Titel: Den Jäger erlegen
Autorin: Sleepy Tiger
Warnung: so much blabla, you won't believe it....
Disclaimer: Herr der Ringe © by J.R.R. Tolkien.
3. Kapitel: Ankunft in Lorien
Der junge Diener blickte zweifelnd auf die halb gekleidete Gestalt auf dem Balkon. Er schluckte, als er vortrat. Noch immer regte sich die Gestalt nicht. Der Diener räusperte sich und wagte es dann, etwas zu sagen: "Hoheit? Ich bitte um Verzeihung..."
Endlich wandte sich der Thronfolger Thranduils zu ihm und sah praktisch durch ihm hindurch. Es machte dem jungen Elben nur alles schwerer. Seine Hoheit Prinz Legolas schien seit seiner Ankunft in Lorien absolut geistesabwesend zu sein. Die anderen Diener erzählten, daß er während des Bades und Imbisses nur geschwiegen und vor sich hin gebrütet hatte. Als er dann doch etwas sagte, war es nur, um alle hinaus zu schicken.
Nun stand Seine Hoheit mit nassen Haaren und nur mit Hose und offenen Hemd auf dem Balkon und starrte in die Ferne.
Der Diener versuchte es noch einmal: "Hoheit, ich bitte vielmals um Verzeihung für diese Störung, aber Seine Majestät König Thranduil schickte mich mit einer Nachricht zu Euch."
Er seufzte innerlich erleichtert auf, als Legolas' Blick endlich aus der Ferne zurück kehrte. Allerdings war sein direkter und recht kühler Blick auch nicht sehr hilfreich. Ein leichtes Nicken des Prinzen bedeutete ihn, fortzufahren.
Der Diener verbeugte sich noch etwas mehr. "Seine Majestät läßt ausrichten, daß er, Lord Elrond, Lord Celebron und Lady Galadriel Euch zu einer Audienz erwarten. Aber er betone, daß er Euch angesichts der Situation zu keiner Eile zwingen will."
Der junge Elb verharrte in der gebeugten Position und wartete auf eine Antwort.
"Danke", war sie dann und der sanfte Ton beruhigte den Diener etwas.
"Haben Seine Hoheit eine Antwort?" fragte er nun ruhiger.
"Nein, danke. Du kannst gehen", flüsterte Legolas freundlich. Dann wandte er sich wieder der atemberaubenden Aussicht zu.
Der junge Diener sah auf und runzelte besorgt die Stirn. Er war zwar noch nicht lange im Dienst der königlichen Familie von Düsterwald, aber so verschlossen hatte er Legolas noch nie erlebt. Mit einer tiefen Verbeugung verließ er die Gemächer, die man Legolas zugeteilt hatte.
"Angesichts der Situation", murmelte Legolas bitter, als der Diener gegangen war. Als er und seine Reisegruppe später als erwartet in Lorien angekommen waren, hatte man natürlich eine Erklärung erwartet. Den knappen Bericht, den er und seine Brüder dann abgegeben hatten, hatte allen einen kleinen Schock verpaßt.
Was sollte das heißen, von Orks überwältigt? Sie nicht gehört? Und was bedeutete das, daß sie in einem Gefängnis waren? In einem Kerker der Menschen? Wie konnten sie entkommen, wenn sie doch angekettet gewesen waren? Ein Mädchen? Wer war dieses Mädchen? Wo war sie nun?
All diese Fragen wurden nicht gestellt. Zumindest noch nicht. Man hatte seinen angegriffenen Zustand gesehen und ihn zum Ausruhen geschickt. Für Fragen war noch Zeit. Legolas lächelte säuerlich. Er mußte wirklich erbärmlich ausgesehen haben, wenn man meinte, ihn mit Samthandschuhen behandeln zu müssen. Sein Lächeln vertiefte sich ein wenig. Was, wenn er und seine Gruppe nicht dieses Bad im See genommen hätten, bevor sie sich Lothlorien betreten hatten? Man hätte sie "100 Meilen gegen den Wind gerochen", um es mit Damenyons Worten zu sagen.
