Soooo, da sich niemand über mein NC-17 Debüt beschwert hat (DANKE!!), werde ich daher einfach lustig weitermachen...damit wir uns nicht mißverstehen, dieses Kapitel ist nicht NC-17...was habt ihr bloß wieder gedacht!

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Titel: Den Jäger erlegen

Autorin: Sleepy "Labertante" Tiger

Warnung: Very, very, very sappy...

Disclaimer: Lord of the Rings © J.R.R. Tolkien

24. Kapitel: Bettgeflüster

Sein Blick gen Osten gerichtet, gebettet in seidenen Laken und weichen Kissen, umschlungen von den Armen seiner Geliebten, erwartete er den Morgen. Ein Morgen, der ihm schöner erschien als jeder andere zuvor. Ein rosa Lichtschleier am Firmament durchbrach die samtene Nacht. Zuerst fahl, blaß und chancenlos gegen die Übermacht der Sterne gebärdete er sich bald zu deren Abschiedskuß, denn er war der Willkommensgruß der goldenen Röte, die den Himmel zu überfluten drohte. Selbstbewußt wölbte sich die Sonne über dem Horizont und beanspruchte ihren Platz über allen Lebewesen Mittelerdes. Überwältigt von soviel grausamer Schönheit streckten die Sterne die Waffen und ergaben sich dem hellen, alles überstrahlenden Licht der Majestät des Tages.

Vorerst.

Denn auch Könige können fallen.

Leider bekam sie von diesem allmorgendlichen Machtkämpfen am Himmel nichts mit. Sie, seine Geliebte, die schlafend in seinen Armen lag. Der Körper dicht an seinem geschmiegt, der Kopf auf seiner Schulter, der warme Atem auf seiner nackten Haut und die Hand in seinen Haaren, als fürchtete sie, daß er ihr entkommen könnte. Eigentlich müßte er darum bangen, daß sie sich von ihm zurückzog. Vorsichtig löste er ihre Finger aus seinem Haar und drehte sie auf den Rücken, um sie besser zu betrachten. Das Sonnenlicht durchflutete den Raum. Es wärmte die Laken, setzte sich als rötlichen Glanz in ihren Haaren nieder und schmeichelte als warmer Lichtschimmer ihrer rosig angehauchten Haut.

Schlafend schien sie so unschuldig und unwirklich zu sein. Wie ein Traum, den er seit mehreren Wochen geträumt hatte. Aber der Körper unter seinen Hände war Materie. In den Haaren, die zwischen seinen Fingern wie Seidenfäden glitten, hing noch der süße Duft von Blumen und der etwas herbere von Gras. Lächelnd schob er es aus ihrem Gesicht und breitete es Strähne für Strähne über den Kissen aus. Die Locken erwiesen sich als zu widerspenstig, als daß er sie mit den Händen glätten konnte. Aber das machte nichts. So sah ihr Haar wie ein schwarzer, gekräuselter Fächer aus. Legolas fand ein einsames Blütenblatt, das er dann vorsichtig heraus zupfte. Eine kleine, tränenförmige und blaßblaue Erinnerung an die vergangenen Liebesnacht. Er schnippte das Blütenblatt fort und beobachtete es dabei, wie es langsam auf den Boden segelte.

Asani war sofort danach eingeschlafen. So sehr hatte sie der Liebesakt erschöpft. Der Elbenprinz konnte das breite Lächeln nicht unterdrücken. Es hatte ihm nichts ausgemacht, ihre Sachen einzusammeln und sie in das Zimmer zu tragen, daß der Page Puni ihm gezeigt hatte. Asani war noch einmal auf dem Weg zum Zimmer aufgewacht und hatte ihn schläfrig, aber so verliebt angelächelt, daß er seine Schritte beschleunigt hatte. Als sie sich auch noch an ihm schmiegte und seinen Hals mit Küssen bedeckte, hatte er doch tatsächlich die Entfernung zur Wiese und die zu dem Gästezimmer miteinander verglichen.

Das Zimmer war näher gewesen. Es war sowieso der bessere Ort für das, was Legolas in dem Moment vorhatte. Es war mit dicke Wände ausgestattet, die alle Geräusche von draußen abblockten, und die schweren Wandteppiche im Inneren taten ihr übriges. Selbst Legolas' hörte kaum ein Geräusch in diesem Raum. Es war so friedlich. Die in Grün- und Brauntönen gehaltene Einrichtung erinnerte ihn an Zuhause. Wie alles im Elbenwald.

