Titel: Den Jäger erlegen

Autorin: Sleepy Tiger

Warnung: Went nuts....mwuahahahaha...*ähem* Verzeihung

Disclaimer: Lord of the Rings © by J.R.R. Tolkien

19. Kapitel: Elbenwald

Vor genau zwei Tagen hatte König Aragorn von Gondor die neuen Feiertage ausgerufen und seitdem herrschte auf den Straßen Perrigons viel Aufregung. Außer den ununterbrochenen Lieferungen aus der gesamten Region kamen Unterhaltungskünstler von überall her, um vor dem König bei dem abschließenden Festmahl zu spielen. Daher stand an jeder Straßenecke mindestens ein halbes Orchester oder eine ganze Akrobatengruppe. Aber die Basaren der Stadt hatten die Geschichtenerzähler zu ihrem Hoheitsgebiet erklärt. An den Brunnen, wo die Frauen ihre Wasser holten und Kinder gebadet wurden, und an eigens aufgebauten Ständen, an denen auch Tee und Gebäck serviert wurde, saßen diese Männer und Frauen und erzählten unermüdlich die Märchen, Legenden und Sagen Mittelerdes.

Namen wie Bruchtal, Elrond, Galadriel, Lothlorien und Sauron tauchten immer wieder auf. Aber es waren vor allem die Namen des tapferen Ringträgers und die seiner Gefährten, die die Erzählungen beherrschten. Außer von Frodo Beutlin und den anderen tapferen Hobbits, handelten die meisten Geschichten von ihrem König und seiner unendlichen Liebe zu der schönen Elbe Arwen Abendstern, seiner geliebten Königin. Natürlich.

Die Geschichten und Anekdoten über den mysteriösen Zauberer Gandalf den Grauen waren vor allem bei den Kindern beliebt. Und genauso gern gehört wurden auch die Epen über den starken Boromir, der bis zuletzt für Gondor kämpfte. Selbstverständlich erschienen auch die beiden Gefährten Gimli Gloins Sohn und Legolas Grünblatt. Ihre ungewöhnliche Freundschaft wurde zum Ideal erhoben und ihre Fähigkeiten, Orks zu töten, auf diesen Basaren zur Legende gemacht. Die Erzähler waren alle sehr begabt, denn die Menschen waren so gefesselt von ihren Worten, daß sie gar nicht merkten, wie diese zwei Helden gemütlich an ihnen vorbei schlenderten.

Mit einem milden Lächeln, das von einem amüsierten Grinsen abgelöst wurde, sah Gimli zu Legolas hoch. "Hast du das gehört, du schöner und unnahbarer Elbenprinz? Sogar hier wird von meinen Taten erzählt."

Legolas nickte lediglich lächelnd und suchte sich weiter einen Weg durch das bunte Getümmel des großen Marktplatzes. Es wäre ihm lieber gewesen, sie wären drum herum gegangen, aber die Wachen hatten ihnen versichert, daß man so am schnellsten zu den roten Laternen kam. Dem berüchtigten Vergnügungs- und Künstlerviertel Perrigons.

Dort in einem Gasthaus namens "Elbenwald" würde Asani sein. Legolas konnte es kaum erwarten, sie wiederzusehen. Es waren zwar nur wenige Tage vergangen, aber er vermißte sie. Vielleicht hätte er sich ab und zu hinlegen sollen, wie Gimli es ihm geraten hatte. Denn Zwerg hatte es etwas beunruhigend gefunden, daß Legolas seit der Nacht im Gasthaus bei den freundlichen Zwergen nicht mehr geschlafen hatte. Legolas hätte dann etwas Ruhe vor seiner Sehnsucht nach ihr gefunden. Aber beim Aufwachen hätte ihn die Frage gequält, wann sie kommen würde, um den Tag mit ihm zu beginnen. Nein, er konnte nicht ruhen, wenn nicht ihr Lächeln das Letzte war, das er vor seiner Nachtruhe sah. Und schon gar nicht, wenn er sich nicht sicher sein konnte, daß sie ihn am nächsten Morgen erwartete.

