Titel: Den Jäger erlegen
Autorin: Sleepy Tiger
Warnung: sponsored by Blabla Inc....
Disclaimer: Lord of the Rings © by J.R.R. Tolkien
5. Kapitel: Gute alte Freunde
Schweigend beobachteten Gandalf, Gimli, Legolas und die beiden Wachen Birel und Merron, wie Asani mo Ifrey ti Yanca no An von ihrem Pferd stieg und mit einem Elben plaudernd in Richtung Lorien spazierte, nachdem Haldir seine Erlaubnis gegeben hatte.
"So so", meinte Gandalf geheimnisvoll lächelnd. "Ein interessantes Mädchen wie es mir scheint...Asani mo Ifrey ti Yanca no An...sehr interessant..."
"Das ist ein ziemlich langer Name für ein so kleines Mädchen", meinte Gimli lachend.
"Die Ifreys haben alle recht lange Namen", erklärte Gandalf schmunzelt. "Jeder trägt den Zusatz 'Mo Ifrey' in seinen Namen und es bedeutet vom 'vom Clan Ifrey'. Aber 'Ti Yanca no An' ist etwas besonderes. Eine Art Auszeichnung."
Gimli schüttelte grinsend den Kopf. "Wirklich, und ich dachte, die Elben seien an Merkwürdigkeit nicht mehr zu übertreffen."
"Wir sind nicht merkwürdig", erwiderte Merron mit einem feinen Lächeln.
"Der Rest der Welt ist es", fuhr Birel fort und verbeugte sich höflich.
"Ah, ihr Elben!" Gimli mimte den Genervten, aber man sah nur allzu deutlich den Schalk in seinen dunklen Augen. "Aber es gibt immer noch einen merkwürdigen Elben in Mittelerde. Nicht wahr, Legolas?"
Der Zwerg sah zu seinem Freund hoch, aber dieser starrte diesem Mädchen hinterher, bis es im Dunkeln der Wälder verschwunden war.
Gimli seufzte: "Träumst du schon wieder, Legolas?"
Der Elb antwortete nicht.
Gimli wechselten mit den anderen einen irritierten Blick und sah dann besorgt zu Legolas hoch, der immer noch einen Ast umklammert hielt. "Legolas, was ist mit dir?"
"Sie ist es", flüsterte der Elb erregt. "Sie ist es."
"Wer?" fragte der Zwerg verwirrt. "Diese Asani mo...mo...soundso?"
"Sie ist es", wiederholte Legolas nur und rannte über die Plattform, ehe er in Windeseile den Baum hinunter kletterte.
"Legolas!" rief Gimli erschrocken. Aber der Elb war zu schnell. Er hatte kaum geblinzelt, da sah er schon den Elben mit wehenden Haaren zurück nach Lorien rennen. Dann stöhnte er, als er daran dachte, wo er noch war. "Das gibt es doch nicht! Läßt mich hier einfach oben auf einem Baum!"
~*~
Legolas konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal so schnell gerannt war. Die Wachen konnten kaum sein knappes Nicken wahrnehmen, als er wie der Wind durch die Tore zu der Elbenstadt rannte. Er hielt nicht an, um zu fragen, wo sie sein könnte. Da sie geritten war, konnte sie nur bei den Ställen sein.
Als er die Ställe endlich erreichte, bemerkte er erst jetzt, wie außer Atem er war. Deswegen drosselte er sein Tempo aufs Schlendern herunter und durchquerte ruhig den großzügigen Vorplatz, der wegen den vielen Gästen schon aus allen Nähten platzte. Etliche Stalljungen liefen herum, um die Tiere der Herrschaften zu versorgen. Hufschmiede saßen in jeder Ecke und taten ihr Handwerk. Natürlich waren an einem Ort wie diesem auch viele Pferdeliebhaber versammelt, die sich, gruppenweise über den Platz verteilt, unterhielten. Es war schön, auch hier soviel Eintracht und Frieden vorzufinden, aber im Moment waren sie Legolas nur lästig. Es erschwerte seine Suche nach Asani mo Ifrey.
Aber er war der Elb, dessen scharfen Augen man besang. Es kostete ihn zwar etwas Zeit, aber er entdeckte sie bei einem Hufschmied. Sie stand neben ihrem Pferd und tätschelte den Hals des Tieres, während sie sich mit dem Schmied unterhielt. Einige Krieger ihres Clans standen ebenfalls in der Nähe und grüßten sie. Einer nahm ihren Platz neben ihres Pferdes ein, während der Huf dem Pferd neue Hufen verpaßte.
