Auflösung des Rätsels: Gesucht wurden ja die Wörter, aus denen die Namen der Väter von Edundion und Ahrmméion gebastelt wurden. Zuallererst muß man wissen, daß die Endung -ion „Sohn von" bedeutet. Blieben also nur noch Edund und Ahrmme übrig. Edund ist das Anagramm aus Duden und Ahrmme wurde aus Hammer zusammengestellt. Die Zusatzaufgabe Sabmos war aufzulösen als Amboß.

Wer die Schnellste war und wer sonst noch mitgerätselt hat, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.

~*~\*/~*~

Titel: Den Jäger erlegen

Autorin: Sleepy Tiger

Email: lapoetica@web.de

Warnung: Ich hab euch angelogen...

Disclaimer: Lord of the Rings © by J.R.R. Tolkien

38. Kapitel: Geduldsprobe

neun Tage später...

Wie in jeder finsteren Neumondnacht wurden draußen die Wege Bruchtals mit Fackeln ausgeleuchtet und im Haus Elronds einige Lampen mehr als sonst angezündet. Aber das waren die einzigen Besonderheiten. Es wurde dann wie immer gelacht, geredet, gesungen und erzählt. Man zählte zusammen die Sterne, da sie ohne den Mond noch prachtvoller funkelten.

Aber diese Neumondnacht wurde von Stille beherrscht. Kein Bewohner und kein Besucher wagte es, ein Laut von sich zu geben. Eine Mischung aus Neugier, Spannung und Furcht lag in der Luft. Die Ifreys hatten vor Sonnenuntergang Lord Elrond gebeten, eines ihrer Zeremonien abhalten zu dürfen. Es diente dazu, ihren Göttern und Ahnen von dem morgigen Kampf zwischen Asani und Legolas zu unterrichten. Als Lord Elrond sein Einverständnis gegeben hatte, machten sogleich einige Gerüchte ihre Runden. Man wußte ja, wie blutrünstig dieser Clan war. Vor allem die sterblichen Besucher Bruchtals fürchteten sich vor abergläubischen Ritualen. Von Tier- und Menschenopfern war die Rede.

Aber so richtig abgeschreckt hatte es wohl niemand, denn als die Zeremonie nach Sonnenuntergang begann, hefteten sich einige neugierige Gemüter an die Fersen der Ifreys, die in einer stillen Prozession langsam und ohne erkennbares Ziel durch Bruchtal wanderten. Es waren nicht alle Ifreys dabei. Das aufmerksame Auge sah, daß Asani und ein junger Krieger hierbei fehlten.

Es kamen immer mehr Elben hinzu, als gewiß war, daß die Ifreys nichts einzuwenden hatten. Aber niemand fragte, was sie genau taten oder was als nächstes geschehen würde. Alle Ifreys schwiegen feierlich und die Elben sahen dies als Teil ihrer Zeremonie an, der sie zwar beiwohnen, aber nicht stören wollten.

Dann, als es so aussah, als würde es bei diesem friedlichen Nachtspaziergang bleiben, begannen die Männer zu summen und lenkten dabei ihre Schritte zu dem Platz, auf dem die Elben gewöhnlich ihre Schieß- und andere Waffenübungen machten. 

Dort setzten sie sich im Kreis auf den Boden. Mit einer bedrohlich klingenden Beschwörung durchbrach Maja mo Ifrey die Stille und zauberte damit auch ein loderndes Feuer in ihre Mitte. Völlig unvermittelt begannen die Krieger dann zu singen.

Einigen Elben entglitt das Lächeln oder gleich sämtliche Gesichtszüge. So friedlich ihre Zeremonie bisher verlaufen war, so entsetzlich widersprüchlich verhielt sich nun der Inhalt dieses Liedes dazu, das die Männer angestimmt hatten. Der Wortlaut war nämlich:

„Tod dem, der die Schlächterin berührte.

Tod dem, der die Schlächterin küßte.

Tod dem, der der Schlächterin das Schwert nahm.

Tod dem, der der Schlächterin Gnade erklärte.

Tod dem, der die Schlächterin von unserem Weg brachte.

Tod, Tod, Tod dem Elben Legolas Grünblatt."

Am lautesten sang der Herzog, Asanis Vater. Sein dröhnender Baß klang wie ein Todesurteil und hallte über den ganzen Platz. Die Elben sahen sich unsicher an. Jemand sollte das Lord Elrond erzählen. Oder? Er hatte doch den Ifreys erlaubt, ihre Zeremonie auf seinem Land durchzuführen. Also würde er doch wissen, was geschehen würde. Aber hatten sie ihn auch wirklich alles erzählt? Wußte er von diesen grausigen Gesängen? Was war zu tun, wenn die Ifreys ihre Worte auch in Taten umsetzten?

All diese Fragen lagen wie ein schwerer Nebel auf den Elben und breitete sich langsam in ganz Bruchtal aus, bis es den Herrn des Hauses erreichte. Lord Elronds Beschwichtigung, es wäre ein altes Ritual und so lange kein Blut fließe, sollte man die Ifreys gewähren lassen, konnte diese Angst nur langsam eindämmen.

Außer Elrond gab es nur noch einen Elben in ganz Bruchtal, der sich mit diesen Dingen nicht belastete. Nämlich derjenige, dem die Ifreys so leidenschaftlich dem Tod wünschten: Legolas Grünblatt von Düsterwald.

