Titel: Den Jäger erlegen

Autorin: Sleepy Tiger

Warnung: Mein Duftöl ist mir ausgegangen *heul*

Disclaimer: Lord of the Rings © J.R.R. Tolkien

26. Kapitel: Dienstmädchen gesucht

Feiertage hin oder her.

Niliwens Tagesablauf war immer noch derselbe. Vor Sonnenaufgang aufstehen, Frühstück für ihre kleine Tochter Goloriel und ihrem Ehemann machen, der schwerhörigen, alten Nachbarin beim Füttern ihrer 17 Katzen helfen, Wäsche waschen, Wäsche aufhängen, Geschirr abwaschen und dann mußte sie für den Tag einkaufen gehen. Goloriel kam wie immer mit.

Zum Glück war ihre Tochter ein folgsames Kind, das immer in ihrer Nähe blieb und nicht davon stürmte. So konnte sie sich ganz auf das Gemüse im Basar konzentrieren.

"Mama, Mama, ein Elb!" rief die kleine Goloriel plötzlich aufgeregt und zog so heftig an Niliwens Rock, daß der Inhalt des kleines Geldbeutels, der an ihrem Gürtel hin, laut klimperte. Niliwen schnappte scharf nach Luft und fing den ausgestreckten Finger ihrer Tochter ein. "Wie oft muß ich dir sagen, daß man nicht auf fremde Leute zeigt?"

"Aber Mama, da ist wirklich ein Elb!" Goloriel begann nun, auf und ab zu hüpfen.

Bestimmt war das nur dieser komischer Elb Oberon Temonis. Niliwen wandte sich wieder dem Gemüsehändler zu und verhandelte weiter über den Preis.

"Mama!" flüsterte Goloriel auf einmal zupfte wieder am Rock ihrer Mutter. "Der Elb küßt ein Mädchen!"

"Das ist nun wirklich keine große Sache, Goloriel. Dein Vater und ich küssen uns doch auch", sagte Niliwen geistesabwesend, während sie dem Händler beim Wiegen zusah.

"Ja, aber du steigst Papa nicht hinterher auf den Fuß", entgegnete die Kleine, worauf Niliwen verdutzt innehielt. Sie wollte sich gerade zu dem ungewöhnlichen Paar umdrehen, als auf einmal die Fanfaren von den Zinnen der Stadtmauern erscholl.

Die Köpfe sämtliche Bürger Perrigons, die sich zu dem Zeitpunkt auf den Straßen befanden, fuhren herum, um den Fanfaren zu lauschen. Es gab verschiedene Signale für "Angriff auf die Stadt", "Feuer in der Stadt" und "Todesfälle oder Geburt in der Herrscherfamilie" und "Ankunft von hohen Gästen". Und letztere war nun der Fall. Die Perrigoner stürmten zum Stadttor, um zu sehen, wer durch das Tor schreiten oder reiten würde. Auch Niliwen mit ihrer kleinen Tochter machte sich auf den Weg dorthin. Es hatte Gerüchte gegeben, daß die Königin persönlich der Stadt einen kleinen Besuch abstatten wollte. Wollen doch sehen, ob Arwen Undomiel wirklich so schön war.

Niliwen arbeitete sich wegen ihrer kleinen Tochter vorsichtig durch die Menge und bekam daher nur mit, wie sich die Tore langsam öffneten. Die Menge jubelte und riß die Arme hoch, als der erste Gast eintrat. Da Niliwen von ihrem Platz gar nichts sah, hob sie ihre Tochter hoch und drängte sich entschlossen durch die Menge bis in die erste Reihe.

Es gab keine elbische Königin zu bewundern, aber mindestens 50 starke Männer mit den gleichen Umhängen auf edlen Rössern, die in Zweierreihen langsam in die Stadt ritten.

