Titel: Den Jäger erlegen
Autorin: Sleepy Tiger
Warnung: Only my brain's on vacation! That sucks...
Disclaimer: Lord of the Rings © J.R.R. Tolkien
15. Kapitel: Oh süßer, schwerer Wein
Als Legolas aus dem große Badezimmer trat, war alles ruhig im Gasthaus. Er mußte die letzte wache Seele in diesem Haus sein. Zumindest hoffte er es. Er hatte sich viel Zeit beim Baden gelassen und das heiße Wasser in vollen Zügen genossen. Anders als Aragorn, Gimli und die fünf Ritter, die sogar für ein schnelles Abschrubben zu müde waren und sich nichts sehnlicher wünschten, als sich in die weichen Daunen ihrer Betten zu kuscheln. Eigentlich stand dem Elben genau das im Sinn, aber er war sich nicht ganz sicher, ob er zur Ruhe kommen würde. Schließlich teilte er sich das Zimmer mit seiner Sklavin.
Ein säuerliches Lächeln schlich sich über seine Lippen. Sklavin. Wie kam die Wirtin bloß darauf? Aber wenigstens verstand er, warum sie ihn mit soviel Ekel und Abscheu angesehen hatte. Legolas schloß seufzend die Tür und warf Hemd und Jacke über die Schulter. Da jetzt sowieso jeder schlief, machte er sich nicht die Mühe sich ganz anzuziehen. Die Schuhe in einer Hand und die Hosen nur locker zugebunden, hing etwas tiefer als sonst in der Hüfte. Das lange Haar hatte er nicht gewaschen, dafür hatte der Regen gesorgt, durch den er und die Gruppe geritten waren. Er war froh, daß sie endlich trocken waren.
Lautlos machte er sich auf den Weg zu dem Zimmer, daß ihm der Wirt, der ihn für Asanis Vater hielt, gezeigt hatte. Es war ein kleines Gemach gewesen, aber sehr gemütlich mit niedriger Balkendecke und eigenem Kamin, vor dem ein sorgfältig gekämmter Fellteppich lag. Es gab nur ein Fenster, aber es war liebevoll mit buntem Glas gestaltet. Legolas konnte sich das Farbenspiel im Zimmer bei Tageslicht ausmalen. Es mußte wunderschön sein. Aber leider gab es nur ein Bett. Es war zwar aus massiven Holz und einigermaßen breit. Aber eben nur ein Bett.
Etwas überrascht hörte er, wie eine Tür geöffnet wurde. Aber es war in einem Gasthaus nichts außergewöhnliches, wenn jemand mitten in der Nacht auf stille Örtchen mußte. Dennoch hielt Legolas inne. Er kannte den Klang dieser energischen Schritte. Seufzend blieb er stehen und lächelte höflich, als die Wirtin um die Ecke bog und fast in ihm hineinlief.
Legolas verkniff sich das Lachen, als die Wirtin entsetzt Luft holte, als sie plötzlich seinen nackten Bauch vor sich fand. Völlig entgeistert starrte sie seinen Bauchnabel an und auf ihrer Stirn erschien eine steile Falte, als sie langsam zu ihm hochsah. Indigniert hob sie die Brauen, als er keine Anstalten machte, sich das Hemd überzuziehen.
Sein Bruder Damelos hätte sich an seiner Stelle sofort angezogen, um der Zwergin zu zeigen, daß Elben durchaus Anstand und Moral hatten. Aber er war nicht Damelos und viel zu müde, um seine guten Manieren oder sein diplomatisches Geschick hervorzuholen. Also tat er so, als sei er vollständig gekleidet und verneigte sich vor ihr. "Ich wünsche Euch eine gute Nacht, Frau Wirtin."
Als sie ihn immer noch stumm anstarrte, schenkte er ihr noch ein liebenswürdiges Lächeln und ging an ihr vorbei.
"Halt!"
Der Elbenprinz drehte sich langsam zu ihr um und auf sein Gesicht breitete sich ein erstaunter Ausdruck aus, als sie ihm mit grimmiger Miene einen gerollten Schlafsack hinhielt. "Hier!"
Als er zuerst fragend den Schlafsack und dann sie ansah, zog sie hochmütig die Brauen hoch und erklärte brüsk: "Die junge Dame schläft im Bett und Ihr werdet es auf den Boden tun. Unser Haus hat einen anständigen Ruf, also beherrscht Euch wenigstens für diese Nacht."
