder, was auch immer in die Reichweite ihrer Schwerter kam. Dorian war in schlimmster Bedrängnis, er blutete aus mehreren Wunden und verdankte es nur Arn, den er eigentlich hatte retten wollen, dass er überhaupt noch lebte. Als ein bösartig aussehender Riese mit einer Axt sich hinter ihm aufbaute, trieb Haldir sein Pferd unter die Kämpfenden und spaltete dem Axtkämpfer mit einem Schlag von hinten den Schädel.

„Boyar!" hörte er dann Ayla schreien. Beschäftigt mit zwei Angreifern versuchte sie verzweifelt, den Arenai zu erreichen, der bereits aus einer Kopfwunde blutete und langsam von einer Übermacht niedergerungen wurde.

Es war dieser Moment der Ablenkung, der Haldir zum Verhängnis wurde. Wie ein glühendes Eisen fuhr ein Schwert in seine linke Seite und raubte ihm fast den Atem. Bevor sein Angreifer nochmals zustechen konnte, traf ihn ein Pfeil aus Gilawans Bogen mit voller Wucht und durchbohrte seinen Hals. Wie auf ein geheimes Zeichen verebbte plötzlich die Angriffswut der Soldaten und sie begannen den Rückzug, alle um Boyar gescharrt, den sie bewusstlos mit sich zerrten.

Niemals würde sie ihn aufgeben, erkannte Haldir, als Ayla alleine losstürmte und sie würde sterben, wenn sie wirklich die fliehenden Söldner erreichte. Er ignorierte den Schmerz in seiner Seite, das Blut, das seine Hand rot gefärbt hatte und jagte ihr mit Heleloth nach. Die Stute verstand genau, worum es nun ging. Als sie die Schildmeisterin erreichten, brachte sie sie aus vollem Lauf mit einem Stoß von der Seite zu Fall. Ayla überschlug sich und es dauerte lange genug, bis sie wieder auf die Beine kam, dass Haldir schon von Heleloth Rücken geglitten war. An der Schulter riss er die Arenai zurück und zerrte sie dann mit einem Arm um ihre Taille zurück ins Gras.

„Es sind zu viele", beschwor er sie, während sie mit aller Kraft gegen seinen Griff ankämpfte und ihn aus voller Kehle verfluchte.

Ihre Gegenwehr war stark und die Schmerzwellen, die sie damit in seiner Seite hervorrief mörderisch. Endlich kamen ihm die anderen zu Hilfe. Adrim und Drangar stellten ihre Schildmeisterin zwar wieder auf die Beine, hielten sie aber eisern an den Armen fest. Haldir stützte sich schweratmend mit einer Hand auf dem Knie ab, während er die andere fest auf die Wunde drückte, aus der mit jedem Herzschlag neues Blut sickerte.

„Lass mich sehen", forderte Elcaran leise und unterzog die Verletzung einer vorsichtigen, aber genauen Untersuchung. Schließlich schüttelte er den Kopf. „Sie ist zu tief. Unsere Kraft reicht nicht aus, um sie zu schließen. Wir müssen dich so schnell es geht zu Elrond bringen."

„Mindestens zwei Tage ununterbrochen zu Pferd und auch nur bei scharfem Ritt", keuchte Haldir. „Wieviel Blut denkst du fließt in einem Elbenkörper?"

„Es wird reichen!" Ayla packte ihn an den breiten Lederschlaufen, die den Brustharnisch über den Schultern verschlossen und riss ihn rücksichtslos auf die Beine. „Du wirst nicht hier in diesem verfaulten Land sterben, verstanden?"

Haldir zwang sich zu einem Lächeln. „Dann hätte ich Ruhe vor dir."

„Nicht in den nächsten tausend Jahren!" fauchte sie ihn an. „So leicht kommst du nicht davon, Waldelb. Elcaran, hilf ihm mit Heleloth. Adrim, du wirst sie begleiten. Ihr werdet nirgendwo Halt machen, es sei denn, Haldir braucht unbedingt eine Rast. Gilawan, du musst mir und Drangar bei der Verfolgung dieser Rattengesichter helfen."

Selbst Haldir war verblüfft, als Gilawan den Kopf schüttelte. „Du kannst nicht gehen, Schildmeisterin. Ich weiß, dass du das Band nicht sehen kannst, das zwischen euch besteht seit Gildanna, aber es ist wohl das einzige, das ihn am Leben halten wird. Verzeih mir, doch Adrim wird mit Drangar und mir reiten."

Das Scharmützel an diesem Hügel war nichts im Vergleich zu dem inneren Kampf, der deutlich an ihrem Mienenspiel abzulesen war. Haldir fragte sich, warum sie eigentlich zögerte. Boyar war ihr Vertrauter, keiner der anderen Arenai stand ihr so nahe wie dieser treue, trinkfreudige Hüne. Es musste sie innerlich zerfressen, doch am Ende siegte die uralte Loyalität der Arenai.

Mit einem erstickten Laut schwang sich Ayla auf Glormirs Rücken. „Finde ihn, Gilawan, ich vertrau dir sein Leben an."

Dorian brachte Boyars Pferd heran. „Ich gehe mit ihnen, Ayla, und Arn auch."

Es waren die letzten Worte, bevor sie zu ihrer Rückkehr nach Arenor aufbrachen. Für Haldir war es ein wahrer Höllenritt. In den ersten Stunden schien es noch, als wäre es eine Frage der Selbstbeherrschung, die rasenden Schmerzen so weit in die Tiefen seines Geistes zu drängen, dass sie erträglich waren. Doch mit jedem Tropfen Blut, der ihn verließ, brach auch ein Stück dieser inneren Barriere aus und schließlich überschwemmte ihn der Schmerz wie eine Woge aus flüssigem Feuer. Der Tod wäre in diesen Momenten ein willkommener Freund gewesen, wenn man ihn nur an ihn herangelassen hätte. Der Weg in Mandos Hallen wurde ihm jedoch verwehrt.

