Disclaimer: Alles gehört Tolkien bzw. seinen Erben. Mir gar nix, also auch kein Geld.
20. Kapitel
Zuerst war das Schnauben eines Pferdes zu hören, dann ein leiser Fluch und zuletzt ein Schmerzensschrei. Als Gilawan seinen Blick von der Landschaft vor ihm nahm und nach links zur Quelle der Geräusche blickte, hielt Solvey immer noch die flache Hand drohend erhoben, mit der sie wohl gerade Dingis einen Schlag auf den Kopf versetzt hatte. Es hatte offenbar keine scherzhafte Geste sein sollen, denn der Breill rieb sich immer noch den Hinterkopf und lenkte sein Reittier von der großen, recht rabiaten Arenai weg.
„Was war jetzt schon wieder?" erkundigte sich Gilawan ergeben.
„Es ist widerlich. Wenn dieser elende Wicht noch einmal meinem Pferd dieses stinkende Zeug vor die Füße spuckt, breche ich ihm das Genick."
„Wartet, bis wir den Kampf hinter uns haben."
Solveys goldbraune Augen schimmerten ärgerlich. „Und warum? Ihr glaubt doch wohl nicht im Ernst, dass dieses Männchen uns dabei eine große Hilfe sein wird."
„Die Breill sind unsere Verbündeten", sagte er etwas lahm.
„Ja, Breill wie Dorian. Und Munda ist mit Sicherheit sogar eine überaus wertvolle Verbündete." Sie deutete auf die elegante Wolfshündin, die sich sicher vor ihnen durch das Gestrüpp bewegte. „Aber der da?"
„Ertragt es einfach."
„So wie Ihr", vermutete sie nach kurzer Pause und plötzlich lächelte sie. Es veränderte sie, so wie jeder Arenai kaum wieder zu erkennen war, wenn er ein Lächeln zustande brachte. „Also gut, ich werde ihn beim nächsten Mal nicht sofort töten."
Mehr Entgegenkommen konnte er wohl nicht erwarten und beließ es dabei. Sie hatten andere Probleme.
Gilawan unterdrückte einen Seufzer. Er hasste es, wieder hier in diesem toten Land zu sein. Zu gut erinnerte er sich an das letzte Mal, als er mit Drangar herumgewandert war und es den Arenai in den nahen Sümpfen fast erwischt hatte. Was die Weißzwerge getrieben hatte, sich freiwillig hier in dieser Gegend anzusiedeln, würde wohl immer ihr Geheimnis bleiben. Die Antwort war mit ihnen in den Aschekreisen untergegangen.
Jetzt war es viel wichtiger, ein Heer aus fünfhundert Kriegern davon abzuhalten, die Landbrücke nach Arenor zu besetzen. Unwillkürlich wanderten seine Gedanken nach Süden zu Drangar. Der Freund dürfte wohl schon auf seinen Gegner getroffen sein und Gilawan hegte wenig Zweifel daran, dass die Angram-Garde diese Begegnung nur kurz überlebt hatte.
Mundas offenkundige Aufregung holte ihn aus seinen Gedanken. Die Wölfin tänzelte regelrecht vor ihnen her, die Ohren starr nach vorne gerichtet. Einen Moment später tauchte aus dem Gestrüpp zwischen den Bäumen ein weiterer Wolf aus. Das hellgraue Tier schien zunächst mit dem undurchdringlichen Nebel verschmolzen, der sich jeden Abend vom feuchten Boden erhob und bis weit in den Morgen hinein zwischen den entstellten Bäumen hing. Nur widerwillig gab der Nebel die Umrisse des Wolfes frei, der zielstrebig auf die Reiter zukam, sich auf halber Strecke von Munda freudig begrüßen ließ und dann dicht vor Dingis anhielt.
Nur die gelben Augen des Tieres leuchteten, ansonsten stand er absolut ruhig.
„Die Angram-Garde ist ungefähr einen halben Tagesmarsch westlich von uns", verkündete Dingis in die abwartende Stille hinein.
„Hat Gor das gesagt?" erkundigte sich Solvey misstrauisch.
„Hast du ihn etwa sprechen hören?" fragte der Breill boshaft.
Solveys Kopf flog herum. Ihr Blick zu Gilawan bettelte förmlich darum, den Breill auf der Stelle töten zu dürfen.
„Ich kann sie verstehen", murmelte Carelion zu Gilawans Rechten. „Ich kann sie wirklich verstehen."
„Haben sie ein Lager aufgeschlagen?" fragte Gilawan.
„Ja, aber Gor meint, sie werden sehr früh wieder weitermarschieren", bestätigte Dingis nach einem erneuten, stummen Dialog mit dem Grauwolf.
„Dies ist kein Gelände für einen offenen Kampf", sagte Solvey.
Gilawan schwieg. Ein offener Kampf war auch nicht vorgesehen. Elrond hatte ihn davor gewarnt, bevor er aufgebrochen war und Gilawan beabsichtigte nicht, den Rat seines Fürsten zu ignorieren. Außerdem lag ihm diese Taktik nicht. Er war ein Galadhrim und die letzte und einzige offene Schlacht seines Lebens war die um Dol Guldur gewesen. Trotz des Sieges waren die Verluste hoch gewesen, er musste es schließlich wissen.
Neben ihm musterte Carelion prüfend zuerst die Baumkronen und dann das Unterholz. Der Tawarwaith lebte zwar schon seit vielen Jahrhunderten auf Arenor, doch er hatte das verzweifelte Ringen seines Volkes um das Waldelbenreich im Düsterwald wohl kaum vergessen. Die alten Strategien dürften ihm noch gut vertraut sein.
„Ein Hinterhalt müsste gelingen", befand er schließlich. „Einige der Bäume sind dicht genug belaubt, dass wir uns dort verstecken können und der Frühnebel wird uns am Boden schützen."
„Wenn genug Ablenkung vorhanden ist", sagte Solvey. Sie lächelte wieder, nur diesmal war es recht bedrohlich. „Wenn Ihr erlaubt, Gilawan, werden die Arenai das übernehmen."
„Wir müssen ihnen nach allen Richtungen außer Norden den Weg abschneiden", erklärte er. „Der Sumpf ist sehr nah und wenn es uns gelingt, sie dorthin zu treiben, sind sie verloren."
Zuerst mussten sie jedoch eine passende Stelle finden. Eine Aufgabe, die Carelion in Begleitung von Gor übernahm. Während Gilawans Trupp sich wieder in Bewegung setzte, um sich der Angram-Garde so weit wie möglich zu nähern, verschwand der Waldelb zu Fuß im Nebel zwischen den Bäumen.
„Dorian hat mich als Spurenleser eingeteilt", beschwerte sich Dingis undeutlich. Sein Mund war wieder mit den Blättern gefüllt, die so unangenehm rochen, dass Gilawan sie nicht einmal in die Hand genommen hätte.
Munda gab ein recht eigentümliches Geräusch von sich. Gilawan hätte schwören können, dass sich die Wölfin halb totlachte über diese Bemerkung.
Bevor Gilawan antworten konnte, bekam Dingis von Solvey einen herzhaften Schlag auf den Rücken. „Wir brauchen dich eben hier. – Hast du dich verschluckt?"
