Titel: Den Jäger erlegen

Autorin: Sleepy Tiger

Warnung: bin beim Babysitten und warte auf die Eltern...

Disclaimer: Lord of the Rings © by J.R.R. Tolkien

16. Kapitel: Der Morgen danach

Der Morgen kam.

Hell.

Warm.

Gnadenlos.

In dem kleinen Zimmer mit der niedrigen Balkendecke und dem Kamin war es so ruhig, daß man die Vögel draußen zwitschern hörte. Im Kamin knisterte immer noch ein Feuer leise vor sich her. Keines der vielen Kerzen brannte noch und überließen damit dem warmen Sonnenlicht das Feld, das durch die bunten Glasscheiben gefärbt in jeder Ecke und jeder Nische des Raumes glanzvoll Hof hielt. Von all dieser Glorie des Morgens bekam Asani nichts mit, da sie zwar wach, aber immer noch im geschlossenen Augen im Bett lag. Sie verharrte bewegungslos im Bett und wartete auf den ersten Hammerschlag in ihrem Schädel, um den sich die Kopfhaut bereits mörderisch fest zusammen gezogen hatte. Sie spürte jedes einzelne Haar und jede Hautpore, als sie langsam atmete. Jede überflüssige Bewegung bedeutete in ihrem Zustand den sicheren Tod.

Aber wenigsten die Augen sollte sie öffnen, um sich dem hellen Licht zu stellen, das bereits wie ein Gewicht auf ihren wunden Lidern lag. Vorsichtig öffnete sie erst ein Auge und dann das andere. Seltsamerweise präsentierte sich ihr das Sonnenlicht in allen möglichen Grüntönen. Da sie sich nicht an das bunte Fenster erinnerte, glaubte sie, den schlimmsten Kater ihres Lebens zu haben. Verwirrt wollte sie die Decke über den Kopf ziehen, aber sogar dazu war sie zu schwach. Also begnügte sie sich damit, ihre Augen mit der Hand zu bedecken und sich auf die Seite zu rollen. Aber auch das funktionierte nicht. Es war schlimmer, als sie dachte.

Ihre rechte Seite war komplett taub. Sie spürte weder ihren Arm, noch die Schulter, noch die Hüfte oder ihr Bein. Und wenn sie den Kopf drehen wollte, spannte die Kopfhaut auf der rechten Seite. Als wären die Haare auf der Seite schwerer geworden. Außerdem lag ein Gewicht quer über ihrer Brust. Das war der seltsamste Kater, den sie je hatte. Sie hielt sich die Augen fester zu, als wolle sie ihr eigenes Elend nicht sehen. Daran war nur ihr dummer, elbischer Waffenbruder schuld. Nur zu gut erinnerte sie sich an seine Worte, als er ihr den ersten Becher in die Hand gedrückt hatte.

"Der Wein wurde erhitzt und es wird keine unangenehme Folgen haben. Trinkt soviel Ihr mögt. Er hält warm und sorgt für einen guten Schlaf."

Von wegen keine Folgen! Der Elb hatte sie belogen! Schon im Bad war sie dumm gekichert, als sie unter dem künstlichen Wasserfall geplanscht hatte. Sie wollte sich gar nicht daran erinnern, was sie danach mit den flauschigen Handtüchern gemacht hatte. Die arme Wirtin mußte ihr sogar beim Auskämmen ihrer Haare helfen. Aber immerhin hatte sie es ins Bett geschafft. Abwesend kratzte sie sich am Kinn und bekam eine Strähne zu fassen. Seltsam, ihr war nie aufgefallen, daß ihr Haar so weich und glatt war. Beinahe wie die von Legolas...Ah, sie rochen auch nach ihm. Sie öffnete die Augen einen Spalt breit und hätte beinahe gelacht. Die Haare waren auch so hell wie seine!

Nein! Das konnte nicht sein! Das waren gar nicht ihre Haare. Sie sperrte ihre Augen weiter auf und starrte auf diese helle Strähnen zwischen ihren Fingern. Wie kam das hierher? Sie blinzelte, um sich an das helle - und äußerst seltsam gefärbte - Licht zu gewöhnen und nahm dabei erschrocken noch mehr von Legolas wahr. Zum Beispiel seine nackte Schulter, gegen die ihre Nase stieß, als sie sich panisch nach rechts umdrehte. Jetzt verstand sie endlich auch, warum sie in ihrer rechten Körperhälfte kein Gefühl hatte. Dieser Elb lag halb auf ihr! Das Gewicht auf ihrer Brust war sein Arm, der besitzergreifend ihren Oberkörper umschlungen hielt. Außerdem hatte er einen Bein zwischen ihre geschoben.

