Titel: Den Jäger erlegen

Autor: Sleepy Tiger

Warnung: more blabla

Disclaimer: Herr der Ringe habe ich mir nicht ausgedacht, nein, das war Mr. Tolkien persönlich, deswegen verdiene ich mit dieser kleinen Geschichte kein Geld...so 'n Mist aber auch...

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Danke für deine aufmunternden Reviews, Joana. ^_^v

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2. Kapitel: Die Hure im roten Kleid.

Ein sehr schwacher Geruch von Blumen lockte ihn aus seinem Schlaf. Begierig folgte er diesem süßen Duft, der ihn an Zuhause erinnerte. Aber je mehr er das Reich des Schlafes verließ, nahm er auch andere Gerüche wahr und die waren nicht so süß. Irgendeine Mischung aus menschlichen Ausdünstungen, Küchengerüche, nassem, verrottetem Stroh und...Flußwasser? Hinzu kamen eine drängende Stimme und ein nicht gerade sanftes Schütteln an seiner bereits schmerzenden Schulter.

"Hey...Herr Grünblatt", flüsterte Stimme. "Aufwachen, Elbenprinz...Na los, wir haben nicht viel Zeit..."

Angewidert von den widerlichen Gerüchen drehte er stöhnend den Kopf fort.

"Grünblatt", wiederholte die Stimme vor ihm und seufzte enttäuscht. "Und ich dachte, ihr Elben habt so einen leichten Schlaf."

"Mein Bruder ist bereits wach. Wenn Ihr genauer hinsehen würdet", sagte Damenyon kühl.

"Ach ja?" fragte die Stimme skeptisch. "Ich kann das nicht so ganz erkennen. Warum müßt ihr auch mit offenen Augen schlafen?"

"Was erlaubt Ihr Euch, ihn so grob zu behandeln?" fragte eine der Gardisten gereizt.

"Und nehmt Eure dreckigen Hände von Seiner Hoheit", fügte ein andere hinzu.

"Haltet dem Mund!" zischte die Stimme wütend. "Macht nicht so einen Krach."

Legolas blinzelte und richtete sich etwas auf. Erstaunt nahm er zu Kenntnis, daß es Nacht war. Stimmt, er war gegen Nachmittag eingeschlafen. Nachdem er, seine Brüder und Gardisten darauf gewartet hatten, daß jemand kam, um ihnen zu erklären, weswegen sie hier waren, hatten sie versucht, ihre Fesseln zu öffnen. Aber es war zwecklos. Damelos hatte dann vorgeschlagen, darauf zu warten, bis dieses Mädchen im roten Kleid erwachte, um sie dann um Hilfe zu bitten.

Aber sie verschlief den Morgen, den Mittag und gegen Nachmittag, als sie immer noch schlief, war schließlich auch Legolas eingenickt. Diese unbequeme Position und der Hunger hatten ihn geschwächt.

Aber nun sah er sich diesen hysterischem Mädchen gegenüber. Sie kniete dicht vor ihm und erwiderte seinen erstaunten Blick mit einem schelmischen Lächeln. Sie hatte langes, schwarzes Haar und eben solche Augen, wie es schien. Selbst im bleichen Mondlicht und trotz der vielen Schmutzspuren erkannte er den warmen Goldton ihrer hellen Haut. Er hatte noch nie so eine Farbe gesehen...Als sein Blick der zarten Linie ihres Halses nach unten folgte, errötete er und wandte schnell Blick von ihr ab. Das rote Kleid, das sie trug war sehr eng und betonte mittels Mieder und einem sehr tiefen Ausschnitt ihren schlanken Oberkörper. Ihr Busen war halb entblößt und drohte aus dem Ausschnitt zu fallen.

Es war wirklich äußerst gewagt. Soviel er wußte, legten auch die Sterblichen bei ihrer Kleidung Wert auf Anstand. Aber dann erinnerte er sich, was sie bei ihrer Einkerkerung gesagt hatte. Er schloß verlegen die Augen. Diese junge Frau war eine Hure.

