Titel: Den Jäger erlegen

Autorin: Sleepy Tiger

Warnung: FLUFF!!! (das wird jetzt so peinlich..)

Disclaimer: Lord of the Rings © by Tolkien

8. Kapitel: Shall we dance?

Königin Arwen von Gondor wurde von ihrem Gatten wie ein rohes Ei behandelt. Vor allem seit sie einen möglichen Thronfolger unter dem Herzen trug. Im Moment saß sie in einem hohen Lehnstuhl und versuchte ihren Gatten an seine Pflichten zu erinnern, während er besorgt die Kissen, die er um sie herum gesteckt hatte, aufschüttelte. Es war ganz entzückend mit anzusehen.

So entzückend, daß es nicht nur die Herzen der Damen rührte, sondern auch Blicke der Männer auf dieses glückliche Paar zog. Einer davon war Herzog Yuk mo Ifrey ti Ruk, der gemeinsam mit Elrond und Thranduil an einem Tisch saß. Bei dem Anblick des jungen Paares wurde es auch ihm ganz warm ums Herz.

"Eure Tochter ist eine sehr schöne Frau", bemerkte Yuk mit einem wohlwollenden Nicken. "Voller Grazie und Eleganz. Ich wünschte, meine Tochter hätte endlich etwas Einsehen und würde unsere Familie weiterführen." Herzog Yuk seufzte beim Anblick von Arwens gerundeten Bauch. Thranduil nickte verständnisvoll. Er hatte dasselbe Problem mit Legolas. Elrond lächelte bloß. Er hatte ja bald seinen Enkel.

"Ich würde gerne mit meinen Enkeln über die Eiswüsten reiten, ehe ich zu alt dafür bin", fuhr der Herzog fort. "Aber interessiert es Asani? Nicht ein bißchen."

"Wenn Ihr Euch so sehr einen Enkel wünscht, solltet Ihre Eure Tochter verheiraten", schlug Elrond freundlich vor.

"Nein! Auf keinen Fall!" rief der Herzog so entsetzt, daß Elrond auflachte.

"Ich verstehe, kein Mann ist gut genug für die eigene Tochter." Elrond nickte. "Ich verstehe Eure Gefühle."

"Er ist nur gut genug, wenn er sie erlegt hat", murrte der Herzog mißmutig. "Und das kann im Moment keiner."

Elrond blickte den Herzog erstaunt an. "Erlegen?"

"Ihr gebt Eure Tochter dem Mann, der sie besiegt?" fragte Thranduil etwas befremdet. Diese Sitte war ihm nicht unbekannt, aber es war eine sehr, sehr alte. Vor langer Zeit war es üblich, daß ein Mann, der eine Kriegerin zur Frau begehrte, sie zuerst im Kampf besiegen mußte. Denn, wenn die Kriegerin schwanger war, mußte sie beschützt werden. Ein Mann, der schwächer war als sie, nützte ihr und ihren Nachkommen nichts. Dieses uralte Relikt schien bei den Ifreys noch sehr lebendig zu sein.

"Erlegt", berichtigte der Herzog. "Eine Ifrey läßt sich von ihrem Zukünftigen nur erlegen, nicht besiegen."

"Aha." Thranduil in seiner unendlichen Weisheit stutzte etwas. Diese Ifreys schienen mehr Geheimnisse zu haben, als man ahnte.

"Und niemand hat es je geschafft, eure Tochter zu...erlegen?" fragte Elrond höflich, aber er stolperte dennoch über das letzte Wort. Es klang, als würden die Ifreys ihre Frauen als Freiwild ansehen. "Sie muß eine ausgezeichnete Kriegerin sein."

"Das hat damit nichts zu tun! Sie verschwindet und versteckt sich ständig!" Yuk schnaubte. "Sie hat diesen unmöglichen Instinkt, der ihr sagt, welcher Mann ihr gefährlich werden kann."

"Vielleicht will sie sich nur einfach noch nicht binden."