Der erste klare Gedanke, den sie hatte, war "Bloß weg hier!" Aber Legolas fing an, sich zu regen...und zwar zu ihr hin. Halb rollte er sich auf sie und halb zog er sie unter sich. Erfolglos versuchte sie sich ihm zu entziehen, denn es irritierte sie schon sehr, daß der Elbenprinz sich so vertrauensvoll an sie kuschelte. Noch schlimmer wurde es allerdings, als er seinen Unterkörper zwischen ihre Beine bettete. Sie bemerkte dabei, daß sie hüftaufwärts vollen Hautkontakt mit Seiner Hoheit hatte und daß der Stoff seiner Hose ziemlich rauh auf ihren nackten Beinen anfühlte. Hieß das, sie war nackt und er nicht? Und was bei heiligen Eisbergen war letzte Nacht passiert? Ziemlich grob rüttelte sie ihn und zischte wütend: "Legolas! Wacht auf!"

"Hmmm?"

Legolas murmelte etwas in Elbisch und legte beide Arme fest um sie, um sie stillzuhalten, während seine Lippen über ihren Hals strichen. Unglücklicherweise preßten sich ihre Brüste fester an ihn und sie spürte, wie sich die Brustwarzen langsam erhärtete. Ein seltsam heißes Kribbeln ging von ihnen aus und kroch unaufhaltsam über ihren Bauch bis hinunter zu der Stelle zwischen ihren Beinen, die sich weich und warm...und feucht anfühlte. Asani verging vor Scham. Als er sein Gewicht verlagert, rieb sein Körper über diese empfindsamen Ort. Asani atmete zitternd ein und wimmerte hilflos, weil eine unglaubliche Schwäche sich ihren Körper bemächtigte. Ihre Beine öffnete sich ihm und sie ertappte sich dabei, wie sie sich an ihn drückte. Das Blut schoß ihr in den Kopf und sie war sich nicht ganz klar, ob es Scham oder etwas anderes war. Sie wußte nur, daß ihr Herzschlag in ihren Ohren dröhnte, daß ihr immer wärmer wurde und daß es fast unmöglich war, zu atmen. Was machte er da mit ihr? "LEGOLAS!!!!"

Nur sehr langsam lockerte er seine Umarmung und hob den Kopf, um ihr ins Gesicht zu sehen. Umrahmt von den langen, hellen, vom Schlaf zerzausten Haaren tauchte sein Gesicht über ihr auf. Einige Strähnen fielen auf ihre Stirn und Schulter. Mit einem schläfrigen Lächeln begrüßte er sie. "Guten Morgen. Gut geschlafen?"

Statt einer gesitteten Antwort war ihr mehr danach zu schreien, wenn sie den Mund genauso weit aufkriegen würde wie ihre Augen, die ihn im stummen Entsetzen ansahen.

"Nicht gut?" fragte er etwas besorgt und strich sich die Haare zurück, während er ihr genau ins Gesicht sah. "Ihr seht ziemlich erhitzt aus. Was ist los? Seid Ihr krank?"

Asani verengte mißtrauisch ihre Augen, als er mit der Hand ihre Stirn und Wange befühlte. Irgendwie war er zu besorgt und war das nicht ein Lachen in seinen Augen? "Geht von mir runter", knurrte sie bedrohlich.

Aber er blieb, wo er war. "Was ist mit Euch?"

"Nichts", erwiderte sie kühl und blickte ihn immer noch böse an. "Geht von mir runter."

Legolas rutschte etwas von ihr herunter und stützte sich auf den Ellbogen ab. Asani riß die Augen auf, weil sie nun seinen nackten Bauch auf ihrer intimsten Stelle spürte. Sie zuckte zusammen und ihre Beine schlossen sich unwillkürlich um seine Taille.

"Oh, nicht so stürmisch", grinste er und fing lachend ihre Hand an, mit der sie zum Schlag ausgeholt hatte. Er betrachtete sie eingehend und fragte dann: "Ihr wollt doch nicht sagen, daß Ihr tatsächlich einen Kater habt, oder?"

"Sieht es so aus?" fragte sie trocken.

"Die meisten Sterblichen sind bleich und dem Sterben nahe, wenn sie einen Kater haben", erwiderte Legolas heiter. "Liegt es am Pakt, daß Ihr so rot im Gesicht seid?"

"Geht von mir runter!" schrie sie hysterisch und stemmte sich gegen seine Schultern.

Der Elb hatte tatsächlich die Frechheit auch noch zu lachen und nahm sie wieder in die Arme. Er drückte ihr einen feuchten Schmatz auf die Wange und kuschelte sie fest an sich. "Körperliche Nähe ist doch nichts verwerfliches."

"Ich bin nackt!"

"Tatsächlich?"