Das Bett war sündhaft gemütlich. Kaum hatte er sie in hinein gelegt, war Asani wieder eingeschlafen. Aber diesmal war er weder enttäuscht oder frustriert gewesen. Nein, er war überglücklich gewesen, daß selbst das ihn nicht aus der Ruhe brachte. Sie hatte sich ihm bereits bedingungslos hingegeben. Sie schien sich immer vor etwas zu fürchten, wenn sie mit ihm zusammen war. Aber sie hatte diese Ängste in dieser Nacht beiseite geschoben und ihm ihr Herz in seine Hände gelegt. Er hatte vor, es lange...für alle Ewigkeit festzuhalten.

Legolas lächelte wieder. Aber diesmal aus einem anderen Grund. Die Ewigkeit. Der Gedanke, daß er die Zeit mit Asani verbringen würde, entzückte ihn unwahrscheinlich. Sein sonst so ruhiges Herz setzte dabei vor Aufregung für einige Schläge aus. Irgendwie kam er sich dumm dabei vor, denn ihr Herzschlag war umso ruhiger und gleichmäßiger. Er kannte den Rhythmus ihres Herzens zu Genüge, aber es hinderte ihn auch jetzt nicht daran, sein Ohr auf ihren Brustkorb zu legen und zu lauschen. Er hoffte, daß ihn niemand dabei sehen würde. Es war schon etwas lächerlich, daß der Thronerbe Düsterwalds sich so sehr von dem Herzschlag eines Menschen verzaubern ließ. Aber er empfand so tiefen Frieden, ihren Herzschlag aus nächster Nähe zu hören. Außerdem roch sie so gut. Schnurrend rieb er seine Nase an der weichen Haut an ihrem Bauch. Es war wirklich herrlich...

Asani seufzte leise im Schlaf und kuschelte sich tiefer in die Kissen. Zärtlich strich er mit der Hand über ihren Bauch und ließ sie unmittelbar unterhalb ihres Nabels ruhen. Sie war nicht schwanger geworden und sie hatte sich wiederholt auch nicht als erlegt betrachtet. Ob das wirklich von so großer Wichtigkeit war? Sie hatten doch bereits das Bett - besser gesagt die Wiese - miteinander geteilt. Er hatte ihren Sitten gemäß um sie geworben und ihr seine Liebe gestanden. Sie hatte letzte Nacht zwar nicht ein Wort der Liebe gesprochen, aber Legolas brauchte keine weiteren süßen Worte von ihr. Er hatte die Liebe in ihren Augen gesehen und ihre rückhaltlose Leidenschaft gespürt. Das war alles, was er von ihr wollte. Aber dennoch nagte die Unsicherheit an ihm. Warum hatte er das Gefühl, daß es damit nicht getan war?

Asani drehte sich auf die Seite und suchte anscheinend nach ihm. Legolas wich ihren tastenden Händen aus und fragte sich, ob seine Abwesenheit sie wecken würde. Er kicherte in sich hinein, als sie die Stirn kraus zog und ins Kissen murrte. Schließlich drehte sie sich auf den Bauch und bekam sein Kissen zu fassen. Legolas gestattete ihr lächelnd, es an sich zu nehmen. Vorsichtig strich er eine Strähne aus ihrem Gesicht, während sie sich an sein Kissen kuschelte. Ihre Züge entspannten sich wieder und er konnte spüren, wie sie wieder in die tieferen Ebenen des Schlafes hinein glitt. Er hätte sie gern geweckt und daran erinnert, daß sie statt seines Kissens ihn haben konnte. Aber dann hätte er nicht diesen wunderbaren Blick auf ihre schlafende Gestalt gehabt.

