Disclaimer: Alles gehört Tolkien bzw. seinen Erben. Das ist sehr frustrierend.

17. Kapitel

Erebion und Haldir stießen die Tür so heftig auf, dass die beiden schweren Eisenflügel krachend gegen die Wand schlugen. Für einen kurzen Moment schien die Zeit still zu stehen und gab ihnen Gelegenheit, die Situation zu erfassen, die sie hier erwartete. Sechs Wachen, vier davon an den Wänden verteilt, zwei weiter vor ihnen im Raum an den Seiten eines wuchtigen Tisches, starrten sie voller Überraschung an. Ein weiterer Mann, dessen Nase offenbar gerade erst gebrochen worden war, wartete auf halber Strecke. Melja stand an der linken Wand, die Arme auf dem Rücken gefesselt und von Schlägen gezeichnet, aber nicht wirklich ernsthaft verletzt. Gute zehn Meter vor ihnen beugte sich eine dunkle, nur schwer zu erfassende Gestalt, die nur einer der Bergherren sein konnte, über die Arenai, die immer noch schrie, während sie langsam in die Knie sackte.

Der Moment der Erstarrung verging. Haldir wich nach rechts aus, Erebion nach links, die nächststehende Festungswache zum Ziel. Hinter ihnen erschienen Elcaran und Andoris in der Tür. Sie hatten die Bogen erhoben und die Pfeile bereits angelegt. Haldir bemerkte nur aus den Augenwinkeln, wie die beiden Wachen, die am Tisch standen und der Arenai am gefährlichsten werden konnten, mit Elbenpfeilen in der Brust zu Boden geschleudert wurden. Elcaran und Andoris nahmen die Bogen herunter und warfen hastig die Türflügel wieder zu. Kein Bewohner dieser Festung würde diesen Raum lebend verlassen, am allerwenigsten der Mann, der gerade sein Schwert hochriss, um Haldirs Schlag abzufangen.

Die Elbenklinge schlug eine tiefe Kerbe in das Menschenschwert, der Mann stolperte mit einem Schmerzenslaut zurück und umfasste dann beidhändig den Griff, um wenigstens den zweiten Schlag besser aufhalten zu können. Haldir holte diesmal von unten aus, schlug mit aller Kraft gegen die beschädigte Klinge. Der Schwertarm der Wache wurde nach oben weggerissen, seine rechte Seite war völlig ungedeckt. Das Schwert fuhr mit flacher Klinge in seine Körpermitte und zog einen tödlichen Schnitt bis zu seiner Wirbelsäule.

Auf der anderen Seite des Raumes zog Erebion sein Schwert aus der Brust eines Mannes und von Gilgrim ergoss sich ein Regen aus Blutstropfen über einen der Wandteppiche. Hastig ging er dazwischen, als sich der Mann mit der gebrochenen Nase statt auf die Eindringlinge auf den hilflosen Levarin stürzen wollte. Hinter ihm flitzte Iven vorbei, seine zierliche Waffe hocherhoben. Der Zwerg begann wie wild, an Meljas Handfesseln zu säbeln.

„Conrin gehört mir!" brüllte der Levarin immer wieder Erebion an.  „Überlass ihn mir!"

Mit einem Schulterzucken manövrierte der Elb seinen Gegner aus und wandte sich der letzten Wache auf seiner Seite zu. Melja hatte Iven das kleine Schwert entrissen und deckte Conrin mit einem Hagel aus Schlägen ein, die so schnell und wütend geführt wurden, dass der andere gar nicht dazu kam, einen Vorteil aus seiner größeren Waffe zu ziehen. Melja zerlegte ihn regelrecht wie ein Stück Wild.

Ayla war jetzt verstummt und dies nahm Haldir keineswegs als gutes Zeichen.

Anstatt sich ihm jedoch zu stellen und die Sache zu beschleunigen, entschloss sich sein letzter Gegner zur Flucht. Mit einem Fluch setzte er ihm nach, als dicht an seiner Schulter ein Pfeil vorbeischwirrte und den Mann in den Nacken traf. Er stolperte nach vorne und noch ein zweiter Pfeil bohrte sich tief zwischen seine Schulterblätter.

Ein schrilles, unnatürlich hohes Kreischen ließ Haldir herumfahren. Der Bergherr hatte seine schwarzen Klauen von der Arenai gelöst, die wie eine leblose Puppe zu Boden glitt. Er wich gekrümmt vor ihr zurück, die Arme noch erhoben. Von seinen Handgelenken strömte aus tiefen waagerechten Schnitten dunkelrotes Blut auf den Boden. Langsam sank er in die Knie.

Erebion war mit zwei Schritten bei ihm. Zum Zeichen der Warnung bohrte sich Gilgrims Spitze an der Stelle in die Haut, an der die Halsschlagader sein musste und sofort brach das Kreischen ab.

