Titel: Den Jäger erlegen

Autorin: Sleepy Tiger

Warnung: My bonnie is over the ocean, my brain is it probably, too...

Disclaimer: Lord of the Rings © by J.R.R. Tolkien

12. Kapitel: Abkürzung

Es war kurz vor Sonnenuntergang, als die Gruppe beschloß, in einer alten Ruine ihr Lager aufzuschlagen. Und daß nur, weil man sich einig war, daß man bei den letzten Sonnenstrahlen besser Holz sammeln, jagen und sich die nähere Umgebung ansehen konnte.

Legolas stieg von seinem Pferd ab und bückte sich gerade, um den Sattel abzunehmen, als einer der Ritter mit einer Verbeugung anbot, das für ihn zu erledigen. Obwohl der Ritter selbst müde aussah, versicherte er, daß es ihm eine Ehre wäre. Der Elbenprinz nickte bloß und beschloß, die Gegend auszukundschaften. Aber ihm war im Moment nicht danach, das allein zu tun. Vielleicht würde Gimli oder Aragorn gerne mitkommen...oder Asani. Sie hatten seit dem Aufbruch aus Lorien nicht ein Wort gewechselt. Irgendwie hatte Legolas sie vermißt. Ein amüsierte Lächeln erhellte sein Gesicht. Den ganzen Tag hatte er sie gesehen und trotzdem hatte er das Gefühl, daß sie ihm fehlte. Er sehnte sich danach, etwas Zeit mit ihr verbringen, ihr Lächeln zu sehen und von ihr hören, was für blöder Elb er war doch war. Sein Lächeln wurde etwas schief. Er war wirklich blöde, daß er sich so etwas wünschte.

Er fand sie in unmittelbarer Nähe, während sie ihrem Pferd über die Mähne strich und auf den Hals klopfte. Gemessenen Schrittes ging Legolas auf sie zu. Sie stand mit dem Rücken zu ihm und seine leichten Schuhen machten keine Geräusche, aber trotzdem schien sie seine Nähe zu spüren, denn sie drehte sich abrupt zu ihm um. Es freute ihn sehr. Aber leider nahm sie es nicht so entspannt hin wie er. Sie sah ihn zögernd an und lächelte leichthin. Sie war nervös.

"Asani, wollt Ihr mich begleiten?" fragte Legolas freundlich. "Ich möchte mir die Gegend ansehen."

"Ich muß mein Pferd versorgen", entgegnete sie so schnell, daß er sie verwundert ansah.

"Das werde ich erledigen, Lady Asani", bot ein Ritter, der plötzlich neben ihr auftauchte. Mit einer Verbeugung nahm er ihr die Zügel ab. Asani stand dann plötzlich ohne Pferd vor ihm und schien es nicht ganz zu begreifen, denn sie sah stirnrunzelnd auf ihre leere Hand, bis er sich dann räusperte.

"Wollt Ihr nun mitkommen?" fragte er mit einem amüsierten Lächeln. "Ich meine, da Euer Pferd in guten Händen ist."

"Also...", begann Asani unsicher. "...ich...nun...ich muß bestimmt noch irgendwas machen...etwas ganz wichtiges..."

"Was denn?" Legolas kam einen Schritt auf sie zu. Er spürte geradezu, wie ihre Nervosität zunahm. Es gab ihm das Gefühl, ein Raubtier zu sein, das seine Beute rücksichtslos in die Ecke gedrängt hatte.

Zwei der Ritter gingen in diesem Moment an ihnen vorbei und Asani drehte sich plötzlich nach ihnen um und fragte: "Wohin geht Ihr?"

"Wir gehen Brennholz suchen, Lady Asani", antwortete einer höflich.

"Ich komme mit!" rief sie und ließ keine Widerrede aufkommen, weil sie schon an ihnen vorbei ging, naja, eigentlich rannte sie schon. Die beiden Ritter sahen zuerst sich einander dann Asani verwirrt hinterher, ehe sie hinter ihr rannten.

Legolas sah ihr stirnrunzelnd hinterher. Seine Beute war ihm entwischt. Es enttäuschte ihn unendlich, daß sie jetzt vor ihm weglief statt ihn nur auf Abstand zu halten. Ja, er wußte, warum sie so ruppig und respektlos zu ihm war. Er war nicht beleidigt deswegen. Er verstand sie. Es mußte sehr viel von ihr abverlangt haben, ihn als ihren Waffenbruder zu akzeptieren. Es bedeutete ja gleichzeitig, offen eine Niederlage einzugestehen. Es fiel einem dann schwer, sich auch noch mit dem Sieger anzufreunden. Selbst er hätte daran zu knabbern gehabt.