Asani stieß verzweifelt Luft aus. Sie wußte ja, daß er morgens so gutgelaunt war, aber das war hier war die Höhe. Sie mußte sich unbedingt merken, nie wieder ein Bett mit ihm zu teilen. "Legolas!"

Legolas drückte sie noch etwas mehr an sich und schnurrte sogar. "Ihr Menschen pulsiert so sehr vor Wärme und Leben und doch teilt ihr sie nicht."

"Wir sind gerne egoistisch! - Runter von mir!"

"Nein, das glaube ich nicht", seufzte er und ignorierte den letzten Befehl. Wohlig schmiegte sein Gesicht an ihrem Busen. Asani verdrehte die Augen und versuchte weiter, sich aus seiner Umarmung zu winden. "Ihr seid schüchtern."

"Schüchtern?!"

"Ja", erwiderte er und sein heißer Atem strich über ihre Haut. "Ich meine nicht, daß ihr nackt herum laufen solltet. Das tun wir Elben schließlich auch nicht. Aber ihr berührt einander nicht."

Sie konnte sich kaum auf seine Worte konzentrieren. Ein Ohnmachtsgefühl beschlich sie und schwächte sie noch mehr. "Menschen...berühren nur einander, wenn sie sich zugeneigt sind."

"Nicht nur schüchtern, auch noch wählerisch, was?" Legolas lachte in sich hinein. "Oder seid nur Ihr so?"

"Was?"

"Gebt Ihr Euch nur demjenigen hin, dem ihr zugeneigt seid?"

"Wer redet hier von hingeben?!" schrie sie hysterisch und wieder einmal schoß ihr das Blut ins Gesicht. Sie konnte nicht fassen, über was sie sich mit diesem Elb unterhielt. "Ich sagte 'berühren'!"

Legolas grinste und legte sein Kinn auf ihren heftig auf- und absinkenden Brustkorb, um ihr ins rote Gesicht zu sehen. "Also, gut. Ihr berührt nur denjenigen, dem Ihr zugeneigt seid."

"Und das gilt nicht nur für mich", murrte sie zur Antwort. "Ihr umarmt ja auch nicht die Orks."

"Das stimmt", sagte er beschwichtigend und seltsamerweise beruhigte sie sich, als er über ihren Arm strich. Dann wurde es aber nicht mehr so beruhigend, denn er richtete sich etwas auf und sah auf sie herunter. Asani drückte sich unwillkürlich tiefer in die Kissen. Dieser lächelnde und halbnackte Legolas auf ihr machte ihr Angst. "Ich mag Euch, Asani, und ich möchte ich Euch sehr gern berühren."

Sie holte tief Luft und schrie ihm entgegen: "RUNTER VON MIR!"

Lachend brach er auf ihr zusammen und hielt sie wieder umfangen. Bevor sie noch irgendwas machen konnte, hatte der verrückte Elb sich mit ihr herum gerollt. Plötzlich lag sie auf ihm. Träge wühlte er in ihren Haaren und gurrte in ihr Ohr: "Ich wollte Euch berühren, Asani, nicht mit Euch schlafen."

Sie riß die Augen weit auf und kniete sich über ihn, bis sie auf seinem Bauch saß. "Ihr seid wirklich..." Sie hielt mitten in ihrer Beschimpfung inne, als sie sah, daß er ihr gar nicht zuhörte.

"Ah, welch Schönheit offenbart mir dieser Morgen", flüsterte er mit einem verträumten Lächeln und ließ seine Fingerspitzen über ihren nackten Bauch gleiten. Seine Hand landete dann auf ihrem Oberschenkel und strich über die schlafwarme Haut, ehe sie das Knie umfaßte.

Asani atmete scharf ein, verschränkte die Arme vor der Brust und mit hochrotem Kopf versuchte sie den letzten Rest ihrer Würde zu wahren, indem sie sich in dem Laken einwickelte. Als Legolas anfing zu lachen, konnte sie nicht widerstehen und hieb ihre Faust in seinen Magen. Mit einem zufriedenen Lächeln vernahm sie dann seinen überraschten Schrei.

"Es tut mir leid", japste er immer noch lachend und fing ihre Fäuste ein. Mit einem Ruck zog er sie wieder zu sich hinunter. Ohne daß sie es bemerkte, wickelte er sie dabei aus dem Laken und sie lagen wieder Haut an Haut. Seufzend rieb er seine Wange an ihrer Schulter. "Die Schönheit fühlt sich genauso an, wie sie aussieht."

"Ihr seid wirklich der allerdämlichste Elb in ganz Mittelerde! Und ausgerechnet Ihr seid mein Waffenbruder!" schimpfte sie und versuchte sich aus seiner Umarmung zu kämpfen, aber Legolas hielt sie mit sanfter Gewalt an sein Herz gedrückt.