Die Decke war von ihrem Körper verrutscht, als sie sich auf den Bauch gedreht hatte. Vorsichtig schob er ihr Haar beiseite und bemerkte zu seinem Kummer Verletzungen auf ihren Rücken. Kleine Kratzer und ein, zwei blaue Flecke von dem harten Erdboden. Es war zu erwarten gewesen, aber es schmerzte ihm dennoch bei deren Anblick. Aber warum hatte sie diese Wundmale? Sollten sie nicht schon längst verschwunden sein? Warum heilte das Schwert nicht diese Kratzer? Lag es vielleicht daran, daß sie diese Wunden nicht im Kampf bekommen hatte? Dieser Gedanke entlockte Legolas erneut ein Lächeln. Sie hatte also nicht gegen ihn gekämpft...Hätte er je Zweifel an ihrer Hingabe gehabt, hätten sie sich jetzt aufgelöst. Er leckte zärtlich über die größeren Kratzer und bedeckte die blauen Flecke mit hauchzarten Küssen.

Ein angenehm warmer Wind blies über ihr Rückgrat und ließ sie vor Wonne erschauern...wenn sie die Kraft dazu gehabt hätte. Sie fühlte sich matt und an mehreren Stellen ihres Körpers wund und steif. Aber es war nicht unangenehm. Sie fühlte sich ganz angenehm matt. Wenn sie bloß wüßte, warum es so war. Sie runzelte die Stirn, während sie nachdachte. Nein, das Nachdenken war jetzt unmöglich. Sie fühlte sich zu...matt. Außerdem schienen Schmetterlinge sich auf ihrem Rücken niedergelassen zu haben. Sie tanzten. Asani grinste über diesen lächerlichen Gedanken. Seit wann konnten Schmetterlinge tanzen? Aber es fühlte sich so an. Unendlich zarte Flügelschläge entlang ihrer Rippen und warme Seide kitzelte über ihre Haut. Seide? Seit wann hatte sie Seidenlaken auf dem Bett? Daran konnte sie sich gar nicht erinnern. Warum bewegte sich das Laken? Sie lag doch immer noch ganz still im Bett. Ganz langsam öffnete sie ein Auge und bemerkte, daß sie ein fremdes Kissen umschlungen hielt...aber es roch ziemlich gut! Asani schnupperte daran und dachte unwillkürlich an Legolas. Wald und Wind. Wie kam das bloß hierher?

Bei dem Gedanken an den Elbenprinzen wurde ihr plötzlich ganz heiß. Sie hatte einen äußerst unanständigen Traum gehabt, in der dieser blöde Elb die Hauptrolle gespielt hatte. Beschämt grub sie ihr Gesicht ins Kissen und versuchte das Bild von einem keuchenden, stöhnenden und nach Beherrschung ringenden Legolas über ihr zu verdrängen. Was für eine blühende Phantasie sie hatte...das sah ihr so gar nicht ähnlich. Die "tanzenden Schmetterlinge" auf ihrem Rücken halfen ihr dabei, sich etwas zu entspannen und sie seufzte wohlig ins Kissen. Es roch wirklich sehr nach Legolas...

Sie blickte hoch, rieb sich die Augen, um sie dann beinahe brutal weit aufzureißen. Wo war das Fenster? Statt des Fensters über ihrem Bett hing ein gigantisches Gemälde von Düsterwald. Wo kam das denn her? War das letztlich gar nicht ihr Zimmer? Wenn nicht, wie kam sie hierher? Wo war hier?

"Asani?"

Sehr viele Gedanken stürmten in diesem Moment auf sie ein. Viele. Ganz, ganz viele. Aber nicht eins ließ sich richtig artikulieren. Ihr Unterkiefer fiel herab und ihr Mund blieb offen stehen, als sie sich auf die Seite gedreht und Legolas über sich knien entdeckt hatte.

Der Blick, mit dem sie ihn ansah, offenbarte ihm vieles. Aber nicht das, was er sich zu sehen wünschte. Sie war schockiert. Sie war entsetzt. Ganz sicherlich war sie zu Tode beschämt. Etwas panisch sah sie sich um und versuchte, sich von ihm wegzubewegen. Aber er hielt sie fest und drehte sie wieder auf den Bauch. Er schmiegte seine Wange in ihr Kreuz und achtete sorgsam darauf, keines der blauen Flecke zu berühren.

