Titel: Den Jäger erlegen
Autorin: Sleepy Tiger
Warnung: in Zusammenarbeit des Ministeriums für blabla Angelegenheiten (jetzt mal im Ernst: Ich habe immer noch null Peilung von den geographischen Begebenheiten Mittelerdes. Also, habt etwas Nachsicht, wenn ihr einige Unstimmigkeiten entdeckt.)
Disclaimer: Lord of the Rings © by J.R.R. Tolkien
7. Kapitel: Die Verstoßenen
Als Willkommensgruß für die vielen Gäste und vielleicht sogar als Probelauf für die kommende siebentägige Hochzeitsfeier gedacht, fand an jenem Abend ein gewaltiges Bankett statt.
Es stellte sich zuerst die Frage, wo das stattfinden sollte, da die meisten Säle bereits für die Zeremonie dekoriert worden waren und man nichts beschädigen wollte. Aber da es ein sehr zwangloses Fest sein sollte, beschloß man das gute Wetter an diesem Abend auszunutzen und stellte einige Festzelte auf rund um einen großen Platz auf, der als Tanzfläche fungierte. Die Gäste fanden es ganz entzückend unter dem Sternenhimmel zu speisen und zu tanzen.
Hunderte von Diener liefen herum, um den Gästen die Wünsche von den Augen abzulesen. Da es keine zwingende Sitzordnung gab, wanderten die Leute von Tisch zu Tisch, von Zelt zu Zelt, um sich zu kennenzulernen oder miteinander zu essen und zu trinken oder zu tanzen, wie es ihnen gerade beliebte.
Legolas und seine Brüder saßen in eins dieser Zelte. Man konnte zwar von ihren Plätzen nicht gerade den Sternenhimmel bewundern, aber die Stoffwände waren zur Seite gezogen worden, so daß der laue Abendwind auch durch das Zelt wehte und man hatte einen besseren Blick auf Geschehen.
Gerade war noch die gesamte Ringgemeinschaft an diesen Tisch gewesen und hatten in alten Zeiten geschwelgt. Damelos, Damenyon und Bilbo hatten diese Geschichten praktisch in sich hinein gesogen und Legolas hatte sogar gelacht, als Damenyon voller Ernst seinen Respekt vor Gimli bekundet hatte, der es solange mit seinem Bruder ausgehalten hatte. Und Gimli hatte ebenso ernst erklärt, daß er ebenfalls sehr stolz auf sich sei, weil es gar nicht so einfach gewesen wäre.
Aber nun saßen außer den drei Brüdern nur noch Bilbo, Frodo, Sam, Merry, Pippin und Gimli da, weil Aragorn seinen Pflichten als König nachkommen mußte und Gandalf kurzerhand von einer fröhlichen Elbe auf die Tanzfläche entführt wurde.
So erbärmlich er es auch fand, Legolas war stolz auf sich. Den ganzen Abend war er nicht in seine düsteren Gedanken versunken und hatte keine weiteren Freunde ignoriert oder vernachlässigt. Er scherzte, lachte und feierte wie jedermann. Das war Pippin und Merry zu verdanken, die ihn auffällig freundlich und überschwenglich begrüßt hatten, als sie sich im Zelt getroffen hatten.
Er brauchte weder zu fragen noch mußte er die Hobbits weiter beobachten, um zu wissen, daß die beiden etwas im Schilde führten, das ihm ganz und gar nicht gefallen würde. Er wußte auch, daß es mit dem dummen Gerücht zu tun hatte, den Gimli vor einigen Stunden vor den beiden Hobbits zum Besten gegeben hatte.
Legolas wußte, daß Gimli sich damit nur einen Scherz erlaubt hatte und ihn nicht wirklich damit schaden wollte. Aber diese beiden Hobbits! Merry und Pippin hatten schon für allerlei Überraschung gesorgt. Es wäre furchtbar, wenn dieses Gerücht unter den Elben von Lorien, Bruchtal und Düsterwald gleichzeitig die Runde machen würde. Auch, wenn heraus kommen würde, daß es sich nur einen Scherz handelte; die alte Diskussion, daß der Erbe Düsterwalds dringend eine Braut bräuchte, würde wieder aufkommen. Damit das nicht passierte, wachte er mit erhöhter Aufmerksamkeit über Pippin und Merry, die ihn immer wieder unschuldig anlächelten.
