*Sleepy Tiger reicht völlig entsetzt Cuilcalad ein Packen Taschentücher* Hey, cool bleiben...wenn du anfängst du heulen, muß ich dann auch mitheulen und dann seh ich nichts und kann nicht mehr weiterschreiben. *nimmt Cuilcalad die Taschentücher weg, weil sie jetzt selbst welche braucht* Sieht du?
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Titel: Den Jäger erlegen
Autorin: Sleepy "Logik? Was soll das sein?" Tiger
Warnung: Lieben wir nicht alle unsere Verwandten?
Disclaimer: Lord of the Rings © by J.R.R. Tolkien
21. Kapitel: Der Bordellvater
(nein, nicht Puff Daddy)
"Oberon Temonis? Mein lieber Junge, das bin ich", sagte der Elb im Wasser.
Legolas war erstaunt, wie gelassen er das Geständnis hinnahm. Im Nachhinein mußte er beinahe lachen. Es war einleuchtend gewesen, daß dieses Haus nur einem Elben gehören konnte. Wer sonst hätte Düsterwald so detailgetreu nachbauen können? Aber ein Elb als Bordellvater?!? Das klang für Legolas etwas ungeheuerlich.
"Nun?" fragte Oberon lächelnd und näherte sich dem Beckenrand. "Darf ich erfahren, wer du bist?"
Legolas blieb stumm und beobachtete jede einzelne Bewegung, die Oberon Temonis machte. Elegant und mühelos stieg er aus dem Wasser, bis er in all seiner nackten Glorie vor ihm stand. Der Elbenprinz konnte seine Augen nicht von diesem Elben lassen...irgendwie hatte dieser Elb Ähnlichkeiten mit Asani. Nicht im Körperbau. Nicht im Gesicht. Nicht in Haar- und Augenfarbe. Im Wesen wahrscheinlich auch nicht. Aber Oberon warf das Haar zurück wie sie. Er legte den Kopf schief wie sie. Und dann dieses kleine amüsierte Lächeln, das kaum einer sah. Waren ihre Augenbrauen nicht genauso geschwungen wie die von Oberon Temonis?
"Hat dir meine Schönheit die Sprache verschlagen oder bist du nur einfach unhöflich?" fragte Oberon lachend.
"Verzeiht bitte, Herr Temonis", stotterte Legolas verlegen und bemerkte endlich, daß er seit geraumer Zeit einen nackten Elben angestarrt hatte. Für Elben war ein nackter Körper das Natürlichste auf Erden. Aber so wie Legolas in angestarrt hatte, konnte man das auch anders interpretieren. Er senkte den Blick, als er sich knapp verbeugte. "Es war nicht meine Absicht, Euch so anzustarren, Herr Temonis."
"Ah, nicht so förmlich", winkte Oberon ab und schlenderte auf den Elbenprinzen zu. "Sieh mich ruhig an...denn ich habe vor, das gleiche mit dir zu tun."
Legolas wollte zurücktreten, als Oberon mit den Fingerspitzen über seinen hohen Kragen strich und schnappte statt dessen überrascht nach Luft, als Oberon ihn am Nacken packte und zu sich zog. Der Elb sah nicht nur aus wie ein Krieger. Er bewegte sich und war so stark wie einer. Die klare blaue Augen hielten seinen Blick gefangen. Legolas dachte jedoch an schwarze. Genauso sah ihn Asani manchmal an. Genauer gesagt, hatte sie ihn nur einmal so angesehen: in der Nacht im Zwergengasthaus, als sie ihn geküßt hatte.
"Es ist schon lange her, als ich einen Elben in meinen Armen gehalten habe", flüsterte Oberon in sein Ohr. "Aber noch nie einen so schönen wie dich."
Legolas wich nicht einen Zoll zurück. Er konnte es nicht. Es war, als würde ihn Asani ansehen. Oberons Wimpern waren so lang und dicht wie ihre. Es war das gleiche mutwillige Funkeln in den blauen Augen, das er seit der Nacht im Gasthaus vermißt hatte. Dennoch sträubte sich alles in ihm, dieser Verführung nachzugeben. Es war nicht ihre Hand in seinen Haaren. Nicht der weiche Busen, der sich an seine Brust drückte. Nicht der gleiche Blumenduft, der ihn jedes Mal so betörte.
"Oberon!"
Legolas fuhr herum und sah Asani in der Tür stehen. Schuldbewußt entfernte er sich von Oberon Temonis, der Asani wütend anfauchte: "Du sollst mich doch bei sowas nicht stören!"
Asani schien noch etwas sagen zu wollen, aber ihr Blick blieb an Oberons nackten Körper hängen. Legolas wollte ihr sagen, daß sie sich gefälligst abwenden soll, denn sie sah für seinen Geschmack Oberon Temonis viel zu lange an. Zufällig kreuzte ihr Blick den extrem unterkühlten von Legolas und das brachte ihr zur Bewußtsein, was sie da tat. Sie hielt sich die Augen zu und rief empört: "Himmel, Oberon! Zieh dir was an!"