Er kümmerte sich weder um die Ifreys noch um die besorgten Elben und Menschen, sondern konzentrierte sich darauf, mit der Nacht eins zu werden. Unbemerkt von allen wachsamen Augen suchte er sich seinen Weg zu einem sehr abgelegenen Teil von Elronds Haus. Dort wurde Asani vor neun Tagen untergebracht. Seines Wissens hatte sie das Gebäude seit ihrem Betreten nicht verlassen dürfen. Die Fenster der Räume, die sie bewohnen durfte, waren immer verhangen und vor der Türschwelle saßen immer Wachen. Legolas hatte sie in diesen neun Tagen nicht einmal gesprochen, geschweige gesehen. Hätte er es jedoch getan, war es gleichbedeutend mit Auflösung der Verlobung der Gondorianer. Diese Frist war für die Ifreys heilig, denn sie diente dazu, damit sich Braut und Bräutigam nicht nur körperlich, sondern auch spirituell auf das bevorstehende Duell vorbereiten konnten. Legolas verstand nur nicht, warum man das getrennt voneinander tun mußte.

Er vermißte sie. Es war schlimmer als in Perrigon gewesen, denn ihnen stand kein süßes, liebevolles Wiedersehen bevor, sondern ein Kampf auf Leben und Tod. Er machte sich Sorgen um Asani. Als ihr Vater sie aus der Schmiede entführt hatte, war ihre Schulter noch verletzt gewesen. Ob das nun wieder verheilt war? Was war aber mit ihrem Schwert? Er hatte Ahrmméion einige Male besucht und sich erkundigt, ob er Asanis Schwert repariert hatte. Sie war nicht mehr dort gewesen. Auch seine Nachfragen bei Lord Elrond und seinen Beratern waren sehr unergiebig gewesen. Sie wurden von den Ifreys zu Stillschweigen verpflichtet. Legolas hatte in diesen neun Tagen nicht eine Nachricht über Asani erhalten können, obwohl sie im gleichen Haus wohnte wie er.

Zugegeben, er war auch verunsichert. Er wußte nur, daß sie sich ihrem Clan nicht entziehen konnte und in der Pflicht stand, diesen Kampf mit ihn auszutragen. Aber nicht, was Asani darüber dachte oder fühlte. Zitterte sie ebenso bei dem Gedanken, daß sie ihn verletzen könnte? War ihr der Gedanke daran auch zuwider? Hatte sie Angst davor, daß das Schwert ihre Sinne in den blauen Blutdurst ertränkte? Oder war es wirklich nur eine lästige Pflicht, die sie schnell hinter sich gebracht haben wollte? Hatte er ihr gar diese aufgebürdet? War es eigentlich in ihrem Sinne gewesen, als er sie vor Majas Augen herausgefordert hatte?

Legolas brauchte Antworten. Er wollte ihr dabei in die Augen sehen und ihre Stimme hören. Deswegen hatte er sich auf den Weg zu Asanis Quartier gemacht. Heute abend gab es wegen der Zeremonie nur eine Wache. Es war der Junge, der Legolas den Dolch der Absage überbracht hatte. Sein Name war Lenn. Weil er noch zu jung für irgendwelche Rituale des Clans war, mußte er hier Wache halten. Aber anscheinend langweilte er sich sehr, denn er unterhielt sich mit dem Jonglieren seiner Dolche. Es nahm seine Aufmerksamkeit derart in Anspruch, daß er Legolas selbst dann nicht bemerkte, als dieser für einen Wimpernschlag aus den Schatten hervortrat, um hinter einigen Büschen zu hechten, die in einer langen Linie dicht um das Gebäude gepflanzt wurden. Lenn sah nicht einmal auf, als Legolas aus Versehen das Laub zum Rascheln brachte.

Dennoch behielt der Elbenprinz den Jungen scharf im Auge, während er gleichzeitig nach den verhangenen Fenstern Ausschau hielt. Er schlich sich hinter den Büschen entlang und berührte dabei weder das Laub noch trat er auf trockene Zweige.

Als er sie endlich im zweiten Stock auf der Rückseite des Gebäudes und damit außerhalb von Lenns Sicht fand, mußte er sich zwingen, in seinem Versteck zu bleiben, um nicht einfach heraus zu stürzen und die Wand hochzuklettern. Elegant und still wie es nur ein Elb konnte hockte sich Legolas hin und betrachtete die Wand genau. Stirnrunzelnd versuchte er seine bevorstehende Kletterpartie zu planen, denn Bruchtal-Architektur lud nicht wirklich zu solchen Akten ein. Die Wände waren glatt verputzt und sparsam, aber wirkungsvoll verziert. Die Fenster waren hoch, aber ihre Rahmen boten nur wenige Möglichkeiten zum Festhalten. Dummerweise standen die Bäume nicht nah genug an der Wand.

Als Legolas dann eine Vorstellung hatte, wie er vorgehen sollte, trat er vorsichtig und wachsam aus seinem Versteck. Kein Blatt zitterte dabei. Kein Grashalm bewegte sich und die Erde dämpfte seine Schritte.