"Sie sollte aber! Ich werde nicht jünger!"

"Das sage ich Legolas auch immer", murmelte Thranduil stirnrunzelnd.

"Leider hören sie nicht darauf", meinte Yuk und Thranduil schüttelte frustriert den Kopf. Dann stießen sie an und tranken schweigend ihren Wein.

Elrond hätte gern über diese Tragikkomödie neben ihm gelacht, aber runzelte nur die Stirn und räusperte sich mehrmals.

"Wo wir gerade von unseren Kindern sprechen", meinte Thranduil dann und deutete mit seinem Weinglas in die Menge. "Die junge Maid im roten Kleid. Wenn ich mich nicht irre, ist dies Eure Tochter."

"Tatsächlich!" rief Yuk erstaunt. Er war sehr überrascht, sie zu sehen. Noch vor einigen Stunden hatte sie sich hastig von ihm verabschiedet und gesagt, daß sie sich Zuhause treffen würden. Jetzt spazierte sie lächelnd und heraus geputzt auf dem Fest herum. Aber irgendwas war seltsam an ihr. Warum sah sie sich so oft um?

"Sie sieht etwas verloren aus", bemerkte Elrond mitfühlend. Auch er sah, daß sich Asani etwas im abseits hielt.

"Ich glaube eher, daß hier jemand ist, vor dem sie Angst hat", erwiderte Yuk und grinste wölfisch. "Diesen jungen Mann muß ich wirklich kennenlernen. - Entschuldigt bitte. Ich muß mir meinen Schwiegersohn ansehen."

Damit erhob sich der Herzog und pirschte seiner Tochter hinterher und ließ zwei verdutzte Elben zurück. Er kannte seine Tochter nur zu gut. Sie versteckte sich, auch wenn es so aussah, als würde sie sich wie jede andere Dame verhalten. Sie lächelte die hohen Würdenträgern an, aber sie suchte viel zu häufig unbeleuchtete Stellen auf und das Kind sah sich zu oft um sich. Sie war unvorsichtig und das machte den Herzog um so neugieriger. Wer war der junge Mann, der seine Tochter so nervös machen konnte?

Er sah sich auf den Platz mit der Erfahrung eines Jägers um und entdeckte keinen Mann, der seiner Tochter auch nur annähernd das Wasser reichen konnte. Irgendwie war er enttäuscht. Die Männer aus Gondor hatten zwar eine stattliche Statur, aber ihnen fehlte der letzte Biß. Und die Elben waren einfach nur hochgewachsen und elegant. Nicht wirklich gefährlich. An die Zwerge dachte er erst gar nicht.

Seufzend hielt er sich wieder an seine Tochter, die immer nervöser zu werden schien und immer mehr Fehler beging. Die Konsequenz war, daß sie doch glatt in den Prinzen aus Düsterwald rannte, der gerade um die Ecke kam. Herzog Yuk schüttelte den Kopf. Wie oft hatte er ihr gesagt, daß sie immer ruhig bleiben mußte, egal wie nah der Feind ihr auf den Fersen war?

"Na, spielst du wieder Kindermädchen?" fragte Goleyn spöttisch hinter ihm. Er stellte sich neben ihm und blickte in die gleiche Richtung wie der Herzog. Es entging ihm nicht, daß in einer sicheren Entfernung, Legolas Grünblatt Asani stützte und ihr besorgt ins Gesicht sah, während sie ihn mit weit aufgerissenen Augen anblickte.

"Weißt du, wer hier Asani gefährlich werden könnte?" fragte Yuk statt dessen.

"Warum fragst du mich das?" fragte Goleyn spröde zurück. "Ist es nicht deine Aufgabe als Vater, mögliche Heiratskandidaten auszumachen?"

"Nun, sag schon, du alte Schlange!" zischte Yuk.

Goleyn seufzte genervt. "Da ist er doch."

"Wo?"

"Na da. Er spricht gerade mit deiner Tochter."

"Das ist Legolas Grünblatt."