Haldir schlitterte durch die Blutlachen auf die leblose Arenai zu. Sie war nicht tot, das wusste er, noch nicht jedenfalls. Als er sie vorsichtig an den Schultern umdrehte, rutschte ein flaches schwarzes Metallstück aus ihren gefesselten Händen. Bevor die kunstvoll verzierte Scheibe zu Boden fallen konnte, fing er sie mit einer Hand auf und konnte gerade noch verhindern, dass er sich an dem messerscharfen Rand die Fingerkuppen abtrennte. Jetzt wusste er allerdings auch, wer dem Bergherrn die Arme aufgeschlitzt hatte und woher das Blut in ihren Handflächen kam.

Vorsichtig durchtrennte er mit der Wurfscheibe die Lederfesseln. Aylas rechter Arm glitt einfach an ihrem Körper entlang zu Boden, ihr linker Arm vollendete die gleiche Bewegung nur deswegen nicht, weil Haldir auf dieser Seite neben ihr kniete. Als er sie etwas aufrichtete, fiel ihr Kopf nach hinten.

„Ist sie tot?" Andoris war kaum zu verstehen. „Haldir, ist sie tot?"

Haldir legte seine Hand an ihren Hals. Er wollte ihren Kopf anheben und auch gleichzeitig das beruhigende Gefühl unter seinen Fingern spüren, mit dem ihr Herz noch immer das Blut durch ihre Adern pumpte. Langsam schüttelte er den Kopf. Nein, sie lebte, zumindest ihr Körper erfüllte noch immer seine Aufgaben, doch ihre vertraute Gegenwart fehlte.

Andoris seufzte auf, als ihre Lider zu flattern begannen und sich schließlich wie unter Schmerzen hoben. Haldir atmete scharf ein. Adern waren unter einer ungeheuren Anstrengung in ihren Augen geplatzt und umgaben jetzt die Iris mit einem unregelmäßigen, hellroten Kranz. Am schlimmsten war die gespenstische Leere ihres Blicks, mit dem sie ihn nur mühsam fixieren konnte.

„Töte ihn", flüsterte sie. Ihre linke Hand krallte sich in seinen Umhang, ihre rechte glitt auf der Suche nach der Wurfscheibe über den blutverschmierten Boden.

Haldir hörte das Geräusch, mit dem eine Klinge die Luft durchschnitt. Sein Kopf ruckte hoch und er sah, wie Gilgrim sich in einem weiten Bogen sein Ziel suchte, gnadenlos und mit Kraft von Erebion geführt. Das Mithril-Schwert trennte dem Bergherren in einem einzigen Schlag den Kopf mit dieser abscheulichen Fratze von den Schultern.

Ayla schien sich erleichtert in die Dunkelheit einer Ohnmacht sinken lassen zu wollen, doch Haldir schüttelte sie leicht. Wieder richtete sich ihr flackernder Blick auf ihn.

„Wir müssen hier weg", sagte er eindringlich. „Verstehst du mich? Wir müssen so schnell wie möglich raus. Kannst du laufen?"

Er konnte sich nicht einmal sicher sein, dass sie ihn hörte. „Der Silmaril, Ayla, denk an den Silmaril. Er muss nach Arenor."

„Silmaril", wiederholte sie stockend und ein schwacher Abglanz von Leben kehrte in ihre Augen zurück.

„Das ist meine Schildmeisterin", lobte er sie wie ein kleines Kind und zog sie auf die Beine. Es sprach für ihre schlechte Verfassung, dass sie ihn mit einem erfreuten Lächeln bedachte, bevor ihr Kopf müde gegen seine Schulter sank. Wenn er sie jetzt losließe, würde sie einfach umfallen. „Wir brauchen einen Ort, an dem sie zu Kräften kommt. So schafft sie es nie hier raus."

Melja hatte sich inzwischen seine Waffen zurückgeholt. Iven hielt die von Ayla und machte ein Gesicht, als würde nur Melkor persönlich sie ihm wieder abjagen können.

„Wenn wir es bis auf die nächste Ebene schaffen, weiß ich einen Platz, an dem uns niemand finden wird", sagte der Levarin.

***

Es war ein perfekter Platz und einer, den nur ein Kind vor langer Zeit hatte finden können. In einem Alkoven, versteckt hinter einem mit halb vergammelten Vorhängen gefüllten Schrank, befand sich eine Tür, die in einen alten Abstellraum führte, der vor langen Jahrhunderten wohl das letzte Mal benutzt worden war. Melja hatte ihn als kleiner Junge gefunden, als er sich in diesem Schrank versteckt hatte – wovor erzählte er ihnen nicht – und sich eine der morschen Rückwände zur Seite geschoben hatte.

Als sie mit mehr Glück als Können dieses Stockwerk der Festung unbemerkt erreichten und sich durch die muffigen Stoffreste gekämpft hatten, empfing sie eine überraschend gut belüftete Zuflucht, in der sogar noch die Öllampen funktionierten, die Melja bei seinem letzten Besuch als kleiner Junge sorgfältig in einer Kiste verstaut hatte. Der Raum war mit alten, massiven Truhen und Bänken zugestellt, es war angenehm warm und trocken. Die Lüftung erfolgte über einen Schacht, von denen es offenbar genug in Angram gab, die aber leider nicht groß genug waren, um als Fluchtweg zu taugen.