"Wer sind denn die?" fragte Niliwen einen Mann neben sich und hielt ihre aufgedrehte Tochter fest, die mit leuchtenden Augen die Pferde bewunderte und laut "Mama, Mama, Pferde!!" rief.

"Das sieht man doch!" rief der Mann aus und deutete auf die vielen Reiter. "Das sind Ritter aus der Hauptstadt!" Er zeigte auf das Wappen, das alle Reiter auf ihren Umhängen hatten. "Die Garde des Königs."

Niliwen riß entsetzt die Augen auf. Die Garde des Königs? Warum war sie hier? "Gibt es wieder Krieg?"

"Ach nein!" wehrte der Mann lachend ab. "Die sind doch alle unbewaffnet. Sieh doch, nicht einmal Kettenhemden tragen sie. Sie sind wegen des Banketts hier."

"Mama, Mama, Elben!!!" quietschte Goloriel und sie winkte einem Elben zu, der gerade an ihr vorbei ritt. "Hallo, Herr Elb!!" Der Elb sah über die Schulter zu ihr zurück und winkte ihr freundlich zu. "Mama, Mama, hast du das gesehen?"

Niliwen unterdessen staunte nicht schlecht. Sie zählte mindestens 15 der hochgewachsenen, edlen Wesen, die einträchtig neben ihren menschlichen Kameraden ritten. Der König hatte Elben in seiner Garde? Aber andererseits war das gar nicht überraschend. Seine Frau war schließlich eine Elbe.

"Guck mal, Mama! Gandalf!" rief das kleine Mädchen und zeigte aufgeregt auf den alten langhaarigen Mann auf dem Schimmel, der ganz am Schluß der Prozession durch das Tor ritt. Er lächelte milde in die Menge und neigte sich zu zwei Kindern, die neben ihm ritten. Zwei weitere waren hinten. Niliwen stutzte. Für Kinder hatten sie aber schon ziemlich erwachsene Gesichter und...

"Himmel, was sind ihre Füße behaart!" murmelte sie entsetzt.

"Aber Mama, das sind Hobbits!" belehrte ihre Tochter sie.

"Woher willst du das wissen?" fragte Niliwen zurück.

"Der Märchenerzähler hat von ihnen erzählt. Einer von ihnen ist der Ringträger. Er hat Mittelerde gerettet!" Goloriel ruderte dabei wild mit den Arme auf und ab. "Mama, der kleine Mann hat uns gerettet!"

"Goloriel, wie oft muß ich dir noch sagen, daß du nicht alles glauben sollst, was diese Märchenerzähler sagen?" rief Niliwen über den Jubel der Menge hinweg.

Goloriel schmollte und verschränkte ihre Arme vor der Brust. "Ich beweise es dir!"

Niliwen dachte, sie würde taub werden, als ihre Tochter auf einmal losbrüllte: "FRODO!!!"

"Goloriel!" rief ihre Mutter entsetzt und versuchte die kleinen Arme ihrer Tochter einzufangen.

Aber ihre Tochter kümmerte es überhaupt nicht und schrie weiter den Namen des Ringträgers. "FRODO!! FRODO!!!"

Einer der kleinen Leute in der hinteren Reihe stieß den neben Gandalf an und deutete auf Goloriel, die immer noch wie verrückt winkte. Der Hobbit neben Gandalf hatte braune Locken und blaue Augen, die strahlten, als er das Kind schüchtern anlächelte. Dann hob er zu ihrer Freude und zu Niliwens Erstaunen die Hand zum Gruß.

"Willkommen in Perrigon, Frodo!" rief Goloriel und winkte begeistert zurück. Der Hobbit nickte lächelnd und seine Lippen formten ein "Dankeschön". Dann wandte sich Goloriel mit einem triumphierenden Grinsen zu ihrer Mutter. "Siehst du, Mama, das war doch der Ringträger."

Niliwen zwickte Goloriels Nase und lachte. Es schien wirklich ein großes Fest Perrigon zu geben.

