Disclaimer: Alles gehört Tolkien bzw. seinen Erben, ist nur geliehen und wird nachher wieder zurückgebracht.

14. Kapitel

Als sich der Staub legte, bot sich ein Bild der Verwüstung. Die Hälfte der Höhle existierte eigentlich nicht mehr. Die Decke dort hatte sich völlig abgesenkt und weder den Ausgang noch den Weg, durch den sie hereingekommen waren, konnten sie so noch länger erreichen. Im Rest der Höhle lagen abgebrochene Tropfsteinsäulen herum, türmten sich teilweise so hoch aufeinander, dass es unmöglich schien, über sie hinüber zu steigen. Unmöglich für einen Zwerg, Andoris hingegen kletterte mit großem Geschick zwischen den Trümmern umher und suchte sorgfältig jede Spalte ab, ob sich die Möglichkeit eines Fluchtweges bot. Er war zwar sehr ernst, doch die tiefe Verzweiflung, die Iven heimgesucht hatte, war ihm fremd.

„Wir leben", war sein Kommentar gewesen, als endlich Ruhe eingekehrt war. „Keiner ist ernstlich verletzt. Es hätte schlimmer kommen können."

‚Aber auch besser', überlegte Iven, während er dem Elb neidvoll bei dessen leichten Weg über die Steine zusah. ‚Ganz besonders hätte es nicht auch noch Andoris hier einschließen müssen.'

Schon wieder ein Versagen. Sein Vater würde vor Scham vergehen. Vielleicht war es ausgerechnet dieser Gedanke an seinen enttäuschten Vater, der ihn wieder mit neuer Energie erfüllte. Wenn es eine Möglichkeit gab, diesen Fehler wieder gutzumachen und König Beldoin neue Schmach zu ersparen, dann würde Iven sie finden.

Sie standen zumindest nicht mit leeren Händen da. Andoris hatte die Fackel gerettet, die noch sehr lange durch ihr fast unvergängliches Othun-Pulver brennen würde. Auch hatte er den Stoffbeutel mit ihrem Proviant und einem der schimmernden, leichten Seile nicht verloren. Hinzu kamen ihre Waffen. Niemand wusste schließlich, was sie noch erwarten würde. Jedenfalls konnten sie nicht hier darauf warten, dass man sich zu ihnen durchgrub. Der Schuttberg war einfach zu groß, um ihn wegzuräumen.

„Hier oben ist jedenfalls kein Durchkommen", rief Andoris mit leichter Enttäuschung von den aufgetürmten Tropfsteinsäulen herab. „Ich versuche es an der Seite."

Während er wieder zwischen den Steinen verschwand, streichelte Iven seufzend über die Mithril-Ader, die sie erst so in Schwierigkeiten gebracht hatte. Vielleicht hatten die Alten doch recht und alles Streben nach edlen Metallen und Juwelen konnte nur Kummer bringen. Und dennoch, es fühlte sich gut an unter seinen Händen.

Abwesend folgte er mit dem Blick dem Lauf der Ader, die sich deutlich vor der Felswand abhob und als Hauptader mit vielen kleinen Verästelungen immer weiter lief, bis sie in einer abwärtsgerichteten Kurve an der Stirnseite des halbverschütteten, fast leergelaufenen Sees verschwand. Zu erst hielt er es für eine Sinnestäuschung, doch auch nach mehrmaligen Zwinkern war die schmale Öffnung knapp über dem Wasserspiegel noch da.

„Andoris!" rief er aufgeregt und zeigte auf den See. „Vielleicht gibt es doch einen Weg hinaus."

Ohne auf seine noch schmerzenden Knie zu achten, rannte er los über die losen Steine und Trümmer, bis er das Seeufer erreichte. Er hatte sich nicht geirrt: eine halbkreisförmige Öffnung in der Felswand war dort, wo der See wohl schon seit Urzeiten abfloss. Iven watete in das eisig kalte Wasser, bis er die Tunnelröhre erreichte und spähte neugierig hinein. Viel konnte er nicht erkennen, doch es schien genug Platz, dass selbst der hochgewachsene Elb dort hindurchkriechen  und dabei den Kopf über Wasser halten könnte.

„Hm", machte Andoris, nachdem er ebenfalls eine Weile in die Röhre gestarrt hatte. „Sie ist ein wenig abschüssig. Wenn wir Pech haben, landen wir mitten in der Hölle. Andererseits, Oryn sagte schließlich, wir sollten der Mithril-Ader folgen und die verschwindet nun einmal hier. Wollen wir es wagen?"

Kaum hatte Iven entschlossen genickt, gab ihm der Elb die Fackel in die Hand und schwang sich in die Röhre. Iven wartete noch ein bisschen, dann drückte er die Fackel an der Felswand aus, um sich in der Enge nicht selbst zu entzünden und tastete sich im Dunkeln in den Tunnel hinein.

Eine Weile ging es recht gut. Es war zwar etwas abschüssig und auch glatt, aber da nur noch wenig Wasser floss, hatte er genug Raum zum Atmen. Andoris Stimme ertönte in regelmäßigen Abständen weiter vor ihm und signalisierte, dass alles in Ordnung war.

„Es wird steiler", waren nach weiteren Metern Andoris letzte Worte, bevor ein überraschter Aufschrei ihnen folgte.