"Guten Abend, Hoheit", flüsterte sie sanft. "Geht es Euch gut?"

Es erstaunte ihn, daß ihr Atem frisch war. Noch mehr erstaunte ihn, daß ihre Zähne weiß, ebenmäßig und vor allem vollständig waren. Warum hatte er gedacht, daß ihr Zähnen fehlten?

"Guten Abend", erwiderte er erstaunlich ruhig. "Danke der Nachfrage, Fräulein."

Sie zwinkerte und fragte fröhlich: "Fit für einen kleinen Ausbruch?"

Die Elben sahen sie verwirrt an.

"Ihr werdet uns helfen?" fragte Damelos erstaunt.

"Natürlich", erwiderte sie lässig und stand auf.

"Warum?" Damenyon sah sie mißtrauisch an. "Warum seid Ihr so bereitwillig uns zu helfen?"

"Es ist eine schöne Nacht und die sollte man nicht in einer Zelle verbringen." Damit griff sie sich in den Ausschnitt und zog ein silbernes Stilett heraus, dessen Klinge sich im Mondlicht brach.

Sie machte sich daran, die Legolas' Fesseln zu öffnen. Es dauerte keine Sekunde und die Handschellen gingen mit einem leisen Klicken auf.

Legolas atmete scharf ein, als seine Arme kraftlos herabfielen. Er biß die Zähne zusammen, als seine Muskeln gegen jede neue Bewegung protestierten. Seine Arme waren so taub, daß er sie gar nicht spürte. Er hatte nicht einmal die Kraft sich aufrecht zu halten und wäre zu Boden gestürzt, wenn ihn das Mädchen nicht aufgefangen hätte.

Schweigend massierte sie seine Schultern und lächelte leicht, als er sie erstaunt ansah.

"Reibt Eure Arme, damit das Blut wieder in Eure Hände kommt", riet ihm das Mädchen, als sie sich wieder erhob und sich daran machte, die anderen zu befreien. "Ihr werdet sie gleich sehr dringend benötigen.

"Wer seid Ihr?" wollte Damenyon wissen, als er kraftlos, aber frei, an der Wand lehnte.

"Jemand, der sich hier auskennt und euch hier heraus bringt", antwortete sie knapp.

"Und warum?"

Sie wandte sich zu ihm und zwinkerte ihn schelmisch zu: "Ich habe da so eine Schwäche für gutaussehende Elbenprinzen."

Sie ließ dem verdutzten und errötenden Damenyon zurück und ging zur Tür. Sie preßte ihr Ohr gegen das Holz und horchte. Aber plötzlich wandte sie sich zu den Elben und lächelte schief. "Ich glaube, das überlasse ich einen von euch. Meine Ohren sind bei weitem nicht so gut."

Bereitwillig ging sofort einer der Gardisten an die Tür und lauschte angespannt, während sie dicht neben der Tür hockte. Nach einiger Zeit nickte er dem Mädchen zu. "Es ist still."

Sofort kniete sie sich hin und konzentrierte sich darauf, das Schloß der Tür zu öffnen. Sie und der Gardist drückten mit ihrem Gewicht die Tür fester in ihre Angeln, damit es beim Öffnen nicht so knarrte. Sie ging vor und sah sich im Gang genau um. Lautlos folgten ihr die Elben durch die stickigen Gänge des Gefängnisses, das auf sie ungeheuerlicher wirkte als die Minen der Zwerge. Wenn sie diese vorlaute Hure nicht hätten, würden sie sich hoffnungslos verlaufen.

Sie bogen in einem Gang, an dessen Ende ein riesengroßes Tor war. Der Ausgang, wie es schien. Allerdings wie jeder Ausgang eines Gefängnisses war auch dieser bewacht. Sie drückten sich im Schatten an der Wand entlang und verschwanden in einer leeren Zelle, dessen Tür sperrangelweit offen war.