Solveys Attacke hatte den Breill überrascht. Er hustete und würgte, aber die Blätter waren schon seine Kehle hinunter. Eine recht unangenehme Erfahrung wie es schien.
Gilawan verbiss sich ein Grinsen, so scheinheilig klopfte ihm die Arenai noch weiter auf den Rücken und verschlimmerte das Elend des kleinen Breill noch. Er war sich sicher, dass sie eine Weile Ruhe haben würden vor Dingis' Spuckerei.
Es war ohnehin ein ruhiger und stiller Ritt, den sie in den nächsten zwei Stunden bewältigten. Nun, da sie die Angram-Garde ganz in der Nähe wussten, hatten sie das Tempo verringert. Auf dem feuchten, nachgiebigen Boden bewegten sich die Pferde beinahe lautlos. Auch ihre Reiter schwiegen. Zum ersten Mal machten Arenai wie Elben die gleiche Erfahrung, die Gilawan vor Monaten bereits so bedrückend erlebt hatte. Dies war ein totes Land, in dem nur wenig Getier zu finden war. Kein Blatt bewegte sich an den Bäumen. Es schien, als ob sogar die von der Küste kommende Luftströmung einen Umweg um diese Landschaft machte.
Gilawan war im Stillen erleichtert, als Carelion schließlich wieder aus dem Nebel auftauchte und er gab das Zeichen zum Halt.
„Direkt vor uns ist der ideale Ort für den Hinterhalt", erklärte der andere gedämpft. „Ungefähr eine halbe Stunde Fußmarsch, dann beginnt eine breite Schneise, die von Westen nach Osten führt. Auf unserer Seite, die zudem auch noch höher liegt, ist der Baumbestand noch recht dicht, aber auf der anderen Seite schwindet er merklich. Außerdem ist der Sumpf nicht mehr weit. Man kann ihn förmlich riechen."
Gilawans Befehle kamen ohne Zögern. Er hatte jetzt genug Zeit gehabt, die Einzelheiten zu überlegen.
Die Arenai teilten sich in zwei gleichgroße Gruppen. Solvey übernahm die Führung derjenigen, die von Osten aus mit großem Lärm und Geschrei die Spitze des fremden Heeres angreifen sollten. Tolvir sollte die zweite Gruppe anführen, deren Aufgabe es war, den Angram-Gardisten mit ebenso viel Aufsehen in den Rücken zu fallen. Der Arenai hatte so starke Ähnlichkeit mit Boyar, dass Gilawan jedes Mal einen Anflug von Trauer verspürte, wenn sein Blick auf den Hünen fiel.
Die Elben teilten sich in diejenigen, die sich in den Bäumen verbergen sollten und den kleineren Teil, der am Boden zu verbleiben hatte. Egal, welche Aufgabe seinen Kämpfern zugefallen war, Gilawan hoffte für jeden von ihnen, dass er die nächsten Stunden überleben würde und wusste doch zugleich, dass diese Hoffnung vergebens war.
Als es nichts mehr zu bereden und befehlen gab, setzten sie sich wieder in Bewegung. Die Pferde blieben zurück, sie würden im nahen Gefecht nur zu Schaden kommen und kaum von Nutzen sein. Tief in der Nacht erreichten sie den Ort von dem Carelion gesprochen hatte. Er hatte nicht zu viel versprochen, die Stelle war ideal.
„Dingis, du bleibst hinter den Reihen", knurrte Solvey unterdrückt, als sich die Gruppen anschickten, ihre Positionen einzunehmen. „Du wärst uns nur im Weg."
„Ich bin ein Krieger", warf der dürre Breill sich großspurig in die Brust. „Du wirst mich brauchen."
„So sehr wie eine gebrochene Schulter", meinte sie und stieß ihn in Gilawans Richtung. „Kümmert Ihr Euch um ihn."
„Halte dich raus", befahl auch der Elb. „Bleib mit den Wölfen hinter uns und versuche, so still wie möglich zu sein. Damit hilfst du in diesem Kampf schon genug."
Die beiden Grauwölfe tauchten plötzlich neben Dingis auf und drängten ihn sanft, aber entschieden Richtung Dickicht ab.
„Klüger als er", murmelte Solvey. Sie wandte sich zum Gehen, verharrte aber dann noch einmal. „Einen sicheren Weg, Gilawan."
„Einen sicheren Weg auch Euch, Solvey", wünschte er ihr von ganzem Herzen.
Er wartete noch, bis der Breill von Gor und Munda eskortiert im Dickicht verschwunden war und der Nebel die beiden Arenai mit ihren Krieger verschluckt hatte, dann streckte er sich dicht an der mannshohen Bruchkante dieser Schneise auf dem Boden aus, den Bogen mit beiden gefüllten Köcher griffbereit neben sich und bedeckte sich sorgfältig mit seinem graubraunen Umhang. Nur ein schmaler Spalt blieb zwischen Kapuze und Boden, um ihm die Sicht zu ermöglichen. Die Angram-Gardisten würden ihn erst bemerken, wenn es zu spät für sie war.
Gilawan machte das Warten nichts aus. Er hatte fast sein ganzes Leben als Wächter Lothloriens gedient. Endlose Nächte an den Grenzen des Reiches machten es ihm nun leicht, bewegungslos unter dem Schutz seines Umhangs auf den Moment zu warten, in dem die Stille von einem Atemzug zum anderen dem Inferno eines Kampfes weichen würde. Er ignorierte die Nässe des weichen Bodens, die langsam in seine Kleider stieg. Auch der Nebel, der die Luft mit Feuchtigkeit tränkte und bald ihr bester Verbündeter sein würde, bereitete ihm kein Unbehagen.
Ein Teil seiner Gedanken wanderte nach Arenor und schöpfte dort Kraft. Leben und Licht, er würde jedes Opfer bringen, um diesen Ort und seine unsterbliche Schönheit zu schützen. Wie immer in den letzten Wochen erfasste ihn augenblicklich Traurigkeit. Gilawan schloss die Augen, um die Tränen zurückzuhalten, die er um Awynes menschliche Vergänglichkeit vergießen wollte. In den Jahren, die ihnen hoffentlich noch vergönnt waren, würde er oft das Schicksal beweinen, das seiner menschlichen Gefährtin nur eine so kurze Lebensspanne bestimmt hatte. Verfall und Krankheit begannen bereits mit dem Moment ihrer Geburt. Woraus dieses Geschöpf, das um Jahrtausende jünger war als er, dennoch die Weisheit schöpfte, jeden Tag mit so viel Freude und Fröhlichkeit zu leben, war ihm ein Rätsel.
Der Geruch von rauchenden Lagerfeuern erreichte irgendwann bei Tagesanbruch die Wartenden. Ihre Feinde waren also erwacht und würden nun bald den Marsch weiter auf Arenor beginnen. Es dauerte nicht mehr lange und sie konnten sie hören. Menschen würden nie in der Lage sein, sich in großer Zahl lautlos zu bewegen. Selbst der Nebel, der jedes Geräusch auf seine Art dämpfte, war nicht dicht genug, die Annäherung der Menschen vor den Ohren der wartenden Elben zu verschleiern.