"Asani...", murmelte er an ihrem Rücken. "Si dartho...Melethril...si dartho..." [1]

Das war gar kein Traum gewesen? Asani traf diese Erkenntnis wie ein Keulenschlag. Es war wirklich passiert. Stöhnend grub sie ihr Gesicht in das Kissen. Dann fuhr sie wieder erschrocken hoch, weil Legolas eine Spur von Küssen über ihre Wirbelsäule zog. Hin und wieder leckte er über ihre Haut und sein warmer Atem auf diesen feuchten Stellen brachte sie zum Zittern. Soviel also zu den tanzenden Schmetterlingen. Sie konnte sich nicht weg bewegen. Zu einem hielt er sie fest und zum anderen fühlte sie sich unglaublich schwach unter seinen Zärtlichkeiten. Ihr Verstand drohte sich zu verabschieden. Sie startete einen Versuch, ihn zurückzuhalten.

"Wo bin ich?" fragte sie so leise, daß sie sich selbst kaum hören konnte.

"In meinem Zimmer", erwiderte Legolas schmunzelnd und hörte nicht auf, ihren Rücken zu küssen.

"Dein Zimmer?" wiederholte sie blöde und biß ins Kissen, als er mit seinen Lippen federleicht über eine besonders empfindliche Stelle strich.

"Ganz genau." Legolas grinste, als Asani sich wand und versteifte. Sie zog zischend den Atem ein, als er mit den Fingerspitzen über ihre Seiten strich. Die große Schlächterin aus dem Norden war kitzlig. Er hatte letzte Nacht gar nicht die Möglichkeit gehabt, das herauszufinden. Wo sie wohl noch so empfindlich war...Er schob ihr Haar zur Seite und wisperte an ihrem Ohr: "Ich habe dich hierher getragen." Oh ja, hier war sie sehr empfindlich. Ein leises Beben ging durch ihren Körper. Er atmete absichtlich nah an ihrem Ohr und strich mit der Zunge und den Lippen darüber. "Gleich nachdem ich dich erlegt hatte."

"Mich erlegt?" Sie klang ziemlich empört und sehr atemlos. Als sich Legolas auf sie legte, spürte er ihren rasenden Herzschlag. Sanft drückte er ihren Kopf zurück ins Kissen und legte ihren Nacken frei. Es war seltsam, sie so wehrlos vor ihm liegen zu sehen. Es brach ihm das Herz, daß sie auch so ruhig blieb...als vertraute sie so sehr darauf, daß er ihr nichts böses tun würde. Er drückte einen Kuß zwischen ihren Schulterblättern, schloß die Augen, als sie zitternd einatmete. Ja, sie wußte wohl um ihre wehrlose Position. Aber sie tat nichts. Sie wollte sich nicht wehren. Sie würde nicht wieder weglaufen. Hoffnung keimte in Legolas auf. "Ich habe dich erlegt, feredir. Weißt du noch, was letzte Nacht geschah...zwischen uns?"

Erneut stöhnte sie ins Kissen. Es klang sehr schmerzlich und klagend und zerstörte seine aufkeimende Hoffnungen. Legolas hatte die unangenehme Ahnung, daß sie die letzte Nacht bereute. Seine Unsicherheit nahm immer mehr zu. War sie so wie manche Menschen, die in einer Nacht ihre Liebe rückhaltlos verschenkten und am nächsten Morgen es verhement leugneten? Aber andererseits war sie recht sparsam mit überschwenglichen Gefühlen. Schämte sie sich gar, daß sie sich so gehen lassen hatte? Ah, wenn er bloß wüßte, was in ihrem Dickkopf vor sich ging.

Auf einmal drehte sie sich zu ihm herum und fragte kleinlaut: "Das war gar kein Traum?"

Ungläubig hob Legolas eine Braue. Sie dachte, es wäre ein Traum gewesen? War sie wirklich so vergeßlich? "Kein Traum."

Ihre Wangen färbten sich rot und sie blinzelte mehrmals. "Dann...dann haben wir...tatsächlich...?"

"Ja." Er nahm ihre Hand und legte sie auf seine Brust. Aus seiner Stimme hörte man einen flehenden Unterton, als er fragte: "Erinnerst du dich, feredir?"

Schweigend betrachtete sie ihre Hand auf seiner Haut, während er sie abwartend beobachtete. Was würde sie wohl tun? Es leugnen?

"Besser als mir lieb ist", murmelte sie mit einem verschämten Lächeln und bewegte ihre Hand langsam über seinen Brustkorb. "Ich erinnere mich so gut daran, daß ich fürchtete, es wäre nur in meinem Kopf passiert."