Legolas' Mundwinkel hoben sich zu einem widerstrebenden Lächeln, als er den Schlafsack entgegen nahm. Was er sich nicht alles gefallen lassen mußte. Die Wirtin stemmte ihre Hände in die Hüften und fuhr im gleichen drohenden Ton fort: "Und ich rate Euch, Euch daran zu halten, sonst wart Ihr die längste Zeit unsterblich."
Legolas blickte sie ungläubig an. Sie jedoch hob ihr Näschen etwas höher, machte auf den Absatz kehrt und stolzierte einfach davon. War er froh, daß Gimli nicht zugegen war. Der hätte sich wahrscheinlich nur wieder krumm und schief gelacht. Den Kopf schüttelnd klemmte er sich diese Rolle unter dem Arm und setzte seinen Weg fort.
Vor der Tür seines Zimmers blieb er stehen und klopfte leise an. Als sich drinnen nichts regte, öffnete er vorsichtig die Tür. Er hatte damit gerechnet, sich in einem dunkeln Raum tasten zu müssen, aber ein Meer von Kerzenlicht hieß ihn willkommen. Vielleicht war es doch nicht so schlimm auf den Boden zu schlafen. Schließlich brannte im Kamin ein Feuer und der Fellteppich sah sehr dick aus.
Legolas warf einen Blick aufs Bett und schüttelte wieder den Kopf. Asani schlief tief und fest, lag allerdings quer mit ausgebreiteten Armen auf dem Bett und ihre Beine hingen heraus. Es sah aus, als wäre sie aus lauter Müdigkeit einfach ins Bett gefallen. Sie trug ein Hemd, das ihr die Wirtin geliehen haben mußte, denn es war viel zu kurz und entblößte ihre Beine. Und obendrein hatte sie ihre Armschienen nicht abgenommen.
Er warf Hemd, Jacke, Schuhe und Schlafsack auf einen Stuhl und ging zum Bett. Man konnte sie wirklich nie aus den Augen lassen. Er beugte sich, um einen Arm unter ihre Knie und den anderen unter ihren Rücken zu schieben. Ohne viel Mühe hob er sie hoch und legte sie richtig ins Bett. Dann machte er sich daran, ihr die Armschienen abzunehmen. Er nahm ihr Handgelenk und griff nach den sensiblen Schnallen, als ihre andere Hand plötzlich vorschoß und ihn an seiner Gurgel packte.
Das war sogar für ihn zu schnell, denn er fuhr keuchend zurück und hielt ihr Handgelenk fest. Während er nach Luft rang, versuchte er sich ihrem harten Griff zu entziehen, aber das bewirkte nur, daß er sie mit sich zog. Sie hing dann schließlich halb aus dem Bett. Die Hand immer noch fest um seinen Hals.
"Asani!" stieß er hervor. "Wacht auf!"
Irgendwann, als Legolas dachte, daß er gleich ohnmächtig werden würde, flatterten ihre Lider und schließlich blickte sie ihn mit einen schläfrigen Blick an.
"Asani, laßt mich los...", keuchte er verzweifelt.
Ihre Brauen gingen etwas in die Höhe, als sie ihn endlich erkannte und losließ. Legolas hatte kaum Zeit, sich um seine malträtierte Gurgel zu kümmern, weil er sie auffangen mußte, damit sie nicht auf den Boden aufschlug. Seine Arme schoben sich genau unter ihre Achseln und stoppten so ihren Fall.
"Da seid Ihr ja endlich", murmelte sie mürrisch und gleich darauf fiel ihr Kopf auf seine Schulter. "Hab auf Euch gewartet", murrte sie weiter und rieb ihre Nase in der Kuhle zwischen seinem Hals und seiner Schulter. "Was habt Ihr so lange gebraucht?"
"Warum habt Ihr auf mich gewartet?" Legolas setzte sich neben ihr auf das Bett und legte sie vorsichtig in die Kissen. Er spürte immer noch ein Kribbeln, wo ihr warmer Atem auf seine nackte Haut blies.
"Muß doch den Tag mit Euch beenden."
Als er sie erstaunt ansah, weiteten sich ihre Auge und sie blickte ihn sehr bestürzt an. Sie setzte sich halb auf und griff nach seiner Schulter. "Wir sind doch noch Waffenbrüder, oder?"
"Aber natürlich", versicherte er schnell. Sie schien betrunken zu sein. Wieviel hatte sie getrunken? Vier oder fünf Becher von dem Wein? "Warum sollten wir denn keine sein?"