Gilawan unterschied die Geräusche von Waffen, die an metallgeschützte Kleidung schlugen. Stimmen ließen sich vernehmen mit Worten voller Nichtigkeiten und groben Scherzen. Selbst auf diesem weichen Boden brachten die Sterblichen es fertig, dass ihre Schritte zu hören waren. Gleichmäßige Marschgeräusche eines wohlgeordneten Heeres, das sich schnell bewegte. Und sie waren vorsichtig…bevor sie alle in die Schneise einmarschierten, erschien ein Trupp aus vier Männern. Späher, die im langsam absinkenden Nebel fast die gesamte Schneise an den Rändern entlang durchquerten.
Von seiner Position aus hätte Gilawan einem davon von oben auf den Kopf schlagen können. Dennoch bemerkte ihn der Mann nicht, während unzählige Augenpaare seinen und den Weg seiner Kameraden verfolgten. Nur das geringste Anzeichen von Misstrauen und der Tod hätte sie noch früher erfasst als es ihnen ohnehin bereits vorbestimmt war. Die Instinkte dieser Krieger waren verheißungsvoll schlecht, auch wenn ihr Anblick den verborgenen Beobachtern eine Ahnung davon gab, dass ihr Gegner es ihnen nicht leicht machen würde.
Dies waren keine Drakan, die Gilawan in Dra-Baran so verabscheut hatte, sondern wachsame, gut trainierte Krieger mit eigenem Willen. Sie trugen zwar die gleichen, gepflegten Uniformen wie die Drakan, doch waren sie ungleich schwerer bewaffnet. Von den kurzen Schwertern an ihrer Seite befürchtete Gilawan wenig, ihn beunruhigten die schweren Keulen mit den fingerlangen Dornen an der Spitze. Weder Elben noch Arenai hatten Schilde dabei. Damit belasteten sich nur Elbenkrieger, die in einer großen Schlacht in der ersten Reihe kämpfen mussten. Schilde behinderten, sie verminderten die Schnelligkeit und Bewegungsfreiheit, die immer die Stärke der Elbenkrieger ausgemacht hatten. Die Arenai würden am meisten unter dem fehlenden Schutz zu leiden haben, denn ihnen kam als ersten der offene Kampf zu.
Es war zu spät, dieses Versäumnis zu beklagen, denn den Spähern folgte nun das fünfhundert Mann starke Heer, das auf Elronds Geheiß diesen Ort nicht mehr lebend verlassen durfte. Drei Berittene führten es an, der Mann in der Mitte offenkundig der Befehlshaber. Er hätte den roten Federkamm auf seinem Helm nicht gebraucht, um seine Autorität zu zeigen. Seine ganze Haltung zeigte auch so, dass das Kommando ausschließlich bei ihm lag. Gilawan schauderte leicht, als er beim Vorbeiritt einen genaueren Blick auf das hagere, schon vom Alter gezeichnete Gesicht erhaschte, in dem helle Augen mit eisiger Kälte den Weg vor sich musterten. Solvey stand ein schwerer Kampf bevor.
Gut die Hälfte der Garde war vorbeimarschiert, als der Angriff begann. Selbst Gilawan zuckte zusammen, als er die Schlachtrufe der Arenai hörte, mit denen sie über die Menschen an der Spitze und am Ende des Trosses herfielen. Er konnte nicht erkennen, was dort geschah, auch wenn die Geräusche eindeutig waren. An seiner Position jedenfalls herrschte für einen viel zu kurzen Moment völlige Verblüffung unter den Soldaten. Sofort tauchten die Truppführer auf, um wieder Ordnung zu schaffen. Gerade als sich die Trupps teilten, um nach beiden Richtungen gegen die Angreifer anzurücken, sprang Gilawan auf die Beine und gab den Befehl zum Angriff.
Diesmal hielt die Verwirrung länger an. Unzählige Pfeile brachen die vorher so disziplinierten Reihen der Menschen auf. Die Distanz zu den Bogenschützen war nicht groß, die Pfeile schlugen mit unglaublicher Wucht in den Körpern der Feinde ein. Gilawan leerte einen Köcher in schneller Folge, bevor die Angram-Garde ihren Schock überwunden hatte und nun zum vollen Sturm auf die Bruchkante der Schneise ansetzte. Weitere fielen dabei, doch es waren genug, die über die Leichen ihrer Kameraden hinweg erfolgreich hinaufdrängten.
Den Bogen wieder auf dem Rücken, zückte Gilawan sein Schwert und wandte sich dem ersten Angreifer zu, der schon weit mit der furchterregenden Keule ausgeholt hatte. Es gelang ihm, darunter wegzutauchen und ihm die Klinge in den Magen zu rammen. Schon war der nächste vor ihm, der Gilawans Schwert entging und ihm fast den Kopf mit der Keule zerschmettert hätte. Ein Pfeil aus einem der Bäume beendete die Gefahr. Gilawan hatte keine Zeit, wieder zu Atem zu kommen. Die Angram-Garde war von einer unbändigen Wut beseelt, die ihre mangelnde Schnelligkeit mehr als wettmachte.
Gilawan drang auf einen weiteren Mann ein, als ein Geräusch ihn im letzten Moment vor der Gefahr warnte. Ausweichen konnte er der Keule eines anderen noch, doch die Eisenspitzen streiften seinen rechten Oberarm, rissen die Kleidung auf und hinterließen glühende Spuren von Schmerz in seinem Fleisch. Ohne sich seinem Feind zuzuwenden, drehte er das Schwert in den Fingern und stieß es nach hinten. Es glitt durch den Widerstand der Rüstung und ein lauter Schrei zeigte an, dass dieser Feind ihm nicht mehr gefährlich werden konnte. Gilawan ließ seine Waffe erneut in seinen Händen wirbeln und holte weit aus, bevor er sie mit einem mächtigen Schlag in Schulter seines anderen Angreifers versenkte. Weiter kümmerte er sich nicht um den Mann, der in die Knie ging und die Keule fallen ließ. Die Wunde war tief, er würde noch vor dem Ende der Kämpfe verblutet sein.
Nur noch wenige Elben waren in den Bäumen geblieben. In einer dichten Reihe nun kämpften sie gegen die Menschen, deren Ansturm langsam zum Stocken kam. Die Elben ließen nicht nach, von der Westseite der Schneise tauchten nach und nach Arenai auf, die sich ihren Weg freigekämpft hatten.
„Treibt sie zurück!" hallte der endgültige Befehl Gilawans durch die Schneise. „Jetzt!"
Es waren nicht mehr genug Menschen übrig, um die Elben weiter aus der Schneise fernzuhalten. Kein anderer Ausweg blieb ihnen, als unter der nun noch stärkeren Angriffskraft langsam immer mehr nach Norden auszuweichen.
Hier an dieser Stelle neigte sich der Kampf dem Ende zu. Die Menschen mochten mit verzweifelter Entschlossenheit kämpfen, doch die ersten mussten bereits den trügerischen Sumpfboden unter ihren Füßen spüren. Doch nicht an allen Stellen war die Linie so einheitlich. Am Ostrand der Schneise wurde noch erbittert gekämpft.
Mit einer Handvoll Männer zur Verstärkung rannte Gilawan in diese Richtung los. Unterwegs schlossen Arenai zu ihm auf. Tolvir war an der Spitze und auf wundersame Weise völlig unverletzt. Solvey hatte nicht so viel Glück. Schon von weitem war zu erkennen, dass sie auf einen beinahe ebenbürtigen Gegner getroffen war. Ihre Arenai waren deutlich dezimiert. Immer mehrere Gardisten versuchten, einen Arenai einzukesseln und niederzumachen.