Etwas ängstlich sah sie zu ihm hoch. Erwartung mischte sich mit Furcht. Nein, Asani mo Ifrey schämte sich nicht wegen der letzten Nacht. Sie würde sie auch nicht leugnen. Sie wußte nur noch nicht, wie man sich hinterher verhielt. Diese Unschuld fand er äußerst amüsant. Vor allem räumte diese Erkenntnis seine Unsicherheit fort. Er überschüttete sie vor Freude mit Küssen. "Milin cen, Asani."

Asani blinzelte verwirrt, als dieser Elb sie plötzlich mit seinen Küssen zu verschlingen drohte. Spielerisch rang er mit ihr und lachte wegen ihrer halbherzigen Verteidigung.

"Milin cen", wiederholte er glücklich und legte den Kopf an ihre Schulter. Ihre Finger gruben sich sanft in sein Haar und drückten seinen Kopf an sich. Oh, süßer Frieden..."Milin cen, Asani. Gwestin im na cen uireb." [2]

Ein Kuß folgte und dann sah er sie stumm an. Es sah aus, als erwartete er nun eine Antwort von ihr. Asani holte tief Luft und sagte: "Du weißt, daß ich deine Sprache nicht verstehe, oder?"

Er erwiderte überrascht ihren Blick und stützte sich auf die Ellbogen. Auf seine stumme Frage hin, schüttelte sie langsam den Kopf. Aber dann lächelte er verschmitzt und küßte ihre Nasenspitze. "Le nin, feredir. Uireb." [3]

Sie gestattete ihm noch einen Kuß, ehe sie fragte: "Hast du mich gerade nicht verstanden?"

Legolas grinste breit und küßte sie wieder. "Doch, das habe ich."

"Gut." Besorgt nahm sie zur Kenntnis, daß er ein Knie zwischen ihre Beine geschoben hatte. "Äh...Legolas..."

"Alarin cuio ar cen, melethril [4]", fuhr er fort und strich mit der Hand über ihren Oberschenkel bis er ihr Knie zu fassen bekam. "Aniron cen." [5] Er neigte sich weiter zu ihr, um sie zu küssen, als sie ihre Hand auf seine Brust legte und ihn zurückhielt. Verblüfft hielt er inne und sah ihr fragend in die Augen. Irgendwie schien sie verärgert zu sein.

"Würdest du mich bitte in einer Sprache beleidigen, die ich auch verstehe?" fragte sie langsam.

Legolas brach in schallendes Gelächter aus, wobei sich ihr Gesicht noch mehr verfinsterte. Asani schob ihn von sich herunter und kniete sich hin, während er sich immer noch Lachen kringelte. Als sie die Arme vor der Brust verschränkte, atmete er tief ein und versuchte sich zu beruhigen. "Ich habe dich doch nicht beleidigt!"

Sie glaubte ihm nicht und wich seiner Hand aus, als er nach ihr griff. "Ach ja? Was sagst du dann die ganze Zeit? Warum nennst du mich feredir?"

Legolas lächelte liebevoll und packte sie beim zweiten Mal so schnell, daß sie nicht rechtzeitig reagieren konnte. Er zog sie auf sich, obwohl sie sich sträubte. Sanft, aber keinen Widerspruch duldend, hielt er sie fest und rollte sich mit ihr herum, als sie sich weiterhin wehrte. Es war so einfach, sie zu necken. "Möchtest du Sindarin lernen, feredir?"

"Gern", erwiderte sie gedehnt und grinste humorlos. "Was heißt denn 'blöder Elb'?"

Legolas seufzte theatralisch. "Irgendwie habe ich befürchtet, daß du das zuerst wissen willst, feredir." Er küßte ihre Schulter und legte beide Arme um sie, bis sie aufhörte, zu zappeln. "Aber wenn du mit mir nach Düsterwald gehst, findest du unter Umständen jemanden, der dir 'blöder Elb' übersetzt."

"Wenn nicht, dann wäre ich ganz umsonst in Düsterwald", erwiderte sie verschmitzt.

Legolas stützte sich auf seine Ellbogen und blickte ihr fest in die Augen. "Nein, es wird nicht umsonst sein. Das verspreche ich dir."

