Titel: Den Jäger erlegen
Autorin: Sleepy Tiger
Warnung: Yes, a lot of blabla again...
Disclaimer: Lord of the Rings © by J.R.R. Tolkien
4. Kapitel: Ungewöhnliche Gäste
Gandalf schmauchte gemütlich ein Pfeifchen, während er von der Plattform hoch in den Bäumen auf das rege Kommen und Gehen unter ihm beobachtete. Birel und Merron, die beiden jungen Elben, die hier Dienst taten, erzählten ihm, daß diese Plattform für Wachen während einer Belagerung Loriens gebaut wurde. Von hier aus konnte ein Elb bis zu den Bergen sehen. Aber sie wurde bis zum heutigen Tage noch nie benutzt. Nicht nur, weil Lorien noch nie belagert wurde, sondern auch, weil dieser Wachposten vom Feind nur allzu leicht zu entdecken war.
Wegen der großen Feier hatten die Elben die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt und vor allem an den Waldrändern hatte sich die Zahl der Wachen verdoppelt. Frieden hin oder her, Orks gab es immer noch viel zu viele. Zumindest dachte man so in Lorien.
Mit den Händen hinter dem Rücken verschränkt und der Pfeife zwischen den Lippen blickte sich der Zauberer um. Lorien aus dieser Höhe zu sehen, war schon etwas anderes. Außerdem hatte er mit diesen beiden Elben eine fröhliche Gesellschaft und hin und wieder winkte er Haldir zu, der diesen Abschnitt unter seinem Kommando hatte. Was könnte entspannender sein, als eine Pfeife zu rauchen, den leisen Liedern der Elben zu lauschen, die sie zwischendurch sangen, und die wärmende Sonne auf sein Haupt zu spüren...
"Elb! Wie oft muß ich dir noch sagen, daß du meinen Bart nicht anfassen sollst?" rief eine tiefe Stimme empört in diese Idylle hinein.
Der Zauberer stutzte etwas. Das hörte sich doch sehr nach Gimli an. Neugierig wandte er sich um und entdeckte einen dritten Elben am Rand der Plattform knien. Es war Legolas. Merron und Birel hatten die Bögen sinken lassen und verbeugten sich angesichts des hohen Besuchs. Es erstaunte den Zauberer nicht weiter. Wahrscheinlich hatten sie die beiden Neuankömmlinge schon lange vor ihm bemerkt.
"Aber Gimli, ich will dir doch nur helfen", erwiderte Legolas freundlich, aber das Lachen in seiner Stimme war unüberhörbar. Gandalf lachte leise in sich hinein. Auch die beiden Elben grinsten und bemühten sich, nicht laut aufzulachen. Ein Zwerg auf einem Baum war für einen Elben schon grotesk.
"Dann hilf mir anders!" gab der Zwerg wütend zurück.
Legolas seufzte tief. "Dann gib mir endlich deine Hand, Gimli."
"Nein!" rief der Zwerg entsetzt. "Wenn ich das tue, werde ich noch fallen. - Ich denke, am besten gehe ich wieder hinunter."
"Aber Gimli, wir sind doch schon da", entgegnete der Elb heiter. "Nun komm, ich lasse dich schon nicht fallen."
Gandalf schüttelte den Kopf über die beiden und stopfte erneut seine Pfeife, während Gimli sich murrend und knurrend von Legolas helfen ließ.
Merron und Birel verbeugten sich noch tiefer vor den Prinzen, als dieser aufstand und sich ihnen zu wandte. "Herzlich willkommen, Prinz Legolas. Herzlich willkommen, Herr Gimli."
"Danke sehr", erwiderte der Prinz freundlich. Gimli nickte schroff. Er schien von der ganzen Kletterei immer noch etwas verstimmt zu sein.
"Gandalf!" rief Legolas erfreut. "Wie schön, Euch hier anzutreffen."
"Ach, ich ruhe hier nur meine alten Knochen aus", erwiderte Gandalf lächelnd und umarmte die beiden.