Als er auf das erste Fenstersims hüpfte, geriet sein Inneres in Aufruhr, als ihm auf einmal klar wurde, daß ihn nur noch zwei Stockwerke von Asani trennten. Seine Ungeduld wuchs, denn er hörte bereits ihre Stimme und meinte schon ihren Duft riechen zu können. Aber er mußte es ruhig angehen. Ein falscher Schritt auf diesen schmalen Simsen und man würde ihn bemerken. Zu viele Elbenohren waren heute nacht unterwegs. Er zwang sich an etwas anderes zu denken, während er wieder nach dem nächsten Fensterbrett über ihm griff. Mürrisch ließ er die letzten Tage vor seinem inneren Auge passieren.

Gleich am Tag nachdem Maja den Termin für die Zeremonie festgelegt hatte, stand ein großer, grobschlächtiger und einäugiger Ifrey Krieger vor seiner Tür und hatte ein Ballen dunkelroten Stoff und ein Holzkästchen unter dem Arm gehabt. Er hatte sich dem Elben als Rinmaa mo Ifrey vorgestellt und war ohne Aufforderung eingetreten. In aller Seelenruhe hatte der Mann dann das Kästchen geöffnet und daraus ein eingerolltes Lederband herausgeholt, ehe er mit seiner tiefen, vibrierenden Stimme gebeten hatte, daß Legolas bitte die Arme hochheben sollte.

„Verzeiht, mein Herr, aber warum?" hatte Legolas dann höflich aber äußerst verwundert gefragt.

„Ich will Euch ausmessen", hatte der Mann grinsend erwidert und war hinter dem Elben getreten. „Mmmhhmm...Ihr seid aber ziemlich schmal...aber naja, Ihr seid ein Elb und kein Troll." Anscheinend hatte er gerade Legolas' Figur begutachtet.

„Aber warum wollt Ihr meine Maßen nehmen?" hatte Legolas wieder verwirrt gefragt, während er hinter sich das leichte Kratzen einer Feder hörte. Der Mann hatte sich wohl einige Zahlen aufgeschrieben.

„Na, Ihr wollt doch nicht in diesem Aufzug gegen unsere Ti Yanca no An antreten, oder?" hatte der Ifrey gemeint und abfällig auf die grün – braunen Kleider des Elbenprinzen gedeutet. „Das ist eine Beleidigung fürs Auge!"

Legolas hatte sich zwar gefragt, was ein Ifrey von Kleidern verstand, hatte dann ergeben geseufzt: „Nun, wenn Ihr darauf besteht, daß ich einen ifreyschen Hochzeitsanzug trage." Er hatte sich bis aufs Hemd ausgezogen, damit der Anzug auch hinterher angegossen saß. „Nur zu. Nehmt die Maßen."

„Nun", hatte der Mann vergnügt gegluckst, während er Legolas Halsweite bestimmt hatte. „Es ist nicht gesagt, daß es wirklich Euer Hochzeitsanzug  wird."

„Was dann?"

„Wenn Ihr Euch auch nur einen Augenblick dumm anstellt, wird es Euer Leichengewand."

Legolas hatte all das mit elbischer Gelassenheit hingenommen. Es war sicherlich die ifreysche Art den Bräutigam zu aufzuziehen. Bei Menschen schien das, Tradition zu sein.

Am zweiten Tag hatte Maja mit ihm gesprochen. Sie hatte ihn über einige Sitten des Clans aufgeklärt und auch, was man von ihm erwartete und was er möglichst vermeiden sollte, um dem Ältestenrat nicht vor dem Kopf zu stoßen. Dann hatte sie ihm angeboten, ihm etwas über Asanis Kampfgewohnheiten zu verraten. Legolas hatte freundlich angelehnt. Es erschien ihm nicht gerecht, wenn er einen Vorteil hatte. Maja hatte ihn in bedrückter Stimmung verlassen und zuvor noch versprochen, für seine Seele zu beten.

Am dritten Tag war er dem Herzog begegnet. Er hatte diesen Mann noch nie so gutgelaunt erlebt. Sie hatten sich sogar kurz unterhalten und Legolas gewann den Eindruck, daß sich der Sterbliche damit angefreundet hatte, ihn als Schwiegersohn zu bekommen. Aber Yuk mo Ifrey hatte sich mit den rätselhaften Worten verabschiedet: „Ihr seid ein hübscher Junge. Eure Ahnen warten sicherlich bereits auf Euch."

Am vierten Tag hatte Legolas auf seinen Spaziergängen zwischen der Schmiede und Lord Elronds Büro zufällig ein Gespräch zwischen seinem Bruder Damelos und einigen Ifrey Kriegern gehört. Damelos war gerade dabei gewesen, die Ehre seines großen Bruders zu retten.

„Mein Bruder verteidigte über ein Jahrtausend erfolgreich unser Reich, ehe er ein Ringgefährte wurde. Dabei hatte er in zwei großen Schlachten gekämpft. Zwischendrin hat er unzählige Feinde besiegt", hatte er sich empört. „Wie könnt Ihr sagen, er habe keine Erfahrung als Krieger?"

„Ah, junger Prinz, immer mit der Ruhe", hatte einer der Krieger gönnerhaft erwidert. „Wir wollen Eurem Bruder den Ruhm nicht absprechen. Wir besingen schließlich auch seine Taten. Aber er kann sich mit unserer Asani nicht messen."

„Und warum nicht?"

„Euer Bruder tötet lediglich die Feinde. Asani vernichtet sie. Sie zermalmt sie so lange, bis ihre Mütter sie nicht mehr erkennen!"

