~Kapitel 6- Intrigen~
Misstrauisch beobachtete sie den schlafenden Legolas. Ganz friedlich lag er da und träumte. Aeriél hatte zum ersten Mal seit langer Zeit die, sich selbst gesetzte, Grenze überschritten und sich seinen Traum angesehen. Normalerweise lehnte sie so etwas strikt ab, denn sie betrachtete es als respektlos, dermaßen über andere zu entscheiden aber jetzt war es wichtig, denn sie spürte, dass mit ihrem Freund etwas nicht in Ordnung war.
Sie fand sich in einer Art dunklen stinkenden Sumpf wieder, durch den nur ein schmaler Weg über viele wackelige Brücken führte. Einen Moment sah sie sich unschlüssig um aber dann gewahrte sie in der Ferne den panisch durch das Moor rennenden Legolas. Angestrengt kniff sie die Augen zu. Die vielen, überall herum hängenden Schlingpflanzen machten es schwer, ihren Freund im Auge zu behalten aber der Kontrast seiner goldenen Haare mit dem silbernen Schimmern zu dem schwarz-grünen und tropfenden Treibholz und Morast, ließen sie ihn nie ganz verlieren. Nach wenigen Augenblicken gewahrte sie einen riesigen schwarzen Schatten wage human geformt. Wie eine riesige bedrohliche Krähe schien dieser über das Moor zu schweben, die Augen auf ihren Freund gerichtet. Einen Moment schien es ihn aus den Augen verloren zu haben, denn sie spürte wie seine suchenden Augen über die Äste und den Schlamm wanderte. Aeriél erstarrte als sie die Augen auf sich verweilen spürte. Es suchte jetzt nicht mehr nach Legolas, es suchte nach ihr! Das war kein Traumschatten, er existierte wirklich! Sie setzte eine Kraft ein, die sie hasste! Es tat immer so weh und kostete so viel Kraft. Mit aller Macht griff sie nach Legolas' weit entferntem Arm und riss ihn mit sich fort. Sie schloss ihn in die Arme, ein Blitz zuckte und als das Traummoor wieder in der alten Farblosigkeit erschien waren sie verschwunden. ~~*~~
Fluchend sprang die Gestalt von der Kugel weg als ein Blitz aus der Hand seines nicht ganz so wehrlosen wie erwarteten Opfers daraus hervor zuckte. Ein paar wenige Orks hatten das unsägliche Pech, in diesem Moment im Raum zu verweilen. Keiner von ihnen überlebte den fürchterlichen Wutanfall ihres Herrn. Dieser stürmte noch immer vor ungezügelter Wut über seinen Fehlschlag schäumend auf eine Art Balkon. Frustriert gruben sich Klauen wie Eisen in das Steingeländer und hinterließen eine weitere Furche. Vor Zorn funkelnde Augen suchten den dichten Wald zu Füßen seines dunklen Palastes ab. "Nun kennst du mich, kleine Elbin. Nun kennst du den Schatten, der dich dein ganzes Leben lang verfolgt hat und der dich am Ende töten wird. Ich könnte dich von hier aus auf der Stelle töten, doch im Moment ist ein anderer Auftrag wichtiger. Bete, dass niemals mein Augenmerk endgültig auf dich fällt, Magor[Kämpfer]. Denn dann wird dein Tod besiegelt sein, ich bin dein Todfeind." ~~*~~
Aeriél kniete am Boden und strich dem völlig verstörten Legolas beruhigend über den Rücken. Er war schwer atmend und schweißgebadet aus seinen Dunklen Träumen erwacht. Genau genommen hatte sie ihn herausgezerrt um ihn vor diesem Feind zu beschützen. Es tat ihr leid aber sie wollte weder dass ihm etwas zustieß, noch dass er erfuhr, dass sie in seinen Träumen herum geschlichen war. Fingernägel gruben sich schmerzhaft in ihren Rücken und so löste sie sich vorsichtig von ihm um ihm in die Augen zu sehen. Sie waren nicht schwarz, nur Angsterfüllt. "Legolas, wir müssen weiter! Es wird bald beginnen zu regnen. Bis dahin müssen wir einen trockenen Unterschlupf gefunden haben oder wir werden völlig durchnässt." Sie half ihm beim Aufstehen und sammelte ihre Sachen zusammen. Es dauerte kaum fünf Minuten und sie hatten die kleine Lichtung verlassen. Alfirion trug sie beide sicher durch die noch immer herrschende Dunkelheit. Keiner sagte ein Wort. Aeriél wusste, Legolas grübelte über seine Vergangenheit nach. Er tat ihr leid. Sie wusste ja genau, dass Lord Elrond ihr die Erinnerungen aus dem Kopf genommen hatte und aufbewahrte um sie ihr wiederzugeben wenn sie damit fertig werden würde. Völlige Ungewissheit über sein Schicksal zu haben musste etwas ganz anderes sein. Durch die dunklen Bäume und das dichte Gestrüpp wurde bald eine Straße auf. Sie waren jetzt seit zwei Tagen unterwegs und wenn die Karte in ihrem Gedächtnis stimmte, dann musste das die alte Waldstraße sein. Erleichtert atmete sie auf. Wenn sie diese in Richtung Osten verfolgten, dann würden sie zu den Waldelben kommen und damit zu Legolas' Familie. ~~*~~
