Titel: Den Jäger erlegen

Autorin: Sleepy Tiger

Warnung: Like to make a lot of blabla...

Disclaimer: "Herr der Ringe" gehört mir einfach nicht...warum bloß?

1. Kapitel: Böses Erwachen

Legolas Grünblatt von Düsterwald fand sich nach seinem Erwachen in einer absolut unwürdigen Situation wieder. Steif sitzend gegen eine kalte Steinwand gelehnt, Arme und Schultern völlig taub. Der Nacken schmerzte bei jedem Atemzug. Kein Wunder, denn seine Arme hoch über seinen Kopf angekettet worden. Sein sonst so scharfer Blick verlor sich im Halbdunkel des feuchten, kalten und übelriechenden Loches, das sich Gefängniszelle nennen durfte.

Zumindest würden die Menschen diesen Raum eine Gefängniszelle nennen. Karge, kalte Wände aus groben Stein gehauen. Der Boden war ebenso uneben und mit Stroh ausgelegt, das so lange hier gelegen hatte, daß Ungeziefer und anderes Getier heimisch geworden waren. Dann war noch diese kleine runde und vergitterte Öffnung über ihn, durch die etwas Sonnenlicht schien.

Es war nicht viel Licht und obendrein fiel es beinahe waagerecht in den Raum. Es mußte noch sehr früh sein. Das Licht war zu fahl und hell für ein Lichtstrahl der untergehenden Sonne, aber stark genug, um ihm zu sagen, daß er in einer Zelle gen Osten saß. Aber wichtiger war, es zeigte ihm seine bewußtlose und ebenfalls angeketteten Gefährten. Soweit er erkennen konnte, waren sie vollzählig und keinem von ihnen war etwas angetan worden.

Er seufzte leise vor Erleichterung und dachte an seine eigene Dummheit. Wie konnte es bloß so weit kommen, daß eine Reise nach Lothlorien so endete? Wie hatten sie so unvorsichtig sein können? Nur weil Sauron vernichtet worden war, hieß es nicht, daß Mittelerde absolut sicher war.

Sie waren zu siebt gewesen. Er, zwei seiner Brüder und vier weitere Elben der königlichen Garde als Eskorte. Sie waren auf dem Weg nach Lothlorien gewesen, um bei der Hochzeit von Galadariels Tochter beizuwohnen. Es war das erste große Fest der Elben im vierten Zeitalter. Vertreter aller freien Länder Mittelerdes wurden erwartet. Diese Hochzeit war auch gleichzeitig ein Fest des neuen Friedens.

Natürlich würden mehr Elben aus Düsterwald bei diesem gewaltigen Fest beiwohnen, aber man reiste getrennt in kleineren Gruppen. So war man schneller und konnte sich unbehelligter bewegen. Das Risiko von einer Überzahl von Feinden angegriffen zu werden, nahm man in Kauf. Schließlich konnte nichts einem scharfen Elbenohr oder -auge entgehen.

Dennoch wurden er und seine Gruppe von einer Horde Orks überrascht. Er verstand nicht, wie er sie überhören konnte. Keine Trommeln, kein Kriegsgeschrei. Es konnte doch nicht sein, daß er sich so auf das Fest gefreut hatte, daß er sie weder gehört noch gesehen hatte.

Außerdem waren noch seine jüngeren Brüder, die Zwillinge Damelos und Damenyon, dabei gewesen. Diese beiden gehörten zu den geschicktesten Kriegern in Düsterwald. Daß auch sie diese Orks überhörten, konnte er nicht glauben.

Vielleicht hatten diese Orks eine neue Strategie...

Aber dies war ebenso unwahrscheinlich. Orks waren nicht gerade für Denkakrobatik bekannt. Vielleicht war ein neuer Anführer aufgetaucht...Legolas versuchte weiter zu denken, aber irgendwas in seiner Umgebung kam ihm seltsam vor.

Die Geräuschkulisse.

Natürlich hörte er das verzweifelte Jammern und Stöhnen anderer Gefangener, das leise Rasseln von Ketten und Rascheln vom nassen Stroh. Aber von draußen hörte er das Rauschen des Meeres und...Marktfrauen, die ihre Ware rufend anboten. Ebenso drang das Geräusch von Pferdehufen auf Kopfsteinpflaster und eingetretener Erde zu ihm. Er vernahm das sanfte Läuten einer Glocke, wie es sie in vielen Städten der Menschen gab, um die volle Stunde anzukündigen. Menschen...