"Es tut mir doch leid", wiederholte er und es klang nicht wirklich überzeugend, weil sie nur allzu deutlich ein Vibrieren seines Brustkorbes wahrnahm.

"Was macht Ihr hier überhaupt?" fragte sie grimmig und schaffte es, sich auf ihren Ellbogen hoch zu rappeln. "Solltet Ihr nicht auf den Boden schlafen?"

Er hob nur die Braue und sein unergründlicher Blick ruhte auf ihr. "Erinnert Ihr Euch nicht?"

"Würde ich sonst fragen?"

"Ihr wißt es wirklich nicht mehr?"

Ihr Augen verengten sich zu Schlitzen, als sie seinen intensiven Blick erwiderte. "Nein. Woher auch? Ich bin gestern gleich ins Bett gefallen und habe geschlafen."

Sie ballte ihre Faust, weil sie schon seinen nächsten dummen Witz hörte. Der Elb war für ihren Geschmack in einer unerträglich guten Laune. Aber seltsamerweise blieb eine freche Antwort aus, denn sein Blick wurde langsam weich und je länger sie ihm in die Augen sah, erkannte sie, wie wehmütig und traurig sie wurden. Vorsichtig streckte sie die Hand nach ihm aus und strich über seine lächelnden Lippen. Eine Weile sahen sie sich nur stumm an, bis er ihre Fingerspitzen küßte.

"Legolas?"

"Wir müssen uns beeilen", entgegnete er nur und küßte sie zärtlich auf den Mund. "Aragorn möchte sicherlich so schnell wie möglich aufbrechen."

Völlig erstarrt lag sie auf ihn und blinzelte nicht einmal. Legolas sah sie unschuldig an. "Was ist?"

"Nichts", brummte sie und krabbelte auf wackligen Händen und Knien von ihm herunter. Sie vergaß beinahe das Laken, als sie aus dem Bett steigen wollte. Legolas rollte sich auf den Bauch und beobachtete amüsiert, wie sie etwas verwirrt durch das Zimmer ging und nach ihren Sachen suchte. Er kicherte in sich hinein, als sie etwas verdutzt vor dem Fenster stehen blieb. Sie schien mehr als nur etwas verwirrt zu sein. Dann nur mit den Armschienen und dem Laken um ihren Körper floh sie aus dem Zimmer.

Mit einem lauten Seufzer streckte und räkelte sich der Elb auf dem breiten Bett. Wie er befürchtet hatte, erinnerte sie sich nicht an letzte Nacht. Er hingegen sah alles wieder vor sich, wenn er nur die Augen schloß. Vielleicht hätte er gleich von ihr lassen sollen, wie sie es verlangt hatte, statt mit der kleinen Balgerei vorhin zu versuchen, ihre Erinnerungen an letzte Nacht aufzufrischen. Geistesabwesend strich er sich über den Bauch. Noch immer spürte er ihr Gewicht auf sich, ihre warme Haut unter seinen Händen. Sein Atem beschleunigte sich, als er an diese verführerischen Bewegungen dachte, die sie mit ihren Hüften machen konnte.

"Wie tief bin ich gesunken", flüsterte er kopfschüttelnd. Er atmete tief ein und verließ das Bett. Dabei trat er auf etwas Stoff und als er nach unten sah, entdeckte er das zerrissene Nachthemd. Seufzend hob er es auf. Vielleicht hätte er sie damit konfrontieren sollen. Er atmete den schwachen Duft ein, der noch an dem Stoff haftete. Einen Moment lang spielte er mit dem Gedanken, es zu behalten und es bei einer passenden Gelegenheit Asani unter der Nase zu halten.

Nein, das würde er doch nicht tun. Es sah mächtig nach Verzweiflung aus und er war nicht verzweifelt. Hoffte er zumindest. Er lächelte etwas bitter, als er es ins Feuer warf. Er fand es nicht weiter verwunderlich, daß im Kamin noch Feuer brannte. Sein Feuer brannte ja auch noch.

~*~

Asani stieg die Stufen zur Gaststätte hinunter, in der schon reges Treiben herrschte. Auf ihrem Weg nach unten zupfte sie an einem Überwurf aus hellblauer Wolle. Darunter trug sie ein besticktes weißes Hemd und einen langen dunklen Rock. Ihre Haare umrahmten offen ihr Gesicht. Sogar neue Schuhe hatte sie. Leichte und für ihren Geschmack viel zu dünne Lederschuhe. Sie hatte diese Sachen von der Wirtin bekommen, die sie im Bad abgefangen hatte. Aufgeregt hatte sie ihr zugeflüstert, daß dies auf Anweisungen des Königs persönlich geschehe.