"Eben der."

Yuk atmete tief ein und riß entsetzt die Augen auf. "Diese halbe Portion von einem Elben? Diese Hänfling?!?"

"Er ist ein Held und ein Thronerbe", erinnerte ihn Goleyn mit einem kleinen Lächeln. "Außerdem sind die Damen verrückt nach ihm."

"Meine Tochter ist keine Dame!" erwiderte Yuk so heftig, daß Goleyn lachen mußte. "Hör auf zu lachen!"

"Wußtest du, daß deine Tochter ihn gerettet hat, weil sie ihm danken wollte?"

"Wofür?"

"Dafür, was er als Mitglied der Ringgemeinschaft für Mittelerde getan hat."

"Du lügst!" Yuk sah ziemlich entrüstet aus. "Das ist so ziemlich das Dümmste, was ich je gehört habe. Deswegen befreit man ihn noch lange nicht!"

"Das habe ich auch gedacht."

Yuk sah Goleyn erstaunt von der Seite an. "Du hast gewußt, daß sie lügt und sie nicht dafür bestraft?"

"Sie hat nicht gelogen, Yuk", erwiderte Goleyn ruhig und fügte in einem herablassenden Ton hinzu: "Niemand wagt es, mich anzulügen."

Yuk verdrehte die Augen. "Und was ist nun mit ihr? Wenn sie so ein dummes Zeug von sich gibt und doch nicht gelogen haben soll?"

"Ich glaube, sie konnte sich selbst nicht erklären, warum sie es getan hat", erwiderte Goleyn milde lächelnd. "Sie ist durcheinander und suchte eine Erklärung für ihr Handeln."

"Ich verstehe nicht ein Wort", knurrte der Herzog düster.

Goleyn blickte den Herzog etwas mitleidig an und seufzte. "Sagt dir das Wort Schicksal etwas?"

"Was soll damit sein?"

"Yuk, mach die Augen auf!" flüsterte Goleyn grollend. "Erst befreit sie ihn selbst, statt es andere machen zu lassen und nun rennt sie vor ihm davon. Kannst du mir erklären, was das soll?"

"Du kannst doch nicht alles, was unsinnig ist, mit Schicksal erklären!" empörte sich Yuk.

"Warum nicht?" fragte Goleyn unbekümmert.

Yuk öffnete den Mund, um Goleyn zu sagen, was er davon hielt, schwieg jedoch und orderte mit finsterer Visage Wein. Nachdem er zwei Gläser nacheinander getrunken hatte, sagte er dann: "Ich hoffe, du irrst dich. Und zwar ganz gewaltig."

~*~

"Ist Euch etwas passiert, Fräulein Asani?" fragte Legolas besorgt und blickte in ihre großen schwarzen Augen. Wie tief und dunkel sie doch waren...

Legolas tat es so schrecklich leid, daß ein Wiedertreffen mit seiner Retterin so beginnen mußte. Er hatte sich erst vor einigen Minuten aus dem Kreis seiner Freunde mit dem Grund, seinen Vater aufzusuchen, verabschiedet. Sein Gehen wurde mit anzüglichen Pfiffen von Merry und Pippin begleitet. Aber er hatte es großzügig ignoriert. Er wollte tatsächlich zu seinem Vater. Dabei beschloß er, kurz eine Runde durch alle Zelte zu drehen. Es war schließlich seine Pflicht, alte Kontakte bei solchen Festlichkeiten aufzufrischen und vor allem neue zu knüpfen...

Leider blieben die neuen Kontakte aus und er machte sich auf den Weg zu seinem Vater. Dann sah er sie. Sie plauderte mit einer Dame, ehe sie sich umdrehte und aus seinem Blickfeld verschwand. Legolas fällte in der gleichen Sekunde eine Entscheidung.