Solvey selber stand über einem ihrer schwerverletzten Männer, drei Gegner vor sich, von denen einer der Anführer der Gardisten war. Er war es nun auch, der so heftig mit der Keule gegen ihr Schwert schlug, dass ihr die Waffe aus der Hand flog. Die Arenai wich zurück, stolperte über den Verletzten und fiel zu Boden. Sofort versuchte sie, wieder aufzustehen, aber der Mann holte bereits zum endgültigen Schlag aus.
Gilawan schrie entsetzt auf. Sie waren noch zu weit entfernt, um ihr helfen zu können. Er riss zwar seinen Bogen vom Rücken und legte im Lauf einen Pfeil ein, doch die beiden anderen Männer stellten sich vor ihren Anführer und blockierten das Schussfeld. In diesem Moment kam mit lautem Geschrei von rechts eine Gestalt herangestürmt, gefolgt von den beiden Grauwölfen. Dingis musste den Verstand verloren haben. Nur mit seinem Messer in der Hand stürzte er sich an Solvey vorbei auf ihren Angreifer. Dem Keulenschlag konnte er entgehen, doch der Mann ließ einfach seine Waffe fallen, packte Dingis rechtes Handgelenk und entwand ihm das Messer.
Keiner war nah genug, um zu verhindern, was als nächstes geschah. Kräftige Hände schlossen sich um den Kopf des Breill, der um sich trat und schlug, ohne dem Griff entkommen zu können. Ein Stöhnen kam aus Gilawans Kehle, als diese Hände in einem harten Ruck Dingis Kopf nach hinten drehten und ihm das Genick brachen. Sein Mörder ließ ihn mit einem überheblichen Lächeln zu Boden fallen und griff wieder nach seiner Keule. Er kam nicht einmal mehr in die Nähe seiner Waffe. Solvey hatte wieder ihr Schwert in der Hand und stürzte sich mit einem mörderischen Schrei auf ihn. Die Klinge fuhr in seinen Brustkorb, wurde gedreht und wieder herausgezogen. Er sackte in die Knie, aber die Arenai war noch nicht fertig mit ihm.
Gilawan wandte die Augen ab vor der grausamen Vergeltung, die sie übte. Er drang auf einen der beiden anderen Männer ein, die bislang von den Grauwölfen abgehalten wurden, ihrem Anführer zu Hilfe zu kommen. Mit Tolvirs Hilfe gelang es schnell, die letzten Angram-Gardisten wenn nicht zu töten, dann doch in die Sümpfe abzudrängen.
Gilawan beobachtete noch, wie seine Männer die Überlebenden weiter in den Norden drängten, bevor er sich erschöpft umdrehte und seinen Blick über die Schneise wandern ließ, die nun frei von Nebel war. Tote bedeckten den Boden, Verletzte stolperten langsam umher. Gilawan zwang sich, genauer hinzusehen, nach vertrauten Gesichtern zu suchen. Gut ein Viertel seiner Krieger hatte den Kampf nicht überlebt, noch einmal genau so viele waren verletzt. Mehr Arenai als Elben hatte er verloren. Auch wenn es sich aus der Natur dieses Kampfes zwangsläufig so hatte ergeben müssen, durchschnitt ihn der Verlust wie eine scharfe Klinge.
Gilawans Herz brach fast, als Solvey den Körper des Breill fast wie den eines schlafenden Kindes auf die Arme nahm und gefolgt von den Grauwölfen hinauf zum Waldrand schritt, wo sie ihn wieder behutsam ablegte. Er ruhte nicht lange dort alleine.
Am Abend erinnerte nur noch wenig an die Schlacht, die hier stattgefunden hatte. Sie bargen die Gefallenen und versorgten die Verletzten. Die Leichen der Angram-Garde wurden dem Sumpf übergeben, aus dem noch während des ganzen Tages immer wieder Hilferufe derjenigen zu hören waren, die sie weit hineingetrieben hatten. Erst als die Dunkelheit wieder über Escalonde kam, erstarben diese Rufe.
Ihre eigenen Toten lagen in einer viel zu langen Reihe am Waldrand. Die Elben wussten mittlerweile, was mit den gefallenen Arenai und ihren Seelen passieren würde. Es war eine Frage des Respekts, diesen Moment zunächst abzuwarten, bevor sie die Bestattung ihrer eigenen gefallenen Freunde beginnen würden.
Mit der Dunkelheit erhoben sich die Stimmen der Elben zu den leisen Trauerliedern, die die Toten auf ihrem Weg begleiten sollten. Sie vertrieben die letzten Schrecken und hüllten den Ort in einen Mantel aus Frieden.
Gilawan fand Solvey ganz in der Nähe von Dingis' Leichnam. Sie stand an einen Baum gelehnt, den Blick auf die Sümpfe im Norden gerichtet. Munda saß ganz dicht neben ihr, einen so traurigen Ausdruck in den leuchtenden Augen, wie er es nicht für möglich gehalten hatte.
Er trat geräuschlos näher, sprach die Arenai jedoch nicht an. Die Erinnerung an einen anderen Ort Wochen vorher überkam ihn. Damals hatte ihn die Ruhe der Arenai im Umgang mit dem Tod entsetzt und der Fehler, den er deshalb machte, war nur durch Elronds Eingreifen noch in etwas Gutes verwandelt worden.
„Wisst Ihr, warum er das gemacht hat?" fragte Solvey nach einer ganzen Weile.
Gilawan schüttelte nur den Kopf.
„Die Menschen sind mir fremd", sagte sie mit einem leichten Seufzer. „In diesem mageren, kleinen Kerl steckte ein so tapferes Herz, das es für einen großen Krieger reichte. Ah, vielleicht lohnt sich der Kampf am Ende doch."
Gilawans Antwort blieb ungesagt. Vor ihnen kam Bewegung in den Nebel und es löste sich eine große, schmale Gestalt daraus. Sie hatten wachsam zu ihren Schwertern gegriffen, steckten sie jedoch wieder zurück, als die Gestalt noch näher kam und ein braungrauer Umhang erkennbar wurde, aus dem eine Hand ragte, die einen langen, silbernen Stab umfasste.
„Heldal", begrüßte Solvey den Beobachter, dessen Ankunft Elrond ihnen schon vor dem Aufbruch aus Arengard angekündigt hatte. „Einen sicheren Weg, alter Mann."
„Einen sicheren Weg auch euch beiden", klang es ihnen entgegen.
Er erklomm mit langsamen Schritten den Erdwall, streifte sich die Kapuze vom ergrauten Kopf und betrachtete einen Moment die Toten. Schließlich wandte er sich von ihnen ab.
„Drangar war ebenso siegreich", verkündete er unvermittelt mit leiser und sehr sanfter Stimme. Er war mit Temlar nicht zu vergleichen, obwohl sich beide Männer in ihrer äußeren Erscheinung sehr ähnlich waren. „Die Gefahr ist damit für Arenor gebannt. Ihr werdet morgen nach Taurhoss aufbrechen. Lord Elrond braucht weitere Unterstützung."
„Uns wurde befohlen, hier abzuwarten", sagte Gilawan.