Sie würden einige Stunden in diesem Versteck verbringen müssen. Die Arenai war immer noch nicht ansprechbar und die nächtliche Ruhe der Festung war kurz nach ihrer Flucht in diesen Raum durch lautes Geschrei gestört worden. Hecars Stimme war deutlich zu erkennen und Haldir bereute bereits, dass sie ihn am Leben gelassen hatten.

Während Melja leise erzählte, was sich mit Alben zugetragen hatte, saß Haldir auf einer breiten Truhe mit flachem Deckel, leicht nach vorne gebeugt und die Unterarme entspannt auf die Oberschenkel gelegt. Seine Hände drehten abwesend die Wurfscheibe, diesmal allerdings mit der nötigen Vorsicht.

Eine andere Haltung war ihm auch kaum möglich, denn Ayla schien irgendwo in den zersplitterten Tiefen ihres immer noch benebelten Geistes beschlossen zu haben, dass er ihre Rettungsleine in die Realität sei. Seit Albens Tod hatte sie ihn nicht mehr losgelassen. Obwohl es bequemere Haltungen gab, saß sie nun seitlich zu seiner Linken, ein Bein baumelte über den Truhenrand, das andere hatte sie angezogen. Mit den Händen umfasste sie seinen Oberarm wie mit Eisenklammern und absolut nichts konnte sie dazu bringen, diesen Griff zu lösen. Ihr Kopf ruhte auf seinem Rücken und die gleichmäßigen Atemzüge, von denen er jeden einzelnen registrierte, zeigten an, dass sie eingeschlafen war.

„Was hat er mit ihr gemacht?" fragte Andoris, der Ayla immer wieder voller Kummer musterte.

„Er wollte an ihr Leben, ihre Erinnerungen und ihr Wissen", erklärte Melja düster. „Als ich noch hier lebte, habe ich sie manchmal dabei beobachtet, heimlich. Sie machen sich einen Spaß daraus, fremde Leben auszusaugen und spotten dann darüber."

„Soll das heißen, er hat ihren Geist gestohlen?" Andoris rutschte nervös hin und her. „Wir haben ihn umgebracht. Wie soll sie-„

„Nein, beruhige dich", sagte Melja. „Diesmal hatte er kein Glück. Ich habe es an der Art gemerkt, wie er plötzlich kämpfen musste. Ich glaube, sie hat den Spieß umgedreht."

„Das erklärt einiges", murmelte Erebion. „Es dürfte nicht sehr angenehm sein, was eine Kreatur wie Alben in seinen Erinnerungen bewahrt."

„Wird sie wieder gesund?" fragte Iven, ihr selbsternannter Schwertbewahrer. Niemand machte ihm die Rolle streitig, Ayla hatte ohnehin keine Hand frei.

„Lasst sie einfach alle zufrieden." Elcaran runzelte leicht die Stirn. „Ich wünschte nur, sie würde mich ihre Hände sehen lassen. Diese Wurfscheibe erscheint mir recht scharf."

Haldir sah auf seinen Ärmel. Die Blutflecken unter ihren Händen waren seit einiger Zeit nicht mehr größer geworden und er schüttelte nur den Kopf. Elcarans bisher einziger Versuch, wenigstens eine ihrer Hände von Haldirs Arm zu lösen, hatte mehr Schaden als Nutzen gehabt. Sie hatte nicht nur unkontrolliert zu zittern begonnen sondern ihren Griff auch so verstärkt, dass ihn nur das feste Gewebe seiner Tunika davor bewahrt hatte, dass sich ihre Finger bis in sein Fleisch gruben.

„Wie lange willst du hier bleiben?" fragte Erebion ihn.

„Solange wie es nötig ist."

„Und dann?"

Haldir spielte nachdenklich mit der Wurfscheibe. Diese Waffe passte zu den Arenai. „Wir werden sehen. Wenn es draußen ruhiger wird, muss einer von uns sich umsehen. Vielleicht können wir durch die Mine zurück."

„Ich gehe", bot sich Andoris sofort an.

Haldir betrachtete ihn einen Moment. Andoris hatte viel gelernt in den letzten Wochen, war überlegter geworden. Er würde nicht ihr aller Leben aufs Spiel setzen, indem er sich in der Festung unvorsichtig bewegte. „Keine Einwände. Vielleicht gelingt es dir auch, etwas zu essen aufzutreiben und frisches Wasser."

„Bestimmt."

Wenigstens einer, der glücklich eine Aufgabe ergattert hat, dachte Haldir und lächelte unmerklich. Den anderen blieb es nur, abzuwarten und neue Kraft zu sammeln. Melja und Iven rollten sich unter ihren Umhängen auf den Bänken zusammen und schliefen bald ein. Auch Andoris suchte Ruhe, nachdem ihm Elcaran versichert hatte, dass er ihn sofort daraus lösen würde, wenn sich wieder Stille über die Festung senkte.

Die drei älteren Elben hingegen waren sich zu sehr ihrer gefährlichen Lage bewusst, um überhaupt an Ruhe zu denken. Sie waren in dieser Festung gefangen, in der man nun wachsamer als zuvor sein würde.