"Was?" Oberon klang sehr beleidigt und schmollte tatsächlich, als Asani sich auch noch wegdrehte. "Was ist an mir auszusetzen?"
"Oh nein, jetzt werde ich auch noch blind", stöhnte Gimli, als er hinter Asani auftauchte, um zu sehen, was los war. Entsetzt hielt er sich mit beiden Händen die Augen zu. "Ein nackter Elb! Mir fallen gleich die Barthaare aus."
"Ist das zu fassen?" fragte Oberon Legolas indigniert. "So werde ich in meinem eigenen Haus behandelt. Dann auch noch von einem Zwerg."
"Der Zwerg hat einen Namen und der ist Gimli Gloins Sohn", knurrte Gimli mit zugekniffenen Augen.
"Angenehm, Gloins Balg", flötete Oberon zurück.
"Sohn!" knurrte Gimli wütend...ja, immer noch mit geschlossenen Augen.
Oberon zuckte mit den Schultern und schlenderte zur Tür. "Wie auch immer." Als er bei Asani ankam, schnalzte er mißbilligend mit der Zunge. "Oh Asani, du trägst das Mieder schon wieder viel zu hoch."
Legolas wurde ganz hellhörig bei diesen Worten. Ungläubig beobachtete er, wie Oberon das dunkelrote Oberteil von Asani tiefer zog und mit den Händen ihr Dekolleté in die gewünschte Form brachte. Asani sah den Elben schmollend an und murrte: "So erkälte ich mich aber."
"Erzähl mir nicht solche Märchen", erwiderte Oberon. Legolas' Braue ging ganz langsam in die Höhe, als der Bordellvater einen Arm um ihre Taille legte und sie auf den Mund Küßte. Warum wehrte sie sich nicht? Warum spukte sie nicht Gift wie gewöhnlich?
"Hol mir bitte ein Handtuch, Liebes", bat Oberon und blickte verstohlen über die Schulter. Ein unergründlicher Blick lag in den blauen Augen, als er in Legolas' versteinertes Gesicht sah. Ein geheimnisvolles Lächeln hob die Mundwinkel. Oberons Arm glitt von Asanis Taille und seine Hand strich bedächtig über ihr Hinterteil. Dann gab er ihr noch einen Klaps und schob sie in Richtung Schlafzimmer. Legolas sah sich vor der Wahl gestellt, Asani oder Oberon zu erwürgen. Oberon drehte gerade Gimli herum und sprach in sein Ohr, als wäre der Zwerg taub: "Geh einfach gerade aus, Gloins Balg."
"SOHN, DU ELB!!!"
"Wie auch immer." Oberon zwinkerte Legolas verschwörerisch zu, als er das Handtuch von Asani in Empfang nahm. Als er sich abgetrocknet hatte, bekam er gleich Hemd und Hose ins Gesicht geworfen. Mit einem tadelnden Blick auf Asani zog sich der elbische Bordellvater an. "So, ich hoffe, ich beleidige keine jungfräulichen Augen mehr."
Asani tippte Gimli an, der sich immer noch mißtrauisch die Augen verdeckt hielt. Auch dann blinzelte er erst eines offen und als er sicher war, daß Oberon ganz angezogen war, entspannte er sich. Oberon deutete auf einen Tisch in der Ecke und bot allen Platz an. Gimli setzte sich vorsichtshalber zwischen Asani und Legolas, während Oberon damit beschäftigt war, eine Karaffe Wein und Gläser zu holen. Als er alles auf dem Tisch stellte, sah er Legolas lächelnd an: "Der Zwerg hat sich nun vorgestellt und wie ist nun dein Name, mein Junge?"
Legolas erhob sich und verneigte sich höflich, als er sich vorstellte. "Verzeiht, Herr Temonis. Ich bin Legolas Grünblatt von Düsterwald."
Einen Moment lang glaubten alle, Oberon wäre versteinert. Regungslos verharrte der Elb mitten in der Bewegung und starrte Legolas an...eigentlich sah er durch den jungen Prinzen hindurch. Plötzlich schoß er vor und nahm Legolas' Gesicht in beide Hände. "Legolas Grünblatt? Thranduils Thronerbe?"
"Ja...wieso?" Oberon war wirklich sehr stark. Legolas konnte seinen Kopf nicht bewegen.
"Der kleine Legolas? Legolein? Mein kleiner Legolein?" Oberon strahlte über das ganze Gesicht und kniff dem Prinzen in die Wangen. "Nein, wie herrlich!"
"Legolein?" wiederholte Gimli grinsend und atmete tief ein, um nicht laut aufzulachen.