Die Königsfamilie und ihre Garden waren vor zwei Stunden im Palast angekommen. Thranduil hatte sich zur Ablenkung sofort wieder in die Regierungsarbeit geworfen, oder behauptete das zumindest, doch drei seiner Söhne saßen nun im Schlossgarten und unterhielten sich. Die Prinzen hatten es sich auf dem Baum bequem gemacht, den sie früher in ihrer Jugend immer erklettert hatten. "Ich hoffe, unserem kleinen Brüderchen geht es gut!", meinte Leagim gerade betrübt. "Es geht ihm gut, keine Angst. So klein ist er gar nicht mehr, er kann auf sich selbst aufpassen. Nicht zuletzt durch dein Training, Bruder.", antwortete Sílanell mit einem wissenden Lächeln. Die Andern beiden hatten sich längst daran gewöhnt, dass ihr Bruder Dinge immer zuerst wusste und so beließen sie es dabei. Eine Weile sagte keiner von ihnen etwas, dann brach Calegaladh das Schweigen: "Habt ihr Vater seit Mutters Tod jemals so traurig gesehen?" "Meinst du denn, ada weiß nicht, wer oder was Legolas ist? Galadriel hat es ihm doch damals bei der Geburt unseres Bruders gesagt.", sagte Leagim mit einem Zwinkern. Calegaladh begann zu kichern: "Stimmt! Und eigentlich dürften wir das gar nicht wissen, hättest du nicht darauf bestanden, dass wir lauschen! Und dann seid ihr mir zu schwer geworden und wir sind alle drei umgefallen!" Nun stimmte auch Sílanell in das Lachen ein: "Ja, und Vater wollte eigentlich zornig aussehen, konnte sich das Lachen aber selbst nicht verkneifen und die Lady Galadriel hat auch gelacht." Calegaladh lächelte betrübt: "Damals war Vater noch ein Vater für uns. Danach ist er nur noch unser König gewesen." Sílanell lehnte sich hinüber und legte ihm die Hand auf die Schulter. "Ada findet wieder zu sich selbst zurück. Bald wird er wieder das wundervolle Wesen sein, das Legolas nie kennen gelernt hat." Leagim entfuhr ein Seufzer: "Ich hoffe nur, dass du Recht hast, Bruderherz!" "Kommt, lasst uns zu Vater gehen! Er ist den ganzen Tag nicht aus seinem Arbeitszimmer gekommen." Gleichzeitig sprangen sie in einem einzigen eleganten Satz von dem Ast und landeten lautlos auf dem Boden. Gemeinsam machten sich die drei Prinzen auf den Weg zum Arbeitszimmer. Nachdem sie die endlosen Gänge des Palastes durchquert hatten und im Bereich der Gesichte im dritten Stockwerk, auf dem der Gebieter seinen Geschäften nachging. Vor einem großen Tor mit reichen Verziehrungen in dem hellen Holz machten die drei Halt und traten nach kurzem Zögern in den privaten Arbeitsbereich des Herrschers. Ihr Vater stand völlig bewegungslos zwischen zwei Gruppenporträts. Das eine zeigte die Herrscherfamilie vor der Geburt des Jüngsten und mit des Königs Frau, auf dem anderen war ein sehr ernster König und vier Söhne zu sehen, von denen nicht alle glücklich aussahen. Thranduil wand sich langsam zu seinen Söhnen um. Diese waren wegen der blutunterlaufenen und verquollenen Augen und der nur mühsam aufrecht erhaltenen Beherrschung sichtlich geschockt. Calegaladh war der Erste, der sich überwand. "Vater, dein Stab erwartet dich. Ein Brief ist aus Bruchtal eingetroffen und die Späher der Grenzen sind zur Berichterstattung angereist." "Warum? Warum erwartet man von mir, dass ich einfach weitermache? Warum muss ich stark sein und darf nicht trauern? Ich bin doch auch nur ein Wesen aus Fleisch und Blut. Genauso verletzlich und fühlend wie es auch ein Mensch oder jede andere Rasse ist!" Auch Leagim war zu seinem Vater getreten: "Du bist ein König, ada. Das Volk erwartet von dir, dass du als ihr Herrscher immer für sie da sein wirst, dass du über den Schicksalsschlägen des