Aber dieses neue Verhalten kam nicht von ungefähr. Legolas erinnerte sich an heutigen Morgen. Er hätte sie fast geküßt. Es war ihm so natürlich vorgekommen, sich zu ihr hinunter zu beugen und zu küssen, als sie nah vor ihm gestanden hatte. Daß sie darauf mit Weglaufen und Verstecken reagierte, fand er etwas überzogen. Was war schon ein Kuß? Küßten die Ifreys denn nicht? Aber...vielleicht wurde Asani noch nie geküßt. Ob er da vielleicht nachhelfen sollte? Er war schließlich ihr Waffenbruder...

"Was grinst du so schmutzig?" fragte ein völlig verstaubter Gimli stirnrunzelnd. Legolas blinzelte den Zwerg an, der auf einmal vor ihm stand, und brach in helles Gelächter aus. Der scharfe Ritt hatte Gimlis Bart und wallende Mähne total zerzaust und er sah aus, als wäre er vom Blitz getroffen worden, nur war er nicht so verkohlt. Gimli blickte den Elben beleidigt an, während er mit den Fingern durch den Bart fuhr, um ihn einigermaßen in Ordnung zu bringen. "Das ist nicht lustig, Legolas!"

"Entschuldi...hahaha", Legolas bekam sich nicht mehr ein. Gimli sah wirklich aus wie ein laufender, grau-braun-roter Fellball.

"Wenn du fertig bist, möchte Aragorn dich gerne sehen und die morgige Rute festlegen", knurrte Gimli böse.

Legolas wischte sich einige Tränen aus dem Augenwinkel und nickte bloß, während er krampfhaft versuchte, das Lachen zu unterdrücken. Gimli rollte genervt die Augen und stapfte in Richtung Aragorn und dem Hauptmann Le Tare, die sich gerade eine behelfsmäßige Fackel bastelten, um etwas mehr Licht für die Karte zu kriegen, die sie zwischen zwei Bäumen aufgehangen hatten.

Der Zwerg war die ganze Zeit beschäftigt, seine Haare und den Bart zu glätten, damit nicht auch noch die beiden Menschen in Lachen ausbrachen. Das konnte er nun wirklich nicht gebrauchen. Das schien Legolas zu wissen, denn der Elb hatte ihn mit Leichtigkeit eingeholt und hielt ihm mit zusammengepreßten Lippen und lachenden Augen ein Kamm hin. Ein Dankeschön murrend nahm der Zwerg den Kamm und fuhr sich damit durchs Haar und den Bart.

Die beiden erreichten Aragorn und Le Tare, als sie die Fackel zum Brennen gebracht hatten. Sie suchten gerade einen passenden Winkel für die Lichtquelle, um alles von der Karte zu sehen. Sie nickten Legolas und Gimli knapp zu, ehe sie sich der Karte zuwandten.

"Wir sind an der Grenze Gondors und werden gegen morgen Mittag die Handelsstraße nach Perrigon erreichen können", sagte Le Tare und deutete vorsichtig auf die Karte. "Dann sollte die Reise ein Kinderspiel sein."

"Wenn wir das Tempo beibehalten, können wir das erste Viertel vor Mittag schaffen", warf Legolas nachdenklich ein. Als Le Tare ihn fragend ansah, fügte er hinzu: "Es riecht nach Regen und die beste Straße nützt uns nichts, wenn sie aufgeweicht und schlammig ist."

Le Tare verzog mißmutig den Mund. Er zog Legolas' Wettervorhersage nicht in Frage. Elben kannten sich mit dem Wetter besser aus als so mancher Bauer. "Nun ja, wenigstens können wir morgen Abend in Betten schlafen. An der Straße sind genügend Gasthöfe, in denen wir rasten können."

"Nein, wir werden morgen Abend genauso schlafen wie heute", widersprach Aragorn ruhig.

"Majestät?"

"Wir werden nicht die Handelsstraße nehmen. Es dauert mir zu lange und ich möchte nicht, daß unsere Ankunft in Perrigon lange vorher bekannt wird."

"Aber warum?" wollte Legolas wissen. Auch Gimli sah Aragorn stirnrunzelnd an.