So blieb er lieber wach und arbeitete sich durch die Kolonnen von Zahlen und undurchsichtigen Geschäfte des Statthalters. Aber er konnte es nicht leugnen, mit jedem weiteren Blättern und Schreiben wuchs seine Sehnsucht nach ihr wuchs. Diese Unruhe war neu für ihn. Nicht einmal seine Familie hatte er bei seiner Mission mit Frodo und den anderen so schrecklich vermißt. Vielleicht lag es daran, daß er seine Familie damals sicher in Düsterwald wußte. Umgeben von Getreuen und beschützt von seinem Vater. Asani hingegen war praktisch allein in dieser Stadt, die von korruptem Statthalter und gefährlichen Sklavenhändlern regiert wurde.

Aber kaum, als Aragorn den Perrigoner die fünf Feiertagen verkündet hatte, wollte Legolas nur noch diese verfluchte Bibliothek verlassen und sich auf den Weg zu Asani machen. Dann würde er sie wenn nötig fesseln und knebeln, um sie nach Düsterwald zu bringen. Dort, wo sie sicher war und immer bei ihm sein konnte.

Aber die Pflicht als Freund und Verbündeter wog immer noch schwer auf seinen Schultern. Da der Haushalt des Statthalters etwas perplex auf die Ankündigung des Königs reagierte, mußten Legolas und Gimli auch hier mit anpacken, ehe alles reibungslos lief.

Nun jedoch spazierte er neben Gimli Gloins Sohn durch Perrigon...immer nach den roten Laternen Ausschau haltend, die das Gebiet des Vergnügungsviertels markierten. Allerdings brauchte dieses Viertel diese Laternen nicht wirklich. Schon vom weiten erkannte man es an seinen verwinkelten Gassen und den großen Schildern, auf denen Namen der Gasthäuser standen, die "Lustgarten" oder "Glücksschmied" hießen. Selbst am Tage herrschte in diesem Viertel reges Treiben. Frauen in bunten Kleidern flanierten dort und flirteten schamlos mit jedem Mann, die an ihnen vorbeigingen. Fliegende Händler boten nebst Haarbänder auch Kräutersäfte zur Stärkung der Manneskraft an. Schauspieler probten auf offener Straße, während neben ihnen Maler saßen, die über Farbmischungen diskutierten oder eine junge Frau zu überreden versuchten, für sie Modell zu stehen. Nackt und kostenfrei natürlich. Sänger trällerten beim Holzhacken oder beim Entleeren ihrer Nachttöpfe die Tonleiter herauf und hinunter und schrien zurück, wenn man ihre Kunst lautstark kritisierte.

Gerne hätten sich Legolas und Gimli weiter in diesem Viertel umgesehen oder wären bei einem der "öffentlichen" Theaterproben stehen geblieben. Aber sie suchten weiter nach dem Gasthaus namens "Elbenwald". Fragen nach diesem Haus wurde mit "einfach gerade aus" beantwortet. Aber wie geradeaus gehen, wenn die Straßen und Gassen krumm und verwinkelt waren?

Die Stadtmauern kamen bereits in Sicht, als Legolas sich fragte, ob es überhaupt ein Elbenwald bei den roten Laternen gab. Aber dann fiel sein Blick auf eine gediegene Villa ganz am Rande des bunten Treibens. Umgeben von sauber gestutzten Sträuchern und sorgfältig angelegten Blumenbeeten ragte dieses Gebäude direkt vor ihnen. Legolas konnte die saubere Gravur auf der Metallplakette, die gleich neben der Tür angebracht war, lesen. Das Haus schien anständig und edel zu sein, auch wenn es in einer etwas fragwürdigen Gegend stand. Kein schreiend buntes Schild warb um Kunden und die gesamte Fassade war dezent und sehr elegant.

Legolas hatte sich schon Sorgen gemacht, daß Asani in eins dieser zweifelhaften Häuser wohnte. Natürlich wußte er, daß sie sehr gut auf sich Acht geben konnte, aber es war ihm doch lieber, sie hier zu wissen. Ein erleichtertes Lächeln erhellte seine Züge und seine Schritte wurden beschwingter, als er auf dieses Haus zulief. Denn dort stand in großen, kunstvollen Lettern der Name des Hauses: Elbenwald.