Iven ging es durch Mark und Bein. So schnell es ging kroch er weiter durch die Röhre, um zu Andoris aufschließen, ihm vielleicht helfen zu können. Nur noch sehr schwer fand er Halt auf dem abschüssigen, glitschigen Boden, während er immer wieder den Namen des Elben rief, ohne auch nur eine leise Antwort zu erhalten. Er bewegte sich viel zu schnell und unvorsichtig, deswegen gelang es ihm nicht mehr, noch in der Bewegung zu stoppen, als auf einmal seine Hände ins Leere griffen.

Mit einem ähnlichen Schrei wie zuvor der Elb fiel er kopfüber in die nun steil nach unten führende Röhre. Festhalten war überhaupt nicht möglich. Iven schlug gegen die Tunnelwände, drehte sich um seine eigene Achse und wurde immer wieder von rechts nach links geschleudert. Ihm verging Hören und Sehen, so rasch war die Fahrt abwärts. Als ihm völlig schwindelig war und er schon glaubte, er würde nie wieder zum Stehen kommen, schoss er in hohem Bogen aus dem Ende der Röhre hinaus, segelte durch die Luft und landete geräuschvoll in tiefem, aber überraschend lauwarmen Wasser. Es war ihm zum Glück durch das Brandungsfischen mit seinen Brüdern kein fremdes Element. Schwerfällig durch die Kleidung und die Fackel, die er während der ganzen Schussfahrt fest umklammert gehalten hatte, strampelte er an die Wasseroberfläche zurück und kam prustend wieder an die Luft.

„Andoris?" rief er voller Sorge und sah sich hektisch um. Es war nicht wirklich dunkel in der Höhle, in der er nun gelandet war. Ein grünlicher Schimmer erfüllte das Wasser und die Wände in seiner Umgebung. „Andoris!"

„Hier bin ich." Der Elb kletterte auf einen großen Stein am Ufer und schüttelte sich etwas. Ein breites Lächeln erhellte sein schönes Gesicht. „Das nenn ich eine Fahrt, Freund Iven. Geht es dir gut?"

Iven erwiderte das Lächeln. „Durchgeschüttelt. Ich habe aber noch unsere Fackel."

„Gut gemacht. Komm an Land, ich glaube, es gibt dort hinten einen Ausgang." Andoris verschwand von seinem erhöhten Posten, um sich wohl Gewissheit zu verschaffen.

Mühsam paddelte Iven auf das Ufer zu, bis er endlich Boden unter seinen Füßen spürte. Als ihm das Wasser nur noch bis zur Hüfte ging, hielt er kurz an. Er rang nach Atem und betrachtete gedankenverloren die leichten Wellen, die den See zum Ufer hin durchquerten. Kein Vergleich zur Brandung der Zwischensee, auch wenn sie sich langsam verstärkten.

„Iven!" Andoris Schrei gellte von den Höhlenwänden wieder. Der Elbe stand wieder auf dem großen Stein. In einer kaum zu verfolgenden Bewegung hatte er seinen Bogen aufgenommen und einen Pfeil aus dem Köcher gezogen. „Eil dich!"

Ohne seine bewusste Entscheidung setzten sich angesichts der Warnung seine Beine in Bewegung. Iven hasste sich dafür, doch er warf einen angsterfüllten Blick über seine Schulter. Hinter ihm, nur noch wenige Meter entfernt bewegte sich eine riesige weißliche Masse durch das Wasser. Nicht so groß wie eine Meerschnecke, aber der flache, augenlose Kopf hatte ein kaum weniger gefährlich erscheinendes Maul, das sich bereits leicht geöffnet hatte. Ein Höhlenmolch, zwanzig Mal so groß wie seine Verwandten in den Grotten an der Küste, der Iven offenbar für eine lohnende Beute hielt.

Mit aller Kraft pflügte sich der Weißzwerg durch das Wasser auf das rettende Ufer zu. Ein singendes Geräusch erklang, gefolgt von mehreren weiteren. Als sich Iven das nächste Mal umdrehte, steckten Pfeile im Körper des Molches, doch es schien ihn nicht sonderlich zu beeindrucken. Iven stolperte das Ufer hinauf, hinter sich das Geräusch des bedenklich nah gekommenen Untiers.

Andoris sprang von dem Stein und lief an ihm vorbei auf das Wasser zu, sein Schwert bereits gezogen. „Du musst fliehen. Der Ausgang ist gleich dort hinten."

Iven machte einige Schritte in die Richtung, in die Andoris gezeigt hatte, dann blieb er stehen. Der Molch war groß und nicht an das Wasser gebunden. Andoris mochte ein guter Kämpfer sein, doch besser waren zwei, um das Monster zu erlegen. Fast ohne sein Dazutun zog er das Elbenschwert und wandte sich wieder um. Andoris tanzte vor dem großen Kopf des Molches hin und her, mit seinem Schwert stieß er immer wieder zu. Der Molch blutete bereits aus mehreren Wunden, doch auch das schien ihn nicht zu kümmern. Iven hob sein Schwert und rannte mit einem wütenden Schrei wieder zurück. Gemeinsam mit dem Elb stach er auf das Untier ein, landete mehr als einmal auf dem Boden, wenn ihn der lange, bewegliche Schwanz traf. Doch Iven wollte nicht aufgeben. Schließlich wurde es dem Molch dann endlich zu mühsam, sich diese Beute zu verschaffen. Etwas zögernd noch kroch er rückwärts in seinen See zurück.