"In Perrigon laufen viele Sachen nicht so, wie sie sollten." Aragorn sah bei diesen Worten nicht auf, sondern blickte angestrengt auf die Karte. "Ich möchte den Verantwortlichen nicht die Zeit geben, sich vor mir zu verstecken."

Keiner wagte es, ihm zu widersprechen. Nicht weil er der König war, sondern weil sie seine Gefühle verstanden.

Le Tare räusperte sich und zeigte auf eine Stelle auf der Karte. "Dann schlage ich vor, daß wir es mit diesem Wald versuchen, Majestät. Wenn er tatsächlich durch das Gebirge führt, kämen wir dann hier heraus."

Der Finger des Hauptmanns flog über ein Waldgebiet, das sich einige Stunden Ritt von ihrem derzeitigen Lager befand, und tippte sachte auf das andere Ende des Waldes. "Vor da aus ist es nicht weit zur Küste. Wenn mich nicht alles täuscht, sind dort kleine Häfen, von wo wir uns dann in Perrigon einschiffen können. Das dürfte unsere Ankunft überraschend genug machen."

Aragorn nickte bedächtig, blickte aber immer noch stirnrunzelnd auf die Karte. "Warum hat dieser Wald kein Name? Ist er unbekannt?"

"Es sieht so aus", meinte der Hauptmann und kratzte sich am Kopf. "Allerdings ist diese Karte nicht auf den neuesten Stand. Vielleicht wurde der Wald erforscht, nachdem dieser Karte gezeichnet wurde."

"Na, großartig", murrte Gimli und verdrehte die Augen.

"Legolas?" Aragorn sah den Elben an, der schweigend hinter dem Zwerg stand und auf die Karte sah. Bei dem Klang seines Namens sah er auf.

"Es wird riskant", sagte er nur.

"Aragorn, ich halte das für keine gute Idee", brummte Gimli unter seinem Bart. "Dieser Wald scheint mir sehr gefährlich zu sein. Wer weißt, was uns da erwartet. Es könnte unsere Reise verlängern statt sie zu verkürzen."

Aragorn nickte verständnisvoll, sah aber wieder auf die Karte. Sein Blick folgte der langen Linie der Handelsstraße nach Perrigon, die sich umständlich um eine Gebirgskette wand, und fiel dann wieder auf diesen dicht gezeichnetes Waldgebiet, der wie ein Keil in der Gebirgskette wirkte. "Ich denke auch so, Gimli, aber wir müssen uns beeilen. Wir sollten so früh wie möglich in Perrigon ankommen, ehe die Spuren erkalten."

Von welchen Spuren Aragorn da sprach, war allen auch ohne eine nähere Erklärung klar. Gimlis Blick verdüsterte sich, als er mißtrauisch auf die Karte blickte. Man sah ihm an, daß er ganz und gar nicht damit einverstanden war, aber laut sagte er: "Entschuldigt mich bitte. Ich gehe meine Axt schärfen. Ich bin lieber auf alles vorbereitet."

~*~

Später am Abend saßen alle um ein Feuer und verspeisten gerade ihr Abendessen. Legolas saß neben Aragorn und hörte mit halben Ohr einer Geschichte zu, die einer der Ritter gerade erzählte. Seine Aufmerksamkeit galt mehr den beiden Reisegefährten, die auf der anderen Seite des Feuers saßen und sich leise unterhielten...über Elben.

Nach anfänglicher Scheu und Mißtrauen waren sich Gimli und Asani näher gekommen, als der Zwerg sie dabei ertappt hatte, wie sie eins seiner Äxte bewundert hatte. Legolas lächelte nachsichtig. Wenn er Gimli nicht so gut kannte, würde er sagen, daß die beiden Komplott gegen ihn planten. Beide hatten verschwörerisch die Köpfe zusammen gesteckt und hin und wieder hörte man Gimlis leises, tiefes Lachen.

Was sie ihm wohl gerade gesagt hatte? Legolas spürte ein leises Ziehen in der Brust. Er konnte nicht leugnen, daß er sich so einen entspannten und offenen Moment mit Asani wünschte. Ohne ruppige oder spöttische Bemerkungen oder ihren nervösen Blick. Er beneidete Gimli.