„Viel Zeit bleibt uns nicht." Erebion lehnte mit ausgestreckten Beinen an der Wand und starrte an die Decke. „Sie wissen, dass wir hier sind und werden uns wie Hasen quer durch Escalonde jagen."

„Vielleicht sollten wir uns aufteilen", überlegte Haldir. „Du könntest mit Andoris sehr viel schneller voran kommen. Der Silmaril ist immer noch das wichtigste."

Erebion grinste träge. „Du versuchst es schon wieder, mein Freund. Wir sind gemeinsam hier hergekommen und wir werden auch genau so wieder abziehen."

„So ist er", sagte Elcaran. „Und ich wette, sie würde ihm auch noch zustimmen."

„Nein", kam es undeutlich aus Haldirs Rücken. „Tu ich nicht. Ich will hier raus."

Die Elben wechselten einen überraschten Blick. Es waren seit Stunden ihre ersten verständlichen Worte. Als ihr müdes Gesicht an seiner Schulter auftauchte, richtete er sich etwas auf. Irgendwo in seinem Rücken teilte ihm ein überlasteter Muskel mit, dass seine bisherige Körperhaltung auch für einen Elb nicht unbedingt gesund war.

„Wie geht es dir?" erkundigte sich Elcaran und griff nach seiner Gürteltasche, in der er Elronds erstaunlich ergiebige Reiseapotheke aufbewahrte. „Lässt du mich jetzt deine Hände sehen?"

„Nein." Ihr Stirn gegen Haldirs Oberarm gedrückt, schüttelte sie den Kopf. „Ich kann nicht."

„Und warum nicht?" fragte der Elbe sanft.

„Wenn ich ihn loslasse, bin ich weg." Nach ihrem mürrischen Tonfall zu urteilen, ärgerte sie selbst sich am meisten darüber. „Er hält es zusammen. Ich hasse die Valar."

„Nur eine Hand, Ayla", lockte Elcaran. Haldirs alter Kampfgefährte entwickelte langsam erstaunliche Talente als Heiler. Selbst die milde Strenge und Überredungskunst, mit der Elrond seine Patienten führte, machte sich schon bemerkbar. „Die rechte, deine Schwerthand. Du wirst sie bald wieder brauchen. Wir sind noch immer in der Festung und werden jede Hilfe brauchen, um hier rauszukommen."

„Weiß ich auch."

Haldir verdrehte die Augen. Er würde sich schließlich nicht in Luft auflösen, wenn sie endlich diesen Griff etwas lockerte, der fast stark genug war, ihm den Knochen zu brechen. „Es ist zwar schmeichelhaft, dass du so verrückt nach mir bist, aber zeig ihm jetzt endlich die Hand."

„Ich bin nicht verrückt nach dir", schnaubte es irgendwo zwischen seinem Arm und seinem Umhang. „Du träumst, Waldelb."

„Naja, es sieht aber so aus", sagte Elcaran, während sich bereits seine Finger um ihre Handgelenke schlossen. „Mein Bruder und ich haben schon seit Wochen eine Wette gegen Drangar und Hivia deswegen laufen."

„Welcher Einsatz?" fragte Erebion interessiert und ignorierte Haldirs wütenden Blick.

Die Frage blieb unbeantwortet. Elcaran hatte Aylas Verblüffung dazu genutzt, den Griff um Haldirs Arm zu lösen und ihre Hände zu sich gezogen. Als er die Handflächen nach oben drehte, atmete er geräuschvoll ein. Die Wurfscheibe war ein gefährliches Spielzeug und nicht dazu gedacht, wie ein Messer geführt zu werden. Tiefe Schnitte verunstalteten ihre Handflächen. Elcaran legte ihr ein sauberes, nach scharfen, würzigen Kräutern riechendes Tuch in jede Hand.

„Mach Fäuste!" befahl er knapp. „Ayla, hörst du nicht?"

Sie sah durch ihn hindurch, war völlig aus dieser Welt entfernt. Ihre immer noch gespenstisch blutigen Augen mussten etwas ganz anderes wahrnehmen, als diesen kleinen Raum, in dem sie sich befanden. Sie zitterte so stark, dass ihre Zähne vernehmlich aufeinander schlugen.

Haldir unterdrückte einen Fluch. Er zog sie an sich und fast schlagartig hörte ihr beunruhigendes Verhalten auf.

„Ich hasse es", nuschelte sie und dämmerte weg.

Elcaran schüttelte den Kopf. „Einige Stunden braucht es noch, auch wenn sie sich recht schnell erholt."

„Die Valar haben einen etwas schrägen Humor", amüsierte sich Erebion auf Haldirs Kosten.

„Ich finde daran überhaupt nichts komisch", sagte der Waldelb.

„Nun bist du auch nicht gerade eine Frohnatur."

„Wie bitte?"

„Ach, komm schon, Haldir. Wir wissen alle, dass du nicht zu den heitersten Vertretern unseres Volkes gehörst." Erebion stieß Elcaran an. „War er schon immer so?"

„Hmhm", machte der mit einem breiten Grinsen. „Schon als wir zusammen bei den Galadhrim waren."