Bei der einzigen Rast, die sie inmitten von Taurhoss einlegten, damit die Pferde trinken konnten, ihre Reiter sich jedoch nicht einmal die Mühe machten, aus den Sätteln zu steigen, stand Ayla mit Glormir so dicht neben Haldirs Heleloth, dass sich die Pferde berührten.

„Ich weiß, dass dich hier nicht mehr viel hält", suchte sich ihre zornige Stimme einen Weg durch die Nebel, die ihn nicht mehr klar sehen ließen. „Aber du wirst nicht sterben, verstanden? Selbst wenn ich dich eigenhändig an Mandos vorbei wieder hierher zerren muss, wirst du durchhalten, bis wir Elrond erreichen."

Seltsamerweise war es die Vorstellung, wie sich Ayla mit Mandos um seine Seele stritt, die seine Lebensgeister noch einmal weckte. So benommen wie er war, bezweifelte er nicht, dass sie ihre Drohung wahr machen und von der Wand des Totenhauses den Teppich stehlen würde, in den Vaïre das Ende seines Weges gewebt haben musste.

„Warum lächelt er?" hörte er Elcaran fragen.

„Keine Ahnung, aber ich nehme es als gutes Zeichen."

Zwei Tage und zwei Nächte – jeder Atemzug erforderte am Ende die neue Entscheidung, nicht einfach zu gehen, die Qual hinter sich zu lassen.

‚Deine Zeit ist noch lange nicht gekommen' vernahm er irgendwann Elronds Stimme. Sie erreichte ihn, als er den Weg schon betreten hatte, der ihn für immer aus der Welt führen würde. ‚Öffne die Augen, mein Freund, das weiße Tor hebt sich bereits für eure Rückkehr.'

So zwingend waren diese Worte, dass er sich umwandte. Weit hinter sich erkannte er drei Reiter, die in gestrecktem Galopp auf die Landbrücke stürmten. Das Schimmern des arenorischen Silberhelms bei einem der drei verwirrte ihn, doch dann wurde ihm klar, dass dies die Arenai zu seiner Rechten war und Elcaran an seiner Linken. Sie hatten es fast geschafft. Ein silbriges Band wie aus Sternenstaub erstreckte sich nun durch die Dunkelheit und leitete ihn zurück.

***

„Er wird leben." Elrond klang sehr zufrieden.

„Seid Ihr sicher? Sehr lebendig sieht er nicht aus."

„Seid wann bist du ein Heiler, Mädchen?"

„Halt den Mund, Temlar. Du hättest mich warnen können, was uns da in Escalonde wirklich erwartet."

„Die Bilder waren unklar."

„Das behauptest du immer."

„Ihr könnt mir glauben, Schildmeisterin, die Gefahr ist vorüber."

„Für ihn vielleicht, Meister Elrond. Ich danke Euch zutiefst, dass ich nicht noch die Schuld an seinem Tod tragen muss", erklang ihre Stimme nach kurzem Schweigen. „Dann werde ich jetzt aufbrechen. Mit jedem Tag, den ich hier unnütz herumsitze, sinken Boyars Aussichten auf Rettung."

„Ayla-″ Temlar unterbrach sich seufzend. „Es muss wohl sein. Gib auf dich Acht. Das, was du bisher ertragen musstest, ist nichts im Vergleich zu dem, was nun auf dich wartet."

„Noch mehr unklare Bilder, Temlar?" spottete sie und Schritte zeigten an, dass sie sich anschickte, den Raum zu verlassen. „Was ist mit Euch, Lord Elrond? Keine guten Wünsche?"

„Eure Sturheit ist Eure größte Schwäche und Eure größte Stärke", erwiderte Elrond. „Ihr werdet finden, was Ihr sucht und es schmerzt mich schon jetzt."

„Kein Wunder, dass du dich so gut mit ihm verstehst, Temlar. Achtet auf den Waldelb, ich habe mich zu sehr an seine überhebliche Art gewöhnt, um ihn wieder missen zu wollen."

„Das werdet Ihr auch nicht", murmelte Elrond, als die Tür geöffnet wurde und ihre schnellen Schritte auf Treppenstufen immer leiser wurden.

„Ich begleite sie noch ein Stück", ließ sich Temlar vernehmen. „Gut, dass Agir nicht mehr unter uns ist. Er würde es uns nie verzeihen, dass wir sie gehen lassen."

„Auch er könnte sie nicht aufhalten."

„Ich weiß, Meister Elrond."

Die folgende Stille verwob sich mit der Dunkelheit zu einem heilsamen Frieden, in dem auch seine anderen Sinne langsam zurückkehrten. Als Haldir schließlich die Augen aufschlug, waren über ihm die Sterne. Einen Moment blinzelte er verwirrt, dann erkannte er die Täuschung. Ein schwarzer Samtbaldachin spannte sich über seinem Bett, bedeckt von unzähligen winzigen Diamanten, die im Schein einer hellen Lampe glitzerten.

„Von Orten wie diesem brachen in der Vergangenheit die Arenai in ihre Träume auf." Elrond saß in einem hochlehnigen Stuhl in der Nähe eines der Fenster und beugte sich nun leicht vor. „Man sollte meinen, bei all den Schrecken, die sie hier erfahren mussten, wäre der Raum voller Erinnerung an Tod und Leid."

„Es ist friedlich", stellte Haldir auf die unausgesprochene Frage in dieser Bemerkung fest. Unter dem dünnen Hemd spürte er einen breiten Verband. Als er jedoch nach der Verletzung an seiner Seite tastete, war kein Schmerz mehr da. „Wie lange?"