Er hörte Gimlis Rufe, er solle gefälligst warten, in seiner Freude nicht und streckte die Hand aus, um nach dem Türklopfer zu greifen, als in diesem Moment die Tür aufging. Ein Junge mit kurzen blonden Haaren und großen braunen Augen sah ihn überrascht an. Er mochte allerhöchstens zwölf sein, war hochgewachsen und etwas zu dünn. Aber Legolas' geübtes Auge erkannte, daß dieser Junge sehr flink und geschickt sein mußte. Das Funkeln in den großen braunen Augen deutete auf einen schnellen und aufmerksamen Verstand. Er trug ein Döschen Politur und einen Lappen in der Hand. Wahrscheinlich wollte er den Glanz der Metallplakette ein wenig auffrischen. Mit einem freundlichen Lächeln verneigte der Junge sich vor ihnen. "Guten Tag. Kann ich Euch helfen, Herr Elb?"

"Wir hätten gern mit einer Eurer Gäste gesprochen", erwiderte Legolas ebenso freundlich. Gimli hatte ihn endlich eingeholt und blickte seinerseits diesen Jungen neugierig an.

Dieser lächelte gerade bedauernd. "Es tut mir fürchterlich leid, aber wir haben noch nicht geöffnet."

"Die Gasthäuser haben hier Öffnungszeiten?" fragte Gimli etwas befremdet. "Das hat Fräulein Asani aber nicht erwähnt."

"Asani?" wiederholte der blonde Junge erstaunt. Legolas hatte recht. Der Junge war aufmerksam und mit einen gutem Gehör gesegnet. Nicht jeder konnte verstehen, was ein Zwerg in seinen Bart brummte. "Die Herren suchen Fräulein Asani?"

"Genau die suchen wir", bestätigte der Elb. "Asani mo Ifrey."

Der Junge grinste auf einmal breit und verbeugte sich vor den Herrschaften. "In dem Fall steht Euch dieses Haus jederzeit offen." Schwungvoll öffnete er die Tür und bedeutete ihnen mit einer Geste, einzutreten. "Das Elbenwald heißt Euch herzlichst willkommen. Bitte folgt mir."

Der Junge führte sie in die Eingangshalle. Sie war nicht so groß und elegant wie im Palast des Statthalters, aber hier herrschte eine ruhigere und gesetztere Atmosphäre, wie Legolas fand. Die hohen Rundbogenfenster an den Seiten hatten kein buntes Glas und so schien die Sonne in ihrer reinsten Form in die Halle. Es gab hier kein kaltes Marmor in Überfluß, sondern hier dominierten mehr dunkle Hölzer und dicke, kostbare Teppiche an den Wänden oder auf dem Boden, die jeden noch so schweren Schritt dämpften. An der gegenüberliegenden Wand schmiegte sich eine geschwungene Treppe, die zu den oberen Stockwerken führte. Ihr Geländer war ein kunstvolles Arrangement aus Holzschnitzereien und schwarz lackiertem Stahl. Unter dieser Treppe gab es eine große Tür, die lediglich mit einem schweren Samtvorhang verhangen wurde.

Ein Mädchen, ganz offensichtlich eine Dienerin, da es ein Tablett in den Händen hielt, kam gerade die Stufen herunter. Der Elbenprinz hielt bei ihrem Anblick inne. Nicht daß sie eine außergewöhnliche Schönheit oder umgekehrt war. Nein, nur ihr Kleid erregte seine Aufmerksamkeit. Es war dunkelrot und der Schnitt kam ihm ziemlich bekannt vor. Es hatte ein eng geschnürtes Mieder und einen Ausschnitt, der einen großzügig Blick auf ihr zartes Dekolleté gestattete. Der Rock schmiegte sich nah an die Hüften, um die schmale Taille zu betonten, ehe er in weiten Falten bis zu den Knöcheln fiel. Bei jedem ihrer Schritte konnte man das sachte, sanfte Wiegen ihrer Hüften beobachten und der Rock betonte es verführerisch mit dem leichten Schwingen seiner Falten. Ja, er hatte schon einmal so ein Kleid gesehen. Aber es war schmutziger gewesen und da drinnen hatte eine Kriegerin aus dem Norden mit langen verfilzten Haaren gesteckt.

Legolas lächelte etwas. Hier waren sie richtig.

"Puni! Du sollst doch so früh keine Gäste hereinlassen", sagte das Mädchen streng, als sie die drei in der Eingangshalle bemerkte. "Das wird Herrn Oberon gar nicht gefallen."