"Weil Ihr einfach gegangen seid."
Er lächelte, als sie das Gesicht voller Kummer verzog und schmollte. "Das tut mir leid."
"Das sollte auch", grummelte sie und schob seine Hände weg, als er wieder nach den Armschienen griff. "Nein, ich nehme sie nicht ab."
"Im Bett werdet Ihr sie nicht brauchen", versuchte er einzulenken und hielt sanft ihr Handgelenk fest. "Außerdem ist es nicht sehr angenehm, damit zu schlafen."
"Sie sind ein Geschenk von Euch", erwiderte sie trotzig. "Ich kann sie nicht abnehmen."
So unsinnig diese Begründung auch klang, es rührte ihn sehr und es brachte ihm sogar zum Lächeln. Bedeuteten diese beiden Armschienen ihr tatsächlich soviel?
"So?" Er blickte sie gespielt streng an. "Dann werde ich Euch dieses Geschenk wieder nehmen."
Es war scherzhaft gemeint, aber sie hielt ihm daraufhin sofort den Arm hin. Legolas' Braue zuckte hoch, als er ihr die Armschienen abnahm. Sie mußte sturzbetrunken sein, wenn sie so gehorsam war. Er strich über ihren Arm und untersuchte bei dieser Gelegenheit auch ihre Oberarme. Nur zu gut erinnerte er sich, wie der Orkpfeil sie am Arm gestreift hatte. Der Schock, sie bluten gesehen zu haben, war noch nicht ganz gewichen. Legolas rollte ihre Ärmel hoch und strich mit sanfter Hand über die warme Haut. Nichts. Keine Wunde, kein Kratzer, keine Narbe. Was hatte er erwartet? Sicherlich nicht diese samtene Glätte unter seiner Hand. Ihre Beine fühlten sich genau so an.
"Legolas?"
"Ja?"
"Seid Ihr mir noch böse?"
"Weswegen?"
"Wegen den Orks", erwiderte sie leise. Sie hob die Hand und wollte ihn zu sich ziehen, aber da er kein Hemd trug, griff sie nach seinen Haaren. Legolas gehorchte dem Ziehen und neigte sich zu ihr. Zum Einem tat es weh und zum anderem war sie betrunken...und zum dritten...sehnte er sich sehr danach, ihr nahe zu sein. Von ihr schien immer ein leichter Blumenduft auszugehen, aber man roch ihn erst, wenn man nah genug bei ihr war. "Seid Ihr mir noch böse?"
"Nein, das bin ich nicht." Legolas küßte sie flüchtig auf die Stirn. Heute roch sie nicht nach Blumen aber nach einem sehr duftenden Öl. Es war ein sehr angenehmer Duft. Betörend, aber so dezent, daß er am liebsten sein Gesicht in ihren Hals gegraben hätte, um ihn ganz und voll einatmen zu können. Erst ihre leise Stimme rief ihn in die Wirklichkeit zurück.
"Wirklich nicht?"
Sie hatte ihn wieder losgelassen, aber Legolas blieb, wo er war und schnippte eine Strähne aus ihrer Stirn. "Wirklich nicht."
Auf ihrem Gesicht breitete sich ein so glückliches Lächeln aus, wie er es noch nie gesehen hatte. Ihre Augen funkelten wie Sterne und sie sah so zufrieden aus, daß er fast lachen mußte. Aber dann wurde er wieder an den Haaren gezogen und diesmal berührten sich fast ihre Nasenspitzen.
"Ich halte mich dann auch wirklich an mein Versprechen", sagte sie ernst und blickte ihm direkt in die Augen. Als er ihr nicht antwortete, verstärkte sich ihr Griff und sie hob ihm sogar ihr Gesicht entgegen. Es fehlte nicht viel und sie hätte ihn geküßt, aber statt dessen wisperte sie kaum hörbar: "Ich werde Euch immer sagen, wann ich in den Kampf ziehe. Ich werde mein Wort nicht brechen."
Legolas hauchte einen Kuß auf ihren Mundwinkel und stützte sich auf den Ellbogen ab, als er auf sie herabsah. "Ich weiß."
"Ich werde mein Wort niemals brechen", wiederholte sie etwas lauter. "Meine Mutter hat das auch immer getan. Aber einmal sagte sie uns nichts und ging einfach los. Sie kam dann nie mehr zurück."