Die beiden hielten sich nicht lange damit auf, ihren Sieg zu feiern. So schnell wie möglich liefen sie durch die Höhle, bis sie endlich den Ausgang erreicht hatten. Andoris nahm Iven die Fackel ab und entzündete sie rasch mit einem heftigen Streichen über die Felswand, dann liefen sie beide weiter, bis sie ganz sicher sein konnten, dass der Molch es sich nicht anders überlegen würde.

Schweratmend machten sie Halt und sanken auf den trockenen Felsboden. Sie waren beide noch völlig durchnässt, besudelt von dem Blut des Untiers und erschöpft von ihrem Abenteuer. Trotzdem dauerte es nicht lange, bis sie sich beide breit angrinsten.

„Kein schlechter Kampf für einen Zwerg", meinte Andoris anerkennend.

„Auch nicht für einen Elben", bekam er die passende Antwort.

Andoris stand wieder auf. Er streckte Iven die Hand hin und zog ihn wieder auf die Füße. „Lass uns weitergehen. Ich glaube, wir sind nicht mehr weit vom Fluss entfernt."

„Das denke ich auch", nickte Iven und berührte die breite Mithril-Ader an der Tunnelwand mit den Fingern, als wollte er einen alten Bekannten begrüßen.

***

Kaum war das fürchterliche Geräusch der herabstürzenden Höhlendecke in der Ferne verklungen, blieben sie alle wie auf ein stilles Zeichen hin stehen.

Haldir schloss die Augen und konzentrierte sich auf das, was Andoris Lebensenergie ausmachte. Es dauerte eine Weile, bis er die leichten Ströme entdeckte, die jedoch ohne jede Störung waren und anzeigten, dass der junge Elb unversehrt war. Iven konnte er so nicht entdecken, doch er ging davon aus, dass auch dieser in Sicherheit war. Das letzte, was sie von ihm gesehen hatten, war, dass Andoris ihn mit sich gezogen hatte. Es war nur bedrückend, dass Escalonde eine direkte Kontaktaufnahme verhinderte. Elrond wäre es sich leichter gefallen, doch der war weit entfernt.

„Wir müssen zurück", sagte Ayla. „Vielleicht können wir den Eingang wieder frei räumen. Sie sind bestimmt noch am Leben."

„Das sind sie", bestätigte Erebion ruhig. „Doch zurück können wir nicht. Ihr habt doch selbst gesehen, welche Massen dort heruntergebrochen sind."

„Irgendeinen Weg wird es geben." Jetzt wurde ihre Stimme schon lauter.

„Nicht von hier aus", sagte der Elb. „Sie werden einen anderen Ausweg finden."

„Ach ja? Hast du etwa schon die ganze Zeit einen Lageplan in der Tasche, von dem ich noch nichts weiß?" Förmliche Anreden schienen ihr jetzt wohl überflüssig.

Haldir schlug die Augen auf und beobachtete sie wachsam. Im Gegensatz zu Erebion war ihm diese Stimmung durchaus vertraut. Sie war wütend, unendlich wütend und dies war bei einer Arenai kein sehr angenehmer Zustand, besonders nicht bei dieser hier.

„Wenn es nun keinen anderen Ausgang gibt?" Sie baute sich bereits bedrohlich vor Erebion auf. „Sie könnten dort verhungern oder ersticken. Nicht jeder hat die Gabe, sich eine halbe Ewigkeit in tiefen Schlaf zu versenken, weil ihm gerade danach ist."

„Ayla, es reicht!" Haldirs schneidende Stimme ließ sie zusammenzucken. Sie fuhr zu ihm herum, um ihn zum nächsten Ziel ihres Zorns zu machen.

„Es reicht!" wiederholte er. „In der Höhle war Wasser und das bedeutet, dass es für Oryn eine Möglichkeit geben wird, sie zu erreichen."

„Wenn er es nicht schon längst versucht", kam Elcaran in seiner ruhigen Art zu Hilfe. „Wir sollten weitergehen und die Boote finden. Oryn wird dort sein."

„Dies scheint mir am vernünftigsten", sagte Melja nun auch.

Ayla sah von einem zum anderen, dann drehte sie sich mit einem unterdrückten Fluch um und marschierte davon, die Fackel wie ein erhobenes Schwert in der Faust.

Erebion atmete langsam aus. „Ich dachte, sie geht mir an die Kehle."

„Gut gedacht", sagte Haldir ironisch und machte sich daran, ihr zu folgen.

Niemand war so recht glücklich damit, dass sie ausgerechnet die beiden jüngsten ihrer Gruppe zurücklassen mussten. Melja mochte Andoris zwar an Jahren unterlegen sein, doch der Levarin verfügte sicherlich über sehr viel mehr Erfahrung. Ihn anstelle des Nimjind bei Andoris zu wissen, hätte einiges zu Haldirs Beruhigung beigetragen. Stattdessen war es Iven, ausgerechnet der Zwerg. Seine Fähigkeiten wollte sich Haldir gar nicht erst vorzustellen. Er hatte ein bestimmtes, in langen Jahrtausenden und Auseinandersetzungen geformtes Bild von den Zwergen. Iven entsprach ihm nicht einmal in den kleinsten Teilen davon. Der Junge war schüchtern, tollpatschig und erschrak zu allem Überfluss vor seinem eigenen Schatten. Selbst Andoris war ihm himmelweit überlegen. Er konnte nur hoffen, dass beide Ruhe bewahrten,  bis sie irgendwie Hilfe organisieren konnten. Nicht auszudenken, wenn die beiden auf eigene Faust etwas unternahmen.

