Familie Potter

Lily betrachtet ihre Hände, ganz schrumpelig sind sie geworden. So lange liegt sie schon in der Badewanne.

Sie möchte nicht aus dem wohlig warmen Wasser, möchte nicht nach Unten gehen und sich von James ausfragen lassen müssen. Ausserdem möchte sie diesem komischen Muggle nicht erklären, was sie im April in einem Fluss zu suchen hat.

Sie weiss, dass sie raus muss, sie weiss, dass James irgendwann kommen wird. Sie seufzt und taucht in das schon etwas trüb gewordene Wasser. Wie konnte sie nur so dumm sein? Sie hatte ihre Prüfung im Apparieren doch mit Bravour bestanden. Sie war zwar wütend und enttäuscht gewesen. Aber so lässt man sich zu diesen Zeiten normalerweise nicht von seinen Gefühlen leiten.

Lily war so aufgelöst gewesen, dass sie schnell nach Hause wollte, sie dachte nicht nach und ist Appariert. Das Anwesen der Potters hat jedoch einen Apparierschutz eingebaut. Dieser leitete sie um, direkt in den Fluss.

Zum Glück hatten ihre Eltern sie und Petunia in einen Schwimmkurs geschickt, zum Glück war dieser Muggle - wie hiess er noch gleich? - am Ufer und sah und rettete sie. Sonst wäre sie jetzt tod. Diesen Schutz, der eigentlich dazu diente Feinde davon abzuhalten das Anwesen der Potters zu besuchen, war schon seid ewigkeiten eingebaut.

Die Familie Potter war seid hunderten von Jahren, eine mächtige Familie in der Zaubererschaft gewesen. Immerzu hatte die Familie gegen die dunkle Seite gekämpft und immer waren ihre Mitglieder mutig, selbstlos, ehrgeizig und klug gewesen.

So steht zumindest in einem Vers über die Familie Potter, der in die Mauern verewigt wurde. Nun ja, verewigt dann doch nicht. Als James und Lily das Haus renovierten, hat James in rausmeisseln lassen (zuerst hatte es nicht geklappt, der Vers war mit irgendeinem Zauber belegt gewesen, James hatte jedoch keine Probleme ihn zu brechen). Der Spruch machte James wütend. Lily war geschockt gewesen über James Wut.

Sie hatte seine Eltern kennen gelernt sie waren nett gewesen, beide ehrbare Leute, die Zeit ihres Lebens auf der guten Seite gekämpft haben und das schliesslich mit dem Tod dafür bezahlten.

Sie erinnert sich noch genau, was James Vater ihr kurz vor seinem Tod, bei Lilys Verlobung zu ihr sagte: „Mädchen, pass auf ihn auf und hol ihn von seinem hohen Ross herunter".

Lily hatte darüber gelacht und erwidert: „Das habe ich schon, glaub mir Albert oder soll ich Vater sagen".

Daraufhin antwortete er: „Dann würde das wenigstens jemand tun. James ist dafür schon seid er elf Jahre alt war zu cool".

Irgendjemand rief ihn dann zu sich. Mit federnden Schritten ging er dann weg, während er leise immer wieder „Vater" sagte.

Obwohl sie ihn nur kurz kannte, mochte und mag sie ihn sehr.

Wenn sie an ihren Schwiegervater zurück denkt, sieht sie vor sich immer einen schlaksigen Mann mit einem warmen, haselnussbraunen Hundeblick und Federnden Schritten.

Lily und James hatten nach dem Tod James' Eltern ihre Hochzeit verschoben.

James war unglücklich gewesen, sehr unglücklich.

Tagelang hatte er sie gar nicht an sich ran gelassen. Sie dachte schon, dass die Hochzeit nun gar nicht statt finden würde, dass er sie nicht mehr liebte.

Einmal mitten in der Nacht fragte er sie: "Erinnerst du dich noch an den eingravierten Spruch im Flur"

"vor allem daran, wie erzürnt du über ihn warst, erinnere ich mich", antwortete sie.

„Er ist eine Lüge", sagte er schlicht. „Er bezieht sich vielleicht auf meinen Vater und auch das nur teilweise".