Legolas hörte schweigend zu und legte sich vorsichtig zu ihr. Sofort kuschelte sie sich an ihn und legte einen Arm um seine Taille. Es störte ihn nicht, daß sie ihr Gesicht an seiner Brust rieb und ihr warmer Atem gegen seine nackte Haut blies.
"Wir haben gewartet, aber sie kam nicht zurück. Vater hatte wochenlang nicht geredet."
"Und Ihr?"
"Ich fühlte mich so klein", nuschelte sie und betonte ihre Worte, indem sie Zeigefinger und Daumen zusammenpreßte. Legolas beobachtete teils befremdet teils amüsiert, wie sie plötzlich anfing, mit zusammengekniffenen Augen auf ihre Hand zu sehen. Sie fuhr erst fort, als er ihre Hand in seine nahm. "Ich konnte gar nichts tun. Papa schickte mich ständig weg, wenn die Orks angegriffen haben."
"Da band Ihr Euch an das Schwert?"
"Ja, genau", sie rollte sich auf den Rücken und blinzelte ihn erstaunt an. "Genau, das habe ich getan. Woher wißt Ihr das?"
"Ich habe geraten." Legolas lächelte milde. Sie war betrunken.
"Ich war ziemlich überrascht, daß das geklappt hatte. Ich meine, das passiert ganz selten und dann nur bei großen Kriegern. Aber ich war noch nie bei einer großen Schlacht dabei gewesen. Ich war doch nur so klein." Wieder hielt sie Daumen und Zeigefinger zusammen gepreßt.
Grinsend fing er ihre Hand ein und drückte sie an sein Herz. "Ihr seid keineswegs klein."
"Ich bin immer noch klein", sagte sie wehmütig, "obwohl ich das Schwert hatte und all diese Orks besiegt hatte, kam Mama nicht zurück."
Mit einem schweren Seufzer schmiegte sie sich wieder an ihm. Liebevoll hielt er an sich gedrückt und hauchte tröstend einige Küsse in ihr Haar. Legolas hatte nun seinen Moment voller Vertrauen und Offenheit mit ihr. Daß sie betrunken war, wollte er übersehen.
"Legolas?"
"Ja?"
"Warum sind hier keine Haare?" fragte sie plötzlich und tippte auf seine nackte Brust.
Legolas hielt sie etwas von sich und blickte sie baff an. Sie jedoch sah ihn so ernst an, als wäre seine haarlose Brust ein wirklich schwerwiegendes Problem. Er fing an zu lachen, als sie auf einmal erschrocken verkündete: "Ihr seid gar kein Mann!"
"So? Warum nicht?" fragte er grinsend.
"Na, ein Mann hat da Haare", sagte sie simpel.
Legolas rückte noch mehr von ihr ab und blickte sie herausfordernd an. "Wollt Ihr sagen, daß ich dann eine Frau bin?"
Sie runzelte nachdenklich die Stirn, antwortete aber nicht sofort, sondern fuhr mit der Hand über seine Brust. Er hielt den Atem an, als sie mit dem Finger eine flache Brustwarze umkreiste. "Für eine Frau seid Ihr zu flach..." Ihr Blick verlor sich und sie schien gar nicht wahrzunehmen, wie sich seine Bauchmuskeln anspannten, als ihre Hand darüber strich. "...zu hart..."
"Asani..." Legolas schluckte schwer. Er fand sich so erbärmlich, daß er nicht fähig war, ihre Hand zu packen und von sich wegzunehmen. Statt dessen lag er wie angegossen da und sah zu, wie ihre Hand über seinen Oberkörper strich. Es lag keine erotischen Absichten in diesen Berührungen, das konnte er ihren Blick entnehmen, aber trotzdem fing er an, zu zittern.
"Ihr riecht ganz anders", bemerkte sie etwas vorwurfsvoll, "aber Euer Haar ist so lang wie meines..." Lächelnd wickelte sie eine Strähne um ihren Finger. "Heller als Mondlicht auf den Eisbergen...und so weich..."
Er beobachtete sie, wie sie mit seinen Haaren spielte und sich mit einer Strähne über ihre Wange strich. Sie kicherte dabei und sagte noch etwas, aber es war in ihrer eigenen Sprache und Legolas verstand das Wort "schön". Fand sie sein Haar schön oder ihn?