„Fünf Tage", lautete die Antwort. „Und erst seit vorgestern konnten wir sicher sein, dass du leben wirst."

Haldir richtete sich vorsichtig auf. Ein leichtes Stechen war der letzte Gruß, mit dem sich die Verletzung verabschiedete. „Ich hörte euch reden."

„Ich weiß." Elrond wirkte müde. „Das war vor ihrem Aufbruch nach Escalonde. Sie hat Krieger mitgenommen, Andoris und sein Schatten Lemna sind auch dabei."

Jetzt war er endgültig zurück in der Wirklichkeit. „Und du hast es zugelassen?"

Elrond stand auf und reichte ihm saubere Kleidung, die auf einem Stuhl in seiner Nähe lag. „Es liegt nicht in meiner Macht, das zu verhindern", sagte er ruhig. „Außerdem wird sie zurückkehren, nicht unversehrt aber lebend. Wir werden in Gildanna erwartet, mein Freund, Oryn hat seine Rückkehr angekündigt. Fühlst du dich stark genug, die nächste Aufgabe zu bewältigen?"

Nachdem der Elbenlord gegangen war, ließ Haldir sich Zeit. Eine kaum merkliche Schwäche war noch in ihm, eher die Erinnerung an eine lange zurückliegende, aber gewaltige Anstrengung als eine wirkliche Beeinträchtigung. Trotzdem hätte er es vorgezogen, sich eine Weile nach Ithuris zurückzuziehen und in der Ruhe des Waldes Abstand von dem zu gewinnen, was noch allzu deutlich vor seinen Augen stand.

So war ihm auf der Rückreise nach Gildanna jedoch nur ein einziger Tag in der inzwischen so liebgewonnenen neuen Heimat vergönnt, umsorgt von Elawens missbilligender Fürsorge, die Elrond mit ungewohnter Deutlichkeit ihre Verstimmung zeigte, dass er Haldir keine Ruhe gönnte. Cimriels Gefährtin hatte in seiner Abwesenheit gute Arbeit geleistet, so dass er ein wehrhaftes Waldelbenvolk vorfand. Alles war bereit, sollte es wirklich zum Kampf mit den Bewohnern Escalondes kommen. Eine Aussicht, die nicht sehr wahrscheinlich war, jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt.

„Sie sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt", erklärte Haldir, während er an Elronds Seite weiter auf Gildanna zuritt.

„Ayla teilt deine Einschätzung", nickte Elrond. „Und sie denkt, dass unser Gegner die Drakan und die Bergherren sein werden, denen ihr bislang nicht begegnet seid."

„Es sind Elben." Verbitterung schlich sich in seine Stimme.

„Das sagte sie nicht."

„So muss es aber sein. Elben oder zumindest elbisches Blut fließt in ihren Adern." Orbath erschien vor seinen Augen. „Der Sklavenhändler, der uns in diese Schwierigkeiten brachte, dürfte ihnen sehr ähnlich sein. In allen lebt eine unstillbare Gier nach Schönheit und Reichtum. Sobald sie den ersten Blick auf Arenor geworfen haben, werden wir keine ruhige Minute mehr haben."

„Arenor muss für die Escalonder das gleiche sein wie für uns Valinor", lächelte sein Begleiter und ließ den Blick über das Tal streifen, das sich vor ihnen in den Farben des Frühlings badete. „Ich kann es ihnen nicht einmal verdenken."

Haldir fehlte dieses milde Verständnis, dafür war die Erinnerung an Barcanem dann doch zu frisch. Wenn sie das Binnenland den Escalondern überließen, würde es bald in den gleichen Abgrund treiben, in dem sich Escalonde schon seit Jahrtausenden befand.

Enuidils Statue war inzwischen nicht mehr vorhanden, kein einziger Winterstein hatte die Befreiung Oryns überlebt. Voller Bedauern bemerkte Haldir die leeren Sockel, die wegzuräumen sich niemand die Mühe gemacht hatte. Viel Schönheit war verloren gegangen und es war noch die Frage, was dafür als Tausch gekommen war.

Als sie Elronds Haus betraten, vernahm er verwundert ein eifriges Hämmern von einer der rückwärtigen Terrassen.

„Oryn ist nah." Elrond ignorierte das Geräusch. „Solange wir auf ihn warten, berichte mir nun genauer von dem, was du erlebt hast."

Das Hämmern brach einen Moment ab und setzt dann wieder ein.

„Die Arenai dürfte dir bereits alles erzählt haben."

„In gewisser Weise ja", bestätigte der Elbenlord. „In dürren Worten und beschränkt auf das Nötigste."

„Das kann ich mir denken." Haldir deutete auf die offene Terrassentür. „Was geschieht da draußen?"

Elronds Augen verdunkelten sich einen Moment vor unterdrücktem Ärger. „Ich weiß es nicht, ich will es nicht einmal wissen. Setz dich, mein Freund, und kümmere dich einfach nicht darum."

Es war eine lange Geschichte und der Nachmittag verstrich fast, während sich der Waldelbe bemühte, dem anderen zu beschreiben, was sich eigentlich einer wirklichen Beschreibung entzog. Wie konnte man über die Verdammnis berichten, die in den Herzen dieser Stadtbewohner einen so festen Platz einnahm? Das nicht enden wollende Geräusch von der Terrasse macht es nicht unbedingt leichter für ihn. Es war fast eine Offenbarung, als endlich Stille eintrat. Nicht eine der kurzen Pausen, die es immer wieder gegeben hatte, sondern wirkliche Ruhe, die den Geräuschen des Tales wieder den Vortritt gab. Nun ungestört berichtete Haldir bis an den Punkt, an dem sie sich von den anderen getrennt hatten, die die Verfolgung Boyars aufnehmen wollten.