~*~

Legolas wunderte sich nicht schlecht, als die Tore zum Statthalterpalast in Sichtweite kamen. Handwerker kletterten auf Leitern an dem Tor auf und ab, um es für den letzten Feiertag herzurichten. Es waren aber nicht diese Menschen, die ihn so erstaunten. Es waren all die Pferde und Ritter, die vor und hinter dem Tor standen. Die königliche Garde war da. Die Männer trugen keine Waffen oder Rüstungen, sondern ihre Alltagskleidung und darüber den Umhang, der zu ihrer Uniform gehörte. Sonst hätte selbst Legolas diese Männer nicht erkannt.

"Was ist denn da am Tor los?" hörte er Asani murmeln.

"Die königliche Garde ist eingetroffen", erwiderte er leise.

"Deswegen also die Fanfaren." Asani hatte eigentlich die Handwerker gemeint, aber nun kniff sie die Augen zusammen und sah angestrengt nach vorn. Erst jetzt sah sie ein paar Pferde und deren Reiter vor dem Tor. "Hauptmann Le Tare ist aber ziemlich schnell zurück."

"Er ist seinem König sehr, sehr ergeben."

Asani nickte nur und schlenderte schweigend weiter mit ihm zum Tor. Sie hielt ihre Hände hinter dem Rücken verschränkt und ging mit etwas Abstand neben ihm her. Er hätte gern den Arm um ihre Schultern gelegt oder wenigstens ihre Hand gehalten, aber sie hatte darauf bestanden, daß sie in der Öffentlichkeit Distanz wahrten. Sie wurden auch so schon beobachtet. Das hatte er vergessen, aber Asani hatte ihn daran erinnert, als er sich gerade mit einem Kuß für die leckeren Teigtaschen auf dem Basar bedanken wollte. Er spürte immer noch einen kleinen Stich im großen Zeh.

Sie standen bereits am Tor und einige der Gardisten blickten sie neugierig an, als Asani ihre Hand in seine schob und sich kurz an seinen Arm lehnte. Dann flüsterte sie kaum hörbar: "Bis dann."

Bevor er protestieren konnte, hatte sie ihre Hand wieder zurück gezogen und ging unauffällig einen Schritt zur Seite. Legolas erwischte ihren Zopf und zog sie daran zurück. Mit einem kleinen Schrei wirbelte sie herum und blickte ihn verärgert an.

"Was soll das?" zischte sie dem Elben zu. "Laß mich wieder los!"

"Was denkst du, wohin du gehst?" fragte er zurück.

"Zurück zum Elbenwald."

"Warum?"

"Legolas, du erinnerst dich doch, warum der König mich allein nach Perrigon geschickt hat, oder?"

"Ja, aber nur sehr ungern."

"Legolas...was soll das? Laß mein Haar los."

"Du arbeitest bei Herrn Temonis doch als Dienstmädchen, oder?" fragte er plötzlich.

"Als Tarnung, das weißt du doch."

"Wie wäre es, wenn du hier als Dienstmädchen arbeitest?" fragte er leise hob die Hand, als sie den Mund öffnete, um ihn zu widersprechen. "Was willst du noch auf den Straßen Perrigons? Du hast doch selbst von Herrn Temonis gehört, daß sich der Drahtzieher hier im Palast befindet." Er blickte ihr eindringlich in die Augen und tupfte einen Kuß auf ihre Lippen. "Übermorgen wird hier alles drunter und drüber gehen. Wir werden noch jemanden brauchen, der mit uns nach ihm sucht."

"Die königliche Garde ist hier", erinnerte sie ihn und deutete mit dem Kinn auf einen Ritter vor ihnen. "Die wird sicherlich gerne mithelfen."

"Stell dir bitte all diese Männer vor, die 'unauffällig' Fragen stellen und in jeder Ecke des Palastes die Wände abklopfen", entgegnete er ruhig.