„Du machst dir Sorgen", stellte Elcaran sehr leise fest.

Haldir runzelte die Stirn. „Du etwa nicht?"

„Wenn kein neuer Erdstoß die Höhle endgültig zum Einsturz bringt, werden sie es überstehen", antwortete Elcaran. „Andoris hat sich auf Arenor bislang nicht von seiner besten Seite gezeigt, aber es steckt viel in ihm."

Das Stirnrunzeln wurde noch etwas strenger. Haldir hatte sich schließlich nur mit Mühe beherrschen können, den jungen Elb zu verprügeln für das, was er sich mit Boyar geleistet hatte. Es war sicherlich nicht Andoris zu verdanken, dass der Arenai im Tod eine besondere Gnade durch Oromes Herold erlangt hatte. Unwillkürlich heftete sich sein Blick auf Aylas dunkle Gestalt, die einige Meter vor ihnen mit langen Schritten durch den Tunnel eilte. Sie verdankte Andoris wahrscheinlich einige der schwärzesten Stunden ihres ganzen Lebens. „Ayla, du bist zu weit voraus."

„Dann geh schneller!" fauchte sie, ohne sich umzudrehen.

„Lady Galadriel hat ihn sicher nicht ohne Grund in den Kampf geschickt", erinnerte Elcaran ihn. „Und er hat gut gekämpft, das weißt du."

„Ja und ist gestorben", antwortete Haldir, ohne die Bitterkeit in seiner Stimme überdecken zu können. „Zu viele sind dort gestorben. Ich war dagegen, dass man den Jungen auswählt. Es gab genug andere, die mehr Erfahrung hatten."

„So wie wir beide", erinnerte ihn Elcaran mit einem Lächeln. „An der Erfahrung alleine kann es also nicht gelegen haben. Vielleicht war es alles Bestimmung."

Haldir hörte ihm nicht wirklich zu. Etwas irritierte ihn ganz gewaltig. Er blieb stehen und versuchte, die Quelle seiner Beunruhigung auszumachen. Ein neues Erdbeben war es wohl nicht, das er spüren konnte.

„Was ist nun schon wieder?" Auch Ayla war stehen geblieben und gestikulierte ärgerlich. „Wir haben nicht alle Zeit der Welt."

Alle verharrten sie inzwischen ruhig und versuchten zu ergründen, was um sie herum vorging. Denn dass irgend etwas im Gange war, das war sicher. Escalonde schien einfach nicht sehr erfreut darüber, dass sie sich tief in seinen Eingeweiden bewegten, selbst wenn sie von einem Maia angeführt wurden.

„Jetzt reicht es", kam es von der Schildmeisterin. „Ich kann den Fluss schon hören. Meinetwegen könnt ihr ja hier auf eine Erleuchtung warten."

Sie konnte den Fluss hören? Dies war überhaupt nicht möglich. Haldir besaß ein annähernd perfektes Orientierungsvermögen und dies sagte ihm mit alarmierender Deutlichkeit, dass sie noch lange nicht an ihrem Ziel waren. Wenn sie ihn allerdings hören konnte...

„Komm sofort zurück!" schrie er und rannte los.

 „Was..?" Der Rest ihrer Frage ging in dem verstörenden Geräusch berstenden Gesteins unter. Eine breite Spalte tat sich an der Stelle auf, an der die Arenai zuvor gestanden hatte. Sie versuchte noch, sich mit einem Sprung zu retten, doch der Boden, den ihre Füße berührten, brach ebenfalls unter ihr weg.

Haldir war nicht schnell genug. Er hatte sie fast erreicht, als sie in der Spalte verschwand und von den Wassermassen des unter ihren Füßen dahin rasenden Flusses mitgerissen wurde. Sie konnten es sich nicht leisten, auch nur einen Moment größerer Überlegungen zu verschwenden. Selbst ohne ihre schwere Kleidung hätte sie nicht den Deut einer Chance. Haldir riss sich die Packtasche,  seinen Umhang und die Waffen herunter. Elcaran warf ihm ein eilig ausgerolltes Seil zu. Die Hand durch die Schlinge am Ende gesteckt, sprang der Waldelb mit einem tiefen Atemzug in die rasch dahinziehenden Fluten.

Das Wasser war eisig, doch es würde ihn sicherlich nicht umbringen. Er kam wieder an die Oberfläche und versuchte, im wenigen Licht, das durch die Erdspalte fiel, die Arenai auszumachen. Sehr schnell entdeckte er sie ein gutes Stück vor sich. Sie war noch nicht untergegangen, kämpfte aber mit hektischen Bewegungen darum, irgendwo an den Felswänden einen Halt zu finden.