„Andererseits-„ Erebion legte den Kopf schief. „Ayla ist auch nicht unbedingt die Quelle des Frohsinns."

Elcaran nickte. „Es passt."

„Sollen wir es gleich hier austragen?" fragte Haldir drohend und zeigte ihm die Faust.

„Gerne", nickte Elcaran boshaft. „Aber dann wird sie wach und du weißt, was passiert, wenn du sie loslässt."

Das wusste er allerdings und es war den Spaß nicht wert. „Es ist nur verschoben, Elcaran."

„Sicher, vorausgesetzt, sie kann je wieder ohne dich leben, mein Freund."

„Treib es nicht zu weit."

***

Zehn Stunden später sah die Welt wieder vertrauter aus. Kurz zuvor war Ayla erwacht. Nicht nach Arenai-Art, sondern mit einem verschlafenen, verwirrten Blinzeln, das sehr schnell von einem entsetzten Keuchen abgelöst wurde, als ihr klar war, bei wem sie gerade aufwachte.

„Wie geht es dir?" erkundigte sich Haldir, während er aufstand und seine verkrampften Muskeln lockerte.

„Gut." Sie sah stirnrunzelnd an ihm vorbei auf Elcaran und Erebion, die grinsend seinem Beispiel gefolgt waren. „Gibt es einen Grund für eure Heiterkeit?"

Beide schüttelten den Kopf und man merkte Ayla an, dass ihr Misstrauen ins Unermessliche wuchs. Sie wandte sich wieder an Haldir. „Wie lange ging das da eben schon so, du weißt schon.."

„Fast einen ganzen Tag."

Ayla stand auf und fixierte die drei Elben mit einem wütenden Blick, der durch ihre blutunterlaufenen Augen noch dramatischer wirkte. „Sollte jemals, wirklich jemals einer von euch in Arenor auch nur ein Wort darüber verlieren, seid ihr alle drei tot."

Die Drohung verlor stark an Wirkung, als sie leicht schwankte und sich an Haldir festhielt. Er seufzte leicht, verbiss sich aber genauso wie die beiden anderen jeden Kommentar.

Iven jedenfalls war glücklich, sie wieder auf den Beinen zu sehen. Beinahe feierlich übergab er ihr alles, was er so sorgfältig für sie aufbewahrt hatte und kurz darauf war sie auch äußerlich wieder ganz die Alte.

Eine Stunde später kehrte Andoris von seiner Erkundung zurück. Unversehrt, mit einem Krug Wasser, Brot und Früchten und schlechten Nachrichten.

„Es gibt kein Durchkommen zur Mine", erzählte er. „Alle Wege sind streng bewacht, auch zum Haupttor würden wir es nicht schaffen."

„Wir könnten noch etwas warten", überlegte Elcaran. „In einigen Tagen dürfte sich die Aufregung gelegt haben."

Haldir schüttelte den Kopf, auch wenn der Gedanke sicherlich nicht der schlechteste war. Irgendein warnendes Gefühl sagte ihm, dass es Zeit wurde, nach Arenor zurückzukehren.

„Einen Weg gibt es noch", sagte Melja. „Keiner hier in der Festung würde darauf kommen, dass wir ihn wählen könnten."

„Weil keiner so verrückt ist", knurrte die Arenai und zerpflückte ihren Anteil an Andoris Beute in kleine Krümel. „Andererseits hat es schon verzweifeltere Pläne gegeben, die am Ende funktioniert haben."

„So einfach wie beim ersten Mal wird es aber nicht", sagte er. „Er ist jetzt wach und sicherlich auch hungrig."

„Drachen sind immer hungrig", meinte sie achselzuckend. „Auf Fleisch, Juwelen, Geschwätz, sie kriegen den Hals niemals voll."

Melja nickte langsam. „Wir könnten ihm einen Köder hinwerfen, damit er abgelenkt ist."

„Und wer soll der Köder sein?" fragte sie.

„Ich."

„Du alleine?"

„Sonst ist keiner da, der es aushält. Iven ist nicht geschult genug und auch zu klein, für die anderen ist schon Drangurus Nähe kaum zu ertragen und du-„

„Ja, was ist mit mir?"

„Du hast mehr als genug erduldet", antwortete der Levarin ruhig.

„Allerdings", lächelte sie freudlos. „Und es wird Zeit, dass ich etwas Abwechslung bekomme. Alleine schaffst du es nicht, Melja, irgendeiner muss ihn zusätzlich ablenken."

Alle anderen hatten dem Dialog der beiden zuerst ratlos und dann mit wachsender Beunruhigung zugehört. Was sie da planten, war der Kampf mit einem ausgeruhten und wahrscheinlich sehr hungrigen Drachen. Die Meinung aller anderen schien nicht mehr von Interesse für sie zu sein.

Haldir erhob sich. Eine Hand fest um Aylas rechten Oberarm geschlossen, zog er sie ebenfalls hoch. „Ihr entschuldigt uns einen Augenblick."

