Kapitel 17

Ohne weitere Worte lief Elaine auf den Kamin zu und Sekunden später stand sie wieder auf dem Speicher. Eneira traf kurz darauf auch ein. „Jetzt sag mir erst mal, was du vor hast!", sagte sie bestimmt und hielt ihre Schwester an den Armen fest, damit sie nicht wieder den Laufburschen spielen musste. „Das wirst du gleich sehen! Als Erstes such im Ganzen Haus alle 25 Volt Batterien zusammen, die du finden kannst. Obwohl die anderen kannst du auch bringen, wir können ja die Form verändern!", schlug sie vor und Eneira gehorchte.

Beide eilten durch das Haus und nahmen, Uhren, Wecker und alle batteriebetriebenen Geräte auseinander. Alex war bereits wieder aus dem Kino zurück und saß mit seinen zwei Freunden in seinem Zimmer. Die Musik dröhnte lautstark und Ian sang lautstark dazu.

Plötzlich wurde die Türe aufgerissen, zuerst kam Eneira herein geplatzt, dann, hinter ihr, Elaine. „Was wollt ihr hier?", fragte Alex verärgert und stand auf. „Deine Batterien!", sagte Elaine und es klang, als wäre sie Dracula und lechzte nach seinem Blut. „Bitte?", fragte Alex nur verwirrt und Ian stellte seinen Gesang ein.

„Man du Hohlbirne, wir brauchen deine Batterien! Also Batterien her oder Hose runter!", sagte Eneira und Elaine sah ihre Schwester mit Ekel im Gesicht an. „Iihhh, bist du widerlich!"Als Eneira realisierte was sie gesagt hatte wurde sie ganz blass. „Oh Alex, wage es nicht! Das war die Macht der Gewohnheit. Lass deine Hose gefälligst an!", fügte sie dann gebietend hinzu. Elaine grinste zufrieden und machte sich an der Wanduhr zu schaffen. Geschickt waren die Batterien entfernt und sie reichte die Stromspeicher ihrer Schwester, diese sie in ihre Tasche gleiten ließ.

„Wir könnten schon ein ganzes Stromwerk für einige Stunden auf trapp halten!", meinte Eneira dann mit einem abschätzenden Blick auf den Inhalt ihrer Tasche. „Das ist aber noch nicht genug. Wir brauchen mehr!", erklärte Elaine und als sie sich an dem Ghetto Blaster von Alex zu schaffen machen wollte, kam Ian hinzu.

„Alex, lass diese...Wir heißt ihr eigentlich?... Egal, jedenfalls bleibt der Muckebetreiber hier!", sagte er eindringlich und die Zwillinge sahen ihn einen Moment fassungslos an, dann brachen sie in schallendes Gelächter aus. Plötzlich meldete sich Elaine unter dem Gelächter: „Muckst du? Guckst du! Zähne spuckst du...!"Eneira musste noch lauter lachen und Elaine schien auch kaum noch an sich halten zu können.

„Ist der nicht niedlich? Legt sich mit uns an...!", lachte Eneira und ihre Schwester brachte einen quiekenden Ton der Zustimmung heraus. Immer noch von diesem heftigen Lachkrampf geschüttelt verließen sie das Zimmer. Verdattert sahen die drei älteren Jungs den Mädchen hinter her und warfen sich dann fragende Blicke zu. Kein Wort wurde mehr gesagt, sondern einfach wieder die Musik angestellt, diesmal in der Anlage, die an die Steckdose angeschlossen war.

Eneira und Elaine hatten inzwischen das ganze Haus nach Batterien durchkämmt und eine beträchtliche Summe zusammen getragen. Natürlich funktionierte jetzt gar nichts mehr, die beiden hofften zwar inständig Gianne würde das Fehlen der Batterie in der Eieruhr in der Küche bemerken, denn verbrannte Nahrung wollten sie dann auch nicht. Genauso hofften sie das die Sonderanfertigung der Freisprecheinlage in Corins Caprio sich recht bald durch das Fehlen des Antriebs bemerkbar machen würde und Corin damit mächtig verärgerte.