Aber die strenge Wache über die beiden stellte sich als etwas anstrengend heraus, vor allem, weil sein Blick immer wieder zu den Ifreys wanderte, die sich unters Volk gemischt hatten. Sogar die blinde Maja war trotz ihres betagten Alters anwesend und saß neben Galadriel, mit der sie sich leise unterhielt. Goleyn war immer an ihrer Seite und hörte einem Gespräch zwischen Aragorn und dem Herzog Yuk zu. Aber wo war seine Tochter?
Sein Herz pochte heftig gegen seine Rippen, als er an sie dachte. Er verstand selbst nicht, warum es ihn so aufregte, Asani mo Ifrey nirgends zu sehen. Wahrscheinlich, weil es ihn maßlos ärgerte, daß er nicht einen Moment mit ihr allein reden konnte. Noch nervöser machte ihn der Gedanke, wenn er mit ihr allein sein würde. Was sollte er sagen? Danke, daß Ihr uns gerettet habt? Und dann? Er wußte es nicht...
Er hatte vor gehabt, sie nach der Versammlung zu sprechen, aber sie hatte den Raum sehr schnell verlassen und war auch nicht mehr aufzufinden gewesen. Deswegen hielt er sich an die Ifrey Krieger, weil er dachte, daß sie inmitten so vieler Fremden zu ihren Bekannten gehen würde. Aber sie war bei keinem von ihnen.
Der Umstand, daß die Krieger die ganze Zeit schon neugierig von allen Seiten beobachtet wurden, machte sein großes Interesse an ihnen unverdächtiger. Es schienen ihnen nicht viel auszumachen, daß sie die Attraktion in Lorien waren. Sie machten sich auch keine Mühe, etwas gegen die ungeheuerlichen Gerüchte zu unternehmen, die überall kursierten. Sie reichten von "barbarischen Kriegern mit Orks als Vorfahren" bis zu "Prinzen in Exil". Die Ifreys schienen sich viel mehr darüber zu amüsieren.
Aber keines der Gerüchte sprach über Asani mo Ifrey und das fand Legolas sehr seltsam. Sie war das einzige junge Mädchen in dieser Gruppe von gestandenen Kriegern und sollte keine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben? Das war unmöglich.
"Ich verstehe nicht, was sie hier tun", meinte Bilbo plötzlich.
Damelos wandte sich dem Hobbit zu. "Meint Ihr die Ifreys?"
"Magst du sie nicht?" fragte Frodo ganz offen.
"Diese Kopfgeldjäger!" sagte Bilbo verächtlich. "Sie verspeisen eine Horde Orks zum Frühstück und legen noch einige Trolle drauf. Zu Mittag rösten sie einen Drachen und am Abend zertreten sie eine ganze Armee. Und zwischendrin verdienen sie ihr Geld mit Verbrecherjagd."
"Ihr kennt die Ifreys, Herr Beutlin?" fragte Legolas interessiert.
"Oh ja!" rief Bilbo und nickte bekräftigend. "Als ich noch ein kleiner Junge war, gab es einen Räuber, der das Auenland in Angst und Schrecken versetzte. Eines Tages entschlossen die Älteren, einen dieser Ifreys zu engagieren. Sie sind bekannt dafür, Verbrecher gegen entsprechendes Entgelt zur Strecke zu bringen."
"Das war sicherlich eine leichte Übung für so einen Krieger", meinte Damenyon lächelnd. Genau wie seine Brüder erinnerte er sich, wie Asani erzählt hatte, daß sie in Perrigon einen Raubmörder gestellt hatte.
Bilbo schnaubte. "Dieser wüste Ifrey brachte nur die Hände des Räubers mit und erklärte, daß wir für unsere lächerliche Belohnung nicht den ganzen Räuber erwarten dürfen."
"Wie unverschämt!" empörte sich Sam.