Asani war von dem direkten Blick aus seinen blauen Augen etwas überrascht. Noch vor einigen Sekunden war er wie ein verspieltes Kätzchen und nun wirkte er so ernst. Lag es daran, weil er von seinem Zuhause sprach? Düsterwald. Daran hatte sie gar nicht mehr gedacht. Sein Zuhause. Ein sehr ungutes Gefühl beschlich sie. Aber sie schob es beiseite und strich Legolas einige Strähnen hinters Ohr. "Das klingt ja so, als wolltest du mich unbedingt nach Düsterwald mitnehmen."

"Aber ja, warum denn nicht?" Das fröhliche Lächeln kehrte auf seinen Zügen zurück. "Du bist mein geliebter feredir. Warum sollte ich dich nicht mit nach Hause nehmen wollen?" Vertrauensselig schmiegte er seine Wange in ihre Hand und eine leise Besorgnis schlich sich in seine Augen. "Willst du denn nicht mit mir kommen? Willst du lieber zu dir nach Hause? Zu den Eiswüsten?" Ein sanftes Lächeln ließ ihr Herz hüpfen. "Du weißt doch, daß ich dir überallhin folge. Wenn nicht Düsterwald dann die Eiswüsten. Wie du möchtest."

"Kannst du das denn tun?" fragte sie etwas tonlos. Das ungute Gefühl ließ sich nicht mehr unterdrücken. Je öfter er den Namen 'Düsterwald' sagte, kam es wieder hoch.

"Warum soll ich denn nicht können?" wollte er überrascht wissen.

"Du bist...ein Thronerbe", erinnerte sie ihn vorsichtig. "Hast du denn keine Pflichten deinem Volk gegenüber?"

Legolas verzog den Mund und nickte langsam. "Doch...aber noch ist mein Vater König."

"Wird er denn Verständnis dafür haben?"

"Aber ja, feredir."

"Legolas...was...was werden die anderen dazu sagen?"

"Die anderen?" Auf Legolas' Stirn erschien eine kleine Falte, als er sie fragend ansah. Sie antwortete nicht und schien um einige Worte zu ringen. Aber er sah ihre Ängste und Bedenken in ihren Augen. Die anderen...damit meinte sie die Elben in Düsterwald. Sie machte sich Sorgen darum, was die Elben dazu sagen würden, daß er, der Thronerbe, sich eine Braut wie sie ausgesucht hatte. Es rührte ihn sehr, daß sie daran dachte. Aber er fand es ebenso unnötig.

"Was immer es sein wird", sagte er ernst. "Es kümmert mich nicht."

"Wirklich nicht?" Ihre Stimme klang so untypisch zaghaft und unsicher, daß er sie fester an sich drückte.

Entschlossen schüttelte er den Kopf. "Es ist mir vollkommen gleichgültig, so lange du bei mir bist." Legolas blickte sie anzüglich an. "Du machst dir aber recht viele Sorgen um mich. Bin ich dir so wichtig?"

Sie errötete und blickte von ihm weg. "Blöder Elb..."

Er seufzte klagend an ihrem Hals. "Womit habe ich das bloß verdient? Ich liebe dich doch so sehr. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dich an meine Seite zu wissen. Für alle Ewigkeit." Er erhob sich auf Händen und Knien und biß vorsichtig in ihren Hals. "Und du nennst mich blöder Elb."

"Einer mußt es doch tun", entgegnete sie unbewegt und stieß ihn von sich. Legolas verstand das als Herausforderung und warf sich wieder auf sie. Lachend rangen sie um die Vorherrschaft übers Bett, bis ihre Rangelei außer Kontrolle geriet und Asani aus dem Bett fiel. Stöhnend blieb sie liegen. Der Boden war wirklich hart. Aber der Aufprall hatte etwas gutes. Ihr Verstand schien wieder etwas zu funktionieren und sie erinnerte sich an etwas wichtiges...

"Du liebe Zeit! Asani!" Legolas beugte sich soweit aus dem Bett wie möglich und wollte ihr hoch helfen. Aber als ihr bitterböser Blick ihn traf, brach er in schallendes Gelächter aus.

"Sehr witzig...", brummte sie und kletterte ohne seine Hilfe wieder ins Bett. "Legolas, mußt du nicht..."