"In so luftiger Höhe?" fragte Gimli etwas sarkastisch hinzu, aber sein Lächeln drückte reine Freude und Wärme aus.
"So schlimm war es doch nicht", meinte Legolas mit einem feinen Lächeln.
Gimli schnaubte. "Erinnere mich bloß nicht daran, Elb! Ich dachte, es gibt hier eine Art Aufzug. Statt dessen mußte ich diesen verflixten Baum hochklettern."
"Aber, aber, Gimli", lachte Gandalf und breitete die Arme aus. "Seht doch, Eure Mühen werden großzügig belohnt. Ist dieser Anblick nicht wunderbar."
Immer noch murrend blickte sich der Zwerg um. Es dauerte nicht lange, bis er die frische Luft tief in seine Lungen sog und alles griesgrämige aus seinem Gesicht verschwand.
"Das ist ja unglaublich!" platzte es aus Gimli heraus. Vorsichtig ging er auf der Plattform hin und her, während er den Anblick in sich hinein sog.
Gandalf und Legolas lächelten nachsichtig über die überschäumende Freude ihres Freundes bei Loriens Anblick aus den erhabenen Höhen seiner Bäume.
"Was ist denn das?" rief Gimli leise. Er sperrte die Augen weit auf und deutete auf eine Gruppe von Reitern, die sich dem Wald näherte.
"Neue Gäste würde ich meinen", sagte Legolas lächelnd und blickte Merron und Birel freundlich an, die die ganze Zeit damit beschäftigt waren, drei der großen Helden Mittelerdes anzustarren. Als der Prinz höchstpersönlich ihnen zuwandte, blinzelten sie erschrocken und erinnerten sich errötend an ihre Pflicht als Wachen. Schnell drehten sie sich zu dem eigentlichen Geschehen um.
Zwanzig Reiter kamen langsam auf die Waldlichtung zu. Eine von ihnen war eine alte weißhaarige Frau, die gebeugt im Sattel saß. Die anderen 19 Reiter schienen, ihrem Körperbau und -haltung zu urteilen, alles Krieger zu sein. Sie trugen lange, schwarze Umhänge, die sie auf einer Seite über die Schulter geworfen hatten, so daß jeder sehen konnte, daß sie unbewaffnet Lorien betreten wollten. Darunter trugen sie alle dunkelrote Gewänder mit aufwendigen Stickereien. Der Schnitt ihrer Kleidung war immer der gleiche, aber die Stickereien unterschieden sich in der Farbe. Einige hatten weiße oder silberne, aber nur zwei hatten goldene.
Auf ein Zeichen einer der beiden Reiter mit goldenen Stickereien blieb die Gruppe stehen. Schweigend wartete sie in der Lichtung. Keiner regte sich.
"Wer sind denn diese Leute bloß?" fragte Birel stirnrunzelnd. "Denen bin ich noch nie begegnet."
"Wie denn auch, wenn du Lorien nie verläßt?" grinste Merron spöttisch. Birel wollte ihm eine bissige Antwort geben, als plötzlich Haldir sein Posten verließ und sich dieser Gruppe in den Weg stellte.
Merron reagierte sofort, in dem er eine Hand über Birels Mund legte und ihn auf ihren Kommandanten aufmerksam machte. Er und Birel spannten ihre Bögen. Jeder hatte einen der Reiter im Visier. Legolas suchte unterdessen nach einem Bogen, aber Gandalf legte eine Hand auf seinen Arm.
"Das wird nicht nötig sein", flüsterte Gandalf so leise, daß es nur er hören konnte. Der Elb entspannte sich wieder und stellte sich neben den Zauberer, um die Szene zu beobachten.
Haldir überraschte seine Untergebenen, weil er sich gänzlich unbewaffnet diesen Leuten zeigte. Noch mehr überraschte es sie, als die alte Frau ihr Pferd langsam vortraben ließ.