"Kennt ihr euch?" fragte Asani neugierig.
"Aber natürlich!" rief Oberon lachend und drückte Legolas wie einen verlorenen Sohn an sich. "Ich war doch bei seiner Geburt dabei gewesen. Ich habe ihn in meinen Wams eingewickelt und in den Armen seiner Mutter gelegt, als sein Vater in Bruchtal gewesen war. - Übrigens seht Ihr Thranduil gar nicht ähnlich. Habt Ihr aber ein Glück."
"Oberon, hör auf über seinen Vater zu lästern!" zischte Asani erschrocken.
Oberon ignorierte den empörten Einspruch und fuhr heiter fort: "Der kleine Legolein hat so fürchterlich geweint, als ich Düsterwald verlassen habe."
"Nein, wie süß", meinte Gimli böse grinsend. "Er hat geweint."
"Gimli..." Legolas versuchte so weit wie möglich den Kopf zu dem Zwerg zu drehen, denn Oberon schien seinen kleinen "Legolein" nicht mehr loslassen zu wollen.
"Ja! Und wer hätte gedacht, daß aus dem kleinen Pummelchen mal so ein stattlicher Elb wird!" Oberon schlug mit der Faust sanft gegen Legolas' harte Brust und flachen Bauch.
"Pummelchen?" wiederholten Asani und Gimli gleichzeitig und sahen Legolas von Kopf bis Fuß an. Nicht, aber auch wirklich gar nichts an ihm hätte sie vermuten lassen, daß dieser schlanke, hochgewachsener und flinke Elb jemals ein "Pummelchen" gewesen war.
"Seine Mutter hatte sich Sorgen gemacht, daß er so bleibt", plauderte Oberon weiter und legte nun einen Arm um Legolas' Schultern. Er grinste den Elbenprinzen an und zwickte ihn wieder in die Wange. "Aber die Sorge war ja ganz unnötig. - "Ich glaube, Ihr seht besser aus als Elrond."
Dann ließ er Legolas los und drückte Asani an sich. "Ich bin so stolz auf, Asani. Thranduils Sohn als Waffenbruder. Du wirst es noch weit bringen, mein kleiner Schatz." Dann herzte er sie überschwenglich und wieder machte sie nichts dagegen. Das Rollen ihre Augen zählte für Legolas nicht.
"Dafür kann ich nichts!" verteidigte sich Asani und seufzte geschlagen, als Oberon seine Nase in ihrem Haar rieb. "Goleyn hat das angeordnet."
"Goleyn wußte schon immer, was für seinen Clan gut ist", gab Oberon zur Antwort und küßte sie lange auf den Mund. Dann blickte über ihre Schulter hinweg zu Legolas, der das Ganze erstaunlich ruhig beobachtete. Er mußte sich zwar bemühen, gleichmäßig zu atmen und sich beherrschen, Asani nicht aus den Armen dieses Elben zu reißen. Aber im Großen und Ganzen nahm er die Zärtlichkeiten zwischen den beiden recht gelassen hin. Die blauen Augen Oberons funkelten geheimnisvoll und ein kleines Grinsen schlich sich auf diese sinnlichen Lippen, als er mit samtweicher Stimme zu dem anderen Elben sagte: "Wer hätte gedacht, daß eine meiner Nachfahren mit Thranduils Söhnen eine Bruderschaft eingeht."
Stille...
"Ihr seid verwandt?" platzte Gimli entsetzt heraus und zeigte voller Ungläubigkeit auf Oberon. "MIT DEM DA???"
"Dafür kann ich nun wirklich nichts", murrte Asani an Oberons Schulter. Sie schob ihren Urururgroßvater von sich und entdeckte Legolas kreidebleich auf seinem Stuhl sitzend. Er atmete ziemlich heftig ein und aus und er schien wirklich schockiert zu sein. Sie blickte ihn besorgt an. "Wirklich nicht..."
"Es ist nichts verwerfliches daran, einen Elben in der Ahnenreihe zu haben", bemerkte Oberon indigniert, der sich an seine Pflichten als Gastgeber erinnerte. Er goß jedem ein Glas Wein ein, ehe er sich den drei gegenüber hinsetzte. Legolas trank sein Glas sofort aus. Er rieb sich mit der Hand übers Gesicht und blickte Oberon zwischen den Fingern mit weit aufgerissenen Augen stumm an. Der andere Elb lächelte fein zurück.
"Geht es Euch gut?" fragte Asani ängstlich.