"Bei dem Durcheinander hier wird das nicht auffallen."

Als Legolas sie skeptisch ansah, seufzte sie auf und rollte die Augen. "Gut, dann fallen sie eben doch auf. Aber weißt du, wie schwer es ist, im Palast eine Stelle zu bekommen? Du darfst noch nicht einmal den Moos von den Wänden kratzen, wenn du keine Zeugnisse hast und die habe ich nicht."

"Könnte dir Herr Temonis welche ausstellen?"

"Oh sicher", flötete sie. "Ich bewerbe mich mit einem Zeugnis von Gondors berüchtigtsten Bordellvater."

"Gut, dann eben nicht", grinste Legolas und legte einen Arm um ihre Taille. "Dann kommst du als meine Konkubine in den Palast."

Sie sagte nichts. Sie tat nichts. Sie bewegte sich auch nicht. Sie sah ihn nur an.

"Keine gute Idee?" Legolas zog die Wangen an, um nicht laut loszulachen, als sie ganz langsam den Kopf schüttelte.

"Ich gehe jetzt zurück", sagte sie dann und machte wieder kehrt. "Grüß Herr Gimli von mir."

Legolas hielt sie wieder an dem Zopf fest und zog ihren Kopf dabei in den Nacken, damit er ihr direkt in die Augen sehen konnte. "Asani, wir brauchen dich im Palast und nicht hier draußen."

"Woher willst du das wissen?" zischte sie zurück und befreite ihren Zopf aus seinem Griff. "Der König hat mich hierher geschickt, damit ich mich auf den Straßen umhöre. Ich handle gegen sein Befehl, wenn ich jetzt in den Palast gehe."

"Aragorn wird das verstehen. Traust du denn meinem Urteilsvermögen nicht?" fragte er ernst.

"Doch schon...", Asani suchte vergeblich nach Worten und bemerkte zu ihrem Verdruß, daß Legolas sie nicht mehr ansah, sondern sein Blick in die Ferne glitt. "Legolas, es ist nicht, daß ich dir nicht vertraue, aber der König hat mich nun einmal..."

"Lady Kerrigan kommt", flüsterte er kaum hörbar, aber bei diesen drei Worten schrillten bei Asani sämtliche Alarmglocke. Sie fuhr herum und sah tatsächlich Lady Kerrigan mit einer Dienerin auf das Tor zukommen. Sie hob gerade die Hand, um Legolas zuzuwinken, der diese Geste auch noch erwiderte.

"Ich muß weg!" zischte Asani entsetzt. Etwas in ihr scheute sich ganz gewaltig davor, dieser Lady gegenüber zu treten. Das Gefühl lief als ein paar heiße Krallen über ihre Wirbelsäule. Bei jedem Schritt schlugen sich die Klauen in ihr Fleisch und sie spürte den Griff ihres Schwertes in ihrer Hand. Verwirrt öffnete sie wieder ihre Faust. Warum wollte das Schwert erscheinen? Sie blickte zu Legolas hoch, um zu sehen, ob er Gefahr spürte. Der Instinkt des Elben wurde nicht wie ihrer durch ein Pakt mit einem blutdürstigen Schwert getrübt. Aber er stand völlig entspannt neben ihr und lächelte. Hier war nichts. Außer der lächelnden Lady...Asani wollte los rennen, aber Legolas hielt sie unerbittlich fest. "Laß los, du blöder Elb!"

"Sei still!" befahl Legolas knapp und lächelte Lady Gouldwen immer noch freundlich entgegen. Als Asani wieder flüchten wollte, drückte er sanft und beruhigend ihre Hand. "Ich werde dich Lady Gouldwen als armes, bedürftiges Mädchen vorstellen. Sie hat ein gutes Herz."

"Du willst sie belügen?" fragte Asani halb entsetzt halb amüsiert.

Legolas überlegte und erwiderte dann: "Nein, ich werde dein Zeugnis sein."