Ein spitzer Freudenschrei beendete seine Erzählung und Hivia eilte von der Terrasse herein, in einer Hand einen kleinen Hammer, in der anderen ein Gewirr von Lederriemen, die über und über mit verzierten Silbernieten bedeckt waren. „Dann hatte ich mir doch nicht eingebildet, Eure Stimme zu hören. Hier-„ Sie hielt die Lederriemen vor Elrond hoch. „Für Ithilion, er brauchte neues Zaumzeug. Ihr seid sowieso recht sparsam, was die Ausstattung der Pferde angeht, Meister Elrond."

Haldir blinzelte verblüfft. Er kannte die Ställe Gildannas und er wusste auch um die prächtige Ausstattung, die jedes einzelne Pferd dort sein eigen nannte. Offenbar legte Hivia, was ihre Pferde anging, Maßstäbe an, die selbst die Elben nicht erfüllen konnten.

„Und Ihr seid auch wieder auf den Beinen", stellte sie fest und musterte ihn eingehend. „Es hätte Euch fast umgebracht, wurde hier berichtet. Geht es Euch wirklich gut?"

Es brauchte nicht erst einen Blick auf Elronds gerunzelte Stirn, um zu erahnen, dass die Pferdeherrin in Gildanna offenbar die gleiche Unruhe verbreitet hatte, wie es ihr in Arengard auch gelungen war. „Besser könnte es nicht sein."

„Also wie neu, das freut mich." Hivia deutete mit dem Hammer durch die geöffnete Tür. „Wenn das eben keine Sinnestäuschung war, ist Besuch für Euch angekommen, Meister Elrond. Unten an Oryns Quelle drückt sich eine ziemlich seltsame Gestalt herum."

Elrond gab einen undefinierbaren Laut von sich, bevor er mit langen Schritten das Haus verließ. Es konnte nur Oryn sein, der dort auf sie wartete und Haldir fragte sich, ob Hivia das absichtlich gemacht hatte. Nach dem Funkeln in ihren Augen zu urteilen, war sie alles andere als ahnungslos, was die Identität des Besuchers anging und auch wie dringend er erwartet wurde.

Es wäre auch sehr schwer gewesen, die Erscheinung, die sich im Schneidersitz auf den Rand des Beckens gesetzt hatte, für ein ganz gewöhnliches Lebewesen zu halten. Aus der Quelle heraus geformt und in Verbindung mit ihr, schimmerte der Körper wie Glas, über das in einem steten Strom klares Wasser floss und die Umrisse im Fluss hielt. Dennoch waren die Einzelheiten dieses Mannes genau zu erkennen, bis hin zu den Schließen seiner Stiefel.

„Ich sagte doch, ich komme zurück", begrüßte er sie mit einer Stimme, in der das Murmeln eines Baches nachklang. „Natürlich dauerte es etwas, denn meine Kinder sind in größter Not und brauchten meine Stärkung, doch nun bin ich hier."

„Ihr könnt nicht viel Freude vorgefunden haben", vermutete Elrond langsam. „Nach allem, was wir hörten, sind nur wenige Eurer Kinder auf Escalonde noch am Leben."

Oryn machte eine weite Handbewegung und ein Regen funkelnder Tropfen ging auf dem Boden nieder. „Es sind immer noch genug. Die meisten haben sich schon längst von der Oberfläche zurückgezogen und durchwandern still im Dunkel der Erde Escalonde. Doch Ihr habt Recht, Elbenlord, es hat mich nicht sehr erfreut."

„Wie können wir Euch helfen?"

„Ihr?" Oryn lachte erheitert. „Ihr fragt einen Maia, wie Ihr ihm helfen könnt? Es hat sich wohl viel in den Jahrtausenden, die ich in diesem Stein gefangen war, geändert."

Elrond verschränkte die Arme vor der Brust und musterte ihn nachdenklich. „Wer sperrte Euch ein?"

„Stellt nicht so unnütze Fragen, deren Antwort Ihr bereits kennt." Jetzt wirkte Oryn eindeutig gelangweilt. „Ich denke, ich werde mich wieder verabschieden."

„Du schuldest uns was", ließ sich Hivia so böse und respektlos vernehmen, dass die beiden Elben zusammenzuckten.

Neues Wasser floss aus der Quelle, als sich Oryn erhob und fast zu doppelter Größe wuchs. „Was für ein vorlautes Geschöpf! Der Herr der verlorenen Quellen steht in niemandes Schuld."

 „Und wer hat dich aus deinem Gefängnis befreit?" Sie mochte wütend sein, aber nicht unvorsichtig. Hivia hielt sich deutlich von dem Maia entfernt, die beiden Elben noch dazwischen. „Ohne unsere Schildmeisterin würdest du immer noch in diesem Loch da festsitzen. Außerdem wäre uns der ganze Ärger erspart geblieben, wenn du etwas vorsichtiger herausgekommen wärst."

Oryns lautstarkes Lachen überzog die ganze Lichtung mit einem Wassernebel. „Sie muss eine richtige Plage sein", meinte er dann zu Elrond, dessen Miene in Ausdruckslosigkeit versank. „Das kommt davon, wenn man sie fast nur mit den alten Kriegstugenden versehen ins Leben zurückgibt und ihnen die Erinnerung an ihre eigene Friedfertigkeit nimmt. Ah, stark ward ihr damals und das Licht so strahlend in euch, dass es die niederen Geschöpfe blenden konnte. Lange ist das nun her."