Puni, so hieß wohl der blonde Junge, lächelte das Mädchen unbekümmert an und erwiderte: "Das geht schon in Ordnung, Nini. Die Herren wollen mit Fräulein Asani sprechen."

Die strenge Miene wich einem erstaunten Ausdruck und Nini blickte von Legolas zu Gimli und zurück. "Oh, so ist das. Soll ich ihr Bescheid sagen?"

"Ja, das wäre nett, Nini", gab Puni zurück und lächelte das ältere Mädchen wieder an. "Sagst du ihr auch, daß ich die Herren in den Wald bringe?"

"Ja, aber sicher doch!" rief Nini und stellte in aller Eile das Tablett auf die Stufen, ehe sie in Windeseile wieder hinauf rannte.

Puni wandte sich wieder an Legolas und Gimli und führte sie zu dem verhangenen Eingang. "Hier entlang, bitte. Fräulein Asani pflegt ihre Gäste in unserem Wald zu empfangen."

"Wald?" Gimli sah den Jungen ungläubig an. "Ihr habt ein Wald im Haus?"

Puni lächelte spitzbübisch und schob den schweren Vorhang zur Seite. "Es gibt einen Grund, warum unser Herr dieses Haus Elbenwald genannt hat."

"Ja, das glaube ich auch", murmelte Legolas stirnrunzelnd. Er sah aus, als würde er angestrengt lauschen. "Es klingt wirklich wie in einem Wald."

"Du solltest deine Ohren überprüfen lassen, Legolas", lachte Gimli und folgte mit dem Elben den Jungen, der sie durch einen sehr langen Gang führte, der wieder in einem verhangenen Ausgang endete. Auch diesen Vorhang schob der Junge beiseite und bedeutete den beiden mit einen Winken, einzutreten. Gimli spazierte an dem Elb vorbei in den Raum. Ein Wald im Haus? Sicherlich waren es nur einige Topfpflanzen mehr als üblich. Aber als er diesen "Wald" betrat, entglitten ihm sämtliche Gesichtszüge und aus seinem Mund kam nur: "Oh."

Sie hatten tatsächlich ein Wald im Haus. In diesem Raum wuchsen Bäume! Richtige Bäume. Es waren keine künstlich angelegten Pflanzen in großen Töpfen. Auch der Boden war sehr authentisch. Die Erde, auf der sie gingen, sah nicht so aus, als wäre er gestreut worden. Das Gras wuchs wild und nicht so geordnet wie es in den Gärten der Menschen üblich war. Pilze sprossen an und auf den Baumstämmen. Wildblumen gab es hier, auf denen Schmetterlinge träge das strahlende Sonnenlicht genossen. Gimli sah hoch, um nachzusehen, von wo soviel Licht kam.

Man hatte die Böden der anderen Stockwerke heraus gerissen, damit die Bäume sich ungehindert in die Höhe strecken konnten. Das ungeheuerlichste war jedoch das Dach. Es war vollkommen aus Glas. Damit war das Geheimnis des vielen Lichts gelöst und man hatte eine Vorstellung, wie groß dieser Raum war. Er war sehr groß. Beinahe so groß wie der Audienzsaal des Palastes des Statthalters, in dem immerhin 100 Würdenträger lustwandeln konnten.

Gimli entdeckte auch einen Mechanismus an der Wand, der es erlaubte, das Dach mit Hilfe von einigen Zahnrädern und Kurbeln zu öffnen. Wahrscheinlich für Regen oder frischen Wind. Im Sommer mußte es hier wunderschön sein, dachte sich Gimli, als es plötzlich in den Baumkronen über ihn zwitscherte und sich mit wenigen Flügelschlägen in die Luft erhob.

"Die haben hier sogar Vögel!" flüsterte Gimli ungläubig. Er blickte den jungen lächelnden Diener mit offenen Mund an und in diesem Moment hoppelte etwas mit braunen Fell an ihm vorbei. "Hasen!"