Lily war nun noch wacher „was meinst du damit?"

„Mein Vater war mutig in Bezug auf Voldemort oder auf Gefahr, was eigentlich das selbe ist. Nicht wahr?"

„Du verzettelst dich, James"– sie hasste Wörter, wie Schatz oder Liebling und hatte diese auch James abgewöhnt.

„Ja, entschuldige. Ich meine er konnte sich nicht gegen seine eigene Mutter wehren."

„Wie meinst du das?"

„Hab geduld. Seine Mutter hasste Aurelia."– so hiess James' Mutter – „Ich weiss nicht wieso und werde es auch nie erfahren. Auch ich hatte nie den Mut, meine Grossmutter zu fragen, bevor sie starb. Bis zu ihrem Tod lebte sie in diesem Haus. Sie bewohnte ein Zimmer in diesem Haus. Mein Vater hatte nicht den Mut sie raus zu schmeissen. Ich weiss auch nicht, ob er das gekonnt hätte, ob ihm oder ihr das Haus gehörte. Er zog auch nicht weg und nie bat er sie darum damit aufzuhören".

„Mit was?", fragte Lily.

„Sie quälte meine Mutter. Nach Aussen hätte das niemand gemerkt. Sie tat es heimlich und doch so offen, dass es ich und mein Vater mitbekamen. Meine Mutter war eine stille etwas schüchterne Frau, das weißt du auch."

Lily konnte sich kaum mehr an die untersetzte Frau mit dem schwarzen Haaren – die sie so gut pflegte, dass nicht, wie die von James wirkten – erinnern. Sie war still gewesen, ja. Vielleicht fand Lily sie deshalb weniger sympathisch, als ihren Mann, weil sie so unauffällig war.

Schweigsame, stille Frauen kann man leichter ausnutzen und links liegen lassen, als redegewandte und laute Frauen. Ist das genau so bei Männern? Nein vor einem ruhigen, schweigsamen Mann hat man Respekt. Sie erinnert sich gut an einen dicken Kloss in ihrem Hals.

„Was tat sie genau?", fragte Lily.

„Sie machte Aurelia kaputt. Fand alles, was sie tat schlecht. Sie hasste auch mich, weil ich ihr ähnlich sah, vielleicht oder weil sie mich erzogen hatte und ich somit, auch eine Aurelias schlechten Taten und Ergebnissen war. Sie brachte meinen Vater dazu Aurelia zu überreden keinen Beruf auszuüben sondern zuhause zu bleiben und für den Haushalt zu sorgen."

James sagte das schnell, als wollte er etwas giftiges los werden. Dann sah er sie an, als erwartete er ein Urteil von ihr. Sie wollte schon den Mund aufmachen, da bat er sie inne zu halten:

„Nein, du weißt nicht alles. Das ist nur ein kleiner Teil, was an diesem scheiss Spruch nicht stimmt. Ich meine, dieser Spruch hört sich doch so an, als seien die Mitglieder unserer Familie alle gleich gewesen. Als hätten sie alle die gleichen Charaktereigenschaften, die gleichen Vorzüge gehabt, als währen sie überhaupt alle gleich gewesen", nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „einschliesslich mir".

„Wie Klone", flüsterte Lily.

„Wie was?", fragte James.

Sie winkte ab.

Beide schwiegen.

Irgendwann sagte James: „Niemand war perfekt in unserer Familie. So ein Spruch macht Arrogant und selbsteingenommen nicht selbstlos", er sprach das Wort „Selbstlos", voller Spott aus.

„Lass uns bald heiraten", sagte Lily plötzlich, sie wusste auch nicht genau, wieso sie das sagte. Sie wusste damals nur, dass James sie brauchte. Und das weiss sie noch Heute.

Sie schüttelt ihren roten Schopf, wobei Tropfen herumspritzten und Lilys Haar in ihr Gesicht fällt. Sie gibt sich einen Ruck und steht auf. Einen kurzen Moment ist ihr schwindelig von dem langen, heissen Bad. Sie bleibt kurz stehen, dann läuft sie über den weissen Läufer und holt von einer Stange einen Bademantel mit dem Schriftzug "Potter" darauf.