Oryn sank wieder in seine bequeme Haltung am Quellrand. „Ich bedaure, dass ich nicht miterleben konnte, was alles wohl geschah. Seltsame Zeiten müssen das gewesen sein, in denen ich hier gefangen war, eingeschlossen in diese feste Hülle, die selbst Ulmo nicht brechen konnte. Als Melkor mich einschloss und zum Hohn in die See warf, blieb ihm kein anderes Mittel mehr. Mein Herr schleuderte mich in hohem Wurf hierher, bevor Arenor in der Zwischensee verankert wurde. Ein Teil zerbrach, doch nicht genug, um mich zu befreien. Es war wohl so bestimmt, um Euch Zeit zu geben."

Haldir beobachtete fasziniert, wie ein winziger blauer Fisch in Oryns Brustkorb kreiste. Den Maia schien dieser Bewohner nicht sonderlich zu stören. Als er nun allerdings tief seufzte, wurde der kleine Kerl in einer Welle durch den Arm hinaus in die Quelle zurückgespült, in der er wahrscheinlich sehr viel glücklicher war.

„Es ist unsere Bestimmung, Escalonde zu retten." Aus dem Mund Elronds klang diese gewaltige Aufgabe eher wie die Beschäftigung für einen einzigen Nachmittag. Tox hätte seine Freude gehabt. „Sie halten uns für die Lichtbringer."

„Kein schlechter Name", amüsierte sich Oryn. „Ihr scheint Euch zu fragen, wie ihr das anstellen sollt. Glücklicherweise irren sich diese Dummköpfe, ihr braucht das Licht nicht nach Escalonde zu bringen."

„Brauchen wir nicht?"

Oryn schlug dem Elbenlord erheitert auf die Schulter und hinterließ einen nassen Fleck auf der violetten Seide. „Das wäre ein bisschen viel verlangt, nicht wahr? Ihr seid zwar die Erstgeborenen, aber dazu nicht fähig. Nein, Elb, das Licht ist bereits da."

„Ich war in Escalonde", sagte Haldir gedehnt. „Dort ist nichts, was auch nur entfernt daran erinnert."

„Habt Ihr denn überhaupt danach gesucht?" Oryn fand offenbar zunehmend Gefallen an der Unterhaltung. „Es wurde verborgen, damit es die langen Zeitalter überdauert und nicht in die falschen Hände gelangt."

„Und was sind die richtigen Hände?" fragte Hivia ungeduldig.

„Deine jedenfalls nicht!" herrschte der Maia sie an.

„Das hätte mich auch gewundert", murmelte Elrond. „Es ist wohl keiner von uns, aber auch keiner der Escalonder. Einer, dem die Quelle dieses Lichtes vertraut ist und der sie deswegen auch finden und bewahren kann."

„Na bitte, du ahnst es wohl bereits." Oryn floss langsam wieder in den Teich zurück. „Begebt Euch in die Welt meiner Kinder, wenn Ihr den richtigen gefunden habt. Dies ist sicherer. Ich werde Euch dann begleiten."

„Weg ist er", durchbrach Hivias Stimme die nachfolgende Stille. „Er ist schlimmer als Temlar, finde ich. Das war mir für einen Tag genug Rätsel. Wenn Ihr es gelöst habt, könnt Ihr mir ja Bescheid geben. Ich bin in den Ställen."

„Wo auch sonst", seufzte Elrond und wartete, bis sie mit wippenden Zöpfen von der Lichtung verschwunden war. „Ich denke, ich weiß, wo wir unser Ziel liegt. Wir brechen morgen sehr früh vom Weißen Fall aus auf. Triff mich dort, Haldir."

Dieser Wasserfall lag am östlichen Rand Gildannas und es gab nur einen Ort, zu dem sie von dort aus gelangen konnten. Haldir runzelte die Stirn. „Das Ziel liegt in den Sternenbergen?"

„An der Schneegrenze", bestätigte sein Herrscher mit einem kaum merklichen Lächeln. „Wir werden dort erwartet."

Elrond war sich so sicher, dass in Haldir auch nicht der geringste Zweifel aufkommen konnte und er sich beim ersten Licht des Morgens am Weißen Fall einfand. Elrond war bereits da und nach seiner graublauen, schlichten Lederkleidung und dem Bogen auf seinem Rücken zu schließen, beabsichtigte er, Haldir nicht nur auf den Weg zu schicken, sondern ihn auch zu begleiten. Der Waldelb runzelte unwillkürlich die Stirn. Sie waren auf Arenor, eigentlich sollte hier nichts zu befürchten sein, doch trotzdem gefiel ihm der Gedanke nicht, dass sich Elrond persönlich auf den Weg machte.

„Die Besorgnis der Arenai scheint ansteckend zu sein", stellte Elrond mit einem leichten Lächeln fest. „Ich bin nicht Enuidil, der still und friedlich Gildannas Gärten durchstreift, mein Freund."

„Die so still und friedlich im Moment wohl nicht sind", vermutete Haldir mit plötzlicher Erkenntnis. „Mir scheint, du bist auf der Flucht."

„So ähnlich", nickte der andere und setzte sich in Bewegung. „Und da sie offenbar ein untrügliches Gespür dafür entwickelt hat, wo ich gerade bin, sollten wir jetzt losgehen."

Der Aufstieg war alles andere als schwierig. Wie überall auf Arenor zeigte sich auch hier die Natur nur von ihrer schönsten Seite. Bis zum Abend dieses ersten Tages erreichten sie die sattgrünen Hochgebirgswiesen, die von den bunten Wolken blühender Kräuter gekrönt waren. Eine kühle, aber angenehm stille Nacht senkte sich über die beiden Männer, die kurz unterhalb des ersten Geröllfeldes rasteten. Über ihnen spannte sich zum Greifen nah ein tiefschwarzer Himmel, übersät mit den funkelnden Sternen, die ihm in Escalonde so gefehlt hatten. Alles war klar und einfach.