Das brüllende Gelächter der Ifrey-Krieger hatte den Wald zum Erbeben gebracht, aber Damelos ließ sich davon nicht beeindrucken, sondern hatte gefragt: „Ein toter Ork ist ein toter Ork. Wo ist da der Unterschied?"

„Die Schlächterin hat drei Tage in den Eiswüsten wie ein blaues Feuer gewütet. Sie schlug den toten Orks die Köpfe ab und reihte sie auf unserer Grenze als Warnung für ihre Nachfolger auf."

„Und wisset, Hoheit", hatte ein anderer Krieger eifrig eingeworfen. „Unsere Grenze ist lang."

„Ja, mächtig lang", hatte der anderer hinzugefügt.

„Ja, genau", hatte der eine wieder gesagt, „sehr mächtig lang."

„Und bevor sie das gemacht hat, hat sie in dem Blut der Orks gebadet."

„Warum denn das?" hatte Damelos schwach und zittrig gefragt. Legolas hatte dabei schmunzeln müssen. Er ahnte, daß Damelos bei den Schilderungen nicht ganz wohl war.

„Es ist kalt bei uns. Mit dem Blutbad hat sie sich aufgewärmt, damit sie auf dem Heimweg nicht friert", hatte ein Krieger prompt erklärt.

„Ja, ja, genau!" hatte der eine Krieger wieder gerufen, „und dann hat sie ihnen das Fleisch von den Knochen gerissen."

„Wieso?" hatte Legolas Damelos fragen hören.

„Als Proviant für den Heimweg", hatte der Krieger großartig geantwortet.

Legolas hatte nicht mehr gehört, was Damelos darauf erwidert hatte, denn nach diesem Satz war er kopfschüttelnd fortgegangen. Natürlich hatte er gewußt, daß vieles furchtbar übertrieben war. Er konnte sich an den Vorfall im Orkwald erinnern. Asanis Blutdurst, das durch das Schwert gesteuert wurde, hatte sie dazu gebracht, auch die letzten fliehenden Orks zu verfolgen und zu töten. Aber Sie hatte keine Leichenschändung begangen, geschweige in ihrem Blut gebadet noch sie gegessen.

Tags darauf hatte er Damelos dabei erwischt, wie dieser die Trauergesänge Düsterwalds leise für sich probte. Es hatte ihn so sehr erschüttert, daß er Damelos ohne ein Wort verlassen hatte.

Am sechsten Tag war ein junger Ifrey Krieger auf ihn zu gekommen, hatte ihn mitleidig angesehen und ihn plötzlich fest mit den Worten umarmt: „Ich kenne Euch zwar nicht, aber ich bin sicher, Ihr seid ein großer Krieger. Es wird schade um Euch sein."

Legolas' Herz hatte einige Takte schneller geklopft und schnell daran gedacht, daß die Ifreys einfach nur seltsame Sterbliche mit einem noch seltsameren Humor waren. Am siebten Tag hatte Aragorn ihm angeboten, mit ihm zu trainieren. Legolas hatte mit großer Freude zugestimmt. Endlich etwas Ablenkung! Aber er hatte sich jedoch gewundert, daß der König darauf bestanden hatte, daß sie ausschließlich mit dem Schwert übten. Er hatte obendrein verwirrt bemerkt, daß Aragorn Asanis Kampfstil nachahmte.

Und gestern hatte ihn Gimli allen Ernstes gefragt, ob er wirklich für Asani bereit war. Ob er sich wirklich alles gut überlegt hätte. Ob er nicht doch lieber ein wenig mehr von Welt sehen möchte, ehe er sich band. Schließlich war er, bis er mit Frodo und den anderen aufgebrochen war, die ganze Zeit in Düsterwald gewesen. Es gab noch so vieles in Mittelerde, das er sehen sollte.

Als Legolas ihm geantwortet hatte, daß er sich alles gerne mit Asani ansehen wollte, war der Zwerg zu seinem Entsetzen in Tränen ausgebrochen und hatte ihn geradezu angefleht, Bruchtal noch vor dem Ende der Frist zu verlassen. Heute war der neunte Tag und Legolas hatte endlich erkannt, daß die Frist nur einer Vorbereitung gedient hatte. Nämlich ihn so mürbe zu machen, daß er gegen Asani verlieren mußte!

Mit diesem finsteren Gedanken erreichte er endlich die verhangenen Fenster im zweiten Stock. Warmes Kerzenlicht im Inneren ließ die hellen Vorhänge scheinbar glühen. Aber es hinderte Legolas nicht daran, nach ihnen zu greifen.

~*~

Eingewickelt in einem dünnen Bettlaken saß Asani zu dieser späten Stunde am Schreibtisch ihrer Gemächer und versuchte sich erneut auf ein Buch zu konzentrieren, das Lord Elrond ihr ausgeliehen hatte. Es war eine neuere Abschrift eines sehr alten Reiseberichts eines Menschen und es handelte von dem Marsch der Verbannten aller Völker Mittelerdes in die Eiswüste. Dies war das einzige schriftliche Zeugnis über die Anfänge ihres Clans.

Jedoch fand Asani die Bilder und Karten, die das Geschriebene begleiteten, viel interessanter. Noch nie hatte sie eine Karte der Eiswüsten gesehen. Die Ifreys orientierten sich seit Jahrhunderten an Sternen und Windrichtungen. Sie steckte gerade ihre Nase in eine Karte, die den Weg der Verbannten zeigte, als sie sich auf einmal scharf abwenden mußte, um hart niesen.