"Feredir", unterbrach er sie und hielt sie zärtlich umfangen. Mit Küssen versuchte er ihren Sturz wieder gutzumachen. "Es tut mir so leid..." Wie süß sie schmeckte. "Es tut mir so sehr leid." Das Gefühl ihrer Haut auf seiner brachte sein Inneres in Aufruhr. Warum war sie bloß so weich und warm...und das überall!

"Mußt du nicht zurück in den Palast?" fragte sie zwischen einigen Küssen.

"Wozu?" nuschelte er an ihren Lippen und zog das störende Laken fort.

Asani bezweifelte, daß er ihr überhaupt zuhörte. Er schien sehr mit ihrem Dekolleté beschäftigt zu sein. Daher griff sie in sein Haar und zog seinen Kopf etwas zurück, als sie ihn fragte: "Erwartet dich König Aragorn nicht?"

Er hielt plötzlich inne und schien zu überlegen. Aber dann sah er sie vorwurfsvoll an und meinte klagend: "Das sagst du nur, damit ich nicht über dich herfalle."

Asani wollte empört antworten, aber sie brach bei seinem enttäuschten Gesichtsausdruck in helles Gelächter aus. "Wahrscheinlich bist du doch nicht so blöd, wie ich dachte."

Legolas hielt sich theatralisch das Herz und stöhnte wehklagend. "Mein Herz, mein Herz...wie kannst du nur so grausam sein?"

"Meinst du nicht dein Stolz?" fragte sie trocken und schwang die Beine aus dem Bett, bevor er sie wieder zu fassen kam.

"Der auch", räumte Legolas nach einer Weile ein. Er langte nach vorn und bekam ihre Hand zu fassen. "Wirst du mich zum Palast begleiten?"

Mit übertriebener Überraschung sah sie ihn an. "Findest du den Weg etwa nicht mehr alleine?"

"Nein", seufzte er mit gespielter Verzweiflung. "Ich fürchte, ich werde mich ganz schrecklich verlaufen ohne dich."

"Ausnahmsweise...", erwiderte sie und verzog den Mund, um nicht zu lachen. "Aber ich muß mich vorher ankleiden. Du solltest das auch tun."

"Nach dir", schnurrte er teuflisch grinsend.

"Blöder Elb..."

Lachend rollte er sich auf dem Bauch und beobachtete Asani dabei, wie sie nach ihren Kleidern suchte. Er hatte sie ordentlich gefaltet auf einem Stuhl nahe der Tür gelegt. Aber das sagte er ihr nicht. Der Anblick, den sie ihm bot, war wunderschön. Völlig unbefangen lief sie nackt vor ihm auf und ab. Seine Brauen gingen langsam in die Höhe, als sie sich bückte, um nach ihren Schuhen zu sehen. Warum hatte er sie aus dem Bett gelassen?

Sie war gerade in ihre Schuhe geschlüpft und zog den Rock über ihre Hüften, als sie das zerrissen Band in den Ösen des Mieders bemerkte. Sie brauchte dringend ein neues, wenn sie nicht halbnackt durch die Gegend gehen wollte. Ihr Blick fiel auf den Rock. Lauter Grasflecken und Erde. Am besten sie zog sich ganz um.

"Ich werde mir etwas anderes anziehen gehen", sagte sie und fuhr etwas vorwurfsvoll fort: "Meine Sachen sind dreckig und gerissen."

Als der Elb nicht antwortete, drehte sie sich um und blickte auf ein leeres Bett. Wo war er hin? Sie schrie erschrocken auf, als dieser Elb sie plötzlich von hinten umarmte.

"Du gefällst mir auch so." Legolas schmiegte sich an sie und seine Hände fanden den Weg unter ihren Sachen.

"Das kann ich mir vorstellen", murrte sie und schlug seine Hände fort, als sie sich von ihrem Schock erholt hatte. "Laß das!"

Der Elbenprinz seufzte geschlagen und drückte ihr noch schnell einen Kuß auf die Schulter. "Laß dir nicht zuviel Zeit, ja?"

"Ich brauche nicht lange für so etwas", erwiderte sie leise und wand sich in seinem Griff.

"Aber bitte beeil dich dennoch", nuschelte er an ihrem Hals. "Ich vermisse dich jetzt schon."

"Du blöder Elb", knurrte sie verlegen und machte sich von ihm los. Schnell wich sie ihm aus, als er nach ihr griff. Mit einer Hand hielt sie das offene Mieder zu und sah ihn ein letztes Mal an, ehe sie das Zimmer verließ. Dieses träge und anzügliche Lächeln auf Legolas Zügen ließ ihr Herz rasen. Ah, dieser Elb!