Legolas' Kopf fuhr zu ihr herum und er nickte nur. Er konnte nicht ein Wort sagen. Vor nicht allzu lange hatte er sich über ihre Eifersucht amüsiert. Aber dieses Gefühl an seinen eigenen Eingeweiden fressen zu spüren, behagte ihm ganz und gar nicht. Oberon goß ihm noch ein Glas ein und diesmal war das Lächeln weder spöttisch noch geheimnisvoll, sondern eher freundlich. Der Elbenprinz nickte knapp und spülte den letzten bitteren Nachgeschmack dieses Gefühls hinunter. Asani versuchte hingegen Gimli zu beruhigen.
"Aber ich habe auch einen Zwerg in meiner Ahnenreihe", sagte Asani kleinlaut zu Gimli, der Oberon immer noch mit einer Mischung aus Widerwillen und schierem Entsetzen ansah. Der Zwerg wandte sich ihr zu und tätschelte tröstend ihre Hand. Sein gütiges Lächeln versicherte ihr sein vollstes Verständnis und tiefstes Mitgefühl für diese Verwandtschaft.
"Ja, Zwerge sind nicht zu verachten", meinte Oberon schnurrend. "Die kommen an Stellen...unglaublich..."
"Was für Stellen?" wollte Gimli verwirrt wissen.
Oberons Antwort war ein so anzügliches und lüsternes Grinsen, daß es keine Zweifel darüber gab, welche Stellen er meinte. Asanis Stirn drohte auf die Tischplatte zu fallen, während Legolas die Lippen zusammenpreßte und woanders hinsah. Gimli sah den Bordellvater fassungslos an und einer seiner buschigen Brauen zuckte verdächtig. Asani war sich sicher, daß der Zwerg Oberon in zwei Teile gehauen hätte, wenn er seine Axt dabei gehabt hätte.
"Oberon, bitte!" flehte sie leise.
"Ich kann einfach nicht widerstehen!" gestand Oberon schamlos. "Ich muß einen Zwerg ärgern, wenn ich einen vor mir habe. - Was bringst du mir auch so ein leicht erregbares Exemplar mit?"
"Gimli Gloins Sohn gehört zu der Gruppe, die mit dem König gemeinsam die Morde an den beiden Adjutanten untersucht", erklärte Asani nach einem langen Seufzer der Resignation. "Deswegen ist er hier."
"Tatsächlich?" Oberon schaute skeptisch drein. "Ich habe Gloins Blag aber nicht einmal auf der Straße gesehen."
"Weil ich, Gimli Gloins SOHN, zufällig im Palast zu tun hatte", antwortete der Zwerg gefährlich ruhig.
"Und was war so wichtig, daß Ihr meine kleine Asani alleine durch Perrigon rennen ließ?" wollet Oberon wissen und blickte den Zwerg unversöhnlich an.
"Die Bücher des Statthalters", erwiderte Legolas an Stelle von Gimli, der ganz rot vor Wut war. Oberon wandte sich dem Prinzen zu und sein Gesichtsausdruck wurde milder. Legolas erzählte von den ziemlich konfus geführten Büchern, von den Berichten der Ritter Gondors und von Aragorns weitere Vorgehensweise.
"Ach, der König hat nicht die Feiertage ausgerufen, weil er die Mörder gefunden hat?" Oberon schien ziemlich enttäuscht zu sein und leerte sein Glas in einem Zug.
"Leider nicht", gestand Legolas. "Der König hat viel damit zu tun, um Kerrigan der Korruption zu überführen. Es wird ein schweres Unterfangen, da wir nicht wissen, wie skrupellos der junge Lord sein kann. Schließlich sind zwei Adjutanten Seiner Majestät ermordet worden, weil sie sich nach fehlenden Beerdigungen erkundigt haben."
"Der junge Statthalter?" Oberon lachte amüsiert auf. "Dieser kleine Junge? Das würde mich doch sehr wundern."
"Warum?"
"Kerrigan IV. ist seinem Vater in nichts ähnlich. Selbst jetzt lenkt ihn immer noch sein Vater. Außerdem hat er die Berater für seinen Sohn ausgesucht und daher er hat auch sie unter seiner Fuchtel. Nichts entgeht dem alten Lord." In Oberons Stimme schwang sehr viel Respekt mit, als er von Lord Kerrigan III. sprach. "Wenn Ihr nach einem Schuldigen sucht, dann nicht der Statthalter. Vielleicht ein zweiter Mann, der seinen Wunsch nach Unabhängigkeit von seinem Vater benutzt, um ihn zu lenken."
"Und wer könnte es sein?" Legolas blickte den anderen Elben direkt an. "Dies ist Eure Stadt, Herr Temonis. Gibt es hier einen, der gerne die Macht an sich reißen möchte?"
Oberon schien zu überlegen. "Ihr meint außer mir?"
Asani stöhnte abgrundtief und Gimli verdrehte die Augen bei diesem blöden Scherz. Aber Legolas lächelte jedoch leicht. Er stieg sogar darauf ein. "Wer könnte Eurer Konkurrent sein?"