„Also du nimmst die Tasche mit den Batterien und dann holst du noch aus unserem Zimmer... äh... Flubber, Daddy mag doch eigentlich Chemikalien. Dann brauchen wir noch 'den Schuh des Manitu', für die Lachmuskeln. Ach und damit Daddy die Verwendung von Papers kennen lernt, bringst du noch Scary Movie. Ich hole Lady Chatterly von Corin, vielleicht gefällt ihm das! Dann bringe ich noch 'Der Hexenclub', das dürfte ihn auch interessieren. Vielleicht kann Daddy ja was lernen. Und dann darf mein Lieblingsfilm natürlich nicht fehlen. Independence Day!", erklärte Elaine und nun schien Eneira zu begreifen was ihrer Schwester vorhatte. Sofort fand sie gefallen an der Idee und fügte noch hinzu: „Danach gehen wir in die Videothek und besorgen ihm noch einige Filme!"

„Ich hab dann außerdem noch eine Idee!", sagte Elaine und beide verschwanden in ihrer Ecke des Zimmers um die Videofilme zu suchen.

Nach dem beide fertig waren und die Videos in einer weiteren Tasche verstaut hatten, machten sie sich auf den Weg, den ausrangierten Fernseher und den Videorekorder aus dem Keller zu holen. Beide war noch funktionstüchtig, doch nach Corins Meinung war der Fernseher zu klein und der Videorekorder zu langsam beim zurückspulen. Doch das störte die Schwester herzlich wenig. Sie packten sich alles unter den Arm und gingen mit Videorekorder, Fernseher, einer Tasche voller Batterien und einer voller Filme Richtung Speicher.

Wenig später öffneten sie die Kellertüre und kamen herein. Severus saß immer noch an seinem Schreibtisch und korrigierte sämtliche Tests. „Was wird das?", fragte er misstrauisch als die Mädchen so vollbepackt und mit einem schwarzen Kasten unter dem Arm herein kamen. „Wir verschaffen dir ein neues Hobby! Nämlich Videos gucken!", erklärten beide wie aus einem Mund. Severus verzog verständnislos das Gesicht, ließ die beiden aber machen. Sie stellen ihm das Gerät auf den Esstisch und verbanden sämtliche Kabel. „Ein Glück brauchen wir keinen Anschluß, Video läuft auch so. Und Strom haben wir ja in Form der Batterien!"

Nach gut drei Minuten hatten sie den Kasten angeschlossen. „So Daddy jetzt guck mal. Das ist der Anschalter und dann drückst du hier auf Play. Natürlich musst du vorher ein Video hinein gestopft haben!", erklärte Eneira und hielt ihm 'Den Schuh des Manitu' unter die Nase. „So sieh her...!", ergänzte sie dann noch und schob die Kassette in den Apparat. Severus sah zwar zu, zeigte aber relativ wenig Interesse. Plötzlich begann sich ein Bild auf den Fernseher zu schleichen und Severus schien fasziniert auf den Bildschirm zu blicken. Da die Lautstärke ziemlich hoch gedreht war, hörte man es auf einmal laut durch den Keller brüllen: „Ja Leck mich doch am Arsch!"„Ja, wie denn?"

Severus sah die beiden entgeistert an und wendete seine Aufmerksamkeit wieder dem seltsamen Schauspiel mit dem komischen Dialekt auf dem Bildschirm zu. Zwei Leute, in seltsamen Verkleidungen, wie Indianer, waren an zwei Marterpfähle gebunden und schienen zu streiten. Wie kamen diese Leute denn in den Kasten?, fragte sich Severus, unterließ es aber nach zu fragen. Er wollte erst mal abwarten.

„Ich hab noch eine Überraschung!", sagte Elaine und legte ihre Jacke ab. Eneira grinste hinterhältig und stemmte die Hände in die Hüften.