„Bis ich eintreffe", nickte der Beobachter. „Nun, der Moment ist gekommen, nicht wahr? Mit dem ersten Licht des Tages treten die Seelen der Toten ihre letzte Reise an. Für euch bleibt dann hier nichts mehr zu tun. Lasst mir eine kleine Anzahl Männer hier, wenn es Euch beruhigt, Waldelb, doch der Rest muss sich auf den Weg machen."
Etwas an seiner ganzen Haltung verhinderte, dass Gilawan weitere Einwände erhob.
Heldal machte keine Anstalten, das Lager aufzusuchen, das sie etwas weiter im Wald errichtet hatten. Er blieb bei ihnen, scheinbar tief in Gedanken versunken, während die Melodien der Trauerlieder den Nebel durchzogen und die Nacht sich immer weiter ihrem Ende näherte. In wortloser Eintracht fanden sich schließlich alle Überlebenden ein, die Gesänge verklangen und Stille senkte sich über den Ort.
‚Mit dem ersten Licht des Tages'... Gilawan hatte Boyars Ende erlebt und fühlte sich vorbereitet auf das, was nun mit den Arenai geschehen würde. Er erkannte seinen Irrtum erst, als über allen, gleich ob Elben oder Arenai sogar über dem Menschen, dieses seltsame goldene Leuchten erschien, mit dem die Reise der Toten begann. Die Umrisse der Körper verschwanden in lebhaftem Glitzern. Wie bei Boyar erhob sich der schimmernde Staub in die Luft, nicht einmal Kleidung oder Waffen zurücklassend. Er tanzte einen Moment über dem Boden, bevor er nach Osten davon getragen wurde von einem Windhauch, den niemand sonst spürte und hinterließ eine leuchtende Spur im dichten Nebel.
Gilawan fühlte den Blick des Beobachters auf sich ruhen. Als er ihn ansah, lächelte der alte Mann. Fragen warteten darauf, ihre Antwort zu finden, aber der Beobachter neigte nur einmal kurz den Kopf, dann wandte er sich ab und verschwand zwischen den Bäumen.
*
Elrond war es nicht vergönnt, die besondere Atmosphäre des Waldes zu erleben, von der bislang alle berichtet hatten. Kaum hatte das Heer aus Elben und Arenai die Baumlinie überquert, tauchten die ersten Ihainym aus den Bäumen auf und überbrachten albtraumhafte Nachrichten. Am Westrand ging das Drakan-Heer zum Angriff über und der Lei der Ihainym flehte um Hilfe. An der Spitze von fast eintausend Kriegern jagte Elrond los, um den neuen Verbündeten die versprochene Hilfe zu bringen. Der Ritt dauerte fast einen ganzen Tag und war dennoch nur deswegen nicht noch länger, weil die Ihainym sie den kürzesten und sichersten Weg leiteten, der durch diesen lebenden Wald voller riesiger Mellyrn zu finden war. Wären ihre Führer, die mit atemberaubender Geschwindigkeit über ihnen durch die Baumkronen glitten, unterwegs einfach verschwunden, es hätte lange gedauert, wieder einen Weg hinaus zu finden.
Keine ruhige Ankunft am Hort der Ihainym, kein Kriegsrat mit dem Lei oder König Beldoin und keine Vorbereitung und Schlachtaufstellung – Arenors Elbenfürst verdrängte den Gedanken daran, dass er noch nie in seinem langen Leben so unvorbereitet in einen Kampf gezogen war.
Schon lange vor dem Westrand hing dichter Rauch zwischen den Mellyrn. Elrond ließ sein Heer absitzen und befahl, zu Fuß weiter vorzurücken. Hivia tauchte neben ihm auf und er drückte ihr Ithilions Zügel in die Hand.
„Aber ich-„ begann sie unter Protest.
„Nein!" fuhr er sie an. „Ihr seid die Pferdeherrin. Dieser Kampf gehört nicht zu Euren Aufgaben."
Damit stürmte er an die Spitze seiner Krieger vor, das Schwert kampfbereit in der Hand. Sie landeten mitten in einem Inferno aus Feuer, Rauch und Geschrei. Auf einer Länge von mehreren hundert Metern waren die Drakan auf den Waldrand zugerückt, nachdem sie ihn zuvor an zahllosen Stellen in Brand geschossen hatten. Der Wald versuchte, sich auf seine Art zu schützen. Alles schien in den Kronen in Bewegung zu sein, brennende Äste stürzten zu Boden, um dem Rest der Kronen nicht länger gefährlich zu werden und ein seltsames Raunen untermalte die Geräusche des Feuers und der Kämpfenden, zornig und gleichzeitig voller Leid.
Hoch in den Kronen bewegten sich die Ihainym und hielten mit ihren Bögen die letzte Verteidigung gegen die Eindringlinge aufrecht. Andere versuchten, die Brände zu löschen so gut es ging. Am Boden erkannte Elrond fast ausschließlich Breill und Grauwölfe, die gegen die seelenlosen Drakan in verzweifelter Gegenwehr kaum noch standhalten konnten. Er schickte seine Krieger gleichmäßig die Linie entlang, um sie zu verstärken, wo immer es nötig war. Um die Feuer würden sie sich später kümmern müssen.
Lemna, die sich bisher still an seiner Seite gehalten hatte, trat mit erhobener Waffe einen Schritt vor, als aus den Rauchschwaden eine kleine, massige Gestalt auf ihn zugelaufen kam. Er hielt sie mit einer Geste auf. Die Umrisse eines Zwerges würde er sogar noch bei dichterem Rauch erkennen können.
Der Nimjind blieb kurz vor ihm stehen. Seine einfache Kleidung war rußverschmiert und an einigen Stellen sogar angesengt. Schweiß und Brandwunden bedeckten seinen haarlosen Schädel und auch das grobe Gesicht, das wie ein verwitterter Stein aussah. Er hielt eine kurze Axt mit einem dreieckigen, schmucklosen Blatt fest in den großen Händen. Jung war er nicht mehr, aber dennoch voller Kraft und unbeirrbarer Entschlossenheit, in diesem Kampf nicht zu weichen. Elrond hatte keinen Zweifel, wer sich da vor ihm aufgebaut hatte.
„König Beldoin", begrüßte er ihn mit einem kurzen Neigen des Kopfes. „Ich bin Elrond von Arenor. Meine Krieger werden euch bei der Verteidigung des Waldes zur Seite stehen."
Als er seinen Namen aus dem Mund dieses für ihn Fremden vernahm, hatten sich die hellen Augen des Nimjinds einen Moment verengt, um dann bei den weiteren Worten Elronds voller Ironie aufzublitzen.
„Schonende Worte, aber unnütz, Lord Elrond", meinte er grimmig. „Wir werden überrannt, wie schon einmal in den Marschen. Mein Volk besteht aus Bauern und Fischern. Ohne deine Krieger ist der Wald verloren. Ich gebe die Verteidigung in deine Hände, Lichtbringer, deine Befehle allein sollen gelten."
Mehr war nicht erforderlich, um dieser Schlacht eine schnelle Wendung zu geben. Elrond zog die Nimjinds, von denen ohnehin nur eine Handvoll diesen Abschnitt des Waldes verteidigt hatte, von der schon fast durchbrochenen Kampflinie ab. Die Lücke wurde mit Arenai und Elben gefüllt, die die Drakan zurück zwischen die brennenden Baumriesen trieben. Die Mellyrn trugen ihren eigenen Anteil zur Verteidigung des Waldes bei und begruben die Angreifer unter herabstürzenden, lichterloh brennenden Ästen. In der ganzen Breite der Schlacht rückten die Neuankömmlinge gegen die Drakan vor.