Zwei der Gardisten stellten sich sofort als Wache an die Tür.

"Was nun?" fragte Damelos aufgeregt. "Wir sind nicht bewaffnet."

"Dann werde ihr euch halt bewaffnen", erwiderte das schwarzhaarige Mädchen unbekümmert und bückte sich, um die Röcke hochzuheben. Die Elben sahen peinlich berührt weg. Diese Frau schien sich überhaupt für nichts zu schämen. Aber Legolas zögerte für einen Bruchteil einer Sekunde. Hatte er da tatsächlich das Blitzen sauberer Unterkleidung gesehen? Es kam ihm etwas seltsam vor, denn das rote Kleid war arg verschmutzt.

Dennoch stellte Damelos noch eine Frage: "Wie sollen wir das bewerkstelligen?"

"Auf der anderen Seite des Tores ist eine Kammer, wo die Wächter die Waffen der Gefangenen aufbewahren, solange sie sie nicht an den Waffenhändler verschachert haben."

"Ihr kennt Euch hier gut aus", meinte Legolas ruhig. Es war weder Mißtrauen noch Neugier aus seinen Worten zu hören, deswegen maß sie ihn für einen Moment abschätzend. Er sah ihren ernsten Blick nicht, aber er spürte ihn sehr deutlich. So sehr, daß er eine gewissen Spannung in der Luft zu spüren meinte.

Aber dieses Gefühl verging, als sie fröhlich zur Antwort gab: "Wenn Ihr hier zwei Wochen durch die Gänge irrt, kennt Ihr Euch hier besser aus, als Euch lieb ist."

"Zwei Wochen?" wiederhole Damelos entsetzt.

"Wie auch immer", unterbrach Damelos ungeduldig. "Wie kommen wir auf die andere Seite des Tores?"

Sie antwortete nicht sofort. Die Elben hörten noch eine Weile Stoff rascheln und wie ein Gürtel geöffnet wurde.

"So natürlich", sagte sie dann in einem triumphierenden Ton und hielt eine kleine schwarze Kugel hoch. Die Elben wandten sich ihr wieder zu, als ihre Röcke wieder ihre Beine bedeckten.

"Was ist das?" fragte diesmal Legolas und betrachtete neugierig diese schwarze Kugel.

"Das?" Ihr Lächeln wirkte sehr, sehr hinterhältig und böse. "Das ist ein Stinktier."

"Stinktier?" wiederholte einer der Gardisten verwirrt.

"Ich meine, die sehen anders aus", bemerkte Damenyon trocken.

Sie ignorierte ihn geflissentlich und ging zur Tür. "Ich gebe euch zwei Ratschläge. Erstens, atmet flach und zweitens badet, bevor ihr in Lothlorien ankommt."

"Woher wißt Ihr...", setzte Legolas an, konnte, aber seine Frage nicht beenden, weil sie auf den Gang gerannt war und das 'Stinktier' gegen durch die Gitterstäbe des wuchtigen Tores warf. Es explodierte mit einem lauten Knall, als es die Wand traf, und ging in Rauch auf. Der Rauch stank mehr als ein Stinktier und entwickelte sich schnell zu einem alles bedeckenden Nebel. Man hörte Wachen schreien und fluchen. Einige fielen wegen des Gestanks sofort in Ohnmacht.

"Los!" rief das Mädchen und rannte los. Die Elben folgten ohne zu zögern. Alle waren trainierte Krieger und gewohnt auf alles schnell zu reagieren.

Legolas hustete und hielt sich den Ärmel vor Mund und Nase. Dieses "Stinktier" machte seinem Namen alle Ehren. Er blickte zu den anderen Elben. Auch sie mußten sich an diesen Nebel gewöhnen.

"Das Tor ist zu!" rief Damenyon, der als erster dort ankam und am Tor rüttelte.