Er seufzte stützte sich am Geländer des Balkons ab. Sein Blick schweifte wieder in die Ferne. Er mochte nicht wirklich an die Ereignisse der letzten Tage denken. Der Anblick der Wälder Loriens wirkte wie Balsam für seine aufgewühlte Seele.
Es gab viele Gründe, Lothlorien zu lieben. Vor allem in dieser Zeit, in der alle dem großen Fest entgegen fieberten. Alles schien in Hochstimmung zu sein. Allein das helle Plätschern der Bäche klang wie ein fröhliches Lied. Sie flüsterten ihre Lachen in den Wind und versprachen Glück und Freude für die kommenden Tage. Sie grüßten die sanfte Brise, die übers Gras strich, der sich geduldig von einer Seite zur anderen biegen ließ.
Selbst die erhabenen Baumkronen wiegten sich im Takt des Windes und zauberten mit ihren sanften Bewegungen und mit Hilfe der lachenden Sonne lustige Licht- und Schattenspiele an die Bauten der Elben. Die Vögel jubilierten dazu und schienen mit den Chören konkurrieren zu wollen, die immer noch fleißig für die bevorstehende Zeremonie probten. Daß diese zauberhafte Vorstellung der Natur nicht ungewürdig blieb, zeigte das fröhliche Kinderlachen, das hin und wieder erklang.
Unter seinem Fenster sah er Kinder der verschiedenen Rassen Mittelerdes zusammen spielen und durch die Gegend toben. Es gab keinen Haß, keinen Argwohn, keinen Neid unter ihnen. Sie spielten einfach und genossen den Frieden...
Ein bittersüßes Lächeln hob die Winkeln seiner Lippen an. Er hatte Teil daran, diesen Frieden geschaffen zu haben. Aber so schrecklich zerbrechlich erschien er ihm auch. Er hatte es ja am eigenen Leib erfahren.
Dies wiederum erinnerte ihn an seine Pflicht. Er wußte, daß sein Vater Verständnis haben würde, wenn er noch etwas Ruhe benötigte, aber Pflicht war Pflicht und sie wurde nicht aufgeschoben. Also ging er wieder in seine Gemächer und kleidete sich an.
Das Haar war frisiert und halbwegs trocken, als er aus seinen Gemächern trat und sich auf den Weg zur Audienz machte. Unterwegs legte er sich seine Worte zurecht, um den Bericht möglichst nüchtern und knapp zu halten, denn irgendwie schienen seine Gedanken immer noch etwas ungeordnet zu sein.
Seit seiner Ankunft Lorien beschäftigte ihn nur eine Frage: Was war aus dem Mädchen geworden?
Immer wieder kehrten seine Gedanken zu diesem Mädchen zurück. Nichts hatte ihn ablenken könnten. Weder Lorien selbst, das heiße Bad, das köstliche Essen oder der Gedanke, sicher zu sein. Er fragte sich, wo sie war, wie es ihr ging, ob sie wohl sicher war. Hatte sie den Kampf gegen all diese Wachen überhaupt überlebt? Hatte sie gewußt, daß er und seine Brüder gefangen gehalten wurden? Hatte sie deshalb den Ausbruch planen können? Wurde sie vielleicht von jemanden geschickt? Und das allerwichtigste, wer war sie?
Er nahm vage die Hofknickse und Verbeugungen der anderen Elben zur Kenntnis, während er zum Audienzsaal spazierte. Er nickte hin und wieder und schenkte einem bekannten Gesicht ein unverbindliches Lächeln. Er fand es nicht weiter aufregend, so hofiert zu werden. Das kannte er bereits aus Düsterwald und seit Sauron vernichtet wurde, schien das ganze Getue zugenommen zu haben. Seine Gedanken drifteten wieder ab. Er würde nur zu gerne seine alten Gefährten wiedersehen: die Hobbits, Gandalf, Aragon und...
Legolas sog erschrocken den Atem ein, als ihn jemand plötzlich gegen das Knie trat. Panisch sah er sich um und blickte dann genau in Gimlis wütende Visage.
"Gimli!" rief er mit einer Mischung aus Freude und Verwirrung. "Alter Freund!"