Lebens stehst." "Ich habe schon einmal jemanden verloren." Gedankenverloren und in Erinnerungen versunken fuhr Thranduil fort: "Damals habe ich um ihretwillen weitergemacht. Doch ich habe versagt. Schon wieder." Nun endlich mischte sich auch Sílanell in das Gespräch ein: "Ich denke nicht, dass wir überhaupt einen Verlust zu beklagen haben. Legolas ist am Leben, ich bin mir ganz sicher! Und nun, Vater, geh wieder an deine Arbeit, ich bitte dich! Sobald es auch nur die geringste Neuigkeit gibt, werden wir sie dir berichten aber im Moment tust du allen, besonders deinem Volk, einen größeren Gefallen, wenn du ihm als ein König dienst und deinen Pflichten nachgehst. Wir werden dich jetzt in den Konferenzraum begleiten, wo dein Stab und die Grenzwachenhauptmänner auf dich warten." Tatsächlich ließ er sich von seinen Söhnen in die Versammelung schleifen und riss sich zusammen, sodass man ihm sein eigenes Dilemma nicht mehr ansah und er erneut der verschlossene und manchmal sehr impulsive König war. ~~*~~
Über den Bäumen wurden die ersten silbernen und weißen Türme sichtbar. Es würde wohl kaum noch eine halbe Stunde dauern und sie wären da. Aeriél wusste, dass sie von der Palastwache beobachtet wurden, sonst hätte sie Legolas auf diese ersten Einblicke aufmerksam gemacht. Auch ohne ihr eigenes Zutun hatte Alfirion begonnen, seinen Schritt zu beschleunigen. Wo ein Palast war, da gab es auch Stallungen und dort wiederum fand man Futter und Erholung für sein Pferd und letztere brauchte es nach den Strapazen ganz sicher! Legolas tippte sie an der Schulter an: "Ist das mein Zuhause?" Aeriél nickte bestätigend: "Ja, da lebst du." In diesem Moment sprangen mehrere Wachen mit gespannten Bögen auf den Weg. Der größte von ihnen fragte in gebieterischem Ton: "Was führt euch in das Waldlandreich und zum Palast des Königs? Sprecht rasch oder geht!" Der Hauptmann hatte in Sindarin gesprochen, daher hatte Legolas ihn nicht verstanden und antwortete nicht. Er sah ihn nur unverkennbar feindselig an. "Sprecht ihr immer so mit euren Prinzen? Der Prinz hat sich am Bein verletzt und ich bringe ihn nun in einer wichtigen Angelegenheit zurück in seine Heimat." Nachdem er den Prinzen hinten auf dem Pferd ausgemacht hatte wurde er furchtbar verlegen und winkte sie durch, jedoch nicht ohne eine Entschuldigung abzugeben: "Verzeiht, mein Prinz. Wir sind seit Tagen im Dienst und völlig übernächtigt. Wir haben Euch nicht erkannt." Legolas verstand zwar erneut kein Wort, nickte aber dennoch rein intuitiv verzeihend. Aeriél beeilte sich, in seinem Kopf das Gesagte zu übersetzten. In Westron antwortete er daher: "Ich werde es meinem Vater berichten. Ich bin mir sicher, er wird euch eine Abwechselung schicken." Nur wenige Wegbiegungen später kamen sie an einem großen weißen Tor an. Die Flügel wurden von zwei Elben in Schlosswachenkleidung geöffnet. Legolas verschlug es sichtbar die Sprache. Er bestaunte ausgiebig den großen Park voller Blumen und Bäume und den großen weißen Palast. In seiner Größe müsste gerade dieser sehr einschüchternd auf jeden wirken aber er tat es nicht, denn er war nicht wuchtig sondern luftig und sah aus als würde er über dem Boden schweben. Wie ein spitzes Schneckenhaus schraubte er sich nach oben. Er war im Vergleich zu Bruchtal oder Lothlórien schlicht aber nicht weniger kunstvoll verziert. Überall erkannte man die Formen der Natur wieder. Pflanzen- und Blumenornamente genauso wie Tiere oder geschichtliche Ereignisse waren an den Außenwänden dargestellt und ließen die Innenaufteilung zumindest bereits erahnen. Aeriél war noch nie in der Nähe des Palastes gewesen aber sie hatte dennoch von dessen einmaliger Einrichtung nach Lebensaufgaben wie der Politik, Leidenschaften wie der Natur und Geschichte der Elben auf verschiedenen Stockwerken aufgeteilt gehört. Nur mit Mühe riss sie sich von dem, trotz ihrer Erfahrung, überwältigendem Anblick los und führte ihr Pferd, von dem sie inzwischen Abgestiegen war aber auf dem Legolas noch immer saß, da sein Bein sich