~*~

Am nächsten Morgen brach die Gruppe wieder vor Sonnenaufgang auf. Das Lager war schnell abgebaut, da es keine Zelte gegeben hatte. Sie hatten sich alle in ihre Umhänge eingerollt und die Sättel als Kissen benutzt. Auch wenn die Nacht nicht wirklich erholsam war, drosselten sie nicht ihr Tempo. So geschah es, daß sie, bevor die Sonne im Zenit stand, das Waldgebiet erreichten, das Aragorn der Handelsstraße vorgezogen hatte. Die Ritter hatten zwar etwas verdutzt geschaut, daß sie nun doch nicht die Straßen benutzten, sagten aber natürlich kein Wort. Es hatte sicherlich seine Gründe, warum Seine Majestät diesen Weg einschlug.

Aragorn, Legolas, Gimli und der Hauptmann Le Tare ritten voraus und die übrigen vier Ritter übernahmen die Nachhut. Asani ritt in der Mitte. Majas Anweisung gemäß, gehorchte sie dem König ohne wenn und aber. Hätte Legolas nicht den Abschiedsworten, die unter den Ifreys gesagt wurde, am Morgen zuvor gelauscht, wäre er jetzt genau wie Aragorn sehr erstaunt über ihren bedingungslosen Gehorsam gewesen. Sie sagte ja nie etwas. Vor allem sagte sie ihm, Legolas, nichts. Er seufzte, alles mußte er aus dritter Hand erfahren.

Stundenlange ritten sie schweigend durch den Wald. Sie ließen Vorsicht walten und beschränkten sich auf ein gemächliches Tempo und gaben erst die Sporen, wenn sich der Wald etwas lichtete. Bei den Rittern hielt immer nur eine Hand die Zügel, während die andere auf dem Schwertknauf ruhte.

"Dieser Wald ist unheimlich", flüsterte einer der Ritter bedrückt. Ungemütlich sah er sich um und wagte es nicht, lauter zu sprechen.

"Stimmt", meinte ein anderer Ritter. "Überall nur Bäume."

"Das haben Wälder so an sich", schmunzelte Asani, die sich bei diesen Worte umgedreht hatte.

Der Ritter errötete etwas und fuhr erklärend fort: "Ich meine, daß es hier so still ist. Als gäbe es hier keine Tiere."

"Ja, es ist so gespenstisch", flüsterte ein dritter Ritter.

"Wohin reiten wir überhaupt?" fragte der Vierte ebenso gedämpft.

"Zum anderen Ende", erwiderte der erste Ritter ironisch.

"Und wo ist er?" wollte der andere wissen.

"Irgendwo dahinten." Asani schlug dabei den Umhang auf einer Seite zurück, um auf eine unbestimmte Stell in der Ferne zu deuten, als ihr etwas ungewöhnliches auffiel. Als sie ihren Arm gehoben hatte, war der Ärmel ihrer Jacke etwas zurückgefallen und man sah die Armschiene aus Mithril. Im Moment leuchtete sie in einem gespenstischen Blau. Während der Ritter entsetzt darauf starrte, spürte sie auch ein Kribbeln auf ihren Rücken. Sie griff nach ihren Schwert und das Stück Klinge, das erschien, strahlte in demselben Blauton. "Oha."

Die Ritter hinter ihr reagierten nicht so gelassen, sondern fluchten ausgiebig und zogen leise die Schwerter Der kleine Tumult erregte Gimlis, Legolas', Le Tares und Aragorns Aufmerksamkeit.

"Was ist da hinten los?" verlangte der König zu wissen und hielt inne, als er auf Asanis Arm sah.

Gimli spukte auf die Erde und brummte etwas, das nach "Als hätte ich es nicht gewußt" klang.

Legolas beschränkte sich da nur auf ein Wort: "Orks!"

Als wäre dies der Befehl zum Angriff gewesen, zischte der erste Orkpfeil durch die Luft. Unglücklicherweise streifte er Asanis Arm und riß den Stoff ihrer Jacke und ihres Hemdes auf. Sie sog zischend die Luft ein und griff nach ihrem Arm. In Legolas' Augen brannte reine Mordlust, als Blut zwischen ihren Fingern hervorquoll. Ohne weiter darüber nachzudenken, schoß er den verantwortlichen Ork ab.

Ein Atemzug später wurden Schwerte und Axt gezogen, Schilder schützend hochgehoben und zum Gegenangriff geblasen. Es reichte den Orks natürlich nicht, sie aus dem Hinterhalt mit Pfeilen zu beschießen. Sie stürzten aus allen Ecken und Löchern hervor, um diese kleine Reisegruppe dem Erdboden gleichzumachen.