"Das ist eher unappetitlich", meinte Merry das Gesicht verziehend.
"Also, ich finde sie sehr nett", entgegnete Frodo lächelnd. "Ein bißchen rauh, aber sehr nett."
"Halt dich bloß von ihnen fern, Frodo", riet Bilbo und zündete sich seine Pfeife an. "Diese Barbaren sind noch schlimmer als Orks."
"Aber sie sind wirklich sehr nette Leute", versicherte Frodo. "Ich habe gerade einen der Krieger in der Küche getroffen. Sie haben eine ganz besondere Art, Fleisch zart zu machen. Sie wickeln es in Tüchern ein und klemmen diese Bündel unter ihrem Sattel. Während des Reitens wird das Fleisch zart gedrückt."
"Wie furchtbar!" rief Sam entsetzt und schüttelte sich.
"Aber keine schlechte Idee", räumte Merry ein.
"Das Fleisch war wirklich sehr zart", meinte Frodo lächelnd. "Und der junge Krieger hat sogar eine eigene Gewürzmischung dafür."
"Ja? Was gab es denn dazu?" wollte Pippin wissen.
"Denken die immer ans Essen?" flüsterte Damenyon seinem älteren Bruder zu, während Frodo antwortete. Legolas beantwortete diese Frage mit einem knappen Nicken.
"Das ist ein trauriger Anblick. So viele begehrenswerte Junggesellen und nur Gandalf genießt das Fest mit Schönheiten", spöttelte eine Stimme hinter ihnen.
Sie wandten sich um und sahen Haldir mit einem Glas Wein in der Hand hinter sich. Die Hobbits und Gimli erschraken etwas, weil sein Erscheinen ein wenig zu plötzlich für sie war, aber die drei Brüder lächelte und boten ihm Platz an. Er verneigte sich knapp und setzte sich.
"Was ist los? Habt Ihr nichts zu tun?" fragte Gimli erstaunt.
"Tatsächlich brauche auch ich hin und wieder eine kleine Pause", erwiderte der Elb spröde.
"Ja, das Alter", flötete der Zwerg grinsend.
"Wenigstens habe ich die Gelegenheit Weisheit zu erlangen, während anderen nicht einmal die Zeit haben, ihre eigene Dummheit zu erkennen", erwiderte Haldir und blickte den Zwerg herausfordernd an.
"Was könnt Ihr denn von diesen gefährlichen Clan erzählen, Herr Haldir?" fragte Damelos schnell, ehe am Tisch ein Streit ausbrach. Legolas versteckte ein stolzes Lächeln. Damelos war immer so um Harmonie bemüht. "Ich habe gehört, daß Ihr deren Sprache sprecht. Wo habt Ihr sie gelernt?"
Es klappte auch diesmal, denn Haldir lachte verlegen. "Eigentlich sehe ich diesen Clan auch zum ersten Mal. Und sprechen, tue ich diese Sprache gewiß nicht. Ich kenne nur einige Floskeln. Alles was ich weiß, stammt von einem Treffen mit einem Sterblichen, der eine Ifrey Kriegerin geheiratet hat."
"Was hat Euch dieser Mann denn erzählt?" fragte Merry neugierig.
"Da war schon einiges. Zum Beispiel, daß ihre Vorfahren Verbannte waren", antwortete Haldir. "Damals am Anfang des zweiten Zeitalters war es Gang und Gäbe, Verbrecher in den eisigen Norden zu schicken. Man hatte Angst, daß sie in den Osten nach Modor auswandern. Menschen, Zwerge wie Elben taten das. Der Clan ist das Ergebnis dieser Verbannten, die sich dort getroffen hatten. Daher auch der Name Ifrey. Verstoßene."
"Das erklärt so einiges", meinte Bilbo sarkastisch.
"Außerdem sind die Mythen der Ifreys voller Magie und Geister", fuhr Haldir fort.
"Ja?" Die jüngeren Hobbits sahen ihn mit großen Augen an. Merry und Pippin neigte sich sogar etwas vor.