So schnell es ging, setzte er ihr nach. Ihre Lage war schlimmer als gedacht. Nicht weit vor ihr senkte sich die Decke noch weiter herab. Dies musste die Stelle sein, von der Oryn gesprochen hatte. Dreißig Meter tief durch den Fels ohne die geringste Möglichkeit zu atmen...

Es schien ihr zusehends schwerer zu fallen, mit dem Kopf über der Wasseroberfläche zu bleiben. Haldir blieb fast das Herz stehen, als sie dann völlig untertauchte. Kurz danach kam sie wieder nach oben, eine blutende Wunde an der rechten Schläfe. Sie musste an die Felswände geschlagen sein. Endlich gelang es ihr, sich an einem kleinen Vorsprung zu klammern und er erreichte sie bald.

„Halt dich fest!" befahl er, doch nur ein seltsam unsteter Blick traf ihn. Während er ausgiebig fluchte – in Sindarin, in Westron und allen anderen ihm bekannten Sprachen – umfasste er sie mit einem Arm und zog sie näher zu sich. Anstatt ihm zu helfen, wollte sie die Umklammerung des rettenden Felsvorsprungs einfach nicht lösen.

„Lass endlich los!" schrie er sie an. „Ich werde dich diesmal wirklich verprügeln, wenn du es nicht machst. Ich lass dich nicht untergehen, Ayla!""

Diesmal drang er zu ihr durch. Offenbar schien er ein besserer Halt als dieser Fels, denn rein instinktiv streckte sie ihm die Arme entgegen und umklammerte seinen Hals. Sie tauchten beide kurz unter, doch das machte nicht mehr viel. Kaum hatte er einige Male fest an dem Seil geruckt, straffte sich dieses und sie wurden wieder stromaufwärts gezogen. Schneller als Haldir erwartete hatte, kamen sie wieder an ihrem Ausgangspunkt an. Hilfreiche Hände streckten sich ihnen entgegen und zogen sie in den Tunnel zurück.

Haldir hätte sich am liebsten sofort zu Boden sinken lassen, doch genau dem traute er nicht mehr so recht. Erst als sie ein gutes Stück an der Spalte vorbei waren, brauchte er endgültig eine Rast. Zu aller Verwunderung war die Arenai die Strecke auf eigenen Beinen gelaufen, nur leicht gestützt von Erebion, der sie allerdings mit offenkundiger Besorgnis musterte. Zu Recht, denn kaum hielten sie an, knickte sie regelrecht ein. Der Elb fing sie auf und ließ sie langsam zu Boden gleiten, gestützt an der Tunnelwand.

Ayla hustete, spuckte Wasser und bekam kaum Luft. Wasser lief aus ihren Haaren und vermischte sich mit dem Blut an ihrer Schläfe. „Es geht schon", keuchte sie dazwischen.

„Gar nichts geht", grollte Haldir. Ohne auf ihre von Hustenanfällen untermalten Proteste zu achten, zog er ihr unwirsch den vollgesogenen Mantel vom Leib. Während er an ihren Schultern die Schließen der Lederweste aufzog, konnte er unter seinen Fingern die schweren Metallringe spüren, die zwischen den Stoffschichten eingearbeitet waren.

„Du hättest dir sofort einen Eisenbarren um den Hals binden sollen, dann wäre es schneller gegangen", schimpfte er halblaut. Zum Glück war wenigstens ihr Hemd trocken, angesichts des Mitra-Leders kaum verwunderlich.

Melja reichte eine dünne Decke und Ayla griff etwas unsicher danach, um sich die Haare zu trocknen.

„Später", meinte Elcaran sanft und drückte ihre Hände beiseite. Er hatte ein Kräuterkissen aus seiner Packtasche genommen und presste es mit einem entschuldigenden Lächeln auf den tiefen Riss, den sie an ihrer Schläfe hatte. „Ich bin zwar nicht Elrond, aber das hat er uns mitgegeben für Situationen wie diese."

Langsam entspannten sie sich. Haldir verspürte einen ungewohnten Anflug von Optimismus. Es war nicht wirklich Unheil eingetreten. Nun gut, die Schildmeisterin der Arenai wäre fast in einem namenlosen, unterirdischen Fluss ertrunken, doch eben nur fast. Er strich sich das Wasser aus der Kleidung und betastete vorsichtig die Stellen, an denen sie sich an seinem Hals festgeklammert hatte. Wahrscheinlich sah er aus, als hätte ein Uruk'hai versucht, ihn zu erwürgen. Ein geringer Preis dafür, dass sie noch am Leben war.

Ayla hatte ihn dabei beobachtet. „Es tut mir leid", sagte sie.

Er hob eine Braue.

„Immerhin hatte ich mir den Kopf angeschlagen", murmelte sie.

Er schwieg. Es wäre auch sonst zu einfach.

„Du willst wirklich, dass ich es laut ausspreche", erkannte sie ärgerlich. „Also gut, ich kann nicht schwimmen. Zufrieden?"

Erebion schien sich in eine Statue zu verwandeln, nur seine Augen leuchteten vor unterdrückter Heiterkeit. Elcaran hingegen schüttelte einfach nur den Kopf und nahm das Kräuterkissen von der Wunde. Sie hatten es beide schon gewusst, zumindest jedoch geahnt.