Sie mußte einen sehr erschöpften Eindruck gemacht haben, denn die Wirtin hatte es für nötig befunden, ihr beim Anziehen zu helfen. Während die Wirtin ihr die Schnüre der Unterwäsche befestigte, entdeckte sie einen Bluterguß und Bißspuren auf Asanis Hals. Asani hatte sich gefragt, warum die Wirtin auf einmal so bleich wurde und wütend gefragt hatte, ob Legolas auf den Boden geschlafen hatte. Zu beschämt, um jemanden zu erzählen, wie es tatsächlich gewesen war, versicherte sie Mora, daß der Elb auf dem Boden geschlafen hatte. Aber die Wirtin ließ sich nicht ganz beruhigen.

"Aber Fräulein, Ihr müßt ihn nicht verteidigen", hatte Mora aufgebracht gesagt. "Dieser Lüstling verdient es nicht!"

"Doch!" hatte Asani spontan gerufen und die Wirtin einen Moment etwas ratlos angeblickt. Lüstling? Legolas, ein Lüstling? Hatte er letzte Nacht einer der hübschen Töchter des Hauses nachgestellt? Mochte er Zwerginnen? Als die Wirtin sie abwartend anblickte, holte Asani tief Luft und versuchte ein Loblied auf Legolas Grünblatt herbei zu zaubern. "Er ist ein sehr...ein sehr...sehr anständiger Elb."

Das hatte nicht sehr überzeugend geklungen und Asani hatte es in Moras Gesicht ablesen können, also setzte sie noch einen drauf: "Er liegt mir sehr am Herzen und verdient meine Loyalität. Einen edleren Elben wie ihn gibt es nicht." Zum Glück verdeckten ihre langen Haare ihre Ohren, die bei diesen Worten ganz heiß und rot wurden. Sie wartete noch auf dieses erdrückende Gefühl, das sie immer hatte, wenn sie jemand wissentlich anlog. Aber es kam nicht.

Moras Blick wurde sehr traurig. "Ihr tut Euch nicht gutes, wenn Ihr Euch in diesen Elb verliebt."

Asani hätte am liebsten gelacht. Verliebt? In diesen Elb? Sie? Nein, unmöglich! Aber sie wollte nicht aus der Rolle fallen und schenkte der Wirtin nur ein kleines Lächeln, ehe sie sich wieder ihren Kleidern widmete. Mora gab ihr noch Bürste und eine Haarschleife, ehe sie sie alleine ließ.

Nach dem dritten Versuch, sich die Haare zu flechten, gab sie auf und ließ die Haare offen über die Schultern fallen. Ein schöner Morgen war es. Erst diese beschämende Bettszene mit Legolas und dann dieses Lügenmärchen. Sie brachte mehr Schande über ihren Clan als alle anderen. Hätte sie Seine Majestät bloß gewinnen lassen...Hätte sie bloß Legolas im Gefängnis verrotten lassen. Unglücklich betrachtete sie sich im Spiegel und zog den Kragen etwas zur Seite.

Es war wirklich ein sehr häßlicher Fleck. Zwar recht klein, aber tief rot und umrahmt von kleinen roten Strichen. Bißspuren. Es war nicht ihr erste Bluterguß. Als sie jünger war, war grün-blau während des harten Trainings ihre normaler Hautfarbe. Aber seltsam war es schon. Seit ihrem Pakt mit dem Schwert verschwanden solche Flecken doch schon nach einer Stunde. Sie zuckte dann nur den Schultern. Vielleicht hatte einer der Orks sie zu fest gebissen. Sie nahm das Haarband und drapierte sie um den Hals. Mit einer geschickt plazierten Schleife wurde dieser Fleck dann einfach verdeckt.

Nun stand sie am Eingang der Gaststätte, als sie sorgsam die langen Ärmeln über die Armschienen zog, die sie wieder einmal unter ihrer Kleidung trug. In dem Getümmel aus Gästen und Zwerginnen, die vollbeladene Tabletts durch die Menge liefen, suchte sie den vollen Raum nach Seiner Majestät ab. Sie fand ihn mit seinem Hauptmann und Legolas in einer abgelegenen Ecke hinter einigen Topfpflanzen sitzend. Sie nahmen gleichzeitig das Frühstück zu sich und blickten auf eine Karte, die sie vor sich ausgebreitet hatten.

Gimli kam in diesem Augenblick direkt auf sie zu und begrüßte sie mit funkelnden Augen. Er sah sehr gut erholt aus. Bestimmt nur, weil kein Elb auf ihm gelegen hatte. "Guten Morgen, Asani. Ihr seht fabelhaft aus."

"Guten Morgen, Herr Gimli. Ihr solltet Euch schämen, so früh schon Mädchen zum Erröten zu bringen", scherzte sie gutgelaunt.