Haldir nahm lächelnd einen Schluck von seinem Glas und setzte sich zurecht, um zu erzählen. "Sie tragen sehr gerne rote Kleidung und es hatte vor langer Zeit eine besondere Bedeutung. Es sollte das Blut symbolisieren. Sie haben geglaubt, daß im Blut der Geist der Kraft und Stärke wohnt und haben daher im Blut ihrer gefallenen Gegner gebadet und es sogar getrunken."
Die Reaktionen fielen recht unterschiedlich aus. Gimli zog ungläubig die Brauen hoch. Pippin setze sich langsam zurück und wurde kalkweiß. Merry sah einer Ohnmacht nahe aus. Sam hatte die Augen weit aufgerissen und zerknüllte den Saum seiner Weste in den Händen. Frodo verzog das Gesicht, blickte aber etwas skeptisch drein. Damenyon goß ohne eine Miene zu ziehen sein halbes Glas Rotwein in einem wuchtigen Blumentopf, der in der Nähe stand. Damelos und Legolas grinsten schadenfroh. Sie tranken weißen Wein.
"Das erklärt tatsächlich so einiges", wiederholte Bilbo angewidert.
"Ihre Töchter werden wie Jungen aufgezogen und ihnen wird das Waffenhandwerk beigebracht, weil sie glaubten, Dämonen würden sich an die Mädchen vergreifen, wenn sie schwach blieben", fuhr Haldir fort, der beschlossen hatte, einige weniger gruseligen Geschichten zu erzählen, als er die Reaktion der Hobbits gesehen hatte.
Damelos lachte plötzlich auf. "Ich glaube kaum, daß ein Dämon Hand an Asani mo Ifrey legen würde."
"Sie würden die Flucht ergreifen, wenn sie eins ihre Stinktiere zücken würde", lachte auch Damenyon, der mittlerweile auch auf weißen Wein umgestiegen war.
"Wer?" Außer Gimli und Legolas blickten alle die lachenden Zwillinge an, die lachend und durcheinander von Stinktieren, einer wilden Fahrt im Heuwagen und einem Bad im kalten See erzählten.
"Was für ein Stinktier?" fragte Merry laut und die beiden Zwillinge lachten noch mehr. Es dauerte eine Weile, bis sie sich beruhigt hatten und Asanis Befreiungsaktion in allen Details zu erzählen begannen.
Auch wenn Bilbo die Ifreys augenscheinlich nicht mochte, mußte er doch bei dieser Geschichte etwas lächeln. "Meine Güte, dieses Ifrey Mädchen scheint Haare auf den Zähnen zu haben."
"Wie war doch ihr Name?" fragte Pippin und sah Legolas dabei direkt in die Augen.
"Ich weiß nicht", erwiderte Legolas schnell.
"Also, wirklich!" empörte sich Merry, aber Legolas sah, daß es gespielt war. Der Schalk ließ die Augen den Hobbits nur allzu verdächtig glänzen. "Ihr wißt nicht den Namen Eurer Retterin? Ihr seid undankbar!"
"Asani mo Ifrey ti Yanca no An", sagte Damelos statt dessen. "Legolas mag undankbar sein. Ich bin es gewiß nicht."
"Ach, so heißt die junge Dame." Merry nickte bedächtig.
"Kann man sie auch kennenlernen?" wollte Pippin dann wissen. Er sah Legolas mit einem unschuldigen Augenaufschlag an, als dieser ihn mit einem warnenden und finsteren Blick bedachte.
"Ich würde auch gerne so eine fabelhafte Kriegerin kennenlernen", meinte Haldir und setzte sich etwas auf, um sich umzusehen. "Aber seit ihrer Ankunft habe ich sie nicht mehr gesehen."
"Das Alter", flötete Gimli wieder und lächelte den Elben an, der ihn säuerlich anblickte.
Damenyon blickte sich auch etwas um. "Ich sehe sie auch nirgends."
"Laßt Euren Bruder nach ihr suchen", schlug Gimli grinsend vor. "Er hat ein Talent dafür, sie aufzuspüren."
"Das glaube ich aber auch", meinte Pippin und hielt sich die Hände vor dem Mund, um nicht laut aufzulachen. Merry boxte Pippin in den Arm und mußte dann selber lachen.