Haldir verneigte sich tief vor der Alten und sagte etwas in einer fremden Sprache. Die Elben um ihn herum blickten sich oder Haldir erstaunt an. Keiner hatte ein Wort verstanden. Es klang nach einem Gemisch aus den Sprachen der Elben, aber irgendwie hörte sich der Ton nach dem einer Menschensprache an. Waren da nicht auch einige Silben aus der Zwergensprache?
Die Alte lächelte und nickte bedächtig. Mit einer heiseren und nicht mehr sehr sicheren Stimme erwiderte sie: "Ich danke im Namen des Clan Ifreys für die Einladung zu der Hochzeit der Tochter Eurer Herrscher. Es ist eine große Ehre für uns."
Wieder hielten die Elben den Atem an. Einige ließen bereits die Bögen wieder sinken. Diese alte Frau sprach ihre Sprache! Mit einem Akzent einer Einheimischen Loriens.
"Seid uns herzlich willkommen, Mutter der Ifreys. Eure Ankunft wurde mit Freude erwartet", sagte Haldir und gab einigen Elben ein Zeichen, die neuen Gäste nach Lorien zu begleiten.
Wieder nickte die alte Frau und überließ einen der Elben die Zügel ihres Pferdes. Genauso bereitwillig händigten die anderen Reiter die Zügel an die Elben aus. Sie lehnten sich sogar zurück und blickten entspannt in die Gegend, während sie geführt wurden.
Oben auf der Plattform hatte sich Gandalf an den Rand gestellt und blickte rauchend auf die kleine Gruppe, die langsam an ihm vorbeizog.
"Ifrey?" Gimli senkte den Kopf und sein Gesicht verschwand beinahe im Bart, wobei nur noch seine blitzenden Augen zu sehen waren. "Den Namen habe ich schon einmal gehört."
"Es heißt 'Alles böse'", sagte Legolas stirnrunzelnd. "Wie kann das ein Name sein?"
"Aber heißt es nicht 'böse Kreatur'?" wagte Birel zu sagen. Er blickte zu Merron. "Oder?"
"Weder noch, meine Lieben", mischte sich Gandalf ein, ohne dabei aufzusehen. "Es heißt 'Verstoßene'."
Gimli hob erstaunt die Brauen. "Und die stehen auf der Gästeliste?" Der Zwerg sah mit einem spöttischen Lächeln zu Legolas hoch. "Ihr Elben seit wahrhaftig ein seltsames Volk."
Was Legolas darauf antwortete, hörte Gandalf nicht mehr. Seine gesamte Aufmerksamkeit galt der alten Frau. Plötzlich hob sie ihren Kopf und sah zu ihm hoch. Er sah ihre weißen Augen, die auf Blindheit hindeuteten, aber er wußte, daß sie ihn trotzdem sah. Sie hob grüßend die Hand. Er erwiderte ihren Gruß.
"Wie schön, daß sich unsere Wege wieder kreuzen, Maja", flüsterte er in den Wind. Die alte Frau nickte nur und wandte dann ihren Blick ab.
Hinter ihm gingen Merron und Birel wieder ihrem Dienst nach und diesmal schien es auch einen Grund zu geben.
"Birel", sagte Merron leise und deutete mit einer knappen Geste in die Ferne. "Siehst du das?"
Birel runzelte nachdenklich die Stirn. "Wer mag das wohl sein?"
"Es ist ein Reiter", erklärte Legolas Gimli und Gandalf, als er ihre fragende Blicke auf sich spürte. Er stellte sich neben Merron und blickte ruhig in die Ferne. "Schwarzer Umhang und Kapuze."
"Ist ein Wappen sichtbar?" fragte Gandalf beiläufig.
"Ich sehe nichts", meinte Birel.
"Ich ebenfalls nicht", sagte auch Merron. "Alles wird verdeckt."
"Eine Frau." Legolas hatte seine Augen nicht wie Birel oder Merron mit der Hand abgeschirmt. Er hielt sich an einem Ast fest, während er sich etwas vorbeugte um sich die schnell nähernde Reiterin genauer anzusehen. "Kein Elbe. Ein Mensch."