Eigentlich kümmerte es ihn nicht wirklich. Betrunken oder nicht. Ihrer Neugier auf ihn begann ihn langsam zu verzaubern. Sie hatte sein Haar losgelassen und war näher zu ihm gerückt. Mit dem Fingerspitzen zeichnete sie seine Gesichtszüge nach. Er schloß die Augen, als sie die perfekten Bögen seiner Brauen nachfuhr, ihre Finger über die dichten Wimpernkränze wisperten, die hohen Wangenknochen mit unendlicher Zartheit betasteten und über den geraden Nasenrücken strichen. Er ächzte überrascht, als sie sein rechtes Ohr einer näheren Untersuchung unterzog. Seine Arme knickten ein und er hielt sich nur mit Mühen auf den Ellbogen gestützt, als sie das Ohrläppchen zwischen Daumen und Zeigefinger massierte. Zuerst vorsichtig und dann immer kräftiger.
"Asani, bitte laßt das...", hauchte er hilflos. Spätestens jetzt hätte er sich von ihr losreißen müssen. Aber er ließ es zu, daß sie sein Gesicht mit beiden Händen umfaßte und ihn näher an sich zog. Er biß sich auf die Unterlippe, als er ihren heißen Atem in seiner Ohrmuschel spürte. Unbewußt schob er einen Arm unter ihren Rücken und hob sie etwas zu sich, während er auf ihre nächste Berührung wartete. Er dachte sein Herz blieb stehen, als sie in das Ohrläppchen biß.
Es war nicht zu leugnen. Es tat weh. Er zog zischend den Atem an und kniff die Augen zusammen. Das Ohr eines Elben war sehr, sehr empfindlich. Dann, als würde sie sich entschuldigen wollen, küßte sie das mißhandelte Fleisch und Legolas vergaß den Schmerz. Er schmolz dahin, als sie auch noch anfing, es zärtlich mit der Zunge zu kosen. Seine Sinne schwanden langsam und grub mit einem leisen Knurren in der Kehle sein Gesicht in ihren Hals. Wenn sie sich nicht nur auf das Ohrläppchen konzentrieren würde. Er drehte etwas seinen Kopf, um ihr einen kleinen Hinweis zu geben, aber sie ignorierte das völlig und drückte ihn statt dessen wieder etwas von sich weg. Seufzend gab er nach und blickte ihr ins Gesicht.
Etwas enttäuscht bemerkte er, daß sie nicht so außer Atem und außer sich war wie er. Nun ja, schließlich wurde nur er an einer seiner empfindlichsten Stellen gebissen und geküßt. Sie hatte ihre Entdeckungsreise wieder aufgenommen, denn ihr Daumen strich über seine Unterlippe und sie untersuchte mit gerunzelter Stirn die Weichheit seiner Lippen.
Legolas wußte nicht, was in ihm gefahren war, aber er hielt ihre Hand fest und ließ ihren Daumen zwischen seinen Lippen in seinen Mund gleiten. Mit einem wissenden Lächeln beobachtete er, wie sie scharf einatmete und hypnotisiert auf seinen Mund starrte. Er umkreiste ihren neugierigen Daumen mit der Zungenspitze und leckte langsam über das sensible Fleisch. Sein Lächeln vertiefte sich. Allein das hatte ihren Atem stocken lassen. Ihr tief in die Augen blickend biß er zart in ihren Daumen. Sie zuckte zusammen und sah ihn zutiefst bestürzt an. Als würde sie nicht ganz verstehen, was er da tat. Trotz ihrer weit aufgerissenen Augen, war nichts, daß sich gegen ihn sträubte. Kein scharfes Wort, kein angeekelter Blick, keine abwehrende Bewegung. Er spürte sogar, wie ihr anfänglicher Schock wich und sich ihre Anspannung löste. In ihren dunklen Augen blitzte etwas auf, daß Legolas amüsiert als Neugier erkannte. Sie war in Form eine schüchterne Frage. Was sollte...könnte als nächstes kommen? Als er nur stumm ihren Blick erwiderte, zeigte sich Ungeduld auf ihren Gesichtszügen. Sie leckte sich Unterlippe und schluckte.
Legolas küßte ihre Handfläche, ein mildes Lächeln auf den Lippen, um sie zu beruhigen. Gerne würde er ihre stumme Frage beantworten, aber ihm kam zu Bewußtsein, daß er das hier nicht tun sollte. So verlockend es auch war. Sie war sein Waffenbruder und obendrein betrunken. Sie vertraute ihm. Zumindest in diesem Augenblick. Es war falsch, das auszunutzen.