"Nun, ich hoffe, sie ist nicht bereits gegangen", meinte Damelos besorgt. "Wir hatten gar nicht die Gelegenheit gehabt, uns zu bedanken."
Legolas setzte sich abrupt auf. Daran hatte er ja gar nicht gedacht! Tatsächlich konnte es sein, daß sie so plötzlich verschwunden wie sie aufgetaucht war. Aber wäre sie so dreist ohne Abschied zu gehen?
~*~
Asani mo Ifrey stand abseits des großen Festes und haderte mit sich selbst. Sie wünschte sich, inmitten einer Horde von Orks zu sein. Aber andererseits wurde ihre Anwesenheit erwartet. Die Einladung wurde Celeborn ausgesprochen, als sie sich in den Ställen getroffen hatten. Sie war gerade dabei gewesen, ihr Pferd zu satteln und Lorien zu verlassen, als der König persönlich vor ihr stand. Außer einem braven Nicken hatte sie nichts zustande gebracht, als Celeborn sie zum Bleiben einlud.
Ihr wurden alle Facetten der elbischen Gastfreundschaft zuteil. Sie bekam ein kleines, aber geschmackvolles Zimmer und irgendwie hatte man erfahren, daß sie außer der üblichen Ifrey Gewändern keine passend Kleider für die Festlichkeiten hatte. Kurz nachdem sie sich in ihrem Zimmer eingerichtet hatte, klopfte eine Elbe an und verkündete, daß sie sie für das Bankett einkleiden würde. Sie hatte energisch abgelehnt, aber die junge Dienerin war ebenfalls sehr energisch.
Den kleinen Streit gewann die Elbe, denn nun stand Asani mit Blumen in den hochgesteckten Haaren und in diesem dunkelroten Kleid (man hatte sogar ihre ifreysche Vorliebe für rote Kleidung berücksichtigt) in den Schatten einer großen Eiche und schaffte es einfach nicht, einen Fuß nach den anderen zu setzen.
Ein längst vergessenes Gefühl hielt ihren Verstand gefangen und lähmte ihren Körper. Sie hatte fürchterliche Angst. Angst davor, gesehen zu werden. Vor allem, von IHM gesehen zu werden. Es war ihr unangenehm. Sie wollte es einfach nicht.
Sie stieß wütend Luft aus. Was war schon dabei? Es waren bestimmt so viele Leute auf diesen Bankett, daß man sie gar nicht bemerken würde. Und er schon gar nicht! Warum sollte er auch? Außerdem war es ihr absolut gleichgültig, wenn er sie sehen würde. Sollte er sie doch sehen!
Sie holte tief Luft und stapfte mit störrischer Miene in Richtung Fest. Wäre doch gelacht, wenn sich die Tochter eines Ifrey Herzogs vor einem Elb fürchtete...und wenn dieser Prinz sie nun ansprechen würde? Sie biß sich auf die Unterlippe und blieb stehen. Sie war dem Festplatz schon recht nahe und hörte die Musik und das Gelächter der Gäste. Zweifelnd sah sie zu den Zelten und rieb sich übers Gesicht. "Du bist so erbärmlich feige, Asani!"
Sie fing an, auf und ab zu laufen. Hin und her gerissen zwischen ihrem Stolz und ihrer Furcht vor dem Prinzen. Dann war sie auch noch wütend, weil sie überhaupt nicht begriff, warum sie sich vor Legolas Grünblatt fürchtete. Er hatte ihr weder etwas getan noch gedroht.
"Ich glaube kaum, daß Lorien weitere Wachen braucht", sagte eine spöttische Stimme. "Haldir könnte beleidigt sein."
Asani wirbelte herum und sah Goleyn aus dem Schatten treten. Elegant und anmutig wie immer kam er langsam auf sie zu und blickte sie milde lächelnd an. "Was machst du hier, Asani?"
"Ich...ich...nun...", sie räusperte sich und sagte dann: "Frische Luft schnappen."
Die Antwort klang reichlich paradox, weil das Fest praktisch im Freien stattfand. Aber Goleyn nickte bloß. "Asani, ich habe eine Frage an dich."