"Wie bitte?" entfuhr es ihr.

"Ich werde das schon regeln. Vertrau mir, Asani", schmeichelte er und lächelte triumphierend, als sie schnaubend die Augen gen Himmel rollte, aber stehen blieb, wo sie war.

Die junge Lady sah heute aus wie eins ihrer Dienstmädchen. Nicht, weil sie einen schweren Korb trug, sondern weil sie sich heute nur mit einem schlichten Kleid aus heller, glatter Wolle begnügte und das dunkle Haar zu zwei Zöpfen geflochten hatte. Einzig das blaue Seidentuch mit der komplizierten Stickerei in ihren Haaren deutete auf ihren Stand hin.

"Guten Morgen, Hoheit", begrüßte sie den Elbenprinzen und knickste höflich. "Wir haben Euch gestern beim Abendessen vermißt."

"Guten Morgen, Mylady. Ich habe mit Gimli einen kleinen Spaziergang gemacht und einen Bekannten getroffen, bei dem ich dann übernachtet habe", erklärte Legolas lächelnd. "Ich hoffe, meine Abwesenheit hat keine Unannehmlichkeiten bereitet."

"Aber nein", wehrte Lady Gouldwen schnell ab und verlagerte das Gewicht des Korbes in ihren Armen. "Ich war nur etwas überrascht, als Ihr nicht am Tisch wart. Aber ich hoffe, Ihr hattet einen schönen Abend mit Eurem Bekannten verbracht."

"Oh ja, das habe ich", erwiderte Legolas mit unterdrücktem Lachen und nahm Lady Gouldwen galant den schweren Korb ab. Asani unterdessen hatte das Gefühl, daß sie gleich vor Hitze sterben würde. Was war mit ihr los? Warum tat ihr das Schwert so etwas an. Angestrengt sah sie sich um. Welche Gefahr drohte, daß das Schwert so unbedingt erscheinen wollte?

"Wie geht es hier voran?" fragte Legolas weiter.

"Oh, es herrscht das reine Chaos hier", lachte Lady Gouldwen und massierte sich die Arme. "Alles geht hier drunter und drüber. Gerade ist die königliche Garde eingetroffen. Das halbe Personal ist damit beschäftigt, Unterkünfte herzurichten, daher bleibt es nicht aus, daß ich selbst mithelfen muß." Lächelnd hob sie die Decke von dem Korb und zeigte ihm etliche Rollen mit bunten Bändern, die wohl für die Dekoration vorgesehen waren. "Aber ich bin sehr glücklich über dieses Chaos. Es war schon so lange nichts mehr los in Perrigon."

"Die ganze königliche Garde?" fragte Legolas höflich, obwohl er sich denken konnte, daß Le Tare auf jeden Fall die gesamte Garde mitgebracht hatte. Der Hauptmann neigte sehr dazu, penibel zu sein.

"Oh ja, alle 70 Ritter", bestätigte Lady Gouldwen und senkte ihre Stimme, als sie fortfuhr: "Und fünf sehr, sehr hohe Gäste. Leider weiß ich nicht, um wen es sich handelt. - Aber ich hoffe, die Königin ist darunter! Ich würde sie so unendlich gerne einmal sehen."

Ihre großen Augen blickten völlig verträumt in die Ferne und sie seufzte leise auf. Legolas mußte über ihr kindliches Entzücken und Begeisterung lächeln. Aber dann riß sie schlagartig ihre Augen auf und atmete scharf ein: "Oh, wenn ich daran denke, was es für ein Chaos bei den Frauen geben wird, wenn sich herumspricht, daß sich hier 70 ledige, gutaussehende Gardisten aufhalten. Oh, oh, oh, oh..."

"Aber so kann sich niemand beschweren, er oder sie hätte keine ansprechende Begleitung für übermorgen", scherzte Legolas.