Legolas wollte ihr entgegen gehen, aber da wandte sie sich bereits einem der Ifrey Krieger zu. Einem hochgewachsenen Mann, den man die große Kampferfahrung an seinem durchtrainierten Körper und der langen Narbe, die von der rechten Schläfe bis zum Kinn reichte, geradezu ansehen konnte. Er wirkte geradezu roh und barbarisch auf Legolas. Außerdem war er häßlich wie die Nacht in Modor.
Sie schien es überhaupt nicht zu stören, daß so ein widerlicher Riese sie in die Arme schloß und ihre Stirn küßte oder gar ihren Kopf an seine Schulter drückte. Legolas ignorierte das kleine Ziehen in seinem Herzen und bemerkte gar nicht, wie sich sein Gesicht bei dieser Szene verdüstert hatte. Hatte sie denn keine Angst, daß er sie zerdrückte?
Aber die Frage war unbegründet, wie sich Legolas widerwillig eingestehen mußte. Trotz der Kraft, die dieser Mann haben mußte, behandelte er sie so zart wie ein rohes Ei. Und irgendwie ließ ihn dieses Lächeln auf seinen Zügen etwas zugänglicher wirken. Sie mußten sich sehr nahe stehen, wenn so ein harter Krieger so zärtlich lächelte und sie sich so willig in seine Arme schmiegte. Legolas' Herzschlag wurde schwer und langsam, als er die Möglichkeit erwog, daß es sich womöglich um zwei Liebende handeln konnte. Ihr Umgang miteinander erinnerte ihn an Aragon und Arwen, wenn sie sich allein wähnten. Er fühlte eine gewisse Enttäuschung.
Ja, er war enttäuscht, daß er immer noch keine Gelegenheit hatte, sie zu sprechen. Geschweige denn, sich bei ihr zu bedanken, daß sie ihm und seinen Brüdern das Leben gerettet hatte. Aber diese Art von Enttäuschung fühlte sich gewöhnlich anders als dieses Gefühl an, das ihm im Moment das Herz beinahe zerdrückte.
Legolas blickte kurz hoch zum Himmel. Es war schon später Nachmittag und sein Vater wartete. Es war besser, sich zurückzuziehen.
Er hatte gerade den Vorplatz verlassen und war auf den Weg zu seinen Gemächern, als ihn jemand sehr heftig an den langen Haaren zog. Verärgert wandte er sich um und blickte zwei wütenden Hobbits ins Angesicht. Pippin und Merry standen nebeneinander und hatten die Arme vor der Brust verschränkt, als sie zu ihm hochsahen. Irgendwie hatte er so ein wütende Gesicht schon einmal gesehen...
"Was war denn das, Hoheit?" fragte Pippin spitz. "Rennt an uns vorbei und sagt uns noch nicht einmal 'hallo'."
"Genau, was war das bloß für ein Benehmen?" wollte auch Merry wissen. Die beiden Hobbits bauten sich empört vor Legolas auf und blickten verletzt zu ihm hoch. "Begrüßt man seine Freunde nicht mehr?"
"Merry! Pippin!" rief der Elb überrascht. Hatte er sie wirklich übersehen? Am liebsten hätte er sich selbst geschlagen. Was war bloß los mit ihm? Er hörte und sah seine Freunde nicht mehr. Als liefe er mit Scheuklappen und Ohrstöpsel durch Mittelerde. "Freunde! Wie geht es euch?"
"Gut", erwiderte Pippin knapp. Er schien immer noch beleidigt zu sein.
"Ja, nicht schlecht", meinte Merry in einem recht distanzierten Ton. "Gar nicht schlecht."
Es schmerzten den Elben diese Worte zu hören. Aber daran war er selbst schuld. Legolas verbeugte sich tief. "Es tut mir außerordentlich leid. Aber ich bin im Moment etwas durcheinander. Verzeiht mir bitte, es war nicht böse gemeint, Euch zu ignorieren."
Seine Worten klangen sehr ehrlich und sein Ton drückte tiefsten Bedauern aus. Die beiden Hobbits versuchten ihre kühle Haltung beizubehalten. Aber wie konnte man einem Elben nicht verzeihen, der sich so entschuldigte?
"Naja, wenn Ihr wirklich so durcheinander seid...", begann Pippin und alles Strenge fiel von ihm ab. Er lächelte sogar wieder.
"Warum seid Ihr denn so durcheinander?" fragte Merry besorgt wissen. "Es sieht Euch gar nicht ähnlich."
"Habt etwas Nachsicht, Hobbits", meinte Gimli salbungsvoll, der sich ihnen etwas schnaufend näherte.
"Gimli!" riefen die beiden Hobbits.
"Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen", sagte Merry. "Seid Ihr wohlauf? Ihr seid ja ziemlich außer Atem."
Bevor Gimli darauf antworten konnte, daß er mit Hilfe zweier kichernden Elben namens Birel und Merron einen viel zu hohen Baum herunter klettern mußte und den ganzen Weg hierher gerannt war, plapperte Pippin gleich weiter: "Wir wissen es schon. Legolas ist etwas...durcheinander."
Gimli blinzelte und grinste dann maliziös. "Und wie er es ist. Der Herr Elb ist verliebt."
"Was?" riefen Pippin, Merry und Legolas gleichzeitig.
"Er hat eine junge Dame getroffen, die ihm das Leben gerettet hat", erzählte Gimli fröhlich. "Aber leider hat er sie danach nie wieder gesehen."
"Tatsächlich?" fragten Pippin und Merry unisono. Dann blickten sie zu Legolas hoch. "Sie hat Euch das Leben gerettet?"
"Gim...li...", preßte Legolas langsam hervor und starrte den Zwerg fassungslos an.
"Also, wenn das so ist...", sagte Pippin gedehnt.
"Dann ist Euer Benehmen auf jeden Fall entschuldigt", meinte Merry verständnisvoll.
"Jeder wäre an Eurer Stelle...durcheinander", versicherte Pippin.
"Ihr müßt Euch deswegen nicht schämen."
"Wir werden Euch nicht auslachen."
"Nicht, weil man Euch gerettet hat."
"Oder weil Ihr Euch verliebt habt."
"Schließlich ist Liebe etwas wundervolles."
"Wer ist es denn?"
"Bestimmt eine sehr hübsche Dame, nicht wahr?"
"Kennen wir sie?"
Sprachlos wich Legolas etwas vor den beiden Hobbits zurück, die ihm bei jedem Satz und bei jeder Frage immer näher gerückt waren. Mit einem finsteren Blick wandte er sich zu dem Zwerg. "Bist du etwa verärgert, weil ich dich auf dem Baum gelassen habe?"
"Nein, wie kommst du denn darauf?" fragte Gimli mit den strahlendstem Lächeln zurück, das auf Legolas sehr verdächtig wirkte. Er freute sich immer, diesen Elben ärgern zu können.
"Das müssen wir gleich Frodo und Bilbo erzählen", wisperte unterdessen Pippin zu Merry.
Dieser nickte heftig und meinte noch: "Und natürlich Sam. Vielleicht interessiert es auch Gandalf und Aragon..."
Die beiden Hobbits atmeten scharf ein, als Legolas sich abrupt zu ihnen wandte. Sie blickten ihn mit großen unschuldigen Augen an. "Ja?"
"Über was unterhaltet ihr euch?" wollte Legolas höflich wissen, aber seine Brauen waren bedrohlich hochgezogen. Die Vorstellung, daß die beiden Hobbits dieses wahnsinnige Gerücht in Umlauf setzen könnten, behagte ihm ganz und gar nicht.
"Nichts", erwiderte Pippin schnell. "Nichts wichtiges."
Der Elb schien ihn nicht ganz zu glauben. Pippin wand sich allmählich unter diesem strengen Blick, aber ein sich räuspernden junger Diener rettete ihn. Als die Freunde ihn fragend ansahen, räusperte sich der Elb erneut und entschuldigte sich für die Störung.
"Was liegt an?" riefen die Hobbits, die so froh waren, daß das Schicksal sie vor Legolas' strengen Blicken und unangenehmen Fragen gerettet hatte, daß sie sich gleich auf die Gelegenheit zur Flucht beim Schopf ergriffen.
Der Diener blickte etwas irritiert die beiden Hobbits an. Außerdem verstand er überhaupt nicht, warum der Zwerg so herzlich lachte. Als er unsicher zu Seiner Hoheit sah, nickte dieser nur müde und bat ihn, die Nachricht wiederzugeben.
"Seine Majestät König Thranduil schickt mich mit einer Nachricht zu Seiner Hoheit Prinz Legolas", berichtete der Diener gehorsam. "Die Audienz dulde keinen weiteren Aufschub und soll heute noch stattfinden, Hoheit. Ihr werdet eine Stunde vor Sonnenuntergang erwartet."
"Vielen Dank", erwiderte Legolas. "Richte meinem Vater aus, daß ich mich zu dieser Zeit einfinden werde."
~*~
Pünktlich eine Stunde vor Sonnenuntergang stand Legolas an einem der hohen Fenster des Audienzsaals. Schweigend beobachtete er die goldene Sonne, deren wärmenden Strahlen sich langsam rötlich färbten. Es würde nicht lange dauern und die Sonne würde wie ein Feuerball hinter den Wipfeln der Bäume verschwinden. Einzig die kühle Nacht würde diese Flammen löschen können.