Der andere Elb schmunzelte. "Nun, da wäre natürlich der alte Lord, der es immer noch nicht verkraftet hat, daß er wegen Krankheit in den Ruhestand gehen mußte. Aber dann wäre noch eine viel gefährlichere Kraft in Perrigon zu erwähnen: der Sklavenhändler."
"Der Sklavenhändler?" wiederholte Legolas erstaunt. "Nur einer?"
"Es gibt nur noch einen", erklärte Oberon. "Der Sklavenmarkt wurde ungefähr vor vier Jahren monopolisiert. Man erzählt sich von einem großen Händler...einem großen unbekannten Händler. Er tauchte aus dem Nichts auf und schaltete im Stillen seine Konkurrenten aus. Ein Händler wurde vergiftet. Man dachte es sei ein Eifersuchtsdrama, da er seine Frau sehr oft betrogen hatte. Der nächste erstickte an einer Fischgräte. Aber niemand erinnerte sich, daß der Mann eigentlich keinen Fisch mochte. Der Dritte sprang von einem Turm. Auch da fragte niemand, ob etwas verkehrt war, denn dieser Sklavenhändler litt an Höhenangst."
"Vielleicht wollte jemand nur die Sklaven befreien und hat daher die Sklavenhändler getötet", gab Gimli zu bedenken.
"Nein", antwortete Legolas ruhig. "Dann würde man es nicht als Unfall aussehen lassen. Man würde diese Leute anprangern."
"Ganz genau", Oberon lächelte Legolas stolz an. "Außerdem lief das Geschäft wie bisher."
"Eigentlich noch besser", warf Asani ein. "Ein Handwerker erzählte mir, daß er dadurch reich geworden war, weil er an einem unbekannten Abnehmer große Holzkisten mit Luftlöchern und eisernen Beschlägen verkaufte. Die Kisten sind so groß, daß drei Leute da drinnen Platz haben und sie mußten immer an den Hafen geliefert werden."
Gimli kratzte sich am Kopf, als er sich an Asani wandte und fragte: "Wann hat er angefangen, diese Kisten zu bauen?"
"Vor vier Jahren...glaube ich."
"Ja, das könnte unser Mann sein." Gimli sah zu Legolas und dieser nickte zustimmend. Schnell erzählte der Zwerg den beiden anderen, daß sich die Zahlen in den Rechnungsbüchern des Statthalters seit vier Jahren nicht mehr verändert hatte.
"Wahrscheinlich hält er sich auch in der unmittelbaren Nähe des Statthalters auf", meinte Oberon. "Nein, er muß sich dort aufhalten, sonst könnte er nicht mehr Druck als der alte Lord auf den Jungen ausüben."
"Aber du hast doch gesagt, daß alle Berater von Kerrigan senior ausgesucht wurden", warf Asani ein.
"Im Palast wimmelt es doch nicht nur von Beratern."
"Im Palast?" Legolas runzelte skeptisch die Stirn. Er sah zu Gimli hinüber. "Wie es aussieht, müssen wir uns unter den Hofstaat mischen, Gimli."
"Aber jetzt ich bin zu müde, um einen unsichtbaren Schurken durch die Gänge des Palastes nachzuhetzen", gestand Gimli seufzend. "Können wir uns nicht für diese Nacht ausruhen, Legolas?"
"Aber ja doch", erwiderte Legolas milde lächelnd. Er erhob sich und verneigte sich vor Oberon. "Wir danken Euch für Eure Gastfreundschaft, Herr Temonis. Aber es ist tatsächlich an der Zeit, daß wir uns verabschieden."
"Bleibt doch hier! Ruht Euch hier aus", schlug Oberon vor. "Mein Haus steht Euch jederzeit offen."
Gimli sah völlig entsetzt aus, als Oberon das sagte, aber Legolas nickte erfreut. "Sehr gern, Herr Temonis."
Gimli versuchte dem Elbenprinzen mit einem Blick zu verstehen zu geben, daß er unter gar keinen Umständen eine Minute länger in der Gesellschaft dieses Bordellvaters verbringen möchte, der ihn die ganze Zeit "Gloins Blag" nannte. "Ich glaube nicht, daß wir Aragorn allein lassen sollten."
"Ach was!" rief Oberon aus. "Wenn Seine Majestät tatsächlich das Blut der Numenor in sich hat, dann wird er eine Nacht im Feindes Lager schon überstehen. Außerdem bin ich mir sicher, daß der alte Lord sich einen Narren an den jungen König gefressen hat. - Bleibt doch hier, Herr Gloins Sohn. Ich lebe schon viel zu lange in Perrigon ohne Nachricht aus Bruchtal oder Düsterwald."
Gimli blickte den Elben irritiert an, als dieser endlich seinen Namen richtig benutzte. So fiel seine Antwort weit höflicher aus, als er gedacht hatte. "Ich würde sehr gerne bleiben, Herr Temonis, aber nach der langen Arbeit in der Bibliothek sehne ich mich eigentlich nur noch nach den weichen Betten im Palast."