"Folgt bitte einfach dem Weg", sagte Puni freundlich und deuteten auf einen mit grauen Steinen ausgelegtem Weg, der durch die Bäume führte. Das einzige Zeichen, daß dieser Wald doch von Menschenhand angelegt wurde. "Fräulein Asani erwartete Euch an seinem Ende." Dann machte er kehrt und wollte wieder hinaus, aber dann rief er grinsend über die Schulter: "Und nicht den Weg verlassen, meine Herren. Im Wald lauern viele Gefahren."

"So lange es keine Orks sind", brummte Gimli und folgte Legolas über den besagten Weg.

"Gimli, das hier ist unglaublich", murmelte Legolas ehrfürchtig. Er strich über die Baumstämme und blickte durch die Baumkronen nach oben. Das Sonnenlicht spielte Verstecken mit den Blättern und ließ deren Ränder gelegentlich golden aufleuchten. Einer Eingebung folgend schloß er die Augen und ging zwischen den Bäumen daher. Er stolperte nicht einmal. Er stieß nirgends an.

"Legolas, was machst du da?" fragte Gimli etwas befremdet, der verwundert das Tun des Elben beobachtet hatte. Wie in Trance wandelte der junge Prinz daher und bewegte sich mit einer Sicherheit, als kannte er sich hier aus.

Legolas öffnete wieder die Augen und blickte kurz zu Gimli, ohne ihm jedoch zu antworten. Er war viel zu aufgewühlt. Der Grund, daß er sich so sicher zwischen diesen Bäumen bewegen konnte, war, daß er ihre Anordnung kannte. Sie war nämlich wie Zuhause in Düsterwald! Der Elb winkte Gimli zu sich und spazierte durch die vertraute und doch fremde Gegend. Wenn er sich nicht irrte, war dieser "Wald" einem besonderen Teil Düsterwalds nach gebaut worden.

"Legolas, wohin gehst du? Was ist los?" fragte Gimli zunehmend beunruhigt. Er folgte dem aufgeregtem Elben durch die Bäume und sah ein Rehkitz an ihm vorbei springen. Verwundert blieb sein Blick an diesem scheuen Tier haften. Erst Schmetterlinge, Vögel und Hasen und jetzt auch noch Rehe! Gab es hier auch Orks? Gimli machte einen Schritt zwischen die Bäume, um nachzusehen.

Legolas' Herz indes klopfte wild und sein Verstand meinte, einem bösen Scherz zum Opfer gefallen zu sein. Nach der dritten Buche war er abgebogen und an einigen blühenden Büschen vorbeigegangen...wie immer wenn er Zuhause durch den Wald streifte. Und da stand er nun. In einer kleineren Version breitete sich eine blühende Wiese vor seinen Augen aus. Die gleichen Blumen und Gräser. Auch hier waren die Bäume so angeordnet, daß die Sonne ungehindert darauf scheinen konnte. Einzig die Schatten des Rahmens, der das Glasdach festhielt, erinnerten Legolas daran, daß dies nicht der Spielplatz war, auf dem er und seine Geschwister getollt hatten. Der Besitzer des Hauses mußte schon einmal in Düsterwald gewesen sein. Obendrein war er ein Künstler. Dies war ein Elbenwald, denn es war Düsterwald.

Legolas wandte sich um, um das Gimli zu sagen, als er sich auf einmal alleine in diesem Wald wieder fand. Er sah sich verwirrt um sich. Wo war der Zwerg bloß hin? Er war ihm doch gefolgt. Er hatte seine schweren Schritte doch hinter sich gehört. "Gimli? Wo bist du? Gimli?"

"Na, na...was soll das?" fragte eine schläfrige Frauenstimme mürrisch zwischen den Bäumen. Legolas' Unterkiefer fiel herunter, als eine verschlafene Waldnymphe auf die Wiese stolperte und sich im Sonnenlicht räkelte, während sie gähnte und sich immer noch die Augen rieb. "Was ist hier los? Es ist doch noch viel zu früh!"

Langes Haar fiel in sanften, goldenen Wellen über ihren nackten Oberkörper bis zu ihrer schmalen Taille. Ihre sonnengeküßte Haut schimmerte wie Seide und zwischen den Locken lugten die rosige Brustspitzen hervor. Sie trug nichts außer einem grünen, dünnen, durchsichtigen und an den Seiten geschlitztem Rock, der von einem breiten Gürtel ganz tief in der Hüfte festgehalten wurde. Goldene Armreifen klirrten leise bei jeder Bewegung, während ein blauer Stein in ihrem Bauchnabel funkelte.