"Da habt Ihr Recht", lachte Lady Gouldwen und sah plötzlich um ihn herum. Als die junge Lady Asani neugierig von Kopf bis Fuß musterte, versank diese einen tiefen Knicks vor ihr. "Ist das Eure Begleitung, Hoheit?"

"Ich bin nur eine Magd, Mylady", erwiderte Asani schnell und tat ihr bestes, demütig und eingeschüchtert zu wirken. Sie atmete tief durch und hielt ihre Hände offen. Das Schwert protestierte weiter. Sie begann zu frieren und zu ihrem Erschrecken kam ein kleines weißes Wölkchen aus ihrem Mund, als sie noch etwas sagen wollte. Aber zum Glück schien es niemand zu bemerken. Sie machte schnell wieder den Mund zu und wagte nicht, aufzuschauen.

"Nein, das kann nicht sein", widersprach Lady Gouldwen freundlich. Sie hockte sich zu Asani in den Staub. "Wie kannst du nur eine Magd sein, wenn du die ungeteilten Aufmerksamkeit eines so edlen Elbenprinzen genießt?"

"Es ist nicht so, wie es aussieht", stotterte Asani entsetzt. Sie schaute auf, um zu einer Erklärung anzusetzen und so schnell wie möglich zu verschwinden, als sich ihre Blicke begegneten. Lady Gouldwen erstarrte. Ihr Lächeln verschwand und ihre Augen weiteten sich vor Abscheu. Aber vielleicht irrte sich Asani auch nur. Denn Lady Gouldwens Lächeln kehrte sehr schnell wieder zurück.

Aber Legolas war innerlich zusammen gezuckt, als Asani aufgeschaut hatte. Ihre sonst so schwarzen Augen hatten für einen Augenblick blau geleuchtet. Wie Mithril, das einen Ork in seiner Nähe spürte. Aber er sah und spürte nicht die Anwesenheit eines Orks. Was war bloß mit ihr? Vorsichtig legte er eine Hand auf ihre Schulter. Er mußte sich beherrschen, keine hastigen Bewegungen zu machen.

Asani war eiskalt.

Aber Lady Gouldwen schien von all dem nichts zu bemerken. "Wie ist dein Name?" wollte sie gerade wissen.

"A...nini, Mylady."

"Anini?" wiederholte Lady Gouldwen lachend. "Oh wie süß!"

"Ihr seid zu gütig", hauchte Asani zitternd. Sie biß die Zähne zusammen, damit sie nicht aufeinander schlugen.

"Ist sie Eure Bekannte?" wollte Lady Gouldwen von Legolas wissen und lächelte dabei verschmitzt.

"Nein", lächelte Legolas und ließ langsam seine Hand von ihrer Schulter gleiten. "Anini habe ich nach den kürzesten Weg zum Palast gefragt."

"Tatsächlich?"

"Sie ist auf der Suche nach einer Anstellung als Dienstmädchen. Aber niemand will sie haben, weil sie keine Zeugnisse hat."

"Wirklich?" entfuhr es Lady Gouldwen und ohne auf den Staub zu achten, bückte sie sich noch tiefer zu Asani, um ihr ins Gesicht zu sehen. Aber Asani blickte weg. "Du suchst wirklich eine Stelle als Dienstmädchen?"

"Ja, Mylady", hauchte Asani.

"Kannst du servieren?"

"Ja, Mylady."

Lady Gouldwen klatschte begeistert in die Hände. "Wunderbar!!! Möchtest du dann in unseren Haushalt eintreten, Anini? Wir brauchen noch einige Dienstmädchen die übermorgen am Tisch servieren."

"Liebend gern, Mylady. Aber ich habe keine Zeugnisse."

Lady Gouldwen winkte lächelnd ab. "Dein Lohn beträgt 20 Silberlinge pro Tag. Ist das in Ordnung?"