"Es gibt auch hier weiche Betten", lockte Oberon. "Und noch weichere Bettgefährtinnen, Herr Zwerg...oder Bettgefährten."
Gimlis aufkeimende Höflichkeit ging bei Oberons letzten Satz wieder ein. Er verneigte sich steif. "Ich ziehe die ruhige Einsamkeit des Palastes vor." Dann wandte er sich zu Legolas. "Ich weiß nicht, wie du dich entscheidet, aber ich gehe jetzt."
"Oberon!" zischte Asani wieder und blickte ihren Vorfahren tadelnd an. Gimli hatte den Oberons Räume verlassen und Legolas hörte ihn fluchend den Gang hinunter gehen.
"Ich bin ein Elb und er ist ein Zwerg", erwiderte Oberon lässig. "Das war der natürliche Lauf der Dinge."
Asani stöhnte geschlagen. "Ich werde Herrn Gimli sicher aus dem Haus geleiten. Nicht daß ihm noch einmal sowas passiert wie im Wald." Mit einem letzten Blick auf die beiden Elben verabschiedete sie sich und lief Gimli hinterher.
Eine unangenehme Stille senkte sich in den Raum, in dem sich nur noch die zwei Elben aufhielten. Oberon schien das nicht viel auszumachen, denn er goß sich in aller Ruhe wieder etwas Wein ein. Legolas hingegen konnte sich nicht ganz helfen. Irgendwie schüchterte dieser Elb ihn ein. Sein Blick wanderte zu dem großen Bett mit der roten Tagesdecke und er beschloß, etwas Konversation mit Oberon zu treiben. "Ihr seid also aus Düsterwald?"
"Ja", antwortete Oberon gedehnt. "Ich war einer der vier Berater eures Vaters."
"Vier?" Legolas runzelte die Stirn. "Ihr müßt Euch irren. Vater sagte immer, er hätte schon immer drei gehabt."
Oberon deutete auf das Bett. "Das ist mein Wappen. Euer Vater gab es mir mit dem Lordtitel nach der Schlacht am Schicksalsberg. Seht genau hin, Hoheit. Es ist Handschrift Eures Vaters."
Legolas spazierte hinüber zum Bett und sah sich das Wappen auf der Tagesdecke noch einmal an. Tatsächlich. Es ähnelte zwar dem seines Vaters, aber hier und dort erkannte ein geübtes Auge die Auszeichnungen, die sein Vater gewöhnlich nur seinen Beratern verlieh. "Dann seid Ihr Lord Oberon Temonis und Ihr wart tatsächlich am Schicksalsberg dabei gewesen?"
Ein wehmütiges Lächeln schlich sich über Oberons Züge. "Gleich nachdem Gil-galad zu den Waffen rief, bin ich aus Düsterwald gerannt und habe mich ihm angeschlossen. Ich kämpfte Seite an Seite mit Elrond von Bruchtal. Aber das ist vergangen und ich bin schon lange kein Lord mehr."
"Warum nicht?"
Oberon schwieg lange und drehte den zierlichen Stiel seines Glases zwischen seinen Fingern. Es war, als schwelgte er in Erinnerungen. "Ich liebte eine Sterblichen, aber Euer Vater mißbilligte es. Wir stritten uns und es endete damit, daß ich meinen Titel aufgab und meine Heimat verließ."
"Vater mag in vielen Dingen sehr konservativ sein", räumte Legolas ein. "Aber er würde Liebe nicht im Weg stehen."
"Was würdet Ihr tun, wenn Euer bester Mann mit einer Diebin in den Norden durchbrennen wollte?"
Legolas übersah großzügig Oberons Wortwahl. "Eine Diebin?"
"Oh ja, Delaya mo Ifrey war eine ausgezeichnete Diebin." Oberon grinste schelmisch. "Bis sie mich traf."
Legolas hätte es nicht gedacht, aber Oberon Temonis hatte wohl eine sehr bewegte Vergangenheit. "Ihr seid den Bund mit einer Ifrey eingegangen?"
"Nein, das wäre zu schön gewesen", seufzte der andere Elb. "Sie hatte es mir schlichtweg nicht erlaubt, meine Unsterblichkeit aufzugeben."
"Nein?"
Oberon schüttelte den Kopf. "Sie wollte, daß ich auf unsere Kinder achte, wenn sie nicht mehr da wäre. Ich habe Jahre damit verbracht, sie anzuflehen, es mir doch zu gestatten. Aber immer wieder zog sie mir eins über. Selbst am Sterbebett...die Ifreys können sehr stur sein."
"Ich weiß...", seufzte Legolas. Es kam ihm sehr bekannt vor.