Er stutzte. Wo waren sie? Orks hatten sie doch angegriffen. Wie kamen sie in eine Stadt der Menschen? Hatten Menschen die Orks besiegt und deren Beute abgenommen? Dann mußten es sehr viele Menschen gewesen sein. Mit einer Horde von Orks war nicht zu scherzen. Und schon gar nicht mit diesen Orks. Aber warum wurden sie dann in dieses Gefängnis eingesperrt? Angekettet wie Hunde?

Eine laute und weibliche Stimme kam gedämpft durch die dicken Steinmauer zu ihm und unterbrach ihm bei seinen finsteren Gedankengängen. Ein kleines Lächeln floh über seine Lippen. Irgendwie schien heute kein Tag zu sein, um nachzudenken.

Die wütende Stimme kam immer näher und sehr bald konnte er Wort für Wort verstehen, was sie schrie und keifte. Es gab nur wenig, das einen Elben aus der Ruhe bringen konnte. Aber die Worte dieser Frau brachte ihn zum Erröten. Noch nie hatte er eine Frau so "virtuos" fluchen gehört, weder Mensch, Zwerg und schon gar nicht eine Elbe. Im Moment funktionierte sein Gehör besser als ihm lieb war.

Eine tiefe Männerstimme knurrte etwas, während ein Schlüssel ins Schloß gesteckt und gedreht wurde. Eine Holztür zur Legolas' linken ging knarrend auf. Schwaches Kerzenlicht schien herein. Es war heller als der fahle Lichtstrahl, den er bis jetzt hatte. Deswegen erkannte er drei Gestalten in der Tür: zwei Männer und eine Frau in einem rotem Kleid. Einer der Männer hielt die Frau fest, die wie eine Furie um sich schlug und den Mann ankeifte, als gäbe es keinen Morgen. Der zweite Mann verdrehte die Augen und hielt die Tür auf.

Legolas verharrte bewegungslos und beobachtete die Szene mit halb geschlossenen Augen. Menschen. Er war wirklich in einem Gefängnis der Menschen...

"Wirf sie da rein", murrte eine Wache mißmutig. "Dann haben wir endlich unsere Ruhe."

"Ihr verdammten Schweinehunde!" schrie die junge Frau und strampelte noch mehr. "Ich hab' nicht angefangen! Der fette Drecksack hat nich' zahlen wollen! Hat gesacht, ich sei nicht gut genug! Dieses Bastard hat nur keinen hoch bekommen!"

"Aber da sind doch die Elben", murmelte die eine Wache besorgt und hielt das Mädchen immer noch fest, das plötzlich erstarrte, als es in die Zelle sah.

"Hey, das sind ja Elben 'drin!" schrie es entsetzt, bevor der andere etwas sagen konnte. "Ihr werdet mich doch nich' hier abstellen, ihr Blödiane! Die zahlen ja auch nie! Ihr seid ja noch dümmer als 'n Troll und häßlich seid ihr wie 'n Ork, ihr Idioten!"

Die Wachen tauschten einen Blick miteinander. Einer von ihnen nickte heftig. "Doch, das werden wir."

Als der Mann sie in die Zelle werfen wollte, krallte sie sich am Türrahmen fest und schrie wie am Spieß. "Ihr Bastarde! Eure Schwänze sollen euch abfallen!"

"Verdammtes Biest", knurrte der Mann und versuchte sie anders zu packen, damit er ihre Hände vom Holz bekam. Aber das bewirkte nur, daß sie sich frei strampeln konnte. Leider gelang ihr die Flucht nicht, weil der zweite Mann ihr den Weg versperrte und sie packte.