"Ja?"
"Warum hast du dich selbst um den Ausbruch der Elben gekümmert?"
Asanis Schultern fielen herab und sie verkniff sich ein verzweifeltes Stöhnen. Immer stellte er Fragen, die jeder andere sorgfältig mied. Sie würde sich gerne mit einer Lüge herauswinden. Aber war zwecklos, Goleyn anzulügen. Er durchschaute jede Lüge. Wahrscheinlich hatte ihn Maja deshalb zu ihrem Stellvertreter erkoren.
"Sind deine finanzielle Mittel ausgegangen, um die nötigen Leute zu bestechen?" fragte Goleyn weiter, als sie nicht antwortete. "Warst du deswegen gezwungen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen?"
"Nein, die Mittel, die du mir bereit gestellt hast, sind kaum gebraucht worden. Ich dachte nur, es wäre sehr unpersönlich", erwiderte sie zögernd.
"Unpersönlich?" wiederholte Goleyn überrascht.
Sie nickte knapp und mied seinen Blick. Sie konnte spüren, daß er eine ausführlichere Antwort erwartete. "Ich meine, er ist ein Held und ich wollte ihm irgendwie ja auch danken für das, was er für uns alle getan hat..."
Asanis Wangen brannten höllisch bei dieser Antwort. Nicht, daß es eine Lüge war, aber sie schämte sich so sehr, daß sie es laut gesagt hatte. Verflucht sei Goleyn! Bei jedem Gespräch mit ihm kam sie sich wie ein unbedarftes Mädchen vor.
"Du überrascht mich, Asani", sagte er nach längerem Schweigen und es klang amüsiert und gerührt zugleich an. "Wirklich überraschend."
"Aber du wirst es Vater doch nicht erzählen, oder?" fragte sie panisch, als er sich umwandte und gehen wollte.
Seine Antwort war ein leises Lachen. "Komm und sorge dafür, daß ich es nicht tue."
"Geh schon einmal vor", erwiderte sie. "Ich komme gleich."
Goleyn blieb stehen und legte den Kopf schief. Sie konnte sogar im Dunkeln erkennen, daß er sie spöttisch anlächelte. "Traust du dich nicht auf dieses Bankett?"
Asani zog beleidigt die Braue hoch. "Was unterstellst du mir? Ich habe es mit einem Nest voller Trolle aufgenommen, dann werde ich auch auf dieses Bankett gehen können."
"Dann komm", sagte Goleyn und grinste, als Asani sich immer noch nicht rührte und die Zelte böse anstarrte.
Dann ließ sie ihren Kopf sinken und wimmerte herzerweichend. "Schick mich fort, Goleyn. Du weißt bestimmt von einem gesuchten Verbrecher. Sag mir nicht, daß ich da hingehen soll!"
Goleyns Miene wurde ernst. "Ich gebe dir eine Mission. Geh auf dieses Bankett und benimm dich wie eine Dame."
"Ich bin keine verdammte Dame!" jammerte sie verzweifelt.
"Während der Versammlung hast du dich sehr gut betragen", erinnerte er sie sanft.
"Ich hatte Angst, daß mich Maja in ein Tier verwandelt, wenn ich mich nicht benehme", erwiderte sie mürrisch.
Er nickte verständnisvoll und schlenderte gemütlich an ihr vorbei. Aber plötzlich blieb er stehen und sagte lässig über die Schulter hinweg: "Wenn du jetzt nicht hingehst und dich benimmst, schneide ich dir die Ohren ab."
Ende des 7. Kapitels
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Gah, schon wieder so lang!
Vielen Dank für die Reviews und Tips, die ihr mir gegeben habt. Angefangen von AragoRn (hat dich "Aragon" sehr gestört, Lola?) bis Mary Sue (das war mir wirklich neu, aber danke für die Aufklärung, Nikola).
Aber...ähm...Gina, das mit der Nase oder den Zehen klappt nicht so ganz...ich schwör, ich hab's versucht.
Joana *wimmer, schluck* bitte sei mir nicht böse!!!