Mit einer Hand hielt sie sich die Nase und mit der anderen schob sie das Buch fort, ehe sie nach dem Taschentuch suchte, während sie ihren Vater heftig dabei verfluchte. Sie war nämlich nackt unter der Decke. Er nahm ihr seit Beginn der Frist alle Kleider bei Sonnenuntergang fort, denn er hielt die Sitten ihres Clans entsetzlich ernst und genau ein.

Als er in der ersten Nacht ihre Kleider eingesammelt hatte, hatte sich Asani lautstark beschwert: „Das hat keine Ifrey seit 60 Jahren mehr machen müssen!"

Woraufhin ihr Vater ebenso laut geantwortet hatte: „Weil auch seit 60 Jahren keine Ifrey mit ihrem Waffenbruder geschlafen hat, ohne von ihm zuvor erlegt worden zu sein!"

Diese Maßnahme war ein Teil des Reinigungsrituals, dem sie sich als ungehorsame Kriegerin seit neun Tagen unterwerfen mußte. Sonst hätte man ihr die Hand abgeschlagen. Das Nacktsein galt als Buße, aber weil sie als Schlächterin einen hohen Rang genoß, durfte sie diese in der Verborgenheit der Nacht tun. Sie konnte von Glück sagen, daß sie sich dabei in Bruchtal befand und nicht Zuhause im hohen Norden.

Für die Tage durfte sie sich wieder anziehen, denn diese verbrachte sie damit, den anderen Teil des Rituals durchzuführen. Stundenlang mußte sie flach auf dem Bauch liegen und demütig zu den Rachegöttern der Ifreys für ihren Sieg gegen Legolas beten. Damit auch alles wirklich seine Richtigkeit hatte, überwachte Maja immer alles.

Dann, wenn die Sonne unterging, ihr Vater kam, um ihre Kleider zu nehmen und sie zusammen mit Maja verließ, verbrachte Asani eine weitere Stunde auf den Bauch liegend, um sich bei den Rachegöttern zu entschuldigen. Ihre Gebete am Tage entsprachen nicht der Wahrheit. Sie wollte nicht gegen Legolas gewinnen. Man möge es ihr nachsehen.

Asani putzte sich ordentlich die Nase und hoffte, daß sie sich nicht erkältet hatte. Es war nicht gerade verlockend mit schwerem Kopf und verstopfter Nase ein Duell zu bestreiten. Sicherlich würde ihr Vater darin ein Vorteil für Legolas sehen und darauf bestehen, daß ein neuer Zeitpunkt für den Kampf bestimmt werden sollte. Aber Asani wollte nicht noch länger warten. Neun Tage waren genug! Das Duell mußte morgen stattfinden. Sie ertrug dieses Warten und Beten nicht mehr!

Gereizt warf sie das benutzte Taschentuch fort und starrte trübsinnig in die Kerzenflamme. Seufzend wickelte sie sich dann fester in die Decke und lauschte in die Nacht. Nichts außer ein paar Grillen, die unter ihrem Fenster lautstark feierten, und der Nachtwind, der sich kühl und schwer auf ihre nackte Haut legte. Wie jede Nacht...

Was Legolas wohl gerade machte?

Ob er sich diese Zeremonie ansah, die die Ifrey-Krieger gerade hielten? Würden die Männer es wagen, die rituellen Todeswünsche in einer Sprache zu singen, die die Elben verstehen konnten? Asani mußte grinsen. Sicher würden sie es tun und ganz sicher war ihr Vater die treibende Kraft dafür gewesen. Wahrscheinlich würde er heute abend am lautesten singen. Würde sich Legolas darüber empören? Oder würde er darüber lachen?

Asani erhob sich wieder und schlenderte ziellos in ihrem Zimmer. Sie erinnerte sich sehr gut an sein Lachen und sie wollte es wieder so gerne hören. Es würde ihr reichen, ein Wort aus seinem Mund zu hören. Ihr wurde wieder schmerzlich bewußt, daß sie ihn seit neun Tagen nicht gesehen hatte. Sie vermißte ihn.

Ihre Füße trugen sie zu einem der Fenster. Sie starrte durch den dünnen Stoff der Vorhänge in die nächtliche Dunkelheit. Seit Tagen hatte sie den Himmel nicht gesehen. Die Tage verbrachte sie auf den Bauch liegend und nachts wagte sie es nicht, die Vorhänge beiseite zu ziehen. Maja hatte es ihr ausdrücklich verboten. Außerdem wurden die Türen und Wege zu ihr immer gleichzeitig von vier Ifrey Kriegern bewacht, die auch darauf achteten, daß sie sich an Majas Worte hielt.

Aber außer Lenn war heute abend niemand aus ihrem Clan da. So, wie sie den jungen Krieger kannte, würde er sich lieber mit seinen geliebten Dolchen beschäftigen, als seine Aufgaben als Wache nachzugehen. Niemand würde es bemerken, wenn sie die Vorhänge beiseite zog und sich die Sterne ansah. Zögern hob sie die Hand und strich vorsichtig über den glatten Stoff. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, konnte sie einen kleinen, flüchtigen Blick auf Legolas erhaschen. Wie er über die Todesgesänge lachte oder sich verstört fragte, was er den Ifreys angetan hatte, daß sie ihm so etwas wünschten. Sie wollte ihn nur sehen, mehr verlangte sie nicht. Ihre Finger griffen in die Vorhänge und zogen sie entschlossen zur Seite...