Elrond entdeckte schnell ihre Besonderheit, als er einem davon eine schwere Bauchwunde zufügte. Der schwarzäugige Krieger brach in die Knie und Elrond wandte sich ab, dem nächsten Angreifer zu. Nur aus den Augenwinkeln bemerkte er, dass sich der tödlich verletzte Drakan ohne jedes Anzeichen von Schmerz wieder auf die Beine zwang und sich erneut auf ihn stürzen wollte. Lemna mit ihrer Sichelaxt machte dem grausigen Schauspiel ein Ende.
„Tötet sie. Eine Verletzung alleine reicht nicht aus!" brüllte Elrond seinen Kriegern zu und hörte, wie der Befehl weitergegeben wurde. Einige Krieger wandten sich in ihrer Stellung um und stürzten sich auf die Drakan, die sich in ihren Rücken wieder erhoben und beinahe unbemerkt herangekommen waren.
Elrond gab erst das Zeichen zum Halt, als sie den lichten Waldrand erreichten oder an manchen Stellen auch das Feuer einen Vormarsch unmöglich machte. Die Hitze war beinahe unerträglich, ein sengender Luftstrom umhüllte ihn, während er an den Flammen vorbei beobachtete, dass die Angreifer sich über die Ebene flüchteten, wo sich das Heer der Drakan versammelt hatte. Dies war noch nicht der Entscheidungskampf gewesen, eher ein Vorgeplänkel, um die Stärke des Waldes einzuschätzen. Die Drakan würden erneut angreifen, mit noch mehr Kriegern und diesmal auf einen stärkeren Feind vorbereitet als die Ihainym oder die Breill.
Eine Berührung an der Schulter ließ ihn herumfahren. Lemna hob sofort beruhigend die Hände und zeigte dann hustend nach hinten.
„Ihr habt Recht", nickte er. „Wir ziehen uns wieder tiefer in den Wald zurück, sonst vollendet das Feuer noch, was den Drakan nicht gelungen ist."
Mit allen Anzeichen der Erleichterung gab sie seinen Befehl weiter und lotste ihn dann nicht sehr unauffällig in die Sicherheit des Waldes zurück. Elrond ließ sie gewähren. Er hatte schon damit gerechnet, dass Ayla auch diesmal vor ihrer Abreise einen neuen Leibwächter bestimmt hatte. Sie hatte eine weitaus glücklichere Wahl getroffen als beim letzten Mal. Unwillkürlich wanderten seine Blicke umher auf der Suche nach Hivias schmaler, aber unübersehbarer Gestalt.
„Alle sind in Sicherheit." Wie aus dem Nichts erschien Cric neben ihnen. „Beldoins Volk errichtet bereits das Lager für euch. Die Ihainym werden Hivia helfen, die Pferde zu versorgen. Es sind wunderbare Geschöpfe, Meister Elrond, und der Wald genießt es, sie bei sich zu haben."
„Und das Feuer?"
„Sorg dich nicht." Cric machte eine ausgreifende Geste mit seinen langen Armen. „Es wird sich nicht weiter ausbreiten. Wir betrauern den Verlust, doch die Bäume werden nicht zulassen, dass sie weiterhin eine Gefahr sind."
Ein markerschütterndes Geräusch ließ Elrond herumfahren. Fassungslos wurde er Zeuge, wie sich die brennenden Riesen langsam zur Seite neigten, um schwer und unter wildem Funkenregen in die Ebene zu stürzen. Ein vernehmliches Zittern erschütterte alles in weitem Umkreis, als sie sterbend auf dem Boden auftrafen.
Cric beobachtete stumm den Opfertod seiner geliebten Bäume. Nur die kupferfarbenen Tränen, die über seine Wangen perlten, verrieten den tiefen Schmerz des Wächters. Elrond fand keine tröstenden Worte für ihn. Dies war wohl erst der Anfang eines schrecklichen Krieges. Die Bergherren würden immer wieder ihre Truppen gegen den Wald schicken und noch mehr Feuer stand ihnen bevor.
„Der Lei erwartet dich", raunte Cric und wischte sich mit dem Ärmel die letzten Tränen vom Gesicht. „Er sagt, es gibt viel zu besprechen."
Cric führte sie tiefer in den Wald hinein, bis zwischen den knorrigen Wurzeln die lockere Ansammlung zahlloser halbfertiger Zelte zu erkennen war. Elrond hatte zwar in Arengard bemerkt, dass die Arenai aus den Kellern des großen Hauses die sorgfältig verpackten Planen und Stangen herangeschleppt und auf die Wagen des langsam dem Heer folgenden Trosses verladen hatten, aber erst hier zeigte sich wie sehr die Zelte mit ihren grün- und goldfarben gestreiften Planen in Harmonie mit ihrer Umgebung standen. Selbst an dieser Kleinigkeit wurde offenbar, dass die Valar das Schicksal ihrer Lichtbringer sehr genau vorausgesehen hatten.
Elrond drängte es danach, die mit dem schwarzen Blut der Drakan verschmierte Rüstung abzulegen, den Schmutz von seinem Körper zu waschen und einfach nur einige Stunden Ruhe in dem großen Zelt zu finden, auf das Cric ihn zuführte.
Später, erkannte er voller Selbstironie, wann lernst du endlich, dass es nie nach deinen Wünschen geht?
Mehrere Gestalten hatten sich bereits vor dem Zelt im Zentrum des Lagers versammelt. Ein Elb war dabei, der seine Gedanken offenbar erahnte, denn ein mitleidiges Lächeln umspielte seine Lippen. Seine Rüstung war ebenso blutbesudelt wie die Elronds und Russspuren lagen auf seinem Gesicht. Astardhil, der leidenschaftliche Krieger, mit dem Elrond gemeinsame Erinnerungen an die Schlacht des Letzten Bündnisses teilte. Wie Gil-Galad war er dort gefallen. In Gildanna hatte er wie ein Einsiedler gelebt und war erst kurz vor dem Abmarsch des Heeres in Arengard eingetroffen. Jetzt genügte ein Blick in seine funkelnden Augen, um zu begreifen, warum er es nie auf dem Weg der inneren Ruhe von Arenor nach Valinor geschafft hatte.
Dorian war ebenfalls anwesend und auch König Beldoin. Am meisten faszinierte Elrond jedoch die seltsame Gestalt, die neben dem Zelteingang auf einem Kissen hockte. Haldir hatte ihn zu gut beschrieben, um nicht den Lei der Ihainym sofort zu erkennen.
„Kriegsfürst", empfing er den Elb mit knisternder Stimme. „Du hast uns gerettet. Der Wald wird auf ewig in deiner Schuld stehen."
„Noch ist der Kampf nicht gewonnen, Meister Tox."
„Ich weiß, aber er ist auch ebenso wenig verloren."
Auf ein Zeichen von ihm brachte eine Ihainym einen einfachen Holzbecher mit Wein. Als Elrond eingedenk der Erzählungen Haldirs mit leichtem Misstrauen den Inhalt betrachtete, brach der Lei in schallendes Gelächter aus.