Er tupfte einen letzten Kuß auf ihre Lippen, ehe er sich von ihr zurückzog. Er schwang die Beine aus dem Bett und wollte sich aufsetzen, als plötzlich ihre Hand vorschoß und sein Gesicht zu ihr drehte. Der andere Arm schlang sich um seinen Hals und sie zog sich so zu ihm hoch, um ihn voll auf den Mund zu küssen. Er versteifte sich kurz, weil er von diesem "Angriff" überrumpelt wurde. Aber gerade als er anfing, die süße Unschuld ihres Kusses zu schmecken, hörte es auch schon wieder auf. Sie sank in die Kissen zurück und sah ihn wie verzaubert an. Als wäre er ein Wunder.
Sie stützte sich wieder dann auf die Ellbogen und ihr Blick hing an seinen Lippen. Legolas konnte nicht zurückweichen. Er konnte sie auch nicht zurückweisen. Schon gar nicht, als sie ihn wie jetzt ansah. Er hatte diesen Blick schon sehr oft gesehen. Ein Hunger nach Berührungen, das Begehren nach einem Kuß, das Verlangen nach etwas jenseits der Unschuld. Aber all dies aus ihren Augen zu erkennen, entlockte ihm kein spöttisches oder nachsichtiges Lächeln wie sonst auch. Es raubte ihn vielmehr den Atem.
Deswegen wehrte er sich auch nicht, als sie ihm eine Hand in den Nacken legte und ihn zu sich herunterzog. Kein Gedanke an richtig oder falsch wurde verschwendet, als er sie in seine Arme nahm und seinen Mund unverzüglich auf ihren senkte. Ihre Unschuld war offensichtlich, aber ihr Eifer ebenso. Es war Zeit, daß man sie einiges übers Küssen lehrte. Er begann damit, ihr zu zeigen, daß außer den Lippen die Zunge beim Küssen eine wichtige Rolle spielen konnte. Langsam fuhr seine Zungenspitze über die Kontur ihrer Lippen, neckte sie zärtlich und er verstärkte den Druck seiner Lippen, bis sie mit einen leisem Keuchen den Mund öffnete.
Schüchtern war ihr erster Versuch, ihn zu imitieren. Ihre Zunge stupste etwas unbeholfen gegen seine und zog sich erschrocken zurück, weil es so fremd für sie war. Aber sie war zur Furchtlosigkeit erzogen und wagten einen neuen Vorstoß. Außerdem half Legolas ihr nur allzu gern und machte zuerst vor, was möglich war. Langsam, beinahe träge erkundete er das Innere ihrer Mundhöhle, um sie nicht zu verschrecken, und forderte sie auf, das gleiche bei ihm zu tun. Er schmeckte noch die Süße des Weines, den sie Stunden zuvor getrunken hatte. Es erinnerte ihn vage daran, daß sie betrunken war und das hier im nüchternen Zustand niemals zulassen würde. Aber noch mehr war ihm die Tatsache bewußt, daß nur ein dünnes Hemd ihn von ihrer nackten Haut trennte. Allein die Vorstellung an ihren nackten Körper brachte sein Blut noch mehr zum Kochen. Sein Herzschlag war so laut, daß er sein eigenes heftiges Atmen nicht hörte, als ihre Hände über seinen Rücken strichen und an dem Hosenbund zerrten.
Einen Atemzug später lag er zwischen ihren Beinen und fuhr mit beiden Händen zitternd über ihren Körper, der sich ihm mit aller Macht entgegen wölbte. Ihre nackten Beine strichen ungeduldig an seinen entlang und legten sich um seine Hüften. Ihre Hände waren damit beschäftigt, ihn so fest wie möglich an ihren Körper zu ziehen, während sie ihn immer noch begierig küßte.
Legolas hatte eine schwierige Zeit, weil er sich selbst zügeln und gleichzeitig ihren Eifer dämpfen mußte. Ihre Fingernägel hinterließen rote Striemen auf seinen Rücken, als er ihre bockende Hüften packte und sie fest an seine preßte. Wimmernd wand sie sich in seinem festen Griff und ihr Keuchen verwandelte sich langsam in ein leises Stöhnen, als sich eine kleine Sensation in ihrem Unterkörper aufbaute und langsam anschwoll.