Er folgte ihr durch die Menge und verlor sie tatsächlich hin und wieder aus den Augen. Aber zum Glück war ihr rotes Kleid recht auffällig. Er beschloß, eine kleine Abkürzung hinter die Bäume zu nehmen. Aber leider war sie nicht da, wo er vermutet hatte. Enttäuscht hatte er sich umgewandt und wollte ohne weitere Verzögerung zu seinem Vater gehen, als jemand in ihm hinein lief.

Zuerst sah er nur dunkles Haar und spürte nur, daß es eine Frau war. Automatisch griff er nach ihr, als sie strauchelte. Ein triumphierendes Lächeln zog seine Mundwinkel hoch, als er auch noch ihr rotes Kleid bemerkte. Dieses Lächeln wurde aber schnell warm und freundlich, als die Dame ihr Gesicht zu ihm hob und ihn anklagend ansah.

Asani mo Ifrey.

Leider schien sie gar nicht begeistert zu sein, als sie ihn erkannte. Sie riß beinahe erschrocken die Augen auf und keuchte auf.

"Es tut mir so schrecklich leid", sagte er mit ehrlichem Bedauern und hielt sie immer noch fest. "Ihr habt Euch doch hoffentlich nicht weh getan."

Sie schüttelte ziemlich steif den Kopf und sah ihn dabei an, als sei er das größte Untier Mittelerdes. Der Zusammenstoß mußte ihr doch weh getan haben. Aber als Kriegerin erzogen, wollte sie vielleicht den Schmerz nicht zugeben.

"Es tut mir leid", wiederholte er.

"Nein, nein", krächzte sie und schüttelte erneut den Kopf. "Ist schon gut."

Eine Welle von Schuldgefühlen überschwemmte ihn. "Wirklich?"

Sie nickte und räusperte sich. Warum mußte das Schicksal so grausam zu ihr sein? Aber immer mit der Ruhe...Sie stellte sich gerade hin und wollte einen Schritt zurücktreten, bemerkte jedoch, daß der Prinz sie immer noch festhielt. Sie fand sogar ihr Lächeln wieder, als sie ihm mit fester Stimme sagte: "Mir geht es gut. - Ihr könnt mich wieder loslassen."

"Oh, verzeiht", stammelte Legolas. Zögernd ließ er sie los und öffnete den Mund, um etwas hinzuzufügen, aber es kam peinlicherweise kein Ton heraus. Verlegen lächelnd schaute er auf sie herab und fand sie ebenfalls sprachlos vor.

Keiner war sich sicher, was er sagen sollte oder ob er es wollte. Asani wand sich innerlich und wünschte sich erneut zu Orks und Verbrechern. Sie schienen ihr weit weniger gefährlicher als dieser Prinz, der ihr den Weg verstellte. Es beunruhigte sie, wie ernst er sie ansah und vor allem, wie nah er vor ihr stand.

Ein neues Lied fing gerade an und auf der Tanzfläche sammelte sich Paare. Legolas ertappte sich dabei, wie er sich zu der Musik wiegte. Sein Blick fiel wieder auf Asani, die ebenfalls auf die Tanzfläche sah. Er lächelte. Warum eigentlich nicht?

"Würdet Ihr mir die Ehre erweisen?" fragte er und verneigte sich vor ihr.

"Wofür?" fragte sie verdutzt.

Mit einem etwas schiefen Lächeln sah er sie dann an. "Würdet Ihr gerne mit mir tanzen?"

"Tanzen?" wiederholte sie etwas entsetzt. "Sowas kann ich nicht!"

Legolas blickte sie erstaunt an. Aber dann lächelte er beinahe zärtlich, als er sich zu ihr neigte und fragte: "Würdet Ihr es gerne lernen?"

"Ich glaube nicht, daß ich das sollte", erwiderte sie und schaffte es nicht, dieses hilflose Wimmern aus ihrer Stimme zu halten. Die Aussicht, ihm noch näher zu sein, versetzte sie in Panik.

"Es ist sehr einfach", schmeichelte er. "Ihr werdet es sehr schnell lernen."