zu keiner Bewegung überreden ließ, um den Springbrunnen in der Mitte des Vorplatzes zu den Ställen. Dort empfingen sie einige Stallburschen und brachten Alfirion ohne auch nur das geringste Zögern in eine der Boxen, wo das Tier abgerieben und mit Futter versorgt wurde. Von einem Diener, der nur wenige Sekunden danach angelaufen kam, wurden sie in Richtung Palast geleitet. Der Bedienstete war sehr schweigsam und Aeriél versuchte ein Gespräch mit ihm anzufangen, was nicht ganz einfach war, denn einerseits sprach er nicht gut Westron und andererseits stützte sie noch immer Legolas nach Leibeskräften. Als sie in die riesige Eingangshalle eintraten, staunten die Beiden nicht schlecht und jetzt endlich wurde ihr Führer gesprächiger. Zumindest für Aeriél, wie er glaubte, erzählte er ihnen aus der Geschichte des Palastes und dessen Bewohnern. Als Aeriél den Moment für günstig hielt begann sie ein belangloses Gespräch über die Königsfamilie. So erzählte ihr Tralion, wie der Diener hieß, dass der Herrscher sich seit seiner Wiederkehr aus dem goldenen Wald sehr verändert habe. Er sei sehr schweigsam und nehme kaum noch an politischen Besprechungen teil. Das Volk bekomme ihn kaum noch zu Gesicht, während er doch früher wenigstens ab und zu Feste abgehalten habe. Es war kein Vergleich zu ganz früher gewesen, als die Königin noch lebte, aber immerhin etwas. Das ganze Volk mache sich große Sorgen und wisse nicht, was mit ihrem Gebieter los war. Aeriél hörte die Sorge deutlich aus dessen Stimme heraus und versicherte ihm, dass es Gründe dafür gab, diese sich aber bald in Luft auflösen würden. Endlich vor der Tür angekommen, hinter der sich Thranduil verbarg, kostete es Aeriél einiges an Überwindung, die Tür aufzustoßen und hinein zu treten. Das hatte zwar eigentlich der Diener machen wollen doch Aeriél hatte ihn kurzerhand höfflich zurück zum Stall geschickt. Im Zimmer erwartete sie dann eine kleine Überraschung. An der gegenüber liegenden Seite des Raumes standen Leagim und Celeborn und sahen aus dem Fenster und unterhielten sich. Zumindest hatten sie es bis eben getan. Nun hatten sie sich umgedreht und sahen zur geöffneten Tür. Celeborn lächelte ein wenig und Leagim lief auf seinen kleinen Bruder zu und umarmte ihn freudig. Legolas war furchtbar verwirrt von alledem und tat deswegen einfach nichts. Erst als Celeborn Leagim leicht am Arm berührte lies dieser von dem jungen Prinzen ab. Leagim wuschelte dem bereits sehr zerzaust aussehenden Legolas nochmals durch die Haare und sagte mit sich fast überschlagender Stimme: "Du glaubst ja gar nicht, wie wir dich vermisst haben, Kleiner! Wie kannst du uns nur einen solchen Schrecken einjagen?" Legolas sah ihn nur weiter verständnislos an. Leagim hatte Sindarin gesprochen. Dann trat Celeborn vor Legolas, faste ihn an den Schultern und beugte sich hinunter, sodass er dem Prinzen genau in die Augen sehen konnte. Einen Moment schien er in ihnen etwas zu suchen aber dann drehte er sich wieder zu Leagim um und sagte mit sehr ernster Stimme: "Leagim, ich fürchte Euer Bruder versteht Euch nicht. Er erkennt Euch ja noch nicht mal!" ~~~~~~~*~~~~~~~ Ja ja, ich weiß! Doofe Stelle um das zu beenden aber ich hab ja so schon so endlos lange gebraucht! Reviews: @Laith: Ui, danke! Tja, du hast Recht. Vielleicht sollte ich Chrissi tatsächlich ein neues Chap schicken. @Atlantis: Sadistin? ICH????? Ach, wo denkst du hin! *mit dem Fuß ihr Waffenarsenal unter den Tisch schieb* @Waldfee: zu 2.: Aber klar doch! Ich mag es, wenn meine Charaktere leiden! Ist doch viel spannender als so eine Friede-Freude-Eierkuchen-Geschichte á la: Legolas verliebt sich in unbekannte Schönheit, rettet sie aus irgendwas und sie leben glücklich bis an ihr (nicht vorhandenes) Lebensende. ;-) zu 5: Tz, tz, tz! Das verrat ich dir jetzt noch nicht!(Och mööööisch, Leute! Jetzt lasst einer Autorin doch mal ihre Geheimnisse!;-D) @Feanen: Na, das muss ich mir aber noch mal stark überlegen!
Und schön weiter Reviews schreiben, auch wenn's diesmal nicht so gut war!