Er konnte nicht ganz fassen, was sie da tat. Ihre Hüften bewegten sich aufreizend auf und ab. Sie rieb sich hemmungslos an ihm und grub dabei ihre Zähne in seine Schulter. Ihre Arme schlangen sich fest um seinen Rücken und er spürte ihren Busen fest an seine Brust gedrückt. Seine Hände ließen ihre Hüften los und erlaubte ihr damit noch mehr Bewegungsfreiheit, die sie sofort nutzte. Er wußte nicht, ob es Instinkt oder Erfahrung war, als sie mit einer kleinen Bewegung ihrer Hüften es schaffte, daß seine schmerzhaft angeschwollene Erektion genau auf ihre weiche, heiße und feuchte Mitte traf. Sogar durch den Stoff seiner Hose und ihres Hemdes konnte er diese unglaubliche Hitze spüren. Aber das noch nicht genug. Mit zitternden Händen griff er nach seiner Hose und versuchte sie herunterzuziehen, was sich als unmöglich erwies, weil ihre Beine seine Hüfte umschlangen. Außerdem lenkte der lockenden Rhythmus ihrer Bewegungen ihn zu sehr ab. Die Stoffe verstärkten die Wirkung. Auch wenn das sehr erregend war, wollte er sie spüren. Nicht das Hemd. Nicht die Hose. Nur sie.
Fast verzweifelt griff er nach dem Saum ihres Hemdes und zerrte es hoch. Der feine Stoff klemmte zwischen ihren Körpern und machte es Legolas nicht sehr einfach. So war es nicht verwunderlich, als es riß. Er war allerdings so außer sich, daß er es gar nicht mitbekam. Stück für Stück schob, zerrte, riß er das Hemd höher, entblößte immer mehr warme, feuchte Haut, die ihn verbrannte, sobald sie mit ihm in Kontakt kam. Er löste sich nur vor ihren Lippen, um das Kleidungsstück über ihren Kopf zu ziehen. Gemeinsam kämpften sie gegen das störrische Hemd, das sich in ihren Handgelenken verfangen hatte, bis Asani irgendwann genug hatte und ihm rasend vor Frust in den Hals biß. Er schrie erschrocken auf und riß das Hemd entzwei. Als er hochfahren wollte, hielten ihre Arme ihn zurück und legten sich wie ein Schraubstock um seinen Hals.
Sie nahm, was sie bekommen konnte und er spürte ihren heißen Atem auf der Wange, die sie mit Küssen bedeckte, ihre Hände, die in seinen langen Haaren wühlten, das zart-rauhe Knabbern ihrer Zähne an seinem Ohr. Sein Kopf war wie leer gefegt und sein Körper ein einziger Herzschlag, als sie auch noch anfing die Form der Ohrmuschel mit der Zunge nachzuzeichnen und sein anderes Ohr träge mit der Hand kraulte. Er zog die zarte Haut ihres Halses zwischen die Zähne und sog heftig daran, um sein hilfloses Stöhnen zu dämpfen. Kontrolle wurde zu einem Fremdwort und seine Bedeutung vergaß Legolas einfach. Er verlagerte sein Gewicht, zog seine Knie unter ihre Schenkel und hob damit ihren Unterkörper, zwang ihre Beine weiter auseinander, machte sie wehrlos.
Mit einem leisen Knurren riß er sich von ihr los und hielt ihre Handgelenke über ihren Kopf fest. Sie wimmerte, als sie sich in dieser neuen Position wiederfand, kämpfte verzweifelt gegen ihn an. Aber er war schon immer stärker gewesen. Sanft strich er mit der freien Hand über ihren bebenden Körper. Es war, als würde er ein Tier zähmen. Nur langsam beruhigte sie sich und blickte ihn irgendwie verärgert an. Statt sich zu entschuldigen oder nachzugeben, schenkte er ihr ein triumphierendes Lächeln und neigte sich wieder zu ihr. Mit dem Daumen drückte er ihr Kinn nach unten, um ihren Mund für seinen nächsten Kuß zu öffnen. Diesmal geschah es nicht mit der Behutsamkeit und Zärtlichkeit wie am Anfang, sondern mit all seinem Verlangen und der Aggression, die sich dahinter verbarg. Er war drauf und dran, ihr die Seele zu entreißen. Es kümmerte ihn wenig, ob sie das wieder zu Sinnen kommen lassen konnte.
Erst als sie widerstandslos seinen Kuß erwiderte, ließ er sie los. Ihre vorherige Wildheit schien sie abgelegt zu haben, statt dessen wurde sie weich und anschmiegsam in seinen Armen. Ihre Nägel kosten ihn und sie drängte sich mit einer neuen Verzweiflung an ihn. Ihre Arme lagen werbend um seinen Körper, ihre Hände strichen über die harten Muskeln, die sich anspannten, sobald sie sie berührten. Sie glitten über seinen Rücken zu seinen Schultern, wo sie mit gespreizten Fingern ihren Bewegungen verfolgte.