"Nicht mehr lange", bemerkte eine Stimme von hinten und Damenyon schrie erschrocken auf, als sie ein Schwert zückte und das Schloß einfach durchbohrte. Das Tor schwang widerstandslos auf.

"Woher...", Damelos war einfach zu erstaunt, um nach der Herkunft des Schwertes zu fragen, das die Hure in den Händen hielt, oder gar nach der Kraft, die es gebraucht hatte, um das Eisen einfach zu zerschneiden. Aber Legolas packte ihn am Arm und zog ihn laufend hinter sich.

Die Hure im roten Kleid erwies sich als eine ausgebildete Schwertkämpferin. Sie deckte die Elben, während diese sich auf den Weg zu der Waffenkammer machten. Trotz des Nebels und des Gestanks läutete eine der Wachen ohne Unterlaß die Alarmglocke, was zur Folge hatte, daß noch mehr Wachen kamen. Legolas und seine Brüder riskierten hin und wieder einen Blick hinaus, während sie sich eilig ihre Köcher umschnallten und ihre Bögen spannten. Sie hatten Glück. Alle ihre Waffen waren größtenteils noch vorhanden.

Das Mädchen schlug sich trotz des Nebels sehr gut und kämpfte in einem sehr ungewöhnlichen Stil. Legolas' scharfen Augen bemerkten, daß ihr Schwert ein Zweihänderschwert war, aber sie schwang es nur mit einer Hand. Was für eine Kraft mußte sie haben?

"Beeilt euch!" schrie das Mädchen plötzlich, als noch mehr Soldaten kamen. Noch bevor sie noch ein weiteres Wort rufen konnte, zischten schon die ersten Pfeile an ihr vorbei und trafen die kommenden Soldaten, die entweder schnell wieder flohen oder die Schilder hoben.

Das Mädchen ging rückwärts, die Soldaten immer im Auge. Über die Schulter hinweg rief sie den Elben zu: "Lauft den Gang hinunter. Ganz am Ende ist ein vergittertes Fenster. Die mittleren drei Stäbe sind locker. Nehmt den Heuwagen, der darunter steht."

Für einen Moment blickten alle Elben sie fassungslos an.

"Was?" rief Damenyon alle Manieren vergessend. "Soll das heißen, dieser Ausbruch ist geplant."

Sie grinste breit. "Ganz genau, Hoheit. Und jetzt geht!"

"Was wird mit Euch?" rief Legolas durch den dichten Rauch. Seine Augen tränten und seine Nase wurde allmählich taub von dem Gestank.

"Lauft!" schrie sie und rannte in die entgegen gesetzte Richtung zu den Soldaten.

"Legolas!" riefen seine Brüder und die vier Gardisten feuerten weiter Pfeile auf die Soldaten, um ihren Prinzen zu schützen.

Der Elbenprinz drehte sich noch einmal zu der Hure um, aber er sah nur, daß sie im Laufschritt in diesem dichten Nebel verschwand. Er hörte Schreie und Flüche, das Klirren von Schwertern, die aufeinander stießen und das feine Geräusch von brechenden Knochen.

Dieses Mädchen war ganz allein in diesem Nebel. Legolas umklammerte seinen Bogen und faßte einen Entschluß. Er konnte sie nicht da lassen.

"Legolas!" rief Damelos hustend und ergriff seinen Arm. "Wir müssen weg!"

"Dieses Mädchen ist allein", widersprach Legolas.

"Aber sie kennt sich hier aus", entgegnete Damenyon, der Legolas' anderen Arm packte. "Wir nicht. Sie wird schon zurecht kommen, Legolas."

Legolas wurde gar nicht mehr die Zeit gegeben, zu überlegen, denn seine Brüder zogen ihn mit sich. Er schwor sich, dieses Mädchen niemals zu vergessen und zu wiederzufinden.

Ende des 2. Kapitels

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Yuhu!