Haldir beugte sich vor und zog Ayla wieder auf die Beine. Anstatt sie loszulassen, hielt er sie eine Armlänge vor sich. „Ich bin ganz und gar nicht zufrieden", stieß er wütend hervor. „Wenn wir jemals aus diesem verdammten Abenteuer zurückkehren, wirst du schwimmen lernen. Verstanden?"

Ihre grauen Augen nahmen vor unterdrückter Wut fast einen Silberton an. „Kein Arenai kann schwimmen."

„Du wirst es lernen", bekräftigte er nochmals. „Elben können schwimmen."

„Arenai-„

„Arenai sind Elben. Wann wirst du das endlich begreifen?" unterbrach er sie unbeherrscht. Bevor er ihr jetzt doch noch den Hals umdrehte, ließ er sie einfach stehen. Er hätte auf Mittelerde einfach besser aufpassen und nicht sterben dürfen, dann wäre ihm das alles hier erspart geblieben. Oder auch nicht, erkannte er düster. Elrond ist freiwillig in den Westen aufgebrochen und ebenso auf Arenor gelandet.

In gleichem Maße wie seine Kleidung trocknete, legte sich auch sein Ärger wieder. Er war nicht wirklich wütend auf sie gewesen, nur entsetzt, dass sie fast gestorben wäre. Erst mussten sie Andoris und Iven in einer ungewissen Lage zurücklassen und dann fand auch noch fast Ayla vor seinen Augen den Tod. Alles nur, weil ‚Arenai schwimmen nicht' offenbar fester Bestandteil ihrer Lebenseinstellung war.

So unendlich stur, seufzte er im Stillen, dabei konnte sie auch ganz anders sein. Nachdenklich fasste sich Haldir an die Stelle an seiner Stirn, an der vor Monaten der unselige Tropfen Blut hervorgequollen war, der ihn an sie band. Warum musste es ausgerechnet sie sein? Brüder, er hatte fast sein ganzes Leben mit jüngeren Brüdern verbracht. Mit denen konnte er umgehen, meistens jedenfalls. Was bei Eru sollte er mit Ayla? Diese Verbindung konnte nur aus einem Alptraum entsprungen sein. Oder Rumil und Orophin hatten sie sich erdacht, als Rache für lange Jahrhunderte unter der Fuchtel eines pflichtbewussten, älteren Bruders, der ihre längst vergangenen Eltern ersetzte.

Er hoffte, es ging den beiden gut. Wünschte ihnen ein langes, glückliches Leben, ob nun auf Mittelerde oder vielleicht schon im Westen, wo sie sich irgendwann wieder begegneten.

„Ehm, Haldir."

Meljas verlegene Stimme schreckte ihn aus seinen Gedanken. Ein Blick auf das Gesicht des Levarin genügte, neues Unheil anzukündigen. „Was?"

„Die Sache mit dem Schwimmen."

„Du kannst es auch nicht", erkannte der Waldelb mit ersterbender Stimme. „Was ist mit Iven?"

„Oh, die Nimjinds sind halbe Fische."

Auf einen Schlag legte der Zwerg ungeahnte Sympathien zu. Wenigstens einer, dachte Haldir, jetzt müssen wir ihn und Andoris nur noch wiederfinden.

Nach Stunden in dem kurvigen Tunnel, der allerdings nirgendwo mehr auf eine Höhle oder Abzweigung traf, war es immer deutlicher geworden. Diesmal war das Geräusch des Flusses keine Irreführung. Es waren nur noch wenige Schritte, dann erreichten sie den Ausgang. Der Fluss floss wieder ruhig und offen, die beiden Boote lagen am flachen Ufer und an einer trockenen Stelle brannten Othun-Steine in einer Mulde.

„Da sind sie!" rief eine vertraute Stimme.

Im nächsten Augenblick rannten ihnen Andoris und Iven freudestrahlend entgegen. Die beiden schienen unversehrt. Im Gegenteil, sie sprühten nur so von Lebenslust und überschlugen sich dabei, von ihrem Abenteuer zu erzählen.

„Ich merke, dass ich alt werde", lächelte Elcaran etwas später, als sie alle am Feuer saßen und sich die Geschichte anhörten, die Andoris und Iven im Wechsel erzählten. „Es scheint ihnen sogar Spaß gemacht zu haben."

„Sicher nicht, Herr", sagte Iven hastig, doch seine leuchtenden Augen verrieten ihn.

Haldir unterdrückte ein Lächeln. „Ihr beide habt euch gut geschlagen."

„Andoris..." Vor lauter Verlegenheit bekam der Nimjind keinen weiteren Ton mehr heraus.

„Oh nein", widersprach sein Freund. „Du hast immerhin den Ausgang entdeckt und mit auf den Molch eingestochen. Das haben wir schon zusammen geschafft."

„Du solltest ein Lied darüber verfassen." Erebion fixierte die Arenai mit einem boshaften Blick. „Nicht wahr, Schildmeisterin?"

„Er kann verfassen, was er will", antwortete sie und erhob sich. „Solange er es nicht auch noch singt. Heute nacht will ich meine Ruhe haben."