"Immer zu Diensten", erwiderte er schwungvoll und packte sie am Arm. Mit etwas Druck gab er ihr zu verstehen, daß sie zu ihm herunter beugen sollte. Sie mußte sich anstrengen, seine geflüsterten Worte zu hören. "Nennt keine Titel."

Sie antwortete mit einem strahlenden Lächeln und nickte. Dann folgte sie Gimli durch die Menge und sah sich wie zufällig im Raum um. Tatsächlich entdeckte sie drei Ritter im Raum verteilt sitzend. Alle trugen unauffällige Wanderkleidung statt der Rüstungen und die mit Wappen bestickten Umhänge. Sogar Le Tare lächelte nur, als Gimli und Asani bei ihnen ankamen, statt sich aufzustehen und sich zu verbeugen, wie er es sonst immer tat. Auch er trug nur schlichte Kleidung. Sogar der prunkvolle Griff seines Schwertes war mit Stoff verbunden, damit ja keiner das Wappen sah, das dort prangte. Seine Majestät hatte lediglich nur das Kettenhemd weggelassen und sich nicht rasiert. Er sah mehr denn je aus wie ein Waldläufer. Nur der Zwerg und Legolas trugen ihre Sachen von gestern. Asani hatte schon mitbekommen, daß Aragorn seine Reise nach Perrigon gern im Geheimen hielt. Aber daß es so geheim sein sollte, überraschte sie etwas. Daher sie fügte sich schnell. Sie mimte das schüchterne Mädchen und knickste vor den Herren. Aragorn nickte lächelnd, während Legolas sie eingehender betrachtete. Ein seltsames Lächeln stahl sich über seine Züge, ehe er etwas Platz für Gimli machte, der sich neben ihm niederlassen wollte. Der Zwerg blickte kurz zu Asani hoch, die sich ebenfalls setzen wollte. Sie schob dabei ihr langes Haar zur Seite. Dummerweise verrutschte die Schleife und der dunkler Fleck an ihrem Hals blitzte hervor.

"Was ist das für ein Fleck?" fragte Gimli mit großen Augen und zeigte auf ihren Hals. Seine Finger zogen den Kragen ihres Hemdes etwas herunter und tippte sachte auf die Stelle zwischen Hals und Schulter. Sein dichten Brauen zogen sich heftig zusammen. "Sieht aus wie ein Bluterguß."

Gimlis Kopf fuhr herum und sein mißtrauischer Blick fiel auf Legolas. Aragorns Brauen gingen in die Höhe, als er Legolas intensiv ansah. Le Tare fiel das Stück Brot aus der Hand und sein Unterkiefer herunter. Er hüstelte und errötete bis unter die Haarspitzen. Schnell senkte der Hauptmann den Kopf, stopfte sich das Stück Brot in den Mund, während er ganz konzentriert die Krümeln von der Karte fegte. Legolas unterdessen blickte unschuldig in die Runde und trank seinen Tee.

"War ein Ork", meinte Asani achselzuckend und sah erstaunt auf, als Legolas sich daraufhin an seinem Tee verschluckte.

"Ich sehe Bißspuren", bemerkte Aragorn, der sich über den Tisch neigte und sich diesen Bluterguß genauer ansah. Mit einem Seitenblick auf Legolas meinte er: "Diese Orks sind aber ziemlich rauh."

"Absolut pervers", murmelte Gimli mit einem strafenden Blick auf den Elbenprinzen, der sich wieder seinem Frühstück widmete, als sei nichts geschehen. "Findest du nicht auch, Legolas?"

"Es liegt in deren Natur", erwiderte Legolas nonchalant und diesmal verschluckte sich Le Tare. Hustend stand der Hauptmann auf und entschuldigte sich. Er klopfte sich selbst gegen die Brust und ging an der Tür vorbei, die sich in diesem Moment öffnete. Ein junger Fischer kam herein. Sein und Le Tares Blick begegneten sich für einen Bruchteil einer Sekunde, aber der junge Mann deutete eine Verbeugung an, ehe er den Tisch von Aragorn ansteurte. Niemand fand es seltsam, daß er sich einfach an dem Tisch setzte. Die Gaststätte war voll und es war normal, daß Fremde sich einen Tisch teilten.

"Guten Morgen, Sir", murmelte der Mann und nahm die Mütze ab. Asani erkannte ihn als einer der Ritter wieder. Da war also der Vierte. Er wischte sich gerade mit der Mütze die schweißgebadete Stirn. "Das Schiff steht bereit, Sir. Es sticht in See, wenn Ihr es befehlt."

"Sehr gut." Aragorn lächelte zufrieden. "Weitere Passagiere?"