 ~*~

Legolas hatte gerade den Stoff der Vorhänge berührt, als diese auch schon beiseite gezogen wurde. Er erschrak und machte sich zugleich Vorwürfe. Wie hatte er das nicht bemerken können? Warum hatte er den Schatten nicht gesehen? War das Ausharren der letzten neun Tage wegen diesem Akt seiner Ungeduld vergeudete Liebesmühe? War jetzt alles vorbei? Hatte er Asani ins Verderben gestürzt?

Aber vor ihm stand kein grimmig drein blickender Krieger, sondern Asani mit weitaufgerissenen Augen. Einen Moment lang sahen sich beide nur an, bis Legolas erleichtert ausatmete und zugleich leise auflachte. „Asani, feredir. Du hast mich erschreckt."

Asani brauchte viel länger, um ihre Gedanken zu sortieren. Ihre Hände zerknautschten die Decke, in die sie sich eingehüllt hatte, während ihre Augen sich anscheinend nicht an ihm satt sehen konnten. Außerdem bekam sie ihren Mund nicht mehr zu. „Legolas? Bist du das wirklich?"

Die Augen des Elben blitzten vergnügt auf, als er lachend fragte: „Hast du mich etwa vergessen?"

Asani schwieg, blinzelte einige Male und trat zurück. Legolas verstand es als Einladung und hatte schon den Fuß auf ihrer Fensterbank, als sie auf einmal ihren Kopf schüttelte, als käme sie wieder zu Besinnung. Ohne Vorwarnung stemmte ihren Fuß gegen seine Brust und hielt ihn entschlossen davon ab, durch das Fenster zu steigen. Erstaunt hielt er inne und flüsterte sehr beunruhigt: „Asani, was tust du?"

„Wenn dich jemand aus meinem Clan sieht, kann ich mir die Hand selbst abschlagen!" zischte sie böse und ihr Fuß übte sehr viel Druck auf seine Brust aus. „Also, verschwinde jetzt!"

„Ist das nicht ein wenig übertrieben?" fragte Legolas nur halb lachend, während er sich eisern am Fensterrahmen hielt. „Weißt du, wie hoch es hier ist?"

„Du bist ein Elb!" zischte sie aufgeregt, „Dir wird schon nichts geschehen. – Jetzt  geh endlich!"

Legolas konnte seine Braut nur ungläubig anstarren, während seine Mundwinkel vor unterdrücktem Lachen zuckten. Demonstrativ umschlossen seine Finger langsam ihren Knöchel und er sah ihr dabei in die Augen.

Ihr Blick fragte ihn, was er vorhatte und als sie versuchte diese Frage auch auszusprechen, kam sie nicht weiter als bist zum „was". Er zog ihren Fuß mit einem Ruck von seiner Brust und sprang sie blitzschnell an. Mit einem kleinen Schrei strauchelte sie und fiel rückwärts hin. Flink wie ein Elb nun einmal war, hielt Legolas seine Geliebte vorsorglich umschlungen und drehte sich mit ihr noch während des Falles, damit er auf den Boden landete und nicht sie.

Der Aufprall war hart, aber nicht weiter schmerzhaft. Aber Asanis Nähe erschwerte jeden möglichen Gedankengang. Legolas atmete zitternd ein, als er ihr volles Gewicht auf sich spürte, und allein, daß ihr Haar über sein Gesicht fiel, brachte ihn aus der Fassung. Zu seinem Schreck und seiner Freude entdeckten seine Hände unbegrenzt nackte, warme Haut. Er spürte die festen Muskeln ihres Rückens und Arme und fuhr zusammen, als sich ihr Knie zwischen seine Beine verirrte. Legolas hob mit großem Herzklopfen eine Hand, um ihr Gesicht zu berühren, als sie sich mit beiden Händen schwer auf seinem Brustkorb abstützte, um aufzustehen. Dabei drückte sie ihm die Luft aus den Lungen. Nicht ein Wort oder einen Blick gönnte sie ihm, als sie hastig los rannte und jede Kerze im Zimmer löschte. Nur das fahle Licht der Sterne fiel durch das offene Fenster. Aber es reichte Legolas' scharfen Augen vollkommen aus, um Asani beobachten zu können.

Als sie fertig war, wirbelte sie zu dem Elben herum und flüsterte laut: „Bist du wahnsinnig? Was machst du überhaupt hier?"

Legolas hatte sich in der Zwischenzeit aufgesetzt und das Laken, das Asani beim Aufstehen vergessen hatte, grob zusammen gefaltet. Als er sie nur stumm betrachtete, fuhr sie aufgebracht fort: „Weißt du eigentlich, was passiert, wenn man dich entdeckt hätte?"

Er bemerkte schließlich, daß sie ihm einige vorwurfsvolle Frage gestellt hatte. Aber er hatte nicht eine verstanden. Er wußte nur, daß sie nackt vor ihm stand und daß es scheinbar sehr lange her war, als er sie das letzte Mal so gesehen hatte, denn ihr Anblick hatte ihm schlicht die Sprache verschlagen.

Asani stöhnte schließlich verzweifelt: „Was ist los?"

„Du bist nackt", erwiderte er ruhig.

Sie blickte an sich herunter und Legolas sah ganz deutlich, daß sie errötete. Dennoch fragte sie trocken: „Tatsächlich?"