Heftig zog sie die Tür hinter sich zu und hörte sein leises Lachen durch die Tür. Ein sehr blöder Elb...Asani verschwand schnell in den Schatten einer Büste, als eine Dienerin aus einem nah gelegenem Zimmer trat und nach dem Rechten sah. Als sie niemand auf dem Gang entdeckte, ging sie wieder hinein, um ihre Arbeit fortzusetzen.

Stimmt, um diese Zeit hatte das Personal alle Hände voll zu tun, die Zimmer aufzuräumen und Frühstück zu servieren. Eigentlich müßte Asani das auch tun, um ihre Tarnung im Haus aufrecht zu erhalten, aber...nein, heute nicht. Sie mußte einen blöden Elben zum Palast begleiten. Grinsend und kopfschüttelnd lief sie zur Treppe, immer darauf achtend, daß niemand sie entdeckte.

Ihr Zimmer war wie das aller anderen Dienerinnen im Dachgeschoß. Da alle in den unteren Geschossen waren, brauchte sie hier nicht vorsichtig sein. Niemand wagte es, in diesem Haushalt zu verschlafen. Asani hatte das Glück ein Einzelzimmer bekommen zu haben. Viele waren neidisch deswegen, aber da sie meistens nur Oberon "bediente", fanden es genauso viele Mädchen gerecht.

Das Zimmer lag am Ende des schmalen Ganges und war zwar klein, aber gemütlich mit seinem dicken Teppich und den kleinen Gemälden, die Oberon ihr als kleines Kind geschenkt hatte. Er hatte auch ihre Tür mit einem Spezialschloß versehen, daß nur sie öffnen konnte. So konnte sie unbesorgt Dinge dort aufbewahren, die sie als Ifrey Kopfgeldjägerin verraten hätten. Wie die dicken Alben mit den Steckbriefen verschiedener Verbrecher oder die Stapel von Briefen von Goleyn oder von ihren Informanten oder der großen Kiste unter ihrem schmalen Bett mit den vielen Goldmünzen, die sie brauchte, um ihre Spitzel zu bezahlen. Niemand außer ihr kam hier herein. Deswegen streifte sie sich beim Eintreten das Mieder von Körper und warf es ohne hinzusehen aufs Bett, während sie mit einem Tritt die Tür ins Schloß fallen ließ und ihre Kleidertruhe ansteuerte.

"Wie gehst du bloß mit deinen Sachen um?"

Asani fuhr herum und fiel gegen die Wand, als sie Oberon seelenruhig auf dem Bett sitzen sah. Seine Augenbrauen zuckten in die Höhe und er pfiff anerkennend. "Meine Güte, du bist aber wirklich schön gewachsen. - Würdest du bitte auch den Rock ausziehen?"

Zuerst sah sie ihn verwirrt an und bemerkte schließlich, daß er ihren nackten Busen meinte. Mit einem schrillen Schrei und hochroten Kopf verschränkte sie ihre Arme vor der Brust. "Oberon, was machst du denn hier?"

Indigniert sah er sie an und hielt einige geknickte Grashalme hoch. "Eigentlich wollte ich wissen, was ihr getan habt?"

Ende des 24. Kapitels

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Der Anfang klingt, als hätte ich beim Schreiben gekifft. Außerdem ähnelt Legolas immer mehr dem Kater meiner Tante (ein Wort: verschmust). Ich glaube, es liegt meinem übermäßigen Duftölkonsum. Hmmm...ist eigentlich irgendwie dasselbe, oder?

Wie ihr seht, habe ich noch mehr von Lialynnes hart erackerten Übersetzungen benutzt (2, 4 und 5 sind von ihr. 1 und 3 mußte ich mir teilweise selbst zusammenbasteln).

[1] Bleib hier...Geliebte...bleib hier.

[2] Ich liebe dich, Asani. Ich schwöre, ich bleibe ewig bei dir sein.

[3] Du bist mein, Jäger.

[4] Ich kann nicht ohne dich leben, Geliebte.

[5] Ich begehre dich.

Feredir - Jäger

Im nächsten Kapitel: ganz viel Oberon Temonis!