Sie blinzelte in die Sonne und blickte verwirrt um sich, bis sie ihn entdeckte. Große grüne Augen wurden vor Verwunderung aufgerissen. Sie schien ziemlich erstaunt zu sein, ihn hier zu sehen.

"Ein Elb...", flüsterte sie ehrfürchtig und betrachtete ihn mit leuchtenden Augen. Legolas mußte lächeln. Es war wirklich entzückend, wie Menschen bei dem Anblick eines Elben reagierten. Manchmal gerieten sie in Wut und fingen an zu fluchen, weil sie glaubte, Elben brächten nur Unglück und Elend. Manchmal jedoch gerieten sie in Panik und liefen davon. Und manchmal blieben sie sogar vor Schreck stehen. Aber ganz selten benahmen sie sich wie diese junge Frau.

Völlig unbefangen und neugierig kam sie auf ihn zu. Legolas blieb stehen, wo er war und ermutigte sie damit, sich ihm zu nähern. Vielleicht konnte sie ihm sagen, wo Asani war und wo dieser Zwerg sein konnte. Ihre Augen verließen nie sein Gesicht und pure Freude ließ sich in den grünen Augen ablesen.

"Du bist wirklich ein Elb, oder?" flüsterte sie, als hätte sie Angst, daß er ihr entwischen konnte. Wie gesagt, Menschen waren manchmal so entzückend.

"Ja, das bin ich", erwiderte er lachend.

"Oh, wie schön!" Mit einem Freudenschrei warf sie sich ihm an den Hals. Überrascht taumelte Legolas zurück und prallte gegen einen Baumstamm. Er hielt das Mädchen dabei fest, die sein Gesicht mit Küssen bedeckte und ihr Gewicht auf ihn verlagerte.

"Wartet!" rief er halb lachend halb entsetzt. Soviel Freude hatte er nun doch nicht erwartet.

"Bevor ich es vergesse", wisperte sie weich, während ihr üppiger Busen sich an ihn drückte und ihre katzenhaft grünen Augen ihn mit einem Hunger verschlangen, der Legolas an ein Raubtier denken ließ. "Ich bin Lucille."

Er wollte sagen: "Angenehm, Lucille. Bitte laßt mich los." Aber Lucille schmiegte sich an ihm und küßte ihn voll auf dem Mund. Als er sein Gesicht wegdrehte, verlagerte sie ihre leidenschaftlichen Küsse auf eine andere Stelle. Gierig koste sie sein Kinn, seinen Hals und seine Brust. Verwundert sah er hinunter und bemerkte, daß sie ihn unbemerkt entkleidet hatte.

"Nein, deswegen bin ich nicht hier!" rief er und hielt sie schnell fest.

"Es wird dich nichts kosten", schnurrte sie verführerisch und ließ den Gürtel ins Gras fallen, den er noch vor einigen Sekunden um die Taille getragen hatte. "Für dich mache ich absolut kostenlos..."

"Kostenlos?" wiederholte Legolas etwas verwirrt und reagierte einen Takt zu spät, als sie ihn mit einem groben Schubs zu Boden warf. Er konnte zwar ihre Hände festhalten. Aber es hinderte sie nicht daran, sich direkt auf sein Geschlecht zu setzen. Keuchend ließ er ihre Hände los und hob sie von sich hoch, um sie auf eine weniger empfindlichen Stelle zu setzen. Aber nun hatte sie die Gelegenheit seine Sachen von seinen Schultern zu schieben und zu zerren. Diese Lucille hatte ihre Hände überall! "Was wird mich nichts kosten?"

"Na, du weißt schon", gurrte sie zärtlich in sein Ohr, während sie entzückt über seinen entblößten Oberkörper strich. Wieder fing er ihre vorwitzigen Hände ein und achtete sorgsam darauf, daß sie sich nicht wieder auf seine Männlichkeit niederließ. Allerdings machte sie diesmal etwas ganz anderes. Sie legte sich einfach auf ihn hin.

Sie warf das lange Haar zurück und bald lag sie Haut an Haut auf ihn. Ihre grünen Augen leuchtete verheißungsvoll, als sie fortfuhr. "Etwas Freude und Entspannung...Liebe."