"Nein, Sir", erwiderte der Ritter und räusperte sich. "Der Kapitän wurde reichlich entlohnt, um keine weiteren Passagiere aufzunehmen. Aber Sir, es gibt allerdings ein Problem."

"Und der wäre?"

"Unter Deck gibt es nur Platz für vier Pferde."

"Das ist kein Problem." Aragorn goß dem jungen Ritter etwas heißen Tee ein und schob ihm den Teller mit den heißen Brötchen und kalten Braten zu. "Wir lassen vier hier und Fräulein Asani wird den Landweg nehmen"

Alle sahen abrupt auf. Vor allem Legolas blickte ihn etwas irritiert an. "Warum?"

"Wenn wir gemeinsam in Perrigon ankommen, wird jeder Fräulein Asani kennen", begann der König und erwiderte ruhig und gelassen die Blicke der anderen. "Man wird sie beschatten, sobald sie einen Fuß auf die Straße setzt. Nicht zu reden von den Gefahren, die ihr drohen, wenn bekannt wird, daß sie sich nach fehlenden Beerdigungen und verbotene Schiffsladungen erkundigt."

Der Zwerg nickte zustimmend, während er einige Barthaare zwischen den Fingern zwirbelte. Der junge Ritter, der sich gerade an Brot und Braten gütlich tat, sah seinen König so stolz an, daß er übers ganze Gesicht grinste. Asani stopfte sich schnell etwas Braten in den Mund, um ihr Erstaunen zu überspielen. Sie hätte nicht gedacht, daß der König so großes Vertrauen in sie setzte und fragte sicherheitshalber noch einmal nach. "Alleine?"

"Alleine." Aragorn lächelte leicht. "Ihr pflegt doch allein zu arbeiten, oder?"

Asani nickte heftig und fand es ganz angenehm, daß ihr jemand ausnahmsweise vertraute. Der einzige, der mit dieser Entscheidung nicht ganz zufrieden schien, war Legolas. Er blickte immer noch sehr skeptisch drein und seine Mundwinkel waren mißmutig verzogen. "Ich werde mit ihr gehen."

Aragorn schüttelte den Kopf. "Nein, Legolas, ich möchte dich bitten, bei uns zu bleiben."

Legolas' Augen verengte sich etwas und er schien Aragorn widersprechen zu wollen, aber dann fragte er: "Du willst sehen, ob jemand bei meinem Anblick nervös wird, oder?"

Der König nickte. "Es tut mir leid, daß ich dich dafür benutzen muß, Legolas, aber..."

"Ich verstehe", unterbrach der Elb ruhig. "Wer nervös wird, macht Fehler. Ich verstehe."

"Danke, Legolas." Aragorn nahm auch weiterhin die Unzufriedenheit des Elben wahr, aber Legolas war wie jeder Thronfolger in Taktik und Strategie ausgebildet. Eine der elementarsten Regeln war, daß die Chance zur Überraschung ein Himmelsgeschenk war und nicht ungenutzt bleiben sollte. Dann wandte Aragorn sich an Asani, die gerade ihr Frühstück beendet hatte und fragte leise: "Wo werden Ihr sein?"

"Das Gasthaus heißt Elbenwald und befindet sich bei den roten Laternen", flüsterte sie zurück. Dann erhob sie sich und verbeugte sich wie jedes wohlerzogene Mädchen zum Abschied. Die Herren nickten höflich und wandten sich wieder ihrem Frühstück zu.

Asani ging unbehelligt aus der Gaststätte und steuerte die Ställe an, als plötzlich Legolas neben ihr auftauchte. Erschrocken sprang sie zur Seite. Obwohl er sich genauso schnell über den matschigen Boden bewegte wie sie, machten seine Schuhe nicht das kleinste Geräusch. Sie würde sich nie daran gewöhnen. Ihren fragenden Blick beantwortete er mit: "Ich helfe Euch beim Satteln."

Sie sah ihn verdutzt an, folgte ihm aber im Laufschritt zu den Ställen. Drinnen sattelte sie mit ihm schweigend ihr Pferd. Er blickte sie dabei nicht an und schien sich ganz auf die Aufgabe zu konzentrieren. Sie gingen nebeneinander her, als er für sie das Pferd auf den Hof führte.

"Wir werden uns dann wohl für einige Tage nicht sehen", sagte sie leise, als er ihr die Zügel gab.

"Sieht so aus."

"Ich kann nicht einmal diesen Tag mit Euch beenden", flüsterte sie mit einem schiefen Lächeln. "Das tut mir leid."

Das Lächeln, das er ihr schenkte, machte sie nervös. "Es wird noch andere Tage geben..."