„Das würde selbst ich nicht wagen", kicherte er schließlich. „Obwohl mir der Gedanke natürlich gekommen ist. Aber was nützt mir ein schlafender Elbenfürst? Es gibt noch so viel zu bereden."
Elrond unterdrückte einen Seufzer und trank einen Schluck des kühlen, fruchtigen Weins. „Ja, das gibt es wohl. Fangen wir mit der Verteidigung an."
„Sie existiert nicht", schnaubte Beldoin. „Jedenfalls nicht, bis du gekommen bist. Draußen in der Ebene sammeln sich Tausende von Drakan."
Lemna holte wortlos einen tuchbespannten Holzstuhl aus dem Zelt und stellte ihn demonstrativ hinter Elrond auf. Mit einem dankbaren Nicken setzte er sich und streckte die Beine aus.
„Sie werden nicht gleich wieder angreifen", sagte er.
„Und warum nicht?" wollte Dorian wissen.
„Weil sie überrascht wurden", erklärte Astardhil an Elronds Stelle. „Diese Wesen können keine eigenen Entscheidungen treffen. Sie erwarten nun die Befehle ihrer Hauptmänner und die werden wiederum die eigentlichen Anführer um Rat fragen. Das dauert."
„Die Bergherren", raunte der Lei. „Einer von ihnen ist dort draußen. Ich kann seine dunkle Seele spüren."
„Erzähl mir von den Bergherren", forderte Elrond.
„Ich weiß nichts über sie", lautete die enttäuschende Antwort. „Wir haben zu lange isoliert hier mit dem Wald gelebt. Als wir begannen, die Gefahr aus dem Westen zu erahnen, war es bereits zu spät. Sie waren schon so wie sie jetzt sind."
„Es sind Elben", sagte Elrond.
„Ihre Vorfahren vor langer Zeit", meinte der Lei. „Nichts mehr vom Glanz der Erstgeborenen ist geblieben, da bin ich mir sicher."
„Melja könnte uns wohl mehr sagen", meinte Dorian.
Elrond spürte seine Sorge, die er auch teilte. Gleichwohl bedachte er den jungen Breill mit einem tröstlichen Lächeln. „Oryn berichtete, sie haben den Amon Naith bereits wieder verlassen. Sie sind nicht gescheitert, Dorian."
„Und wie sollen sie durch die Drakan zu uns kommen?" grollte Beldoin. „Willst du das Heer angreifen, um ihnen den Weg frei zu machen?"
„Vielleicht können sie es umgehen, König Beldoin."
„Nein, unmöglich", sagte der Zwerg. Hinter all seinem Grimm lauerte deutlich die Sorge um seinen letzten Sohn. Beldoin musste schlaflose Nächte hinter sich haben bei der Suche nach einem Ausweg. „Die Drakan patrouillieren überall dort, wo das Gelände dies ermöglichen würde. Sie werden genau hier auf das Heer treffen."
„Bevor wir überhaupt einen Weg finden, müssen wir wissen, wo sie sich jetzt befinden", sagte Elrond und sein Blick glitt zu Dorian.
Statt des Breill erhob sich Arn, schüttelte sein etwas zerzaustes Fell aus und schritt dann gemächlich davon.
„Sie werden sie suchen", erklärte Dorian. „Und warnen, damit sie nicht in die Drakan hineinlaufen."
„Die Gefahr dürfte gering sein", lächelte Astardhil. „Weder der Herr von Ithuris noch die Schildmeisterin werden wie unschuldige Kinder über das Land spazieren."
„Gewiss nicht", nickte der Lei erheitert. „Du kennst sie immer noch nicht sehr gut, Firimar. Hast du schon vergessen, wie du wegen einer einzigen dummen Bemerkung quer durch meine Hütte geflogen bist?"
Elrond hob interessiert die Brauen.
„Ich könnte es vergessen, wenn du mich nicht dauernd daran erinnern würdest", knurrte Dorian errötend. „Und zwar bei jeder unpassenden Gelegenheit."
Der alte Ihainym winkte lachend ab. „Und jetzt, Kriegsfürst, sag mir, ob die Ihainym bei der Verteidigung eine Hilfe sein können."
„Eine große sogar, Lei-Tox. Durch Cric weiß ich, dass ihr großartige Bogenschützen seid. Aus den Stellungen in den Baumkronen könnt ihr weit in die Ebene hinein eure Bogen einsetzen. Wenn ihr noch meinen Bogenschützen ähnliche geschützte Plätze zeigt, sind wir vor Überraschungen sicher. Am Boden gilt das gleiche für die Breill und Levarin." Elrond nickte Dorian ermutigend zu.
„Wenn du jede Hilfe benötigst, solltest du auch mein Volk einteilen", bot Beldoin an.
Elrond unterdrückte ein Lächeln. Der Stolz des Nimjind war stark, er hatte nicht vor, ihn zu verletzen. „Dein Volk hat schon einen hohen Blutzoll gezahlt, König Beldoin. Es ist für euch nun an der Zeit, uns andere ihren Teil leisten zu lassen. Ich denke, die größte Hilfe wird hier im Lager benötigt. Wie gut kennt ihr euch noch im Waffenschmieden aus?"
„Gut genug, Elbenlord. Uns sind nicht alle alten Fähigkeiten verloren gegangen. Was immer an den Rüstungen deiner Männer zu erneuern ist, es wird uns gelingen. Und unsere Frauen werden es übernehmen, die Krieger mit Essen zu versorgen. Lei-Tox?"
Der Ihainym nickte. „Alle Früchte des Waldes stehen euch zur Verfügung. Auch die Jagd soll für die Dauer des Krieges frei sein. Ein jedes Geschöpf wird nun Opfer bringen müssen auf die Art, die ihm am besten möglich ist."
Elrond war dankbar, dass damit das Gespräch offenbar ein Ende fand. Es würden zwar noch weitere folgen, aber nicht mehr jetzt. Jeder hatte eine Aufgabe und bis auf Lemna und Astardhil zogen sie alle davon. Gefolgt von den beiden Kriegern betrat er sein Zelt.
„Die Nimjind haben es in aller Eile errichtet", erklärte Astardhil. „Sie sind recht geschickt."
Elrond sah sich prüfend um. Er hatte weniger Bequemlichkeit erwartet, als er nun tatsächlich vorfand. Das Zelt war durch einen Vorhang in zwei Bereiche geteilt. Im hinteren Bereich stand ein mit Decken und Kissen bedecktes Feldbett und eine Waschschüssel, im vorderen ein großer Tisch mit sechs Stühlen, die dem ähnelten, den Lemna ihm gebracht hatte. An einer der Zeltwände stand eine große Ebenholztruhe, die ihm vertraut vorkam.
„Aus Eurem Schlafraum im Großen Haus", erklärte Lemna ungefragt. „Lady Elawen hat sich die Freiheit genommen, Eure Sachen zu packen. Sie meinte, nur die Rüstung und die Waffen wären auf Dauer zu unbequem."
„Sie ist eine kluge Frau." Elrond legte seinen Waffengürtel ab. „Hat man Euch beide auch gut untergebracht?"
„Ich kann nicht klagen", lächelte Astardhil.
Lemna sagte gar nichts. Elrond warf ihr einen scharfen Blick zu. Er kannte das Pflichtbewusstsein der Arenai inzwischen gut genug.