Er blickte über die Schulter und bemerkte, daß die Versammlung, zu der die Audienz nun doch ausgeartet war, fast vollständig war und die Anwesenden schon Platz genommen hatten. Legolas wollte nicht unangenehm auffallen - er hatte den ganzen Tag schon nichts anderes getan - und setzte sich zwischen seinem Vater und Damenyon.
"Worauf warten wir noch?" flüsterte Damenyon, kaum daß Legolas richtig saß. Der junge Elb rutschte ungeduldig und nervös auf seinem Stuhl herum.
"Wir warten noch auf zwei des Clans Ifrey", wisperte Thranduil zurück und der junge Elb seufzte geschlagen. Anders als sein älterer Bruder und sein Zwilling hatte er weder die Erfahrung mit solchen wichtigen Versammlungen oder Geduld.
Legolas lächelte seinem Bruder aufmunternd zu. Er wußte, wie er sich fühlte. Auch er war in dem Alter sehr ungeduldig gewesen, aber mit der Zeit kamen die Ruhe und der Ernst hinzu. Während des Wartens hatte er versucht, nicht an Asani und diesen barbarischen Riesen zu denken, statt dessen sah er sich in der Runde um.
Außer ihm, seinen Brüdern und seinem Vater waren noch Elrond, Celeborn mit seiner Gattin Galadriel, Gandalf, Aragon mit zwei seiner Adjutanten und das Clanoberhaupt der Ifreys, die blinde Maja, mit ihren Stellvertreter, dem elbenhaften Goleyn, anwesend. Bei dieser Versammlung saß kein Vertreter der Zwergen, weil in diesem Vorfall kein Zwerg verwickelt war. Hier sollte geklärt werden, warum sieben Elben von Orks entführt, in einem Gefängnis der Menschen angekettet und von einer Ifrey Kriegerin befreit wurden.
In dem Moment trat ein Diener herein und verneigte sich ehrerbietig vor seinen Herren und verkündete die Ankunft von zwei Ifrey Clanmitgliedern. "Der Herzog des Ifrey Clans Yuk mo Ifrey ti Ruk und seine Tochter Asani mo Ifrey ti Yanca no An."
"Sie mögen eintreten", erwiderte Celeborn. Der Diener verbeugte sich wieder und wandte sich um, um die Neuankömmlinge zu holen.
Legolas hatte bei dem letzten Namen aufgeblickt und starrte nun geradezu die Tür an. Unbewußt hatte er seine Hand zur Faust geballt. Völlig grundlos fing sein Herz an, zu rasen, und der Herzschlag war so laut, daß er befürchten mußte, jemand könnte es hören. Obendrein setzte beinahe seine Atmung aus, als Asani den Raum betrat. Ruhig und ernst trat sie vor den Herrschern Loriens und verbeugte sich formvollendet.
Dann begaben sie und ihr Vater sich zu ihren Plätzen neben ihrem Clanoberhaupt. Dabei kreuzten sich ihre Blicke. Legolas konnte sich eines Lächeln nicht erwehren. Er kam sich so dumm vor, weil er sich freute, daß ihre Augen so schwarz und samten waren wie die Nächte in seiner Heimat...
Er war so sehr in ihrem Anblick versunken, daß er kaum ihren Vater bemerkte. Aber Legolas war schon zu lange Prinz, um sich diesen Fauxpas anmerken zu lassen. Also hob er, wenn auch etwas widerstrebend, den Blick von ihr und zum ersten Mal seit mehr als tausend Jahren entglitt Legolas die perfekte Selbstbeherrschung. Er sperrte vor Schreck die Augen weit auf und sein Unterkiefer fiel herab, als er sich den Herzog ansah.
Asanis Vater, der Herzog Yuk mo Ifrey ti Ruk, war nicht nur ein außerordentlich großer und muskulöser Mann. Er hatte auch eine lange Narbe, die sich von der rechten Schläfe bis zum Kinn erstreckte.
Ende des 5. Kapitels
***********************************************************************
Ich glaube, ihr wißt so allmählich, daß ich mich für die meisten Namen meiner Figuren von Nahrungsmittel inspirieren lasse: Yuk mo Ifrey ti Ruk...ich esse gerade Cracker und die heißen "Tuc"...^o^
Und "Asani mo Ifrey ti Yanca no An"...da mußte ich sehr lange aufs Abendbrot warten...Denkt bitte nichts falsches: Ich esse nicht ständig.
Ahem...Habt vielen Dank für Eure Reviews!