Aber dann fielen ihre Hände schlaff herab und ihr Herzschlag verlangsamt sich etwas. Bei ihm schrillten alle Alarmglocken und er sah besorgt auf. Der Kuß mochte wirklich sehr lang und heftig gewesen sein, aber doch nicht so lang, daß sie ohnmächtig werden konnte, oder? Als er ihr ins Gesicht blickte, wußte er nicht, ob er lachen oder schreien sollte.
Sie war eingeschlafen.
"Das kann nicht wahr sein." Legolas war wirklich hin und her gerissen. Das war ihm noch nie passiert. Noch nie! Ernsthaft frustriert stöhnte er auf und seine Stirn fiel auf ihre Schulter. Er brauchte lange, bis seine Atmung sich normalisiert hatte und das ganze mit etwas mehr Humor sehen konnte. Was hatte Haldir einmal gesagt? Betrunkene Sterbliche als Bettgefährten waren das Letzte. Das Allerletzte. Er lachte in sich hinein. Wie konnte er sich bloß darauf einlassen? Was hatte er sich bloß dabei gedacht?
Er zog grinsend eine Spur von Küssen über ihren Hals bis zu ihren Brüsten, die er die ganze Zeit über schmählich vergessen hatte. Probeweise nahm er eine Brustwarze in den Mund und wurde mit einem kleinen Wimmern belohnt. Er war versucht, sie zu wecken, aber man vergriff sich nicht an schlafende und betrunkenen Frauen...obwohl er bei dieser hier eine Ausnahme machen würde.
Sie hatte ihn gebissen und gekratzt wie eine Raubkatze und bedrängt wie noch nie jemand zuvor. Dann hatte sie die Frechheit, mitten im erregendsten Vorspiel einzuschlafen. Wieder mußte er lachen. Was hatte er bloß angestellt, daß ihm das Schicksal mit diesem Mädchen zusammen geführt hatte? Vorsichtig zog er von sich zurück, um sie nicht zu wecken und deckte sich und sie zu. Kaum hatte er sich zu ihr gelegt, drehte sie sich auch schon zu ihm um und kuschelte sich an ihm.
Legolas rieb nachdenklich sein Kinn an ihren Haaren und lauschte ihren tiefen Atemzügen. Ein schwaches Lächeln floh über seine Lippen, als ihm der Gedanke kam, daß sie sich morgen wahrscheinlich gar nicht daran erinnern konnte. Es wäre schade. Nur zu gern, hätte er gewußt, ob sie ihn den Kopf abgerissen oder sich verschämt zurückgezogen hätte. Aber er wollte weder ihren Haß noch Scham. Es war demnach besser, wenn sie sich nicht erinnerte.
Legolas bedauerte es jetzt schon, denn er hatte Geschmack an ihren Küssen gefunden und Gefallen an ihrer ungezügelten Art, ihn den Rücken zu zerkratzen. Er gähnte herzhaft und legte besitzergreifend einen Arm um sie. Aus dem letzten Rest von Frust, den er empfand, schob er ein Bein zwischen ihre und zog sie halb unter sich. Er machte sich keine weiteren Gedanken darüber, was morgen sein würde, aber er würde das hier nicht vergessen.
Ende des 15. Kapitels
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Es ist superlang und sowas von langweilig. Was könnte das sein? Genau! Sleepy Tigers erste "graphische" Liebesszene! Ich bereue nicht, daß ich Legolas sehr viel erleiden und dann leer ausgehen ließ. Ich erinnere an das Rating: R
Falls euch allerdings ist, mich zu lynchen (Ich höre euer verzweifeltes Schreien jetzt schon: "Was soll das heißen? Sie schläft ein? Das ist Legolas! Da schläft man nicht ein!"), möchte ich euch herzlichst bitten, mich nur mit weichen Sachen zu bewerfen. Also, keine Ostereier bitte. Die tun nämlich sauweh ^_^; Reviews werden wie immer mit der allergrößten Dankbarkeit von mir gelesen!
P.S. bzw. aus Sleepy Tigers Moraltruhe: Trunkenheit ist keine Entschuldigung, um das Objekt seiner Begierde zu begrabschen.