Während er sie unnachgiebig in die hinterste Ecke des Raumes vor sich her schob, biss er vor unterdrückter Wut so stark die Zähne aufeinander, dass sie knirschten. Hinter einem Stapel aufgetürmter Kisten außer Sichtweite beugte er sich zu ihr herunter, bis sein Mund neben ihrem Ohr war. „Hast du den Verstand verloren?" fragte er eisig.

„Es klingt zumindest so", murmelte sie. „Aber anders kommen wir hier nicht weg und lange halte ich es nicht mehr aus."

Das war nicht die Antwort, die er erwartet hatte. Verwundert trat er einen Schritt zurück und musterte sie eindringlich. „Wie schlimm ist es?"

„Haldir..."

„Antworte mir!"

„Albens Erinnerung sind grauenhaft und Angram scheint sie wach zu halten."

Resigniert rieb er sich die Augen. „Du hasst Drachen."

„Nicht so sehr wie diesen Ort hier."

Das Frustrierende war, dass sie und Melja im Grunde Recht hatten. Es gab keinen anderen Weg, die Festung zu verlassen. Mit düsterer Miene kehrte er zu den anderen zurück und nickte dem Levarin zu.

„Glaubst du wirklich, dass du einen Drachen besiegen kannst?" fragte Andoris zweifelnd.

„Vielleicht nicht besiegen, aber ihn lange genug ablenken, damit ihr durch das Eisengitter rausschleichen könnt", sagte Melja. Sein Blick glitt zu Haldir. „Wenn Ayla und ich ihn im rechten Teil des Saales halten können, habt ihr genug Zeit, durch den Gestank an die frische Luft zu kommen. Wir werden euch folgen. Ihr wird nichts passieren."

„Uns beiden wird nichts passieren", korrigierte sie ihn spitz.

„Eure Chancen sind gering", zweifelte Erebion. „Ich weiß, dass Drachen sehr schnell sein können."

„Ihr müsstet ihn vorher verletzen", überlegte Elcaran. „Wenn er geschwächt ist, kann es euch gelingen."

Haldir unterdrückte eine sarkastische Bemerkung darüber, dass die einzigen, die hier wirklich geschwächt waren, Melja und Ayla waren. Seine Bedenken hatten die Ausmaße der Sternenberge, doch er hielt sich zurück. Nach und nach schienen sich die anderen mit dem Gedanken anzufreunden und die Stimmung war nicht mehr ganz so verzweifelt, als sie sich endlich wagten, diesen sicheren Raum zu verlassen und den Drachensaal anzusteuern.

***

Es war diesmal nicht ganz so einfach, bis in den entlegenen Teil des Berges zu gelangen, in dem Dranguru lebte. Ihr Vorteil war, dass offenbar wirklich niemand vermutete, zu welchem Weg sie sich durchgerungen hatten. Außerdem stellte Haldir nicht zum ersten Mal fest, dass Angram im Verhältnis zu ihrer Ausdehnung keine wirklich große Besatzung hatte. Nachdem die Bergherren offenbar die Festungswache am Haupttor und den unteren Ebenen zusammenzogen, blieben die oberen Teile in den Tiefen des Amon Naith weitgehend unbewacht.

Da sie es nicht riskieren konnten, vor dem Drachensaal von zwei Seiten angegriffen zu werden, hatte Haldir beschlossen, niemanden auf dieser Ebene am Leben zu lassen. Sie fanden nur zehn Wachen, alles Drakan, die schnell und geräuschlos getötet und dann in einem der leerstehenden Räume versteckt wurden. Dies verschaffte ihnen etwas Luft, nicht sehr viel, aber es musste reichen.

Als sie sich vor dem Drachensaal sammelten, war der Gestank schon auf dieser Seite des Tores diesmal kaum zu ertragen.

„Das könnte etwas helfen. Ich hätte vorher schon daran denken sollen." Elcaran fingerte in seiner Tasche herum und gab jedem eines der Kräutertücher. „Haltet es euch vor die Nase oder bindet es zusammen mit den Halstüchern fest. Aber ich will sie zurück haben, wenn wir hier raus sind. Sie sind nicht für diesen Zweck gedacht und womöglich brauchen wir sie noch."

Erebion wog nachdenklich Gilgrim in seiner Hand. „Es wäre dir wohl dienlicher, Melja."

Sehnsüchtig strich der Levarin mit den Fingerspitzen über die schimmernde Klinge, schüttelte aber den Kopf. „Nichts würde ich lieber annehmen, aber es ist zu ungewohnt für mich, mit euren gebogenen Schwertern zu kämpfen."

„Vielleicht ergibt sich später Gelegenheit, dich damit vertraut zu machen." Erebion neigte den Kopf. „Gilgrim leuchtet nur in der Hand eines tapferen Mannes und in deiner würde er erstrahlen."

Worte, um Mut zu machen, wenn nichts anderes mehr blieb. Haldirs Blick wanderte zu der Arenai, die ihr Halstuch bereits hochgezogen hatte. Sie kämpfte deutlich mit ihrer eigenen Furcht. Unwillkürlich streckte er die Hand aus und schob in einer wortlosen Geste der Unterstützung den Rand des Tuches gerade.

„Also dann", sagte er und straffte sich. „Versuchen wir es."