Ohne auf ihre Antwort zu warten, nahm er ihre Hand und führte sie sanft, aber bestimmend zur Tanzfläche. Asani blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.

An der Tanzfläche angekommen, nahm er ihre linke Hand und legte sie auf seine rechte Schulter und legte den rechte Arm um ihren Rücken, um sie nahe zu sich zu ziehen. Sie sträubte sich zuerst bei soviel Körpernähe, aber Legolas lächelte sanft und nahm ihre rechte Hand in seine linke.

"Tut einfach das, was ich tue", flüsterte er in ihr Ohr, das schrecklich kribbelte, als sein warmer Atem darüber strich. Noch schlimmer war, als sich dieses Kribbeln über ihre Wirbelsäule fortsetzte. Sie zitterte dabei und drängte sich dummerweise noch näher an ihn. "Kein Angst. Der Tanz ist sehr einfach."

"Seid Ihr Euch sicher?" preßte sie hervor und blickte ihm direkt in die Augen. Sie bemerkte, das sein Gesicht außergewöhnlich nah über ihren schwebte. So nah, daß sie jede einzelne Regung in seinen schönen Zügen erkennen konnte. Sogar dieses sanft angedeutete Lächeln, als er ernst nickte.

Ein Herzschlag später setzte sich Legolas in Bewegung. Anfangs strauchelte sie etwas und trippelte ungeschickt seinen eleganten Schritten hinterher, aber dann verstärkte er den Druck seiner Hand auf ihren Rücken und drückte sie fest an sich. Er neigte den Kopf, so daß sich sein Kinn gegen ihre Schläfe lehnte und irgendwie beruhigte es sie.

Sie paßte sich völlig seinen Bewegungen, nein, seinem Willen an. Unbewußt lehnte sie sich an ihm und fand es geradezu aufregend, seine Hand auf ihren Rücken zu spüren. Sie atmete tief ein und schloß langsam die Augen, als sie bemerkte, daß seinen Duft mit eingeatmet hatte. Ihre Knie wurden weich und mußte an sich halten, nicht ihre Nase in seinen Kragen zu stecken.

Er roch nach Wald und Wind. Diese Mischung stieg ihr langsam zu Kopf. Sie hatte immer schon den Wind geliebt. Ob kalt und frostig vom Norden oder heiß und schwül aus dem Süden. Und Wälder mochte sie auch ganz gerne.

"Seht Ihr, es ist ganz einfach?" Seine sanfte Stimme riß sie aus ihrer Trance.

Da bemerkte sie erst, daß sie ihre Hand nicht mehr auf seine Schulter lag, sondern fast schon ihre Finger in seinen Oberarm gekrallt hatte. Unauffällig legte sie die Hand wieder auf seine Schulter zurück. Zumindest hoffte sie, daß er es nicht bemerkte, aber er quittierte ihr Tun mit einem verschmitzten Lächeln. Verlegen senkte sie ihren Blick und versuchte seine Schritte nachzuvollziehen, aber etwas anderes lenkte sie wieder ab.

Seine weichen Haare kitzelten über ihre Finger und sie mußte ihre Hand zur Faust ballen, um nicht nach ihnen zu greifen. Sie wollte so gern wissen, wie sich sein Haar anfühlte. War es wohl so kühl und glatt, wie sie vermutete? Nur einmal, sagte sie sich. Wer wußte, wann sie jemals die Chance haben würde, das zu tun? Langsam öffnete sie wieder ihre Hand und strich behutsam mit den Fingerspitzen über das goldene Haar. Seltsam, sie hatte sie kaum berührt und ihre Fingerkuppen prickelten nur so. Sie wurde etwas mutiger und fing an, mit dem Mittelfinger über eine Strähne zu streichen, die quer über seiner Schulter lag. Mit einem verträumten Lächeln erfreute sie sich daran, wie weich sein Haar war. Wie es sich wohl anfühlte, mit der Hand darin zu wühlen?

Plötzlich sah er sie fragend an. "Verzeiht, habt Ihr etwas gesagt?"