Bye, eure Aeril
Misstrauisch beobachtete sie den schlafenden Legolas. Ganz friedlich lag er da und träumte. Aeriél hatte zum ersten Mal seit langer Zeit die, sich selbst gesetzte, Grenze überschritten und sich seinen Traum angesehen. Normalerweise lehnte sie so etwas strikt ab, denn sie betrachtete es als respektlos, dermaßen über andere zu entscheiden aber jetzt war es wichtig, denn sie spürte, dass mit ihrem Freund etwas nicht in Ordnung war.
Sie fand sich in einer Art dunklen stinkenden Sumpf wieder, durch den nur ein schmaler Weg über viele wackelige Brücken führte. Einen Moment sah sie sich unschlüssig um aber dann gewahrte sie in der Ferne den panisch durch das Moor rennenden Legolas. Angestrengt kniff sie die Augen zu. Die vielen, überall herum hängenden Schlingpflanzen machten es schwer, ihren Freund im Auge zu behalten aber der Kontrast seiner goldenen Haare mit dem silbernen Schimmern zu dem schwarz-grünen und tropfenden Treibholz und Morast, ließen sie ihn nie ganz verlieren. Nach wenigen Augenblicken gewahrte sie einen riesigen schwarzen Schatten wage human geformt. Wie eine riesige bedrohliche Krähe schien dieser über das Moor zu schweben, die Augen auf ihren Freund gerichtet. Einen Moment schien es ihn aus den Augen verloren zu haben, denn sie spürte wie seine suchenden Augen über die Äste und den Schlamm wanderte. Aeriél erstarrte als sie die Augen auf sich verweilen spürte. Es suchte jetzt nicht mehr nach Legolas, es suchte nach ihr! Das war kein Traumschatten, er existierte wirklich! Sie setzte eine Kraft ein, die sie hasste! Es tat immer so weh und kostete so viel Kraft. Mit aller Macht griff sie nach Legolas' weit entferntem Arm und riss ihn mit sich fort. Sie schloss ihn in die Arme, ein Blitz zuckte und als das Traummoor wieder in der alten Farblosigkeit erschien waren sie verschwunden. ~~*~~
Fluchend sprang die Gestalt von der Kugel weg als ein Blitz aus der Hand seines nicht ganz so wehrlosen wie erwarteten Opfers daraus hervor zuckte. Ein paar wenige Orks hatten das unsägliche Pech, in diesem Moment im Raum zu verweilen. Keiner von ihnen überlebte den fürchterlichen Wutanfall ihres Herrn. Dieser stürmte noch immer vor ungezügelter Wut über seinen Fehlschlag schäumend auf eine Art Balkon. Frustriert gruben sich Klauen wie Eisen in das Steingeländer und hinterließen eine weitere Furche. Vor Zorn funkelnde Augen suchten den dichten Wald zu Füßen seines dunklen Palastes ab. "Nun kennst du mich, kleine Elbin. Nun kennst du den Schatten, der dich dein ganzes Leben lang verfolgt hat und der dich am Ende töten wird. Ich könnte dich von hier aus auf der Stelle töten, doch im Moment ist ein anderer Auftrag wichtiger. Bete, dass niemals mein Augenmerk endgültig auf dich fällt, Magor[Kämpfer]. Denn dann wird dein Tod besiegelt sein, ich bin dein Todfeind." ~~*~~
Aeriél kniete am Boden und strich dem völlig verstörten Legolas beruhigend über den Rücken. Er war schwer atmend und schweißgebadet aus seinen Dunklen Träumen erwacht. Genau genommen hatte sie ihn herausgezerrt um ihn vor diesem Feind zu beschützen. Es tat ihr leid aber sie wollte weder dass ihm etwas zustieß, noch dass er erfuhr, dass sie in seinen Träumen herum geschlichen war. Fingernägel gruben sich schmerzhaft in ihren Rücken und so löste sie sich vorsichtig von ihm um ihm in die Augen zu sehen. Sie waren nicht schwarz, nur Angsterfüllt. "Legolas, wir müssen weiter! Es wird bald beginnen zu regnen. Bis dahin müssen wir einen trockenen Unterschlupf gefunden haben oder wir werden völlig durchnässt." Sie half ihm beim Aufstehen und sammelte ihre Sachen zusammen. Es dauerte kaum fünf Minuten und sie hatten die kleine Lichtung verlassen. Alfirion trug sie beide sicher durch die noch immer herrschende Dunkelheit. Keiner sagte ein Wort. Aeriél wusste, Legolas grübelte über seine Vergangenheit nach. Er tat ihr leid. Sie wusste ja genau, dass Lord Elrond ihr die Erinnerungen aus dem Kopf genommen hatte und aufbewahrte um sie ihr wiederzugeben wenn sie damit fertig werden würde. Völlige Ungewissheit über sein Schicksal zu haben musste etwas ganz anderes sein. Durch die dunklen Bäume und das dichte Gestrüpp wurde bald eine Straße auf. Sie waren jetzt seit zwei Tagen unterwegs und wenn die Karte in ihrem Gedächtnis stimmte, dann musste das die alte Waldstraße sein. Erleichtert atmete sie auf. Wenn sie diese in Richtung Osten verfolgten, dann würden sie zu den Waldelben kommen und damit zu Legolas' Familie. ~~*~~