Schwungvoll zogen Andoris und Elcaran die beiden Torhälften auf. Der Schwall verdorbener Luft, der sich sofort in den Gang wälzte, war betäubend. Ayla und Melja liefen an ihnen vorbei, wandten sich nach rechts, wo bei ihrem letzten Besuch Dranguru geruht hatte. Man hörte ihre schnellen Schritte und dann ein Rascheln, mit dem sich der Drache den beiden zuwandte.

„Zeit zu sterben!" brüllte Melja kurz darauf.

Die Elben rückten einen Schritt durch die offene Tür vor. Dranguru bewegte sich gerade langsam auf die zwei Angreifer zu, die lächerlich winzig vor ihm schienen. Der Gestank, den er jetzt absonderte, war unerträglich. Auch die scharf riechenden Kräuter konnten ihn nicht wirklich verdecken. Dranguru schien sich regelrecht über die beiden Winzlinge zu amüsieren, die vor ihm standen.

Er bewegte leicht den Kopf in Richtung Tür, aber Ayla trat im gleichen Moment heftig in eine der flachen Bodenschalen und schob eine ganze Welle von Juwelen und Gold über den Rand. Drangurus Aufmerksamkeit wandte sich ihr wieder zu.

„Schöne Steine", schrie sie und fuchtelte mit ihrer linken Hand in der Luft herum. „Was hältst du von diesem hier?"

Mithuviels Mithril-Ring musste eine Offenbarung für den Drachen sein. Mit einer schnellen Bewegung stampfte er auf sie zu und trennte sie von Melja.

Iven zwischen sich nutzten die Elben die günstige Gelegenheit, auf das Eisengitter zuzulaufen. Schon nach wenigen Schritten kamen sie ins Straucheln. Haldir hatte das Gefühl, ersticken zu müssen. Auch ohne dass er die Luft tief einatmete, umhüllte ihn Drangurus Pesthauch und nahm ihm die Kraft. Seine Gedanken verlangsamten sich in gleichem Maß wie es auch seine Schritte taten. Andoris taumelte mit einem Keuchen gegen ihn.

„So geht doch weiter!" hörte er Iven flehen.

Nur die Aussicht, dass hinter dem Gitter frische Luft auf sie wartete, hielt Haldir überhaupt noch auf den Beinen. Er packte Andoris und gemeinsam stolperten sie auf die verschwommene Wahrnehmung eines helleren Flecks an der Wand zu, an der das Gitter sein musste.

Hinter sich hörte er Drangurus zornige Ausrufe, wenn ihm die Arenai mit dem Ring erneut zwischen die Kolonnaden entwischte. Ein fürchterlicher Schmerzensschrei kam hinzu. Unwillkürlich drehte sich der Elb um. Melja zog gerade seine Axt wieder aus der Seite des Drachen. Er hatte genau die Stelle erwischt, an der der rechte Flügel in die Schulter überging. Eine tiefe Wunde war nun dort, das helle Leuchten des zersplitterten Knochens machte Hoffnung.

Haldir zwängte sich durch die Gitter, zog Andoris hinter sich her und rannte dann die wenigen Schritten durch den Fels bis er auf eine breite Plattform gelangte, von der Dranguru seine tödlichen Flüge über Escalonde starten musste. Die kalte Bergluft füllte seine Lungen und er konnte sich nicht erinnern, jemals einen willkommeneren Atemzug getan zu haben. Auf den Knien hockte er mit geschlossenen Augen da und atmete einfach nur. Kalte, nach Schnee schmeckende Luft, die in seiner Lunge schmerzte. Mit jedem Atemzug verschwand der üble Nebel, den Drangurus Hauch über seine Sinne gelegt hatte. Er hörte, wie Andoris geräuschvoll einatmete, Elcaran hustete und würgte und Erebion neben ihm ebenfalls auf die Knie fiel und den Valar dankte. Und irgendwann hörte er auch Iven noch aus der Nähe des Gitters.

„Oh nein!" jammerte der Nimjind. „Sie kommen nicht an ihm vorbei. Bitte, Haldir, sie kommen nicht an ihm vorbei."

Es war reine Selbstdisziplin, die Haldir wieder auf die Füße brachte. Sein Instinkt wollte einfach nur noch weg von diesem Ort, weit weg. Ungelenk stolperte er einige Schritte auf den Zwerg zu. „Was?"

Iven wedelte mit allen Anzeichen von Panik mit den Armen, deutete immer wieder in den Drachensaal hinein. „Er hat ihnen den Weg versperrt."

Mit einem Aufstöhnen richtete sich nun auch Erebion wieder auf. „Mein Herz blutet, Waldelb, aber ich kann da nicht rein. Nimm Gilgrim oder gib diesem Monster meinetwegen den Silmaril, aber ich kann nicht zurück."