„Lemna, Ihr werdet keinesfalls auf meiner Türschwelle übernachten. Lasst Euch ein Zelt zuweisen und das ist keine höfliche Bitte von mir."
„Sie kann bei mir schlafen", erklang es vom Eingang. Hivia marschierte herein, sah sich kurz um und nickte dann zufrieden. „So üppig sieht es zwar dort nicht aus, aber es stehen zwei Betten drin. Wer seid Ihr?"
„Astardhil aus Gildanna."
Die höfliche Verbeugung machte wenig Eindruck auf Hivia. Elrond seufzte im Stillen. Sie war guter Dinge, ein sehr anstrengender Zustand bei ihr.
Hivia klopfte Astardhil zu seiner Verblüffung auf die Schulter. „Der Einsiedler, nicht wahr? Ich habe von Euch in Gildanna gehört. Für einen Verrückten macht Ihr Euch recht gut in dieser Rüstung."
„Sind die Pferde gut untergebracht?" erkundigte sich Elrond ergeben, während er sich daran machte, die Rüstung abzulegen.
„Aber sicher", war die fast schon beleidigte Antwort. „Besser als die meisten Krieger, Ihr natürlich ausgenommen. Gleich neben dem hier habe ich zwei Zelte freihalten lassen. Ayla und Haldir werden dankbar dafür sein, wenn sie endlich wieder hier sind. Sie kommen doch zurück, oder?"
„Ich hoffe es."
„Etwas vertrauenserweckender könntet Ihr schon klingen, Lord Elrond. Lasst mich das machen." Sie schob seine Hände beiseite und begann, an den seitlichen Schlaufen des Harnischs herumzuzerren. „Aber mehr sollte ich wohl nicht von Euch erwarten, dafür kenne ich Euch inzwischen viel zu gut. Wieviele Verschlüsse hat dieses Ding?"
„Einige", murmelte Elrond.
„Das merke ich gerade. Es wundert mich, dass Ihr sie überhaupt anbekommen habt oder hat man Euch direkt beim Abmarsch hineingeschmiedet?"
Lemna legte den Kopf etwas schief und ließ ihren Blick zwischen der Pferdeherrin und Elrond hin und her wandern. „Hivia..."
„Stör mich jetzt nicht, Lemna." Hivia war offenbar fest entschlossen, auch ohne fremde Hilfe die Geheimnisse dieser Rüstung zu entschlüsseln. „Ich habe mich mit einem dieser Nimjinds unterhalten. Er sagt, es gab noch niemals in der Geschichte Escalondes ein solches Aufgebot von Drakan. Offenbar ist das für die Bergherren so eine Art letztes Gefecht. Diese Kerle müssen ganz genau wissen, was die Ankunft Arenors für sie bedeutet. Ah, die Seite habe ich offen. Die andere wird ein Kinderspiel. Übrigens hat man auf Ayla und die anderen ein Kopfgeld ausgesetzt."
Elrond starrte auf den rabenschwarzen Haarschopf, der halb unter seinem linken Arm verschwunden war. „Was?"
„Meinte einer der Breill, der aus den Ebenen eingetroffen ist. Noch nicht sehr lange, aber die Beschreibungen sind wohl kaum mißzuverstehen. Fünfhundert Goldstücke, das klingt nach einer ganzen Menge."
„Dann haben sie den Silmaril in der Festung finden können", vermutete Astardhil.
„Natürlich, deswegen hat Elrond sie doch losgeschickt", murmelte Hivia. Es knackte vernehmlich und sie hielt etwas verlegen ein dunkelblaues Samtband hoch. „Oh, das tut mir leid. Aber es war sicher nur zur Zierde da."
„Hivia!" Elrond fasste sie an den Oberarmen und zog sie vor sich. „Warum konntet Ihr nicht einfach von dem Kopfgeld berichten, ohne vorher meine Rüstung zu zerlegen?"
„Ich wollte nur helfen."
„Ihr wollt immer nur helfen."
„Und Ihr seid undankbar."
„Weshalb? Weil ich mich nicht bedanke, dass Ihr meine Rüstung ruiniert?"
„Was kann ich dafür, dass dieses Ding schon morsch war."
„Oder eingerostet?"
„Oder auch das!"
Elrond runzelte die Stirn, obwohl ihm eher danach war, in lautes Gelächter auszubrechen, so erschrocken starrte sie zu ihm hoch.
„Ich meinte eigentlich..." Sie schluckte. „Eigentlich weiß ich nicht genau, was ich meinte."
„Tatsächlich?"
Mit der Hand, die immer noch krampfhaft das Samtband umklammert hielt, schlug sie gegen seine gelockerte Rüstung, die vernehmlich schepperte. „Ah, Ihr macht mich wirklich wahnsinnig! Ich wollte nur nett sein, wirklich einfach nur nett. Eigentlich ist es Eure Schuld. Natürlich seid Ihr nicht eingerostet, ganz im Gegenteil, aber Ihr provoziert mich immer."
„Hivia, habt Ihr Wein getrunken?"
„Nein!" fauchte sie, einen Sturm der Empörung in den großen Augen.
Elrond ließ diese klaren Seen ihrer Gefühle auf sich wirken und traf eine Entscheidung. Mochte es weder die rechte Zeit noch der rechte Ort dafür sein, doch Aufschub gab es keinen mehr.
„Gut", murmelte er. „Dann werdet Ihr wohl diesmal nicht wieder die Hälfte vergessen."
Ihre nächste entrüstete Bemerkung wurde nie ausgesprochen. Elrond hatte eine Schlacht hinter sich, eine anstrengende Besprechung und er sehnte sich nach Entspannung. Hivias weiche, verführerische Lippen waren genau das, was er in diesem Moment am meisten brauchte. Perfekterweise war ihr Mund noch zu einer Antwort geöffnet und Elrond kostete ungehindert aus, was sich ihm da bot. Hivia zu zeigen, das eine Zunge nicht nur dafür geschaffen war, unablässig Worte zu produzieren, wusch die letzte Anspannung dieser letzten Tage wie ein warmer Sommerregen von ihm ab. Amüsiert registrierte er, dass sie sich nach dem ersten Schrecken merklich in seinen Armen entspannte. Er bezweifelte, dass ihr wirklich klar war, wie sie sich an ihn lehnte und was ihre Hände auf seinem Rücken so veranstalteten.
Bevor seine eigene Selbstbeherrschung sich ebenfalls verabschiedete, löste er sich langsam von ihr. Sie blinzelte ihn einen Moment verträumt an und landete dann ruckartig wieder in der Wirklichkeit. Schweratmend stolperte sie zurück und endete in Lemnas hilfreich ausgestreckten Armen.
„Sag jetzt nichts", meinte die Arenai nur zu ihr. Sie schob Hivia aus dem Zelt und bedachte Elrond dabei mit einem langen Blick über die Schulter, die Augenbrauen fast in den schwarzen Locken verschwunden.
Ausgesprochen zufrieden befreite Elrond sich aus seinem Harnisch, bevor er sich zu Astardhil umdrehte. „Ist noch etwas?"
Der Elb grinste. „Manche Dinge verlernt man offenbar nie."
„Nein", grinste Elrond zurück. „Manche wirklich nicht."
tbc