Legolas hob die Brauen und schüttelte angewidert den Kopf. Das können sich auch wirklich nur Menschen ausdenken. Sie verkauften wirklich alles. Sogar sich selbst. Sanft, aber kein Widerspruch duldend, schob er sie von sich und hielt sie auf Distanz, während er seine Sachen wieder schloß. "Dafür zahlt man nicht und ich werde Eure...Dienste auch nicht in Anspruch nehmen. Kostenfrei oder nicht."

"Aber weswegen bist du dann hier, schöner Elb?" fragte sie schmollend und griff wieder nach seiner Jacke. "Was soll man denn sonst in einem Bordell?"

"Ein Bordell?" Legolas sah sie mit großen Augen an. "Das hier ist ein Bordell?" Asani war in einem Bordell abgestiegen? Was machte sie hier? Doch nicht etwa das Gleiche wie Lucille, oder?

Diese nutzte gerade seinen Schock schamlos aus und zog ihm die grüne Jacke wieder von den Schultern. "Ja, das beste und exklusivste weit und breit. Männer und Frauen sind hier gleichermaßen willkommen. Wir sind diskret und sehr erfahren, daher das viele Geld und die kostbaren Geschenke wert. - Aber für dich, meiner schöner Elb, kostet dich das hier nicht einen Kupferling."

Mit einem geübten Handgriff riß sie ihm das Hemd wieder auf und warf sich ihm mit viel Enthusiasmus entgegen. Ihre zarten Arme lagen um seinen Hals und drückten sein Gesicht an ihren weichen Busen, während sie sich mit einem Sprung auf seinen Schoß setzte.

Legolas befreite sich vorsichtig aus ihrer Umarmung. So aufdringlich und unverschämt sie auch war, er wollte ihr nicht wehtun. Er packte sie an den Schultern und hielt sie eine Armlänge von sich. "Deswegen bin ich nicht hier." Er unterstrich jedes seiner Worte mit einem kleinen Schütteln, damit sie ihn aufmerksam zuhörte.

Sie schien verstanden zu haben, denn sie verzog ihren schönen Mund zu einer Schnute und ihre hohe, glatte Stirn runzelte sich. Sie verschränkte ihre Arme unter dem Busen und blickte ihn schmollend an. "Was willst du dann hier?"

Als sie ruhig sitzenblieb und ihre Hände bei sich behielt, ließ er sie wieder los. "Ich suche jemanden. Ihr Name ist Asani."

Sie verharrte völlig starr auf ihm und schien durch ihn hindurch zu blicken. Aber dann atmete sie tief ein und ihre Hände krallten sich in seine Sachen. "Asani? Du suchst Asani? Die Ifrey?"

"Ganz genau." Legolas seufzte. Diese Frau zerfetzte seine Sachen. Vorsichtig löste er ihre Finger aus seinem Hemd. Er wollte dieses Haus mit einem intakten Hemd verlassen.

Lucille schrie entsetzt auf. Wieder schlang sie ihre Arme um ihn und sein Gesicht wurde erneut an ihren nackten Busen gedrückt. "Oh, mein schöner Elb, was hast du bloß angestellt?"

"Verzeiht, ich verstehe nicht." Wieder hielt er sie an den Armen fest und drückte sie von sich. Vielleicht sollte er sie hier absetzen und gehen. Aber da hielt sie sein Gesicht mit beiden Händen fest und zu seinem grenzenlosen Erstaunen sah er Tränen und Panik in ihren schönen Augen.

"Diese Asani ist kein Freudenmädchen, mein schöner Elb", flüsterte sie schluchzend. "Asani ist so ein gemeines Biest. Sie lockt die gesuchten Männer herein, um sie hier erlegen."

Legolas sah sie fragend an. Für so eine junge Person redete sie ziemlich verworren. "Erlegen?"

"Sieh dich um!" rief sie leise und streckte dabei die Arme weit von sich. "Das ist ein Wald. Und in Wäldern pflegt man zu jagen. Asani ist der Jäger und du, mein Elb, bist ihre Beute! Und wenn sie dich hat, verschnürt sie dich ein wie ein Rindvieh und kassiert das Kopfgeld ein.- Verstehst du? Sie ist eine Kopfgeldjägerin!" Sie stand auf und packte seine Hand. Erfolglos versuchte sie ihn hochzuziehen. "Bitte, du muß dich verstecken!"