Ohne zu zögern kam sie auf ihn zu und trat dabei in das Licht der Sterne. Legolas hielt die Luft an. Seine Braut war wirklich atemberaubend schön. Er stand schnell auf und hielt ihr das Laken hin, als wollte er ihr helfen, sich darin einzuwickeln. Nach anfänglichem Zaudern und mit bösen Blicken ließ Asani es dann zu. Legolas wickelte sie nicht nur einfach darin ein, sondern drapierte die Decke um ihren Körper und knotete hier und da Zipfel zusammen, damit Asani nichts mehr festhalten mußte. Während sie sein Werk bestaunte, begann er vorsichtig an ihr schnuppern und fragte neugierig: „Kommst du gerade aus dem Bad?"

„Nein, ich komme aus keinem Bad", erwiderte sie überraschend unwillig. „Ich muß Buße tun."

Legolas hielt erstaunt inne. „Buße? Wofür?"

Asani entfernte sich einige Schritte von ihm, ehe sie antwortete. Sie wanderte dabei in einem dunkleren Teil es Zimmers, so daß der Elb nur noch anhand ihrer Schritte bestimmen konnte, wo sie war.

„Du weißt, daß das was im Elbenwald geschehen ist, von meinem Clan nicht anerkannt wird", sagte sie schließlich leise.

Obwohl Legolas sie hervorragend verstand, folgte er ihr langsam. „Ja und deswegen müssen wir das Ritual wiederholen."

„Genau. Aber vorher muß ich dafür Buße tun, weil ich es eigentlich besser wissen müßte."

Legolas blieb stehen. Er spürte, daß Asani etwas bedrückte, denn sie ging hin und her und ihre Stimme wurde mit jedem Wort leiser. Schließlich war sie am Fenster und zog die Vorhänge wieder zu. Nun gab es gerade mal genügend Licht, daß Legolas nur noch ihre Silhouette sehen konnte.

Leise fragte er: „Bereust du es?"

Asani wandte sich scharf um, sagte aber nicht sofort etwas. Ihre ganze Haltung verlor an Spannung und sie wandte das Gesicht von ihm ab, als sie schließlich antwortete: „Nein, niemals. Ich bereue nicht einen Moment, den ich mit dir verbracht habe." Sie schüttelte leicht den Kopf und sah ihn wieder an. „Die Sitten unseres Volkes verlangen Buße von mir, aber ich kann sie nicht mit ehrlichem Bedauern leisten."

Legolas kam langsam auf sie zu und blieb direkt vor ihr stehen. „Bedrückt dich das?"

Er hatte sie nicht angefaßt und machte auch keine Anstalten dazu, aber Asani neigte sich unwillkürlich zu ihm hin. Dennoch schien sie es nicht zu wagen, sich an ihm anzulehnen, denn sie straffte wieder ihre Schultern. Als sie sich abwenden wollte, strich sein Handrücken vorsichtig über ihre Wange. Asani griff sofort nach seiner Hand. Legolas ließ es betroffen geschehen, denn er hatte erwartet, daß sie ihm auswich und nicht, daß sie ihr Herz bei einer schlichten Berührung schneller schlug oder daß sie seine Hand so verzweifelt festhielt. Was war nur mit ihr?

„Sag, ist es das, was dich so still macht?" fragte er besorgt.

Asani rieb ihre Wange an seiner Hand und wünschte, sie könnte ihm in die Augen sehen. Sie zitterte, als seine Fingerspitzen über ihre Haut strichen. Es war wahrlich sehr lange her, als sie so nah voreinander standen.

„Asani?"

Legolas hatte sich zu ihr hinunter gebeugt und lehnte sein Kinn an ihre Stirn. Ihr Haar kitzelte ihn, als sie schließlich das Gesicht zu ihm hob. „Legolas, was machst du hier?" fragte sie leise. „Weißt du denn nicht, was das bedeutet?"

„Doch, ich weiß es"

Als sich wieder ihre Schultern versteiften, sie einen scharfen Atemzug tat und er ihr betroffenes Gesicht trotz der Dunkelheit sehen konnte, legte er schnell die Arme um sie.

„Willst du mir sagen, daß du morgen nicht gegen mich antreten wirst?" wollte sie nun wissen. „Bist du deswegen hier?"

Seine Umarmung wurde fester und es kümmerte ihn nicht, daß sich Asanis Körper noch mehr versteifte. Schnell versicherte er ihr: „Nein, deswegen bin ich nicht hier. Glaube mir."

Sehr, sehr langsam begann sich Asani wieder an ihm zu schmiegen: „Was machst du dann hier?"

„Feredir", begann er seufzend. „Ich habe dich neun Tage weder gesehen noch deine Stimme gehört und man verlangt von mir, morgen gegen dich anzutreten. Dabei weiß ich gar nicht, ob du es auch willst. Maja hat es so bestimmt und ich weiß, daß du jedes ihrer Worte folgst. Aber was sagt dein Herz dir?"

„Dann warst du dir nicht sicher, ob ich morgen da sein werde?" fragte sie nach einer Weile erstaunt.

Legolas wertete es als gutes Zeichen, daß sie auch beleidigt klang. Er drückte sanft ihren Kopf unter sein Kinn und vergrub seine langen Finger in ihren kurzen Locken, während er nach den richtigen Worten suchte. „Ich war mir unsicher, aber nicht weil ich fürchtete, du würdest nicht kommen." Seine Schultern bebten etwas vor leisem Lachen. „Denn ich weiß, daß du dir keinen Kampf entgehen lassen würdest."