"Ja, Mylady, aber sicher doch", erwiderte Asani schnell. Sie knickste noch tiefer. "Habt vielen Dank, Mylady."

"Hast du eine Familie, die du versorgen muß?"

"Nein, Mylady. Ich bin Waise", log Asani glatt.

"Oh, armes Kind!" rief Mylady aus und tätschelte zärtlich Asanis Kopf, während sie zu Legolas hochsah. "Ihr habt gut daran getan, das Mädchen zu mir zu bringen. Weißt der liebe Himmel, was alles mit ihr geschehen wäre." Sie klatschte in die Hände und winkte die junge Dienerin zu sich, die gerade durch da Tor lief. "Merryl, das ist Anini und sie wird übermorgen im Pavillon servieren. Weise sie ein."

Merryl knickste gehorsam und lächelte Asani freundlich an. "Sehr gern, Mylady." Dann wandte sie sich zu Asani und bedeutete ihr, ihr zu folgen. Nach einem letzten Knicks vor der Lady und dem Elbenprinzen trottete Asani hinter dieser Merryl her. Legolas runzelte besorgt die Stirn, als er einen kurzen Blick auf ihre Lippen erhaschte. Sie waren bläulich angelaufen...

"Wunderbar!" rief Lady Gouldwen strahlend. "Jetzt sollte der Küchenmeister zufrieden sein. Er lag mir die ganzen in den Ohren, daß wir nicht genügend Personal bei Tisch hätten."

"Anini scheint mir ein sehr fleißiges Mädchen zu sein. Euer Küchenmeister wird seine helle Freude an ihr haben." Legolas schenkte der erfreuten Lady ein liebenswürdiges Lächeln.

Lady Gouldwen wollte ihm gerade antworten, als jemand laut nach ihr rief. Eine junge Magd kam mit gerafften Röcke über den Platz gelaufen. "Mylady, Seine Lordschaft sucht Euch. Es ist sehr, sehr dringend, Mylady."

"Tatsächlich?" Lady Gouldwen schien geradezu entsetzt zu sein. "Er sucht mich? Oh du meine Güte!" Sie raffte ebenfalls ihre Röcke und rannte der Magd hinterher. Aber plötzlich blieb sie stehen und ging zurück zu Legolas. Schnell nahm sie ihm wieder den Korb mit den bunten Bändern ab. "Verzeiht bitte mein grobes Benehmen, Hoheit, aber..."

"...es herrscht ein gewisser Grad an Chaos hier", beendete der Elb lächelnd ihren Satz. "Ich verstehe durchaus Eure Eile. Macht Euch bitte keine Sorgen."

"Ihr seid so wundervoll", seufzte Lady Gouldwen und drückte dem Prinzen aus einem Impuls heraus einen Kuß auf die Wange. "Und habt vielen Dank für Anini!"

"Gern geschehen", erwiderte Legolas und deutete eine Verbeugung an, als Lady Gouldwen wieder ihre Röcke hob und in den Palast eilte. Er sah in die Richtung, in die Asani mit den anderem Dienstmädchen gegangen war. Asani hörte dem anderen Dienstmädchen zu, während sie die Treppen hinunter in die Unterkünfte der Diener stiegen. Anscheinend bekam sie ihre Aufgaben erklärt. Sie lächelte. Ihre Lippen waren wieder so rot wie vorher und es war auch eine frische Farbe in ihrem Teint zurück gekehrt.

Legolas blieb noch eine Weile stehen und versuchte nach Gefahren zu Ausschau zu halten. Aber es war nichts. Weder die kleinste Ahnung noch eine sichtbare Gefahr. Gar nichts. Absolut gar nichts.

Aber warum hatte das Schwert in Asani so wütend aufgeleuchtet?

Ende des 26. Kapitel

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Ich möchte mich hiermit ganz offiziell als Labertante outen...ich werde mich auf keinen Fall an meinen angekündigten Limit von 30 Kapitel halten können. Sorry...