Legolas verfolgte mit einigem Interesse diesen Kampf, obwohl er wußte, daß die Frau...eigentlich war es noch ein junges Mädchen, unterliegen würde. Er bewunderte ihren kämpferischen Geist. Allerdings fand er ihre Gezeter äußerst nervenaufreibend. Er hatte schon gehört, daß die Frauen der Menschen wahre Xanthippen sein konnten. Diese hier schien ein Musterexemplar zu sein. Sie schrie, fauchte, brüllte, kratzte, biß und trat nach den beiden Männern, bis einer von ihnen, sie so zu fassen bekam, um sie einfach auf den Boden zu schleudern.

Legolas zuckte zusammen, als sie mit einem dumpfen Geräusch wie ein nasser Sack zu Boden stürzte. Er bemerkte kaum, wie die beiden Männer ganz schnell die Tür schlossen.

Regungslos blieb das Mädchen im roten Kleid liegen. Besorgt runzelte er die Stirn und versuchte sich etwas vorzubeugen, was zwecklos war. Seine Schultern fingen an zu schmerzen.

"Fräulein?" flüsterte er und beobachtete sie angestrengt. "Fräulein? Wie geht es euch?"

"Ich glaube, sie ist ohnmächtig", flüsterte sein Bruder Damenyon heiser von der gegenüber liegenden Wand.

"Nyon!" rief Legolas leise. "Du bist wach?"

"Bei dem Geschrei ist das doch kein Wunder", erwiderte Damenyon mit einem kleinen Lachen.

"Wir sind alle wach", bemerkte einer der Gardisten trocken. "Diese Sterbliche hat wirklich ein erstaunliches Stimmvolumen."

"Aber trotzdem war es nicht richtig, sie so zu behandeln", meinte ein weiblicher Gardist mitfühlend. "Bei diesem Sturz kann sie sich alles mögliche gebrochen haben. Menschen sind so zerbrechlich."

"So leicht breche ich mir nichts", kam es plötzlich zur Antwort und die Elben erschraken etwas, als das Mädchen sich herum wälzte und auf den Rücken liegenblieb. Sie atmete schwer und starrte zur Decke hoch. Sie schien die Augen zu verdrehen und stöhnte leise. "Aber es tut dennoch weh."

"Fräulein? Geht es Euch gut? Seid Ihr schwer verletzt?" fragte Legolas wieder und es sah zuerst aus, als würde sie nicht reagieren, aber dann drehte sie ihr Gesicht zu ihm und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln voller Zahnlücken.

"Keine Sorge, mir ist nichts passiert", wiederholte sie und klang erschöpft. "Entschuldigt bitte, daß ich jetzt einschlafe. Aber es war ein langer Weg hierher."

Dann nickte sie ein.

Die Elben starrten verwirrt auf die Sterbliche, die zusammengerollt auf den verrotteten Stroh schlief, als wäre das ein weiches Bett. Die Gardisten sahen sich unsicher an und blickten dann zu Legolas, der ebenfalls etwas irritiert in die Runde sah.

"Fräulein?" fragte Damenlos schließlich. "Fräulein, geht es Euch gut?"

"Ich glaube, sie schläft tatsächlich", sagte Legolas leise, der als einziger ihr Gesicht sehen konnte. "Laßt sie schlafen."

Seine Brüder und die Gardisten nickten, auch wenn sie immer noch verwirrt schienen.

"Was meinte sie damit, daß es ein langer Weg hierher gewesen sei?" fragte Damenyon, der andere Zwilling. "Wollte sie etwa hierher kommen?"

"Das wird sie uns beizeiten schon erklären", seufzte Legolas.

"Legolas?"

Der Elb sah zu Damelos, der ihn leise gerufen hatte. "Ja?"

"Was tun wir jetzt?" Sein Bruder sah ihn ruhig und gefaßt an. Aber Legolas spürte die Unruhe und Angst in seinem Herzen. Er würde ihm gerne etwas sagen, daß ihm Hoffnung geben konnte, aber er hatte seine Brüder nie angelogen.

"Ich weiß es nicht, Damelos", erwiderte Legolas ehrlich. "Ich weiß es nicht."

Ende des 1. Kapitels

***********************************************************************

Warum die Namen "Damelos" und "Damenyon"? Ich esse...erhm...VERSCHLINGE, während ich tippe, Unmengen von "Daim".

Hat Galadriel eigentlich eine Tochter? Ich habe ihr mal eine gegeben und die heiratet demnächst. ^_^

R&R please!