Haldir hätte den Rest seines Lebens an diesem stillen Ort verbringen können. Vielleicht hätten sie einfach Enuidils Weg weiter folgen und nicht an die alten Geheimnisse rühren sollen, dann wären sie jetzt einfach hier, weil sie es so wollten und nicht, weil ein Maia sie auf die Suche geschickt hatte.

„Deine Gedanken sind schwer", stellte Elrond nach langem Schweigen fest. „Du vermisst Caras Galadhon."

„Manchmal. Was ist mit dir? Haben die langen Jahrtausende auf Mittelerde ausgereicht, dir den Abschied von Imladris leichter zu machen?"

„Ich ging den Weg nach Westen freiwillig, anders als du, mein Freund." Elronds Blick schweifte ab. „Da war nichts mehr, das mich halten konnte. Vielleicht lebe ich schon zu lange, vielleicht habe ich auch zu viel verloren, um dem Leben noch soviel abzugewinnen wie es meine Tochter oder meine Söhne können. Arenor ist nicht der schlechteste Tausch und in jedem Fall eine Herausforderung."

Haldir verzog unwillkürlich das Gesicht. Er selbst lebte wahrscheinlich noch nicht lange genug, um eine gefährliche Herausforderung Valinor vorzuziehen. Sein Missmut war so offenkundig, dass der andere laut lachte.

„Gut, dass Meister Temlar nicht hier ist. Er hat eine ganz besondere Meinung über die Melancholie unseres Volkes und glaub mir, sie ist nicht unbedingt schmeichelhaft."

„Die Beobachter sind mir unheimlich", stellte Haldir widerstrebend fest.

„Dir sollten die Arenai überhaupt unheimlich sein", berichtigte ihn Elrond mit einem feinen Lächeln. „Hast du dich nie gefragt, woher sie stammen, warum sie uns so ähnlich und doch wieder völlig verschieden sind?"

„In letzter Zeit nicht", antwortete Haldir ohne langes Zögern. „Ihre Gegenwart ist anstrengend genug, da beschäftige ich mich nicht noch mit ihrer Vergangenheit."

Wie zum Beweis seiner Einschätzung polterte ganz in ihrer Nähe ein losgetretener Stein talwärts. Leider war es keine der langhaarigen weißen Bergziegen, die ihnen tagsüber mehrfach über den Weg gelaufen waren, sondern ausgerechnet die einzige Person auf ganz Arenor, die Elronds friedliche Stimmung sofort im Keim erstickte. Hivia kam um einen Felsen gebogen und baute sich mit in die Seiten gestützten Fäusten vor den beiden Elben auf, die beim ersten Laut auf den Beinen gewesen waren.

„Fast hätte ich Euch nicht mehr eingeholt", beschwerte sie sich schnaufend. „Eure Beine sind viel länger als meine. Ich bin fast den ganzen Weg gerannt."

„Was macht Ihr hier?" fragte der Elbenlord mit unnatürlicher Ruhe. „Ich denke, Ihr sollt Euch um die Pferde kümmern - könnt Ihr hier irgendwo ein Pferd entdecken?"

„Zu Eurem Glück nicht." Sie schnappte sich Haldirs Wasserflasche und nahm einen tiefen Schluck. „Wenn Ihr eins meiner Juwelen hier herauf getrieben hättet, wäre ich ernstlich böse. Nein, als ich Euch heute morgen den Berghang raufmarschieren sah, dachte ich mir, Hivia, Lord Elrond wird nicht nur einen Spaziergang machen wollen. Am besten gehst du ihm nach, falls er deine Hilfe braucht. Da bin ich also."

„Ich denke nicht, dass wir Hilfe brauchen."

„Auch egal, jetzt bin ich jedenfalls hier."

Dafür, dass sie angeblich ganz spontan aufgebrochen war, hatte sie sich gut ausgerüstet. Reitkleidung trug sie ausnahmsweise nicht, statt dessen robustes Lederzeug. Eine eingerollte Decke hing an einem Riemen über ihrem Rücken. Als sie sie nun herunternahm und auf dem Boden ausbreitete, enthüllte sie in ihrer Mitte ein Schwert. Beinahe achtlos legte sie es zur Seite und machte sich über die Früchte her, die sie in einem Beutel an ihrem Gürtel verstaut hatte. „Lasst Euch durch mich nicht stören. Meinetwegen könnt Ihr auch singen. Ich bin da nicht ganz so empfindlich wie meine geliebte, unmusikalische Schildmeisterin."

„Elben singen nicht dauernd", grollte Elrond. „Wir sind auch nicht hier, um Gedichte zu verfassen sondern um jemanden zu suchen."

„Dachte ich es mir doch", triumphierte sie und vernichtete genüsslich einen Apfel. „Dann braucht Ihr bestimmt meine Hilfe. Ich bin gut darin, jemanden aufzuspüren. Nicht so gut wie unsere Jäger, aber auch nicht schlecht. Ah, das war ein anstrengender Tag."

Sprach's und rollte sich in ihre Decke ein, um innerhalb von Sekunden in einen tiefen Schlaf zu fallen. Haldir konnte nur schwer einen starken Lachreiz unterdrücken. Elrond hingegen warf einen sehnsüchtigen Blick auf den Berggipfel über ihnen. Er schien zu überlegen, von wie weit oben er Arenors Pferdeherrin herab werfen müsste, damit sie ihn endgültig in Ruhe ließ. Schließlich zog er sich in sich zurück. Haldir ließ ihn zufrieden, denn er würde eine Menge Kraft brauchen, um den nächsten Tag zu überstehen.