Die Königsfamilie und ihre Garden waren vor zwei Stunden im Palast angekommen. Thranduil hatte sich zur Ablenkung sofort wieder in die Regierungsarbeit geworfen, oder behauptete das zumindest, doch drei seiner Söhne saßen nun im Schlossgarten und unterhielten sich. Die Prinzen hatten es sich auf dem Baum bequem gemacht, den sie früher in ihrer Jugend immer erklettert hatten. "Ich hoffe, unserem kleinen Brüderchen geht es gut!", meinte Leagim gerade betrübt. "Es geht ihm gut, keine Angst. So klein ist er gar nicht mehr, er kann auf sich selbst aufpassen. Nicht zuletzt durch dein Training, Bruder.", antwortete Sílanell mit einem wissenden Lächeln. Die Andern beiden hatten sich längst daran gewöhnt, dass ihr Bruder Dinge immer zuerst wusste und so beließen sie es dabei. Eine Weile sagte keiner von ihnen etwas, dann brach Calegaladh das Schweigen: "Habt ihr Vater seit Mutters Tod jemals so traurig gesehen?" "Meinst du denn, ada weiß nicht, wer oder was Legolas ist? Galadriel hat es ihm doch damals bei der Geburt unseres Bruders gesagt.", sagte Leagim mit einem Zwinkern. Calegaladh begann zu kichern: "Stimmt! Und eigentlich dürften wir das gar nicht wissen, hättest du nicht darauf bestanden, dass wir lauschen! Und dann seid ihr mir zu schwer geworden und wir sind alle drei umgefallen!" Nun stimmte auch Sílanell in das Lachen ein: "Ja, und Vater wollte eigentlich zornig aussehen, konnte sich das Lachen aber selbst nicht verkneifen und die Lady Galadriel hat auch gelacht." Calegaladh lächelte betrübt: "Damals war Vater noch ein Vater für uns. Danach ist er nur noch unser König gewesen." Sílanell lehnte sich hinüber und legte ihm die Hand auf die Schulter. "Ada findet wieder zu sich selbst zurück. Bald wird er wieder das wundervolle Wesen sein, das Legolas nie kennen gelernt hat." Leagim entfuhr ein Seufzer: "Ich hoffe nur, dass du Recht hast, Bruderherz!" "Kommt, lasst uns zu Vater gehen! Er ist den ganzen Tag nicht aus seinem Arbeitszimmer gekommen." Gleichzeitig sprangen sie in einem einzigen eleganten Satz von dem Ast und landeten lautlos auf dem Boden. Gemeinsam machten sich die drei Prinzen auf den Weg zum Arbeitszimmer. Nachdem sie die endlosen Gänge des Palastes durchquert hatten und im Bereich der Gesichte im dritten Stockwerk, auf dem der Gebieter seinen Geschäften nachging. Vor einem großen Tor mit reichen Verziehrungen in dem hellen Holz machten die drei Halt und traten nach kurzem Zögern in den privaten Arbeitsbereich des Herrschers. Ihr Vater stand völlig bewegungslos zwischen zwei Gruppenporträts. Das eine zeigte die Herrscherfamilie vor der Geburt des Jüngsten und mit des Königs Frau, auf dem anderen war ein sehr ernster König und vier Söhne zu sehen, von denen nicht alle glücklich aussahen. Thranduil wand sich langsam zu seinen Söhnen um. Diese waren wegen der blutunterlaufenen und verquollenen Augen und der nur mühsam aufrecht erhaltenen Beherrschung sichtlich geschockt. Calegaladh war der Erste, der sich überwand. "Vater, dein Stab erwartet dich. Ein Brief ist aus Bruchtal eingetroffen und die Späher der Grenzen sind zur Berichterstattung angereist." "Warum? Warum erwartet man von mir, dass ich einfach weitermache? Warum muss ich stark sein und darf nicht trauern? Ich bin doch auch nur ein Wesen aus Fleisch und Blut. Genauso verletzlich und fühlend wie es auch ein Mensch oder jede andere Rasse ist!" Auch Leagim war zu seinem Vater getreten: "Du bist ein König, ada. Das Volk erwartet von dir, dass du als ihr Herrscher immer für sie da sein wirst, dass du über den Schicksalsschlägen des Lebens