"Ja." Mehr fiel ihr nicht ein und sie biß sich auf die Unterlippe. Sie sollte aufbrechen. Sie kannte den Weg von hier nach Perrigon nicht sehr gut und wußte nicht, wie lange sie brauchen würde. Tief einatmend warf sie die Zügel über den Kopf ihres Pferdes und griff in die Mähne, um aufzusteigen. Peinlicherweise war sie an diesem Morgen ziemlich schwach in den Armen. Sie konnte sich nicht in den Sattel schwingen und Steigbügel existierte für einen Ifrey nicht. Aber Legolas kam ihr zu Hilfe. Seine starke Händen faßten um ihre Taille und hoben sie hoch, als wäre sie ein kleines Kind. Asani schwang schnell das Bein auf die andere Seite des Pferdes und saß...plumpste dann auf dem Sattel. Asani verzog keine Miene und ordnete sorgsam den Rock um ihre Beine. Auch dabei ging Legolas ihr zu Hand. Sie wünschte, er täte es nicht. Überall kribbelte ihre Haut, wo er sie berührte. Dann legte er auch noch seine Hand auf ihr Knie.

"Wir sehen uns dann in Perrigon, Asani." Endlich sah er auf und lächelte sie an. Es war ein sehr sanftes, aber auch trauriges Lächeln. Beinahe wie das, mit dem er sie früher am Morgen angesehen hatte. Er wollte einen Schritt zurücktreten und seine Hand fiel von ihrem Knie. Aber sie hielt sie fest. Abrupt sah er auf und bemerkte, daß sie ganz konzentriert auf seine feingliedrige Hand starrte. Ihre Lippen öffneten und schlossen sich wieder. Es war, als wollte sie ihm noch etwas sagen. Legolas trat näher an sie heran und blickte zu ihr hoch. Seine Hand immer noch in ihrer.

"Ich halte mein Versprechen, Legolas", flüsterte sie dann kaum hörbar.

"Ich weiß", erwiderte Legolas ebenso leise. Vorsichtig umfaßte er ihre Finger und drückte sie sanft. Mit einem schalkhaften Lächeln fügte er hinzu: "Und ich folge Euch, ob Ihr wollt oder nicht."

"Danke." Sie erinnerte sich, wie unerbittlich es beim ersten Mal geklungen hatte. Aber jetzt waren sie süßer als jedes zärtliche Wort...und angenehmer als die wütende, lauten Worte im Bett. Auch, wenn sie sich im Recht fühlte, sollte sie sich entschuldigen. Legolas war anders als sie und mochte es nicht so sehen. Sie fürchtete sich davor, noch einmal so etwas wie Wald zu erleben. Sie wollte nicht noch einmal sehen, wie er ihr aus Zorn den Rücken kehrte. Nervös knetete sie seine langen Finger und sah ihm schüchtern in die Augen. "Ähm...wegen heute morgen..."

"Hm?"

"Ich...ähm...", Asani seufzte geschlagen. Warum war es so schwer, sich zu entschuldigen? "Legolas...ich will...wißt Ihr...ich meine...also..."

Legolas legte den Kopf schief und wartete geduldig darauf, daß ihr Gestotter einen Sinn gab. Asani war inzwischen zum Weinen zumute. Sie war so feige. Brachte es nicht einmal fertig, eine Entschuldigung von sich zu geben. Er war aber auch ein Schuft. Kam ihr gar nicht entgegen!

Nun gut, wenn nicht mit Worten, dann vielleicht mit einer Tat? Sie blickte ihm in die Augen und holte zitternd Luft. Dann zog sie seine Hand zu sich und beugte sich etwas vor. Mit einem bittenden Blick näherte sich ihr Mund seinem. Unter gesenkten Lidern beobachtete er sie und wartete still. Seine Augen schlossen sich erst, als er diese schüchterne Berührung auf den Lippen spürte. Es war viel zu kurz, um als Kuß zu gelten. Daher stahl sich ein amüsiertes Lächeln über seine Lippen, als Asani sich danach in Windeseile wieder aufrichtete und mit beiden Händen nach den Zügeln griff. "Wir sehen uns in Perrigon."

Immer noch lächelnd nickte der Elbenprinz. Er trat einen Schritt zurück und Asani drückte ihre Fersen in die Seiten ihre Pferdes. Der regennasse Boden wirbelte keinen Staub auf, als sie durch das Tor preschte und sich immer mehr aus Legolas' Blick entfernte.

Ende des 16. Kapitels

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Ach, ach, ach, ach, ACH...was würde ich nicht alles geben, um so einen liebebedürftigen Elben beim Aufwachen neben bzw. auf mir zu entdecken als diesen kleinen Rotzbengel, der mich für seine Milchbar hält. Ich glaube, es ist wieder Zeit fürs Fläschchen...Entschuldigt, Leute.