***

Es war kaum mehr als eine Woche her, dass sie zum ersten Mal in diesem Hain gerastet hatten. Nichts schien sich verändert zu haben. Schlafende ruhten auf dem Boden, einige Grauwölfe streiften umher und an einem der verstreuten Felsreste lehnte ein Elb, den Blick auf die Stadt gerichtet, die ihre übelriechenden Grüße bis hierher sandte. Der Unterschied war nur, dass die Schlafenden fast alle Arenai waren.

Barcanem war diesmal nicht ihr Ziel, sie würden es umgehen, sobald Dingis wieder zurückkam und der Elb, der so bewegungslos seine Wache hielt, war leider nicht Haldir. Der Herr der Waldelben mochte arrogant sein, uneinsichtig und bestenfalls unnahbar, aber sie hatte an seiner Seite gekämpft und seitdem würde sie ihm ihr Leben anvertrauen, wenn es darauf ankäme.  Dies war mehr, als sie von Andoris sagen konnte, den rein gar nichts davon hatte abhalten können, sie diesmal zu begleiten.

„Boyar ist mein Freund", war seine störrische Entgegnung auf alle ihre Einwände gewesen. „Nehmt Ihr mich nicht mit, werde ich einen anderen Weg finden, ihn zu suchen."

Ayla hatte schließlich aufgegeben. Sie war noch immer erschöpft davon, tagelang völlig hilflos daneben zu stehen, während Elrond um das Leben ausgerechnet desjenigen Elben kämpfte, der unter ihrer Obhut gestanden hatte. Wahrscheinlich sah er das völlig anders, aber es war einzig und allein ihre Verantwortung gewesen, dass Haldirs Lebenskraft mit jedem Blutstropfen, der unaufhaltsam aus der Verletzung geströmt war, immer weiter dahinschwand.

Sie hätte nicht darauf beharren sollen, sich diese verfluchte Stadt aus der Nähe anzusehen. Sie hätte auch nicht den Eindruck erwecken dürfen, dass diese Nimjinds wichtig genug waren, sich so nah an eine dunkle Kreatur wie Orbath heranzuwagen. Vor allen Dingen hätte sie verhindern müssen, dass sich ihr Schwertgriff in der Kapuze verhedderte und sie ihr vom Kopf rutschen konnte. Ein dummer Fehler, der Orbaths abwegige Gier erst richtig entfachte hatte.

Sie beobachtete, wie Elcaran neben Andoris trat. Nach einem leisen Wortwechsel verließ der Jüngere seinen Wachposten und zog sich unter einen der verkrüppelten Bäume zurück. Lemna folgte ihm wie ein Schatten.

„Er muss ruhen", meinte Elcaran leise, als Ayla sich zu ihm gesellte. Dann deutete er auf die Ebene vor ihnen. „Kannst du ihn sehen?"

Ayla konzentrierte sich auf das wenige Licht, das der heraufziehende Morgen schon brachte, auf Bewegungen, die nicht von Tieren stammten und erfasste schließlich den kleinen Breill, der geschickt wie ein Wiesel von Deckung zu Deckung eilte. Sie schätzte, dass er noch eine gute Stunde brauchen würde, sie zu erreichen. Genug Zeit für Andoris, Kraft zu finden, um die Enttäuschung zu ertragen, die Dingis mit sich bringen würde. „Boyar ist nicht mehr in Barcanem. Gilawan und meine Krieger wären sonst hier gewesen."

Elcaran neigte zustimmend den Kopf. „Ich weiß, aber vielleicht hat Dingis erfahren, wohin er gebracht wurde."

„Nach Naubar denke ich."

„Dingis sagt, die Stadt ist weit entfernt und der direkte Weg gefährlich geworden. Außerdem ist Boyar eine kostbare Ware, die Orbath nicht schinden wird." Abwesend strich der Elb einem der Wölfe über den Rücken, der sich zu ihnen gesellt hatte. „Vielleicht bleibt uns eine Möglichkeit, Orbath unterwegs abzufangen."

„Es ist viel Zeit verstrichen." Ayla hasste sich selbst für diese düsteren Überlegungen. Es klang, als hätte sie ihren treuesten Freund bereits aufgegeben. Zur Ablenkung zog sie die Verschlüsse der breiten Lederbänder nach, die ihre Unterarme schützten und rieb kurz über die silbernen Figuren darauf, die Jagdszenen darstellten. Boyar hatte sie ihr vor vielen Jahren geschenkt, nachdem er in Schaffenslaune von einer erfolgreichen Jagd heimgekehrt war. „Andoris scheint dir nahe zu stehen."

„Er ist der Sohn eines alten Freundes", erzählte der Elb bereitwillig. „Sein ungewöhnlich lebhaftes Wesen hat uns schon immer gewundert. Als wir in die Schlacht zogen, versprach ich meinem Freund, auf ihn acht zu geben. Manche Versprechen hält man wohl über den Tod hinaus."

Ayla forschte in seinen zeitlos schönen Zügen nach Anzeichen von Verbitterung, aber gleichmäßige Ruhe lag in ihnen. Doch etwas anderes fiel ihr auf und das war das atemberaubend tiefe Blau seiner Augen, das dem Gilawans verblüffend ähnlich war. „Ihr seid Brüder, Gilawan und du."

Elcaran lachte leise. „Wenn man den Worten unserer Eltern Glauben schenken darf, dann sind wir das wohl. Wir hatten uns schon gefragt, wann es dir auffällt."

„Ihr hättet es mir sagen können."

„Hätte es etwas geändert?" fragte er und gab auch gleich selbst die Antwort. „Ihr Arenai umkreist uns wie eifrige Hütehunde eine Herde Schafe, die aus allen Richtungen von Wölfen bedroht wird." Wie zum Zeichen der Entschuldigung zauste er dem Wolf neben sich den Kopf. „Der Rest interessiert euch nicht sehr. Wenn es nach dir ginge, hätte keiner von uns je einen Fuß aus dem Binnenland gesetzt, nicht wahr?"