stehst." "Ich habe schon einmal jemanden verloren." Gedankenverloren und in Erinnerungen versunken fuhr Thranduil fort: "Damals habe ich um ihretwillen weitergemacht. Doch ich habe versagt. Schon wieder." Nun endlich mischte sich auch Sílanell in das Gespräch ein: "Ich denke nicht, dass wir überhaupt einen Verlust zu beklagen haben. Legolas ist am Leben, ich bin mir ganz sicher! Und nun, Vater, geh wieder an deine Arbeit, ich bitte dich! Sobald es auch nur die geringste Neuigkeit gibt, werden wir sie dir berichten aber im Moment tust du allen, besonders deinem Volk, einen größeren Gefallen, wenn du ihm als ein König dienst und deinen Pflichten nachgehst. Wir werden dich jetzt in den Konferenzraum begleiten, wo dein Stab und die Grenzwachenhauptmänner auf dich warten." Tatsächlich ließ er sich von seinen Söhnen in die Versammelung schleifen und riss sich zusammen, sodass man ihm sein eigenes Dilemma nicht mehr ansah und er erneut der verschlossene und manchmal sehr impulsive König war. ~~*~~
Über den Bäumen wurden die ersten silbernen und weißen Türme sichtbar. Es würde wohl kaum noch eine halbe Stunde dauern und sie wären da. Aeriél wusste, dass sie von der Palastwache beobachtet wurden, sonst hätte sie Legolas auf diese ersten Einblicke aufmerksam gemacht. Auch ohne ihr eigenes Zutun hatte Alfirion begonnen, seinen Schritt zu beschleunigen. Wo ein Palast war, da gab es auch Stallungen und dort wiederum fand man Futter und Erholung für sein Pferd und letztere brauchte es nach den Strapazen ganz sicher! Legolas tippte sie an der Schulter an: "Ist das mein Zuhause?" Aeriél nickte bestätigend: "Ja, da lebst du." In diesem Moment sprangen mehrere Wachen mit gespannten Bögen auf den Weg. Der größte von ihnen fragte in gebieterischem Ton: "Was führt euch in das Waldlandreich und zum Palast des Königs? Sprecht rasch oder geht!" Der Hauptmann hatte in Sindarin gesprochen, daher hatte Legolas ihn nicht verstanden und antwortete nicht. Er sah ihn nur unverkennbar feindselig an. "Sprecht ihr immer so mit euren Prinzen? Der Prinz hat sich am Bein verletzt und ich bringe ihn nun in einer wichtigen Angelegenheit zurück in seine Heimat." Nachdem er den Prinzen hinten auf dem Pferd ausgemacht hatte wurde er furchtbar verlegen und winkte sie durch, jedoch nicht ohne eine Entschuldigung abzugeben: "Verzeiht, mein Prinz. Wir sind seit Tagen im Dienst und völlig übernächtigt. Wir haben Euch nicht erkannt." Legolas verstand zwar erneut kein Wort, nickte aber dennoch rein intuitiv verzeihend. Aeriél beeilte sich, in seinem Kopf das Gesagte zu übersetzten. In Westron antwortete er daher: "Ich werde es meinem Vater berichten. Ich bin mir sicher, er wird euch eine Abwechselung schicken." Nur wenige Wegbiegungen später kamen sie an einem großen weißen Tor an. Die Flügel wurden von zwei Elben in Schlosswachenkleidung geöffnet. Legolas verschlug es sichtbar die Sprache. Er bestaunte ausgiebig den großen Park voller Blumen und Bäume und den großen weißen Palast. In seiner Größe müsste gerade dieser sehr einschüchternd auf jeden wirken aber er tat es nicht, denn er war nicht wuchtig sondern luftig und sah aus als würde er über dem Boden schweben. Wie ein spitzes Schneckenhaus schraubte er sich nach oben. Er war im Vergleich zu Bruchtal oder Lothlórien schlicht aber nicht weniger kunstvoll verziert. Überall erkannte man die Formen der Natur wieder. Pflanzen- und Blumenornamente genauso wie Tiere oder geschichtliche Ereignisse waren an den Außenwänden dargestellt und ließen die Innenaufteilung zumindest bereits erahnen. Aeriél war noch nie in der Nähe des Palastes gewesen aber sie hatte dennoch von dessen einmaliger Einrichtung nach Lebensaufgaben wie der Politik, Leidenschaften wie der Natur und Geschichte der Elben auf verschiedenen Stockwerken aufgeteilt gehört. Nur mit Mühe riss sie sich von dem, trotz ihrer Erfahrung, überwältigendem Anblick los und führte ihr Pferd, von dem sie inzwischen Abgestiegen war aber auf dem Legolas noch immer saß, da sein Bein sich zu keiner