Haldir winkte einfach nur ab. Er drückte sich das Halstuch vor Mund und Nase und näherte sich dem Gitter so weit, dass er an Iven vorbei erkennen konnte, was im Saal vorging. Dranguru hatte sich quer in den Raum gelegt. Sein riesiger, schimmernder Körper versperrte fast den Blick auf Ayla und Melja, die hinter ihm eingeschlossen waren. Blut floss an einigen Stellen zwischen den Schuppen hervor. Einer der Flügel hing schlaff herunter und Blut quoll auch aus seinem aufgerissenen Maul. Einer der beiden hatte sich wohl weit genug herangetraut, um sein Schwert bis in die lange Zunge rammen zu können und so sein unablässiges Raunen zum Verstummen gebracht, das denjenigen zum Erstarren bringen konnte, an den es gerichtet war und in dessen Kopf sich dann Worte formten, die einem Bannspruch gleichkamen.

Melja, der mit weithin spürbaren Ingrimm immer wieder auf Dranguru eindrang, kletterte in einem Anfall von Größenwahn auf den Rücken des Drachen und hackte wie ein Wahnsinniger auf die noch unversehrte linke Schulter ein. Seltsamerweise beachtete ihn das Ungetüm in diesem Moment gar nicht, sondern schnappte mit seinen riesigen Kiefern nach einem Berg Cronn-Steine, der in seiner Nähe aufgeschichtet war.

Nur das nicht, dachte Haldir entsetzt. Er wird die beiden in Flammen hüllen, wenn die Steine erst in seinem Magen angekommen sind. Mühsam nahm er seinen Bogen vom Rücken und stolperte weiter auf das Gitter zu, mitten hinein in den betäubenden Hauch. Er tastete unsicher nach einem Pfeil, legte ihn ein und spannte dann die Sehne. Mitten in der Bewegung musste er wieder nachgeben. Beinahe wütend schüttelte er den Kopf, um den grünlichen Nebel zu vertreiben, der sich über seinen Blick legte.

Erneut setzte er an, seine Muskeln gehorchten nur schwerfällig. Noch nie zuvor war es ihm so anstrengend vorgekommen, den Bogen zu spannen. Sein Ziel verschwamm leicht vor seinen Augen und er biss auf seine Unterlippe. Der Schmerz überdeckte die Betäubung. Seine Sicht klärte sich und er entließ den Pfeil. Zwischen den Gitterstäben durch, quer durch den Saal verfolgte er seine Spur bis er das Ziel traf. Nicht mit Haldirs üblicher Genauigkeit, aber es reichte, um einen ohrenbetäubenden Schmerzensschrei auszulösen. Dranguru bäumte sich auf, der Schaft mit seinen weißen Feder ragte aus seinem Augenwinkel. Bei jedem Lidschlag mussten weitere Schmerzwellen durch den Drachen rasen.

Schon bei seinem ersten Aufbäumen flog Melja in hohem Bogen von seinem Rücken, landete heftig auf dem Fliesenboden und wurde noch ein Stück Richtung Gitter geschleudert. Ayla duckte sich unter dem hin- und herschwingenden Haupt des Drachen hinweg und rannte quer durch die Halle. Ohne wirklich ihr Tempo zu verlangsamen, griff sie im Vorbeilaufen nach dem Levarin, riss ihm mit ihrem eigenen Schwung wieder auf die Beine und gemeinsam hasteten sie auf das Eisengitter zu. Hinter ihnen wütete Dranguru halb blind umher, stieß die Schalen mit seinen Schätzen um und zog bereits den Kopf zurück, um einen Feuerstoß hinter seinen Feinden herzuschicken.

Haldir konnte nicht länger warten, ob sie das Gitter wirklich erreichten. Mit den letzten Rest seiner Willenskraft flüchtete er nach draußen. Nur undeutlich nahm er wahr, dass ihn jemand an der Schulter packte und neben den Ausgang schob.

„Alle zur Seite!" befahl Melja mit überschlagender Stimme. „Er spuckt Feuer."

Im nächsten Moment schoss eine riesige Stichflamme aus dem Zugang, leckte weit bis über die Plattform hinaus und erstarb dann.

„Bei Iluvatars ewigem Licht", hörte er Aylas Stimme in seiner Nähe. „Du bist so grün wie ein Blatt, Waldelb."

Tbc, aber für die nächsten Kapitel fällt der Blick der Autorin auf die fröhlichen Inselbewohner, die auch irgendwie die Zeit totschlagen müssen, während andere Drachen bekämpfen.

@Shelley: Lass dich überraschen. Obwohl die Anregung Hivia und Uralt-Elb mir gefällt, sozusagen eine eingerannte offene Tür...irgendwie...tja...egal.

@Loriel: Nicht aufregen, der Verstand ist noch da. Raus aus dem Berg sind sie auch, den Silmaril haben sie auch. Jetzt müssen sie nur noch quer über Land wieder zur Insel zurück. Alles kein Problem, ähem.

@Mystic Girl: Was heißt denn hier brutal? Effektiv, ja, außerdem haben sie nicht ewig Zeit. Er hat ihn schließlich gewarnt. Wenn der dulle Typ nicht hören kann, ist er selber schuld oder tot, wie auch immer.

@Amélie: Nix Heiler, wer Haldir hat, braucht keinen Extra-Heiler mehr. Außerdem hat Heiler zu tun *blinzel zum nächsten Kapitel*.