Ayla wandte den Blick ab und konzentrierte sich scheinbar wieder auf Dingis, dessen raschen Atem sie bereits hören konnte. Sie würde Elcaran das Gefühl nicht erklären können, das Leben eines Elben wie Sand durch die Hände rinnen zu sehen und absolut nichts dagegen tun zu können. Es würde sich nicht wiederholen, weder mit diesen beiden Brüdern noch mit Andoris, der offenbar sehr genau Dingis Rückkehr eingeschätzt hatte, denn er stand wieder an ihrer Seite, kaum war Dingis in Rufweite. Der Breill war völlig außer Atem und offenbar am Verdursten, so eifrig stürzte er sich auf eine der Wasserflaschen.

„Kein Bier, Herrin", stieß er zwischen zwei Schlucken hervor. „Ich habe nichts angerührt."

Ayla hob die Brauen. Sie hatte auch nichts dergleichen vermutet. „Deine Enthaltsamkeit mag ja faszinierend sein, Dingis, aber sie interessiert mich im Moment nicht im Geringsten. Was ist mit Boyar?"

„Er ist nicht mehr dort", antwortete der Breill mit unruhig flackerndem Blick. „Schon einen Tag nach seiner Gefangennahme hat Orbath ihn schwer bewacht Richtung Dra-Baran geschickt. Selbst wenn sie den Felsenfall umgangen sind, müssten sie inzwischen eingetroffen sein."

„Wo liegt Dra-Baran?"

„Auf der halben Strecke nach Naubar, sieben Tagesritte, drei, wenn man durch den Felsenfall reitet." Dingis schüttelte sich. „Dort sammeln sie die Sklaven aus dem Umland für den Amon Naith und bringen sie dann in großen Mengen in die Festung. Einige werden sofort für die Drakan ausgesondert."

„Dann könnte er noch dort sein." Ayla wandte sich von ihm ab, ihren erwartungsvollen Männern zu. „Alles aufsitzen! Wir versuchen, Boyar in Dra-Baran abzufangen."

„Herrin, nein!" Dingis hielt sie am Ärmel fest. „Du weißt nicht, wovon du sprichst. Dra-Baran ist eine Garnison der Drakan, stark befestigt und voll mit ihnen. Man kann nicht einfach dort einfallen und einen der Gefangenen befreien. Außerdem wird er schon auf dem nächsten Transport in Richtung Naubar sein."

„Nicht, wenn wir durch diesen Felsenfall reiten."

Das schien ihn in die Nähe einer Ohnmacht zu rücken. „Melja Levaren kontrolliert den Tiefenweg, daran mußt du dich doch erinnern! Die Wache am Stadttor erzählte es. Er führt den letzten der alten Bergstämme an und tötet einfach jeden, der sich auch nur in die Nähe wagt."

Ayla hatte genug. Sie packte den Breill an seiner abgewetzten Weste und zog ihn näher an sich heran. „Und ich töte jeden, der mich noch weiter aufhält."

Sie schwang sich auf Glormirs Rücken und gab das Zeichen zum Aufbruch. Einer ihrer Männer nahm Dingis zu sich aufs Pferd und kurz darauf eilten sie nach Westen, vorbei an Barcanem und den umliegenden Bauernschaften, in denen ihnen trotz der frühen Stunde manch verwunderte Blicke folgten. Ayla war egal, ob sie gesehen wurden. Keiner dieser abgestumpften Tölpel wäre schnell genug, die Nachricht ihrer Ankunft noch vor ihnen bis nach Dra-Baran zu bringen, nicht, wenn sie den kürzesten Weg nahmen.

Erst als sie den Ort erreichten, den Dingis Felsenfall nannte, kamen ihr zum erstenmal Zweifel, ob ihre Entscheidung wirklich so klug gewesen war.

Tbc

@Shelley: Nee, er gibt sie nicht ab. Was der Haldir hat, das hat er, auch wenn es ihm auf die Nerven geht. Naja, die Preisschraube im Sklavenhandel ist wirklich beklagenswert, aber was soll man machen? Warte nur, bis auf Escalonde der Euro eingeführt wird, dann wird es wirklich schlimm.

@Amelie: Elrond ist wieder da. Zufrieden? Schaun mer mal, ob Hivia sein einziges Problem bleibt.

@Mystic Girl: Sie kann es nicht lassen. Bisschen zuviel mit Onkel Celeborn im Weinkeller gefeiert, hm? Die Zwillingen 30 Jahre alt? Bei 4 Promille trifft der Finger die Taste auch nicht mehr richtig. Glorfindel und die Zwillinge holen, Haldir erpressen? Elrond wedelt mit dem Zauberstab, puff, eine seltsame Gestalt erscheint in einer roten Qualmwolke. Erestor, ganz in Schwarz, der Ringgeist-Elb aus Bruchtal, lacht Mystic hämisch an. Die Zwillinge und Glorfindel verstecken sich hinter Mystic.

Glorfindel:*zitter* Nicht er! Bitte, Elrond, bitte nicht er!

Zwillinge:*sinken in die Knie* Wir werden auch immer brav sein. Schick ihn weg!

Erestor rollt mit den Augen: Mein Schatzzz! ...Neben ihm erscheint ein Stapel Bücher, ein Staubtuch und eine Maurerkelle...Ihr werdet die Chronik Mittelerdes auswendig lernen, Bruchtal wieder aufbauen und dann ordentlich saubermachen.

Mystic sieht sich verwirrt um. Drei Staubwolken am Horizont zeigen den Abgang ihrer Verbündeten: Äh, ich muss gehen. Racheplan 3 braucht noch Verbesserung.

Elrond, Erestor, Haldir und Ayla verschwinden in Arengards Weinkeller.