Bewegung überreden ließ, um den Springbrunnen in der Mitte des Vorplatzes zu den Ställen. Dort empfingen sie einige Stallburschen und brachten Alfirion ohne auch nur das geringste Zögern in eine der Boxen, wo das Tier abgerieben und mit Futter versorgt wurde. Von einem Diener, der nur wenige Sekunden danach angelaufen kam, wurden sie in Richtung Palast geleitet. Der Bedienstete war sehr schweigsam und Aeriél versuchte ein Gespräch mit ihm anzufangen, was nicht ganz einfach war, denn einerseits sprach er nicht gut Westron und andererseits stützte sie noch immer Legolas nach Leibeskräften. Als sie in die riesige Eingangshalle eintraten, staunten die Beiden nicht schlecht und jetzt endlich wurde ihr Führer gesprächiger. Zumindest für Aeriél, wie er glaubte, erzählte er ihnen aus der Geschichte des Palastes und dessen Bewohnern. Als Aeriél den Moment für günstig hielt begann sie ein belangloses Gespräch über die Königsfamilie. So erzählte ihr Tralion, wie der Diener hieß, dass der Herrscher sich seit seiner Wiederkehr aus dem goldenen Wald sehr verändert habe. Er sei sehr schweigsam und nehme kaum noch an politischen Besprechungen teil. Das Volk bekomme ihn kaum noch zu Gesicht, während er doch früher wenigstens ab und zu Feste abgehalten habe. Es war kein Vergleich zu ganz früher gewesen, als die Königin noch lebte, aber immerhin etwas. Das ganze Volk mache sich große Sorgen und wisse nicht, was mit ihrem Gebieter los war. Aeriél hörte die Sorge deutlich aus dessen Stimme heraus und versicherte ihm, dass es Gründe dafür gab, diese sich aber bald in Luft auflösen würden. Endlich vor der Tür angekommen, hinter der sich Thranduil verbarg, kostete es Aeriél einiges an Überwindung, die Tür aufzustoßen und hinein zu treten. Das hatte zwar eigentlich der Diener machen wollen doch Aeriél hatte ihn kurzerhand höfflich zurück zum Stall geschickt. Im Zimmer erwartete sie dann eine kleine Überraschung. An der gegenüber liegenden Seite des Raumes standen Leagim und Celeborn und sahen aus dem Fenster und unterhielten sich. Zumindest hatten sie es bis eben getan. Nun hatten sie sich umgedreht und sahen zur geöffneten Tür. Celeborn lächelte ein wenig und Leagim lief auf seinen kleinen Bruder zu und umarmte ihn freudig. Legolas war furchtbar verwirrt von alledem und tat deswegen einfach nichts. Erst als Celeborn Leagim leicht am Arm berührte lies dieser von dem jungen Prinzen ab. Leagim wuschelte dem bereits sehr zerzaust aussehenden Legolas nochmals durch die Haare und sagte mit sich fast überschlagender Stimme: "Du glaubst ja gar nicht, wie wir dich vermisst haben, Kleiner! Wie kannst du uns nur einen solchen Schrecken einjagen?" Legolas sah ihn nur weiter verständnislos an. Leagim hatte Sindarin gesprochen. Dann trat Celeborn vor Legolas, faste ihn an den Schultern und beugte sich hinunter, sodass er dem Prinzen genau in die Augen sehen konnte. Einen Moment schien er in ihnen etwas zu suchen aber dann drehte er sich wieder zu Leagim um und sagte mit sehr ernster Stimme: "Leagim, ich fürchte Euer Bruder versteht Euch nicht. Er erkennt Euch ja noch nicht mal!" ~~~~~~~*~~~~~~~ Ja ja, ich weiß! Doofe Stelle um das zu beenden aber ich hab ja so schon so endlos lange gebraucht! Reviews: @Laith: Ui, danke! Tja, du hast Recht. Vielleicht sollte ich Chrissi tatsächlich ein neues Chap schicken. @Atlantis: Sadistin? ICH????? Ach, wo denkst du hin! *mit dem Fuß ihr Waffenarsenal unter den Tisch schieb* @Waldfee: zu 2.: Aber klar doch! Ich mag es, wenn meine Charaktere leiden! Ist doch viel spannender als so eine Friede-Freude-Eierkuchen-Geschichte á la: Legolas verliebt sich in unbekannte Schönheit, rettet sie aus irgendwas und sie leben glücklich bis an ihr (nicht vorhandenes) Lebensende. ;-) zu 5: Tz, tz, tz! Das verrat ich dir jetzt noch nicht!(Och mööööisch, Leute! Jetzt lasst einer Autorin doch mal ihre Geheimnisse!;-D) @Feanen: Na, das muss ich mir aber noch mal stark überlegen!
Und schön weiter Reviews schreiben, auch wenn's diesmal nicht so gut war!
Bye, eure Aeril
