wie dich selbst
Also es geht weiter. Hat gar nicht sooo lange gedauert, oder? (Übers Wochenende hatte ich keinen Internetzugang.)
Thomas: Es freut mich sehr, dass du meinen Stil magst. Ich befürchte aber, auch dieses Kapitel ist nicht besonders handlungsintensiv.
Kate: thank you!
Ich habe die Befürchtung, einen etwas zu ernsten Ton angeschlagen zu haben, die Geschichte gerät mir um einiges schwermütiger, als ich sie vorhatte. Aber ich denke, da ich so begonnen habe, sollte ich diese Stimmung jetzt auch beibehalten. Vielleicht könnte ein Happyend alles wieder halbwegs auflösen, aber wer vermag das jetzt schon zu sagen? (Mich und Gott ausgenommen.. g)
Es ist wieder nicht all zuviel Handlung. In diesem Fall habe ich mich stark auf die Gefühle meines Protagonisten (der übrigens gar nicht mir gehört sondern...? in wessen Besitz auch immer sich die Rechte der Bibel befinden...) konzentriert, woraus auch die Erzählperspektive resultierte.
Judas war nun wieder besonders aufmerksam, wenn Jesus zu seinen Jüngern oder anderen Menschen sprach und immer wieder verweilte der Blick des Herrn lange und durchdringend auf ihm. Eine stumme Aufforderung lag in seinen Augen. Der Inhalt, das Thema des Gesagten, war jedes Mal ein anderes (abgesehen davon, dass es wohl immer um irgendeine Art von Liebe ging, aber das war nichts Neues).
Judas war verwirrt.
War etwas falsch an ihm? Er wusste nicht mehr, was zuerst begonnen hatte, seine Absonderung von den anderen oder die neuen, ungewöhnlichen Gefühle, die er in sich wahrnahm.
Und was war es, was sein Herr ihm sagen wollte? Passte er nicht mehr in die Gruppe der Jünger, weil etwas an ihm noch nicht - oder nicht mehr - so war, wie ihr Herr es haben wollte? Was?
Sein Herr, schien es ihm, ging ihm aus dem Weg, sprach und sah ihn nicht an, solange er nicht predigte.
Hing das eine mit dem anderen zusammen? Was hatte das alles mit den Empfindungen zu tun, über die zu sprechen ihm aus mannigfaltigen Gründen nicht möglich war?
Wie viel war überhaupt von dem Gefühl zu halten? Wo kam es her? Warum existierte es?
Und
war es überhaupt möglich Jesus, seinen Herrn, zu lieben?
Der Satz "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", kam ihm wieder in den Sinn. Ein bitteres Lächeln verzerrte seine Lippen.
Judas konnte es nicht. Er liebte Jesus mehr als sich selbst, mehr als alle Menschen, die er je geliebt hatte.
Und er begehrte ihn.
Und das war falsch.
falschfalschfalsch.
Judas kannte das Gesetz.
Das war es wohl, was ihn von den anderen abgrenzte. Sein falsches, verkehrtes, verdorbenes, ja sündiges Begehren. Doch niemand wusste davon. Oder hatte Jesus es bemerkt? Konnte man ein solches Gefühl verbergen? Hatte die "Botschaft" die ihm Jesus übermitteln wollte etwas damit zu tun? Weil er es wusste? War es möglich, dass Jesus wusste...?
Wieder versuchte Judas zu beten. Er sehnte sich danach, sich völlig zu versenken, sich selbst zu vergessen, eine Nacht in dem Gefühl mit Gott verbunden, mit ihm Eins zu sein, zu verbringen. Doch er konnte es nicht.
Judas konnte nicht mehr beten.
Gott, das Gebet, war immer seine letzte Zuflucht gewesen, Rettung, Loslösung, Vergessen, Vergeben, das Gefühl, zumindest von Gott angenommen zu sein, so wie er war.
Doch wie könnte er zu einem Gott beten, dessen Sohn er begehrte?