"So?" Oberon beobachtete ihn unter halb gesenkten Lidern. "Tut Ihr das?"
"Ich bin der Waffenbruder einer Ifrey", wand sich Legolas heraus. Er war wieder auf der Hut. Der Blick aus den anderen Augenpaar war eine Spur zu kühl und zu durchdringend.
"Aber dieses Versprechen, das ich meiner geliebten Delaya gegeben hatte, war eigentlich unnütz", fuhr Oberon fort. "Denn meine Kinder wählten alle die Sterblichkeit und der Fluch setzte sich in ihren Kinder fort. Jedes meiner Enkel, Urenkel und die Darauffolgenden starben alle in meinen Armen. Ich zerbrach mit jedem letzten Atemzug, den meine Kinder taten. Waren sie doch alle auch von Delayas Blut. Aber nur Asani trat aus diesem Kreislauf. Nach all den Jahrtausenden voller Leid sollte sie es sein, die meine Tränen trocknen wird. - Sie ist der Grund, warum Delaya mich meine Unsterblichkeit behalten ließ. Sie ist das Kind, auf das ich achten sollte." Oberon sah ihn eindringlich an. Der Schmerz der vergangenen Jahrtausenden schien sich in diesen zwei Augen zu sammeln, die aufmerksam in Legolas' Seele zu blicken vermochten. Aber dieser Schmerz schlug ganz plötzlich in eiskalte Wut um. "Aber nun kommt Ihr daher und wollt sie mir wieder wegnehmen."
"Ich will sie Euch nicht wegnehmen", erwiderte Legolas ruhig, aber reichlich verwirrt. Wie kam er darauf? Alles in ihm vor diesem ehemaligen Kriegsherrn zitterte. Asanis richtiger Vater hatte ihm keine Angst gemacht. Aber dieser Elb hier war eine ganz andere Geschichte.
"Nicht?" spottete Oberon kühl. Er hob eine von Legolas langen Strähnen zu seinem Gesicht. "Euer Haar riecht nach ihr."
Langsam wickelte er die Strähne um seine Faust und zog den jungen Elben näher zu sich heran. Legolas konnte nun diese eiskalten blauen Augen in all ihrer Schönheit betrachten. Aber er hätte gern darauf verzichtet. "Als Asani hier bei uns ankam, sah man die Spuren eines Liebesmals an ihrem Hals...Nun, wir wissen doch beide, daß es kein Ork gewesen war, oder?"
Oberon kam noch näher und beinahe berührten sich ihre Nasenspitzen, als er in den alten Dialekt wechselten, den man nur in Düsterwald sprach: "Wißt Ihr eigentlich, was sie erwartet, wenn sie schwanger von ihrem Waffenbruder zu ihrem Clan zurückkehrt?" fragte Oberon. "Man wird ihr die Hand abhacken, weil sie ihre Ehre als Kriegerin beschmutzt hat. Daraufhin wird das Schwert den Pakt mit ihr lösen, weil sie es nicht mehr ziehen kann. Sie wird wieder sterblich und ich verliere erneut ein Kind."
"Das wird nicht geschehen", sagte Legolas in der gleichen Sprache. Er zwang sich ruhig zu bleiben und Oberon direkt in die Augen zu sehen. Er versuchte, nicht daran zu denken, daß dieser Elb hier ein Held der alten Zeit war und mit seinem Vater Düsterwald regiert hatte.
"Ach?" spottete Oberon weiter. "Aber es ist unvermeidlich, wenn Ihr sie in Euer Bett nehmt."
"Ich..."
"Nein! Leugnet es ja nicht!" knurrte Oberon. "Ich führe diesen Laden nicht seit gestern."
Legolas' Augen verengten sich vor Wut. Er näherte sich Oberon und in seinen blauen Augen tobte ein nicht minder bedrohlicher Sturm. "Ich leugne gar nichts. Auch nicht vor Euch. Ja, ich würde nur zu gern Asani in mein Bett nehmen und ich werde es tun. Aber niemals wäre ich so verantwortungslos, sie schwanger und allein zu ihrem Clan zurückzuschicken."
"Oh, wie mutig", schnurrte Oberon spöttisch. "Ihr wollt doch nicht etwas sagen, daß Ihr den Bund mit ihr schließen würdet, oder?"
"Doch, das will ich damit sagen", erwiderte Legolas langsam und in einem Ton, als spräche er mit einem Kind. "Ich liebe Asani."
Oberon sah ihm lange prüfend in die Augen und er schien nicht glücklich über das, was er in ihnen sah. Aber er ließ Legolas' Haar los und ging etwas auf Distanz. "Liebe ist in Euren Augen und ebenso in Eurem Herzen. Ich bin nicht glücklich darüber, daß diese Liebe meiner kleinen Asani gilt."