"Du erinnerst dich also an den Zwerg, der dir schon oft genug deinen knochigen Elbenhintern gerettet hat?" knurrte er verstimmt und seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Legolas fragte sich, was dem Zwerg über die Leber gelaufen war. "Was bitte ist das dann für eine Art, einen alten Freund zu ignorieren, der ihn seit einer geraumen Zeit ruft?"
Legolas hatte den Anstand zu erröten und lächelte etwas. "Entschuldige, ich war im Gedanken."
"Im Gedanken?" Gimlis Zorn schien sich wieder zu legen. Statt dessen musterte er den Elben neugierig. Sein Blick wurde langsam sanft und besorgt. "Was ist los?"
Legolas verzog das Gesicht und schwieg
"Was war los, Legolas?" wiederholte Gimli mit gerunzelter Stirn. "Du sagst, es ist nichts, aber ich finde dich in Gedanken versunken vor. Sag, mein Freund, was bedrückt dich?"
Legolas seufzte. Es widerstrebte ihn doch, seinen Freund mit seinen Gedanken und Sorgen zu belasten. "Das, mein Freund, ist eine lange Geschichte."
"Nun, die Hochzeit ist erst in zwei Tagen", erwiderte Gimli achselzuckend und holte eine Pfeife und ein Säckchen mit Kraut hervor. "Bis dahin haben wir genug Zeit."
Der Elb atmete tief ein und beobachtete, wie Gimli sich auf eine Bank setzte und anfing, seine Pfeife zu stopfen. Mit einem lächelnden Blick sah der Zwerg auf und deutete auf den Platz neben sich. Resigniert seufzend nahm Legolas Platz und begann zuerst etwas stockend mit seiner Erzählung, aber dann kamen die Worte flüssiger und schneller. Gimli hörte die ganze Zeit dabei schweigend zu und nickte nur hin und wieder.
Als Legolas seine Geschichte beendet hatte, herrschte einen Moment Schweigen, bis Gimli den Pfeifenkopf ausklopfte, ehe er ihn erneut füllte. "Meine Güte, das mußte wirklich ein kleines Abenteuer gewesen sein."
Der Elb lächelte bitter. "Ich hätte gerne darauf verzichtet."
"Aber dann wärst du nicht dieser bezaubernden Maid begegnet", versuchte Gimli zu scherzen. "Mir scheint, du machst dir viele Sorgen um sie."
Legolas' Brauen gingen etwas in die Höhe, als wollte er fragen, woher Gimli das wissen wollte. Aber etwas anderes erregte seine Aufmerksamkeit. Aus einem der Baumkronen des Waldrandes stieg ein weicher und kaum sichtbarer Rauch auf. Bald darauf meinte er jemanden in grauen Gewändern zu sehen. Konnte das vielleicht...
"Denkst du schon wieder an sie?" fragte Gimli anzüglich.
"Entschuldige?" Legolas sah seinen Freund verlegen an. Er mußte sich langsam wieder im Griff haben.
Gimli seufzte. "Deine Gedanken gleiten ziemlich schnell und oft weg, mein Freund. Was ist es nun?"
"Sieh mal." Legolas sah hoch und deutete einem Nicken in eine bestimmte Richtung.
Gimli sah hoch und entdeckte nichts außer grünen Blättern. "Alles sehr grün, wenn du mich fragst."
Zum ersten Mal seit er in Lorien war, kam sein Lächeln aus tiefstem Herzen. "Ja, das auch. Aber ich meinte Gandalf."
"Gandalf?" Gimli kniff die Augen zusammen und schirmte sie mit der Hand ab, während er die Baumkronen nach dem Zauberer absuchte. Nach einer Weile entdeckte er ihn auch. Lässig eine Pfeife rauchend stand er auf einer Plattform in den Baumkronen und unterhielt sich mit zwei Elben, die dem Anschein nach, Wachdienst schoben. "Tatsächlich, er ist es. - Aber wie zum Himmel kommt er da hoch?"
Legolas lächelte wieder und entschied, das Treffen mit seinem Vater für eine Weile zu verschieben. "Komm, ich zeig's dir."
Ende des 3. Kapitels
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Tritt ein Zwerg schon mal einen Elben gegen das Knie? .
Aber treten wir nicht alle unseren besten Freunden hin und wieder gegen das Knie?