"Vielleicht eine Reisende", vermutete Birel, der Legolas etwas ungläubig aus dem Augenwinkel betrachtete. "Hier kommen viele vorbei."
"Nein, sie lenkt ihre Pferd geradewegs auf uns zu", erwiderte Legolas. "Sie gibt ihm jetzt die Sporen."
Birel wechselte mit Merron einen verdutzten Blick. Der Prinz der aus Düsterwald hatte wirklich gute Augen. Nur Gimli und Gandalf schien es nicht weiter zu beeindrucken.
Der Reiter zügelte das Pferd erst vor der Lichtung und brachte es dann zum Stehen. Sie blickte hoch und rief: "Elben Loriens! Hört Ihr mich? Ich erbitte Einlaß in diese Wälder."
Legolas' Hand umklammerte den Ast und Merron und Birel blickten alarmiert auf, als sie ein leises Knirschen des Holzes hörten. Irgendwie schien der Prinz auf einmal sehr angespannt zu sein. Es erstaunte sie noch mehr, als der Prinz aus Düsterwald plötzlich vortrat und sich der Reiterin zeigte.
"Gebt Euch zu erkennen", verlangte er in einem höflichen Ton. Merron und Birel zuckten hilflos mit den Schultern, als sie Haldirs etwas verärgerten Blick kreuzten. Ihr Kommandant gab ihnen ein Zeichen und sie und alle anderen Elben spannten geräuschlos ihre Bögen, die Reiterin im Visier behaltend.
Die Reiterin sah abrupt zu ihm hoch und schien erstaunt über seine Anwesenheit. Leider konnte man nicht sehen, ob sie es tatsächlich war. Die Kapuze war zu tief ins Gesicht gezogen worden. Als sie den Kopf hob, konnte man von ihrem Gesicht nicht mehr die untere Partie sehen.
Wortlos nahm sie die Kapuze ab, schlug den Umhang auf einer Seite über die Schulter und blinzelte in die helle Sonne. Sie schirmte ihre Augen mit der Hand ab, aber unterbrach den Blickkontakt zu Legolas nicht.
"Sieh mal einer an", murmelte Gandalf. Wie jeder andere auch, sah er, daß sie eine Art Uniform aus dunkelroten Stoff mit goldenen Stickereien trug.
"Noch ein Ifrey?" fragte Gimli erstaunt.
"Da hat sich wohl jemand verspätet", schmunzelte Gandalf.
Legolas hatte währenddessen das Gefühl, daß er gleich von dem Baum fiel. Da war sie! Das Mädchen im roten Kleid. Die kleine schmutzige Hure mit dem Schwert. Nur diesmal bedeckte diese Uniform sie züchtig vom Hals ab und sie hatte ein Bad genommen. Auf ihrer Haut sah er keinerlei Schmutzspuren und ihre schwarzen Locken waren sorgfältig frisiert und glänzten im Licht.
Er spürte ein Lachen in sich aufschäumen. Er empfand pure Freude und unendliche Erleichterung bei ihrem Anblick. Alle seine Fragen schienen beantwortet. Sie war wohlbehalten aus diesem Chaos entkommen. Sie lebte und saß auf einem Pferd vor ihm. Aber eine Frage war immer noch offen...
"Bitte nennt uns Euren Namen, Fräulein", forderte er freundlich.
"Mein Name?" Ihr Pferd schnaubte und tänzelte etwas zur Seite. Sie ließ die Hand sinken und lächelte schelmisch. Dann erwiderte sie laut und deutlich: "Asani mo Ifrey ti Yanca no An vom Clan der Ifreys."
Ende des 4. Kapitels
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Langer Name, ne?
Und wenn ihr euch fragt, was bitte sind "Birel" und "Merron" für Namen. Nun, ich habe ein Rezept von Barilla vor mir: Nudeln mit angemachten Maronen. Die Kreativität geht schon seltsame Wege... -.-
Vielen Dank für Eure Reviews! Macht ruhig so weiter. ^_______^