Auch zu Jesus zu gehen, mit dem die Jünger immer alles besprechen konnten, war in diesem speziellen Fall unmöglich.
Aber Judas fand keinen anderen Weg. Er hielt es nicht mehr aus, die Isolation und auch nicht, ständig seine wahren Gefühle verbergen zu müssen und so stellte er Jesus schließlich zur Rede.
Es war bereits Abend geworden, der Nachhall der letzten Strahlen der versunkenen Sonne hielt die Luft noch warm. Gerade zogen sich die Jünger vom gemeinsamen Mahl zurück. Judas folgte Jesus in den Olivenhain.
"Mein Herr...", begann er zögerlich.
"Judas, mein Bruder, hast du schließlich den Weg zu mir gefunden." Jesus lächelte Judas aufmunternd an, er fühlte wohl, dass Judas die Situation unbehaglich war.
"Ich fürchte ich kann dir nicht folgen, Herr..." Judas ahnte worauf sein Herr hinaus wollte, doch irgendwie schien er immer noch zu hoffen, dieser Kelch, würde an ihm vorübergehen. Wieviel von dem was in ihm schmorte, mochte Jesus wissen?
"Du hast vielleicht bemerkt, dass ich seit langem versuche, dich zu erreichen. Doch du schienst mit deinen Gedanken immer so weit weg, so tief versunken, dass es mir schwer viel, zu dir vorzudringen." Die sanften, braunen Augen seines Herrn schienen mit ihrem Blick in die seinen tiefen Einblick in das Innerste seiner Seele zu nehmen. Abwartend sah Jesus ihn an.
"Ich weiß immer noch nicht..." Judas fühlte sich von einer neue Welle der Liebe und des Begehrens durchflutet, es war einfacher gewesen, es zu verdrängen, als er ihm noch aus dem Weg gegangen war, doch jetzt, wo er ihm so nahe war...
"Aber Judas. Du bist es doch gewesen, der mich zum Gespräch aufsuchte. Du hast bemerkt, dass seit einiger Zeit die Dinge nicht mehr so sind, wie sie einmal waren, wie du sie wieder haben möchtest. Du spürst, dass etwas nicht in Ordnung ist und es belastet dich, dich und unsere Gemeinschaft."
Wieder blickte Jesus ihn abwartend an. Judas spürte, wie seine Wangen sich wärmten, ihm wurde heiß, seine Gedanken verloren ihre Richtungen, er konnte kaum mehr zwischen der Wirklichkeit, dem Möglichen und dem Unmöglichen unterschieden, er war überfordert, es wurde ihm zuviel.
Er versuchte, sich wieder zu fassen.
"Ich fühle mich ausgeschlossen, allein und ich fürchte, es ist meine Schuld und-" Judas brach ab. Ab hier musste er schweigen.
"Sprich nur weiter." Jesus kam einen Schritt auf ihn zu, kaum zwei Ellen trennten sie noch von einander. Für Judas war es schon schlimm gewesen, Jesus zu sehen und ihm dabei so nahe zu sein, nun konnte er auch noch den Duft wahrnehmen, der von Jesus ausging, es fiel ihm immer schwerer sich zusammen zu nehmen.
Judas schüttelte den Kopf: "Ich kann nicht, Herr. Ich widerspreche dir nur ungern aber..."
Jesus hob seine Hände und legte sie Judas auf die Schultern. Er hatte lange schlanke Finger. Anders als die der Bauern und Handwerker hatte Jesus sanfte, weiche Hände, obwohl sie durch eine harte Tischlerlehre gegangen waren. Jesu Hände waren unglaublich geschickt. Judas musste daran denken, was diese Hände seines Herrn, die zu Wundertaten fähig waren, an ihm auslösen könnten.
Erbitte Reviews!
sonst macht's keinen Spaß den Rest der Geschichte zu posten. (bin ja so kommunikativ...)
Ach ja, wer ein Problem mit meiner Geschichte hat: flame me! (I'll burn you)