Für jemanden, der gerade fast ertrunken war, hatte sie recht wenig Respekt vor Wasser, sonst hätte sie sich kaum zum Schlafen in eines der Boote zurückgezogen. Als wären ihre Worte ein Signal, kehrte langsam Ruhe ein. Melja und Iven schliefen sehr schnell ein. Ihre gleichmäßigen Atemzüge zeigten an, dass sie der vergangene Tag nicht genug beunruhigte, schlechte Träume zu erleben. Elcaran und Andoris streckten sich ebenfalls aus, um zu ruhen. So blieben zum Schluss nur noch Erebion und Haldir übrig.

„Ich werde wachen", erklärte Erebion gedämpft. „Mir scheint, die ruhigen Zeiten unserer Reise nähern sich dem Ende. Etwas Vorsicht ist wohl angebracht."

„Es sind recht viele Unglücksfälle in so wenigen Tagen", sagte Haldir. „Das Land selber scheint uns nicht mehr sehr wohlgesonnen."

„Wundert es dich? Es ist verdorben und je näher wir dem Amon Naith kommen, desto stärker wird die Dunkelheit in ihm. Es hatte nie die Gelegenheit zu gesunden, so wie es dem Wald wohl gelungen ist."

Haldir nickte nur und erhob sich. Er würde in dieser Nacht nicht wirklich Ruhe finden. Zu viele Worte und Gedanken gingen in seinem Kopf herum. Erebions Befürchtungen waren auch die seinen. Egal, was Oryn ihnen versprochen hatte, er würde sie nicht ganz an ihr Ziel führen können. Es war unwahrscheinlich, dass seine Kinder sich unter dem Berg ihr Wohlergehen erhalten hatten. Sie waren nun schon weit in das Land vorgestoßen, am nächsten, spätestens am Tag darauf mussten sie auf die Ausläufer des Amon Naith treffen und dort würden Oryns Kräfte enden.

Es war kein Zeichen für die Zukunft, dass sie bislang alles unbeschadet überstanden hatten. Fast jedenfalls, berichtigte er sich, als er geräuschlos in das Boot sprang und sich auf der Sitzbank im Heck niederließ, in dem die Arenai in eine Decke gerollt schlief. Er strich ihre Haare beiseite und betrachtete den Riss an ihrer Schläfe. Er heilte bereits und nach allem, was er über die Arenai wusste, trugen sie von Verletzungen in dieser Welt niemals Narben davon. Nur aus ihren Träumen brachten sie diese mit. Unauslöschliche Erinnerungen an fürchterliche Prüfungen, die ihnen immer wieder auferlegt wurden.

Was hatte der Maia noch gesagt? Fast nur mit den alten Kriegstugenden ins Leben zurückgeschickt... Wiedergeborene Elben aus alten Zeiten, ohne Erinnerung an die Vergangenheit und mit einer einzigen Aussicht für die Zukunft. Wer mochte sie gewesen sein, bevor sie vor langer Zeit zu Agir geschickt wurde?

Ein Blick wie ein silbriger Lichtstrahl zog ihn aus seinen Gedanken. „Melancholie?" fragte sie leise und richtete sich auf. „Du hast dir eine schlechte Zeit ausgesucht, um des Lebens überdrüssig zu werden, mein Freund."

„Ich wollte deinen Schlaf nicht stören."

Sie wehrte mit einer Handbewegung ab. „Es ist nicht mehr so erholsam wie früher. Wir träumen jetzt seltsame Dinge."

„Aber sie sind nicht so gefährlich."

„Wer weiß das schon. Also, bist du nun des Lebens überdrüssig?"

„Du vergisst, dass ich bereits gestorben bin", lächelte er.

„Ah, immer die alte Geschichte", schmunzelte sie, um schnell wieder ernst zu werden. „Wen hast du auf Mittelerde zurückgelassen, Haldir?"

„Zwei Brüder."

„Brüder." Das Wort kam heraus wie der Teil einer Melodie. „Ich habe keine Familie, an die ich mich erinnere. Keine richtige, meine ich. Wie ist es, Brüder zu haben?"

Jahrtausende in der Gewissheit nicht alleine zu sein. Gemeinsame Erinnerungen, Trauer über den Verlust der Eltern und auch eine gewisse Bequemlichkeit, die ihn immer davon abgehalten hatte, eine eigene Familie zu gründen. Solange Rumil und Orophin da waren, hatte er es nicht für nötig gehalten. Wenn er nun sein Leben betrachtete, fragte er sich, ob es wirklich gut und sinnvoll gewesen war. Ein ganzes Zeitalter und es blieben nur zwei Personen, die ihm wirklich nahegestanden hatten.

„Ich bitte dich um Verzeihung", sagte sie, als das Schweigen sich hinzog. „Es lag nicht in meiner Absicht, dir eine so persönliche Frage zu stellen."

„Das war es nicht", sagte er schnell. „Ich frage mich nur, ob ich mein Leben nicht vergeudet habe. Keine eigene Familie, nur meine Brüder."

„Du standest ihnen nahe."

„Sehr."

„Wie kann es dann vergeudet sein?" Unbewusst tasteten ihre Finger nach ihrem Schwert und fuhren über den kunstvollen Griff. „Wir haben überhaupt keine Familien so wie ihr sie kennt. Der einzige, der mir je so nahe stand, war Boyar und den habe ich selbst getötet. Wenn einer hier sein Leben vergeudet hat, dann sicherlich nicht du."