Nein, das hatte sie nicht. Aber die Berührung mußte für ihn sich angefühlt habe, als hätte sie nur seine Schulter angetippt. Da sie nun nicht zugeben wollte, daß sie mit seinen Haaren spielte, sagte sie schnell: "Ich glaube nicht, daß man diesen Tanz so eng zusammen tanzen muß."

"Oh doch", widersprach er immer noch lächelnd. Er drückte sie noch enger an sich. "Für eine Anfängerin ist das besser. So könnt Ihr Euch schneller an meine Führung gewöhnen."

Sie sah ihn etwas mißmutig an. "Muß ich das?"

Er sah sie für einen Moment völlig verdutzt an, ehe er in lautes Gelächter ausbrach. Asani senkte ihr Gesicht mit den glühenden Wangen, als die anderen Paare sich plötzlich nach ihnen umdrehten. Ihre Stirn berührte beinahe seine bebenden Schulter. Dieser Elb war wirklich das allerletzte. Kein bißchen Feingefühl. Das war ein Held...

"Ihr seid wirklich außergewöhnlich", meinte er, als er sich allmählich wieder beruhigt hatte.

"Ich hoffe sehr, das war ein Kompliment", sagte sie trocken und sah ihn unversöhnlich an. Statt sich zu entschuldigen, lachte dieser unmögliche Prinz schon wieder. Sie hätte ihn gerne stehen gelassen, aber da hörte die Musik bereits auf. Legolas beendete den Tanz mit einer letzten Umdrehung und blieb dann stehen.

Seine Hand, die so warm auf ihren Rücken gelegen hatte, fiel herab und Asani verstand es als Zeichen, daß er sie endlich aus der Umarmung freigab. Aber statt erleichtert aufzuatmen und sich zu versprechen, nie wieder mit ihm zu tanzen, war ihr auf einmal kalt. Sie fror geradezu. Verwirrt sah sie zu ihm hoch und hatte Mühe regelmäßig zu atmen. War er eigentlich immer schon so schön gewesen?

Wie im Trance sah sie ihm zu, wie er sich vor ihr verbeugte und mit einem hastigen Blick zur Seite bemerkte sie, daß es alle Herren taten und die Frauen daraufhin sich verneigten. Also kam sie dem schnell nach, um nicht unangenehm aufzufallen. Als sie sich wieder erhob, hielt er ihr seinen angewinkelten Arm hin. Asani starrte Legolas wie ein dummes Schaf an. "Ja?"

Er lachte kurz auf. Als er ihren säuerlichen Blick bemerkte, nahm er einfach ihre Hand und zog sie unter seinem Arm.

"Würdet Ihr mir noch etwas Gesellschaft leisten, Asani?" fragte er mit einem hoffnungsvollen Ton. "Gandalf wird gleich ein Feuerwerk zünden wollen."

Es war ganz einfach, sagte sich Asani. Sie brauchte nur wieder zu knicksen und "nein, danke" zu sagen. Dann wäre sie ihn für den Rest des Abends los. Aber sie sah ihm wohl doch etwas zu tief in die Augen, denn sie lächelte freudestrahlend und nickte. Damit war die Zeit für eine Flucht war abgelaufen.

Ende des 8. Kapitels

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Oooohhhh, bei der Tanzszene habe ich mich etwas davon tragen lassen ^_^ Ähm, diesmal habe ich eine sehr plausible Entschuldigung, warum es so lang geworden ist. Man hätt's ja auch in 2 Teile brechen können, aber ich fand, dann zöge sich dieses einzelne Bankett kapitelmäßig zu sehr in die Länge und das wollte ich niemanden antun.

Und ja, bei dem Tanz handelt es sich den Walzer. Man erfährt dabei so einige netten Details über den Tanzpartner *ahem *. Nicht, daß ich es deswegen eingebaut hätte...Und sagt mir nicht, ihr könnt Euch Legolas nicht beim Walzer vorstellen!