Er seufzte geschlagen und packte das Mädchen am Handgelenk. Sanft zog er sie zurück und hielt sie tröstend in den Armen, als sie anfing, bitterlich zu weinen. "Keine Sorge. Ich bin mir sicher, daß Asani mir nichts antun wird."

"Doch, das wird sie!" jammerte Lucille und hielt ihm fest umklammert. "Erst schlägt sie dich blau und grün und dann rasiert sie dir deinen Schädel, um dein wundervolles Haar zu verkaufen! Sie ist gemein!"

"Nein, Asani ist nicht gemein", erwiderte er sanft und klopfte dem Mädchen auf den Rücken, während er gleichzeitig versuchte, ihre Umklammerung zu lösen. "So etwas macht sie nicht."

"Du kennst sie nicht!" schrie Lucille und hämmerte mit ihrer kleinen Faust gegen seine Brust. "Sie ist so eine kleine, gemeine, absolut böse..."

Legolas legte die Hand über ihren Mund und unterbrach damit ihre Beschreibung von Asani, als er eine Welle vor Zorn auf sich zu kommen spürte. Sie war ganz plötzlich da und schreckte ihn ziemlich auf. Beschützend drückte er Lucille an sich, während er sich nach einer möglichen Gefahrenquelle umsah. Als er keine erkannte, blickte er hinunter in Lucilles große grüne Augen, die ihn verwirrt ansahen. Beruhigend strich er über ihren Kopf und wollte ihr einige tröstenden Worte sagen, um ihr die Angst zu nehmen, als er dieses verräterisch Blitzen von Stahl zwischen den Bäumen sah...und es kam direkt auf sie zu! Ihm gingen die Augen über, als er sah, was auf ihn so blitzend und gefährlich auf ihn zu geschossen kam. Ein Schwert!

Er drückte Lucilles Kopf an die Brust und warf sich mit ihr flach auf den Boden, während das Schwert sich mit hohlen, lauten Klingen in einen Baumstamm hinter ihn bohrte. Ein Zittern ging durch den Baum, das bis hinauf ins Blätterdach reichte. Die Vögel, die auf den dünnen Ästen gesessen hatten, flatterten hysterisch zwitschernd davon.

Lucille schrie und klammerte sich schutzsuchend an Legolas, der sich dieses Schwert genauer ansah. Das Schwert war aus Mithril und im oberen Drittel waren zwei Lilien eingraviert. Die Verschnörkelungen und Darstellung der Blumen waren elbischen Ursprungs. Der Griff war ganz simpel mit einem dunklen Band verbunden. Es war Asanis Schwert.

Legolas sprang auf die Beine...zumindest versuchte er es, denn mit einer wimmernden und klammernden Lucille war es etwas schwer. So setzte er sich nur auf und blickte sich um. Wo dieses Schwert war, da war auch Asani nicht weit. Und er hatte recht. Sie stand direkt vor ihm. Inmitten der Wildblumen und den saftigen Gras stand sie mit verschränkten Armen und unbewegtem Gesicht da. "Störe ich?"

Ende des 19. Kapitels

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Ich hätte auch gern ein Wald im Haus...so mit eigenem Ökosystem und Elben und so. Naja, wie auch immer...Hier ist also das Wiedersehen von Asani und Legolas...leider nicht so süß und romantisch und voller Liebe, wie ich es vorhatte...aber so ist es ja auch nicht schlecht, ODER????

Aber jetzt zu etwas wichtigem: Liebe Amleth...ich beantworte immer nette Frage bezüglich meiner Wenigkeit. Fragen nach der Geschichte werden mit der Geschichte beantwortet, verstanden? Also, ich bin leider nicht aus dem schönen Österreich, sondern weiter nördlich. Jupp, Deutschland...

Und Sarah!!!!...Schätzchen! Immer mit der Ruhe. Ich mache ja schon so schnell ich kann. ^_^;

Euch beiden und allen anderen meinen tiefsten Dank für eure aufmunternden, liebevollen und unterstützende Reviews...fühlt euch bitte bis zur Ohnmacht an mein glückliches Herz gedrückt und zu Tode geknutscht ^_________^