Sie war in einer beunruhigenden Stimmung, befand er. Nicht, dass ihr diese Niedergeschlagenheit nicht gestattet sein sollte, aber der Zeitpunkt war ungünstig gewählt und offenbar hatte er es verursacht. „Melancholie bei einer Arenai? Wenn es so weitergeht, wirst du noch anfangen zu singen."

Grinsend schlug sie nach ihm. „Darauf kannst du lange warten, Waldelb, eher schmilzt der Schnee auf den Sternenbergen."

„Seltsame Dinge geschehen gelegentlich." Haldir lehnte sich nun wieder entspannter an die Bordwand und stützte den Kopf daran ab. „Hier ganz besonders."

„Der Amon Naith wird uns nicht gerade willkommen heißen", sagte sie bestätigend. „Oryn kann uns nicht mehr lange leiten, meinst du das?"

„Einen Tag noch, höchstens zwei. Dann sind wir auf uns gestellt und können nur hoffen, dass Erebion den Silmaril schnell aufspürt."

„Das wird ihm nicht gelingen." Ohne Regung hielt sie seinen durchdringenden Blick aus. „Ich glaube nicht länger, das dies seine Aufgabe sein soll. Erebion ist dazu bestimmt, das Juwel in seinen Händen zu halten. Wir anderen würden es wohl kaum ertragen. Aber finden wird ihn ein anderer."

„Und wen hast du da im Sinn?"

„Iven."

„Oh nein", widersprach er kopfschüttelnd. „Nicht unser Zwergenprinz! Ayla, es ist doch sonst nicht deine Art, einen anderen zu hoch zu schätzen. Ich gestehe zwar ein, dass er anders ist, als ich erwartete und ich noch nichts fand, dass mich an die alten Händel mit den Zwergen Mittelerdes gemahnte. Aber Iven ist noch jung, wenig im Kampf erprobt und seine Welt besteht aus Ängsten und inneren Abgründen. Er hat viel von einem Träumer."

„Er hat die alten Gaben der Zwerge", sagte sie sehr leise. „Das Gefühl für die Schätze der Erde. Sie rufen ihn regelrecht. Iven wird für uns den Silmaril aufspüren und ich bin sicher, dass Elrond das wusste."

„Das macht es auch nicht einfacher."

„Wenn du es einfacher haben wolltest, hättest du dich auf der Lichtung in Gildanna von mir fernhalten sollen als Oryn befreit wurde."

„Und dich sterben lassen?"

„Du konntest mich nicht einmal leiden."

„Wer sagt dir, dass ich es heute kann?"

Einen Moment starrte sie ihn an, dann erhellte ein Lächeln ihr Gesicht. „Du bist wirklich grässlich, Waldelb."

„Ich weiß. Schlaf noch etwas, Ayla, bei unserem Glück endet die ruhige Reise ohnehin schon morgen und nicht erst am Tag darauf. Eine unausgeschlafene Arenai möchte ich dann nicht an meiner Seite haben." Er sagte nicht, dass er immer noch lieber mit einer halbbetäubten Arenai zusammen kämpfen würde als mit vielen anderen, die er im Laufe seines Lebens gekannt hatte. Trotzdem verriet ihm ihr zufriedenes Gesicht, als sie sich wieder zurücklehnte, dass ihr das durchaus klar war.

Haldir versenkte sich in den Anblick der Wasserspiegelungen an der Tunneldecke und fand die Ruhe, die er abseits eines Platzes, an dem ihm der Anblick der Sterne sonst so schnell neue Kraft gab, auch bitter nötig hatte. Die Geräusche der Schlafenden und des Wassers vermischten sich mit denen aus seiner Erinnerung und Träumen.

Tbc

@Shelley: Jetzt hat er sie auch noch aus dem Wasser rausgezogen, es wird immer schlimmer *smile* Ich mag den Zwerg auch, Haldir wird sich schon an ihn gewöhnen, irgendwann...vorausgesetzt der Kleine wird so alt.

@Amèlie: Lass uns das ‚`' teilen, immerhin ist Nikolaus. Na, schon den geliehenen Höhlentroll-Stiefel aus der Garage geschleppt, damit der bärtige Elb in der roten Samtrobe ihn auffüllt? Iven zwergelt? *grins* Wenn er im Boot mit Grabungen beginnt, merkt Haldir es wahrscheinlich spätestens dann, wenn ihn Nemo begrüßt.

@Loriel: Wenn das so einfach wäre, obwohl ich mir kaum was Angenehmeres vorstellen könnte. Aber hier ist zum Beispiel der gesamte Rahmen von Tolkien ausgefeilt. Das macht es einfacher. *seufz* Originalgeschichten...schwierig...nicht unmöglich, aber verdammt schwer.

@MysticGirl: Haldir sieht nicht alt aus! Wenn er sich auf Helm's Klamm steif bewegt hat, lag das an dem Ork-Schwert in seinem Rücken. Das ist sehr hinderlich und stört beim Lachen. Außerdem zerrupft ein Elb keine Blume.

Haldir: War auch keine, sondern eine Stinkmorchel.

Ayla *rümpft die Nase*: Das erklärt einiges.

Haldir: Ich habe was anderes gemurmelt. Sie säuft ab, sie säuft nicht ab.

Ayla: Das war ein geplanter Tauchgang.

Haldir fällt vor Lachen aus dem Boot.

Ayla: Ich rette ihn jedenfalls nicht.