Gimli sog scharf den Atem ein, als er sich unter einem Schauer von Orkpfeilen duckte und geschickt vom Rücken seines Ponys rutschte. Das Tier trottete schnell in Sicherheit. Die Elben hatten es gut trainiert. Mit einer Rolle vorwärts bewegte sich der Zwerg in Richtung Feind und schlug einem Ork die Beine weg, während er sich gleichzeitig in einer geschmeidigen Bewegung erhob. "Eins." Mit viel Elan schwang er seine Axt und riß mit der stumpfen Seite zwei Orks zu Boden, die er dann in schneller Folge die scharfe Seite spüren ließ. "Zwei und drei." Als er sich gerade zu Nummer vier aufmachte, kam ihn Asani dazwischen und haute den Ork einfach längs in zwei Hälften. Der Zwerg ließ das Zählen erst einmal sein und hielt für einen Atemzug schockiert von soviel Kraft inne.

Es war schon anders, sie aus der Nähe kämpfen zu sehen. Erst jetzt sah er diese Mordlust und dieses kalte Glimmen in ihren Augen, als sie das Schwert schwang. Für einen wahnsinnigen Augenblick befürchtete er, daß sie ihm ebenfalls das Gleiche wie dem antun könnte, aber sie blickte ihn nur an und sagte: "Sieben."

Gimlis Unterkiefer klappte herunter. Dann brach er aber in schallendes Gelächter aus. Er wandte sich kopfschüttelnd ab und suchte sich Ork Nummer vier und fünf. Diese Ifrey war ja schlimmer als der Elb.

Legolas amüsierte sich gerade nicht besonders. Ihm drehte sich mehr der Magen, als er sich an diese ifreyschen Unsitte, keine Rüstungen zu tragen, erinnerte. Wenn der nächste Pfeil Asani nicht nur einfach streifte, sondern ihren Dickschädel durchbohrte? Großer Iluvatar! Dieses Mädchen konnte man nicht aus den Augen lassen. Magisches Bündnis hin oder her! Aber wo war sie hin? Er steckte den Bogen ein und zog die beiden Dolche. Er arbeitete sich beharrlich durch die Orks und stach einen nach dem anderen gnadenlos ab. Immer auf der Suche nach dem leuchtenden Mithrilschwert und einem schwarzen Schopf. Er konzentrierte sich so sehr darauf, daß er beinahe das heran nahende Streitroß nicht bemerkte. Schnell sprang er beiseite und schlitzte dabei einem Ork die Kehle auf, als dieser mit Pfeil und Bogen auf dem vorbei reitenden Ritter zielte.

Anders als Aragorn, Legolas, Gimli und Asani kämpften die Ritter Gondors von ihren Pferden aus. Die schweren Hufen der Schlachtrösser donnerten über den Waldboden, brachten die Erde zum Beben und stampften nicht wenige Orks in die dunkle Erde, während die Ritter mit erhobenen Schilden und präzise geschwungenen Schwerthieben sich einen Weg durch die Masse von Orks schlugen, die aus den Büschen und Bäumen auf sie zu raste.

Die Orks stoben schreiend auseinander. Aragorn verstand nur Fetzen von ihrem Gekreische und es klang nach: "Tiere! Tiere!", Menschen! Menschen!" und "Eismonster! Eismonster!"

Die Orks rannte auf ihm zu, aber statt ihn anzugreifen, liefen sie in Panik an ihm vorbei. Etwas erstaunt über diese überstürzte Flucht ließ Aragorn sein Schwert sinken. Es war ein verhältnismäßig kurzes Gefecht gewesen. Nicht, daß er sich beschweren wollte. Aber es kam ihm etwas seltsam vor. Sie waren zahlenmäßig unterlegen gewesen, die Orks hätten zumindest versuchen sollen, sie zu überrennen. Und von was für einem Eismonster hatten sie geschrien?