"Ich nehme sie Euch doch nicht weg", wiederholte Legolas sanft. "Dies ist nicht mein Wunsch."
Oberon schnaubte. "Das meine ich nicht. Natürlich weiß ich, daß ein Mann Asani lieben und meinen Weg kreuzen wird."
"Dann seid unglücklich darüber, daß ich es bin?"
"Ganz genau."
"Was mißfällt Euch an mir?"
"Euer Name", erwiderte Oberon ruhig. "Euer Titel. Eure Pflichten."
"Ich verstehe nicht..."
"Thranduil von Düsterwald hat seinem Berater und Kriegshelden seine Liebe zu einer Diebin verbieten wollen. Was würde er tun, wenn sein Thronfolger ihm gestehen würde, daß er einen Menschen liebt, der seine Seele für Unsterblichkeit verkauft hat? An ein Schwert."
"Sie ging dieses Pakt ein, um ihrem Clan in schwerer Not beizustehen. Dies macht sie in meinen Augen reiner als jedes Wesen im Licht", erwiderte Legolas und sein Blick wurde entschlossen, als er fortfuhr: "Außerdem ist es nicht die Sache meines Vaters, mit wem ich den Bund eingehe."
"Ihr seid der Thronfolger."
"Ganz genau, ich bin der Thronfolger und ich wähle mir meine Braut selbst."
"Und wenn Eure Wahl nicht nur Euren Vater, sonder ganz Düsterwald gegen Euch aufbringen würde?"
"So sei es", kam es ohne Zögern zurück.
"Ihr würdet alles für Asani aufgeben?"
"Ja."
Oberon atmete tief ein und blickte den Prinzen wehmütig lächelnd an. "Ihr habt Glück, daß Ihr ein Elb seid und nicht so Mensch, denn dann würde ich Euch nicht glauben."
"Menschen sind nicht so treulos und wankelmütig wie man sagt", erwiderte Legolas milde.
"Nein, das ist es nicht." Oberon schüttelte den Kopf. "Ich glaube Euch, weil Ihr mich an mich selbst erinnert. Einst führte ich das gleiche Gespräch mit Eurem Vater. Leider hörte ich nicht das, was ich Euch jetzt sagen werde." Oberon legte eine Hand auf Legolas' Schulter. "Mein Segen habt Ihr." Dann grinste er schief und fügte hinzu: "Aber ich habe in dieser Sache eigentlich nicht viel zu sagen. Das müßtet Ihr schon ihrem Vater, dem Herzog, ausmachen und der hat was gegen Elben."
"Ich liebe seine Tochter so sehr, daß ich die Ewigkeit mit ihr verbringen würde und ich würde auch alles für sie aufgeben", zählte Legolas schmunzelnd auf. "Reicht ihm das nicht?"
"Nicht einem Ifrey."
"Was meint Ihr?"
"Die Ifreys sind Nachkommen von Verbrechern, die bei ihrer Verbannung allerhand aufgeben mußten", fing Oberon an und machte eine ausholende Geste mit seiner Hand. "Daher beeindruckt sie es nicht im mindestens, wenn ein Freier etwas für seine Liebste aufgeben will. Sei es sein Titel, Vermögen, Herz, Seele oder Familie. Darauf stehen die Ifrey Frauen nun wirklich nicht."
"Was soll ich dann tun?"
Lächelnd warf der elbische Bordellvater das lange Haar zurück. "Nun, mein Prinz, das ist ganz einfach. Ihr müßt den Jäger erlegen."
Ende des 21. Kapitel
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Ich nicht wissen, wie Elben tun regeln mit Unsterblichkeit und Sterblichkeit...bitte ihr mir verzeihen tun.
Ähem...Nun zu Oberon Temonis: Bei dem Namen war ich nicht sehr einfallsreich. "Oberon" habe ich geklaut aus den germanischen oder welche auch immer Sagen oder von Shakespeare oder von Goethe oder gar von Disney. "Temonis" ist ganz easy abzuleiten von "Demon" und damit erklärt sich auch sein Charakter. So wie es den Antichristen gibt, gibt es auch für mich einen Antielben (für euch mögen es Sauron und Co. sein, für mich ist es Oberon Temonis)...außerdem ist er ein ganz, ganz lieber Antielb.
Jetzt zur dir, liebe, liebe Sarah...Fangen wir mal gaaaaaanz am Anfang an: Versuch's mal mit dem "Register"-Button neben "Log in". Da trägst du dich erst einmal ein (Autorenname + Passwort)... und folgst dann einfach den Anweisungen, die dir ff.net gibt. Dann sollte es klappen. Dauert zwar bisserl, aber auch die doofe Sleepy Tiger hat das geschafft. Wenn du immer noch Fragen hast: Lapoetica@hotmail.com und hier sind bestimmt noch lauter nette Leute, die dir helfen.