„Weswegen dann?" fragte sie leise und ihr Atem kitzelte seinen Hals. Es fühlte sich aber so angenehm an, daß Legolas wohlig seufzte. Er spürte ihr Lächeln an seiner Haut und wie sie mutwillig seine Kehle küßte. Diese kleine Berührung brachte ihn zum Zittern. Er schloß die Augen und wartete, was sie wohl als nächstes tat, aber statt dessen drängte sie ihn noch einmal: „Weswegen dann, Legolas?"

„Ich fragte mich", flüsterte er nach einer Weile, „ob es in deinem Sinne war, als ich zugestimmt habe. Ich fragte mich, ob du es wolltest oder ob ich dich dazu gedrängt habe."

„Legolas, warum verschwendest du deine Zeit mit solchen Gedanken?" Ihre Stimme klang weder vorwurfsvoll oder gar enttäuscht, sondern sehr traurig. Ihre Hände strichen zwar tröstend über seinen Rücken, aber ihre folgenden Worte waren es ganz gewiß nicht: „Glaube mir, hätte ich mich gezwungen gefühlt, hätte ich die neun Tage nicht mit büßen und nackt sein verbracht, sondern hätte dir sofort die Ohren abgeschnitten."

Legolas mußte schmunzeln und zuckte aber überrascht zusammen, als ihre Fingerspitzen zärtlich über seine Ohren strichen. „Ich kann den morgigen Tag kaum noch erwarten", gestand sie ihm kaum hörbar. „Ich kann nicht mehr von dir getrennt." Sie stellte sich auf sie Zehenspitzen und küßte sein Kinn. Selbst im Dunkeln konnte er ihren brennenden Blick sehen. Langsam wanderten ihr Mund zu seinem und ihr heißer Atem an seinen Lippen jagte ihm ein Schauer über den ganzen Körper. „Erlege mich morgen und laß mich auf ewig dein sein."

Diese Bitte stürzte ihn in einen Zwiespalt. Einerseits sah Legolas viele Schmerzen, sowohl körperliche als auch seelische, auf sie beide zukommen, ehe dieses Ziel erreicht werden konnte. Aber ihre Worte brachten sein Herz zum Rasen, weil ihre Verzweiflung seiner so ähnlich war, und stachelten gleichzeitig die Verwegenheit in ihm an. Arrogant erwiderte er ihr daher: „Das werde ich. Verlaß dich darauf."

Asani schnaubte bei soviel Selbstüberzeugung „Aber denk nicht, daß ich dir das leicht machen werde."

„Das verlange ich auch nicht, große Schlächterin."

„Ja, die bin ich", erwiderte sie etwas kühler. „Schlächterin" war ein großer Titel in ihrem Clan und nicht zum Spotten geeignet oder auch nur um ironisch ausgesprochen zu werden, wie Legolas es gerade getan hatte. „Erwarte daher keine Gnade von mir, Elbenprinz."

„Und weil ich der bin", gab er lächelnd zurück, „ist ein Schlächter der Letzte in Mittelerde, der Gnade von mir erwarten kann."

„Gibst du mir dein Wort?" fragte Asani ernst.

Legolas öffnete schon den Mund, um die Worte auszusprechen, aber statt dessen zog er ihren Kopf an ihren Haaren nach hinten und küßte sie auf den Mund. Er ließ nicht zu, daß sie zu Atem kam, sondern hielt sie eng an sich gedrückt. Erst als er selbst etwas Luft brauchte, glitten seine Lippen über ihre Wange zu ihrem Ohr. Nicht gerade zärtlich biß er dann hinein. „Mein Wort willst du, Schlächterin? Gib du mir deins, daß du dich mir als würdige Gegnerin erweist. Dann überlege ich mir, ob ich dich erlege."

Asani keuchte empört auf und als sie zu ihm aufsah, stießen fast ihre Nasen gegeneinander. Böse zischte sie: „Ich bin deiner würdiger, als du es verdienst, blöder Elb!"

Legolas lachte leise. „Dann werde ich gnadenloser sein, als du es verdienst, feredir, denn du gehörst mir."

Er besiegelte seine Worte mit einem letzten Kuß und verschwand so plötzlich, wie er gekommen war. Asani sah ihm dumm hinterher und hob geistesabwesend die Finger zu ihren geschwollenen Lippen. Der Wind spielte vorsichtig mit den Vorhängen und erlaubte ihr einen letzten Blick auf den verschwindenden Elben. Sie wandte sich vom Fenster ab und legte sich auf den Bauch. Ein letztes Mal wollte sie noch zu den Göttern beten.

Dafür, daß sie Legolas eine Tracht Prügel verpassen konnte, ehe er sie erlegte.

Ende des 38. Kapitel

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Irgendwann habe ich ja gesagt, bei Kapitel 25 sei Schluß. Dann meinte ich, bei Kapitel 30. Als ich da angekommen war, mußte ich es auf Kapitel 35 verschieben. Hinterher jedoch tönte ich herum, Kapitel 37 ist das Ende...dann habe ich nur noch sehr dezent angedeutet, daß es ein Kapitel später sein würde. Tja, und jetzt. Aber beim nächsten Kapitel ist wirklich Schluß...wenn man das Epilog nicht mitzählt.