Aragorn wirbelte herum, als er einen Ork schreien hörte. Alarmiert hob er wieder sein Schwert, aber senkte es gleich wieder, als er sah, daß sich die junge Ifrey um den Ork kümmerte. Mit Eismonster mußten die Orks Asani gemeint haben. Sie kam aus einer sehr kalten Region und hatte den Titel "Schlächter des Nordens". Daß ein Schlächter durchaus etwas monsterhaftes hatte, stellte sie gerade wirkungsvoll unter Beweis. Mit einem Fuß hielt sie einen zappelnden Ork am Boden fest, während sie einem anderen gerade in zwei Teile schlug. Dann holte sie erneut aus und schlug dem am Boden liegenden Ork den Kopf ab. Sie zuckte nicht einmal zurück, als das schwarze Blut hoch spritzte und sie von Kopf bis Fuß besudelte.

Aragorn erschauerte bei ihrem Anblick. Eismonster war vielleicht keine so schlechte Bezeichnung für dieses Wesen, das er da beobachtete. Es erforderte viel Kraft so ein Schwert zu schwingen, gleichgültig ob es Mithril war oder nicht, aber Asani war nicht einmal außer Atem. Und in ihren Augen meinte der König das kalte Leuchten des Mithrils zu sehen...

"Sie sind weg!" rief einer der Ritter erleichtert und zog die Pfeile aus seinem Schild. "Welch ein Segen."

"Majestät, wir sollten diese Gelegenheit nutzen und weiter reiten", schlug Le Tare vor.

"Genau, während sie ihre Wunden lecken, können wir unbehelligt den Wald durchqueren", meinte auch Gimli.

Aragorn nickte zustimmend und wischte sich den Schweiß und einige Blutspritzer aus der Stirn. "Gut. Alles aufsitzen. Wir reiten weiter."

"Wo ist Fräulein Asani?" fragte Gimli plötzlich. Alle blickten auf das verwaiste Pferd der Ifrey Kriegerin und sahen sich schnell um. Keine Spur von der jungen Kriegerin.

"Großer Gott!" entfuhr es einer der Ritter. "Die Orks haben sie mitgenommen!"

"Nein, das denke ich nicht", entgegnete Aragorn ruhig. "Ich glaube eher, sie ist ihnen gefolgt."

Gimli blickte seinen alten Weggefährten stirnrunzelnd an. "Wegen dem Schwert?"

"Wegen dem Schwert." Aragorn wischte in aller Seelenruhe Blut von seinem Schwert und steckte es wieder in seine Scheide. "Wir brauchen uns keine Sorgen um sie zu machen. Sie wird uns schon einholen."

"Aber Majestät!" rief Le Tare entsetzt. "Wir können Lady Asani doch nicht sich selbst überlassen!"

"Stimmt", meinte Aragorn nach einer Weile. "Wir sollten sie suchen. Sie könnte sich hier noch verlaufen. Soweit ich weiß, kennt sie diesen Wald nicht."

Die Ritter sahen ihren König total entgeistert an, erwiderte aber darauf nichts. Es war ihnen schon klar gewesen, daß Lady Asani etwas besonderes sein mußte, denn sonst hätte Seine Majestät sie nicht mitgenommen. Aber daß er so großes Vertrauen in sie setzte...

"Wir sollten uns aufteilen", schlug Aragorn vor. "Le Tare, nehmt Eure Männer und sucht die nähere Umgebung ab."

"Jawohl, Majestät!" antworteten alle Ritter unisono.

"Gimli, Legolas und ich werden den Orks nach reiten", fuhr Aragorn fort.

"Das wird schwierig", meldete sich Gimli zu Wort. Aragorn drehte sich mit einem fragenden Blick zu ihm um. Der Zwerg deutete daraufhin auf Legolas Pferd, das neben dem von Asani stand. Es war ebenfalls ohne Reiter.

Ende des 12. Kapitels

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Wißt Ihr wie schwer es ist, Kampfszenen zu schreiben, ohne "Kling", "Klong", "Krach", "Boing" und "Rums" zu benutzen? Mein Kopf hat vielleicht geraucht...und es hat nix gebracht T.T

Auch wenn es jetzt den Eindruck macht (wegen Gimlis Orkzählerei), ich habe das Buch noch nicht gelesen. Aber ich habe eine Freundin, die mir hin und wieder etwas erzählt und mich ständig kritisiert, daß ich in meiner Geschichte alles, aber auch wirklich alles, durcheinander bringe...ich kann ihr noch so oft gegen's Knie treten, sie hört einfach nicht auf, zu meckern...c'est la vie, n'est-ce pas?

Wollt ihr wissen, wie ich auf "Le Tare" gekommen bin? Ein Wort: Halbfettmagarine ^o^ (noch ein Tip? - Die gibt's auch mit Joghurt)